Goodbye Lifestyle-Inflation

Hasta la vista Hamsterrad: Tritt der Lifestyle-Inflation in den Hintern

Am Ende des Monats noch weit mehr als die Hälfte des Einkommens übrig zu haben ist für viele Menschen nicht vorstellbar. Wie schaffe ich das? Natürlich kann man behaupten, ich hätte es einfach: Ich muss keine Familie ernähren, habe keine Schulden und auch wenn ich gerade erst Berufseinsteiger bin, verdiene ich als Softwareentwickler doch gar nicht mal so schlecht. Das alleine kann aber nicht der Grund sein. Denn viele, die in einer ganz ähnlichen Lebenssituation sind wie ich und genauso viel oder sogar mehr verdienen, sparen von ihrem Einkommen gerade mal 10% oder auch einfach gar nichts.

Lifestyle-Inflation: Die Falle schnappt zu

Mit dem Uni-Abschluss und dem ersten Job hast du plötzlich richtig Geld in der Tasche. Damit verändert sich dein Leben: Du ziehst raus aus der WG oder Studentenbude in eine geräumigere Wohnung. Der neu gewonnene Platz möchte natürlich auch befüllt werden, also schaffst du neue Möbel, Küchengeräte, und noch einen schicken Flachbild-Fernseher an. Weil deine Zeit durch die 40-Stunden-Woche jetzt knapp ist, kaufst du dir ein Auto für den Arbeitsweg und in den kurzen Mittagspausen holst du dir schnell was vom Bistro nebenan. Am Wochenende erholst du dich beim Einkaufsbummel oder einem guten Kinofilm von der anstrengenden Arbeitswoche und deine Urlaubstage verbringst du jetzt nicht mehr am Baggersee, sondern etwas stilvoller auf Fuerteventura oder in Thailand. Ein gutes Gefühl, dass du bei diesen Aktivitäten endlich nicht mehr aufs Geld schauen musst. Und obwohl du jetzt drei- bis viermal soviel davon zur Verfügung hast, ist dein Konto am Ende des Monats trotzdem auf Null.
Das wäre ja alles gar kein Thema, wenn du dadurch auch ein drei bis vier Mal zufriedeneres und glücklicheres Leben führst. Komischerweise habe ich als Student von den „arbeitenden Erwachsenen“ aber immer zu hören bekommen: Genieß das Studentenleben, denn diese Zeit ist die beste deines Lebens und kommt nicht wieder! Moment, wie war das? Das würde ja bedeuten, dass sich mein Leben gar nicht großartig verbessert, sobald ich Geld verdiene!

Und tatsächlich: Die ersten paar Monate ist dein neues Leben mit mehr Geld noch toll und aufregend. Aber weil wir Menschen so anpassbare Gewohnheitstiere sind, gewöhnst du dich nach kurzer Zeit an deinen neu gewonnen Luxus und der Zeiger deines Zufriedenheitsbarometers senkt sich langsam wieder Richtung Ausgangszustand.
Damit stehst du bereits mit einem Bein in einem gefährlichen Teufelskreis, der Lifestyle-Inflation. Die eigene Wohnung und der Gebrauchtwagen sind bald nichts besonderes mehr. Als nächstes ziehst du in eine Wohnung in besserer Lage und mit Dachterasse und statt dem alten Polo gönnst du dir einen Jahreswagen mit Klimaanlage. Aber auch daran hast du dich nach ein paar Monaten wieder gewöhnt. Dann möchtest du irgendwann vielleicht ein großes eigenes Haus haben und einen Audi Sport. Aber du kannst deinen Lebensstandard so oft updaten wie du möchtest: Es liegt in unserer Natur als Homo Sapiens, uns immer wieder an die unterschiedlichsten Bedingungen anzupassen, weshalb wir vom Urwald bis nach Grönland die ganze Erde mit ihren unterschiedlichen Lebensbedingungen besiedeln konnten. Und darum wirst du dich auch einfach immer wieder an deinen höheren Lebensstandard gewöhnen, ohne dass sich dein Leben danach spürbar besser anfühlt als vorher.

Während dein Lebensglück von einer größeren Wohnung und teureren Hobbies also weitgehend unbeeinflusst bleibt, gilt das leider nicht für deine finanzielle Situation: Deine Lifestyle-Updates kosten dich nämlich richtig Geld. Und zwar nicht nur ein paar Hunderter oder Tausender, sondern schlichtweg alles Geld was du hast. Wenn du deinen Lifestyle nämlich immer im Gleichtakt an dein steigendes Einkommen anpasst, kannst du verdienen soviel du willst: Du musst immer weiter jeden Tag arbeiten gehen und am Monatsende ist dein Konto leer. Selbst wenn du jahrelang ein üppiges Chef-Gehalt verdienst, ist davon am Ende nichts mehr übrig, sondern für die Finanzierung deines inflationierten Lebensstils drauf gegangen.

Ich mache daher um diesen Teufelskreis einen großen Bogen. Statt mit meinem höheren Einkommen meinen Lebensstil ohne nachhaltigen Nutzen immer weiter aufzublähen, verwende ich es lieber dafür, finanziell frei zu werden. Als Student habe ich von 650 € im Monat ein gutes Leben gelebt. Ich hatte immer eine Menge Spaß und habe nie wirklich etwas vermisst. Jetzt verdiene ich mehr als dreimal soviel Geld. Gebe ich darum auch dreimal soviel aus? Nein, warum sollte ich auch.

Zeig dem Hamsterrad, wer der Boss ist

Lifestyle-Inflation macht dir die Taschen leer und fesselt dich für lange Jahrzehnte an deinen Job, ohne dein Leben zu verbessern. Wenn du dich aber so schnell an immer mehr und immer größer gewöhnst, ohne dass deine langfristige Zufriedenheit steigt, könntest du diesen Effekt nicht auch umkehren? Wie wäre es, wenn du die hedonistische Adaption, die bei der Lifestyle-Inflation gegen dich arbeitet, nicht stattdessen für dich arbeiten lässt, einfach indem du dich mal an weniger und kleiner gewöhnst?

Wie wäre es als also mit Lifestyle-Deflation? Statt dir einfach wieder nur das nächste Waschlappen-Bequemlichkeits-Upgrade zu kaufen, brichst du dieses Mal aus der Komfortzone aus und erlebst was. Statt immer mehr Krempel anzuschaffen, reduzierst du deine Besitztümer. Statt eine immer größere Wohnung zu mieten ziehst du in eine etwas kleinere. Du lässt dein Auto stehen (oder besser noch: verkaufst es gleich komplett) und trainierst stattdessen deine Kondition auf dem Fahrrad: Erst zehn, dann fünfzig, dann hundert Kilometer. Statt dich in immer teureren Restaurants bedienen zu lassen, lernst du selbst etwas neues zu kochen und lädst am Wochenende deine Freunde zum Essen bei dir ein. Statt das neue iPhone mit Allnet-Flat zu kaufen behältst du dein altes Handy, besorgst dir einen günstigen Minutentarif und verbringst statt stundenlang zu surfen die Zeit mit deiner Familie oder liest ein tolles Buch. Was am Anfang noch eine Herausforderung darstellt, fühlt sich dank Lifestyle-Deflation nach kurzer Zeit völlig normal an.

Während deine Waschlappen-Freunde jetzt den Kopf schütteln und beschwören, dass du ohne deine Lifestyle-Upgrades bestimmt an Lebensqualität verlierst, ist in Wahrheit genau das Gegenteil der Fall. Mit Lifestyle-Deflation machst du nämlich ganz automatisch die Sachen, die dir echte langfristige Zufriedenheit bringen: Du nimmst dein Leben selbst in die Hand, lernst neue Fähigkeiten und entwickelst deine Persönlichkeit weiter. Du wirst körperlich fitter, isst gesünder und verbringst mehr Zeit in der freien Natur. Du verabschiedest dich von den Sachen, die dich nicht weiter bringen und steckst die freigewordene Zeit und Energie in deine sozialen Kontakte.
Und einfach so ganz nebenbei, während du dich eigentlich nur darauf konzentrierst, ein besseres Leben zu führen, sparst du die vielen hunderttausend Euro ein, die du ansonsten im Laufe deines Lebens in sinnlose Lifestyle-Upgrades versenkt hättest. Und die kannst du jetzt in deine Freiheit investieren, damit du noch mehr Zeit damit verbringen kannst, ein tolles Leben zu führen. 

Auf diese Weise spare ich den größten Teil meines Einkommens, während viele meiner Zeitgenossen ihren Lifestyle bis an ihre Einkommensgrenze aufblasen. Eines Tages fragen sie sich dann, wie ich so reich geworden bin, während bei ihnen das Geld nie länger als bis ans Monatsende gereicht hat. Hast du auch schon Bekanntschaft mit der Lifestyle-Inflation gemacht und deinen Lebensstandard erhöht, einfach nur weil du plötzlich ein höheres Einkommen hattest? Auch wenn die Fernsehwerbung und deine Arbeitskollegen so tun als wäre das der Weg zu einem erfolgreichen und glücklichen Leben: Ist es nicht. Wenn du in deinem Leben etwas erreichen und nicht für immer im hedonistischen Hamsterrad auf der Stelle treten möchtest, dann musst du diesen kleinen Teufel bekämpfen. Dein Einkommen und deine Ausgaben sollten zwei voneinander unabhängige Größen bleiben.

23 Gedanken zu “Hasta la vista Hamsterrad: Tritt der Lifestyle-Inflation in den Hintern

  1. Ganz kann ich dir nicht zustimmen. Vielleicht kommt es mit dem Alter? Ich gönne mir schon etwas.

    Ich wohne in einem Haus, ich fahre ein neues Auto, ich habe einen tollen Fernseher, ich habe einen sehr guten PC und meine Urlaube laufen unter Luxus.

    Mein Haus hat eine normale Ausstattung, mein Auto ist ein 0815 Mittelklassewagen, mein Fernseher war im Sonderangebot, den PC hab ich selber zusammengeschraubt, meine Urlaube sind wirklich teuer.

    Ich habe kein Luxus-Smartphone und wenig Krempel. Ich spare trotzdem ziemlich viel.
    Bin ich zufrieden? Ja.
    Strebe ich nach mehr? Nein.

    • Hallo Alexander,
      du hast vermutlich Recht, das Alter spielt ganz bestimmt eine Rolle. Ich hatte mit meinem Artikel auch eher jüngere Leute und Berufsanfänger im Hinterkopf. Wenn man sich gleich mit Anfang/Mitte 20 und nach ein paar Wochen im ersten Job mit deinem jetzigen Lebensstandard eindeckt, ist es vielleicht nicht mehr so leicht mit 50 noch zu wissen, was es heißt genug zu haben und zufrieden zu sein. Und in der Zwischenzeit sind dann viele Chancen, sein Geld besser einzusetzen (z.B für die persönliche Freiheit einsetzen indem man ein Wertpapierdepot aufbaut) auf der Strecke geblieben.

  2. Auch ich schlage (wie Alexander) etwas moderatere Wege ein (vermutlich auch eine Folge des Alters – auch wenn Alexander da noch etwas Vorsprung hat). Statt dem 12qm-Studenten-WG-Zimmer gönne ich mir eine (zu) große Wohnung. Das ist mein größter Luxus, den ich monatlich finanziell merke. Bis zum Alter von 33 brauchte ich kein Auto und bin nur mit Öffis und Fahrrad unterwegs gewesen. Danach brauchten wir für den Job ein Auto – also haben wir eins gekauft. Allerdings klein, bescheiden und relativ sparsam. Das aktuelle ist fast schon 10 Jahre alt. Trotzdem sieht man mich ab und zu mit dem Rucksack zum Supermarkt laufen. Großeinkäufe werden mit dem Auto getätigt – alles was nicht mehr in den Rucksack passt, packe ich heute auch nicht mehr irgendwie auf mein Fahrrad. Ja, es ginge, ich will mir das aber nicht mehr antun.
    Alles andere wird gekauft, wenn das alte kaputt geht. Lustgewinn oder Glück leite ich aus den Käufen nicht ab. Ich würde aber weder den Fernseher verkaufen noch auf meine seltenen Restaurantbesuche verzichten wollen. Auch die 5-10 Kinobesuche im Jahr gönne ich mir. Wenn ich so richtig in Spendierlaune bin, hole ich mir sogar eine kleine Portion Popcorn – richtig dekadent, gell ;-)!
    Und auch ich spare trotzdem. Vermutlich prozentual nicht so viel, aber doch so viel, dass ich beim Blick auf das Depot manchmal selbst erstaunt bin, wie das alles zusammenkommen konnte.

    Einen Daumen hoch für den Schlusssatz: „Dein Einkommen und deine Ausgaben sollten zwei voneinander unabhängige Größen bleiben.“
    So habe ich das immer gehandhabt. Gehaltssteigerungen sind größtenteils in erhöhte Sparraten umgewandelt worden. Aber das Leben hier und jetzt mache ich mir trotzdem so schön es geht. Der Vorteil bei bescheidenen Menschen ist halt: Es braucht nicht viel dazu.

  3. Ich bin auch ein Fan von „mit verhältnismäßig wenig klarkommen“ – zum Arbeiten benötige ich oft nur einen Browser und Notepad, als IT Ausstattung verwende ich eine 10 Jahre alte Tastatur und ein Business Notebook mit Windows XP – und es läuft immer noch alles – gerade von Käufen von Produkten mit kurzem Lebenszyklus sollte man Abstand nehmen.

  4. Guter Ansatz, Einkommen und Ausgaben als getrennte Posten zu betrachten. An sich bin ich kein Fan von Lifestyle-Inflation. Gleichzeitig aber auch kein Anhänger der Lifestyle-Kastration. Ich habe z.B. eine große Wohnung, in der ich auch mal Besuch empfangen kann. Im Beruf stehe ich nun viel im Kundenkontakt, weswegen ich nun mehr auf meine Kleidung achte. Ich lade meinen Freund öfter zum Essen ein und gebe mehr Trinkgeld. Solche Erhöhungen des Lebensstandards sollten aber nicht ausarten. Deswegen gehen wir nur selten Essen, haben kein Auto, ein günstiges Fahrrad und keinen tollen neuen Fernseher. Wichtig ist es, dass man zwischen „Luxus“ und „Das brauche ich wirklich“ unterscheiden kann. D.h. Dinge zu schätzen weiß und diese nicht als selbstverständlich sieht und dadurch unzufrieden wird.

    • Ich glaube halt, dass „Das brauche ich wirklich“ kein fixer und klar definierter Zustand ist. Und selbst wenn es so wäre, wäre es schwer bis unmöglich zu wissen, was man wirklich braucht, wenn man seinen Lebensstil immer nur „nach oben“ schraubt. Mit Lifestyle-Deflation kann man sich auch mal „nach unten“ tasten. Wie weit man dabei nach unten gehen will, ist natürlich jedem selbst überlassen: Ob man einfach nur auf das nächste iPhone-Upgrade verzichtet, vom Auto aufs Fahrrad umsteigt oder auch komplett aus der Zivilisation aussteigt.
      Ich habe zudem die Erfahrung gemacht, dass sich durch Lifestyle-Deflation selbst auch die Grenzen dessen verschieben, was man zuvor für „Das brauche ich“ oder „Auf das kann ich nicht verzichten“ gehalten hat, eben weil man sich schnell anpasst und mit der Zeit Übung bekommt. Und dann kann man sich die früheren „Notwendigkeiten“ plötzlich wieder ab und an als Luxus gönnen 🙂 Hmm, das Thema könnte wohl nochmal ein ganz eigener Artikel werden…

  5. Ja.. Ich überlege auch gerade, wie ich es genau definieren würde. Hat definitiv Artikel-Potential. Ich schreibe grade von meinem neuen Laptop, weswegen auch ich mich seit ein paar Stunden des Testens frage: Brauche ich das wirklich?

  6. Ich lebe auch in vielen Dingen einen gewissen „Luxus“ aus. Aber ich weiß dann, wofür und vor allem wovon. Und wie lange ich dafür arbeiten musste, wenn ich mich mal wieder von meinem Lieblingsitaliener verwöhnen lasse. Und dann kann ich entscheiden, ob es mir das wert ist.

    Zitat: „während viele meiner Zeitgenossen ihren Lifestyle bis an ihre Einkommensgrenze aufblasen.“
    Mir fehlt die Ergänzung „und (weit) darüber hinaus“. Viele wissen doch gar nicht, was sie sich leisten können. Natürlich kann ich alles ausgeben, was auf meinem Konto liegt. Und dann will irgendeine Versicherung „plötzlich“ den Jahresbeitrag abbuchen. Naja, ich hab ja noch den Dispo…

    Egal wie viel ich ausgebe: Dein letzter Satz ist gut und wenn ich dazu dann noch den Überblick habe, was ich ausgeben darf und das dann bewusst tue, bin ich auf dem richtigen Weg.

    gmwd

    • Ich muss dir Recht geben, an der Stelle habe ich wohl untertrieben. Neulich erst kam hier ein ganzer Werbeprospekt ins Haus geflattert, der für wöchentliche Ratenzahlung für Möbel und Kühlschränke im vierstelligen Preisbereich warb: http://on.fb.me/1Jz0Rlu. Es scheint also wohl tatsächlich Leute zu geben, die solche Angebote in Anspruch nehmen.

  7. Meine Devise lautet: Möglichst viel verdienen ohne mehr als45 stundendieWoche zu arbeiten. Aktuell habe ich ca 7500 Euro pro Monat für 45Stunden pro woche. Dass ich davon einiges zurücklege ist klar. dass ich 1 x pro jahr 3 Wochen nach Übersee fliege und dort dann 5000 Euro lasse ist aber auch klar GEnau wie der neue BMW, der mir einfach spaß macht. ICh lege im Jahr ca 25.000 Euro zurück, das reicht denke ich.

    • Hallo Mang,
      Erstmal Glückwunsch zu deinem hohen Gehalt, das ist schon deutlich überdurchschnittlich und erlaubt (zumindest in der Theorie) deutlich freiere finanzielle Entscheidungen als sie dem Durchschnittsbürger so möglich sind. Ich finde es aber interessant, was bei dir darum alles so „klar“ ist. Mir wäre selbst bei deinem Gehalt überhaupt nicht klar, dass ich 5000 € „in Übersee lasse“ (Was heißt das denn eigentlich genau? Ein Casino-Besuch in Las Vegas?). Ich selbst könnte mir das zwar auch leisten, würde da aber eher mein 45-Stunden-Erwerbsleben auf 4-5 Jahre zu verkürzen, bis ich finanziell einigermaßen frei bin und dann lieber entspannt nur noch 10-20 Stunden die Woche arbeiten. Aber das ist natürlich eine Entscheidung, die jeder für sich selbst trifft.
      Aber warum sparst du überhaupt etwas von deinem Gehalt? Was hast du mit dem Geld vor?
      Einen BMW würde ich persönlich auch nicht haben wollen. Die Teile schlucken so viel Sprit und fahren auch nur geradeaus, da würde ich mir in so einem Ding vorkommen wie ein Clown. Ich mag’s lieber effizient.

  8. Wow, Glückwunsch zu dem tollen Gehalt. Darf ich fragen als was du arbeitest? Mit 25k Sparleistung legst du so viel zurück, wie andere netto im Jahr verdienen. Da kann man auch mal teuren Urlaub und ein schickes Auto fahren. Ich hoffe, dass du in dem Beruf lange arbeiten kannst. Falls du da Gehaltseinbußen auf Dauer zu befürchten hättest, wäre ein hoher Lebensstandard gewagter.

  9. Wow, hier gibt es schnelles Feedback. ICh bin Arzt, zur Hälfte angestellt, zur anderen Hälfte Freiberuflich. Die Situation, welche ich gezielt gesucht habe, ist aktuell echt sehr komfortabel.

    Dass nicht jeder einen BMW möchte ist klar, mirmacht es Spaß, es ist „nur“ ein kleiner mit 116 PS (kleinste Motor), aber es macht mir Spaß.

    Übersee bedeutete letztes JAhr 3 Wochen USA Rundreise im Mietwage mit meiner Frau. Erinnerungen für die Ewigkeit, es war die beste Zeit. Dieses JAhr wird dieZeit in Kaliforien hoffentlichnoh besser 🙂

    ICh spare zum einen, weil ich offen gestanden von klein auf diffuse Existenzängste habe (sehr moderat) und es sich gut anfühlt „gewappnet“ zu sein. Konkrete Ziele habe ich keine, evtl. ein HAus, das wars aber.

    MEine Eltern haben beide „nur“ die Realschule abgeschlossen und dann ganz normaleBErufe ergriffen, wir hatten früher nicht viel. Daher vielleicht auf der einen SEite derSpar-Drang und auf der anderen Seite der BMW und die Reisen (die früher nie drin waren).

    Interessantes Blog mit interessanten Diskussionen hier! 🙂

    • Hallo Mang,
      das hört sich doch schon anders an. Konsum und Geld ausgeben einfach nur um des Konsums willen finde ich immer etwas fragwürdig, das klang in deinem ersten Kommentar ein bisschen danach. Aber bei so einer USA-Rundreise glaube ich gerne, dass die dann auch ihr Geld wert gewesen ist.

      Vielleicht findest du ja hier und bei den anderen Bloggern aus der FI-Community im Laufe der Zeit noch Anregungen für finanzielle Ziele, die über die reine Risikoabsicherung hinausgehen. Finanzielle Freiheit und ehrenamtliche Tätigkeit, Spenden, das Gründen einer Stiftung: Es gibt vieles, was man mit „überschüssigem Geld“ machen kann, abseits von Konsum und Lifestyle-Inflation.

  10. Ich denke, die meisten, die hier lesen bzw. schreiben, können durchaus Ihre Ausgaben im Griff halten und schaffen die Balance zwischen Sparen und Luxus. Ich habe heute meinen Jahresurlaub gebucht (Luxus 🙂 ), meine Sparrate dürfte trotzdem 15.000 bis 20.000 € erreichen.

    Vielleicht wird man auch etwas nachdenklicher, wenn man erlebt, wie der eine oder andere im Bekanntenkreis erkrankt oder stirbt. Die Wünsche „mach ich später“ konnten so nie erfüllt werden. Und die einem selbst verbleibende Zeit wird messbar weniger, die Ansichten ändern sich einfach.

  11. Ich sehe das wie Alexander.

    Man kann sich auch kaputt sparen und ich lebe letztendlich in der Gegenwart. Die will ich so gut wie moeglich geniessen. Genauso wie ich mit 65+ Dinge nicht machen kann, wofuer ich jetzt noch Kraft fuer habe. Zum Beispiele tolle, aber anstrengende Rundreisen auf eigene Faust.

    Am Ende zaehlt eigentlich nur der Grundsatz – geniesse jeden verdammten Euro den Du ausgibst.

    Und ich denke, dass der Blogposter das auch schlussendlich meint. Viele geben ohne Nachdenken fuer Sachen Geld aus, die Sie aber kein Stueck oder nur total kurzfristig gluecklich macht.

    Ich habe erst vor kurzem einen 4stelligen Betrag fuer einen TV ausgegeben. Absoluter Konsum, aber ich liebe Filme! Und das ist es mir wert.

    Dasselbe Geld auf dem Konto macht mich nicht gluecklich. Das sind nur Zahlen.

    Natuerlich muss das alles im Rahmen der finanziellen Moeglichkeiten passieren (Budget fuer alles muss abgestimmt sein). Der Mittelweg machts.

    Ich finde, nur das einige Blogs die Philosophie Altersvorsorge/Sparen zu sehr stark feiern.

    Wohl dem der Alt wird, aber dank Sparzwang kaum die Welt gesehen hat.

    • Hallo Capri,
      du hast recht, im Grundsatz ging es mir vor allem darum, dass man sein Geld eben nicht nur für den kurzfristigen Kick raushaut, sondern für die Sachen, die einem wichtig sind. Ansonsten steht das Sparen aber bei mir auch eigentlich weniger im Vordergrund, sondern ist mehr das Nebenprodukt meines Lebensstils. Mir ist vor allem meine Zeit, meine persönliche Freiheit und ein effizienter Lebensstil ohne viel Konsum wichtig. Das passt eigentlich ganz gut zusammen und das Sparen passiert dann fast nebenbei. Was das Rundreisen angeht, gibt es auch unterschiedliche Herangehensweisen. Hast du das Interview mit Sabine und Burkhard Koch gesehen? (Das war auch beim vorletzten Wochenbericht des Finanzwesirs in den Kommentaren verlinkt) Die beiden haben ja auch lieber in jungen Jahren gespart, um sich mit 40 nur noch aufs Reisen zu fokussieren, anstatt sich bis 67 nur Wochenend- und Ferientripps leisten zu können. So geht’s auch.
      Bei einer Sache möchte ich dir übrigens vehement widersprechen:
      „Dasselbe Geld auf dem Konto macht mich nicht gluecklich. Das sind nur Zahlen.“
      1000 € auf dem Konto bedeuten nach der 4%-Regel immerhin 40 € passives Einkommen im Jahr, solange sie auf dem Konto (bzw. Depot) liegen bleiben. Da du ja Filme liebst, könntest du für dieses Geld beispielsweise vier bis fünf Mal pro Jahr ins Kino gehen. Und alles nur von den „Zahlen auf dem Konto“. Würde dich das nicht glücklich machen?

  12. Hi Oliver,

    danke fur deinen Antwort. Ich denke, wir sind absolut auf einer Linie. Auch ich rechne Ausgaben mit Opportunitaetskosten aus (was wird aus dem selben Geld in X Jahren, respektive passives Einkommen). Wenn der eigene Lebensstil „frugal“ ausfaellt oder besser gesagt „bewusst“, spar ich von alleine. Ich war ueberrascht wie hoch eigentlich meine Sparquote monatlich ausfaellt. Ohne Muehe!

    Bei meinem wirklich hohen Filmkonsum wuerde mich eben die Kinobesuche langfristig arm machen 🙂 + teure Getraenke etc. (wobei ich damals alles reingeschmuggelt habe) + nervige Publikum.

    Wenn ich mir teure Anschaffung leiste (meist das Vorgaengermodell), rechne ich mir das ganze meist eher als „Mietbeitrag“ aus, da ich besonders Technik wieder verkaufe. Als technikaffiner User nutze ich jedoch auch solche Sachen sehr sehr lange. Da muessten grosse Innovationen passieren, bis ich update. Der neue TV muss mind. 6 Jahre+ halten, besser 10.

    Mein letzter Fernseher (gut der war nicht so teuer, wie der jetzige) hat mich einen monatlichen Beitrag von 13 Euro gekostet. Da ich gut und gerne gefuehlt 3 mal ins Kino pro Monat gehe…rechne selbst. Der neue faellt da extrem aus dem Rahmen, aber tut mir nicht weh und der Zugewinn an „Luxus“ ist es einfach wert.

    Ich kenne einige Paare die mit 40+ dann anfangen zu reisen. Interessantes Konzept, nur 1. haette ich mich dafuer frueher entscheiden muessen (bin 30 + Kind kommt erst evtl. 😉 ). 2. sehe ich trotzdem einen Unterschied, ob ich mit 40+ oder 25 Jahre reise. Ob ich alleine oder als Paar die Welt entdecke.

    Davon abgesehen, man mag es kaum glauben, mag ich meinen Job und die Herausforderung darin. Klar es gibt nicht immer gute Zeiten, wie auch im Privatleben, aber grundsaetzlich arbeite ich gerne. Kaempfen muss ich ueberall von Zeit zu Zeit. Und Unternehmer will ich gar nicht werden, entspricht nicht meiner Natur.

    Fazit: Es gibt schlichtweg viele Lebenskonzepte. Solange ich mir darueber bewusst bin und mich nicht getrieben fuehle, ist das fuer mich Freiheit. Der Konsenz hinweg von allen „Freiheitsansaetzen“ bleibt in jedem Fall KEINE SCHULDEN & ein sehr gutes finanzielles Polster, dass einem im Worst Case erlaubt zu sagen: NOE mach ich nicht!

  13. HI Oli,
    Ich finde auch, es gibt durchaus einen Mittelweg zwischen der Lifestyle-Inflation und die, wie von Ex-Studentin so schön benannte „Lifestyle-Kastration“. Lifestyle-Inflation ist aus den vonr Dir im Beitrag genannten Gründen kacke, aber in jüngeren Jahren übertrieben viel zu sparen damit man sich später alles gönnen kann kann auch evtl. bei früherem Tod in die Hose gehen. Ich denke, es geht um bewusstes Überlegen, ob mir eine Ausgabe wirklich wert ist und mich tatsächlich glücklicher macht. Wenn ich eine teuere Anschaffung für mein Hobby mache, das ich dann sehr häufig nutze und mich jeden Tag glücklich macht, ist das durchaus gerechtfertigt. Eine teuere Anschaffung nur deswegen zu kaufen, weil man andere Leute imponieren will, die man eigentlich nicht lieden kann, ist wiederum keine gute Idee.

    • Hi Mrs W,
      wenn du eine teure Anschaffung für dein Hobby machst, ist es dann die Anschaffung, die dich glücklich macht, oder das Hobby?
      Ich stelle mir dann die Frage: Brauche ich die Anschaffung, um das Hobby auszuüben? Reicht vielleicht eine günstigere Anschaffung, damit ich an dem Hobby genauso viel Spaß haben kann? Und nicht zuletzt: Bringt mir die Anschaffung langfristig mehr Spaß mit meinem Hobby?
      Bei der Lifestyle-Inflation steckt immer irgendwie mit drin, dass der Spaß nie langfristig erhalten bleibt, weswegen ich Lifestyle-Inflation grundsätzlich ablehne.
      Ich will das mal an einem Beispiel erklären: Wenn ich etwa gerne Rennrad fahre, ist es sicher total in Ordnung, mir ein halbwegs ordentliches Rennrad zuzulegen (was „halbwegs ordentlich“ heißt, sei jetzt erstmal dahingestellt :)). Wenn mir dieses Rennrad langfristig Freude am Radfahren ermöglicht, ist das meiner Meinung nach völlig gerechtfertigt. Problematisch wäre aber meiner Meinung nach, wenn ich die Freude am Rennrad fahren mit der Freude am Rennrad selbst verwechsle. Dann könnte es sein, dass ich mir ein neues Rennrad kaufe und nach einem Jahr denke „Ich brauche ein neues, besseres, teureres Rennrad, damit ich weiter Freude am Rennrad (fahren) habe“. Nach einem weiteren Jahr ist aber das neue, teurere Rennrad wieder langweilig (durch die hedonistische Adaption) und ich kaufe wieder ein besseres, und so weiter. Dann steckt man schon mitten im „Upgrade-Teufelskreis“ der Lifestyle-Inflation, an dessen Ende man furchtbar viel Geld in Rennräder gesteckt hat, ohne dass man beim Radfahren nun mehr Spaß hätte als mit seinem allerersten Rad. Die Freude am Radfahren kommt eben nicht vom Rad selbst, sondern von der Bewegung, der körperlichen und geistigen Herausforderung und der Zeit, die man an der frischen Luft verbringt.

Schreibe einen Kommentar