Müssen wir alle bis 67 arbeiten? Wie ich die Finanzielle Unabhängigkeit entdeckte und Frugalist wurde.

Frugalisten - Joana und Oliver

Vor einiger Zeit schrieb ich für den firmeninternen Newsletter meines englischen Arbeitgebers einen kleinen Artikel, in dem ich meinen Blog und die Idee hinter finanzieller Unabhängigkeit und dem frugalistischen Leben vorstellte. Am Ende kam dabei irgendwie eine ganz gute Zusammenfassung des Themas heraus, weshalb ich mir überlegt habe, eine deutsche Version des Artikels auch nochmal hier auf dem Blog zu veröffentlichen. Hier ist sie also.

Meine Geschichte beginnt vor etwa drei Jahren, als ich noch ein Student an der Bremer Universität war. Damals war ich überzeugt dass ich, sobald ich meinen Abschluss in der Tasche hatte und anfing zu arbeiten, für 40 Jahre (oder länger) in einem Job arbeiten gehen müsste. Ich würde die viele schöne Freizeit, die ich als Student genießen konnte, komplett aufgeben müssen, bis ich irgendwann mit Ende 60 vielleicht einmal in Rente gehen könnte. Fast jeder, den ich kannte, schien diesem Lebensmodell zu folgen, weshalb auch ich diesen Weg zunächst für die einzige Option hielt.

Meine Meinung änderte sich allerdings radikal, als ich über ein Phänomen namens Financial Independence and Retiring Early stolperte (zu Deutsch: Finanzielle Unabhängigkeit und früh in Rente gehen)  – oder kurz: FIRE. In Büchern und Blogs las ich von Menschen, die durch einen simpleren und weniger verschwenderischen Lebensstil in der Lage waren, genug Geld von ihrem gewöhnlichen Gehalt zu sparen, um mit 30 oder Anfang 40 finanziell unabhängig von ihrem Job zu sein. Sie konnten dann „in Rente“ gehen und für den Rest ihres Lebens tun und lassen was sie wollten, ohne sich jemals wieder um Geld Sorgen zu machen oder dafür arbeiten gehen zu müssen. Das hörte sich im ersten Moment ziemlich verrückt an. Hatten diese Leute nur Glück gehabt oder war das Ganze einfach nur ein schlechter Scherz?
Wie sich herausstellte, war es weder pures Glück noch irgendein geheimer Trick mit dem man finanziell unabhängig werden konnte. Tatsächlich war das Vorgehen ziemlich logisch und – was noch viel wichtiger für mich war – reproduzierbar:

Gebe weniger Geld aus als du verdienst und investiere die Differenz. Nach ein paar Jahren decken die Erträge deines Investments deine Ausgaben und dein Job-Einkommen wird optional – du bist finanziell frei.

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Verkaufen, einlagern, gratis mieten: Reicher leben mit der Stuff-Cloud

Stuff Cloud

Vor einigen Jahren besaß ich einmal einen richtigen Tower-Computer, so einen großen, sperrigen Klotz, der unter meinem Schreibtisch stand. Der Rechner war mein ganzer Stolz: ich hatte ihn selbst zusammengebaut, er hatte ein schickes, beleuchtetes Gehäuse und dank Quad-Core-Prozessor auch noch ordentlich Rechenleistung. Für die Uni und für unterwegs hatte ich außerdem noch einen Laptop – ein älteres, gebrauchtes Modell, bei dem es einigermaßen verschmerzbar wäre, wenn er einmal herunterfallen oder gestohlen werden sollte.
Eines Tages – ich steckte gerade mitten in einem wichtigen Uni-Projekt – fing mein Laptop plötzlich an zu streiken. Irgendein Systemfehler hatte sich eingeschlichen und die Kiste blieb nur noch hängen und stürzte ab. Nagut, kein Problem: Ich installierte das Betriebssystem und sämtliche Programme neu, was mich zwar den halben Tag kostete, aber immerhin konnte ich hinterher wieder wie gewohnt mit meiner Arbeit weiter machen. Zwei Wochen später passierte jedoch genau das gleiche mit meinem Tower-Computer. Zum zweiten Mal musste ich eine komplette Neuinstallation durchführen und wieder ging ein halber Tag dafür drauf. Warum mussten ausgerechnet so kurz hintereinander beide Computer anfangen zu spinnen? Plötzlich traf mich eine Erkenntnis: Ich hatte das Problem doch eigentlich selbst zu verantworten. Warum zum Teufel brauchte ich unbedingt zwei Computer? Nicht nur, dass ich ständig zwei Rechner verwalten und auf dem aktuellen Stand halten musste, der Tower-PC war auch noch groß und schwer und bei jedem Umzug würde ich die Kiste mit mir herumschleppen müssen. Hätte ich nur einen Laptop, wäre ich von der zusätzlichen Arbeit und dem überflüssigen Ballast befreit. Außerdem war mein PC auch noch einiges an Geld wert, das ich bei einem Verkauf einstreichen und in mein ETF-Portfolio investieren könnte. Ich überlegte also ernsthaft, meinen Rechner zu verkaufen.
Unweigerlich meldete sich eine Stimme in meinem Kopf: Was ist, wenn ich ihn doch noch einmal brauchen würde? Vielleicht stand im nächsten Semester ein Uni-Projekt an, bei dem ich die Rechenleistung benötigte. Oder ich würde demnächst ein Spiel spielen wollen, dass auf meinem Laptop nicht lief.
Schade, dachte ich, dass es keine Möglichkeit gibt, den Computer zu verkaufen, ihn aber gleichzeitig irgendwie wiederzubekommen, falls ich ihn doch noch einmal bräuchte. Wenn ich ihn doch nur irgendwie einlagern könnte…
Da  traf es mich wie ein Blitz: Natürlich konnte ich das! Ich zerlegte den Rechner in seine Einzelteile und verkaufte diese auf eBay und in meinem Bekanntenkreis. Meine Überlegung: Würde ich doch noch einmal einen schnellen Computer benötigen, könnte ich mir auf umgekehrtem Weg einfach wieder den gleichen oder einen ähnlichen Computer gebraucht kaufen. Ich lagerte meinen Rechner also gewissermaßen ein –  aber nicht in meinem Keller oder auf dem Dachboden – sondern in der Stuff-Cloud!

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Heißt Sparen verzichten? Günstige Hobbys, die mich nichts vermissen lassen

Rugeley Skatepark Quarterpipe

Es ist ein gängiges Vorurteil gegenüber dem frugalistischen Lebensstil, dass der Spaß und die sozialen Kontakte durch die niedrigen Ausgaben und die hohe Sparleistung auf der Strecke bleiben würden. Viele glauben, dass man nur mit 30 oder 40 finanziell unabhängig werden kann, wenn man auf die „schönen Dinge des Lebens“ verzichtet und dadurch sein Leben über ein zuträgliches Niveau hinaus beschneidet. Das kommt in Blogartikel und Kommentaren immer wieder zum Ausdruck, wie etwa in diesem Beispiel:

„Derart hohe Sparquoten verlangen einen frugalen, geradezu mönchischen Lebensstil ab. […] hier geht es um ein Maß, dass für die meisten Menschen die Lebensqualität doch deutlich reduzieren würde. Das geht nunmal zwangsläufig zu Lasten der Wohnqualität, von Reisen, von gesellschaftlicher Teilnahme, letztlich von Genuss. Viele dürften es bereuen, später auf einem Berg Geld zu sitzen, jedoch mit dem Gefühl, die Zwanziger- und Dreißiger Jahre nicht voll ausgekostet zu haben.“ (Quelle)

Hat der Verfasser damit Recht? Wohne ich als Frugalist qualitativ minderwertig? Sitze ich den ganzen Tag nur zu Hause und bin von der Gesellschaft ausgeschlossen? „Kastriere“ ich mein Leben auf Kosten der Gegenwart, um als alter Mann einmal nicht mehr arbeiten gehen zu müssen? Werde ich es in zehn Jahren bereuen, mein Leben nicht „voll ausgekostet“ zu haben?

Ich lebe zurzeit von rund 800 € im Monat, wovon einen großer Teil schon die Miete und mein Zugticket zur Arbeit ausmacht. Ein Blick auf meine weiteren Ausgaben verrät: Kino- und Restaurantbesuche, Wochenend-Wellness-Trips, Pay-TV-Abo, Konzerte, Skiurlaube oder Cocktailbars – all diese „Genüsse“ tauchen in meinen Ausgaben entweder gar nicht oder nur selten auf. Man könnte also tatsächlich meinen, ich würde den ganzen Tag lang alleine zu Hause hocken, nur um ja kein Geld ausgeben zu müssen.

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Die Dividenden-Strategie: Der große Selbstbetrug

Geldautomat

Es gibt großartige Neuigkeiten: Ich muss nie wieder für Geld arbeiten gehen. Ich habe nämlich einen simplen Weg entdeckt, wie ich auch ohne Arbeit beliebig viel verdienen kann. Es ist ganz einfach: Bei mir im Ort gibt es eine Bankfiliale mit einem Geldautomaten, an dem ich Geld abheben kann. Wenn ich also etwas brauche, stecke ich einfach nur meine Karte in den Schlitz, gebe die gewünschte Summe ein, und mein geliebtes Geld kommt einfach dort aus der Wand. Warum also sollte ich noch in einem Job dafür arbeiten gehen?

Was soll denn der Quatsch? Ist Oliver denn jetzt ganz verrückt geworden? Das Geld, das aus dem Geldautomaten kommt, ist doch einfach nur sein eigenes Geld, das er vorher in seinem Job verdient hat, und das auf sein Bankkonto eingezahlt wurde.

Logisch, du hast natürlich Recht. Während es hier jedem einleuchtet, dass ich mit meinem Geldautomaten-Trick auf dem Holzweg bin, ist unter Privatanlegern jedoch ein ganz ähnliches Verfahren weit verbreitet, das häufig sogar als vermeintlich sinnvolle Investmentmethode angepriesen wird. Die Rede ist von der Dividenden-Strategie (und ihren verschiedenen Unterarten) – einer Form des Investierens, bei der Anleger bevorzugt Aktien mit einer möglichst hohen Dividendenausschüttung kaufen. Insbesondere seit Beginn der derzeitigen Niedrigzinsphase scheint diese Form des Investments in Mode gekommen zu sein, so dass man in zahlreichen Blogs und Finanzratgebern die Empfehlung bekommt, man solle doch vor allem in „dividendenstarke Aktientitel“ investieren, um Vermögen aufzubauen und finanziell unabhängig zu werden. Ich denke, du solltest dich vorher lieber genau informieren, was eigentlich dahinter steckt. Denn letztendlich handelt es sich bei der Dividenden-Strategie um genau die gleiche Art der Selbsttäuschung wie mein vermeintlicher Geldautomaten-Trick. Gehen wir der Sache mal auf den Grund.

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Sommerbericht 2016 – 12.000 € in sechs Monaten gespart

Mit Tandem in Cornwall

Seit meinem letzten finanziellen Lagebericht ist mittlerweile ein halbes Jahr vergangen und damit ist es wieder Zeit für einen kleinen Zwischenstand: Wie viel Geld habe ich in den letzten sechs Monaten ausgegeben (und wofür)? Wie hoch ist meine Sparquote, wie haben sich mein Vermögen und mein Wertpapierdepot in dieser Zeit entwickelt? Diese Fragen will ich in diesem Beitrag beantworten.
Auch abseits der Finanzen ist in der ersten Hälfte des Jahres einiges passiert: Joana hat einen Job gefunden. Wir sind umgezogen. Unsere Wahlheimat hat sich mehrheitlich für den Austritt aus der EU entschieden. Das Leben bleibt spannend.

Einnahmen

In meinen Vollzeitjob als Softwareentwickler habe ich im letzten halben Jahr insgesamt 13.517 € netto verdient, also rund 2.253 € pro Monat. Zusätzlich sind weitere 1.834 € in meine betriebliche Altersvorsorge geflossen. Nebenbei habe ich ein paar Sachen auf eBay verkauft (unter anderem zwei große Computer-Bildschirme aus meiner Studentenzeit) und noch ein bisschen was durch eine kleine Nebentätigkeit als Webadministrator eingenommen.

Nettogehalt 13.517 €
BAV-Beiträge 1.834 €
Krempel-Verkäufe (eBay) 270 €
Nebentätigkeit 50 €
Einnahmen Gesamt 15.617 € (2.296 € pro Monat)

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Der Mann, der in einem Wohnmobil wohnt: Unterwegs mit Felix

Unterwegs mit Felix im Wohnmobil

Letzten Herbst, als Joana und ich noch in Wolverhampton wohnten, erzählten uns Joanas Uni-Freunde von ihrem Mitstudenten Felix. Dieser sei in einem Wohnmobil aus Deutschland gekommen und würde jetzt hier in England in eben jenem Wohnmobil leben. Diese Geschichte machte uns natürlich neugierig und wir luden Felix kurzerhand zu uns ein. Wir lernten einen sehr netten jungen Mann kennen, der nicht nur tatsächlich in einem Wohnmobil wohnt, sondern auch eine Menge interessanter Geschichten zu erzählen hatte. Vor kurzem besuchte uns Felix für ein Wochenende in Rugeley – oder vielleicht sollte ich besser sagen: er zog für ein Wochenende in unsere Einfahrt? Wir gingen jedenfalls einen Tag lang mit ihm auf Tour und ich nutzte die Gelegenheit, ihn zu seinem abenteuerlichen Leben auf vier Rädern und acht Quadratmetern zu interviewen.

Felix ist 23 Jahre alt, kommt aus Esslingen bei Stuttgart und hat letztes Jahr seinen Abschluss als Fotodesigner gemacht. Jetzt studiert er im Master Digitale und visuelle Kommunikation an der Uni Wolverhampton und wohnt währenddessen in seinem Wohnmobil, einem 1996er Dethleffs Globetrotter, das er über eBay Kleinanzeigen gekauft hat. Vor einiger Zeit hat Felix außerdem die vegane Lebensweise für sich entdeckt und konzipiert in seiner Masterarbeit nun einen Shop für vegane Lebensmittel.

Felix und Oliver mit Wohnmobil

Oliver: Wie lange wohnst du schon hier?
Felix: Ich habe das Wohnmobil im Juli 2015 gekauft, habe dann meinen Abschluss gemacht und seitdem auch schon angefangen, in dem Wohnmobil zu wohnen. Einfach um zu sehen, was ich brauche und was mir noch fehlt. Ich habe es dann präpariert und umgebaut, so dass es meinen Vorstellungen entspricht. Die Reise an sich ging dann erst im September los.

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Die effizienteste Art zu wohnen: So leben wir luxuriös ohne Mietwohnung und Eigenheim

Wohnzimmer Rugeley

Wir sind endlich umgezogen. Nachdem Joana im Februar auch einen Job angetreten hat, konnten wir nicht länger in unserem alten Zuhause in Wolverhampton bleiben – der Weg von dort zu unseren Arbeitsplätzen war auf Dauer einfach zu weit. Darum sind wir vor einigen Wochen in das beschauliche Rugeley1 gezogen und wohnen jetzt ziemlich genau in der Mitte zwischen unseren beiden Jobs. Im Gegensatz zu Wolverhampton (einer etwas trostlosen alten Industriestadt) ist Rugeley ein kleines Paradies: Ein gemütlicher Ort mit 20.000 Einwohnern, direkt am Nationalpark Cannock Chase gelegen, der mit seinen Wäldern und Hügeln zum Wandern und Mountainbiken einlädt. Von unserem neuen Zuhause aus sind es gerade einmal fünf Minuten, bis man mitten im Wald ist. Auf der anderen Seite des Ortes erstrecken sich die malerischen Flussauen des River Trent und der alte Trent-Mersey-Kanal, der im späten 18. Jahrhundert (der Zeit der Industrialisierung) für den Gütertransport gebaut wurde und heute Hausboot-Kapitänen und Wanderern als Freizeitbeschäftigung dient.

Vor unserem Umzug stand für uns eine wichtige Frage im Raum: Wo und wie wollen wir wohnen? Die Mieten und Immobilienpreise sind in England außerirdisch hoch – nicht nur in den Großstädten, sondern auch auf dem Land. Für eine winzige 2-Zimmer-Wohnung hätten wir mindestens 800 € im Monat hinblättern müssen, eher sogar 1000 €. Kaltmieten fangen bei etwa 450 € an, dazu kommen rund 100 € Council Tax (eine Art Gemeindesteuer, die pro Wohnung oder Haus erhoben wird) sowie die Betriebs- und Nebenkosten. Da der Großteil des Hausbestands hier in etwa Energieeffizienzklasse Z besitzt, dürften zu letzterem vor allem die winterlichen Heizkosten beitragen. Das war es uns nicht wert. Darüber hinaus hätten wir unsere Unterkunft auch noch selbst einrichten müssen, da wir ohne Möbel nach England gekommen waren und die Wohnungen hier nur in wenigen Fällen möbliert sind.

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Glücklicher Wohnen mit „So klein wie möglich“ – Meine rationale Alternative zum Quadratmeter-Wahnsinn

Glücklicher Wohnen mit "So klein wie möglich"

Es ist an der Zeit, dass wir uns einmal dem größten Ausgabenposten eines typischen deutschen Haushalts zuwenden. Die Rede ist von unserem Haus oder unserer Wohnung, deren Kosten im Schnitt rund 800 € pro Haushalt und Monat verschlingen – immerhin ein ganzes Viertel unserer durchschnittlichen Gesamtausgaben. Neben der reinen Kaltmiete oder den Kreditraten fürs Eigenheim gehören zu diesem Posten auch die Kosten für Heizung und Strom, Gas und Warmwasser, Aufwendungen für Reparaturen und Instandhaltung, Grundsteuern sowie Nebenkosten wie Abwasser oder Abfallentsorgung.
Ich behaupte, dass Wohnen überhaupt nicht so teuer sein muss. Wenn unsere Wohnung dem Zweck dienen soll, dass wir darin zufrieden, sorgenfrei und komfortabel leben können, dann sind die Wohnausgaben der meisten Deutschen zu einem großen Teil aus dem Fenster geworfenes Geld. Schon beim Aussuchen ihres Wohnraums treffen viele Menschen irrationale Entscheidungen und mieten oder kaufen in der Folge fast immer deutlich zu teuer. Ich will zeigen, dass es auch anders gehen kann. Mit einer etwas rationaleren Herangehensweise an die Wahl unserer Unterkunft könnten wir entspannter und zufriedener wohnen – und das für die Hälfte der derzeitigen Durchschnittsausgaben.

Viele Menschen suchen ihre Wohnung oder ihr Haus noch immer nach der Maxime So groß wie möglich aus. Die nicht weiter hinterfragte Annahme ist dabei, dass eine größere Wohnfläche und eine größere Zahl von Zimmern mit einer gesteigerten Lebenszufriedenheit einher gehen. Nicht selten sieht man darum Familien die größtmögliche Wohnung mieten, die sie sich mit ihrem Einkommen gerade noch leisten können. Häuslebauer nehmen den größtmöglichen Kredit auf, den sie innerhalb von 30 Jahren gerade noch so abstottern können und kaufen dafür das größtmögliche Haus. Es ist fast schon paradox: Während wir an der Tankstelle oder beim Online-Shopping um jeden Cent feilschen, sind wir beim Wohnungs- oder Hauskauf überhaupt nicht knausrig und blättern ohne mit der Wimper zu zucken einen großen Batzen unseres Gehalts für die Miete hin oder versenken ein ganzes Dutzend Jahresgehälter in ein Einfamilienhaus. Alles in der Erwartung, dafür gesteigertes Lebensglück in gleicher Höhe zurück zu erhalten. Eine trügerische Hoffnung.

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So gehe ich mit 40 in Rente – Mein Masterplan für die finanzielle Unabhängigkeit

Cannock Chase 40 Zone

Schon in meinem allerersten Artikel habe ich frech behauptet, dass ich noch vor meinem 40. Geburtstag „in Rente“ gehen will. Das heißt, dass ich bis dahin ausgesorgt haben möchte und somit nicht mehr in einem Job für Geld arbeiten gehen muss. Bisher bin ich allerdings eine Erklärung dafür schuldig geblieben, wie genau ich es eigentlich erreichen möchte, dem geregelten Berufsleben ganze 27 Jahre vor dem staatlichen Renteneintrittsalter Lebewohl zu sagen. Das möchte ich in diesem Artikel nachholen.

So verrückt mein Plan auch klingen mag, das Prinzip dahinter ist denkbar einfach: Ich gebe einfach weniger Geld aus als ich in meinem Job verdiene und spare die Differenz. Mit 40 habe ich dann genug zur Seite gelegt, um für den Rest meines Lebens von meinem Ersparten und dessen Kapitalerträgen leben zu können. Das Sparen fällt mir ganz besonders leicht, seit ich mich von der vorherrschenden Meinung verabschiedet habe, dass man für ein glückliches Leben viel Geld braucht oder dass „wir alle sowieso bis 67 arbeiten müssen“ (meiner Meinung nach ist das nämlich totaler Unfug). So lebe ich momentan von gerade mal einem Drittel meines Nettogehalts (rund 800 €) und spare den gesamten Rest. Statt immer mehr zu konsumieren und mit steigendem Gehalt meinen Lebensstil aufzublähen, lebe ich einfach mein bescheidenes und zufriedenes Leben weiter und kann so schon mit 40 finanziell unabhängig von meinem Jobeinkommen sein.

Eines muss ich allerdings klar stellen: Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen: Man weiß nie, was kommt. Und das ist auch gut so, denn sonst würde es schnell langweilig werden. Besonders die Pessimisten kennen immer viele Möglichkeiten, warum so ein Plan platzen kann. Vielleicht werde ich Vater von Vierlingen, lande im Rollstuhl oder der Kommunismus kommt zurück und mein gesamtes Erspartes fällt an den Staat. Aber ich kann auch Glück haben: Möglicherweise werde ich zum stellvertretenden Geschäftsführer befördert und verdiene ein sechsstelliges Gehalt, bin morgen auf meiner Fahrt zur Arbeit der millionste Zugfahrgast und gewinne einen fetten Preis oder mein Blog wird bald weltberühmt und generiert mehr Einkommen als ich in meinem IT-Job verdienen könnte. In diesem Artikel möchte ich darum gar keinen detaillierten Lebensplan aufstellen (weil es so einen eben gar nicht geben kann), sondern einfach nur aufzeigen, dass ich mit einem normalen Einkommen und einem stinknormalen Leben ohne besonders viel Glück oder besonders viel Pech innerhalb von wenigen Jahren finanziell unabhängig werden kann.

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Lohnt sich meine betriebliche Altersvorsorge? (Oder kann es mein ETF-Portfolio besser?)

Betriebliche Altersvorsorge

Ähnlich wie in Deutschland bieten auch hier in Großbritannien viele Betriebe ihren Mitarbeitern eine betriebliche Altersvorsorge an, um deren zukünftigen Pensionen über die staatliche Rente hinaus aufzubessern. Auch in meinem Betrieb kommen die Mitarbeiter in den Genuss dieser Leistung und so zahle ich nun jeden Monat einen Teil meines Gehalts in ein Defined Pension Contribution Scheme ein – eine englische betriebliche Altersvorsorge. Hierbei stehe ich grundsätzlich vor der Wahl: Ich kann entweder nur den vorgeschriebenen Minimalbetrag einzahlen, ich kann freiwillig mehr als den Minimalbetrag einzahlen und ich kann sogar komplett aus dem Vertrag aussteigen und auf die betriebliche Altersvorsorge verzichten. Insbesondere letzteres sollte wohlüberlegt sein, denn neben Steuervorteilen lockt das Vorsorgeangebot vor allem durch einen satten Zuschuss von Seiten des Arbeitgebers. Was ist also der richtige Weg? Macht die betriebliche Altersvorsorge Sinn oder ist mein Geld  in meinem privaten ETF-Portfolio besser aufgehoben? Ich habe es nachgerechnet.

Die Fakten: Arbeitgeberzuschuss, Steuervorteile und Fondsgebühren

Um in den Genuss der betrieblichen Altersvorsorge zu kommen, muss ich zu dieser mindestens 4 Prozent meines Bruttogehalts beisteuern. Das sind für mich aktuell etwa 83 £ im Monat bzw. 1000 £ im Jahr (umgerechnet rund 1300 €). Diese werden direkt von meinem Bruttogehalt abgezweigt und sind dadurch erstmal frei von Einkommenssteuern und Sozialversicherungsbeiträgen. Ähnlich wie bei der deutschen Riesterrente müssen aber die Rentenzahlungen versteuert werden, die später aus diesen Beiträgen generiert werden, wodurch sich dieser Steuervorteil je nach späterem Renteneinkommen teilweise wieder relativiert. Immerhin: Ein Viertel des bis dahin angesparten Vermögens kann im Alter pauschal steuerfrei ausbezahlt werden.
Jetzt kommt aber erst das fette Ende: Auf meinen eigenen Beitrag legt mein Arbeitgeber noch einmal satte 7,5 Prozent meines Gehalts obendrauf, also 156 £ im Monat bzw. 1875 £ im Jahr (rund 2400 €). Wenn ich aus dem Vorsorgevertrag aussteige und keine Beiträge mehr einzahle, macht auch der Arbeitgeber nicht mehr mit – den Zuschuss erhalte ich also nur, wenn ich ebenfalls meinen Anteil von mindestens 4 Prozent leiste. Wenn ich möchte, kann ich auch mehr als nur den Minimalbetrag meines Gehalts einzahlen, bis zu einer Grenze von 3600 Pfund sogar steuer- und abgabenfrei.

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