Forum-Breadcrumbs - Du bist hier:ForumInvestieren: Allgemeine DiskussionInflation
Bitte oder Registrieren, um Beiträge und Themen zu erstellen.

Inflation

Zitat von karlmags am 31. August 2021, 18:26 Uhr

Bei Inflation denke ich nur:

  • Geil, ich habe 220.000€ Schulden. Wegen der Inflation werde ich mehr Gehalt kriegen und die Schulden werden real weniger.

Und was machst Du (bei einer "richtigen" Inflation) wenn über 2 Jahre verteilt

  • die Preise und damit Deine Lebenshaltungskosten um 50 % steigen,
  • Dein Gehalt aber nur um 5 %,
  • und nachdem die Zinsbindungsfrist gerade ausläuft die Bank Dir eine Anschlussfinanzierung zu 15 % p.a. anbietet!
    (was dann sogar unter der Inflationsrate ist)

 

In 20 Jahren läuft meine Zinsbindung aus. Wenn ich keine SoTi mache, belaufen sich meine Schulden auf 60.000€. Ich hoffe, dass mein Depot (heute 25.000€) zu dem Zeitpunkt ausreicht, um die Schulden bei entsprechend ungünstiger Zinslage zu tilgen.

Wenn das von dir gezeichnete Szenario eintritt, werde ich mich darüber ärgern, dass meine Sparquote sinkt und hätte eine weitere Motivation, meine Konsumausgaben zu optimieren. Mundraub würde bei mir wohl nicht auf dem Plan stehen.

Zweistellige Inflationsraten sind außerordentlich und für ein führendes Industrieland mMn unwahrscheinlich. Ich verdiene mehr als die meisten, daher trifft mich eine Inflation im zweistelligen Rahmen weniger stark als Geringverdiener hinsichtlich des alltäglichen Lebens. Gegen Galoppierende Inflationen oder Hyperinflationen hilft nur die Flucht in Sachwerte, da wär ich dann auch arm dran. Wer weiß, wie das Portfolio reagiert. Vielleicht komme ich aber auch mit einem blauen Auge davon. Kurswerte erholen sich in der Regel ja irgendwann wieder.

Wer sparsam ist muss weniger arbeiten.

Die Inflation in Deutschland steigt auf 4,1 Prozent (faz.net)

Wenn ich mir die Kettenreaktionen anschaue und davon ausgehe, dass die Lieferkettenstörungen erst mal bleiben, erscheint mir eine Beschwichtigung der EZB - im nächsten Jahr haben wir wieder unter 2% Inflation - für wenig wahrscheinlich. Zu sehr sind die politischen Interessen im Vordergrund und zu gering ist die Glaubwürdigkeit eines Drogensüchtigen.

Es ist wahrscheinlich, dass zuerst erst mal die Anleihenkäufe zurück gehen. Die Hypothekenzinsen sind die letzten Wochen schon leicht gestiegen. Dass sie kurz- und mittelfristig erheblicher nach oben gehen glaube ich nicht. Die EZB wird es auf alle Fälle verhindern wollen. Viele Mittel hat sie allerdings nicht mehr.

Ich bin gespannt wie sich die gesamtinflationäre Lage weiter entwickelt, Eine wirkliche Prognose habe ich nicht.

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/inflation-liefert-ezb-kritikern-neue-munition-17603463.html

Keine Sorge, Die Inflation ist "temporary"! Temporary ist eben nur vielleicht etwas länger, 5 oder 10 Jahre....

Mal ein bisschen zum Rumspielen:

Ihr persönlicher Inflationsrechner (destatis.de)

Türkische Inflationsrate springt auf 36 Prozent: Lira unter Druck (faz.net)

Da sind wir zum Glück noch ein Stück weit von entfernt.

Inflation in Deutschland: Steigende Verbraucherpreise 2022 (wiwo.de)

Mein Kassensturz zum Jahreswechsel hat ergeben, daß, wenn ich eine wohlwollende Immobilienbewertung zu Grunde lege, ich mich "Millionär" nennen könnte. Kein Grund für mich die Korken knallen zu lassen, das ging viel zu schnell. Vor zwei Jahren war ich noch bei rund 700K. Einen Großteil der "Wertsteigerung" darf ich wohl der Assetpreisinflation zuschreiben.

Ich seh es als Polster für kommende Steigerungen der Verbraucherpreise und als Trostpflaster, weil Lohnerhöhungen in meiner Branche schwer zu bekommen sind.

Auch in der Türkei geht das Leben weiter. Wie gehen die damit um? Vielleicht kann man sich ja da manches abschauen. Erdogans Aufruf der Lira treu zu bleiben ist wohl das Dümmste was man machen kann.

Ja, aber so einfach ist das mit der Inflation nicht. Klar geht das Leben weiter, aber für viele sehr erschwert. Insbesondere für Leute mit wenig Geld sind einfache Dinge des Lebens sehr teuer geworden.

Grundsätzlich wird in solchen Ländern mit hoher Inflation vor allem alles Geld was reinkommt, direkt ausgegeben oder investiert.

Was bei zu starker Inflation passieren kann, sieht man ja aktuell auch in Kasachstan:

Proteste in Kasachstan: Polizei tötet Dutzende Demonstranten - Russland schickt Fallschirmjäger (rnd.de)

Inflation in Deutschland steigt im Dezember auf 5,3 Prozent (faz.net)

@vodef72:

Nach der Finanzkrise 2008 habe ich den Run in die Sachwerte schon gesehen. In Folge sehen wir die Vermögeszuwächse bei denen die welche haben.

Das diese Überhitzungen jetzt alleine durch die Inflation wieder relativiert werden, ist ja wirklich extrem smart. Zinserhöhungen werden politisch ja gescheut wie der Teufel das Weihwasser.

Mit genug Fleisch auf den Knochen lässt sich da ja weiter gut surfen aber für die vermögenslosen Haushalte ist das schon sehr dramatisch. Viele Betroffene erfassen das "full picture" ja gar nicht. Der Soziale Sprengstoff ist enorm.

Und die wohlhabenden Sachwertbesitzer: Sicher vor Rücksetzter oder Crashs sind die auch nicht. Ist schon eine sehr gespenstische Gesamtgemengenlage zwischen Euphorie und dunklen Wolken am Himmel. Aber war das nicht irgendwie immer so?

Für manchen Hardcore Frugalisten, der an Ausgaben nichts mehr sparen kann heißt das wohl die Planung zu überdenken und nach oben anzupassen.

Zitat von Muslime_Frugi am 7. Januar 2022, 10:58 Uhr

 

Für manchen Hardcore Frugalisten, der an Ausgaben nichts mehr sparen kann heißt das wohl die Planung zu überdenken und nach oben anzupassen.

Ich habe ja in meiner Vermögensaufstellung meine Altersvorsorgetöpfe abgezinst. Aktuell mit 3%. Die meisten sind nun mehr oder weniger feste Zusagen, da wird sich an den Auszahlungssummen - Inflation hin oder her - nichts mehr ändern. Einzige Ausnahme ist die gesetzliche Rente, aber ob die zukünftig die Inflation voll ausgleicht, muß sich noch zeigen.

Passe ich nun in meinem Excel die Abzinsung von aktuell 3% auf 5% an, weil ich beispielsweise annehmen würde, die Inflation bleibt die nächsten Jahre bei 5%, so habe ich gleich gut 100.000 weniger in meiner Aufstellung!

Ausserdem habe ich ja nun für die nächsten Jahre einen gewissen Cash Puffer eingebaut. Gerechnet habe ich mit einem jährlichen Anstieg des Cash-Bedarfs von 3%. Erhöhe ich diesen nun auf 5%, wird der Cash Bedarf gleich noch einmal um 10 bis 20 TEUR höher.

D.h. nur durch Anpassung der Inflation von 3% auf 5% in den nächsten Jahren würde sich eine rechnerische Lücke von gut 120 TEUR ergeben. Bei wem das auf Kante gerechnet ist, kann es schon knapp werden.

Zitat von Privatier am 7. Januar 2022, 11:47 Uhr

... Einzige Ausnahme ist die gesetzliche Rente, aber ob die zukünftig die Inflation voll ausgleicht, muß sich noch zeigen....

das hängt wohl weitestgehend davon ab wie die Löhne sich künftig entwickeln. Kommt es doch nachhaltiger zu einer Lohn-/Preisspirale werden auch die Renten angehoben.

In diesem Jahr 22 steigen die Renten höher als die Löhne. Bei derzeitigen Abschlüssen (Öffentlicher Dienst 2,8% bei 24 Monate Laufzeit) sinkt ja gerade ganz aktuell die Kaufkraft der arbeitenden Bevölkerung.

Würden die gesetzlichen Renten langfristig hinter der Inflation und der Lohnentwicklung bleiben, will ich mir gar nicht vorstellen was da gesellschaftlich los wäre.

Die überwiegende Zahl der Alterseinkünfte sehen doch so aus wie bei der Vorstellung von @konsument im Parallel Faden aufgezeigt = gesetzliche Rente, ein paar betr. & priv. Altersrenten und wenn es gut gelaufen ist noch ein bezahltes Wohneigentum.

Eigentlich war ich gegenüber einer etwas höheren Inflation immer positiv eingestellt. Meine Schulden von aktuell 1,9Mio werden dann auch leichter zu stemmen sein. Heute habe ich allerdings eine schräge Mail meines Energieversorgers bekommen (habe 17 Strom- und Gasverträge bei ihm). Er schreibt mir das die Preise in naher Zukunft kräftig angepasst werden und ich mir jetzt noch einen anderen Anbieter aussuchen kann der eventuell Eine Preisgarantie für 12 Monate bieten kann. Ein Blick auf dem Vergleichsportal zeigt mir schnell es gibt keine Alternative mehr bei der sich der Preis nicht verdoppelt. Das ist echt heftig. Dachte das durch erneuerbare Energie die Preise immer günstiger werden da wir ja keine primären Rohstoffe mehr verschwenden. Das Gegenteil ist gerade der Fall woran es liegt ist mir unerklärlich. Aber so eine starke Inflation wollte ich eigentlich nicht.

Unerklärlich? Also wenn man 20 (von 100) Terrawatt ohne Not ("gehirnamputiert") aus dem Markt(Kohle und Atom) nimmt und nord stream 2 scheinheilig blockiert und zudem so gut wie nichts an erneuerbaren zubaut sind wir da wo wir jetzt sind und ich sehe nicht dass die Preise in absehbarer Zeit fallen...Aber die meissten Deutschen haben es so gewollt, wenn man kritisch war, war man Klimawandelleugner, rechts oder Verschwörungstheoretiker....

Zitat von Muslime_Frugi am 7. Januar 2022, 10:58 Uhr

@vodef72:

Nach der Finanzkrise 2008 habe ich den Run in die Sachwerte schon gesehen. In Folge sehen wir die Vermögeszuwächse bei denen die welche haben.

Das diese Überhitzungen jetzt alleine durch die Inflation wieder relativiert werden, ist ja wirklich extrem smart. Zinserhöhungen werden politisch ja gescheut wie der Teufel das Weihwasser.

Mit genug Fleisch auf den Knochen lässt sich da ja weiter gut surfen aber für die vermögenslosen Haushalte ist das schon sehr dramatisch. Viele Betroffene erfassen das "full picture" ja gar nicht. Der Soziale Sprengstoff ist enorm.

Und die wohlhabenden Sachwertbesitzer: Sicher vor Rücksetzter oder Crashs sind die auch nicht. Ist schon eine sehr gespenstische Gesamtgemengenlage zwischen Euphorie und dunklen Wolken am Himmel. Aber war das nicht irgendwie immer so?

Für manchen Hardcore Frugalisten, der an Ausgaben nichts mehr sparen kann heißt das wohl die Planung zu überdenken und nach oben anzupassen.

Ich habe mal das, was mich insbesondere in diesem Zusammenhang auch umtreibt, im Zitat gefettet. Das kann man, meine ich, gar nicht deutlich genug sagen. Und ein Zuviel an sozialem Sprengstoff ist einfach auch Gift für uns alle. Entweder direkt, weil zum Beispiel Mietausfälle in Größenordnungen drohen, oder eben auch indirekt, wenn Rücklagen aufgrund wirtschaftlicher Turbulenzen ihre Werthaltigkeit verlieren und beispielsweise das Sicherheitsgefühl subjektiv oder gar objektiv leidet.

Die von Dir angesprochenen Hardcorefrugalisten sind, so schien es mir hier das eine oder andere Mal, eine recht spezielle Klientel. Aber es ist schon so: Wer so spitz auf Knopf bei den Einnahmen UND bei den Ausgaben rechnet, muss dann wohl halt Flaschen sammeln. 😉

Als ich bei mir zu Hause vor drei Jahren ein Inselnetz aufgebaut habe, wurde ich viel belächelt. Jetzt bin ich derjenige der lacht.

Schon seltsam dass ein kleiner privatfuzzi sich komplett von der öffentlichen Versorgung abtrennt und trotz Einmalanschaffung von diverser Technik seinen eigenen Strom nun günstiger produziert und speichert als es der Staat kann. Ich habe einmal 15.000€ investiert und habe nun min. 20 Jahre lang keine Kosten mehr - weder für Wasser, Abwasser, Heizung, noch für Strom...

Das sind letztlich mit etwas Wartungskosten etc. knapp 100€ im Monat (für 3 Haushalte!!!)

ich denke, dass vor allem Strompreise derzeit auf ein Niveau klettern wo sich potenziell deutlich mehr Menschen mit solchen Systemen beschäftigen werden.

solarmodule sind zumindest gefühlt noch nicht teurer geworden, bei ebay gibt es 100 w solarmodule für 50-60 Euro, krass, ich hatte im Kopf das 100 w module knapp 100Euro gekostet haben, also es lohnt sich tatsächlich immer mehr

Man muss ja nicht so wie ich zum Extremisten werden - aber selbst eine speicherlose Anlage zur Eigenverbrauchsoptimierung lohnt sich ab dem ersten Tag und hat sich bei aktuellen Energiepreisen nach gut 10-maximal 15 Jahren amortisiert - wenn die Preise so weiter steigen, noch deutlich eher. Auch gibtbes mittlerweile lohnenswerte Mietmodelle für Leute die das Geld grad nicht auf Tasche haben. Für einen durchschnittlichen Haushalt reicht hier eine 3-5 KWP-Anlage. Fertig installiert mit Wechselrichter, Dachmonatge etc. durch Fachfirma kostet das derzeit im Mittel um die 1200-1500 pro KWP. Für die Einspeisung des Überschusses gibts ganz grob um die 6 Cent pro Kwh. Tendenz jedoch weiterhin fallend - wird also nebensächlich. Wer die baulichen Voraussetzungen hat ist doof, es nicht zu nutzen - es gibt nur wenige Fälle in denen sich das nicht finanziell"lohnt"