Finanzielle Unabhängigkeit - so funktioniert's

So funktioniert finanzielle Unabhängigkeit

Wie du bereits im ersten Artikel erfahren hast, vertrete ich einen ziemlich anderen Lebensentwurf als den, den deine Freunde und Mitmenschen dir bisher immer vorgelebt haben. Die meisten Menschen leben ihr langweiliges Waschlappenleben, gehen 40 Jahre lang Tag für Tag zu ihrem Job arbeiten und jammern ständig darüber, wie kostspielig doch das Leben ist. Währenddessen lebe ich wie ein epischer Superheld und schaufele ganz nebenbei jeden Monat zwei Drittel meines Gehalts auf mein Sparkonto. Dadurch werde ich in einem Alter, in dem viele ihre Midlife-Crisis erleben, genug angespart haben um nie wieder für Geld arbeiten zu müssen.

Diese Idee ist gar nicht mal neu, sondern schon seit vielen Jahrzehnten unter dem Begriff FIRE bekannt. FIRE steht für Financial Independence and Retiring Early (zu deutsch: Finanzielle Unabhängigkeit und früh in Rente gehen). Zahlreiche Bücher, Blogs und eine stetig wachsende Community berichten mittlerweile von Einzelpersonen und Familien, die mit einem normalen Einkommen und einem etwas genügsameren Lebensstil mit 30 oder 40 (und somit Jahrzehnte vor dem staatlichen Rentenalter) finanzielle Unabhängigkeit erreicht haben – und gleichzeitig mit weniger Geld besser leben als die meisten ihrer Mitmenschen.

Wie wird man finanziell frei?

Um so reich zu sein, dass du nie wieder arbeiten gehen musst, brauchst du natürlich eine Stange Geld. Wie aber kriegst du die? Vielleicht im Lotto gewinnen? Ein zweites Facebook gründen? Oder von der reichen Großmutter erben?
Dafür braucht man natürlich ziemliches Glück und darauf möchte ich mich nicht verlassen. Ich brauche eine sicherere Methode.
Wie sich herausstellt, gibt es nur eine sichere Methode, um reich zu werden:

Du musst weniger ausgeben als du verdienst und die Differenz sparen!

Das auf diese Weise Monat für Monat gesparte Geld legst du an, damit es für dich arbeiten kann und dir Einkünfte erzeugt. Das können zum Beispiel Zinsen, Dividenden oder Mieteinnahmen sein. Irgendwann werden diese Einkünfte groß genug sein, um deine Ausgaben vollständig zu decken. Dann brauchst du deinen Job nicht mehr zum Leben und bist finanziell frei!

Aber wie viel Geld muss man dafür ansparen? Als grobe Faustregel kannst du dir merken: Etwa das 25-fache deiner jährlichen Ausgaben. Hier offenbart sich die wahre Frugalisten-Power: Je weniger Geld du zum Leben brauchst, desto massiv schneller wirst du finanziell frei. Denn du hast einerseits jeden Monat mehr zum Sparen übrig und musst andererseits auch weniger ansparen, bis du von deinem Vermögen leben kannst.

Es ist simple Mathematik: Bei einer Sparquote von 50 % brauchst du etwa 17 Jahre bis du finanziell frei bist. Sparst du zwei Drittel deines Einkommens, musst du gerade mal 10 Jahre arbeiten gehen, bis du in Rente gehen kannst. Mit dem folgenden Rechner kannst du das mal ausprobieren und ein bisschen mit den Zahlen spielen.

Das Zauberwort: Passives Einkommen

Passives Einkommen bedeutet, dass du nicht jeden Tag aufs Neue in deinem Job arbeiten musst, um Geld zu verdienen. Das wäre ein aktives Einkommen, weil du dafür aktiv ackern gehen musst. Stattdessen investierst du einmalig Arbeit und erhältst anschließend dauerhaft Einnahmen, selbst wenn du den ganzen Tag auf der faulen Haut liegst.
So könntest du zum Beispiel ein Buch schreiben, das wieder und wieder verkauft wird. Oder ein Musikstück komponieren, das jeden Tag im Radio gespielt wird. Da ich aber weder Beststeller-Autor noch begnadeter Komponist bin, fällt diese Möglichkeit für mich wohl aus. Stattdessen nutze ich passive Einkommensquellen, die für jedermann zugänglich sind: Aktien, Anleihen und Immobilien. Wie die im Detail funktionieren, erkläre ich im nächsten Artikel.

6 Kommentare zu „So funktioniert finanzielle Unabhängigkeit

  1. Die Grafik ist wirklich sehr gut zur Übersicht.
    Leider wird das für viele nur ein Traum bleiben, da sie das nicht durchhalten und nur sehr wenig Sparen und davon nichts investieren.

    Der Schlüssel zum Erfolg liegt wie bei vielen Dingen im Tun und im Durchhaltevermögen.

  2. Allerdings wird hier die Inflation nicht bedacht. Wenn man von durchschnittlichen 3% ausgeht, dann braucht man schon für die Kaufkraft von heutigen 970€ in 17 Jahren ca. 1600€. Dies entspräche einem notwendigen Vermögen von gut 460.000€.

    • Hallo Pfennigfuchs,

      doch, die Inflation wird hier selbstverständlich bedacht. Ich rechne immer mit inflationsbereinigten Werten, das heißt alle Geldsummen kannst du dir quasi als „Euros von 2016“ vorstellen. Das ist in etwa so wie damals im Matheunterricht: Wenn auf beiden Seiten der Gleichung der selbe Wert steht, kann man diesen einfach herauskürzen, ohne dass die Gleichung dadurch falsch wird. Wenn dein Einkommen mit der Inflation steigt und deine Ausgaben auch, dann brauchst du die Inflation nicht weiter zu berücksichtigen, da das Verhältnis der beiden Größen gleich bleibt.
      Natürlich ist das eine (kleine) Vereinfachung, da ich damit von folgenden Voraussetzungen ausgehe:

      – Dein Gehalt steigt mit der Inflation
      – Deine Ausgaben steigen mit der Inflation

      Auch in der 4%-Regel steckt bereits ein Inflationsausgleich mit drin (man kann die Entnahmen in Höhe von 4% des anfänglichen Portfolios jedes Jahr um die Höhe der Inflation anpassen).

      Die den Zahlen aus der Titelgrafik zugrundeliegende Rendite beträgt 5% und ist ebenfalls inflationsbereinigt. Wenn du die Inflation wieder mit einberechnest (und in 17 Jahren statt 970 € also 1600 € brauchst), dann beträgt dein Vermögen ohne den Inflationsausgleich auch wieder die benötigten 460.000 €.

  3. Hallo!

    Grundsätzlich gebe ich dir Recht. Allerdings sind deine Arten, passives Einkommen zu erlangen (Zinsen, Dividenden, Mieteinnahmen) relativ unsicher. Klar sind Dividenden und Mieteinnahmen eine klasse Sache. Aber was passiert wenn sich die Investmentgesetzgebung und besonders die Versteuerung ändert? Immerhin sprechen wir hier von Anlagehorizonten von mind. 10-20 Jahren.

    Was wenn linksgrüne Politiker an die Macht kommen und dein vermietetes Eigenheim verstaatlicht wird? Tja, dann brechen schonmal zwei Säulen deines passiven Einkommens weg. Und dann?

    Alleine daher sind schon die anderen Alternativen, zB über Tantiemen nicht zu unterschätzen in ihrer Wichtigkeit. Klasse finde ich deine Berechnung mit dem 25 fachen deines Jährlichen Einkommens.

    Vielleicht sollten sich viele, die von finanzieller Unabhängigkeit träumen, diese Summen mal vor Augen führen.

    Beispiel:
    20.000 Euro Jahresgehalt bedeuten 1666 Euro monatlich. 25 x 20.000 Euro bedeutet, dass du eine Summe von 500.000 Euro ansparen (!) musst, bis du dein Geld für dich arbeiten lassen kannst. Die Abgeltungssteuer noch nicht einmal berückksichtigt.

    Da sieht man, dass obwohl es in der Theorie einfach klingt, in der Umsetzung alles andere als einfach ist. Aber genau deshalb schaffen es nur die wenigsten.

    Gruß

    • Hallo FinanzGuerilla und herzlich willkommen hier auf dem Blog! 🙂

      Zinsen, Dividenden und Mieteinnahmen sind natürlich kein sicheres Einkommen, da hast du Recht. Und das ist auch gut so. Wären diese passiven Einkommensströme nämlich bombensicher, würden sich wohl viele Leute auf sie stürzen und in sie investieren. Damit stiegen die Preise enorm an und diese Anlageklassen würden keine Rendite mehr abwerfen. Rendite kommt eben von Risiko – eine rentierliche Geldanlage muss auf irgendeine Weise ein Risiko beinhalten (und das umfasst auch das von dir beschriebene politische Risiko), für das ich in Form einer Rendite kompensiert werden kann.

      Im Vergleich zu allen anderen Einkommensarten sind Zinsen, Dividenden und Mieteinnahmen dann aber wiederum sogar ziemlich sicher. Arbeitseinkommen? Total unsicher. Dein Arbeitgeber kann Pleite gehen, du wirst entlassen und findest nichts neues, du wirst berufsunfähig und deine BU zahlt nicht (oder du hast keine). Äußeres passives Einkommen wie z.B. Tantiemen oder Blog-Werbeeinnahmen sind sehr nett, wenn man sie hat. Leider kann mir niemand versprechen, dass sich mein Buch gut verkauft oder dass mein Blog genügend Leser findet. Und letztendlich können auch diese Einkommensströme einbrechen: Mein Buch kommt aus der Mode, mein Blog-Thema wird irrelevant oder linksgrüne Politiker kommen an die Macht und führen eine Blog- und Buch-Steuer ein. Also auch nicht sonderlich viel sicherer als ein paar vermietete Immobilien und ein Aktiendepot.

      Der Schlüssel liegt meiner Meinung nach nicht in der Sicherheit oder Unsicherheit einer einzelnen Anlageklasse (die ist ohne Glaskugel ohnehin sehr schwer zu bewerten), sondern in der Diversifikation. Wer Immobilien, Aktien, Cash und Gold hält, drei Bücher geschrieben hat, einen Blog betreibt und dazu noch ein kleines selbstständiges Nebeneinkommen generiert, der ist vor politischen und anderen Risiken deutlich sicherer als der normale Arbeitnehmer. Und mehr kann man vom Leben glaube ich nicht erwarten – 100%ige Sicherheit gibt es nicht.

      „Was wenn linksgrüne Politiker an die Macht kommen und dein vermietetes Eigenheim verstaatlicht wird? Tja, dann brechen schonmal zwei Säulen deines passiven Einkommens weg. Und dann?“

      Ja, was dann? Da fallen mir einige Möglichkeiten ein:
      – Nicht weiter Sorgen machen, da ich ja zum Glück genügend diversifiziert bin und der Verlust des Eigenheims zwar ärgerlich ist, aber nicht so tragisch. Dafür gibt’s jetzt gratis Kindergärtern.
      – Auswandern, zum Beispiel nach England (da kenn ich mich nun schon ein bisschen aus) oder in die USA.
      – Falls es nicht anders geht, eben das machen was alle machen: Wieder für ein paar Jahre arbeiten gehen. Natürlich nur halb- oder vierteltags. Ich brauche ja nicht viel Geld, um ein glückliches Leben zu führen.
      – Im Notfall Hartz 4 beziehen. Das wurde dank der neuen linksgrünen Regierung ja hoffentlich deutlich aufgestockt. 😉

      Noch eine kleine Ergänzung zur 4%-Regel und den 500.000 €:

      Wenn du beispielsweise bei 5% Rendite p.a. über 17 Jahre 500.000 € ansparst, dann musstest du im Endeffekt nur 320.000 € selbst „erarbeiten“. Die anderen 180.000 € sind dann schon alleine durch die Zinsen reingekommen.

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