Müssen wir alle bis 67 arbeiten? Wie ich die Finanzielle Unabhängigkeit entdeckte und Frugalist wurde.

Frugalisten - Joana und Oliver

Vor einiger Zeit schrieb ich für den firmeninternen Newsletter meines englischen Arbeitgebers einen Artikel, in dem ich meinen Blog und die Idee hinter finanzieller Unabhängigkeit und dem frugalistischen Leben vorstellte. Am Ende kam dabei eine ganz gute Zusammenfassung des Themas heraus, weshalb ich mir überlegt habe, den Artikels auch nochmal auf deutsch hier auf dem Blog zu veröffentlichen. Hier ist er also.

Meine Geschichte beginnt vor etwa drei Jahren, als ich noch ein Student an der Bremer Universität war. Damals war ich überzeugt dass ich, sobald ich meinen Abschluss in der Tasche hatte und anfing zu arbeiten, für 40 Jahre (oder länger) in einem Job arbeiten gehen müsste. Ich würde die viele schöne Freizeit, die ich als Student genießen konnte, komplett aufgeben müssen, bis ich irgendwann mit Ende 60 vielleicht einmal in Rente gehen könnte. Fast jeder, den ich kannte, schien diesem Lebensmodell zu folgen, weshalb auch ich diesen Weg zunächst für die einzige Option hielt.

Meine Meinung änderte sich allerdings radikal, als ich über ein Phänomen namens Financial Independence and Retiring Early stolperte (zu Deutsch: Finanzielle Unabhängigkeit und früh in Rente gehen)  – oder kurz: FIRE. In Büchern und Blogs las ich von Menschen, die durch einen simpleren und weniger verschwenderischen Lebensstil in der Lage waren, genug Geld von ihrem gewöhnlichen Gehalt zu sparen, um mit 30 oder Anfang 40 finanziell unabhängig von ihrem Job zu sein. Sie konnten dann „in Rente“ gehen und für den Rest ihres Lebens tun und lassen was sie wollten, ohne sich jemals wieder um Geld Sorgen zu machen oder dafür arbeiten gehen zu müssen. Das hörte sich im ersten Moment ziemlich verrückt an. Hatten diese Leute nur Glück gehabt oder war das Ganze einfach nur ein schlechter Scherz?
Wie sich herausstellte, war es weder pures Glück noch irgendein geheimer Trick mit dem man finanziell unabhängig werden konnte. Tatsächlich war das Vorgehen ziemlich logisch und – was noch viel wichtiger für mich war – reproduzierbar:

Gebe weniger Geld aus als du verdienst und investiere die Differenz. Nach ein paar Jahren decken die Erträge deines Investments deine Ausgaben und dein Job-Einkommen wird optional – du bist finanziell frei.

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Verkaufen, einlagern, gratis mieten: Reicher leben mit der Stuff-Cloud

Stuff Cloud

Vor einigen Jahren besaß ich einmal einen richtigen Tower-Computer – so einen großen, sperrigen Klotz, der unter meinem Schreibtisch stand. Der Rechner war mein ganzer Stolz: Ich hatte ihn selbst zusammengebaut, er hatte ein schickes, beleuchtetes Gehäuse und dank Quad-Core-Prozessor auch noch ordentlich Rechenleistung.
Für die Uni und für unterwegs hatte ich außerdem noch einen Laptop. Ein älteres, gebrauchtes Modell, bei dem es einigermaßen verschmerzbar wäre, wenn er einmal herunterfallen oder gestohlen werden sollte.

Eines Tages – ich steckte gerade mitten in einem wichtigen Uni-Projekt – fing mein Laptop plötzlich an zu streiken. Irgendein Systemfehler hatte sich eingeschlichen und die Kiste blieb nur noch hängen und stürzte ab.
Nagut, kein Problem: Ich installierte das Betriebssystem und sämtliche Programme neu. Das kostete mich zwar den halben Tag, aber immerhin konnte ich hinterher wieder wie gewohnt mit meiner Arbeit weiter machen.
Zwei Wochen darauf passierte jedoch genau das gleiche mit meinem Tower-Computer. Und wieder musste ich eine komplette Neuinstallation durchführen, für die ein weiterer halber Tag drauf ging.

Warum mussten ausgerechnet so kurz hintereinander beide Computer anfangen zu spinnen?
Plötzlich traf mich eine Erkenntnis. Ich hatte das Problem doch eigentlich selbst zu verantworten. Warum zum Teufel brauchte ich unbedingt zwei Computer?
Nicht nur, dass ich ständig zwei Rechner verwalten und auf dem aktuellen Stand halten musste. Der Tower-PC war auch noch groß und schwer und bei jedem Umzug würde ich die Kiste mit mir herumschleppen müssen. Hätte ich nur einen Laptop, wäre ich von der zusätzlichen Arbeit und dem überflüssigen Ballast befreit.
Außerdem war mein PC auch noch einiges an Geld wert, das ich bei einem Verkauf einstreichen und in mein ETF-Portfolio investieren könnte.
Ich überlegte also ernsthaft, meinen Rechner zu verkaufen.

Unweigerlich meldete sich eine Stimme in meinem Kopf: Was ist, wenn ich ihn doch noch einmal brauche?
Vielleicht stand im nächsten Semester ein Uni-Projekt an, bei dem ich die Rechenleistung benötigte. Oder ich würde demnächst ein Spiel spielen wollen, dass auf meinem Laptop nicht lief.

Schade, dachte ich, dass es keine Möglichkeit gibt, den Computer zu verkaufen, ihn aber gleichzeitig irgendwie wieder zu bekommen, falls ich ihn doch noch einmal bräuchte. Wenn ich ihn doch nur irgendwie einlagern könnte…
Da  traf es mich wie ein Blitz. Natürlich konnte ich das!
Ich zerlegte den Rechner in seine Einzelteile und verkaufte diese auf eBay und in meinem Bekanntenkreis. Meine Überlegung: Würde ich doch noch einmal einen schnellen Computer benötigen, könnte ich mir auf umgekehrtem Weg einfach den gleichen oder einen ähnlichen Computer gebraucht kaufen. Ich lagerte meinen Rechner also gewissermaßen ein –  aber nicht in meinem Keller oder auf dem Dachboden – sondern in der Stuff-Cloud!

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Heißt Sparen verzichten? Günstige Hobbys, die mich nichts vermissen lassen

Rugeley Skatepark Quarterpipe

Es ist ein gängiges Vorurteil gegenüber dem frugalistischen Lebensstil, dass der Spaß und die sozialen Kontakte durch die niedrigen Ausgaben und die hohe Sparleistung auf der Strecke bleiben würden. Viele glauben, dass man nur mit 30 oder 40 finanziell unabhängig werden kann, wenn man auf die „schönen Dinge des Lebens“ verzichtet und dadurch sein Leben über ein zuträgliches Niveau hinaus beschneidet. Das kommt in Blogartikel und Kommentaren immer wieder zum Ausdruck, wie etwa in diesem Beispiel:

„Derart hohe Sparquoten verlangen einen frugalen, geradezu mönchischen Lebensstil ab. […] hier geht es um ein Maß, dass für die meisten Menschen die Lebensqualität doch deutlich reduzieren würde. Das geht nunmal zwangsläufig zu Lasten der Wohnqualität, von Reisen, von gesellschaftlicher Teilnahme, letztlich von Genuss. Viele dürften es bereuen, später auf einem Berg Geld zu sitzen, jedoch mit dem Gefühl, die Zwanziger- und Dreißiger Jahre nicht voll ausgekostet zu haben.“ (Quelle)

Hat der Verfasser damit Recht? Wohne ich als Frugalist qualitativ minderwertig? Sitze ich den ganzen Tag nur zu Hause und bin von der Gesellschaft ausgeschlossen? „Kastriere“ ich mein Leben auf Kosten der Gegenwart, um als alter Mann einmal nicht mehr arbeiten gehen zu müssen? Werde ich es in zehn Jahren bereuen, mein Leben nicht „voll ausgekostet“ zu haben?

Ich lebe zurzeit von rund 800 € im Monat, wovon einen großer Teil schon die Miete und mein Zugticket zur Arbeit ausmacht. Ein Blick auf meine weiteren Ausgaben verrät: Kino- und Restaurantbesuche, Wochenend-Wellness-Trips, Pay-TV-Abo, Konzerte, Skiurlaube oder Cocktailbars – all diese „Genüsse“ tauchen in meinen Ausgaben entweder gar nicht oder nur selten auf. Man könnte also tatsächlich meinen, ich würde den ganzen Tag lang alleine zu Hause hocken, nur um ja kein Geld ausgeben zu müssen.

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Der Mann, der in einem Wohnmobil wohnt: Unterwegs mit Felix

Unterwegs mit Felix im Wohnmobil

Letzten Herbst, als Joana und ich noch in Wolverhampton wohnten, erzählten uns Joanas Uni-Freunde von ihrem Mitstudenten Felix. Dieser sei in einem Wohnmobil aus Deutschland gekommen und würde jetzt hier in England in eben jenem Wohnmobil leben. Diese Geschichte machte uns natürlich neugierig und wir luden Felix kurzerhand zu uns ein. Wir lernten einen sehr netten jungen Mann kennen, der nicht nur tatsächlich in einem Wohnmobil wohnt, sondern auch eine Menge interessanter Geschichten zu erzählen hatte. Vor kurzem besuchte uns Felix für ein Wochenende in Rugeley – oder vielleicht sollte ich besser sagen: er zog für ein Wochenende in unsere Einfahrt? Wir gingen jedenfalls einen Tag lang mit ihm auf Tour und ich nutzte die Gelegenheit, ihn zu seinem abenteuerlichen Leben auf vier Rädern und acht Quadratmetern zu interviewen.

Felix ist 23 Jahre alt, kommt aus Esslingen bei Stuttgart und hat letztes Jahr seinen Abschluss als Fotodesigner gemacht. Jetzt studiert er im Master Digitale und visuelle Kommunikation an der Uni Wolverhampton und wohnt währenddessen in seinem Wohnmobil, einem 1996er Dethleffs Globetrotter, das er über eBay Kleinanzeigen gekauft hat. Vor einiger Zeit hat Felix außerdem die vegane Lebensweise für sich entdeckt und konzipiert in seiner Masterarbeit nun einen Shop für vegane Lebensmittel.

Felix und Oliver mit Wohnmobil

Oliver: Wie lange wohnst du schon hier?
Felix: Ich habe das Wohnmobil im Juli 2015 gekauft, habe dann meinen Abschluss gemacht und seitdem auch schon angefangen, in dem Wohnmobil zu wohnen. Einfach um zu sehen, was ich brauche und was mir noch fehlt. Ich habe es dann präpariert und umgebaut, so dass es meinen Vorstellungen entspricht. Die Reise an sich ging dann erst im September los.

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Die effizienteste Art zu wohnen: So leben wir luxuriös ohne Mietwohnung und Eigenheim

Wohnzimmer Rugeley

Wir sind endlich umgezogen! Nachdem Joana im Februar auch einen Job angetreten hat, konnten wir nicht länger in unserem alten Zuhause in Wolverhampton bleiben. Der Weg von dort zu unseren Arbeitsplätzen war auf Dauer einfach zu weit.

Darum sind wir vor einigen Wochen in den beschaulichen Ort Rugeley1 gezogen. Somit wohnen wir jetzt ziemlich genau in der Mitte zwischen unseren beiden Jobs.

Rugeley Canal NarrowboatIm Gegensatz zu Wolverhampton (einer etwas trostlosen alten Industriestadt) ist Rugeley ein kleines Paradies. Ein gemütlicher Ort mit 20.000 Einwohnern, direkt am Nationalpark Cannock Chase gelegen, der mit seinen Wäldern und Hügeln zum Wandern und Mountainbiken einlädt. Von unserem neuen Zuhause aus sind es gerade einmal fünf Minuten, bis man mitten im Wald ist.
Auf der anderen Seite des Ortes erstrecken sich die malerischen Flussauen des River Trent und der alte Trent-Mersey-Kanal, der im späten 18. Jahrhundert (der Zeit der Industrialisierung) für den Gütertransport gebaut wurde. Heute dient er Hausboot-Kapitänen und Wanderern als Freizeitbeschäftigung.

Vor unserem Umzug stand für uns eine wichtige Frage im Raum: Wo und wie wollen wir wohnen?
Die Mieten und Immobilienpreise sind in England außerirdisch hoch – nicht nur in den Großstädten, sondern auch auf dem Land. Für eine winzige 2-Zimmer-Wohnung hätten wir umgerechnet mindestens 800 € im Monat hinblättern müssen, eher sogar 1000 €. Kaltmieten fangen bei etwa 450 € an. Da dazu kommen dann rund 100 € Council Tax (eine Art Gemeindesteuer, die pro Wohnung oder Haus erhoben wird) sowie die Betriebs- und Nebenkosten. Da der Großteil des Hausbestands hier in etwa Energieeffizienzklasse Z besitzt, dürften dazu vor allem die winterlichen Heizkosten beitragen.
Das war es uns dann einfach nicht wert. Darüber hinaus hätten wir unsere Unterkunft auch noch selbst einrichten müssen, da wir ohne Möbel nach England gekommen waren und die Wohnungen hier nur in wenigen Fällen möbliert sind.

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