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Kampf im Konzern

Hallo Jan, danke für deine Worte. Ich bin wahrscheinlich unheimlich zäh und stur, das haben auch schon Andere gemerkt. Vielleicht liegt es auch an der Tatsache, dass ich niemanden über mich triumphieren lasse, ich kann mit dieser Art von Hinterhältigkeit nichts anfangen.

Mein Oberboss ist schon verzweifelt, kann mich nicht lesen und hat schon so viel Zeit in mich investiert, wie er selbst sagt.

Natürlich sitze ich das solange aus, bis ich was gefunden habe, was mir einen Mehrwert liefert, also wo ich interessante Aufgaben finde. Bis dahin bin ich wie eine Anleihe: Die Zeit läuft und es gibt regelmäßige Zahlungen.

Die Bewerbungen laufen, mit 46 ist es natürlich schwieriger, da viele wahrscheinlich gerne Leute 10 Jahre jünger nehmen und von den Aufgaben muss es auch passen. Zudem ist überall eine Art Transformation im Gange, es nutzt mir nichts, in 2 Jahren absehbar in einer ähnlichen Situation zu sein, weil man dort die gleichen Sparideen entwickelt hat.

Ich habe viele mentale Phasen mitgemacht, wie man hier auch lesen kann.

Was ich jedem in so einer Lage empfehlen kann: lasst Euch schnell umfassend arbeitsrechtlich über Eure Situation beraten, stellt das Umfeld und die auf Euch ausgeübten Methoden dar. Jeder RA wird Euch sagen, wo ihr steht, wie sicher ihr rechtlich seid und wie dieses Psychospiele von HR oder Management ablaufen.

Was ich hier beschrieben habe, ist leider der Standard, Personalberatungen und große Kanzleien beraten die Firmen in diesem Drecksspiel.

Der BR dient hier eher als Infoquelle, aber den Einzelnen kann er nicht retten, dann steht der nächste da, weil der Abbauplan erfüllt werden muss.

Mir hat das Gespräch mit Anwälten sehr geholfen, es hat viel Druck und Unsicherheit von mir genommen. Letztlich können sie nix machen, daher diese Spielchen. In so einer Situation findet man unter den Kollegen ein paar menschliche Perlen und natürlich auch viele hohle Nüsse. Sicher darf sich aber niemand fühlen...

Es ist ein Schachspiel. Bleibt ungreifbar und abgebrüht. Ich verstehe immer besser,  was Muslime Frugi immer gemeint hat. Mir hat auch mein Umfeld geholfen und Abstrahieren vom Job: man will Dich da treffen, wo es Dir wichtig ist, also definiere Deine Prioritäten woanders. Sowas trifft Leute hart, die ihr Hamsterrad als Lebensinhalt sehen, das tue ich nicht, nach dieser Erfahrung sowieso nicht mehr.

Es tut mir körperlich weh den Weg von @Gatto zu verfolgen. Ich kann wie Janveerman schon schreibt auch rein gar nix empfehlen, jedoch gebe ich zu bedenken, mal unabhängig vom Geld und Einkommen: Der aktuelle Weg ist vollkommen verlorene Lebenszeit, das bringt niemandem auch nur irgendwas, wenn ich das richtig verstehe schon Jahre. Was Sie glauben hier zu lernen und an Eigenschaften sich anzueigenen ist rein destruktiv reagierend/defensiv; da hätte ich Bedenken, dass Sie da eher das eine oder andere Verhaltensmuster zukünftig mit sich tragen . Und dann lese ich, dass wenn schon eine neue Aufgabe/Position/Firma, dann muss die (sinngemäß) Spaß (!) machen. Suche den Fehler, aber nicht zu lang.

Das ist unbestritten, dass man aus so einer Situation "Erfahrungen" mitnimmt. Ich habe mir diese Situation so nicht ausgesucht, allerdings ist es nunmal so, dass Firmen so agieren. In so einer Situation (in der ich jetzt seit etwas über einem Jahr bin) muss man einen klaren Kopf behalten:

  • Kündigen ohne was Neues habe ich für mich ausgeschlossen, weil ich dann Existenzängste bekommen würde, das ist einfach so, und damit kann ich nicht umgehen und will es auch nicht. Ich sehe ja, wie kompliziert der Bewerbungsprozess mit meinem recht speziellen Profil ist, werde die Suche aber noch verbreitern. Leider ist man in dem Alter nicht unbedingt jemand, der gesucht wird, weil man ihn hoffnungsvoll "entwickeln" möchte, sondern ich werde gesucht aufgrund meiner Erfahrungen. Diese hätte ich nicht unbedingt, wenn ich was komplett Neues mache oder einen etwas breiteren Quereinstieg mache.
  • Mit 46 habe ich nicht mehr unendlich viele Möglichkeiten zu wechseln, der Fachkräftemangel und die Flexibilität von Firmen bei Einstellungen ist noch nicht so angekommen. Deshalb muss ich mir gut ansehen, wo ich hingehen kann. Mein Unternehmen ist ein Beispiel: in der Branche spart jeder (wie bei Banken), nur noch jung und günstig wird gesucht. Effizienzeinsparungen aus Digitalisierung und Outsourcing werden überschätzt. Mittlerweile ist das ganze internationale Unternehmen von dieser Transformation erfasst, alles wird verändert, es bildet sich Chaos und Verunsicherung.
  • Es liest sich sicherlich erschreckend, wie die Situation ist, ich habe es daher auch als Faktenbericht einfach mal zur Ansicht geschrieben. Sicherlich gibt es auch Menschen, die sowas nicht mal 1 Monat aushalten, ich bin nicht stolz darauf, das so lange auszuhalten, meine Infos dienen der Aufklärung und vielleicht benötigt jemand auch solches Wissen. Ich war auch verzweifelt auf der Suche nach Informationen, was mit mir passiert und habe es gefunden und es wurde mir von Anwälten bestätigt.
  • Diese Erkenntnisse belasten einen natürlich: ich merke, dass ich mich gut motivieren muss für Bewerbungen, weil ich dieses ungeschminkte Gesicht von großen Firmen gesehen habe, der Mensch zählt nicht, es ist wie eine Maschine. Vorgesetzte verkaufen Dich für ihre Ziele und für ihr Überleben, nichts ist loyal.  Hier ist es genauso: es gibt Abbauziele und das Management wird daran gemessen, wie es Leute dazu bringt aufzugeben. Jeder Angestellte, der einen impliziten Vertrauensvertrag mit der Firma schließt, kann dieses Schicksal erleiden und wird enttäuscht. Man ist nicht intrinsisch motiviert zu wechseln, sondern agiert auf Druck. Ein junger Kollege wechselte vor 1 Jahr nach einer vergleichbaren Situation, er hatte auch am Anfang Probleme, wieder Vertrauen in der neuen Firma aufzubauen.

@gatto So ungewöhnlich ist das, was du beschreibst ja nicht, gibt viele, denen es so geht. Wie man damit klarkommt, muß jeder selber entscheiden. Manche vertragen das problemlos, andere werden dann krank. Gerade in dem Bereich Mitte 40 bis Mitte 50 werden viele Männer dann richtig krank und dauerhafter Stress unterstützt das natürlich. Du solltest auf jeden Fall rechtzeitig die Reißleine ziehen.

Wie leicht du was bekommst, können wir auch nicht einschätzen. Aber mit 46 bist du ja nicht 56...da sollte im aktuellen Jobmarkt noch etwas gehen.

Hallo Privatier,

ja, je mehr ich mich damit auseinandersetzen musste, umso mehr Informationen bekam ich, dass dies - leider - wirklich nicht ungewöhnlich ist, sondern quasi der strukturierte Prozess (RA kennen die ganzen Paletten der Psychospielchen).

Durch Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen in Großkonzernen als Spiel der Kräfte mit dem BR ist es quasi nicht anders möglich, dem MA eine "freiwillige" Zustimmung abzuringen, man soll dahin gebracht werden, es als alleinigen Ausweg zu sehen, wie in einem Trichter.

Persönlich bewirkt so ein Prozess eine Menge, man wird zum "Frontsoldaten" und lernt das Sprichwort gut kennen: Konzerne sind undankbar, nachtragend und vergesslich. Es ist wirklich schwer nachzufühlen, wenn man nicht selbst in so einer Situation steckt. Leider geht damit auch viel grundsätzliches Vertrauen in Arbeitsverhältnisse verloren, Desillusionierung als Folge. Wenn man das Spiel durchschaut hat, geht es einem besser, man fühlt sich nicht mehr hilflos ausgeliefert.

Anwaltlich hat man mir erläutert, dass in der Regel die Frist zur Annahme des Aufhebungsvertrags nur ein erster Punkt ist, der Druck für den Konzern wird ja bis zur Erfüllung der Abbauziele weitergehen. Da ich bis dahin nichts Neues habe, werde ich gar nicht annehmen können, in der aktuellen Form der Formulierung der Klauseln sowieso nicht.

Hi Gatto

was ich so rauslese hast du dich schon lange für das Bleiben entschieden, bzw. warst nie so wirklich offen für einen externen Wechsel.

Dein „Kampf„ war und ist immer noch dein derzeitiges „Projekt“ für das dich dein Arbeitgeber zwangsläufig bezahlt.

Wer in so einer Hängepartie frei von Anerkennung und Bestätigung von Außen (AG) ist, könnte förmlich diese Zeit als Sabatical light genießen.

Aber wer ist schon so cool und abgezockt?

Hallo MF,

ich denke, Du bist nach Deiner Erfahrung einer der wenigen, der diese Art von Sabatical auch real erlebt hat, bzw eine Abgrenzung vom Job so hinbekommen hat.

Es ist eine diffuse Gemengelage.

Ich war bis zu diesem Zeitpunkt der Ansprache letztes Jahr irgendwie in einem komfortablen Status. Es war Gewohnheit, draußen hätte noch ggf mehr Gehalt gelockt, aber das hätte mehr Wagnis bedeutet. Da ich zu diesem Zeitpunkt eher meine Immobilienprojekte nebenher betrieben hatte, war das ok.

Jetzt drängt und belästigt man mich, nimmt mir das weg, was mich trotz überschaubarer Anerkennung gehalten hat: Arbeit, die ich interessant fand.

Absehbar werde ich wohl ohne eine Änderung in diesen Sabatical Zustand kommen (kaltgestellt). Insofern bin ich jetzt mit dem arbeitsrechtlichen Erfahrungshintergrund zwangsläufig cooler geworden im Gegensatz zum letzten September, als ich hier aufschlug. Die Firma selbst sorgt ja zwangsläufig dafür, dass ich immer abgezockter werde...

Meine Projekte sind nun: neuer Job extern, dann will ich aber die jetzt schon gezeigte Abfindung mitnehmen... ansonsten bleibt es zwingendermasen so im Status Quo, weil ich nicht ohne neuen Job gehe.

Interne Bewerbung scheint eher problematisch, es läuft noch der Sozialplan, das hattest Du ja auch festgestellt.

Aber es stimmt schon: ohne den Interessenausgleich und die unschönen Erfahrungen dazu hätte ich mich nicht bewegt. Auf die Idee, dass mein Kündigungsschutz was wert ist, kam ich auch erst über diese Erfahrung... das wollte man ja vorher gerne vermeiden, mir diese Option zu zeigen.

 

Hallo Gatto,

ich war vor fast 20 Jahren ebenfalls unzufrieden in meinem Job. 8 Jahre Viel Energie und Zeit investiert, einen kleinen ,jungen Betrieb mit aufgebaut und irgendwann mit Undank entlohnt worden. Habe mich kündigen lassen, ohne Abfindung (hätte mir eh nicht zugestanden) o.ä. Mein Backup war das Arbeitsamt. Meine Arbeit bis zum letzten Tag weiterhin pflichtbewusst zu 110% erfüllt - inkl. Freiwilliger Überstunden.

Arbeit nimmt einen großen Teil der Lebenszeit in Anspruch. Ist man hier aus der Balance, kommen vermutlich neben den nervenden 8Std „im Büro“ noch etliche Stunden des Grübelns.

Ich bin kein Freund von „sich einen Schutzpanzer“ anzulegen um die Zeit auf der Arbeit zu überstehen.

Ich trage eher ein Feenkleidchen um alles an mich heran zu lassen. Lieber sage ich „heute war ein guter, angenehmer, produktiver Arbeitstag, als „ gut überstanden“.

Ohne Risiko keine Rendite. Gilt nicht nur auf dem Kapitalmarkt.

Wobei ich die Sparbuchmentalität ( „ich ziehe das so lange durch, bis ich einen anderen, sicheren Hafen (Arbeitgeber) gefunden habe“), nicht bewerten oder gar verurteilen möchte.

 

 

 

 

 

 

Hallo SpätzünderNRW,

danke für Deine Sicht. Ich könnte das nicht, einfach so gehen ohne Perspektive. Dazu bin ich wirklich zu vorsichtig (merkt man auch an dem über Jahre hoch angespartem Cashanteil, den ich jetzt per Sparplan in Aktien investiere).

Es kommt hier Vieles zusammen...

Neuer Job, was erwartet mich da usw, dann natürlich die Situation aktuell.

Einfach so kündigen, das geht nicht, da kenne ich mich.... das würde Panik bringen. Im Sinne des FIRE sehe ich das hier als weiteren Cashflow zur Freiheit, das ist der rohe Kern, der übrig bleibt.

Wie man mit Dir umgegangen ist, da hätte ich nicht so motiviert bis zum Ende gemacht. Das ist quasi pure Ritterlichkeit...die von Firmen nicht gesehen wird. Es geht nur um Fakten und Geld. So wie in meiner Situation auch: es geht nur ums Geld.

Jeder ist, wie er ist. Ich habe viel über mich erfahren, aber die Vorsicht und das Planerische sitzen nun mal in mir. Darum herum muss ich mich aufstellen.

Manchmal denke ich mir auch, Geld nehmen und in den Süden, einfaches Leben...aber das ist der Plan B für später.

 

Ich hatte mit 40 eine ähnliche Situation, hatte mich mit meiner Chefin überworfen und einer musste gehen. Da ich ohnehin gerade am bewerben war bin ich auf die Gespräche über einen Aufhebungsvertrag eingegangen um eine (nicht sehr hohe) Abfindung mitnehmen zu können.

Nachdem die Bewerbung leider nicht erfolgreich war habe ich die Verhandlungen abgeblasen und auch gesagt, mir gefällt es hier gut und ich möchte gerne meinen Arbeitsvertrag erfüllen. Eine Zeitlang war Ruhe aber dann gingen die Psycholospielchen los ähnlich wie hier geschildert. Ich habe immer so getan als wenn es mir nichts ausmacht und dann wurde das immer mehr gesteigert bis zu einer Änderungskündigung mit Herabstufung um 2 Tarifgruppen. War rechtlich natürlich nicht haltbar, hatte mir einen Anwalt genommen und vor Gericht gezogen. Die sind grandios gescheitert, wussten die wahrscheinlich auch, diente alles dem Zweck mich mürbe zu machen.

Dann haben sie einen externen Spezialisten ala George Clooney aus „up in the Air“ aus Frankfurt engagiert, habe mich zunächst unbeeindruckt gezeigt. Es hat mich dann aber psychisch belastet, konnte schlecht schlafen und das Ohr fing an zu pfeifen. Ich wollte dann nicht mehr. Da ich auf internen Wegen wusste wieviel Budget für meine Abfindung bereit stand, habe ich dann genau die Summe verlangt und bekommen, das war das Fünffache des ursprünglichen Betrages.

Ich war dann 3 Monate freigestellt hatte aber keinen neuen Job. Fleißig beworben. Auf den letzten Drücker bin ich dann bei einer Versicherung untergekommen, es war 2009, noch voll die Auswirkungen der Finanzkrise. Da hat es mir aber nicht gefallen und ich habe am letzten Tag der Probezeit gekündigt, da hatte ich aber einen neuen, den aktuellen Job. Also mit 43 zweimal den Job gewechselt in einem Jahr, war schon eine kleine Herausforderung.

Es ist mir damals sehr schwergefallen zu gehen, weil es mein Traumjob war und ich rückwirkend betrachtet dort die beste Zeit hatte. Aber die kommt eben nicht wieder, da hängt man unnötig der Vergangenheit hinterher. Und ich habe nun ein deutlich besseres Einkommen, eine gute Altersvorsorge, Jobticket, Essensmarken und viele weitere Vorzüge, also finanziell ein voller Erfolg. Für eine Dozententätigkeit wäre ich bei dem alten Arbeitgeber wahrscheinlich auch nicht interessant genug gewesen. Abgesehen davon gab es dort keine Vorruhestandsprogramme welche ich nun in Anspruch nehmen kann. Emotional bin ich mittlerweile relativ neutral bei der Arbeit, ich hänge mich rein und arbeite so gut es geht, aber die Verbundenheit welche ich früher hatte ist auf der Strecke geblieben, was aber auch nicht das schlechteste ist.

Also alles in allem war es die beste Entscheidung zu gehen und ich hätte es eigentlich viel eher tun sollen. Ich würde mich nicht darauf versteifen unbedingt eine Abfindung mitnehmen zu müssen, wenn Du einen guten neuen Job findest nur zu. Die emotionalen Kosten des verharren in dem alten Job sind einfach viel zu hoch, meine Meinung.

P.S. Meine Chefin durfte dann übrigens auch gehen sowie der Bereichsleiter und ein Großteil meiner noch jungen Kollegen in der Abteilung hat gekündigt, weil sie den Umgang so fürchterlich fanden und das nicht selbst mal erleben wollten. Also nur Verlierer.

Es ist schon verblüffend wie klassisch du zur Konzernwelt passt 😉

Es ist ja die Frage ob ein Handeln zugunsten des eigenen Wohlempfinden die Lebensqualität stark beeinträchtigt oder am Ende gar krank machen kann.

Deine Prägung wird dir vermutlich auch im Weg stehen wenn FIRE rechnerisch möglich wäre. So wärst du auch ein klassischer endless OMY Kandidat.

Es ist doch schön wenn dir das nun klar wird. Dann kannst du dich ganz bewusst für die eine oder andere Richtung entscheiden in der das Leben jeweils so abbiegt.

Ich gehe mal von unten nach oben:

@MuslimeFrugi: das mit dem OMY kann gut sein, Du tendierst ja auch in die Richtung. Wenn man mal in solche Situationen geblickt hat, nimmt man auf jeden Fall Erfahrungen mit.

@konsument:

Danke für diese sehr tiefen Einblicke, ich kann es nachvollziehen. Daher bin ich vorsichtig, was das Eingehen auf die Abfindung angeht. Hier ist es nach Sozialplan berechnet, weiß daher nicht, wie man das hochtreiben könnte. Der BR kennt anscheinend die Summen. War das auch in einem Konzern oder eher kleiner?

Ob die letztlich einen George Clooney holen, weiß ich nicht, ich war ja schon in diesem Coaching einer Outplacement Gesellschaft, die mit dem Konzern zusammen arbeitet, um die Leute gedanklich auf externe Optionen zu weiten.

Änderungskündigungen sind während der laufenden Betriebsvereinbarung nur eingeschränkt möglich. Ob das ein Anwalt auch so akzeptiert, wenn man dann nicht gleichwertige Arbeit macht, wäre zu klären.

Ich denke, spätestens durch deine Klage wollten sie Dich um jeden Preis weghaben. In welchem Bereich war dann Deine Abfindung ca?

 

Das war eine Genossenschaftsbank mit kleiner Personalabteilung, die waren völlig überfordert deswegen haben sie wen geholt, wird dann aber ähnlich dem outplacement bei Dir sein, solche Gespräche waren das auch. Und ja sie wollten mich definitiv loswerden, alleine weil so viele Kollegen von mir gekündigt hatten. Die sahen wie sich die Abteilung auflöst.

Das war etwas mehr als ein Monatsgehalt mal den Jahren der Betriebszugehörigkeit, das waren 8 bei mir. Nicht wirklich viel, in Konzernen gibt es wahrscheinlich mehr. Dazu ein Seminar was ich frei wählen konnte und Freistellung. Insgesamt war es ok. Ganz zu Anfang war das Angebot aber ein Witz, zum mitnehmen ok aber nicht akzeptabel um freiwillig zu gehen.

Eine Änderungskündigung ist ganz schwer durchzusetzen für den Arbeitgeber, vor dem Arbeitsgericht scheitert das fast immer.

Danke Dir. Ich hatte schon überlegt, was die gemacht haben könnten. Das Coaching an sich war ja nett, man möchte ja deinen Blick weiten, alles ganz freundlich. Habe mich zum Abschluss bei meiner Coach bedankt, so viel Zeit hat sich noch niemand in den ganzen Jahren für mich genommen 😆

Daneben läuft ja das Spiel good Cop/ Bad Cop - alles, um Deine Beweggründe zu sehen, warum Du Dich so oder anders verhältst.

Bei uns basiert der Sozialplan auf Jahren der Zugehörigkeit und Alterskluster. Wie ein Tarifgitter. So ganz konnte ich die Zahlen auch nicht nachrechnen.

Eine Sache ist mir noch eingefallen: mir geht es beim Thema FIRE nicht unbedingt darum, auf keinen Fall mehr arbeiten zu müssen, aber dann einen auskömmlichen Cashflow neben dem Gehalt zu haben, um faktisch frei zu sein, allein aus mentalen Gründen der Unabhängigkeit.

Standard ist m.W. ein Monatsgehalt x Jahre Betriebszugehörigkeit, einen gesetzlichen Anspruch gibt es aber nicht.

Ich würde mich mit dem Aspekt der emotionalen Kosten intensiver auseinandersetzen, ich habe mich früher auch oft aus finanziellen Gründen durch etwas gequält, das würde ich heute nicht mehr machen. Überlege Dir genau wie sehr es Dich belastet und wie stark es Dein Privatleben beeinflusst, wenn das nicht der Fall ist, weitermachen, wenn doch dann in den Sack hauen und was neues suchen. Da würde ich dann nicht mehr auf eine höhere Abfindung spekulieren.

Danke Konsument. Das ist alles richtig und ich habe mich bisher schon länger durch diesen Mist durchgekämpft. Emotional bin ich jetzt schon besser eingestellt als früher. Aber natürlich: Corporate Identity ist vollkommen weg, es bleibt das, was es im Grunde immer war: ein reines Geschäftsverhältnis mit Vertrag ohne jegliches Glitzerwerk dazu.

Eine Frage zu Deinem Arbeitsumfeld: haben die Kollegen das mit Dir transparent mitbekommen, d.h. hattest Du hier Öffentlichkeit hergestellt und wie haben sie reagiert?

Der Spezialist hat mit dir dann dauernd Trennungsgespräche veranstaltet oder was hat er so gemacht?

Es ist fraglich, ob ich in dieser Abteilung/ Ressort meinen Frieden finden kann, die Ziele von HR bleiben ja auch nach Management Wechsel.

Extern bewerbe ich mich mit meinem aktuellen Profil, wenn ich intern in was Anderes wechsle, vermischt sich das.

Daher gilt: weiter bewerben und wenn nix geht, muss ich halt intern was Anderes machen in der Hoffnung, dass man mich dort besser behandelt.

 

Zitat von Gatto am 27. Mai 2022, 0:07 Uhr

Das sowieso: ich arbeite nur noch motiviert für Leute, die ich persönlich schätze und die nett zu mir sind. Hetzen lasse ich mich nicht mehr.

Surreale Welt, man beobachtet alles aus einer relativen Perspektive.

Man erwartet ja, dass ich daran verzweifel und beklagt, man könne mich nicht einschätzen usw (um die Psychospielchen zu verfeinern).

In einem der Tribunal-Gespräche musste ich schon fast grinsen, so egal ist mir dieses Geschwätz schon langsam.

Wenn man vom BR hört, dass andere MA teilweise sich jeden Tag für ihre Arbeit rechtfertigen müssen, da kann man nur noch den Kopf schütteln, was den Misbrauch von Direktionsrecht angeht und wie solches menschenunwürdige Mobbing rechtlichen Wackelpudding darstellt, den man letztlich nur schwer beweisen kann.

Dafür strebt man ja die "finanzielle Freiheit" an, damit man sich sowas nicht antun muss.

Der ganze Schmarrn nur um eine möglichst hohe Abfindung rauszuhauen?

Es ist Deine Entscheidung. Offenbar ist Dir das Geld ja sehr wichtig, einen anderen Grund, sich das anzutun (wenn es denn so ist wie von Dir hier beschrieben, wir kennen ja nicht die andere Sichtweise) wüsste ich nicht.

Wie hoch ist denn Dein aktuelles Jahresbrutto? Üblicherweise sind die Leute im Konzern da nach einigen Jahren ja extrem verwöhnt, da sind die Angebote in ähnlicher Vergütungsklasse dann am freien Markt nicht so viele, außer man ist gerade zufällig ein hoch gesuchter Spezialist.

Es wird ja auch seine Gründe haben, warum der AG Dich unbedingt loswerden möchte trotz Deiner Erfahrung dort.

MfG

Der Grund warum ich ist wahrscheinlich sehr diffus: schon lange in der Abteilung, eher älter und nicht mehr junge naive Heißdüse. Dann geht es ja auch so, dass man immer wieder in Vorleistung geht und das oft nicht honoriert wird (das haben schon viele gemerkt). Dann noch Kostensparen und schon ist der Cocktail fertig, bzw auch persönliche Gründe siehe oben.

Aber warum soll ich mir diesen Schuh jetzt anziehen und mir auf einmal nach Jahren guter Noten konstruierte Gründe anhören? Das sind wie gesagt Abbauziele und niemand ist sicher.

Meine Kollegen wussten alle Bescheid, wie gesagt 3 von 7 haben deswegen gekündigt, darunter auch mein direkter Vertreter von dem sie sich eine Übernahme meiner Aufgaben erhofft hatten. Mit dem bin ich heute noch befreundet. Das war dann noch mehr ein Grund mich loswerden zu müssen.

So genau habe ich die Gespräche nicht mehr im Kopf, sind nun 13 Jahre vergangen. Das war so nach dem Motto: hier geht es nicht weiter für Sie, die Vergangenheit kommt nicht zurück, wir unterstützen Sie bei der Suche, Blabla. Meine Chefin welche den ganzen Mist angezettelt hat fand sich dort dann auch wieder und wollte plötzlich Frieden mit mir schließen, Sie war das Problem und ich der Soldat auf dem Schlachtfeld der geopfert wird, das haben sie dann zu spät gemerkt. Im Grunde genommen war das ganze total dilettantisch. War eine Lebenserfahrung. Ich habe jedenfalls meinen Frieden damit geschlossen, das ist auch wichtig vergeben zu können.

Dagegen ist mein aktueller Arbeitgeber super sozial und vorbildlich im Umgang, das genaue Gegenteil. Deswegen komme ich auch in den Genuss des Vorruhestandsprogramms, der Vorstand wusste um meine gesundheitlichen Probleme der vergangenen Jahre (welche Gottseidank vorbei sind) und deswegen wurde das bei mir genehmigt. Ich wäre sonst definitiv aufgrund meiner Qualifikationen im Zuge der Fusion ein Kandidat für viele Funktionen gewesen.

Ist immer ein geben und nehmen im Leben, alles gleicht sich irgendwie aus 🙂

Zitat von konsument am 30. Mai 2022, 16:39 Uhr

Ist immer ein geben und nehmen im Leben, alles gleicht sich irgendwie aus 🙂

Das hast du sehr schön beschrieben. Kann dem allem nur absolut zustimmen. Und ja manchmal geht es nur um Abbauzahlen unabhängig von den Fähigkeiten. Mein Teamleiter/Gruppenleiter und Abteilungsleiter haben mein Ausscheiden sehr bedauert und die Ebene darüber hatte keine Ahnung wer ich bin. Mir wurde klar bei einem Personalabbau der von Oben kommt hat ein Abteilungsleiter so gut wie nichts mehr zu sagen. Ihm werden die Leute unter den Füßen weggezogen und er muss schauen wie er mit den Kundenprojekten klar kommt. Es gibt jedoch auch strategische Projekte und wenn man Teil davon ist kann es sogar sein das einen die Firma nicht gehen lassen möchte und man trotz Abbauplan keine Abfindung erhält. Aber mit den eigenen Fähigkeiten hat dies meiner Erfahrung nach oft nicht viel zu tun.

Was @cepha sagt ist jedoch auch nicht von der Hand zu weisen. In einem großen Konzern hat man sich an üppige Gehälter von 100k/Jahr selbst ohne Personalverantwortung gewöhnt ohne viel Risiken eingehen zu müssen. Das ist bei einem Neuanfang erstmal gar nicht so einfach davon runter zu kommen.
Frugalisten sollten jedoch in der Lage sein auch einige Jahre mit geringerem Einkommen gut auszukommen. Ist ja in der Elternzeit/Subbatical ähnlich und solche Zeiten sollte man auch nicht einfach auslassen.