„Rente mit 40“-Halbzeit – Bin ich gescheitert?

Diese Tage sind ein besonderer Zeitpunkt für diesen Blog.
Vielleicht erinnert ihr euch noch. Vor rund sechs Jahren und drei Monaten – im Mai 2016 – stellte ich meinen Masterplan für die Rente mit 40 zum ersten Mal der Öffentlichkeit vor.

Heute – im August 2022 – liegt mein 40. Geburtstag ebenfalls sechs Jahre und drei Monate in der Zukunft. Es ist also Halbzeit auf meinem Weg in die finanzielle Freiheit.

Der perfekte Zeitpunkt, um meinen Plan einmal mit der Wirklichkeit zu konfrontieren.
Wie haben sich meine Einnahmen, Ausgaben und mein Vermögen gegenüber meinem Masterplan entwickelt?
Liege ich eigentlich noch im Plan? Oder ist mein Projekt von der Rente mit 40 gescheitert?

Der Original-Masterplan

Im Mai 2016 war ich gerade 27 Jahre alt. Joana und ich lebten damals in England, teilten uns ein WG-Zimmer. Seit einem halben Jahr arbeitete ich Vollzeit in meinem ersten Job als Software-Entwickler. Ich fuhr täglich mit dem Zug und dem Fahrrad zur Arbeit.
Zusammen mit ein paar Nebeneinnahmen verdiente ich knapp 2.800 € netto im Monat. Meine Ausgaben lagen bei rund 800 € im Monat.

Oliver 2015 in England

In meinem Masterplan versuchte ich abzuschätzen, wie sich meine Einnahmen und Ausgaben in den folgenden 12 Jahren – also zwischen meinem 28. und meinem 40. Lebensjahr – entwickeln könnten. Meine Prognose fasste ich in der unten stehenden Tabelle zusammen.

Masterplan Mit 40 in Rente - Die Rechnung

In meinem Plan nahm ich an, dass mein Einkommen im Laufe der Zeit wachsen würde. Auch auf der Ausgabenseite erwartete ich eine Steigerung – vor allem durch die Familiengründung, die wir uns damals schon für die Zukunft vorstellen konnten.
Aus der Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben sowie einer angenommenen jährliche Rendite von 4 % ergab sich schließlich das gezeigte Vermögen.

Mit 39 Jahren verdiente ich in meiner Prognose schon über 3.600 € netto und gab 1.400 € im Monat aus. Zum 40. Geburtstag wäre mein Vermögen dann auf rund 420.000 € angewachsen.
Nach der 4 %-Faustregel könnte ich damit meine Ausgaben von 1.400 € im Monat decken – und wäre finanziell unabhängig.

Inflationsausgleich

In meinem Masterplan habe ich durchgehend mit inflationsbereinigten Zahlen gerechnet. Das bedeutet, alle Geldwerte in der Tabelle oben sind in Euro des Jahres 2016 zu verstehen.

Um die prognostizierten Beträge mit den Zahlen aus der Wirklichkeit vergleichen zu können, muss ich die Werte aus dem Masterplan noch um die Inflation seit 2016 korrigieren1.

Das Ergebnis zeigt die Tabelle unten. Die Beträge bis zum Alter von 34 sind hier nun in Euro des jeweiligen Jahres umgerechnet. Der Vollständigkeit halber habe ich auch die Zahlen für die darauffolgenden Jahre angepasst. Diese sind in heutigem Geldwert angegeben – also in Euro des Jahres 2022.

Masterplan Rente mit 40 mit Inflationsausgleich 2022

Showdown: Masterplan vs. Realität

Für den Vergleich mit meinem Masterplan habe ich meine durchschnittlichen Einnahmen und Ausgaben der jeweiligen Kalenderjahre aus meinem Haushaltsbuch herausgesucht.

Einmal im Monat trage ich auch mein aktuelles Gesamtvermögen in meine Haushaltstabelle ein. Für den Vergleich habe ich jeweils mein Vermögen im November des entsprechenden Jahres herangezogen (das ist der Monat, in dem ich Geburtstag habe).

Rente mit 40 Plan vs. Realität 2022

In der Tabelle ist der Vergleich noch ziemlich unübersichtlich. Klarer wird das Bild, wenn man die Daten einmal grafisch darstellt.

Einnahmen und Ausgaben

Masterplan Halbzeit Einnahmen und Ausgaben

Bei den Einnahmen klaffen Plan und Wirklichkeit am meisten auseinander. Hier muss ich zugeben: Die habe ich 2016 überschätzt.

In meinem Plan bin ich noch davon ausgegangen, dass ich eine klassische Karriere als Software-Entwickler verfolge: Vollzeitjob als Angestellter. Mit Ende 30 vielleicht eine Senior-Position mit Personalverantwortung und entsprechendem Gehalt.
Stattdessen habe ich aber schon mit 29 meinen Job dauerhaft auf Teilzeit reduziert.

Auch den Einkommensverlust durch die Familiengründung hatte ich vor sechs Jahren noch nicht auf dem Schirm. In der Grafik sieht man im Alter von 31 und 34 – den Geburtsjahren unserer Kinder – einen besonders deutlichen Knick in der Einkommenskurve. Hier macht sich meine eigene Elternzeit bemerkbar, aber auch der finanzielle Ausgleich, den ich Joana seit der Geburt unserer ersten Tochter zahle.

Dazu kommen die indirekten Auswirkungen der Elterschaft. In meiner derzeitigen Lebenssituation steht mein Beruf einfach nicht an erster Stelle. Dadurch investiere ich weniger Zeit und Energie in meine nebenberufliche Selbständigkeit, meine Karriere und meine berufliche Weiterbildung. Als Kinderloser würde ich heute wahrscheinlich ein Stück mehr verdienen.

Sparquote

Allerdings sind auch meine Ausgaben bisher nicht so stark gestiegen wie 2016 prognostiziert. Fast die gesamte Zeit über blieben sie immer rund 20 % unter dem Plan.
Dadurch hat sich meine Sparquote trotz der überschätzten Einnahmen bisher relativ nah an der Prognose entwickelt.
Erst in diesem Jahr wird es hier eine deutliche Abweichung nach unten geben, wenn durch meine 12-monatige Elternzeit mein Einkommen noch einmal deutlich sinkt.

Masterplan Halbzeit Sparquote

Vermögen

Die Aktienmärkte haben seit 2016 ordentlich zugelegt. Dadurch hat sich die Rendite meines Vermögens sogar etwas über Plan entwickelt.
Die exakte kapitalgewichtete, geometrische Rendite ist schwierig zu bestimmen. Sie dürfte aber etwas über meinen angenommenen 4 % p.a. gelegen haben.

Auch diese gute Entwicklung hat dabei geholfen, mein überschätztes Einkommen wieder auszugleichen. So hat sich mein Vermögen bisher ebenfalls recht nah am Plan entwickelt. Erst in diesem Jahr sieht es nach einer größeren Abweichung nach unten aus – bedingt durch die aktuell fallenden Kurse.Masterplan Halbzeit Vermögen

Ist die Rente mit 40 noch realistisch?

Schaut man allein auf die Zahlen, liege ich je nach Sichtweise ziemlich genau im Plan oder maximal rund 20 % dahinter. Rein rechnerisch wäre die „Rente mit 40“ darum auch weiterhin realistisch für mich.

Wer meinen Blog aufmerksam verfolgt, weiß natürlich, dass mir dieses Ziel mittlerweile gar nicht mehr so wichtig ist.

Mein Einkommen wird wohl auch in den kommenden Jahren nicht zu den ursprünglich prognostizierten Werten aufschließen.
Schon in den letzten Jahren habe ich meine wachsende Berufserfahrung mehr in geringere Arbeitszeit umgemünzt als in steigendes Einkommen. In meiner 60 %-Anstellung verdiene ich heute kaum weniger als 2016 in meinem ersten Vollzeitjob. Sieht man von den Elternzeit-Jahren einmal ab, sind meine Einnahmen seit dem Berufsstart einigermaßen konstant geblieben – ich arbeite heute aber einfach weniger für Geld als 2016.

Jetzt liegen erst einmal 12 Monate Elternzeit vor mir. In dieser Zeit werde ich deutlich weniger sparen können – vielleicht sogar überhaupt nichts. Wie sich meine Einnahmen und Augaben dann mit zwei Kindern entwickeln, steht heute noch in den Sternen.

Dazu kommt, dass meine Einnahmen und Ausgaben (und damit meine Sparrate) immer weniger Einfluss auf das Erreichen meines Sparziels haben. Je größer mein Vermögen wird, desto mehr bin ich den kurz- und mittelfristigen Schwankungen des Aktienmarktes ausgeliefert – das Rendite-Reihenfolgen-Risiko wächst.
Heute schon schwankt mein Depot an manchen Tagen um die Sparrate mehrerer Monate. Ein, zwei gute Jahre und ich liege über der Planlinie. Ein kleinerer Crash wie in diesem Jahr und die Finanzielle Freiheit mit 40 ist – zumindest kurzfristig – außer Reichweite.

„Der Mensch plant und Gott lacht“

Im Laufe der Zeit wurde mein Masterplan immer wieder dafür kritisiert, dass ja schon bald „das Leben dazwischen kommen“ und mein Vorhaben zunichte machen würde.
Zumindest für die erste Halbzeit konnte ich das hoffentlich widerlegen.

Richtig ist natürlich, dass so ein Plan maximal eine grobe Abschätzung sein kann. Das hatte ich auch schon in meinem Artikel von 2016 klargestellt:

Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen. Man weiß nie, was kommt. Und das ist auch gut so, denn sonst würde es schnell langweilig werden. […]
In diesem Artikel möchte ich darum gar keinen detaillierten Lebensplan aufstellen (weil es so einen eben gar nicht geben kann).

Aber macht so eine Prognose für mehr als ein Jahrzehnt in der Zukunft dann überhaupt Sinn?

Würde ich mit dem Wissen von heute noch einmal starten, würde ich wieder so einen Masterplan aufstellen (vielleicht mit etwas niedriger angesetzten Einnahmen 😉 ).
Mein Plan hat mir in den letzten Jahren eine Marschrichtung vorgegeben. Es war ein konkretes Ziel, das mich stärker motiviert und angespornt hat, als wenn ich einfach nur ziellos drauflos gespart hätte, um „vielleicht irgendwann mal früher in Rente gehen zu können“.

Also dann, die nächste Auswertung gibt es im November 2028 – zu meinem 40. Geburtstag.

Ich befürchte, es wird schneller gehen als mir lieb ist. 😀

1 Für die Berechnung der Inflation habe ich diesen Inflationsrechner genutzt, der mit den offiziellen Daten des Statistischen Bundesamt (Basisjahr 2015) arbeitet.

2 Ich werde erst im November 34, darum sind die Werte für dieses Alter aus den vorhanden Daten von 2022 hochgerechnet.

55 Gedanken zu „„Rente mit 40“-Halbzeit – Bin ich gescheitert?“

  1. Schön geschrieben.
    Ich finde Du machst alles genau richtig.
    Weniger arbeiten, mehr vom Leben und von der Familie. Das mit dem Vermögensziel kommt, vielleicht ein wenig später, ganz automatisch.

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  2. Rente mit 40 ist nicht. Malochen bis zur Rente ist angesagt. Die Inflation holt dich ein und die Träumerei hört auf. Deinen gewohnten Lebensstandard als Geringverdiener wirst du mit deiner Familie nicht halten können. Ihr seit die Ersten, die das im Herbst zu spüren bekommen. Eindeutig seit ihr die Verlierer, wenn ihr nicht Hartz IV oder Grundsicherung bezieht. Arbeiten lohnt sich in Deutschland nicht mehr. Das bekommen immer mehr mit.
    Ich bin 57 ledig ohne Kinder arbeite noch, habe 4 Eigentumswohnungen und mit meiner zu erwartenden Rente und den Mieteinnahmen kann ich bestenfalls meinen derzeitigen Lebensstandard halten.
    Ab 58 denke ich an vorgezogener Rente und überbrücke die Zeit zur Rente mit Arbeitslosengeld 18 Monate Bezugsdauer und dann können andere den Karren aus dem Dreck ziehen. Ich bin fertig und habe keinen Bock mehr auf Deutschland, kann mich am Arsch lecken. Die wollten das so.

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    • Du schließt zu sehr von dir auf andere. Du hast auch nicht die gleiche Ansicht dessen, wonach sich Lebensstandard bemisst. Aus dir spricht wohl mehr die Frustration heraus, trotz vier Eigentumswohnungen noch immer nicht von deinen passiven Einnahmen leben zu können, weil du womöglich ein klassisches Opfer der Lifestyle-Inflation bist oder nicht mit deinem (Immobilien-)Vermögen umgehen kannst.

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    • Och Gottchen, Du Armer! Bei ledig ohne Kinder und vier Eigentumswohnungen sollte es doch allein durch den deren Verkauf für eine heutige „Rente“ schon reichen. Ist ja keiner da, dem Du was vererben musst.
      Zum Jammern hast Du pekuniär wirklich keinen Grund. Über den Rest kannst nur Du entscheiden.

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    • Schließen Sie nicht von sich auf andere. Offensichtlich besitzen Sie viel und sind sehr unglücklich. Schade. Hier auf dem Blog könnten Sie viel lernen – sofern sie wollen.

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  3. Gescheitert bist du auf keinen Fall. Die große Kunst beim Frugalismus ist meiner Meinung nach nicht das Geldverdienen, sondern das bescheidene Leben, und das beherrscht du / ihr meisterhaft. Dann ist es am Ende auch gar nicht so wichtig, ob du wirklich mit 40 in Rente gehen kannst oder noch ein paar Jahre einen Teilzeitjob mit geringer Stundenzahl machst, bis das Ziel erreicht ist. Persönlich finde ich es sowieso nicht besonders erstrebenswert, nur noch zu chillen und die neugewonnene Freizeit mit der Schnäppchenjagd beim Discounter zu verbringen.

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  4. Very nice follow-up article, Oliver. A plan without retrospect is worthless! Following your journey for last couple of years.

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  5. Hallo Oliver,
    Scheitern würde ich das nicht nennen. Du bist dadurch, dass ihr euch für Kinder entschieden habt, an Erfahrungen reicher geworden.
    Die finanziellen Dimensionen sind bei Kindern nie so hundertprozentig planbar. Es kommen da
    immer Dinge, mit denen man vorher nicht gerechnet hatte, vor allem wenn die Kinder größer
    werden. Mit dieser Flexibilität, gerade was die Gelddinge betrifft, werdet ihr lernen müssen zu
    leben. Da empfiehlt es sich aus meiner Sicht, Rücklagen für die unvorhersehbaren Dinge zu bilden.
    Das hatte ich so gehandhabt, als sich bei uns Kinder eingestellt hatten,
    und ich bin gut damit gefahren.

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  6. Hallo Oliver, sei nicht so pessimistisch, du hast noch einige Jahre bis zum 40.Geburtstag. Deine Vermögensziele bleiben real, diese Knick seit dem letzten Jahr haben alle, bei mir geht es sogar noch tiefer. Aber wir leben in einer tiefen wirtschaftlichen Krise, und da wenn es ganz tief runter geht, dann geht es auch mal schnell wieder nach oben. Das Leben ist wie ein Pendel.

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  7. Ihr seid nicht gescheitert. Jeder Tag mit euren Kindern ist mit Geld nicht auzuwiegen,und ich finde es wunderschön, dass es Menschen wie euch gibt, die diesem Konsumterror widerstehen können. Macht weiter so, es ist der richtige Weg, aus meiner Sicht.

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    • Naja, das ist ja nur die halbe Wahrheit!
      Klar, sie (also Olivers Family) und auch ich selber konsumieren weniger(ich habe seit 20 Jahren kein eigenes Auto mehr) aber wenn wir ehrlich sind, ist es ja irgendwo verlogen, auf den Konsum zu schimpfen, wenn man am Aktienmarkt investiert ist, oder? 😉
      Also eigentlich sind wir sogar alle ziemlich heuchlerisch, da sollten wir uns besser nichts vor machen, nur weil wir uns selber gegen die Teilhabe des „normalen“ mitteleuropäischen Konsums entschieden haben. Ohne Konsum, Ausbeutung und Wegwerf-Gesellschaft gäbe es wohl nicht die Renditen der letzten Jahrzehnte…

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  8. Ich finde es gut, wie du vorgehst und dass du flexibel bist und nicht stumpf am Plan festhältst. Das Leben auch heute schon zu genießen und viel Zeit mit der Familie zu verbringen halte ich für absolut glücklich machend. Nichts halte ich von diese Logik: Heute total hart arbeiten, verzichten, sparen und dann ab einem bestimmten Lebensjahr den Schalter digital umlegen und in Rente gehen. Ich kann mir gut vorstellen, dass es genug Leute gibt, die die finanzielle Freiheit anstreben, sich aber nicht viele Gedanken gemacht haben, was sie mit der plötzlichen vielen Zeit anfangen sollen, wenn das Ziel erreicht ist. Erlebe deine Kinder aufwachsen. Ich finde, Kinder sollen später nicht sagen, dass Papa hauptsächlich arbeiten war und selten Zeit hatte.
    Ich mag deine offene und ehrliche Art und wünsche dir viel Glück und Zufriedenheit!

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  9. Ein wunderbarer Betrag, der nüchtern die Zahlen sprechen lässt und trotzdem das Leben nicht aus den Augen lässt. Die Entscheidung für Kinder und Familie ist m.E. richtig. Der Weg ist das Ziel. Die finanzielle Freiheit werdet ihr bestimmt erreichen – wenn nicht 40, dann halt später. Die (richtige) Einstellung zum Leben sowie die frugalistische Lebensweise ist bereichernd und ist mehr wert als das monetäre…ich gratuliere euch zu diesem Weg.

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  10. Das ist definitiv kein Scheitern. Flexible Menschen reiten eben nicht auf ihren festgefahrenen Entscheidungen herum, sondern passen sich den Gegebenheiten oder die Gegebenheiten sich selbst oder dem Lebensstil an.
    Familie ist ein Schatz, den man nicht beziffern kann. Ihr macht das schon richtig.

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  11. Hallo Ihr Lieben,
    ja oft braucht man mal ein klares Ziel. Schön dass es hier so offen diskutiert wird. Wenn dann sogar offen mit einem Soll/Ist Vergleich umgegangen wird, noch besser. Ich bin begeistert.
    Mir fällt auf , das in letzter Zeit immer öfter ganz leise Stimmen sagen, das und das Ziel ist nicht erreicht, aufgrund der ja allseits bekannten Situation auf dem Geldmarkt. Was man das jetzt als offensichtliche Erkenntnis voraussetzt, ist es, in Grenzen, als Risiko, einpreisbar gewesen. Nur weil ein Plan nicht bis in das Optimale aufgeht, heißt das nicht, dass er schlecht ist. Respekt dem der seinen Plan konsequent verfolgt. Nebenbei hat Oliver auch noch an seiner Lebensqualität gearbeitet. Auch gut.
    Bei der Einpreisung von Risiken hilft es durchaus die Historie ab 1900 zu bemühen und sich zu fragen, warum das eine oder andere damals nicht geklappt hat. Die waren doch auch nicht blöd.
    Das ist zwar alleine noch nicht ergiebig genug, aber es zeigt, wenn man krisenfest handeln will, führt kein Weg an den Sachwerten vorbei. Gegebenenfalls an Mischkalkulationen mit Geldprodukten.
    Da mir kein Anfangskapital zur Verfügung stand und zwei Kinder groß werden sollten
    standen mit nur mein Kopf und zwei Hände zur Verfügung. Im laufe der Zeit stellte ich fest, das zwischen mir und einer oder mehreren Immobilien/Sachwerten immer wieder die Finanzierung im Wege Stand. Es begann mich zu ärgern, warum so eine Bank mehr Wissen zu haben schien, als ich. Kurz gesagt, ein paar Immobilienberufe weiter wusste ich es dann. Auch fand ich heraus, das Immobilien-Finanzierungen ähnliche schwerwiegende Risikolagen generieren wie Finanzprodukte, derer sich die meisten Frugalisten bedienen. Ich wollte mich von der Erkenntnis befreien, wenn´s gut läuft, läuft´s gut und wenn es nicht gut läuft, läuft´s halt nicht gut.
    Dementsprechend begann ich Risiken klein zu skallieren und Wege zu finden, wie Geldprodukte und Real Estades, nicht als Klumpen-Risiko, sondern als stufige Strategie Eingang in eine Daseinsvorsorge einfließen kann.
    Und wie so oft, fließen so wirre Gedanken in ein Buch, das kurz vor der Veröffentlichung steht, mit dem Titel. Der Immobilienfrugalist.
    Da ich keine Lust habe das Rad zweimal zu erfinden, wäre ich sehr dankbar für jeden, der mir bewährte Wege weisen kann und will, das Buch zu veröffentlichen.
    Leute weiter so, ihr habt es drauf.

    Antworten
  12. Danke für die Transparenz! Sieht doch als Gesamtfazit echt gut aus – finanziell halbwegs auf Kurs und das Leben gleichzeitig ganz nach eigenen Vorstellungen gestaltet 🙂 Glückwunsch!
    Viele Grüße aus Frankfurt in meine Heimatstadt Hannover
    Jenni

    Antworten
  13. „Allerdings habe ich meinen Job schon mit 29 dauerhaft auf Teilzeit reduziert“
    Hi Oliver, das finde ich mutig von dir und spricht dafür, dass du von deiner Idee überzeugt bist.
    Ich weiß jetzt nicht, welche Rolle die gesetzliche Rente später in deinem Leben spielen wird, oder spielen
    soll. Falls du im Alter darauf bauen willst, wird die Teilzeitlösung für dich später nicht genügend Rente
    bereitstellen. Ich kenne viele (vor allem Frauen), denen vorm der Rentenzeit graut, weil sie immer
    nur in Teilzeit (und das über viele Jahre und Jahrzehnte) gearbeitet haben.
    Klar, mit dieser Thematik wirst du dich jetzt kaum beschäftigen, aber sie wird in etwa 20 Jahren auf
    euch zukommen. Darauf wollte ich mit meinem Beitrag aufmerksam machen.

    Antworten
  14. Hallo Oliver, Dein Zwischenfazit find ich toll! Vor allem auch die Berücksichtigung der bisherigen Inflation für Dein Zwischenfazit.
    Pläne machen kann jeder, aber erst in der Nach(Zwischen)schau zeigt sich die Qualität eines Planes!

    Ich würde übrigens die beiden Dimensionen unterschiedlich bewerten:

    1)Frugalistischer Lebensstil: Hier zeigst Du sehr transparent, wie wunderbar das funktionieren kann. Über einen längeren Zeitraum. Und auch mit Kindern! Deine Ausgabendisziplin läßt sich nur mit Bestnoten bewerten und Du zeigst mit Deinen Artikeln sehr deutlich, dass Ihr als Familie nicht darunter leidet. (Bzw. sonst würde Dein bessere Hälfte sicher nicht diesen Blog unterstützen. Dazu trägt sicher auch Deine flexible und eben nicht dogmatische Einstellung bei!)

    2)Finanzielle Freiheit: Hier zeigen sich gleich mehrere Probleme: Höhe der Einnahmen, Inflation, ungewisse Zukunft.

    Also wenn überhaupt, dann kannst Du meines Erachtens nur zum zweiten Punkt eine kritische Haltung einnehmen.

    Übrigens: Ich hab Dir ein paar Jahre voraus und bin plötzlich mit einem Problem konfrontiert, dass mir zwar als theoretisches Risiko bewußt war, mit dem ich aber persönlich dennoch überhaupt nicht gerechnet habe: Starke Einschränkungen der Gesundheit schon im mittleren Lebensalter!

    Ich habe daher meinen Plan bei einem ähnlichen Vermögensstand radikal abgeändert:
    Verzehr der Mittel ab sofort. Frugal aber konstant. Wenn dann am Rest des Geldes noch qualitativ lohnenswertes Leben übrig ist (hoff ich doch sehr), dann weiß ich nach vielen frugalen Jahren, dass ich da auch mit einer Teilzeitarbeit auch ohne Ersparnisse gut durchkommen kann …

    Auf die Art und Weise muss ich mich auch weniger vor dem Verlust meines Vermögens sorgen, was mir mental doch zunehmend zusetzt. Ehrlich gesagt, hab ich in den letzten Jahren sogar festgestellt, dass es mir vermutlich (!) mit weniger Vermögen besser gehen würde. Ein fettes Polster um für zwei-drei Jahre als Frugalist auch komplett ohne Arbeit leben zu können, ich glaub mehr tut mir gar nicht gut ….

    Antworten
    • Hey ZK,
      das liest sich durchaus etwas bedrückend aber vielen Dank für deine ehrlichen Worte.

      Tut mir Leid für dich, dass es dich gesundheitlich erwischt hat. Das ist tatsächlich etwas was irgendwo zwischen „FIRE extrem“ und YOLO steht und das beste Argument dafür, dass Oliver mit seiner Teilzeitarbeit sowie Elternzeit eine gute Balance auch in Sachen Risikoausgleich betreibt.

      Verstehe ich das bei dir jetzt richtig, dass du nun erstmal das Arbeiten einstellen wirst – deinen „Ruhestand“ vorziehen, um sicherzustellen, dass du noch was vom
      Ersparten hast und dann darauf hoffst, hinterher trotzdem gesundheitlich doch nich so stabil zu sein, um wieder (gezwungenermaßen) in den Arbeitsmarkt einzutreten?

      Deinen letzten Absatz fand ich spannend: Was genau hat dir „geschadet“? Die Angst all das zu verlieren was du mühsam erarbeitet hast oder war es etwas Anderes?

      Antworten
      • Wie so oft im Leben, besteht die Schwierigkeit auch hier, darin die richtige Balance zu finden!

        Ich war schon immer sparsam, von klein auf, lange bevor ich von Frugalismus zum ersten Mal gehört habe.

        Mit steigendem Vermögen und den damit in Verbindung stehenden Kapitalmarktschwankungen, wird dieses Sparsamkeit – und hier rede ich nur von meiner persönlichen Wahrnehmung – jedoch ad absurdum geführt.

        30% sind 30%, fühlen sich aber bei 1.000 € oder 10.000 € anders an, als bei über 100.000 €. Wenn das Depot in wenigen Monaten mehr gewinnt oder verliert als mit ein oder auch zwei Jahresnettogehältern zu verdienen ist, dann stellt sich mir die Sinnfrage. Mit dem richtigen Kapitalmarkttiming hätte ich in den letzten zwei Jahren wesentlich mehr verdienen können, als in zwei Jahren Arbeit.
        Oder anders ausgedrückt: Wieviele tausend Kilo Kaffe muss ich im Sonderangebot 50% rabattiert kaufen, um ähnliche Effekte zu erzielen?
        =>Die Entwicklung meines Depots, die ich nur bedingt kontrollieren kann, hat mittlerweile für mein Vermögen eine viel höhere Bedeutung, als jegliche Verhaltensweise, die meiner Kontrolle unterliegt.

        Daraus resultiert für mich vor allem in Phasen hoher Verluste viel negative Energie. Darin sehe ich keine Bereicherung!

        Zudem ist es höchst ungewiss, wie sich die Kapitalmärkte und die staatlichen Zugriffe auf privates Vermögen in den nächsten ein bis zwei Jahrzehnten entwickeln werden.
        Die oft zitierten 6-8% Rendite/Jahr mit Aktien halte ich in diesem Zeitraum für äußerst fraglich und für einen längeren Zeitraum fehlt mir aktuell die Perspektive.

        Vor diesem Hintergrund: Ja, ich spare nicht mehr! Da ich es zurzeit als irrelevant empfinde.
        Da der Frugalismus mir in den Genen liegt, kommen für mich unnötige Ausgaben nicht in Betracht (ich kann sprichwörtlich nicht aus meiner Haut), daher bleibt als logische Schlussfolgerung nur, das Geldverdienen für einige Zeit radikal zu reduzieren oder vielleicht sogar wirklich ganz einzustellen.
        Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass mein aktueller Job zwar sehr gut bezahlt ist, mir aber überhaupt keine Freude bereitet.

        Im Gegensatz zum Frugalismus (meines Erachtens eine Lebenseinstellung) liegt dem FIRE-Gedanken das Prinzip „jetzt für später arbeiten“ zugrunde. Vor allem davon verabschiede ich mich vorerst mal!!

        Darüber hinaus erscheint mir die völlige Unabhängigkeit von Erwerbstätigkeit auch nicht wirklich erstrebenswert. Da bin ich so ein bisschen wie Oliver unterwegs. Es geht ja eigentlich darum nur soviel arbeiten zu müssen (!), wie es einem gerade passt …

        Antworten
        • Kann die Gedanken nachvollziehen. Es hat gute Gründe warum viele lieber eine Wohnung vermieten auch wenn die Renditen da nicht rosig sind als all ihr Geld in Aktien liegen zu haben. Man muss sich auch wohl in seiner Haut fühlen. Und das tut manch einer selbst mit einem 2Mio Depot nicht, wenn die Gefahr besteht, die komplette Lebensarbeitsleistung (in Euro) innerhalb kurzer Zeit zu verlieren.

          Was hälst du denn davon, deine Arbeitsstunden deinen Kosten anzupassen? Dann hast du beides: Früchte deiner Sparsamkeit im Hier und Jetzt und das Finanzpolster der letzten Jahre in der Hinterhand.

          Hat auch bzgl. Krankenversicherung/ Rentenjahren usw. große Vorteile ggü. gar nicht Arbeiten.

          Antworten
          • Exakt, genau darum gehts!! (Wobei ein Totalverlust natürlich nicht das Thema ist.)
            Wenn ich mich jetzt schon unwohl fühle, wie gehts mir dann erst, wenn ich doppelt so viel habe?
            Abstrus oder? Hätte ich so niemals nicht erwartet! Aber manche Sachen muss man eben wirklich erfahren und kann sie nicht a priori wissen …

            (Besitz belastet. Zumindest bei mir stimmt das tatsächlich! Wobei es halt schon einen Unterschied macht, ob man etwas einfach so erbt oder 20 Jahre dafür gearbeitet hat. Wobei, ersteres vermute ich wiederum nur a priori 😉 )

            Antworten
            • Ach ich glaube, dass es je nach Persönlichkeit sogar schlimmer sein kein, für das Fsmilienvermächtnis zu kämpfen. Das hat man sich oft ja nicht ausgesucht. Und wenn das dann nicht so easy läuft ruht schon Druck auf einem. „Das wäre bei deinem Vater nie vorgekommen, der war immer zur Stelle“

              Antworten
  15. Hallo Oliver,

    Glückwunsch was Du schon erreicht hast.
    ich möchte hier noch einen anderen Aspekt ansprechen. Das was ich lese ist für mich ein rein materielles Ziel und nicht das Leben. Das ist natürlich o.k., jeder kann das so haben und ich halte es für wichtig sich Ressourcen aufzubauen
    Dabei halte ich generell den Ansatz der sogenannten „Work- Life- Balance“ nicht als optimal. Idealer wäre eine Lebensbilanz zu verfolgen und darin kommt auch Arbeit vor. In der Work-Life-Balance wird das Leben und die Arbeit gegeneinander gestellt. Die Arbeit ist auch Selbstverwirklichung und bringt Anerkennung.
    Es ist eine andere Sichtweise und Herangehensweise, die ich empfehle. Sonst alles o.k.

    Antworten
  16. Tja, oft verläuft das Leben anders als geplant. Mit 25 Jahren dachte ich auch, dass mir 400.000€ reichen um den Rest meines Lebens irgendwo in einer Hängematte in Goa zu verbringen und mich mit meinen Aktien zu beschäftigen.

    Die 400.000€ sind längst erreicht (wenn ich Haus usw. verkaufen würde), aber mittlerweile habe ich 4 Kinder und die Pläne sind nicht mehr aktuell.

    Ich arbeite momentan mehr den je, nachdem die Pandemie mir auch finanziell ziemlich zugesetzt hatte. Allerdings macht mir den Job Spaß, auch wenn er mit einigen Unsicherheiten behaftet ist. Diese kann ich mir jedoch leisten durch den finanziellen Background.

    Allerdings ist ans auswandern und von Kapitalerträgen leben momentan nicht zu denken, alleine schon die Kosten für die Krankenversicherungen und Privatschulen wären nicht aus den Erträgen zu stemmen, dazu kommt noch eine massive Inflation derzeit.

    Antworten
  17. Leben von Kapitalerträgen?
    Da muss man ziemlich viel investieren. Ich selbst habe 290000 Euro investiert, die mir jährlich etwa
    12000 Euro an Dividenden einbringen. Dabei bin ich optimistisch eingestellt, und denke, dass die
    jährlichen Dividenden bei Titeln wie Allianz und Deutsche Post einigermaßen sicher sind.
    Die Basis bei mir und meiner Frau sind aber die gesetzlichen und privaten Renten, für die wir etliche
    Jahre und Jahrzehnte (auch mit Kindern) gearbeitet haben.. Die bringen uns monatlich 2300 Euro
    netto ein. Was bei der gesetzlichen Rente eben der Vorteil ist, ist die Mitgliedschaft in der gesetzlichen
    Kranken- und Pflegeversicherung, die zur Hälfte von der Rentenversicherung bezuschusst wird.
    Es bleibt jedem frei, das Lebensmodell zu wählen, das einem entspricht … sichere Erträge garantieren
    mir/uns momentan die Renten, die ich beziehe. Die Kapitalerträge sind für mich das „Zubrot“

    Antworten
    • Die Miete ist in der Zukunft die große Unbekannte, aber wenn die niedrig bleibt, reichen mir zum Leben 12.000 – 15.000 Euro gut aus …

      Im Moment hab ich beschlossen nicht mehr zu sparen und mein Geld langsam auszugeben, aber vielleicht ändere ich die Meinung auch wieder. Bin da flexibel 😉

      Mein Idealfall für später bei optimalen (!) Rahmenbedingungen (leider enzieht sich das meiner Kontrolle) sind ein Mix aus 500 Euro € Rente, 500 € Kapitalerträge und 500 € jobben bis ins hohe Alter. Wenn das ganze inflationsbereinigt klappt, bin ich zufrieden. Nur von Kapitalerträgen leben ist mir mittlerweile zu riskant, weil das dafür benötigte Kapital zu hoch ist. In meinem Fall ca. 300.000 – 400.000 €.

      Ich merk halt schon jetzt, dass kurzfristige Depotschwankungen im fünftstelligen Bereich mir extrem zusetzen. Und da reden wir nur von üblichen Kapitalmarktschwankungen, nicht von möglichen staatlichen Begehrlichkeiten ….

      Antworten
      • Hi, hast du mal überlegt, dein Kapital in eine Immobilie zu stecken? Da ist auf lange Sicht kein Einbruch zu erwarten und du hast ein monatliches garantiertes Einkommen, das nicht auf einen Schlag weg oder stark reduziert sein kann. Vielleicht ist das mental entspannter für dich? Lg

        Antworten
      • Ich weiß nicht, wie alt jetzt du bist, aber diese Rechnung wird nicht aufgehen.
        In Kürze wird deine Gas- und Stromrechnung sich mindestens verdoppeln. Kapitalerträge sind nicht garantiert. Jobben bis ins hohe Alter? Was ist, wenn du gesundheitlich längere Zeit außer Gefecht bist? Kannst du dann auch über mehrere Monate ohne die Zusatzeinnahmen leben? Willst du im Alter denn nicht vermehrt reisen oder Sachen machen, für die vorher keine Zeit waren? Willst du nicht leben, sondern nur überleben?

        Depotschwankungen vertragen sich übrigens leichter, wenn man einfach nicht ins Depot reinschaut. Einfach App löschen oder sich einfach mal nicht ins Onlinebanking einloggen.

        Antworten
  18. Wir kennen ein Jahrzent in dem die Aktien- und Immobilienmärkte nur eine Richtung kannten.
    Vor dem Hintergrund bin ich skeptisch, dass ein geringes Nettoeinkommen in den nächsten Jahren ausreichen wird.
    Die Auswirkungen der aktuellen Krisen sind nicht vollständig absehbar. Punkte wie Energiekrise und Inflation werden erst zeitversetzt wirklich spürbar.
    Der Rattenschwanz ist lang.

    Wir sind Mitte 30 mit Kind und haben dein Ziel mit 32 erreicht.
    Ich würde in jungen Jahren nicht mit der Summe in Rente gehen.
    Wir wünschen euch alles Gute, vor allem
    Gesundheit.

    Antworten
    • Auch im letzten Jahrzehnt gab es hin und wieder Korrekturen – und nicht alle Krisen wirken sich weltweit aus, daher sollte man auch weltweit anlegen; z.B. betrifft die Ukraine Krise die USA gar nicht, und eine Energiekrise kennen die USA nicht. Die Börse könnte dort durchaus weiter steigen – man kann also Orte finden, an denen Aktien weitersteigen. Ich denke, die Lehre ist, dass man mit 20%-30% Einbruch des Wertes seines Portfolios zurecht kommen muss – persönlich kalkuliere ich daher mit einem Puffer auf meinen Ausgabenbedarf, rechne dann mit einem Faktor von 30, um auf meinen Kapitalbedarf zu kommen und arbeite in meinen Portfolios mit verschiedenen Strategien (in einem mit Buy & Hold, im anderen mit Stopps/Markttechnik)

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  19. Hallo Oliver,

    danke für diesen spannenden Artikel und auch die Offenheit, die so etwas erfordert.

    Zunächst muss ich mich der Mehrheit hier anschließen: Gescheitert ist das nun auf keinen Fall. Das Leben ändert sich ständig, und so müssen eben auch Pläne ständig nachjustiert werden.
    Hier wünsche ich mir oft etwas mehr „Amerikanische Mentalität“, wo Ausprobieren, Fehler machen und die Meinung ändern deutlich akzeptierter ist als bei uns.

    Ansonsten kann ich vieles gut nachempfinden.
    Meine Frugalismus/FIRE Reise (auch wenn ich diese Begriffe erst viel später kennen gelernt habe) begann vor fast 10 Jahren, damals mit Anfang 30.
    Inzwischen habe ich nun den 40. Geburtstag gefeiert, und die Zahlen die ich damals für die monatlichen Ausgaben und das dafür nötige Vermögen aufgeschrieben habe passen heute überhaupt nicht mehr zu meinem Leben.
    Wie es in 5 oder 10 Jahren aussieht? Schau mer mal…

    Auch mit dem „den Kapitalmarkt ausgeliefert sein“ nagt irgendwie etwas. Anfangs war jeder Monatsabschluss ein Schritt auf den Weg zum Ziel. Inzwischen sind die normalen Tagesschwankungen oft höher als die monatliche Sparrate.
    Man fühlt sich wie auf stürmischer See in einem kleinen Ruderboot, wo man tapfer gegen die Wellen anpaddelt…

    Ich wünsche euch auf jeden Fall viel Erfolg und alles gute für die kommenden 6 Jahre, und natürlich auch darüber hinaus. Mal sehen was bis dann noch so berichtet wird.

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    • das „dem Kapitalmarkt ausgesetzt sein“ stört mich überhaupt nicht mehr.

      Ganz im Gegenteil. Man schläft außerordentlich gut, wenn einem der ganze Wahnsinn mit Corona-Kurzarbeit, Inflation, steigenden Gaspreisen etc (fast) völlig egal sein kann, weil man ein halbwegs großes Portfolio hat und knapp die Hälfte seines Einkommens nicht braucht.

      Das ist ja das schöne an Geld: Es ist flexibel. Was weiß denn ich, was ich mit meinem Geld in 10 Jahren anstellen will?

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      • Dass ein Kapitalpuffer und eine höhere Sparquote (und damit Flexibilität bei unerwarteten Mehrausgaben) das Leben entspannter machen steht außer Frage.

        Was ich meinte ist die Tatsache, dass man das Mehren des eigenen Vermögens gefühlt immer weniger selbst in der Hand hat.
        Zu Anfang war eben jede monatliche Sparrate ein Schritt nach vorn, je nach Größe der Sparrate eben ein großer oder kleinerer Schritt.
        Heute ist es überspitzt gesagt gefühlt egal, ob ich nun am Monatsende 500 oder 5.000€ ins Depot packe. Ob der Wert steigt oder fällt entscheidet allein der Markt…

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        • Ich fand den Vergleich mit dem Schwimmer auf welliger See ganz passend.
          Am Anfang ist es ein kleiner Pool und da bringt jedes Strampeln und jeder Zug noch sichtbar Fortschritt.
          Hat man Glück / Erfolg, ist man irgendwann auf offener See. Und wenn einen eine Strömung packt, ist es nahezu egal wie sehr man sich ins Zeug legt.
          Das ist aber so egal ob man am Aktienmarkt ist oder das Geld unterm Kopfkissen hat.
          Ich kann gar nicht so schnell sparen wie die Inflation die Kaufkraft abschmilzt.
          Wenn dann gleichzeitig der Aktienmarkt in Euro negativ läuft, addiert sich beides .

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  20. Bin seit etwa zwei Jahren stille Mitleserin und bin immer wieder aufs Neue begeistert, wie wenig dogmatisch, dafür realistisch und pragmatisch deine Beiträge sind. Ein toller Blog mit sehr informativen Einblicken – auch für jemanden wie mich, der weit vom Frugalismus entfernt ist, aber das Mindset bewundert.

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  21. Ja, das mit dem Sparen klappt bei mir/uns auch nicht mehr. Die Rente allein reicht uns kaum zum Leben.
    Wenn allerdings von den Kapitalerträgen etwas übrig bleibt, kommt dieses Geld auf ein Cash-Konto,
    Je nachdem, wie wir das Jahr über gewirtschaftet haben, bilden wir so Rücklagen.

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  22. Hallo!

    Ein ehrlicher, toller Bericht!

    Und nein, du bist nicht gescheitert 🙂 dir/euch ist einfach nur das Leben dazwischen gekommen! Bis jetzt alles richtig gemacht!

    Und: Nachwuchs ist was tolles!

    Nur finanziell ist es halt ein deutlicher Einschnitt. Bei den ganz Kleinen ist das noch halbwegs abschätzbar, je älter desto teurer und volatiler!. Anfang des Schuljahres: Hefte, Malzeug, Zirkel, Ticket für die Öffis (Zuzahlung), Kinderbetreuung falls notwendig, Kleinigkeiten in der Apotheke, Schulfest (geht man ja auch nicht mit 0 Euro hin), eine verlorene Jacke mitten im Winter, die Zahnspange (oje oje), die Brille, auch mal ein Paar stylisher Schuhe, die Einladung zur Geburtstagsparty (auch Deko, Würstel und Pizzaschnecken summieren sich, später mag man Kind auch nicht abschlagen mal im Freibad oä mit Freunden zu feiern und natürlich den Eintritt und Pommes für alle zu bezahlen), die Gegeneinladungen (Geschenk), Kleidung, der Sportkurs, inklusive Ausrüstung dafür, der Urlaub kostet auch mehr, das Handy, die Klassenreise…

    Kinder sind teuer, aber die Freude sie zu haben ist unbezahlbar 😀

    LG Ela

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  23. Hallo Oliver, vielen Dank für den Artikel und das tolle Blog – aus meiner Sicht bist Du „on Track“ – und ob Du nun mit 40 oder 44 Dein Ziel erreichst, ist auch nicht so wichtig – schließlich wirst Du mit 40 durch TZ-Arbeit und Elternzeit kumulativ schon mehr als 4 Jahre Freizeit gehabt haben.

    Eine Frage hätte ich aber zum Kapitalbedarf: hast Du in den Ausgaben auch Ausgaben für die Krankenversicherung und Pflegeversicherung eingerechnet? Da muss man im Vorruhestand doch den Arbeitnehmer- und Arbeitgeber-Anteil zahlen? Hast Du dazu evetuell schon etwas geschrieben?

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  24. Hallo Oliver,

    als jemand der sich beruflich seit 25 Jahren mit Planung beschäftigt muss ich sagen, dass Du für einen Zeithorizont von 6 Jahren Deine Ziele ziemlich gut erreicht hast. Es ist ja folgendes festzuhalten: Du hast Deine Ausgaben konsequent niedrig gehalten und bist nicht den Versuchungen der Lifestyle Inflation erlegen, was ich sehr bemerkenswert finde. Und Du hast ein ordentliches Depot angespart, was eine gute Basis für alle weiteren Pläne darstellt. Ob das nun etwas unter den Annahmen liegt ist bei der Dynamik im Markt völlig ok.
    Das die Einnahmen nicht dem Plan entsprechen ist ja bewusst so gewollt von Dir durch die Teilzeit zugunsten der Familie und Lebensqualität. Den Aspekt der geringeren Rentenansprüche später, welcher hier erwähnt wurde, ist natürlich der Nachteil der Teilzeit.

    Vielleicht hast Du Dich beim Schreiben des Beitrags gewundert wie schnell die Zeit vergangen ist und die 40 Jahre werden genauso schnell erreicht sein. Ich arbeite noch bis Ende nächsten Jahres und höre dann mit 56 auf und das kommt mir schon verdammt früh vor, die Zeit ist so schnell vergangen, ich kann es ehrlich gesagt noch gar nicht richtig ermessen, dass die Phase der Berufstätigkeit, welche ja auch viele positive Aspekte mit sich bringt, dann schon vorbei ist. Also was ich sagen will, wenn Du nicht mit 40 aufhörst sondern bis 45 oder 50 weiterarbeitest ist das keine „Planverfehlung“, sondern eine ganz normale Entwicklung.

    Weiterhin alles Gute!

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    • Ich schließe mich Deinem Beitrag an.
      Die Offenheit, mit der man sich in diesem Forum zu Lebensentwürfen und Lebensplanungen austauschen
      kann, ist schon einmalig.
      Das zeugt davon, dass es um Bewusstheit bei jedem Lebens -Schritt und jeder Lebens- Entscheidung
      geht. Entscheidend ist dabei nicht, ob der gefasste Plan aufgeht, sondern ob der Erhalt von Freiräumen
      für das Leben und die Sicherung von Lebensqualität ( für die jeweilige Lebensphase ). auf welche Weise
      auch immer verwirklicht werden kann. Dazu werden sicherlich immer wieder Anpassungen notwendig sein.

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  25. Also grundsätzlich ist das nicht weiter schlimm, da durch Teilzeitarbeit ja bereits mit einem Fuss in der finanziellen Freiheit. Wenn man nur Frugalismus nur noch 60-80% arbeiten muss, dazu kommt auch meist ein arbeitstätiger Partner, dann muss man m.E. auch nicht auf Biegen und Brechen die finanzielle Freiheit mehr anstreben. Durch einen Teilzeitjob und Homeoffice hat man auch mit Kindern ein deutlich entspannteres Leben. Zudem sind die Wochenarbeitszeiten in Deutschland niedriger als in der Schweiz.

    Wechsle selbst in der Schweiz auf eine 4-Tagewoche (= 34 statt 42 Stunden). Meine Frau arbeitet auch 50-70% und wir haben zwei kleine Kinder. Sparrate beträgt aktuell ca. 15%. Fühle mich bereits jetzt wie ein „Teilzeit-Privatier“.

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  26. @Zipfelklatscher
    Wünsche dir gesundheitlich alles Gute!

    @Oli
    Mich erstaunt ein Artikel nicht. Wie du selbst sagst, Pläne zu haben sind eine schöne Orientierung. Aber sie sind eben kein reiner Selbstzweck. Ich hatte die letzten Jahre sehr damit zu hadern, weil wir als Familie so viel Pech hatten. Meine Einstellung zu Geld hat sich dadurch geändert. Das passiert letztlich bei vielen Ereignissen im Leben und das ist absolut gut so. Ich war nie ein Fan von festen Zielen, weil es doch irgendwie traurig wäre, wenn dein 6-Jahre jüngeres Ich klüger wäre als dein aktuelles Ich. Wer an Zielen fest hält, ist blind für bessere Optionen, die sich einem bieten. Dementsprechend wünsche ich dir eine schöne Elternzeit! Wenn dir deine Teenager in ~15 Jahren mal das Leben schwer machen, wirst du dich gerne daran zurück erinnern, wie süß die Kids doch mal waren. 🙂 Liebe Grüße Jenny

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    • Danke Dir!

      „Ich war nie ein Fan von festen Zielen, weil es doch irgendwie traurig wäre, wenn dein 6-Jahre jüngeres Ich klüger wäre als dein aktuelles Ich. Wer an Zielen fest hält, ist blind für bessere Optionen, die sich einem bieten.“

      Großartig formuliert!

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  27. Hallo Oliver, du bist natürlich nicht gescheitert, weil du dein Ziel geändert hast. Doch was ist dein Ziel ? Wann möchtest du in die Rente gehen? Oder willst du einfach die Finanzielle Unabhängigkeit erreichen und trotzdem weiter arbeiten, weil du deinen Job liebst ?

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  28. Familie ändert alles, plötzlich werden Wünsche oder Ziele umgewandelt. Meine Meinung, wer den Sinn des Lebens sucht wird ihn nicht finden. Denn Achtung: die Kinder sind es das dem ganzen einen Sinn geben. Mit ihnen ändert sich alles. Natürlich kann man auch immens viel sparen aber wo bleibt die Lebensqualität da? Hat uns nicht Corona gezeigt das alles kurzlebig und innerhalb kürzester Zeit sich plötzlich verändern kann?
    Was ich wirklich toll finde ist das man sich nicht krampfhaft an seine Ziele binden sollte.
    Das Leben geht so glaube ich ,seinen eigenen Weg.

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