Flickzeug

Kaufst du noch oder denkst du schon? Eine Lektion im frugalistischen Problemlösen

Seit rund fünf Monaten arbeite ich nun schon in meinem Job als Softwareentwickler und fahre nach wie vor jeden Tag mit dem Zug und mit dem Fahrrad zur Arbeit. Erst zweieinhalb Kilometer bis zum Bahnhof, dann zwischen 10 und 15 Minuten mit dem Zug und anschließend noch einmal elf Kilometer mit dem Rad.

Ganz besonders der längere der beiden Fahrradwege hat mir in dieser Zeit allerdings so einiges an Kopfzerbrechen bereitet. Auf der Strecke zwischen Stafford und Stone wachsen nämlich zahlreiche Dornenhecken am Wegrand. Und deren abgebrochenen und auf dem Weg herumliegenden Zweige werden von Fahrradreifen offenbar magisch angezogen. So hatte ich alleine während meiner ersten drei Monate im Job ganze zehn Reifenpannen – so viele wie zuvor in meinem ganzen Leben zusammen nicht.

Den ersten Dorn fing ich mir gleich in meiner zweiten Arbeitswoche ein. Ich kam abends aus dem Büro und fand mein Fahrrad mit einem platten Vorderrad im Fahrradständer. Was tun? Ich nahm die Pumpe zur Hand, die ich in weiser Voraussicht immer in meinem Rucksack dabei habe und pumpte den platten Reifen noch einmal stramm auf. Dann fuhr ich los – in der Hoffnung, das elf Kilometer entfernte Stafford zu erreichen, bevor dem Rad erneut die Luft ausging.

Leider hielt die Hoffnung nur die ersten drei Kilometer, dann war der Reifen war wieder platt. Ich versuchte ihn noch einmal aufzupumpen, aber es war nichts mehr zu machen: Ich musste das Fahrrad den Rest der Strecke schieben. Bei einem Fahrradladen auf dem Weg besorgte ich noch schnell Flickzeug und kam gegen neun Uhr abends endlich zu Hause an.

Dort ging es dann aber erst richtig an die Arbeit. Ich baute das Rad aus, fummelte den defekten Schlauch heraus und versuchte, das Loch ausfindig zu machen. Schließlich fand ich gleich zwei Löcher und flickte sie. Trotzdem hielt der Schlauch danach immer noch keine Luft.
Erst als ich ihn noch einmal aufpumpte und in eine Schüssel mit Wasser legte, bemerkte ich die vielen kleinen Luftblasen, die sich überall rund um den gesamten Schlauch bildeten.
Was war da los? Während ich das Rad nach Stafford geschoben hatte, hatte sich der lose aufliegende Mantel einmal komplett um das Rad bewegt. Dabei hatte der im Reifen steckenden Dorn den Schlauch rings herum perforiert.
Der Schlauch war damit nicht mehr zu retten und ich musste einen neuen einsetzen, den ich zum Glück noch auf Lager hatte. Jedenfalls war der Abend dank dieser Panne komplett gelaufen und ich fiel irgendwann nach Mitternacht nur noch totmüde ins Bett.

Nagut, so etwas passiert einem höchstens ein paar Mal im Leben, dachte ich mir.
Aber Pustekuchen. Schon wenige Tage später fand ich mein Rad nach der Arbeit wieder mit einem platten Reifen vor. Und gleich in der selben Woche noch ein weiteres Mal. Mittlerweile hatte ich zwar Flickzeug dabei und kam auch nicht mehr auf die fragwürdige Idee, die Heimfahrt mit einem defektem Schlauch antreten zu wollen. Allerdings raubte mir jede Reparatur immer wieder einen ganzen Abend meiner ohnehin schon knappen Freizeit.

So konnte es nicht weiter gehen. Ich hatte ein echtes Problem, das irgendwie gelöst werden musste. Was konnte ich tun?

Die Waschlappen-Art der Problemlösung

In unserer Gesellschaft haben sich die meisten Menschen mittlerweile angewöhnt, ihre Probleme immer auf eine einzige und immer gleiche Art und Weise zu bearbeiten: Sie werfen einfach Geld auf das Problem und hoffen, dass es dadurch verschwindet.
Wenn du also ein Problem hast, kaufst du dir einen entsprechenden Gegenstand, von dem du (oder zumindest die Werbung) dir eine Lösung versprichst. Oder du bezahlst andere Menschen dafür, dass sie doch bitte das Problem für dich lösen sollen.

Warum auch nicht? Schließlich gibt es ja zu jedem Problem eine passende kaufbare Lösung: Abnehm-Pillen und Fitness-Abos gegen Übergewicht, Volumen-Shampoo gegen plattes Haar. Kinos, Freizeitparks und Kabelfernsehen gegen Langeweile, 27-in-1-Active-o²-Waschmittel gegen Flecken in der Jeans und Autos gegen den unbequemen Weg zum Bäcker um die Ecke.
Und wenn mal eine Glühbirne durchbrennt? Dann bestellst du einfach den Elektriker. Gegen den Hunger lässt du den Pizzabringdienst kommen, um das Auto kümmert sich die Vertragswerkstatt und für deine Altersvorsorge sorgt der freundliche Herr von der Bank. Und die verzogenen Kinder? Naja, die biegt die Supernanny schon wieder gerade.


Es ist eine Art moderne Epidemie, Probleme nur noch durch den Kauf von Produkten und Dienstleistungen lösen zu können. Das geht sogar soweit, dass sich viele Menschen gar nicht mehr mit dem zugrunde liegenden Problem beschäftigen. Stattdessen wenden wir uns direkt dem Produkt zu, das für die Lösung des Problems scheinbar zwangsweise gekauft werden muss.
Du willst sportlicher werden? Da gibt es doch bei Real,- gerade einen Heimtrainer im Angebot, und dazu gleich die passende Funktionsunterwäsche und das Proteinpulver im Vorteilspack. Du möchtest Essen zubereiten? Dann muss natürlich erstmal der Smoothie-Maker, der elektrische Eierkocher und das antibakteriell beschichtete Schneidebrett her. In deiner Wohnung ist zu wenig Platz? Glasklar, du musst in eine größere Wohnung ziehen.

Es stellt sich auch gar nicht mehr die Frage, ob du vielleicht auch anders als mit dem Auto deine Arbeit erreichen könntest (oder warum du überhaupt soweit weg von der Arbeit wohnst oder überhaupt zu genau dieser Arbeit gehen musst). Sondern nur, welche Marke und welches Modell es denn sein soll, und ob Klimaanlage und Sitzheizung zur Serienausstattung gehören.
Brauchst du für ein zufriedenes Leben wirklich einen Dampf-Wäschetrockner oder eine Bluetooth-Zahnbürste? Und welche Probleme sollen damit eigentlich gelöst werden? Diese Überlegung tritt gegenüber der Frage in den Hintergrund, bei welchem Online-Shop man diese Dinge am günstigsten bestellen kann.

Ganz ähnlich war es auch im Falle meiner Fahrrad-Pannenserie. Wenn ich Freunden oder Arbeitskollegen von meinem Reifen-Problem erzählte, bekam ich vor allem Ratschläge wie diese:

Es gibt doch unplattbare Reifen, versuch es doch mal mit denen.

Warum legst du dir nicht ein Auto zu und fährst damit zur Arbeit?

Alles Lösungsvorschläge also, die durch den Kauf irgendeines Produktes entstehen sollten.
Aber gab es nicht noch andere Möglichkeiten, die vielleicht deutlich simpler waren? Waren diese gekauften Lösungen denn überhaupt die besten Optionen?


Die Angewohnheit, Probleme einfach aus dem Weg zu kaufen, ist eine Erscheinung unserer modernen arbeitsteiligen Gesellschaft.
Die Idee dahinter: Du gehst in deinem Job arbeiten und löst dort Probleme aus einem einzelnen, ganz speziellen Bereich, für den du ausgebildet wurdest. Dafür erhältst du im Austausch Geld, mit dem du dann alle anderen Probleme per Kauf lösen sollst.

Arbeitsteilung ist grundsätzlich natürlich sinnvoll und für viele unserer modernen Errungenschaften absolut notwendig. Zum Beispiel hätte ich meinen Laptop, auf dem ich gerade diesen Artikel schreibe, wohl niemals alleine herstellen können. In so einem Fall ist es dann tatsächlich sinnvoll, einfach andere Menschen für diese Leistung zu bezahlen.

Allerdings wird dieses System von vielen Menschen falsch interpretiert. Nur weil du Geld zur Lösung deiner Probleme bekommst, heißt das nicht gleichzeitig, dass sich alle Probleme auch am besten mit Geld lösen lassen.
In Wahrheit sind es nämlich sogar die allerwenigsten Probleme, auf die das zutrifft. Unplattbare Reifen? Nette Erfindung. Aber damit man auf diesen noch komfortabel fahren kann, sind die Gummieinlagen, die für die Unplattbarkeit sorgen sollen, nie stärker als einen halben Zentimeter. Die Dornen, die meine Fahrradschläuche perforiert haben, waren aber mindestens einen ganzen Zentimeter lang. Damit wären sie durch diese Gummischicht glatt durchgegangen.
Ein Auto kaufen? Ja, damit wäre ich mein Dornenproblem wohl losgeworden. Im Gegenzug hätte ich mir aber ganz andere Komplikationen eingehandelt. Durch das Herumsitzen im Auto würde ich mich deutlich weniger bewegen, wäre weniger ausgeglichen und öfter krank. Außerdem würde ich eine so gewaltige Stange Geld für Sprit und Unterhalt verfeuern, dass ich mir bei jeder Fahrradpanne statt neuer Schläuche auch gleich ein neues Fahrrad kaufen könnte.

Einfach nur irgendein Produkt oder eine Dienstleistung zu kaufen, ist häufig eine unzureichende oder mindestens ziemlich ineffiziente Lösung.
Ein Heimtrainer oder Proteinshake alleine machen dich nicht fit. Das antibakterielle Schneidebrett macht aus dir keinen Sternekoch. Ein Auto bringt dich zwar schnell von A nach B, dafür musst du für so ein Ding aber auch Jahre oder gar Jahrzehnte deines Lebens arbeiten gehen, verheizt fässerweise Benzin und wirst zum Dank dafür auch noch unsportlich.
Und wenn du bei jeder kaputten Glühbirne den Elektriker kommen lässt, lernst du nie, wie ein Stromkreis und eine Lampenfassung funktionieren und musst auch bei Lampe Nummer siebenundzwanzig immer wieder den Elektroservice anrufen.
Und ganz egal wie viel Geld du auch immer dafür ausgeben magst: Lebensglück, Zufriedenheit und gute Freunde lassen sich einfach nicht kaufen. Für diese Dinge musst du schlicht und ergreifend selbst sorgen.

Probleme auf Frugalisten-Art lösen

Zum Glück geht es auch anders. Mein Reifen-Problem habe ich mittlerweile in den Griff bekommen, ohne unplattbare Reifen oder einen ölbefeuerten Motorrollstuhl kaufen müssen. Stattdessen habe ich mein Problem auf frugalistische Art und Weise gelöst. Wie geht das? Ganz einfach: Statt gleich den nächstbesten Online-Preisvergleich anzusteuern, bin ich einfach ein bisschen kreativ und strenge ein bisschen meinen Denkapparat an.
Schließlich hat uns die Evolution nicht nur Portemonnaie und Kreditkarte als Problemlösungsinstrumente spendiert, sondern auch zwei nützliche Hände und ein vergleichsweise leistungsfähiges Gehirn.


Fahrrad Reifenpanne Stafford StoneErstmal habe ich mir meine Wegstrecke und besonders die Dornenbüsche etwas näher angesehen. Dabei stellte ich fest, dass die Büsche ungleichmäßig entlang des Weges verteilt standen.
Insgesamt konnte ich drei Stellen ausfindig machen, an denen mehr Hecken wuchsen und diese auch dichter an meinem Weg standen. Dementsprechend lagen dort auch wesentlich mehr Zweige auf dem Boden verstreut.

An zwei dieser Abschnitte fuhr ich ab sofort einfach eine alternative Route, die mich um die Hecken herum führte. An der dritten Stelle konnte ich leider keinen anderen Weg einschlagen. Hier stieg ich ab sofort einfach ab, schulterte mein Fahrrad und trug es an der rund 30 Meter langen Hecke vorbei.

Wo ich sonst noch irgendwo Dornenzweige auf dem Boden entdecken konnte, hielt ich einfach kurz an und räumte die Zweige zur Seite. Sobald ich nämlich eine Stelle einmal gesäubert hatte, fielen dort nur langsam wieder neue Zweige auf den Weg. So hatte ich erstmal für eine Weile Ruhe.

Mit diesen Maßnahmen konnte ich nach und nach die Wahrscheinlichkeit einer Panne so weit reduzieren, dass ich in den vergangenen vier Wochen keinen einzigen Platten mehr hatte.
Was aber, wenn es doch noch einmal vorkommt? Naja, dank des knappen Dutzend Reparaturen, die ich bereits hinter mir habe, bin ich mittlerweile so geübt im Reifen flicken, dass ich längst keinen halben Abend mehr für eine Reparatur benötige. Bei meiner letzten Panne habe ich mein Rad noch auf dem Heimweg wieder flott gemacht. Im Dunkeln unter einer Straßenlaterne, bei Sturm und vier Grad Außentemperatur. Und das ganze in unter 20 Minuten. Ich habe dadurch nicht einmal meinen Zug verpasst.

So konnte ich mein Problem simpel und elegant lösen. Dazu habe ich keinen Pfenning ausgegeben und sogar noch etwas Nützliches gelernt.

So oder so ähnlich kannst du die meisten deiner Probleme ab jetzt frugalistisch in den Griff bekommen.
Beschäftige dich mit der Problemsituation. Was genau ist eigentlich das Problem? Was für Möglichkeiten hast du? So findest du vielleicht heraus, dass deine Wohnung gar nicht zu klein ist, sondern du einfach nur zuviel überflüssiges Zeug darin hortest. Oder dass man Eier mit etwas Übung genauso punktgenau in einem Topf kochen kann.
Lerne eine neue Fähigkeit. Reifen flicken, Glühbirnen wechseln, Pizza backen. So kannst du dein Problem zukünftig blitzschnell selbst aus der Welt schaffen.
Sei kreativ. Sieh dich in deiner Umgebung um und nutze die Dinge, die du bereits hast. Mit einer Rolle Tesa und einem alten Schnürsenkel lassen sich mehr Probleme lösen, als du glaubst. Sei geduldig. Manche Probleme lösen sich mit der Zeit einfach von alleine oder dir fällt irgendwann zufällig eine elegante Lösung ein, während du dich mit dem Problem auseinandersetzt.

Was genau hast du davon?

Vor allem zwei Dinge.
Zum einen wirst du natürlich reich. Du musst plötzlich fast kein  Geld mehr ausgeben, um deine Probleme gelöst zu bekommen.
Mit den frugalistischen Prinzipien erreichst du die meisten Ziele nicht nur einfacher und nachhaltiger, sondern auch mit nur 10% der Ausgaben, die die meisten Menschen für die Lösung des Problems einsetzten würden.
Das gesparte Geld kannst du dann stattdessen dafür benutzen, weniger arbeiten gehen zu müssen oder innerhalb von wenigen Jahren dem 9-to-5-Job Lebewohl zu sagen.

Aber es gibt noch einen zweiten, vielleicht sogar viel wichtigeren Aspekt. Wenn du deine Ziele möglichst durch eigenes Handeln erreichst und deine Probleme selbst in die Hand nimmst, macht dein Unterbewusstsein eine wichtige Erfahrung:

Ah klasse! Ich kann in dieser Welt richtig was bewirken.

Statt dich nur passiv vom Strom mittragen zu lassen, nimmst du mit deinen Handlungen selbst Einfluss auf dein Leben und deine Umwelt. ‚
Dieses Prinzip nennt sich Selbstwirksamkeit und wie sich herausstellt, ist diese ein wesentlicher Faktor für langfristige Zufriedenheit im Leben.

Umgekehrt wundert es mich darum auch nicht, dass sich viele Menschen in unserer Gesellschaft als unbedeutend und machtlos, als Spielball des Chefs, der Politiker oder „des Systems” wahrnehmen. Wenn du deine Probleme immer nur von anderen lösen lässt, in dem du Geld auf das Problem wirfst, entgeht dir diese wichtige Erfahrung der Selbstwirksamkeit.

Also wie siehts aus: Kaufst du noch, oder denkst du schon?
Wofür hast du schon alles eine clevere frugalistische Lösung gefunden? 

30 Gedanken zu “Kaufst du noch oder denkst du schon? Eine Lektion im frugalistischen Problemlösen

  1. Ich habe mir mittlerweile einige genügsame Lebensweisen angewöhnt und bei ein paar Dingen nehme ich dennoch die bequeme Version. Will heißen: Wir haben keine tolle Küchenmaschine, nicht mal ein normales Rührgerät und dennoch flicke ich meinen Reifen nicht selbst. Als bei mir letztes Jahr beide Reifen platt waren, habe ich es bei einer lokalen Fahrradwerkstatt für 40€ machen lassen. Grund: Ich habe nur wenig Werkzeug, hätte ewig gebraucht und vielleicht alles gar nicht mehr so genau einstellen können, wie es vorher war. Da unterstütze ich lieber ein lokales Geschäft (die durch die 40€ auch nicht gerade reich wurden..). Ein paar Spartipps noch von mir: Eisdosen wiederverwenden, um Essen aufzubewahren. Mein Freund bekommt ab und zu von mir MonCherie in einer Plastikbox geschenkt – die Box eignet sich super, um Kleinkram wie Schrauben und Co. aufzubewahren. Senfgläser als Trinkgläser nutzen. Sachen möglichst ohne Bohrungen anbringen. Maximal mal einen Nagel kommt bei mir in die Wand. Ganz so frugalistisch wie du lebe ich nicht, aber ich gebe mir Mühe, nicht zu viel Müll zu produzieren.

    • Hi Jenny,
      vielleicht überschätzt du den Aufwand ein bisschen? An Werkzeug braucht man in der Grund-Ausstattung eigentlich nur das Flickzeug selbst (gibts für ein paar wenige Euros im Supermarkt oder bei eBay). Reifenheber kosten auch nur ein paar Cent und erleichtern die Arbeit enorm, man kann das Abfummeln des Reifens aber auch mit Löffeln oder Messern (mit flachem, abgerundetem Griff) erledigen. Wenn man die Räder komplett ausbaut, hat man es ein bisschen leichter und kann notfalls auch den gesamten Schlauch austauschen, fürs Flicken kann man die Räder aber auch einfach dran lassen und nur den Schlauch aus dem Mantel herausnehmen. Dann braucht man auch gar nichts wieder einstellen oder so (Gerade das Hinterrad ist ja immer ein wenig aufwändig, da man Kette und evtl. Schaltung ab- und dranbauen muss). Da finde ich 40 € doch ganz schön happig, zumal ich das Rad ja auch noch zum Fahrradhändler hinbringen muss. Selbst wenn mich das Flicken also zwei Stunden kostet, wären das gesparte Kosten von 20 € pro Stunde – mehr als ich in meinem Job verdiene. Das schöne ist dann aber tatsächlich auch der Lerneffekt. Wenn du zwei platte Reifen hast, würdest du schon merken, wieviel schneller du beim zweiten bist 😉 Es ist also eine richtige Investition: Je länger du es machst, desto mehr Kosten sparst du mit immer weniger Aufwand.

      • Ich hatte mir sogar vorgenommen, das Ganze selbst zu machen. Als Kind habe ich meinem Vater bei sowas gerne geholfen. Aber ich muss gestehen, dass ich manchmal abwäge, wofür ich meine Zeit einsetzte. Ich baue gerne Schränke zusammen, helfe bei Umzügen.. Aber Reifenflicken steht aktuell nicht auf der Liste. Vor allem habe ich nicht vor, dass häufiger als alle 2 Jahre machen zu müssen. Respekt, dass du trotz all der kaputten Reifen nicht die Lust am Fahrradfahren verloren hast.

  2. Toller Artikel wieder 🙂 zum Glück hatte ich in vielen Jahren nur einmal einen Platten mit dem Velo, Reifenflicken kann ich auch nicht, aber ich habe es in die Velo-Werkstatt bringen können und mein Arbeitgeber zahlt 1x im Jahr was an den Velo-Unterhalt. Allerdings war ich dann ein paar Tage ohne meinen geliebten Drahtesel.

    Was ich aber demnächst ausprobieren werde, obwohl es mich ein wenig graust, aber ich mach’s, ich habe ja Katzen und die haaren bekanntlich, mein Staubsaugerbeutelverbrauch ist hoch, die Dinger sind sehr teuer, sozusagen vergolde ich meinen Dreck und werf ihn dann weg,
    ich werde also auf einen neuen Beutel einen Klebestreifen kleben, sobald der Beutel dann voll ist, dort aufschneiden und den Dreck rauspfriemeln, danach versiegele ich die Schnittstelle mit einem neuen Klebestreifen, ich weiss nicht ob ich mir damit selber ein Ei lege irgendwie, aber probieren geht über studieren. Vielleicht hat ja Jemand schon Erfahrung mit sowas? und ne…. die Katzen brauch ich, die kosten viel Geld aber sind gut für’s Herz und wärmen im Winter….

    Wer hat noch brauchbare Re-cycling Ideen? Immer her damit…

    • Hey, nur als kleiner Tipp. Man kann auch wiederverwendbare Staubsaugerbeutel kaufen. Einer kostet so zwischen 4-8 €. Ich weiß – auch Geld, das man erstmal ausgeben muss. Aber ewig wird der Papierbeutel mit Klebestreifen ja auch nicht halten. Vielleicht wäre dass dann ja eine Anschaffung, die das Geld wert ist.
      Einfach mal bei Google eingeben.

  3. Nun gut, ich bin sicherlich weit entfernt vom Fruglisten und möchte ehrlich gesagt auch gar nicht so nah dran. 😉
    Für mich ist es nicht die Bequemlichkeit oder die Frage nach dem Geld, die hinter der ein oder anderen Anschaffung steckt, sondern der Nutzwert. Was bringt mir die Anschaffung eines Produktes oder die Beauftragung einer Dienstleistung? Natürlich gebe ich dir in manchen Punkten sicherlich recht. Ein Auto als Alternative zum Rad fahren anzubieten löst zwar das Problem, steht aber ja nun auch in keinem Verhältnis. Ein „unplattbarer“ Reifen nützt dir genau gar nichts, wenn er nicht hält, was er verspricht. Da bin ich ganz bei dir und auch die Herangehensweise, zunächst das Problem zu betrachten finde ich super. Ich bin auch immer auf der Suche nach kreativen Lösungen und davon gibt es bei mir im Haus eine ganze Menge.
    Aber ich besitze auch einen Eierkocher und kann dir ziemlich genau sagen warum. Ich miete ein Haus mit ziemlich alter Küche. Der Herd verbraucht Unmengen an Strom (auch hier ist eine Neuanschaffung in Sicht). Wenn ich meine drei Frühstückseier dann im Eierkocher zubereite geht das nicht nur extrem viel schneller, sondern ist auch günstiger. Das war der Grund für den letzten Weihnachtswunsch. Nutzwert gegeben. Ich besitze ein Auto und brauche das auch. Ein typisches Beispiel ist der Reifenwechsel. Klar kann ich das auch selbst. Mach ich aber nicht. Weil ich keine Hebebühne habe. Und keine Garage (zumindest nicht für mein Auto). Also würde ich mit dem Wagenheber das Auto aufbocken und dann fängt’s an zu regnen. Kurzum: Ich lasse das bei der nächsten Inspektion in der Werkstatt erledigen und die „vergessen“ in der Regel sogar, dass gesondert zu berechnen. Ich weiß natürlich auch, dass die wegen mir nicht arm werden…
    Aber der Punkt ist doch einfach: Selbst wenn das dann 10€ kostet und die Jungs in der Werkstatt dafür 10 Minuten brauchen und die dann für einen Azubi, der das macht recht gut bezahlt sind. Wenn ich meine (Frei-)Zeit berechnen würde, läge ich weit über 10€. Nutzwert gegeben. Abgesehen von der Aufschieberitis. Ich mache einen Termin und dann wird das erledigt. Wenn jemand an so etwas Spaß hat, ist das wieder was anderes. Für mich ist das zwei mal im Jahr lästige Pflicht und das können andere billiger.

    gmwd

    • Hi gmwd,
      Für mich ist wohl auch immer die Frage: Welchen Nutzwert möchte ich haben? Die zweite Frage ist dann: Brauche ich diesen Nutzwert wirklich? Und die dritte Frage ist dann: Wie kann ich diesen Nutzwert am einfachsten, effizientesten und nachhaltigsten bekommen? Wenn die Antwort auf diese Frage dann die Anschaffung eines Gegenstandes ist: Los gehts. 🙂 Aber das ist ja wie gesagt nicht immer der Fall. Meine Reifen selbst zu flicken geht viel schneller und günstiger, als wenn ich mein Rad jedes Mal zum Fahrradladen bringen müsste. Das ist die Zeitinvestition, um die nötige Übung zu bekommen (und die 2-3 € für das notwendige Werkzeug) deutlich wert. Die Idee, den Reifenwechsel der Autowerkstatt gleich bei der Inspektion unterzuschieben, ist natürlich clever. Was den Eierkocher angeht: Da bist du wahrscheinlich über der Grenze, wo die Anschaffung tatsächlich Sinn macht. Ich glaube aber es gibt tatsächlich Leute die halten einen Eierkocher unabhängig von Frequenz und Menge der gegessenen Eier und des gesparten Stroms für notwendig 😉 Hast du mal nachgerechnet, wieviel Strom du dadurch sparst? Das würde mich ja mal interessieren.

  4. Insourcing ist das neue Outsourcing 🙂

    Ich gehe immer mehr dazu über, Sachen wieder selbst in die Hand zu nehmen. Früher habe ich meine Hemden waschen/bügeln (kostet ja nur einen Euro pro Hemd!), Autoreifen wechseln und jede kleinste Fahrrad-Reparatur machen lassen. Heute nicht mehr. Das hat mehrere Gründe:

    • Ich spare Geld.
    • Ich lerne Neues und erweitere meinen Horizont.
    • Und ganz wichtig: Ich nehme Komplexität aus meinem Leben.

    Je mehr ich selber erledigen kann, desto weniger bin ich auf andere angewiesen. Keine Termine mit der Werkstatt machen, sondern meine Winterreifen selber wechseln. Nicht mit der Wäscherei rumärgern, weil eines der Hemden kaputt ist. Einfach die Dinge wieder selbst in die Hand nehmen.

    Es bereitet mir auch ein Gefühl der Freude, wenn ich meinen Fahrradreifen selber geflickt habe. Ich verbringe viel Zeit im Büro mit Papier und Computer. Da ist ein kaputter Reifen eine schöne und wichtige Abwechslung. Ein bisschen wie Holzhacken. Da freut man sich auch wenn man am Ende den Haufen Scheite daliegen sieht.

    Wir sind übrigens die einzigen in unserer Häuserreihe, die ihre Fenster selber putzen (!!). Es sind zugegeben viele und teilweise auch schwer zugängliche Femster. Dauert aber letztendlich auch nur zwei Stunden, dann ist man fertig.

    Zu guter Letzt noch einen Kommentar zu den „unkaputtbaren“ Reifen. Die überzeugen mich auch nicht. Ich habe solche Dinger, weil die schon an dem Rad waren als ich es gekauft hatte. Ich habe regelmäßig Platten. Die helfen also nicht wirklich weiter. Da würde ich kein Geld für ausgeben.

    Wieder mal ein toller Artikel von Dir, Oliver. Eine wirklich schöne Abwechslung zu den zahlreichen „10 Wege um…“ Kram, den man leider viel zu häufig findet.

  5. Ich muss ehrlich sagen, mein Ansatz ist ein anderer.

    Ich bin ein Freund von Spezialisierung. Ich bin selbs im Beruf Spezialist und habe glücklicherweise ein gutes Einkommen. Bei meinem Stundenlohn mache ich Dinge zuhause nur noch selbst, wenn ich Lust darauf habe.

    Ich kann meine Arbeitsmenge ohne Probleme ausweiten und habe einen Brutto-Stundenlohn von circa 60 Euro. Warum sollte ich dann meine Wohnung in der raren Freizeit selbst putzen, oder Reifen wechseln oder Rasen mähen.

    Ab und an mache ich etwas im Garten, aber wie gesagt, nur wenn ich will.

    Dieses Frugalisten – Ding ist für mich persönlich nicht der Weisheit letzter Schluss, aber ich finde es schön, wenn man das durchzieht und sein Ding macht.

    Würdest du mit bei einem Stundensatz von 100 Euro nur noch 10 Stunden die Woche arbeiten? Oder würdest du trotzdem Vollzeit arbeiten und das viele Geld anlegen? Und würdest du bei einer 40 Stunden Woche immer noch deine Reifen selbst flicken? Eine ehrliche Antwort würde mich interessieren.

    • Hallo Mang,
      ich war früher auch von der Idee begeistert, alles „outzusourcen“ was günstiger als der eigene Studenlohn ist und damit das Einkommen pro eingesetzter Arbeitszeit zu optimieren. Mittlerweile bin ich aber genau gegenteiliger Ansicht. Einen Grund hat Nico in seinem Kommentar schon gut beschrieben: Insourcing nimmt Komplexität aus dem Leben und erhöht die Resilienz des eigenen Lebensstils gegenüber Änderungen von außen. Wo würde maximales Outsourcen in meinem Fall hinführen? Dass ich 16 Stunden am Tag Softwareentwicklung betreibe und nahezu alle anderen Leistungen einkaufe. Was aber wäre das für ein ödes Leben? Zum einen verliere ich dadurch an Resilienz: was ist, wenn ich meinen Job eines Tages nicht mehr betreiben kann oder er nicht mehr gebraucht wird oder vormals günstig einkaufbare Leistungen plötzlich teuer oder gar nicht mehr einkaufbar sind? Es gibt aber einen vielleicht noch wichtigeren Aspekt: Mensch zu sein heißt für mich, anpassbar zu sein, viele Fähigkeiten parallel zu entwickeln, mich sowohl körperlich als auch geistig zu betätigen, meine Umwelt gestalten zu können. Ich möchte ein vollwertiges Individuum sein, nicht nur ein Rädchen im Getriebe. Auch glaube ich, dass ich mehr lerne und mich besser weiter entwickeln kann, wenn ich mich mit vielen verschiedenen Dingen beschäftige. Von Erfahrungen und Strategien, die ich in der Softwareentwicklung oder beim Skateboard fahren lerne, kann ich auch in anderen Lebensbereichen profitieren. Zwar bin ich in meinem Job auch Spezialist, dieser ist für mich aber nur ein Teil des Ganzen. Ich sehe mich also nicht nur einfach als Softwareentwickler und Konsument, sondern als Blogger, Privatanleger, Skateboarder, Softwareentwickler, Gitarrist, Fahrradmechaniker, Gärtner und Koch und noch vieles mehr.
      Dazu kommt das Prinzip von Autonomie und Selbstwirksamkeit. Auch wenn ich mir von meinem Gehalt eine Putzfrau und einen Fahrradmechaniker leisten kann: Ich möchte für die Dinge, die mir gehören, selbst die Verantwortung übernehmen, meine Wohnung selbst in Schuss halten und meine Besitztümer selbst pflegen können, frei nach dem Motto: „If you can’t fix it, you don’t own it.“ Es mag zwar etwas kontraintuitiv klingen, aber diese Autonomie und Verantwortung bringt mir Freiheit und damit letztendlich auch Zufriedenheit.
      Auch bei einem Stundenlohn von 100 € würde ich darum meine Reifen auf jeden Fall selbst flicken. Derzeit arbeite ich ja Vollzeit und flicke meine Reifen selbst (zwar verdiene ich „nur“ rund 20 € pro Stunde, spare ja aber schon 70% meines Einkommens – ich hätte also locker genug Geld für einen Fahrradmechaniker über). Wenn ich in meinem Job 100 € die Stunde verdienen würde, würde ich vermutlich erstmal dabei bleiben (auch Vollzeit), bis ich nach 3-4 Jahren finanziell unabhängig bin. Dann würde ich mir eher einen 10- bis 12-Stunden-Job suchen.

    • Für mich klingt das nur nach faulen Ausreden. Berechnest du bei allem was du tust deinen Stundenlohn mit ein? Was kannst du dann noch tun außer arbeiten zu gehen? Überlegenheit mal wie teuer dich ein Abend mit Lesen oder fernsehen kann kommt.
      Ich repariere auch so viele Dinge wie möglich selbst. Das spart Geld, ich nutze meine Zeit sinnvoll und verbessere meine Fähigkeiten.

  6. Also ich finde es toll wenn Jemand seine Reifen selber wechselt, Alles was ich selber machen kann und Niemand dafür brauche, kann ich doch stolz drauf sein, nicht abhängig zu sein von irgendeiner Dienstleistung ist für mich persönlich sehr wertvoll. Aber klar, muss Jeder selber wissen was er möchte im Leben.
    Handwerkliches Geschick ist sowieso eine Gabe die ich bewundere, meine Arbeitskollegin restauriert alte Möbel, hat sie sich selber beigebracht, eine Andere hat einen echt grünen Daumen, da gibt es so viel was man selber machen kann anstelle nur vor dem PC oder der Glotze zu sitzen.

  7. Ich denke das größte Problem hierbei ist, dass die meisten extern angebotenen Lösungen für eigene Probleme vielleicht die Wirkung abmildern, aber nicht die Ursachen bekämpfen.
    Ein Fitnesstrainer, Vitaminshakes und die richtigen Sportklamotten alleine machen nicht fit. Sie helfen vielleicht beim sportlicher werden, lösen aber nicht das Problem, dass sich die Person wahrscheinlich viel zu wenig bewegt.

    Es wirkt Paradox, dass die Menschen den ganzen Tag lang Maschine nutzen, die ihnen die Arbeit mit der eigenen Bewegung abnehmen und dann kaufen sie sich Maschinen (z.B. Laufband, Ergometer), um sich wieder mehr zu bewegen.
    Ein Laufband ist zwar was feines, doch dieser würde nicht benötigt werden, wenn zum Beispiel der tägliche Weg zur Arbeit mit dem Fahrrad zurückgelegt werden würde.

    Dieses Beispiel mit dem Sport lässt sich auf alle möglichen anderen Bereiche übertragen, denn die meisten Probleme werden, wie du ja auch bereits sagtest, versucht mit Geld zu lösen.

    Schöne Grüße

    Dominik

  8. Eine gute Alternativ zu den teurer „Unkaputtbarreifen“ sind „Pannenschutzeinlage“. Der Streifen aus Kunststoff wird zwischen Mantel und Schlauch gelegt und verhindert das Durchdringen spitzer Gegenstände. Ein Set liegt bei unter 10 Euro.

    Wir fahren in der Stadt nur Fahrrad und haben beide Varianten im Einsatz. Ich die Reifen, meine Freundin die Streifen. Die Platten durch Steine und Scherben wurden damit drastisch bis auf fast 0 reduziert. Zuvor stand knapp einmal im Monat ein Fahrrad bei uns im Hof auf dem Kopf. Von daher kann ich beides empfehlen.

    • Hi lubo,
      Unkaputtbarreifen und Pannenschutzeinlagen sind doch technisch quasi das gleiche, oder? In den Unplattpbarreifen sind die Einlagen einfach bereits in den Mantel integriert. Scherben oder Steine hält diese (ich glaube maximal 5 mm dicke) Kunsstoffschicht gut ab und vielleicht hätte sie mir auch zumindest ein paar der Dornen-Pannen erspart. Viele der Dornen steckten aber 10-15 mm tief im Mantel, da hätte auch eine Einlage leider keine dauerhafte Lösung dargestellt. Deswegen musste ich im Endeffekt den Weg sauber halten. 🙂

      • Moin,

        Du darfst nicht die Dicke der Pannenschutzeinlage mit der Länge des Einstichobjektes gleichsetzen: Die Schutzeinlage sorgt auch dafür, dass der Fremdkörper gar nicht erst so weit reinkommt, sondern vorher steckenbleibt. Die Wirkung eines solchen Reifens ist daher weit grösser als die 0,5cm Dicke.

        Natürlich ist es löblich, wenn Du vorausschauend fährst und Deinen Arbeitsweg selbst sauber hälst. Aber mindestens bei einem Neukauf der Reifen ist die Schutzeinlage definitiv kein rausgeworfenes Geld.

      • Hi Scrooge,
        ich müsste es wahrscheinlich mal ausprobieren. Zum Glück habe ich jetzt erstmal einen anderen Arbeitsweg, bei dem es keine Dornenhecken gibt, also gibt es gerade auch keinen Anlass für Pannenschutzeinlagen oder Säubern des Weges.
        Ich hatte halt festgestellt, dass die Dornen sogar durch die dicksten Stellen des Reifenprofils durchkamen. Erst blieben sie außen stecken und dann bohrten sich dann wohl mit jeder Umdrehung immer weiter in den Mantel. Ich hatte darum darauf geschlossen, dass zumindest die längeren Dornen auch durch die Einlagen durchgehen dürften. Wahrscheinlich kommt es auch auf die genaue Beschaffenheit des Fremdkörpers an. Die Dornen waren schon widerspenstige Biester 😀

    • Du wirst lachen, die gibt es tatsächlich 😉

      Die Nachteile liegen auf der Hand: Der Fahrtkomfort lässt zu wünschen übrig – und das Gewicht des Fahrrads verdoppelt sich (geschätzt).

      Natürlich gibt es auch hier wieder die Hightech-Version:
      https://www.trendwizzard.de/brands/tannus-pannensichere-fahrradreifen/

      Da kostet dann schon ein einzelner Reifen aber ziemlich genau doppelt so viel wie mein gesamtes Fahrrad. 😉

      Übrigens fahre ich momentan (durch meinen Umzug) wieder fast die selbe Strecke zur Arbeit wie vor einem Jahr. Mittlerweile kenne ich natürlich die Spielregeln – und habe gleich mal einige Stellen „freigesammelt“. Flicken kann ich auch immer noch genauso schnell, das verlernt sich nicht. 🙂

  9. Vielen Dank für die ausnahmslos gelungene Seite. Deine Beiträge lesen sich super, die dargestellte Lebenseinstellung ist –
    gerade auch abseits vom Thema Finanzen – sehr fortschrittlich.

  10. Ich finde Deinen Blog hier auch super..vor einigen Tagen habe ich mich – durch Deine Berichte motiviert – tatsächlich auch an mein Rad rangemacht. Da stimmte schon lange die Schaltung nicht mehr. Und obwohl ich als Kind und Jugendliche alles an meinem Rad selbstgemacht hatte, habe ich die letzten Jahre diese Dinge auch an Fachhändler „verkauft“. Der letzte Kundendienst am Rad hatte 100 Euro gekostet…danach war es aber auch wieder „wie neu“ vom Fahrgefühl her. Nun bin ich aber finanziell gerade enger aufgestellt und überlegte schon seit Wochen, ob ich soll oder nicht…also, den Kundendienst in Anspruch nehmen. Und dann kam Deine Seite…
    Mein Problem war die Kettenschaltung. Als Kind hatte ich immer nur Nabenschaltungen…aber wie Du schreibst, gibt es ja für alles Yoututbe Videos. Ich also fröhlich drauflos probiert…und hab dann erst mal komplett alles total verstellt und gar nichts kapiert 🙂 Am Ende hat mir mein Partner geholfen, ich habe dann noch das Rad schön geschmiert und geputzt und war insgesamt zwei Tage damit „beschäftigt“ (jeweils am Nachmittag 1, 2 Stunden). Nun läuft das Rad ebenfalls wieder „wie neu“..und ich habe gar nichts ausgegeben!

    Was aber tatsächlich noch viel wertvoller ist, ist das gute Gefühl dabei. Es ist bei mir genau so, wie Du es beschreibst: es bringt Abwechslung ins Leben und gibt einem das Gefühl, die Dinge in der Hand zu haben. Ich habe dabei einiges gelernt, und die Zeit, die ich damit verbracht habe, war ich direkt „im Flow“. Das ist genau das, was in meinem Leben etwas fehlt, diese Abwechslung, die Möglichkeit, Dinge selbst zu tun, auszuprobieren, Neues zu lernen. Vielen Dank für diese Denkansätze. Ich dachte bisher auch, es sei sinnvoll, so etwas outzusourcen und wunderte mich, dass ich – trotz eigentlich erfülltem Leben – oft so unglücklich und unzufrieden war. Dabei ist es genau das, was in meinem Leben fehlt. Und das Beste: es spart auch noch Geld… 😉

    • Hi Uhuohnehu,

      klasse dass du dein Fahrrad am Ende selbst reparieren konntest (wenn auch mit etwas Hilfe) ! 🙂 Und es freut mich echt, dass ich dich mit meinem Blog inspirieren konnte.

      Ich habe bei vielen Reparaturen auch erstmal einige Zeit und Versuche gebraucht, bis es geklappt hat. Ich denke, das Scheitern und nochmal probieren gehört einfach dazu, wenn man etwas Neues lernt. Beim zweiten und dritten Mal geht es dann meistens schon viel schneller.

      • Ja, stimmt. Und wichtig ist, überhaupt diese Option im Hinterkopf zu haben…letztes Wochenende riss bei unserem Mäher die Anlass-Schnur ab. Mein Partner wollte den am Montag zur Reparatur bringen…da fiel mir der Blog wieder ein und wir suchten nach Videos. Und tatsächlich hat mein Partner den Rasenmäher zerlegt und nun für 6 Euro ein neues Seil bestellt!! Und das Beste dabei ist das coole Gefühl, selbst ne Lösung gefunden zu haben! 😉

  11. Hi Oliver,

    bis vor kurzem konnte ich mich über den Luxus freuen, zu Fuß durch einen Park zur Arbeit zu laufen. Nun bin ich innerhalb der Stadt umgezogen, aber natürlich zu geizig, um mir ein Ticket für den öffentlichen Nahverkehr zu kaufen;-). Ich fahre jetzt also auch Fahrrad. So tue ich gleich etwas für die Fitness und spare mir die Fahrt in Straßenbahnen mit hustenden und niesenden Fahrgästen:-D. Die einfache Strecke ist mit 6 km noch überschaubar, aber im Zuge der nun langsam nachlassenden Temperaturen graut es mir ein wenig vor dem Winter. Ich bin echt ne Frostbeule. Wie machst du das – Fährst du bei Wind und Wetter? Wie schützt du dich vor Kälte und ggf. Glätte? Ich überlege auch noch, wie ich Fahrradhelm tragen kann, keine Erfrierungen an den Ohren bekomme und danach die Frisur noch einigermaßen kundentauglich vorzeigbar ist. Hast du ein paar Tipps auf Lager?

  12. Hallo MelB,

    same here ;). Seit April fahre ich mit dem Rad zur Arbeit (und genieße es sehr). Seit ein paar Wochen bereite ich mich nun auf den Winter vor, ich bin auch eine absolute Frostbeule, kriege bei kalten Reizen an den Fingern Raynaud (weiße, eiskalte Finger…wie abgestorben…) und hatte letztes Jahr sogar ne Frostbeule an einem Finger (vom Laufen…mit Handschuhen!).

    Meine Tipps: Ich trage einen wirklich guten Helm von Melon (ich liebe ihn…er sieht aus wie eine Wassermelone..), darunter ziehe ich im Moment eine dünne Mütze von Tchibo. Die hilft aber nur noch bedingt gegen Kälte und Zugluft an den Ohren (auch eine neuralgische Stelle bei mir…), deshalbe habe ich mir jetzt „hot ears“ bestellt (bei http://www.dragonflybike.de), das sind so doppelte Filzdreiecke, die direkt an den Helmriemen befestigt werden. Eine erste Testfahrt damit war sehr vielversprechend..

    An den Händen habe ich die Erfahrung gemacht, dass auch die teuersten Ski-Handschuhe nichts nützen und die Finger bei mir so kalt werden, dass ich fast heulen musste…etwas besser war es mit Fausthandschuhen. Allerdings bin ich damit noch nicht bei Minusgraden gefahren…anscheinend sollen da Lammfellhandschuhe gut sein, da habe ich mir jetzt ein Paar bei Kleinanzeigen günstig bestellt. Außerdem für wenige Euro solche „Regenüberzieher“ die man eigentlich beim Motorrad benützt, die möchte ich dann noch drüber ziehen als Windschutz (und Regenschutz).

    Am Körper selber habe ich wenig Probleme, weil ich eh immer viele Schichten anhabe. Und für die Beine teste ich gerade eine einfache Regenhose, die hält auch Wind etwas ab…

    Wenn noch jemand weitere Kälte-Tipps hat, immer her damit!

    • Huhu,

      danke für die Inspirationen! An die dünne Mütze dachte ich auch, hatte aber noch keine Idee, woher ich die bekommen kann. Vielleicht geht auch ein Tuch. Die Filzdreiecke sind ne gute Idee – das könnte man sich ggf. auch selbst basteln (Filz gibt es z.B. bei McPfennig o. ä. zum Basteln für 1-2€), anstatt für 14€ zu bestellen.
      Bisher habe ich mir erstmal nur einen Regenponcho zugelegt, aber ich schau auch mal nach den Überziehern. Wo kann ich das günstig bekommen?

      Dann hoffen wir mal auf einen milden Winter, damit unsere Hände und Ohren nicht so leiden müssen, gelle;-)

      • Hi MelB,

        du hast ja von Uhuohnehu schon viele super Tipps bekommen! 🙂 Filzdreiecke selber basteln hört sich auch gut an. Wenn du das ausprobiert hast, kannst du ja mal deine Erfahrungen mit uns teilen.

        Ich selbst habe im Winter auf den Fahrradhelm verzichtet und ihn gegen meine dicke Fellmütze getauscht. Darüber habe ich dann noch die Kapuze von meiner Jacke gezogen. Aber das geht natürlich etwas auf Kosten der Sicherheit. 😉

        Gegen Regen hilft ein Regenponcho, der ist allerdings recht anfällig gegenüber Wind. Bei Gegenwind wirkt er wie ein Segel und bremst dich aus.
        Regenhose + Überzieher ist da auf jeden Fall die bessere Alternative. Ich habe mir beide bei Aldi gekauft (für zusammen rund 30 €). Praktischerweise gab es gerade beides dort im Angebot, als ich meinen Job in England angetreten habe.

        Die Hose war zwar nicht komplett dicht – bei stärkerem Regen hat es nach ca. einer halben Stunde an den Knien auf meine Jeans darunter durch gedrückt. Das hat mich aber nicht besonders gestört, immerhin wurde ich nicht komplett nass. Auf der Arbeit habe ich mich dann sowieso umgezogen und meine Hose konnte während des Arbeitstages trocknen. Das Problem mit den Regenhosen ist: Je wasserdichter sie sind, desto leichter schwitzt man darunter.

        Glätte hatte ich während meiner Zeit in England zum Glück nur ein einziges Mal – in Großbritannien sind die Winter im Regelfall wärmer als in Deutschland.
        Ich bin dann deutlich vorsichtiger gefahren – langsam, damit ich keine Vollbremsungen machen muss. Keine hastigen Lenkbewegungen und immer bereit sein, mit einem Fuß abzusteigen, wenn man merkt dass man wegrutscht. Auch würde ich dann nicht auf der Straße fahren – bei Glätte teilt man sich die Fahrbahn lieber nicht mit den Autos.
        Was auch hilft: Etwas die Luft auf den Reifen lassen, damit man mehr Grip auf der Fahrbahn hat.
        Auf jeden Fall ist es aber schon ziemlich abenteuerlich und ich kann gut nachvollziehen, wenn Radpendler bei Glätte auf Auto oder Straßenbahn umsteigen.

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