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Am Anfang des Weges und ohne Plan

Zitat von Muslime_Frugi am 11. November 2020, 13:56 Uhr

@Wanderer: Wenn er 3 vergleichbare Wohnungen aufweisen kann darf er auch über den Mietspiegel hinaus erhöhen. Zumindest mein Wissensstand.

Stimmt, geht auch. Drei andere Wohnungen in der Gegend mit Miete deutlich über dem Mietspiegel können aber wahrscheinlich auch nur wenige private Vermieter vorweisen.

Zitat von TheWanderer am 11. November 2020, 15:06 Uhr
Zitat von SIX am 11. November 2020, 13:58 Uhr

Hi -

@The Wanderer: Danke für deine Erläuterung

Zur Immo: Cashflow ist deutlich positiv. Nicht umlegbare Kosten der Immo sind relativ gering und werden sogar größtenteils über eine vermietete Immobilie getragen, die vor einigen Jahren der Eigentümergemeinschaft vererbt wurde. Wertverlust hat die Immobilie nicht. Pro Jahr steigen dort die Preise je m2 um aktuell 7-9%. Neue Heizung, neues Dach, neue Fenster, gepflegtes Objekt. Bzgl Steuern hast du ja bereits einiges erwähnt, was angesetzt werden kann. Wer sich etwas auskennt bzw. einen guten Steuerberater hat, der wird noch weitere Positionen kennen, die man steuerlich abschreiben kann.

Was Leerstand, Mietausfall und meine eigene Leistung angeht hast du natürlich Recht. Andererseits habe ich wie gesagt auch keine Mieterhöhung einberechnet, die ja nach Mieterwechsel durchaus realistisch ist. Ehrlichgesagt wurde mir die Wohnung förmlich aus den Händen gerissen. Innerhalb eines Tages hatten wir etwa 50 Anfragen samt vollständiger Dokumentation und Nachweisen.

Die Wohnung war ein Glücksfall... den man wohl mittlerweile so nicht mehr bekommt.

OK, ich glaube wir denken hier einfach in verschiedenen Zeiträumen. In den nächsten Jahren mag an Instandhaltung nichts anfallen, in größeren Zeiträumen sind Instandhaltung des Sondereigentums wie Fenster (je nach Teilungserklärung), Türen, Fußböden, Bad, Elektrik usw. aber natürlich regelmäßig fällig und anzusetzen. Die Instandhaltung  des Gemeinschaftseigentums rechnet ihr euch künstlich günstig, in Wirklichkeit besitzt du dann nicht 1 sondern 1,x Wohnungen in der WEG, das ist natürlich nicht grad der Standardfall. Die Mietersituation mag aktuell gut sein, kenn ich auch so von meiner Wohnung. In meiner Familie wird seit den 70ern ein Mehrfamilienhaus vermietet, ich kenne daher den Schweinezyklus. In 50 Jahren haben sich Zeiten, wo sie einem die Bude einrennen, und Zeiten, wo keiner reagiert, schon mehrfach geweselt. Je mieterfreundlicher der Markt, desto häufiger wechseln tendenziell auch die Mieter (=Aufwand) und desto mehr musst du in Aufwertungen investieren, damit überhaupt noch vernünftige Interessenten anfragen. Ich wünsche dir, dass solche Zeiten so schnell nicht kommen, aber kalkulieren würde ich damit schon. Eine Wertentwicklung der Vergangenheit von 7-9% aus der Vergangenheit für die Zukunft ansetzen ist keine gute Idee. Realistisch kannst du bei ordentlicher Instandhaltung langfristig von einer mittleren Wertsteigerung in Höhe der Inflation ausgehen, sofern sich in der Mikrolage nichts ungewöhnliches ereignet. Kurzfristig über wenige Jahre kann es natürlich viel stärker rauf und runter gehn. Gute Lagen haben keine bessere Prognose als weniger gute.

Hallo Wanderer: Deine Ausführung unterschreibe ich absolut! Und ja, hast Recht, hätte man dazu schreiben sollen. Hatte ursprünglich nicht erwartet, dass die Wohnung zum Thema wird und daher nicht weiter ausgeführt. Ich bin auch noch nicht sicher, ob ich sie nachdem die 10 Jahre abgelaufen sind weiterhin behalte oder ob ich sie verkaufe aus den von dir genannten Gründen. Ich möchte gerne etwas breiter aufgestellt sein, daher tendiere ich aktuell noch dazu die Wohnung zu halten , wir werden sehen...

 

Zitat von SIX am 11. November 2020, 15:05 Uhr

... nicht MEINE Durchschnittsrendite ... Sondern eine Rednite, die unterhalb dessen liegt, was der Markt die letzten 30,40,50,60 und 70 Jahre an Performance geboten hat. ... die 7% ... Ist es ein realistischer Wert? Joa, ich denke schon!

7 % p.a. heißt eine Verdopplung des Kapitals in 10 Jahren ... d.h. gemäß DEINER Aussage binnen 70 Jahren eine Vervielfachung um den Faktor 10.000.000 ...

demnach müsste jeder, dessen Opa 1950 100 DM marktbreit in Aktien investiert hat, jetzt 500 Mio. Euro haben bzw. wenn der Opa in USA oder UK 100 USD bzw. Pfund investiert hat, USD- bzw. GBP-Milliardär sein!

Kannst Du uns nur noch erklären, warum es auf der Welt heute immer noch so wenige Milliardäre gibt???

Zitat von exit-tbd am 11. November 2020, 16:26 Uhr

7 % p.a. heißt eine Verdopplung des Kapitals in 10 Jahren ... d.h. gemäß DEINER Aussage binnen 70 Jahren eine Vervielfachung um den Faktor 10.000.000 ...

Wie kommst Du denn auf 10.000.000 in 70 Jahren? Verdopplung alle 10 Jahre bedeutet einen Faktor 2^7=128 in 70 Jahren...

1,07^70

Zitat von n am 11. November 2020, 16:52 Uhr

1,07^70

=10.000.000?

Bei mir kommt in Excel was anderes heraus:

Startkapital 100 DM, macht nach 70 Jahren bei 7% ca. 11.400 DM

Oder nach deiner Rechnung:

nach 10 Jahren Verdoppelung

nach 20 Jahren Vervierfachung

nach 30 Jahren Verachtfachung

nach 40 Jahren Versechszehnfachung

nach 50 Jahren Verdreiunddreissigfachung

usw. usf.

Zitat von Privatier am 11. November 2020, 18:08 Uhr
Zitat von n am 11. November 2020, 16:52 Uhr

1,07^70

=10.000.000?

Bei mir kommt in Excel was anderes heraus:

Startkapital 100 DM, macht nach 70 Jahren bei 7% ca. 11.400 DM

Oder nach deiner Rechnung:

nach 10 Jahren Verdoppelung

nach 20 Jahren Vervierfachung

nach 30 Jahren Verachtfachung

nach 40 Jahren Versechszehnfachung

nach 50 Jahren Verdreiunddreissigfachung

usw. usf.

Ah, jetzt hab ich´s: Die 10.000.000 sind im Binärsystem gerechnet, dann passts´s tatsächlich ... 🙂

Faktor 114 ist an sich aber auch schon nicht schlecht. Das mit den 70 Jahren könnte bei mir allerdings schwieriger werden, als die 7%...

„So würde ich in ca 8 Jahren mein Haus & die Mietwohnung abzahlen und ein Depot von ca 700.000€ erreichen (7% vorausgesetzt). Daraus könnte ich Einnahmen in Höhe von etwa 50k/Jahr generieren und wäre finanziell frei.“    Hallo, bei deinem Bericht schreibst du vom 1200€ pro Monat aber in der Entnahmephase werden als Ausgabe ein Vielfaches davon angenommen. Wodurch diese sehr starke Erhöhung oder hast du einfach dein jetziges netto als Ziel?

Zitat von exit-tbd am 11. November 2020, 16:26 Uhr
Zitat von SIX am 11. November 2020, 15:05 Uhr

... nicht MEINE Durchschnittsrendite ... Sondern eine Rednite, die unterhalb dessen liegt, was der Markt die letzten 30,40,50,60 und 70 Jahre an Performance geboten hat. ... die 7% ... Ist es ein realistischer Wert? Joa, ich denke schon!

7 % p.a. heißt eine Verdopplung des Kapitals in 10 Jahren ... d.h. gemäß DEINER Aussage binnen 70 Jahren eine Vervielfachung um den Faktor 10.000.000 ...

demnach müsste jeder, dessen Opa 1950 100 DM marktbreit in Aktien investiert hat, jetzt 500 Mio. Euro haben bzw. wenn der Opa in USA oder UK 100 USD bzw. Pfund investiert hat, USD- bzw. GBP-Milliardär sein!

Kannst Du uns nur noch erklären, warum es auf der Welt heute immer noch so wenige Milliardäre gibt???

puh... nach deinem ersten Beitrag wollte ich dir ja noch ein paar Buchtipps für absolute Börsenneulinge an die Hand geben, nach dem zweiten tendiere ich dazu dir ein Mathebuch aus der zweiten Klasse zu empfehlen.

Junge Junge Junge....

Zitat von Mitleser0815 am 11. November 2020, 22:10 Uhr

„So würde ich in ca 8 Jahren mein Haus & die Mietwohnung abzahlen und ein Depot von ca 700.000€ erreichen (7% vorausgesetzt). Daraus könnte ich Einnahmen in Höhe von etwa 50k/Jahr generieren und wäre finanziell frei.“    Hallo, bei deinem Bericht schreibst du vom 1200€ pro Monat aber in der Entnahmephase werden als Ausgabe ein Vielfaches davon angenommen. Wodurch diese sehr starke Erhöhung oder hast du einfach dein jetziges netto als Ziel?

Hi Mitleser,

Vielen Dank für deinen Beitrag und dein Interesse. Aktuell benötige ich etwa 1200€ für mich, das ist richtig . Aber... ich habe keine Kinder, mein Auto ist abbezahlt, meine Zähne sind gesund, das Haus, die Waschmaschine und die Küche sind neu etc. Das sind aber Investitionen, die wohl in Zukunft leider anstehen werden. Mit 50k/Jahr würde ich mich glaube ich mit diesen Gedanken im Hinterkopf ganz wohl fühlen und könnte mir den Sprung in die Freieheit vorstellen.

PS: Krankenversicherung und Steuern muss man auch immer im Hinterkopf haben

Hallo Six,

herzlichen Glückwunsch zu Deinen Erfolgen!

Bei Deiner Vorstellung hattest Du um Erfahrungen und Meinungen zu Deinen Plänen und Überlegungen gegeben. Gerne will ich hierzu schreiben, allerdings würde es mir helfen, wenn Du etwas genauer präzisieren könntest, wo Du noch Engpässe hast oder wo Du Dir noch einen Erfahrungsaustausch wünschst.

Beste Grüße

André

holy - schon wieder 8 Monate ins Land ohne Update ... also falls es jemanden interessiert, so schaut es aktuell aus:

 

Vermögen:

Aktiendepot : ca. 120.000 € vorwiegend ETFs

Haus: Verkehrswert geschätzt aktuell 550.000€ - Restschuld ca 30.000€

Mietwohnung: Verkehrswert geschätzt aktuell 165.000€ Restschuld ca 77.000€

Notgroschen: ca 10.000 Bar Reserve

 

Was ist also passiert: Ich habe einen der beiden Kredite meines Hauses komplett getilgt und zahle nun dort nur noch 400€ monatlich für die restlichen offenen 30.000€. "Ende 2022 kann ich diesen Kredit komplett tilgen was ich wohl auch machen werde um die monatlichen Belastungen zu minimieren. Offen werden bis dahin wohl dann noch etwa 20k sein, also sehr gut machbar.) Die Kosten fürs Wohnen werden sich ab dann also nur noch auf die reinen Nebenkosten beschränken abzüglich dem was die Solaranlage erwirtschaftet.

Für vorzeitige Tilgung des Hauskredites gilt wohl das gleiche wie für Sondertilgungen auf den Kredit der Wohnung: Das Geld wäre im Depot mit Sicherheit deutlich ertragreicher angelegt. Wenn ich jedoch den Hauskredit abbezahle und sich gleichzeitig meine Lebenshaltungskosten drastisch reduzieren, fühlt isch das für mich einfach gut an ... der Freiheit ein Stück näher . Alles Kopfsache , ich weiß!

Die Wohnung tilge ich weiterhin langsam mit der Miete ab und behalte monatlich noch etwas Spielgeld ein ggfs. für Reparaturen, Leerstände, Sanierung, Steuernachzahlungen oder ähnliches.

Das Depot entwickelt sich gut und ich konnte etwas umstrukturieren. Die mit Preisnachlass gekauften Mitarbeiteraktien konnte ich auf 3 Jahreshoch verkaufen und quasi direkt in ertragreichere und vor allem breit gestreute World ETFs umwandeln. Es verbleiben noch zwei weitere Einzelwerte im Depot, die ich aber wenn die Kurse günstig stehen auch verkaufen und in ETFs wandeln möchte.

Gefühlt nimmt die Depotentwicklung gerade richtig an Fahrt auf und rückt bei mir selber wieder deutlich stärker in den Fokus. Ich habe mir in den letzten acht Monaten einige Mehrfamilienhäuser und Wohnungen angeschaut. Am Ende hat sich fast alles als überteuerter Schrott herausgestellt. Da wo die Bausubstanz einigermaßen stimmte, lag woanders der Hase im Pfeffer (Nachbarschaftsstreit, absolut unterirdische Mietverträge, Wartungsstau im Gemeinschaftseigentum, Ratten, Mäuse und und und ). Da meine mittlerweile Verlobte und ich jeweils beide schon eine Wohnung besitzen ist zumindest eine gewisse Streuung unserer Anlagen gegeben. Daher habe ich wieder stärker in ETFs investiert und versuche dies auch weiterhin so zu tun. Die Portfolioperformance liegt aktuell deutlich über 10%.

Eine anstehende Steuerrückzahlung von etwa 7k werde ich wieder direkt ins Depot investieren, weiterhin laufen die Daueraufträge mit ca 1000€/Monat und ich möchte zusätzlich bis Dezember noch einmal 20k investieren um in jedem Fall am Jahresende mit 150k Depotwert abschließen zu können.

Ich fühle mich ganz gut auf Kurs auch wenn die Arbeit mich immer mehr anöded. Das ändert auch nicht die nächste Gehaltserhöhung um 5k. Aktuell denke ich mir jeden Tag "Durchhalten, nicht mehr lange!". Ich kann nichtmal sagen, dass mich der Job großartig belastet oder ähnliches, es macht halt einen keinen Spaß... als müsste man jeden Tag die Garage aufräumen. Bringt einen nicht um, nervt aber irgendwie. Glücklicherweise habe ich im Privatleben jede Menge Spaß, bin gesund und hab tolle Freunde und die schönste und beste Frau an meiner Seite, die ich mir wünschen kann. Daher hab ich keine Angst, dass mich der Job in irgendwelche Depressionen verfallen lässt.

 

Gedanken die mich aktuell umhertreiben sind

  • ETFs auf Kredit
  • Job in ein paar Jahren auf Teilzeit umstellen
  • Nebengewerbe aufbauen (da bin ich aktuell ganz gut dabei ... würde gerne mein Hobby zum nebenberuf machen)

Achja und mein Lieblingsgedanke:

  • Wenn ich es wirklich gar nicht mehr aushalte und mich alles annerft, dann verkaufe ich meine Immobilien und packe alles auf mein Aktiendepot. Von der Rendite meines aktuellen Depots und den zusätzlichen 520k€+X in ETFs könnte ich gut leben. Dann ab in den Süden und ein paar Jahre als Tauchlehrer / Fitnesstrainer arbeiten

 

 

Es Grüßt euch SIX !

 

Das mit dem Tauchlehrer rechne ich auch immer wieder,  aber irgendwann will / muss man wieder heim (Gesundheit, Angehörige), dann wär eine Wohnung nett.

das meine ich mit "Die Zeit spielt für mich/dich" - Wenn ich einen Job finde, der mich erfüllt, mir Spaß macht und gleichzeitig meine Lebenshaltungskosten (oder auch nur einen Teil davon) deckt, dann muss ich nicht an meine Kapitalrendite und kann die Erträge aus den ETFs weiterhin ungestört für mich arbeiten lassen, verstehst du?

Ich spare dann zwar nicht weiter aktiv an, nutze aber den Zinseszinseffekt voll aus. Bei einem Depot von 5-600k€ und einer durchschnittlichen Rendite von 8% (jaja, jetzt werden wieder einige Einspruch erheben, aber das hat der MSCI World in den letzten 35 Jahren nunmal erbracht auch im worst case) dann kommt da ganz schön was zusammen. Sagen wir also, dass du nur 5 Jahre als Fitness-, Yoga-, Kampfsport-, Fußball- whatever oder Tauchlehrer arbeitest, dann kommt da ganz schön was zusammen. Startet man also mit 600k€ und hat 8% Performance im Portfolio, dann ended man fünf Jahre später bei >880k€. Steuern und Inflation müsste man natürlich noch bereinigen.

Das stimmt schon, genauso steigen die Immo bzw Mietpreise,  das läuft ja genauso weg,  eine bezahlte selbst genutzte Wohnung in vernünftiger Grösse würd ich nicht aufgeben wollen. Vielleicht denke ich zu sehr mit Gürtel + Hosenträger.

 

 

Zitat von SIX am 29. Juni 2021, 14:51 Uhr

das meine ich mit "Die Zeit spielt für mich/dich" - Wenn ich einen Job finde, der mich erfüllt, mir Spaß macht und gleichzeitig meine Lebenshaltungskosten (oder auch nur einen Teil davon) deckt, dann muss ich nicht an meine Kapitalrendite und kann die Erträge aus den ETFs weiterhin ungestört für mich arbeiten lassen, verstehst du?

Ich spare dann zwar nicht weiter aktiv an, nutze aber den Zinseszinseffekt voll aus. Bei einem Depot von 5-600k€ und einer durchschnittlichen Rendite von 8% (jaja, jetzt werden wieder einige Einspruch erheben, aber das hat der MSCI World in den letzten 35 Jahren nunmal erbracht auch im worst case) dann kommt da ganz schön was zusammen. Sagen wir also, dass du nur 5 Jahre als Fitness-, Yoga-, Kampfsport-, Fußball- whatever oder Tauchlehrer arbeitest, dann kommt da ganz schön was zusammen. Startet man also mit 600k€ und hat 8% Performance im Portfolio, dann ended man fünf Jahre später bei >880k€. Steuern und Inflation müsste man natürlich noch bereinigen.

Ich wollte nur kurz sicherstellen, dass es bezüglich der durchschnittlichen Renditen und dem Ertrag, den du aus dem Portfolio sicher und verlässlich entnehmen kannst nicht zu einem Missverständnis gekommen ist. Du schriebst in vorherigen Beiträgen, dass du dann ca. 50k/Jahr entnehmen könntest und dich damit sicher fühlst, da möchte ich nur sichergehen, dass das Prinzip von einer sicheren Entnahmerate verstanden ist.

Als durschnittliche Rendite kann man durchaus mit den 8 % pro Jahr arbeiten, das ist nunmal in etwa der Wert, der historisch erreicht wurde. Ich rechne in meinen Prognosen in der Ansparphase mit niedrigeren Renditen in der Zukunft als es sie historisch gab und berücksichtige die Inflation, also nutze ich etwa 6 - 7 %, aber das kann ja jeder machen wie er mag. Es ist jedoch ein fataler Trugschluss dann für seine Entnahmeraten ab dem Zeitpunkt ab dem man von seinem Portfolio lebt ebenfalls mit diesem durchschnittlichen Wert zu arbeiten und zu sagen: mein Portfolio wächst im Schnitt 8 %, also kann ich in Zukunft aus z.B. 600k Portfolio jedes Jahr ca. 48k entnehmen.

So würde man mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit sein Portfolio recht schnell aufbrauchen und eben nicht sein ganzes restliches Leben davon leben können. Entnehme ich nämlich einen Wert der durchschnittlichen Rendite für meinen Lebensunterhalt jedes Jahr, auch wenn es eben gerade ein schlechtes Jahr mit unterdurchschnittlichen oder sogar negativen Renditen war, nehme ich dem Portfolio die Möglichkeit sich in den guten Jahren wieder entsprechend erholen zu können. Hier kommt das Prinzip einer sicheren Entnahmerate zum tragen. In der Trinity Study wurde ermittelt, dass bei einem Portfolio von Aktien und Anleihen in etwa 4 % des Startwertes des Portfolios, jährlich um die Inflation angepasst, jährlich entnommen werden können ohne, dass nach 30 Jahren das Portfolio aufgebraucht ist. Oberstes Ziel muss es ja sein sicherzustellen, dass nicht 20 Jahre nachdem man früher in Rente gegangen ist von dem Portfolio nichts mehr da ist.

 

In der Ansparphase kann man also durchaus die durchschnittliche Rendite nutzen um zu ermitteln wie sich das Portfolio in etwa entwickeln wird und wann man dann ca. seine Zielgröße für das Portfolio erreicht hat. In der Entnahmephase kann das Portfolio dann jedoch verlässlich nur eine jährliche Entnahme/"Verzinsung" von ca. 4 % verkraften, ohne dass man Gefahr läuft dass es aufgebraucht wird. Da Anleihen aktuell keine vernünftigen Renditen abwerfen (was sie in den Daten der Trinity Study taten) und die aktuellen Firmenbewertungen ebenfalls über dem historischen Durchschnitt liegen und somit zumindest theoretisch zukünftig niedrigere Renditen wahrscheinlich sind,  arbeiten manche sogar nur mit Entnahmeraten von 3 % - 3,5 %. Das kann aber natürlich jeder handhaben wie er mag und hängt von der eigenen Risikotoleranz ab und insbesondere davon wie die ersten Jahre der Entnahmephase an der Börse laufen, Stichwort Sequence of returns risk.

Bei einer Portfoliogröße von 600k kann man also grob mit einer sicheren jährlichen Entnahme von nur 24k rechnen.

 

*Ich habe es spaßes halber mal bei Cfiresim simuliert mit einem Portfoliostartwert von 600k, einer Entnahme von 48k jährlich und Gebühren für ETFs von 0,15 % ohne berücksichtigung von Steuern aber mit Inflation. Historisch hätte eine solche Entnahmerate nur in 43 von 121 Fällen funktioniert, also eine Quote von 35,5 %. Das wäre mir persönlich zu unsicher.

Sehr guter Beitrag! Vielen Dank, das habe ich hier im Forum schon wirklich lange vermisst, dass das jemand einmal vernünftig erklärt. Du hast natürlich Recht und ggfs. muss ich den Betrag von 600k auch nochmal überdenken. Was die 3-4% angeht gilt deine Ausführung allerdings nur wenn man konstant und durch alle Hoch- und Tiefphasen hindurch entnimmt. Wenn man nicht auf die volle Summe angewiesen ist und die Entnahme den Aktienkursen angleichen kann (also geringere Entnahme bei tiefen Kursen, höere Entnahme bei guten kursen), dann kann man durchaus im Schnitt über mehrere Jahre auch mehr entnehmen.

In meinem letzten Beitrag ging es mir in erster Linie darum zu verdeutlichen, dass das Depot wächst, wie auch immer man es nspäter nutzt

 

Zitat von SIX am 30. Juni 2021, 13:23 Uhr

Sehr guter Beitrag! Vielen Dank, das habe ich hier im Forum schon wirklich lange vermisst, dass das jemand einmal vernünftig erklärt. Du hast natürlich Recht und ggfs. muss ich den Betrag von 600k auch nochmal überdenken. Was die 3-4% angeht gilt deine Ausführung allerdings nur wenn man konstant und durch alle Hoch- und Tiefphasen hindurch entnimmt. Wenn man nicht auf die volle Summe angewiesen ist und die Entnahme den Aktienkursen angleichen kann (also geringere Entnahme bei tiefen Kursen, höere Entnahme bei guten kursen), dann kann man durchaus im Schnitt über mehrere Jahre auch mehr entnehmen.

In meinem letzten Beitrag ging es mir in erster Linie darum zu verdeutlichen, dass das Depot wächst, wie auch immer man es nspäter nutzt

 

Danke! Ja genau, und da weicht eben die Realität von den starren Annahmen in der Trinity Study und anderen Studien zu sicheren Entnahmeraten ab. Wenn ich die Möglichkeit habe nach einem Crash mit der Auszahlung abzuwarten oder sie nach unten anzupassen und eben nicht stur weiter meine jährlichen 4 % entnehme, steigt die Sicherheit und auch die Summe, die insgesamt über den gesamten Zeitraum entnommen werden kann, deutlich an. Hier helfen dann auch Vermögenswerte wie deine Immobilie, die auch durch Tiefs hindurch weiter eine Miete abwerfen sollte und somit ermöglicht die Entnahmen aus dem Portfolio bei Bedarf anzupassen.

Die 4% hat so ziemlich jeder Finanzblogger schonmal durchgekaut, da geht man eher davon aus, dass die Basics jedem hier bekannt sind. 🙂

Eine differenziertere Sicht dazu gibt es hier (auch die Kommentare beachten):  https://freiheitsmaschine.com/warum-die-4-regel-wahrscheinlich-scheitern-wird-und-was-du-dagegen-tun-kannst/

Richtig in die Tiefe geht die verlinkte Artikelserie auf EarlyRetirementNow: https://earlyretirementnow.com/safe-withdrawal-rate-series/