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Der Gebert Indikator

Zitat von bankenretter am 10. März 2020, 22:18 Uhr

Wäre jetzt kein guter Zeitpunkt für einen Kauf?

@Fritz - hast Du weitere Informationen zur Kurzfristanalyse?

Wenn der DAX unter den Einstiegspunkt fällt, also niedriger notiert als zu dem Zeitpunkt, an dem er in das letzte Kaufsignal gewechselt hat, kann man durchaus nochmal nachkaufen. Das ist nicht grundsätzlich falsch. Was ich allerdings festgestellt habe ist, dass ein späterer Nachkauf problematisch sein kann, wenn der DAX nach dem letzten Kaufsignal schon eine Weile gestiegen ist und einen mehr oder weniger heftigen Rücksetzer erleidet. Das kann dann ins Auge gehen (wie 2015).

Zur Kurzfristanalyse: Inwiefern die wirklich funktioniert vermag ich (noch) nicht zu beurteilen. Ich möchte daher weder das eine noch das andere behaupten. Ich kann nur die grundlegende Funktionsweise erklären. Möge sich also jeder seine eigene Meinung dazu bilden...

Um sie zu verstehen, sollte man sich ein wenig mit der Candelstick-Charttechnik auskennen, ohne die funktioniert es nicht. Darauf werde ich aber jetzt nicht näher eingehen. Der Grundgedanke ist, dass der DAX (bzw. auch alle anderen Aktienmärkte), regelmäßig zwischen Optimismus und Pessimismus hin- und her pendeln, und zwar unabhängig davon wie der grundlegende Trend verläuft. Ziel ist es die Extremwerte zu finden und zu nutzen. Im Mittel lässt sich dadurch eine Abweichung von ca. +/- 5% vom Mittelwert (der Kurse) ausnutzen. Das ist bereits so viel, wie der DAX in einem Jahr etwa an Gewinn macht. Man benutzte die Candelsticks auf Tagesbasis. Die Abstände der Extremwerte, also zwischen überbordenden Optimismus und Pessimismus liegen bei etwa 13 bis 17 Tagen. Neben diesem zeitlichen Abstand muss man nun auf nach zwei Dingen Ausschau halten:

Bei steigenden Kursen auf eine oder mehrere große „grüne“ Kerzen, die sich über mehr als 100 Punkte erstrecken und auf sogenannte große Fenster nach oben, also eine große Lücken im Kursverlauf. Letzteres zeigt an, dass bereits zu viele gekauft haben. Zusätzlich kann noch ein charttechnisches Signal herangezogen werden, also z.B. der Durchbruch einer alten Widerstandslinie. Hat man ein solches Muster gefunden, kann man in etwa abschätzen, wann der nächste Extremwert (hier ein Hoch), kommen wird. Ab diesem Zeitpunkt sollte man dann verkaufen und evtl. short gehen. Im Abwärtstrend funktioniert das genauso nur eben mit "roten" Kerzen und Fenstern nach unten.

Zu beachten ist: Es gibt zwei verschiedene Arten von „Fenstern“. Diejenigen, die in die gleiche Kursrichtung auftreten und diejenigen, die nach einer Wende in eine neue Richtung auftreten. Die ersten müssen als Warnhinweis gedeutet werden. Wenn z.B. der Kurs schon längere Zeit fällt und dann in diese Abwärtsrichtung ein Fenster auftritt, spricht dies eher für eine weitere Abwärtsbewegung. Die Zweiten sprechen für eine Gegenbewegung die i.d.R. vier Tage anhält. Wenn z.B. eine lange Abwärtskerze auftritt und danach ein Fenster in steigende Richtung, werden die Kurse noch einige Tage nach oben gehen.

Ich habe mit dieser Methode den letzten Hochpunkt im Februar ziemlich genau erwischt. Allerdings leider zu wenig verkauft 🙁 Aber egal... Ob das Zufall war, oder die Technik sich auch auf lange Sicht bewährt ist eine andere Frage. Entscheidend ist, wie bei jeder Strategie, das Zusammenspiel von Trefferquote und Gesamtrendite. Die Nachprüfung einer solchen Strategie ist sehr aufwändig, da diese im Vergleich zu anderen, relativ viele Signale generiert. Da hat man also viel zu tun....

Um es genau zu verstehen kannst du dir auch nochmal das Video mit dem Interview von Gebert anschauen, da hat er es nochmal erklärt (ca. 1. Drittel) oder auch auf seiner eigenen Seite in den Blogeinträgen gebertbrief.de. Wenn du dich weiter mit der Thematik auseinandersetzen willst, dann hat er auch ein Buch dazu heraus gebracht. Es heißt direkt "Kurzfriststrategie". Einfach mal googeln.

Chart-Technik ist grundsätzlich Humbug. Man kann den Humbug geschickt verpacken, mathematisch verklausulieren, es kompliziert darstellen und in der Aussage auf einen engen Bereich begrenzen - aber wenn man die Verpackung wieder entfernt und das Grundgerüst analysiert, bleibt wieder Humbug übrig bzw. er tritt offensichtlich zu Tage.

Mir ist klar, dass Du mich jetzt wieder für einen Spinner hältst, der nur rumkrakelen will - geschenkt. Um zu verstehen, dass ich Recht habe, muss man aber nur den Wiki-Artikel zum Gebert-Indikator lesen, speziell diesen Abschnitt:

https://de.wikipedia.org/wiki/Gebert-Indikator#Nachteile_und_Grenzen

Zitat: Eine nicht beeinflussbare Gefahrenquelle ergibt sich des Weiteren durch die EZB.

Heißt im Umkehrschluss, dem Index ist für das Ereignis {EZB ändert sein Verhalten} in der Nullhypothese ein Erwartungswert gegen Null zugewiesen worden. Wenn die EZB also nicht mehr so handelt, wie prognostiziert, ist die These/Zuverlässigkeit des Index Geschichte. Und das ist nur eins von reichlich vorhandenen Stellrädchen, an dem die Zuverlässigkeit des Index scheitern kann.

Mir ist auch klar, dass ich dafür jetzt wieder viel Dresche kriege, aber meine Aussage steht: Chart-Technik ist und bleibt verklausulierter Humbug, den die allermeisten Anleger nicht kapieren. Dabei ist das noch nicht mal Finanzpornografie, sondern eher Finanz-Esoterik. Das Grundproblem ist auch immer das gleiche - man kann in den Kopf der Anleger nicht reingucken und das Verhalten ergo nicht mathematisch fassen/prognostizieren. Es sei denn ... das silicon-valley erstellt aus social-media-Verhalten der Investoren Daten, die eine online-Analyse zum Investitionsverhalten der Anleger ermöglichen und lässt das sekündlich (!) in den Index einfließen.

Das perfide ist - das ginge vermutlich sogar schon. Wenn das realisiert wäre, würde ich mich auch geschlagen geben. Dann haben wir aber ein ganz anderes Problem.

Ranga Yogeshwar hält dazu ganz interessante Vorträge, sind auch auf YT verfügbar.

Zitat von MFZ73 am 12. März 2020, 0:52 Uhr

Mir ist auch klar, dass ich dafür jetzt wieder viel Dresche kriege, aber meine Aussage steht: Chart-Technik ist und bleibt verklausulierter Humbug, den die allermeisten Anleger nicht kapieren.

Mein Gedanke dazu: Würde Charttechnik für mich als Privatanleger nachhaltig funktionieren, dann würde es sofort massiv und automatisiert genutzt, bis die so entstehenden Kursauswirkungen den Grenznutzen der ganzen Aktion auf 0 drücken und die Technik für mich nicht mehr funktioniert. Gilt auch für alle anderen Versuche von Kursvorhersagen. Falls es doch funktioniert, an welcher Stelle irre ich dann?

Nicht nachhaltig funktionieren schließt aber nicht aus, dass jemand nicht auch immer wieder Erfolge hat, oder dass der "Misserfolg" zu einer immer noch ordentlichen langfristigen Rendite führt.

 

@mfz73 Danke, dass du mich zitierst, ich habe diesen Wiki-Artikel geschrieben und die Aussagen stehen nicht im Gegensatz zu dem, was ich hier veröffentlicht habe. Es ist aber interessant, was du da alles hinein interpretierst. Grundsätzlich geht es in dem Wiki-Artikel darum, dass die EZB allgemein eher spät handelt und daher der Gebert-Indikator auch spät umschaltet, obwohl die Kurse schon wieder anziehen. Die FED ist im Vergleich dazu wesentlich proaktiver und handelt eher im Hinblick auf Wirtschaftswachstum und weniger mit der Zielsetzung der Stabilität, wie die EZB.

 

Allgemein bin ich auch kein Freund der Charttechnik. Der einzige Grund warum ich mich damit beschäftige ist, weil ich gewissermaßen "angefixt" von den Theorien des Herrn Gebert bin. Als einziger, den ich kenne, hat er bisher Recht behalten und zwar nicht nur mit irgendwelchen Allgemeinplätzen à la "buy and hold; und der Markt ist nicht zu schlagen...", sondern mit handfesten und erprobten Strategien.

Es gibt an den Aktienmärkten einige Dinge, die niemand genau erklären kann. Nach der Theorie der effizienten Märkte dürfte es zum Beispiel überhaupt keine saisonalen Abweichungen geben, zumindest nicht für länger Zeit. Es gibt sie aber und zwar schon seit dem es Aktienmärkte gibt - weltweit. Keiner kann das erklären, nicht einmal echte Wissenschaftler.

Gebert untersucht seit Jahrzehnten solche Abweichungen, um sie gewinnbringend zu nutzen. Natürlich hat auch er keine Erklärung dafür, aber das ist auch nicht sein Ziel. Es erscheint mir daher lohnenswert da mal genauer hinzuschauen.

Zitat von Fritz am 11. März 2020, 15:57 Uhr
Zitat von bankenretter am 10. März 2020, 22:18 Uhr

Wäre jetzt kein guter Zeitpunkt für einen Kauf?

@Fritz - hast Du weitere Informationen zur Kurzfristanalyse?

Wenn der DAX unter den Einstiegspunkt fällt, also niedriger notiert als zu dem Zeitpunkt, an dem er in das letzte Kaufsignal gewechselt hat, kann man durchaus nochmal nachkaufen. Das ist nicht grundsätzlich falsch. Was ich allerdings festgestellt habe ist, dass ein späterer Nachkauf problematisch sein kann, wenn der DAX nach dem letzten Kaufsignal schon eine Weile gestiegen ist und einen mehr oder weniger heftigen Rücksetzer erleidet. Das kann dann ins Auge gehen (wie 2015).

Das letzte Kaufsignal war im Nov 2018 bei ca. 11.400 - heute steht der Dax wieder unter 10.000 mit starker Abwärtsdynamik und es ist noch keine Bodenbildung in Sicht. Ich warte noch ein wenig aber bei 8.xxx starte ich zu kaufen.

Danke für die ersten Infos zur Kurzfristanalyse - werde mich da mal einlesen.

Bleibt gesund!

Zitat von Fritz am 12. März 2020, 7:35 Uhr

@mfz73 Danke, dass du mich zitierst, ich habe diesen Wiki-Artikel geschrieben und die Aussagen stehen nicht im Gegensatz zu dem, was ich hier veröffentlicht habe. Es ist aber interessant, was du da alles hinein interpretierst.

Wenn das stimmt, dass Du den Artikel geschrieben hast, dann ist das ein klassischer Schleifenschluss - der hält keiner wissenschaftlichen Überprüfung stand, weil die Quellen nicht unabhängig sind. Ist in der Esoterik aber völlig normal und damit nur ein weiterer Beweis, dass Charttechnik nicht funktioniert.

An Deiner Stelle würde ich den Artikel dann einfach löschen.

Zitat von TheWanderer am 12. März 2020, 4:35 Uhr

Mein Gedanke dazu: Würde Charttechnik für mich als Privatanleger nachhaltig funktionieren, dann würde es sofort massiv und automatisiert genutzt, bis die so entstehenden Kursauswirkungen den Grenznutzen der ganzen Aktion auf 0 drücken und die Technik für mich nicht mehr funktioniert. Gilt auch für alle anderen Versuche von Kursvorhersagen. Falls es doch funktioniert, an welcher Stelle irre ich dann?

An keiner. Das ist genau das Problem bei Charttechnik. Du kriegst das in die Leute aber nicht rein, weil die in ihrem Gedankenkonstrukt gefangen sind. In sich ist die Logik-Schleife schlüssig, deshalb fällt das dann vielen Nutzern nicht auf. Objektiv bzw. von außen betrachtet, geht die Nummer aber nicht auf. Und wenn es stimmt, dass Fritz den Wiki-Artikel tatsächlich selbst geschrieben hat - dann ist spätestens Zeit, sich ernsthafte Gedanken über die Verwendung zu machen.

@mfz73 Entschuldigung, aber deine Argumentationen ergeben keinen Sinn. An welcher Stelle habe ich denn einen Zirkelschluss? Alles was ich dort geschrieben habe, stammt nicht von mir, sondern aus entsprechenden Quellen, die dort auch verlinkt sind. Wikipedia ist ja eine Enzyklopädie und kein Selbstdarstellungsforum für eigene Theorien.

Zitat von Fritz am 13. März 2020, 12:16 Uhr

@mfz73 Entschuldigung, aber deine Argumentationen ergeben keinen Sinn. An welcher Stelle habe ich denn einen Zirkelschluss? Alles was ich dort geschrieben habe, stammt nicht von mir, sondern aus entsprechenden Quellen, die dort auch verlinkt sind. Wikipedia ist ja eine Enzyklopädie und kein Selbstdarstellungsforum für eigene Theorien.

Keiner der links ist mit auch nur einer Aussage im Text verknüpft. Also Kasperei.

Die Frage ist, wie lange Du auf diesem Niveau mit mir diskutieren willst. Mein Interesse hält sich derweil in Grenzen - der Indikator an sich interessiert mich nicht, Gebert als Person scheint ebenfalls nicht besonders interessant, die Tatsache, dass Du Dich selbst als "angefixt" bezeichnet hast, ergänzt das Bild.

@mfz73 Sorry, für meine inkorrekte Ausdrucksweise. Ich meinte natürlich Quellen, was die Links und die Literaturangaben einschließt.

Was meintest du mit "auf diesem Niveau"? Ich glaube du hast damit angefangen, mir Humbug, Zirkelschlüsse und Esoterik zu unterstellen. Also, was soll das...?

Weil Charttechnik nun mal Esoterik ist. Habe gestern mal bisschen gegoogelt und finde prompt Nachfragen in Foren, warum Gebert mit verschiedenen Inflationsraten arbeitet bzw. offizielle Inflationsraten nicht berücksichtig und andere verwendet. Habe aber weder Bock noch Zeit, mir jetzt 3 Bücher und 20 Videos reinzuhämmern, um das auf Plausi zu prüfen. Dazu auch Folgendes:

https://www.nextmarkets.com/de/handel/glossar/gebert-indikator

Die Geldpolitik hat sich im Zuge der Finanzmarktkrise weltweit verändert. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass eine andere Bedeutung der Euro-Dollar-Relation oder eine sehr lockere Geldpolitik künftig den Indikator und seine Treffgenauigkeit beeinflussen werden.

usw. usf.

Abgerechnet wird natürlich am Jahresende, aber Stand jetzt hat der GI nicht vor dem vollen Mitmachen dieses Absturzes geschützt.

Das war aber die grundsätzliche Idee, oder? Starke Einbrüche möglichst meiden und steigende Phasen möglichst mitzunehmen.

 

Der Gebertindikator enthält keinen Faktor eines externen Schocks (Pandemie).

Das Backtesting ging bis in die 60er Jahre und berücksichtigt nur Einflussfaktoren, die systemimmanent sind.

Daher sollte man ihn bis zur Bewältigung der Pandemie aussetzen.

Achte auf deine Gedanken! Sie sind der Anfang deiner Taten.

Gebert-Indikator für April 2020:

Leitzins (gesenkt): 1

Jahreszeit (Nov.-Apr.): 1

Inflation 1,2 (Vorjahr 1,5): 1

Dollar 0,9127 € (Vorjahr 0,8900 €): 1

Gesamt: 4 Punkte (Kauf/Halten)

Zur Abwechslung mal eine gute Nachricht: Der Gebert-Indikator gewinnt den Inflationspunkt zurück und schaltet damit wieder einen Gang hoch auf 4 Punkte. Auch für den Mai sieht es gut aus. Die Inflation wird voraussichtlich weiter sinken und das Kaufsignal bleibt uns erhalten.

Angesichts der dramatischen Ereignisse im Februar und März hier nun mal ein paar grundsätzliche Dinge: Der eine oder andere mag sich sicher fragen, ob wir hier vielleicht den Beweis haben, dass der Indikator nicht funktioniert?! Zunächst einmal sei angemerkt, dass der Indikator nur sehr träge reagiert. Da er nur einmal im Monat berechnet wird, kann er solche plötzlichen Ereignisse von vornherein gar nicht abbilden. Es ist eben ein Instrument für Langfrist-Anleger.
Des Weiteren erfasst er nur wirtschaftliche bzw. finanztechnische Größen. Mit Corona haben wir es jedoch mit einer Art Naturkatastrophe zu tun, also ein Ereignis, dass seinen Ursprung nicht in der Wirtschaft oder finanzpolitischen Entscheidungen hat, sondern von "außen" auf die Wirtschaft einwirkt, wie ein Erdbeben, Tsunamie oder Meteoriteneinschlag. Da stellt sich die Frage: Wäre es angesichts der massiven Auswirkungen auf den Finanzmarkt daher nicht angebracht einen Teilindikator mit einzubeziehen, der solche Ereignisse abbildet? Wer die Bücher und Artikel von Thomas Gebert gelesen hat, der wird wissen, dass er selbst die kuriosesten Daten für die Entwicklung seines Indikators betrachtet hat. Dinge wie z.B. Sonnenflecken oder klimatische Größe. Zugegeben, bisher hatten wir noch keine weltweite Katastrophe, die fast alle Nationen gleichermaßen derart getroffen hat. Die Auswirkungen auf die Wirtschaft, sind langfristig aber vermutlich weniger schlimm, als man das im Augenblick vermuten würde. Die Basis für steigende Aktien ist nach wie vor gegeben und hat sich durch die politischen Maßnahmen sogar verbessert. Einen Teilindikator für Naturkatastrophen zu implementieren bringt höchstwahrscheinlich nichts, sonst hätte es Hr. Gebert sicher getan.

Blickt man in die Historie des Indikators, so findet man aber durchaus ähnlich krasse Turbulenzen, die während einer Investitionsphase aufgetreten sind. Bsp.: während der Finanzkrise wurde am 01.11.2008 ein Kaufsignal ausgelöst. Kurz danach verzeichnete der DAX ein Minus von 22%, bevor es wieder bergauf ging. Ähnlich sah es 1986 aus. Am 01.12.1985 wurde ein Kaufsignal ausgelöst. Der (zurück gerechnete) DAX stieg zunächst kontinuierlich bis in den April 1986 an. Die Katastrophe von Tschernobil schickte dann jedoch die Börse für 3 Monate auf Talfahrt. Insgesamt 21% haben die Kurse nachgegeben, bevor es wieder bergauf ging. Es lassen sich noch zahlreiche ähnliche Entwicklungen finden. Am Ende hat es aber dann meistens doch für einen satten Gewinn gereicht. Ich bin überzeugt, dass wir sehr bald eine deutliche Erholung sehen werden. Der jetzige Zeitpunkt eignet sich aus meiner Sicht sehr gut für Nachkäufe.

An der Stelle sei nochmal angemerkt, dass der Indikator nicht grundsätzlich vor Crashs schützt. So funktioniert das System leider nicht. Es wird eine langfristige Überperformance erzeugt, indem die meisten Crashs und Bärenmärkte, - die finanztechnisch und wirtschaftlich auch erfassbar sind - vermieden werden. Es ist also etwas für Marathonläufer und nichts für Angsthasen 😉 Wer Angst hat soll Stop-Loss Marken setzen (allerdings funkioniert damit der Indikator nicht.)

Gebert-Indikator für Mai 2020:

Leitzins (gesenkt): 1

Jahreszeit (Nov.-Apr.): 0

Inflation 0,7 (Vorjahr 1,4): 1

Dollar 0,9195 € (Vorjahr 0,8914 €): 1

Gesamt: 3 Punkte (Kauf/Halten)

Saisonbedingt fällt ein Punkt weg und mit 3 Punkten bleibt das Kaufsignal erhalten. Trotz anhaltend schlechter Nachrichten zeigen sich die Aktienmärkte erstaunlich robust. Der DAX hat seit seinem Tiefpunkt im März schon wieder ca. 30% gut gemacht. Vieler Orts liest man jedoch, dies sei nur eine vorübergehende Erholung und es wird immer wieder von einer Bärenmarkt-Rallye gesprochen, in der wir uns gerade befinden.
Das die Aktien nach oben gehen ist kein Mysterium! Der Dollar, als "Taktgeber" der weltweiten Finanzmärkte, ist nach wie vor sehr stark, sogar noch stärker als vor Beginn der Corona-Krise. In der Eurozone ist der Inflationsindex deutlich gefallen und wird voraussichtlich auch im April nochmal um einiges zurück gehen. Zu verdanken haben wir dies insbesondere dem historischen Preisverfall beim Öl und dem Nachfragerückgang, der durch den Shutdown ausgelöst wurde. Hinzu kommt, dass in den USA auch die FED ihren Leitzins auf null gesenkt hat. All diese Ereignisse und Maßnahmen, sind "Brennstoff" für die Aktienmärkte, und es unterscheidet die aktuelle Krise auch von den früheren, die nach den Crash geradewegs in einen Bärenmarkt übergingen. Bestes Bsp. ist die Weltwirtschaftskrise 1929. Diese wurde damals noch zusätzlich verschärft, da die Notenbanken genau das Falsche machten und die Geldmenge verknappten. Es folgte eine Deflation mit den bekannten Erscheinungen. Ebenfalls hat man nach dem Platzen der Dotcom-Blase den Leitzins angehoben, was schließlich in einen Bärenmarkt und eine Rezession führte. Offensichtlich hat man nun aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und die Notenbanken pumpen jetzt mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln Geld in den Markt. Daher glaube ich auch nicht, dass wir noch sehr viel tiefere Kurse sehen werden. Der Verkaufsdruck ist bereits raus und die schlechten Nachrichten sind bekannt und eingepreist. Man kann sich ja nicht ewig fürchten. Der Ölpreis wir wohl noch eine ganze Weile im Keller bleiben und damit wird auch die Inflation in den nächsten Monaten wohl nicht wirklich ansteigen. Der Gebert-Indikator wird auf jeden Fall noch eine ziemlich lange Zeit auf grün bleiben.

Gebert Indikator hin oder her - sehe ich auch so

Ich gebe zu Bedenken, dass der Gebert Indikator unter bestimmten wirtschaftlichspolitischen Rahmenbedingungen entwickelt wurde,

die aktuell völlig ausgehebelt wurden, und zwar weltweit. Sofern morgen sämtliche Einsperrungen aufgehoben werden würden,

könnte man es wie Fritz sehen. Wegen der Unsicherheiten über den weiteren Verlauf (erneuter Lock Down, zeitliche Streckung, Dominoeffekt)

ist das Risiko sehr hoch, dass die vier Faktoren (Währung, Inflation, Zins, Wetter) nicht mehr verlässlich sind.

Selbstverständlich kenne auch ich die Wahrheit nicht, aber ich empfehle bis zur Klärung der Virusfrage den Gebertindikator nicht zu nutzen.

Mich erreichten in dieser Woche bereits mehrere Nachrichten über Betriebsschließungen, die z.B. am Tropf der Flugbranche hängen.

Maßgebliche Akteure am Markt können schlicht nicht von den genannten Marktfaktoren Gebrauch machen.

Wir werden wahrscheinlich das mit Zeitverzug in den Banken sehen, welches eine Kettenreaktion zur Folge hat, von China und EM ganz zu schweigen.

Man kann meiner Sicht fehlenden Mut unzerstellen. Ich halte sie für risikobewußt und rational. Indikatoren dürfen nie ohne Verstand genutzt werden.

Achte auf deine Gedanken! Sie sind der Anfang deiner Taten.

Diese Bedenken sind natürlich vollkommen gerechtfertigt. Man kann grundsätzlich keinem Indikator und keiner Anlagestrategie eine Funktionsfähigkeit bis in alle Ewigkeit unterstellen, da sich Märkte, Marktmechanismen und ganze Wirtschaftsgefüge ändern können. In die Zukunft kann aber niemand blicken und demzufolge sind ausnahmslos alle Strategien und Indikatoren auf Erkenntnissen der Vergangenheit aufgebaut. Einige spiegeln dabei nur statistische Muster wider, andere fangen tatsächliche Abhängigkeiten ein. Diese Abhängigkeiten der (Teil-)Märkte sind tatsächlich z.B. zwischen Dollar und Aktienmärkten oder zwischen Zinsen und Aktienmärkten gegeben.
Selbstverständlich ist aufgrund der aktuellen außergewöhnlichen Lage Vorsicht geboten. Allerdings würde ich von einem komplette Versagen des Indikators nicht sprechen. Ob er man den Indikator weiter nutzt oder nicht, sollte jeder selbst entscheiden. Ich persönlich nutze Ihn dennoch weiter und ich kann das folgendermaßen begründen: Zunächst einmal sind wir zwar in einer außergewöhnlichen Krise, unser Wirtschaftsgefüge hat sich jedoch nicht geändert. Wir haben nach wie vor eine globalisierte kapitalistisch-marktwirtschaftliche Wirtschaftsordnung in der der Dollar maßgebend für alle nachfolgenden Märkte ist (Devisen, Anleihen, Aktien, Rohstoffe, usw.). Unser Geldsystem hat sich nicht geändert. Nach wie vor haben wir ein von den Zentralbanken geleitetes Geldschöpfungssystem. Wir haben jetzt weder den Kommunismus eingeführt, noch ist irgendein Land zur Golddeckung zurückgekehrt, noch stellen die Chinesen nun plötzlich die neue Leitwährung. Von daher haben sich die Abhängigkeitsmechanismen nach wie vor die gleichen wie vor der Krise und es gibt auch keine Anzeichen, dass sich das in absehbarer Zeit grundlegend ändert.
Des Weiteren stellt sich die Frage: Braucht der Gebert-Indikator überhaupt einen Mechanismus, der Naturkatastrophen und dergleichen einfängt? Solche Ereignisse sind nichts neues, sie hat es immer schon gegeben. Ölkrise, (Welt)Kriege, Seuchen, Vulkanausbrüche, Erdbeben, der Zusammenbruch der Sowjetunion und des gesamten Ostblocks. Insbesondere die Spanische Grippe, war ebenfalls eine weltweite Pandemie, die noch viel krasser wütete, als wir das in der Corona-Krise bisher erlebt haben. Wir haben wahrlich schon schlimmere Ereignisse in den letzten 100 Jahren erlebt, als dass was wir jetzt haben. Von den beiden Weltkriegen und dem daraus folgenden Zusammenbrüche mehrerer Staaten ganz zu schweigen.
Diese Dinge waren aber zum Zeitpunkt der Konstruktion des Indikators (Anfang der 1990er) alle bekannt. Wäre es sinnvoll gewesen eine K"Katastrophen-Teilindikator" in das System mit einzubauen, hätte es Herr Gebert sicherlich getan. Dass die Kurse zeitweilig deutlich unter den Einstiegspunkt falle ist auch nichts neues. Ein gutes Beispiel, dass wir in dem Zusammenhang betrachten können, ist die Katastrophe von Tschernobyl: Der Gebert-Indikator hätte im Dezember 1985 ein Kaufsignat ausgelöst. Von da an ist der DAX stetig nach oben gelaufen vonetwa 1250 Punkten auf einen Höchsstand von 1586 Punkten. Das waren 27% Gewinn in 5 Monaten! Am 26.04.1986 kam es dann zur bekannten Katastrophe und die Kurse gingen 3 Monate, bis zum 22. Juli 1986 in den Keller, wo der DAX seinen Tiefststand von 1248 Punkten erreichte. Das waren 21% Verlust! Der Gebert-Indikator hat natürlich auch diese Katastrophe nicht "eingefangen" und ist nach wie vor auf grün geblieben. Heute wird Tschernobyl gern als "lokale" Katastrophe gesehen, aber es war tatsächlich viel schlimmer als z.B. Fukushima. Der Reaktor ist förmlich explodiert und die damalige Sowjetunion war technisch und organisatorisch mit der Situation vollkommen überfordert. Es hätte sich also ebensogut ausweiten können und ganz Europa in die Katastrophe hineinziehen können. Das aber nur am Rande.
Im weiteren Verlauf ist der DAX aber dann wieder nach oben gedreht und das Verkaufsignal kam erst im Juni 1987 mit einem Gewinn von 6,15 %. Auch in der aktuellen Lage kann es selbstverständlich noch zu weiteren Korrekturen und Abwärtsbewegungen kommen. Aber das Gesamtsystem hat sich nicht geändert. Spätestens wenn ein Impfstoff auf den Markt kommt - und das ist nur eine Frage der Zeit - wird die Wirtschaft wieder zur Normalität zurückkehren. Aktuell sehe ich daher keinen Grund, warum der Indikator "ausgesetzt" werden sollte. Wer den Indikator benutzt sollte sich sowieso darüber im Klaren sein. Dass es ein recht "ungenaues" und auf Langfristinvestition ausgelegtes Instrument ist. Heftige Drawdowns hat es immer wieder gegeben. Man sehe sich den Kursverlauf des DAX und die zugehörigen Gebert-Investitionsphasen mal genau an. Beispielhaft sein da das Jahr 2015/2016 zu nennen. Der DAX hatte hier im April einen Höchststand von 12.374 Punkten erreicht und ist danach bis zum 11.2.2016 bis auf 8.752 Punkte in einen Bärenmarkt übergegangen. Das sind 10(!) Monate und 30% Verlust. Der Gebert stand dabei die ganze Zeit auf "grün" und hat erst am 02.05.2016 ein Verkaufssignal ausgelöst. Der Gewinn der gesamten Investitionsphase betrug dabei dennoch 71% ! (2012-2016)
Wer den Indikator benutzt, der muss sich über diese Eskapaden im klaren sein, ganz gleich warum diese auftreten. Wem das zu heftig ist, der muss ihn nicht benutzen.