Dynamische Entnahmestrategien Portfolio

Portfolios dynamisch entsparen – Entnahmestrategien (Teil 5)

Dies ist der fünfte Teil der Serie Von den Zinsen leben – Entnahmestrategien unter der Lupe.
Hier geht’s lang zum ersten Teil und zur Übersicht.

Bei allen Portfolio-Simulationen, die wir uns in dieser Artikelserie bisher angeschaut haben, wurde unser Test-Portfolio immer auf die gleiche Art und Weise entspart – mit einer konstanten, inflationsbereinigten Entnahme.
Bei dieser Entnahmeregel wird jedes Jahr ein fester, immer gleichbleibender Geldbetrag aus dem Portfolio entnommen, der lediglich an die Inflation angepasst wird.

Dahinter steckt die Annahme, dass man Jahr für Jahr immer denselben Geldbetrag zum Leben benötigt.
Aber passt diese Annahme überhaupt zur Realität? Wir Frugalisten sind doch gerade Meister der Kreativität und Anpassungsfähigkeit. Wir haben jede Menge Flexibilität in unseren Lebensstil eingebaut und können unsere Ausgaben auch mal reduzieren, wenn es hart auf hart kommt. Oder für zusätzliches Einkommen sorgen, wenn es an der Börse für einige Jahre nicht so gut läuft.

Darum schauen wir uns heute die Welt der dynamischen Entnahmeregeln an. Hier ist der Entnahmebetrag nicht festgezurrt, sondern kann – innerhalb bestimmter Regeln und Grenzen – mit dem Auf und Ab der Börsen schwanken.
So können wir bei gleicher Erfolgswahrscheinlichkeit durchschnittlich mehr Geld entnehmen – und dadurch früher oder mit mehr Sicherheit in Rente gehen als es mit einer konstanten Entnahme möglich wäre.

Was ist die konstante, inflationsbereinigte Entnahme?

Bei einer konstanten, inflationsbereinigten Entnahme wird Jahr für Jahr der gleiche Geldbetrag aus dem Portfolio entnommen. Dieser wird nur an die Inflation angepasst, also beispielsweise jährlich um zwei bis drei Prozent erhöht.

Die Höhe dieses Betrags wird dabei in Form einer initialen Entnahmerate angegeben. Diese beschreibt, wie hoch der Anteil des Entnahmebetrages am Gesamtvermögen zu Beginn der Entnahme ist. Starten wir unsere Entnahme etwa mit einem Vermögen von 100.000 € und entnehmen jedes Jahr 5.000 €, so beträgt die initiale Entnahmerate 5 %.

Nach der initialen Entnahme bleibt der (inflationsbereinigte) Entnahmebetrag konstant, unabhängig davon, wie sich das Portfolio anschließend entwickelt. Auch wenn sich unser Vermögen also von 100.000 € auf 50.000 € halbiert, entnehmen wir weiterhin jedes Jahr 5.000 €.
Die initiale Entnahmerate ist daher nicht mit der aktuellen Entnahmerate (current withdrawal rate) zu verwechseln. Die kann sich von Jahr zu Jahr ändern. Halbiert sich unser Vermögen auf 50.000 €, so verdoppelt sich die aktuelle Entnahmerate auf 10 %.

Auch William Bengen und die Trinity-Studie rechneten in ihren Untersuchungen mit einer konstanten, inflationsbereinigten Entnahme. In Bengens Studie überlebten alle Test-Portfolios mindestens 30 Jahre lang, wenn die initiale Entnahme nicht mehr als 4 % betrug. Deshalb bezeichnete Bengen die 4 % als sichere Entnahmerate (engl. safe withdrawal rate, SWR).

Die folgende Grafik stammt aus einem Artikel von Wade Pfau. Die untere Abbildung kennen wir bereits: Sie zeigt die Entwicklung eines Vermögens von  $100 (angelegt in US-Aktien und US-Staatsanleihen) über verschiedene Simulationszeiträume zwischen 1926 und 2015, bei einer konstanten, inflationsbereinigten Entnahme von 4 %.

Neu ist die obere Abbildung: Sie zeigt die (inflationsbereinigte) Entwicklung der Entnahmebeträge über die gleichen Zeiträume. Bei einer konstanten Entnahme verändert sich der Entnahmebetrag nicht – die Grafik zeigt eine gerade Linie.
Bei den dynamischen Entnahmeregeln, die wir uns gleich genauer ansehen, wird das anders sein.

Wade Pfau Konstante, inflationsbereinnigte Entnahme
Zeitverlauf der inflationsbereinigten Entnahmen und des Vermögens bei konstanter inflationsbereinigter Entnahme. 4 % initiale Entnahme, 50/50 Asset-Allokation, rollierende 30-Jahres-Zeiträume.
SBBI-Daten 1926-2015, S&P 500 und US-Staatsanleihen mittlerer Laufzeit. Aus: Pfau, Wade: The Problems With a Constant Retirement Spending Strategy. McLean Asset Management.
(Quelle: https://www.mcleanam.com/problems-constant-retirement-spending-strategy/)

Ist eine konstante Entnahme überhaupt sinnvoll?

Ein im Wert schwankendes Portfolio mit einer konstanten Entnahme zu entsparen, ist eigentlich ein Kampf gegen Windmühlen. Denn eine Entnahmestrategie, die stur den immer gleichen Geldbetrag entnimmt, ohne Rücksicht auf den aktuellen Portfoliowert zu nehmen, ist dem berüchtigten Sequence-of-Returns-Risiko (SoRR) maximal ausgesetzt.

Vielleicht erinnert ihr euch noch an das magische Dreieck aus dem ersten Teil der Serie. Den Versuch, die Entnahmebeträge möglichst gleichmäßig zu halten, erkauft man mit einer niedrigen initialen Entnahme und einem verhältnismäßig hohen Bankrott-Risiko.

Je mehr man also bereit ist, schwankende Entnahmebeträge zu akzeptieren, desto mehr Geld kann man bei gleicher Erfolgswahrscheinlichkeit entnehmen – oder geht umgekehrt bei gleicher Entnahme eine niedrigeres Bankrott-Risiko ein.

Wie funktioniert eine vollständig dynamische Entnahme?

Schauen wir uns zuerst einmal den Extremfall an: Wie würde eine vollständig dynamische Entnahme aussehen?
Hier entnehmen wir keinen konstanten Geldbetrag, sondern einen konstanten prozentualen Anteil des jeweils aktuellen Portfoliowertes.

Bei einer prozentualen Entnahme von 5 % entnehmen wir aus einem 100.000 €-Portfolio im ersten Jahr wieder 5.000 €. Halbiert sich der Portfoliowert auf 50.000 €, entnehmen wir nur noch 5 % des neuen Vermögenswertes, also 2.500 €. Verdoppelt sich das Portfolio auf 200.000 €, entnehmen wir entsprechend 10.000 €.

Während bei der konstanten, inflationsbereinigten Entnahme der Entnahmebetrag fix bleibt und die aktuelle Entnahmerate veränderlich ist, ist es bei einer prozentualen Entnahme genau umgekehrt. Hier bleibt die aktuelle Entnahmerate konstant, während der Entnahmebetrag von Jahr zu Jahr schwankt.

Der große Vorteil einer prozentualen Entnahme: Das Sequence-of-Returns-Risiko ist hier komplett ausgeschaltet. Egal in welcher Reihenfolge die Renditen auftreten, der Endbetrag des Portfolios wird alleine von der Durchschnittsrendite des Portfolios und der Entnahmerate bestimmt.

Die folgende Grafik zeigt wieder die Entwicklung der Entnahmebeträge im oberen und den Verlauf des Vermögens im unteren Teil – diesmal für eine prozentuale Entnahme von 4 %.

Wade Pfau vollständig dynamische Entnahme

Zeitverlauf der inflationsbereinigten Entnahmen und des Vermögens bei Entnahme mit festem Prozentsatz. 4 % initiale Entnahme, 50/50 Asset-Allokation, rollierende 30-Jahres-Zeiträume.
SBBI-Daten 1926-2015, S&P 500 und US-Staatsanleihen mittlerer Laufzeit. Aus: Pfau, Wade: Seeking A Fixed Percentage Approach To Retirement Spending. Forbes.
(Quelle: https://www.forbes.com/sites/wadepfau/2016/10/04/seeking-a-fixed-percentage-approach-to-retirement-spending/#3819496d11dd)

Da die Entnahmebeträge sich nun mit schwankendem Portfoliowert verändern, ergibt sich in der oberen Abbildung keine gerade Linie mehr, sondern es entstehen viele unterschiedliche Verläufe. In einigen getesteten Zeiträumen fällt der Entnahmebetrag von initialen $4 auf unter $2. In anderen Szenarios steigt er auf über $10.

Vergleicht man die Vermögensverläufe in der unteren Abbildung mit denselben Verläufen bei konstanter Entnahme, so sieht man sehr gut, dass die Linien viel dichter beisammen liegen.
Da das SoRR bei einer prozentualen Entnahme ausgeschaltet ist, ergibt sich weniger Unsicherheit und eine geringere Schwankungsbreite bei der Vermögensentwicklung .

Technisch gesehen ist bei einer prozentualen Entnahme auch ein Bankrott ausgeschlossen, da man das Portfolio nie vollständig entspart. Allerdings ist dieser Vorteil eher theoretischer Natur, denn die Entnahmebeträge können natürlich unendlich klein werden – zu klein, um die persönlichen Ausgaben zu decken.

Das Beste aus beiden Welten: Mischstrategien

So richtig rockt die prozentuale Entnahme also noch nicht. Wir sind zwar das lästige SoRR los und können technisch nicht mehr bankrottgehen, dafür zappeln die Entnahmebeträge wild hin und her und können von heute auf morgen unter unsere Ausgaben fallen.

Sinnvoll wäre also ein Mittelweg aus beiden Extremen: eine Mischung aus konstanter und prozentualer Entnahme. So konstant wie nötig, so dynamisch wie möglich.

In der Wissenschaft hat sich mittlerweile ein ganzer Zoo von solchen Mischstrategien gebildet – genug, um damit einen eigenen Blog füllen zu können.
Darum will ich an dieser Stelle vor allem einen groben Überblick geben und ein paar ausgewählte Varianten vorstellen. Fangen wir mit den beiden einfachsten Strategien an.

Die 50/50 Hybrid-Strategie

Diese Entnahmeregel ist die simpelste aller möglichen Mischstrategien. Hier teilen wir unser Portfolio gedanklich in zwei gleich große Hälften. Während die eine Hälfte mit einer konstanten, inflationsbereinigten Entnahme entspart wird, wenden wir auf die zweite Hälfte die prozentuale Entnahme an. Die tatsächliche Entnahmerate ergibt sich dann aus der Summe der beiden Teilentnahmen.

Die Verläufe der Entnahmebeträge und des Vermögens liegen somit genau in der Mitte zwischen der konstanten und der prozentualen Entnahme. Der Entnahmebetrag schwankt nur halb so stark wie bei einer prozentualen Entnahme und sinkt höchstens auf knapp unter $3.

Bei einer initialen Entnahme von 4 % ergibt sich so folgendes Bild:

Wade Pfau Endowment Formula Hybrid

Zeitverlauf der inflationsbereinigten Entnahmen und des Vermögens bei hybrider Entnahme mit der Endowment-Formel. 4 % initiale Entnahme, 50/50 Asset-Allokation, rollierende 30-Jahres-Zeiträume.
SBBI-Daten 1926-2015, S&P 500 und US-Staatsanleihen mittlerer Laufzeit. Aus: Pfau, Wade: Are Retirement Spending Strategies Different For Individuals And Institutions? Forbes.
(Quelle: https://www.forbes.com/sites/wadepfau/2016/10/11/are-retirement-spending-strategies-different-for-individuals-and-institutions)

Sollen die Entnahmebeträge noch konstanter sein, könnte man das Verhältnis der beiden gedachten Portfolio-Teile noch weiter zugunsten der konstanten Entnahme verändern (z.B auf 70/30).

Bengens Floor-Ceiling-Regel

Bei der Floor-Ceiling-Methode (engl. für Sockel- und Deckelbetrag) berechnet man den Entnahmebetrag zunächst genau wie bei der prozentualen Entnahme. Zusätzlich begrenzt man die Entnahme aber nach oben und unten durch einen Mindest- und Maximalbetrag.

Angenommen, ich entnehme jährlich 4 % des aktuellen Portfoliowertes. Bei einem Vermögen von einer Million Euro sind das im ersten Jahr 40.000 €.
Zusätzlich lege ich fest, in keinem Jahr weniger als 34.000 € (Floor) oder mehr als 48.000 € (Ceiling) zu entnehmen – auch wenn die aktuelle Entnahmerate von 4 % einen größeren oder kleinen Betrag ergeben würde.

Bezogen auf ein Vermögen von $100 entsteht somit das folgende Bild. Der Sockel liegt hier bei $3,40 und der Deckel bei $4,80:

Wade Pfau Bengens Floor Ceiling

Zeitverlauf der inflationsbereinigten Entnahmen und des Vermögens bei Entnahme mit Bengens Floor-Ceiling-Regel. 4 % initiale Entnahme, 50/50 Asset-Allokation, rollierende 30-Jahres-Zeiträume.
SBBI-Daten 1926-2015, S&P 500 und US-Staatsanleihen mittlerer Laufzeit. Aus: Pfau, Wade: What Is The ‘Floor & Ceiling’ Retirement Spending Strategy? Retirement Researcher.
(Quelle: https://retirementresearcher.com/floor-ceiling-retirement-spending-strategy/)

Die Floor-Ceiling-Regel wurde zum ersten Mal von William Bengen im Jahr 2001 beschrieben. In einer Studie hatte er Entnahmen untersucht, bei denen der Sockel 10 % unterhalb und der Deckel 25 % oberhalb der initialen Entnahme lag. Er kam zu dem Ergebnis, dass die Floor-Ceiling-Regel im Gegensatz zur konstanten, inflationsbereinigten Entnahme eine 10 % höhere initiale Entnahmerate erlaubte, ohne die Bankrott-Wahrscheinlichkeit zu erhöhen.

Ich persönlich finde diese Strategie vor allem deshalb charmant, weil sie ganz gut zum echten Leben passt. Den Sockel könnte man so wählen, dass er die lebensnotwendigen Ausgaben wie Miete, Versicherungen und Lebensmitteln abdeckt. In schlechten Börsenphasen ist man so in jedem Fall existenziell abgesichert und kann entscheiden, ob man lieber zeitweilig auf Luxusausgaben verzichtet oder sich eben etwas hinzuverdient.

Welche dynamischen Entnahmeregeln gibt es sonst noch?

Geglättete Entnahmebeträge

Ein Nachteil der prozentualen Entnahme ist, dass sich die Entnahmebeträge sehr sprunghaft verändern können. Hat man sich in einem Jahr an Kapitaleinkünfte von 50.000 € gewöhnt, können es schon im Jahr darauf nur noch 20.000 € sein.
Einige Entnahmeregeln zielen deshalb darauf ab, die Veränderungsrate der Entnahme zu bremsen, also die Entnahmebeträge etwas flacher ansteigen und fallen zu lassen. So bekommt man mehr Zeit, um sein Leben den geänderten Entnahmebeträgen anzupassen. Zu diesen Entnahmeregeln zählt beispielsweise Vanguards’s Percentage Floor-and-Ceiling-Methode.

Statistische Regeln

Andere Modelle versuchen den Entnahmebetrag anhand der verbleibenden Lebenserwartung zu bestimmen. So muss das Portfolio eines 85-Jährigen keinen so langen Zeitraum überstehen wie das eines 50-Jährigen. Mit fortschreitendem Alter kann die Entnahmerate also höher gewählt werden, sofern das Vermögen bis zum Lebensende verbraucht werden soll.
Zu dieser Kategorie gehören beispielsweise die Modified RMD-Regel, Hebeler’s Autopilot und die VPW-Methode. Um die Lebenserwartung zu bestimmen, nutzen diese Entnahmemodelle statistische Sterbetafeln, ähnlich wie Versicherungsunternehmen bei der Berechnung von Rentenfaktoren.

Einige weitere Regeln, über die ich bei meiner Recherche gestoßen bin, habe ich in der folgenden Tabelle zusammengefasst.

Hybrid-Strategie mit gleitendem Durchschnitt Ähnlich der prozentualen Entnahme, aber mit etwas geglätteten und weniger volatilen Entnahmen.
Guyton-Klinger Komplexe Entnahmeregel, unterm Strich einer prozentualen Entnahme recht ähnlich, bei leichter Glättung der Entnahmebeträge.
Hier eine detaillierte Analyse und Kritik auf earlyretirementnow.com (auf Englisch)
Kitces Ratcheting Rule Ähnlich der konstanten, inflationsbereinigten Entnahme. Allerdings darf der Entnahmebetrag nach oben angepasst werden, wenn das Portfolio sich gut entwickelt.
Zsolt’s Target Percentage Adjustment Ähnlich der konstanten, inflationsbereinigten Entnahme. Bei schlechter Portfolio-Performance wird der Inflationsausgleich weggelassen.

Welche Entnahmeregel ist die Beste?

Welche dynamische Entnahmeregel die Beste ist, hängt letztendlich von den persönlichen Präferenzen ab. Mit welchen Schwankungen und welchem Bankrottrisiko kann ich leben? Bin ich damit einverstanden, nach meinem Tod einen dicken Batzen zu vererben, oder will ich so viel wie möglich vorher ausgeben?

In seinem Buch How much can I spend in Retirement? vergleicht Wade Pfau einige der genannten Entnahmeregeln miteinander.
Mein persönliches Fazit seiner Untersuchung: Keine dynamische Entnahmeregel ist prinzipiell besser als die anderen. Das magische Dreieck aus Entnahmehöhe, Gleichmäßigkeit der Entnahmen und Bankrottrisiko kann auch die ausgefeilteste Entnahmeregel nicht knacken. Jedenfalls nicht, solange sie keine weiteren Faktoren als den aktuellen Portfoliowert in die Berechnung des Entnahmebetrages einfließen lässt.

Am wichtigsten ist darum meiner Meinung nach, überhaupt Schwankungen in den Entnahmebeträgen zuzulassen – damit gewinnt man gegenüber einer konstanten Entnahme bereits viel.

Wie kann ich selbst dynamischen Entnahmen simulieren?

Soweit nun die graue Theorie. Zum Schluss will ich euch noch zeigen, wie ihr die dynamischen Entnahmeregeln in eurer eigenen Portfolio-Simulation benutzen könnt.

Im vorigen Teil dieser Artikelserie habe ich euch unter anderem den cFIREsim vorgestellt. Mit diesem Tool kann man Portfolio-Entnahmen simulieren und dabei eigene Parameter wie Einnahmen, Ausgaben und Portfolio-Allokation festlegen. cFIREsim lässt das Portfolio dann verschiedene historische Zeiträume zwischen 1871 und 2015 durchlaufen und ermittelt anschließend eine Erfolgswahrscheinlichkeit für den getesteten Rentenplan.

In meinem Tutorial hatte ich bisher nur die konstante, inflationsbereinigte Entnahme mit cFIREsim demonstriert. Allerdings beherrscht cFIREsim darüber hinaus auch einige dynamische Entnahmeregeln. Diese könnt ihr auf der Startseite des Rechners im Dropdown-Menü unter Spending Plan auswählen.

cFIREsim Spending Plan

Hier stehen folgende Auswahlmöglichkeiten bereit:

Auswahlmöglichkeit Entnahmeregel
Inflation Adjusted Konstante, inflationsbereinigte Entnahme
Not Inflation Adjusted Konstante Entnahme ohne Inflationsausgleich
% of Portfolio Prozentuale Entnahme, sowie Bengens Floor-Ceiling-Regel durch Hinzufügen von Sockel- und Deckelbetrag (Defined Value)
Hebeler Autopilot Entnahmeregel auf Basis der statistischen Lebenserwartung
Variable Spending Ähnlich wie Bengens Floor-Celing-Regel, aber mit „gebremstem“ Anstieg der Entnahmebeträge (einstellbar über Z Value)
Guyton-Klinger Komplexe Entnahmeregel, im Ergebnis der prozentualen Entnahme recht ähnlich
VPW (Variable Percentage Withdrawal) Entnahmeregel auf Basis der statistischen Lebenserwartung

Bengens Floor-Ceiling-Regel mit cFIREsim

Angenommen, ich möchte mit cFIREsim eine Simulation mit Bengens Floor-Ceiling-Regel durchführen. Das Portfolio ist eine Million Euro wert, die initiale Entnahme beträgt 4,5 %. Der Sockelbetrag liegt bei 40.000 €, der Deckelbetrag bei 50.000 €.
Dann muss ich cFIREsim folgendermaßen einstellen:

cFIREsim Floor-Ceiling

Belässt man alles andere bei den Standardeinstellungen, berechnet cFIREsim für diesen Entnahmeplan eine Erfolgswahrscheinlichkeit von knapp 95 %.
Eine konstante, inflationsbereinigte Entnahme kommt mit der gleichen initialen Entnahmerate nur auf knapp 84 %.

Damit bestätigt cFIREsim Bengens Studie. Etwas mehr Flexibilität bei den Entnahmen erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit um rund 13 %.
Bei einer initialen Entnahmerate von 4,5 % liefert die Floor-Ceiling-Entnahme eine ähnliche Erfolgswahrscheinlichkeit wie eine konstante, inflationsbereinigten Entnahme bei 4 %.

Die Entnahmeregel, die allen anderen schlägt?

Eine der dynamischen Entnahmeregeln von cFIREsim habe ich in der Tabelle weiter oben unterschlagen: Variable CAPE.

Diese Entnahmeregel ist so mächtig, dass sie eigentlich jeder beherzigen sollte, der plant, von den Erträgen eines Wertpapierportfolios zu leben.
CAPE-Strategien bestimmen den Entnahmebetrag nicht nur anhand des aktuellen Portfoliowert, sondern beziehen auch die aktuelle Bewertung des Aktienmarktes mit ein. Wie sich herausstellt, hat das einen enormen positiven Einfluss auf die Gleichmäßigkeit der Entnahmebeträge und die Erfolgswahrscheinlichkeit des Portfolios.

Darum wird es im nächsten Teil der Serie gehen.

37 Gedanken zu „Portfolios dynamisch entsparen – Entnahmestrategien (Teil 5)“

  1. Die notwendige Entnahmehöhe im hohen Alter lässt sich kaum festlegen und steigt vielleicht sogar, wenn man gar 90 oder 100 wird. Ich betrachte das „Pflegerisiko“ als essentiell und würde dem durch einen möglichst hohen Reservebetrag begegnen zu versuchen.

    Auf 0 € nach der durchschnittlichen Lebenserwartung hin zu entnehmen hielte ich für fahrlässig. Würde man nur 1 Jahr älter werden, dann als womöglich Mittelloser. Käme in den letzten Lebensjahren Pflegebedürftigkeit dazu, dann bräuchte man womöglich € 3-4.000 zusätzlich… monatlich.

    So ein Reservebetrag sollte € 100.000 nicht unterschreiten und müsste 100% sicher und stets Zugriff bereit sein. Weil nichtmal Tagesgeld das kann bliebe wohl nur ein Safe über. Persönlich würde ich neben EUR auch 2 weitere Wührungen bereit halten, z.B. CHF und USD.

    Was denkt Ihr darüber?

    Antworten
    • Bei einem Aktien-Portfolio kann man gar nicht auf 0 Euro (oder irgendeinem anderen Betrag) zu einem bestimmten Zeitpunkt auslegen, weil man den Zeitverlauf der Rendite nicht kennt. Ein bisschen mehr oder weniger Rendite hat kumuliert über die Jahre einen riesigen Einfluss.

      Wenn man ganz konservativ unterwegs sein will legt man seine Entnahmequote so niedrig, dass das Portfolio mit großer Wahrscheinlichkeit steigt. Dann hat man auch das Pflegethema erschlagen, weil man im Alter die Entnahmequote deutlich erhöhen könnte.

      100k in Bar im Safe behalten halte ich für übertrieben. Aber jedem das Seine.

      Antworten
    • Hallo Rainer,

      da das Risiko des Pflegefalls durchaus essentiell ist, sollte man dieses Risiko nicht über eine Rücklage decken, sondern für diesen Fall über ein Pflegetagegeld nachdenken, welches man als Anschlussvertrag einer BU ansehen kann.

      Antworten
  2. Hi Oliver,

    wieder ein super recherchierter Artikel – vielen Dank für die ganzen Hintergrundinformationen und auch die gute Verlinkung von Quellen und Details!

    Da werde ich am Wochenden doch glatt nochmal meine selbst-gestrickte XLS Simulation der Entnahmephase mittels cFIREsim überprüfen. Muss gestehen, dass mir da einige Einstellmöglichkeiten noch nicht 100%ig klar waren…

    @Rainer: Ich würde auch nicht mittels Simulationen auf einen Komplettverzehr des Kapitals planen. Der Sicherheitspuffer sollte so groß sein, dass Du (und jeder selbst) sich damit wohl fühlt. Da kann 100k eine gute Größe sein, hängt aber von den Gegebenheiten jedes Einzelnen ab. Die Reserve würde ich aber einfach mit in das Portfolio einbringen – und dann halt schauen, dass die Ergebnisse in keiner Simulation unter diese Mindestgrenze fallen..

    Viele Grüße und ein schönes Wochenende
    Thorsten

    Antworten
    • Gerade angefangen mit dem Rechner zu spielen und Deine Szenarian/ Optionen zu nutzen…und schon eine Idee oder Frage:

      Gibt es eine Option „Inflation adjusted ceiling / floor“ festzulegen?

      Sodass ich mit heutigen Werten das Minimum und Maximum der jährlichen Entnahme festlege, dieses aber über die (lange) Zeit an die Inflation angepasst wird.

      Antworten
      • Hi Thorsten,

        eine sehr gute Frage!
        Laut cFIREsim-FAQ sind bei der Floor/Ceiling-Option die Min- und Max-Beträge bereits Inflationsbereinigt:

        If you choose Floor and Ceiling Values, you will be given the option to set limits to the yearly spending calculation. These floor/ceiling values are based on inflation-adjusted (according to your Inflation Assumptions in the sidebar) percentages of the initial portfolio at retirement.

        Der Satz „According to your Inflation Assumptions in the sidebar…“ ist offenbar veraltet und gilt für die alte cFIREsim-Version (http://104.236.234.236//input.php), da ich in der aktuellen Version keine Einstellmöglichkeit für die Inflation mehr finde.

        Allerdings offenbart ein Blick in den Quellcode von cFIREsim, dass die Inflation tatsächlich zu den Floor- und Ceiling-Werte dazu multipliziert wird (wobei cFIREsim standardmäßig den CPI als Inflationswert nutzt):

        floor = form.spending.percentageOfPortfolioFloorValue * sim[i][j].cumulativeInflation;

        ceiling = form.spending.percentageOfPortfolioCeilingValue * sim[i][j].cumulativeInflation;

        Antworten
  3. Tolle Serie und auch dieser Artikel war wieder sehr informativ, wenn auch für mich persönlich das Meiste schon bekannt war. Trotzdem Danke für deine Arbeit! Ist eine schöne Seite, um im Bedarfsfall wieder zurückzukehren und nachzulesen.

    Rainer, was soll man dazu sagen? Typisch Vollkaskomentalität der Deutschen 🙂 … nichts für ungut, kann jeder so machen wie er will. Muss derjenige halt X Jahre länger knuffen gehen, um sich die 100.000 EUR „vielleicht passiert mal was“-Puffer anzusparen.

    CU Ingo.

    Antworten
  4. @Ingo: Sorry, aber eine Zusatzrente mittels ETFs und ab Renteneintritts auch mittels Hochdividendenwerten (á la Luis Pazos) zu erwirtschaften würde ich nicht gerade als „Vollkaskovariante“ bezeichnen…

    Ich mach mir nur Gedanken über meine Strategie, dass ich meinen Lebensstandard im Alter keinesfalls einschränken muss und auch in Notsituationen (z.B. Pflegefall, Rezession) nicht darben muss. LG aus Österreich 😉

    Antworten
  5. Ich würde hier aus rein altruistischen Gründen (Disclaimer: erhalte keinerlei Vergütungen von niemand nicht für meine rein anlegerorientierte Empfehlung) gern wieder mal auf meine Empfehlung
    https://frugalisten.de/von-den-zinsen-leben-entnahmestrategien/#comment-2583
    am Anfang dieser Serie hinweisen: Mit der Allokantion in möglichst viele möglichst gering bis un-korrelierte Anlageklassen mit aktienähnlicher Rendite und Volatilität aber ohne jegliche renditezehrenden sowie Inflations- und Währungsreform-gefährdeten Geldwertanlagen inkl. Cash im Safe kann man seine Chancen auf deutliche höhere Rendite und stark reduzierte Kriseneinbrüche signifikant erhöhen. Auch Gold kann übrigens wertlos werden, wenn dessen Privatbesitz in Krisenzeiten, wie schon selbst in den USA vorgekommen, verboten wird.

    Die größten und erfolgreichsten Stiftungsfonds, wie z.B. der erfolgreichste „Yale Endowment Fund“ von David Swensen verzichtet daher völlig auf diese Scheinsicherheiten und maximiert lieber antifragil Chancen und minimiert Risiken, wie von mir vorgeschlagen. Und das obwohl oder m.E. gerade weil er einen möglichst hohen und gleichmäßigen Cash-Entnahmestrom für 30% Budgetbeitrag zur teuren US Elite-Univ. Yale praktisch unendlich lang darstellen muss.

    Damit könnten viele ihre Entnahmerte vielleicht soweit erhöhen, dass die hier immer wieder aufkommenden Sorgen ein- für allemal der Vergangenheit angehörten.

    Auf eine kürzliche Nachfrage danach, habe ich meine diesbezüglich optimale, dem Yale Model von David Swensen ähnliche Investment-Strategie, die sich bei mir bereits seit 20 Jahren mit 2 Jahrhundert-Crashs bestens bewährt hat, und die ich auch in meiner Ruhestandszeit praktisch unverändert beibehalten möchte, kürzestmöglich vollständig beschrieben:

    – Der Finanzmarkt bietet neben reinen Beta- auch nutzbare reine Alpha-Ertragspotenziale. Denn die mittelfristige Preisentwicklungen ist grob vorhersagbar. 

    – Privatanleger können an diesen Ertragspotenzialen hauptsächlich durch Standard Aktien- und REIT-Index-ETFs bzw. durch wettbewerbsfähige unkorrelierte Managed Futures Fonds am kosteneffizientesten teilhaben.

    – Deren Kombination und regelmäßiges Rebalancing stellt im langfristigen Durchschnitt persistente Outperformance bei deutlich reduzierten Kriseneinbrüchen im Vergleich zum reinen Beta-Anteil in Aussicht.

    – Die systematische Ausbeutung von Marktineffizienzen bewirkt dabei, dass Kapital von irrationalen Börsenspielern vermehrt zu rationaleren Langfristinvestoren fließt. Das trägt zu mehr Effizienz und Fairness im Finanzmarkt bei (ethische Geld-Anlage).

    Wer sich näher damit beschäftigen will, was sich sehr lohnen kann, findet beim Freiheitsmaschinisten viele Details dazu, die ich über 20 Jahre zusammengetragen habe
    https://freiheitsmaschine.com/freiheitsforum/alternative-investments/aktiv-gemanagte-liquid-alternatives-las-auf-der-basis-von-hedge-funds-hfs/
    und beim Finanzwesir viele erfolgreich überstandene kritischste Diskussionen bis auf quasi sub-atomare Ebene mit garantieähnlichen Sicherheitsanforderungen mit p-Wert von kleiner als 0,000005%!
    https://www.finanzwesir.com/blog/wochenueberblick-kw40-2018
    Siehe meine zusammenfassenden Kommentare dort ab 30.November 2018.

    Ich plane meine Investment-Strategie demnächst auf einer geeigneten Social Trading Plattform zu veröffentlichen und begleitend darüber zum Folgen zu bloggen, damit sich dieses scheinbare Geheimwissen schneller verbreitet und u.a. vor der nächsten großen Krise schützt, deren Wetterleuchten schnell und bedrohlich näher rückt.

    Wer kann mir noch gute Social Trading Plattformen nennen, die mit DAB als Depotbank zusammenarbeiten? Denn nur mit der kann ich meine Investmentstrstegie vollständig umsetzen. Die suche ich noch händeringend, da die zunächst auserkorene Moneymeets-Plattform.diesen Service für neue Trader leider eingestellt hat. Würde mich sehr über jeden Vorschlag freuen.

    Antworten
  6. Und wenn man einfach die Entnahmerate prozentual gestaltet, die Ausgaben aber konstant hält und die überschüssige Liquidität der guten Jahre auf ein Girokonto einzahlt oder in irgendwas sicherem, liquiden parkt und nur zum Ausgleich der Mangeljahre einsetzt ?

    Antworten
    • @XY
      Bei dem fragilen Zustand des EUR in EUR-Geldwerte gehen?? Zu „harten“ Mark-Zeiten gab es ca. alle 50 Jahre einen tiefen blutigen Währungsschnitt. Unsere ECB tut m.E. alles Politische, was sie kann, dass diese Routine auch zu EUR-Zeiten so eingehalten wird.

      M.E. würdest du mit deinem Vorschlag nur Scheinsicherheit mit ca. -3% realem Wertverlust sehr teuer bezahlen. Denn diese Scheinsicherheit wollen aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen sehr viele. Und was viele haben wollen, ist seeeehr teuer. )-:

      Ich selber versuche so wenig wie möglich Cash zu halten bzw. habe immer einen kleinen negativen Betrag im Effektenkredit zu ernachläsigbar kleinen Zinsen laufen, damit ich auch wirklich nie pos. Cashbestand halte. Cashzuflüssen gehen dann immer sofort in die am meisten unterallokierten Einzelanlagen (laufendes Rebalancing mit frischem Cash).

      Antworten
    • Dann würdest Du Rendite verlieren. Diesee geparkte zinslose Anlage kannst und sollst Du ja von Beginn an in die Anlage/Entnahmestrategie mit einplanen. Dies geschieht durch die Allokation in kurzlaufend Staatsanleihen und Aktien/ETF . Eine Aufteilung von ca 25 bis 30 zu 70-75% bei Rebalancing in der Entnahmephase führt dazu, dass Du bei sinkenden Aktienmärkten / Crash mehr aus den risikoarmen Anteil entnimmst und damit nicht den Risiko-Anteil in Krisenzeiten unwiderruflich abschmilzt.

      Grundsätzlich macht es natürlich Sinn, das Geld investiert zu lassen, das man nicht benötigt. Und das kann läßt sich ja sehr flexibel gestalten.

      Antworten
    • @XY hier noch eine weitere Senf-Portion:
      Kurze Antwort: Jain.
      Lange Antwort:
      Es gibt hier verschiedene Interessensschwerpunkte: FIRE oder PEPP?
      – FIRE (also … retire EARLY also weit vor der Rente) dann interessiert man sich fuer eine moeglichst hohe Rendite der Geldanlage, weil man weiss nicht, wie lange sie zukuenftig reichen muss
      dann gilt, was die Vorschreiber schon vorgeschrieben haben: Cash hat Realwertverlust und ist Baaeeeh (moeglichst gering halten).
      – PEPP: PEnsion/Rente aufpePPen, ggfls mit teilweisem Kapitalverzehr:
      dann kannst du machen was du willst, beliebig viel Cash halten, Dividenden-Hoernchen spielen, … sonst was machen.
      Denn: das „Spiel“ ist gewonnen, du hast genug und es geht hoechstens drum, ob/wieviel du hinterlassen moechtest … (keine existentielle Notwendigkeit max. Nachsteuerrendite)
      LG Joerg

      Antworten
    • Hallo XY,

      Entscheidend ist immer der Blick auf das Gesamtportfolio und nicht, wie man das Geld zwischen verschiedenen mentalen „Töpfen“ hin- und herschiebt. Also treten wir mal einen Schritt zurück und schauen uns deinen Vorschlag aus Sicht des Gesamtportfolios an:

      Du hältst die Ausgaben konstant, entsparst das Portfolio also faktisch mit einer konstanten Entnahme.
      In den „guten Jahren“ (wenn die prozentuale Entnahme oberhalb der konstanten Entnahmerate liegt), ziehst du darüber hinaus Geld aus deinem risikobehafteten Portfolioteil in den risikoarmen Portfolioteil.

      Wenn du dieses Verfahren zusätzlich zum normalen Rebalancing des Portfolios durchführst, erhöhst du so mit der Zeit den risikoarmen Portfolioteil. Ist das wirklich was du willst?
      Aus reiner Risikosicht macht es zumindest wenig Sinn. Da in der Entsparphase das SoRR mit der Zeit sinkt, könnte man seinen risikobehafteten Portfolioteil mit der Zeit eher erhöhen.

      Letztlich handelt es sich also um eine konstante Entnahme mit „Über-Rebalancing“ in risikoarme Anlagen in guten Jahren.

      Antworten
  7. Hallo Oliver,
    vielen Dank für Teil 5 der Entnahmestrategien, sehr interessant, für FIRE bin ich definitiv zu alt, ich muss nix entsparen, ich werde dank Rente, Mieteinnahmen und Dividenden ein gutes Auskommen haben. Bin schon gespannt auf Variable CAPE.

    Frohe Festtage Dir und Deinen Lieben

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  8. Exzellenter Artikel der brillanten Serie über Entnahmepläne. Lieber Oliver, ich möchte mich ganz herzlich für die viele Mühe und Recherche bedanken. Und das Ganze perfekt aufbereitet, um maximales Verständnis und Lesespass zu ermöglichen. Garniert mir hervorragenden Grafiken.

    Meine Take home Message: möglichst hohes Vermögen ansparen und vermutlich nicht „all in“ Aktienmarkt. Bei einer Baisse gefolgt von einem längeren sich seitwärts bewegendem Markt glättet die RK1 Komponente das Vermögen und verhindert, dass die Entsparrate zu klein wird.

    Und: stets auf der Suche bleiben und sich weiterentwickeln (Stichwort Humankapital, Eignes Business), um nicht nur flexibel die Ausgabenseite reduzieren, sondern auch die Einnahmenseite Skalieren zu können.

    Ich wünsche dir ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2019. Pete

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  9. Ich habe gerade mit cFIREsim rumgespielt und das Beispiel mit dem Spending Plan „% of Portfolio“ nachgestellt. Bei mir kommt die Erhöhung der Erfolgswahrscheinlichkeit gegenüber der konstanten Entnahme (fixe Entnahme 45.000 ergibt 83,9% ) allein aus dem runtergesetzten „floor spending“ (4.5% und min 40.000 ergeben 94,92%). ceiling spending hat keinen Einfluß.

    Woran liegt das? Liegt das daran, dass die Renditen nicht zufällig sind, sondern verkettet?

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    • Hi Jens,

      super Frage! Es liegt daran, dass bei allen Simulations-Zyklen, in denen das Portfolio pleite gegangen wäre, die Entnahmen ohnehin immer den Ceiling-Wert unterschreiten. Ein zusätzliches Ceiling sorgt also nicht dafür, dass Zyklen, die ohne das Ceiling in die Pleite geführt hätten, plötzlich erfolgreich werden. Daher ändert sich die Erfolgswahrscheinlichkeit nicht.

      Wenn du die Graphen der beiden Simulationsdurchläufe (einmal mit und einmal ohne Ceiling) vergleichst, kannst du das sehr gut erkennen:
      Bei den Portfolio-Zyklen, die am Ende unterhalb der Nulllinie landen, werden die Entnahmeraten niemals durch das eingestellte Ceiling gedeckelt, sondern bleiben immer darunter. Gedeckelt werden nur die Portfolio-Verläufe am oberen Rand, die sowieso nicht in die Pleite geführt hätten.

      Dass das Ceiling bei einigermaßen realistischen Simulationsparametern absolut gar keinen Einfluss hat, liegt hier im Speziellen an dem relativ kleinen Shiller-Datensatz, den cFIREsim verwendet.

      Allerdings hat das Ceiling auch grundsätzlich wenig Einfluss auf die Erfolgswahrscheinlichkeit. Wade Pfau schreibt in seinem Buch:

      „Bengen stellte fest, dass die Wahl des Ceiling-Werts tatsächlich nicht allzuviel Einfluss auf die tragfähige Entnahmerate hat. Wenn das Portfolio gut genug performt, dass die Entnahme die Höhe des Ceilings erreicht, verwirklicht sich das Sequence-of-Returns-Risiko nicht mehr und die aktuelle Entnahmerate sinkt. Es wird unwahrscheinlich, dass der Bankrott des Portfolios ein Problem darstellt. Die wichtige Variable ist die Wahl des Floors.“

      („Bengen noted that the choice of the ceiling value really does not have much impact on sustainable spending. IF the portfolio does well enough for spending to grow to the level of the ceiling, the sequence risk does not manifest, and the current withdrawal rate declines. It becomes unlikely that portfolio depletion will be a concern. The important variable is the floor location.“)

      Quelle: Pfau, Wade: How Much Can I Spend In Retirement?, p. 183.

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  10. Also der Abschluss des Artikels hat schon sehr heiß auf die nächste Folge gemacht. Mich würde jetzt schon interessieren was es denn mit der geheimnisvollen variable CAPE Strategie aufsich hat. (Nur so ein kleiner Motivations-Kommentar. 😉

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  11. Hallo Oliver,

    vielen Dank für Deine Erläuterungen, welche die Berechnungen erst verständlich machen.
    Wie schon festgestellt wurde, hat das Ceiling keinen oder geringen Einfluss auf die Erfolgsquote.
    Was mir jedoch wichtig erscheint und ich nicht aus der Statistik richtig entnehmen kann, ist wie häufig man unter das Yearly Spending Niveau auf das Floor Niveau fällt. Wieviel Jahre geht die erwartete Entnahmeregel auf und wieviel Jahre nicht?

    LG Johann

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    • Hallo Johann,

      das hängt natürlich sehr von der genauen Simulation und den eingestellten Parametern ab.
      Auf welche Daten und Parameter beziehst du dich denn?

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  12. macht es eigentlich einen Unterschied, ob man monatlich, halbjährlich oder jährlich in der Entsparphase Anteile verkauft?
    Wahrscheinlich fallen etwas höhere Gebühren an, dafür ist der Verkaufskurs bei monatlichen Entnahmen „glatter“
    Spielt es steuerlich eine Rolle? Oder für die Krankenversicherung?

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    • Hallo Matthias,
      bei monatlichen Verkäufen hat man – wie du schon sagst – im Regelfall höhere Transaktionskosten, dafür hat man eine geringfügig höhere Renditeerwartung, da man mit dem Kapital aus den Folgemonaten länger investiert bleibt.

      Für die Einkommenssteuer und Krankenversicherungsbeiträge (GKV) spielt es keine Rolle ob man jährlich oder monatlich verkauft, da beide auf Basis eines Kalenderjahres berechnet werden.

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  13. Den größeren Einfluss wird der jeweilige Kurs haben, zu dem man verkauft. Das Auf- und Ab ist ja häufig sehr kurzfristig. Unglücklich eine Woche später verkauft und schon 5% weniger Entnahme. Oder umgekehrt (siehe Dez 18 bis März 19). Aber wer wil da eine Vorhersage machen.

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  14. Das sparen für die Pflege muss man genau hinterfragen.
    Den grundsätzlich macht es keinen großen Unterschied (nach derzeitiger Gesetzeslage), ob Du 0€ oder ~3600€ pro Monat zur Verfügung hast. Da die Leistungen in beiden Fällen festgeschrieben sind. Und davon abgesehen in einem staatlichen/stätischen Pflegeheim möchte keiner alt werden. Im 0€ Fall zahlt das Sozialamt und unter Umständen einen Teil die Angehörigen. Im ~3600€ Fall kriegst für Dein hart verdientes Geld schlechtes Essen im Doppelzimmer, genau wie im 0€ Euro Fall.

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