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The Safe Withdrawal Rate: Evidence from a Broad Sample of Developed Markets

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Diese supervorsichtigen Rechnungen führen doch am Ende immer zur Aussage "unter ner Million brauchste nicht anfangen zu rechnen". Und dann lebt man am Ende mit dieser Million und mehr ab. Das halte ich für gefährlich, dann opfert man am Ende wahrscheinlich viel Lebenszeit vor unnötiger Angst. Wer als Angestellter soviel gespart hat, dass er mit 4% Entnahmerate leben kann, der ist doch in D i.d.R. durch. Selbst Gutverdiener sind dann meist weit 40ern oder älter, haben einen ordentlichen gesetzlichen Rentenanspruch angesammelt, leben oft im abbezahlten Eigenheim oder haben andere Goodies wie Betriebsrenten oder gar private Rentenverträge, auf viele wartet auch noch ein beachtliches Erbe. Von da ab das letzte Prozent Renditereihenfolgenrisiko auszuschließen ist unverhältnis teuer, und auch gar nicht nötig, bei Eintritt fällt man ja eher weich. Dann doch lieber früher und mit Restrisiko frei leben, und wenns hart auf hart kommt und das Depot versiegt nagt man auch nicht gleich am Hungertuch.

Bin absolut Deiner Meinung. Bei vielen ist es doch so, dass vorwiegend die Zeit bis zur Rente überbrückt werden muss und dann ggfs noch ein Zuschuss zur Rente entnommen werden muss. Auch wird es doch immer Möglichkeiten, einige Euro hinzuverdienen. Mehr Optimismus bitte :-).

 

Bei diesen Entnahmeplänen oder auch Dividenden Entnahmen muss man schon unterscheiden ob jemand mit 40 ohne nennenswerte AV startet oder eben auch als Selbständiger mit sehr geringer oder gar keiner AV.

Genauso ob das Depot die zentrale Cash Quelle darstellt und Kosten durch Miete etc. hoch sind.

Ich selbst plante vor 2 Jahren auch noch mit großem Cash Topf als Brücke und dagegen kleines Depot als Ergänzung zur Rente, Immo Einnahmen etc..

Mittlerweile ist der Plan in Richtung Dividende gewandert mit entsprechend höherem Zieldepot Betrag und kleinem Topf als Brücke.

Ist zum einen eine Frage der Psychologie die Kuh nicht schlachten zu wollen, zum anderen eine Frage der Generationen Nachhaltigkeit = Nachlass.

Oder um es in einer Metapher zu versuchen: Manche sind zufrieden die 10km in einer Stunde zu laufen, mit wenig Aufwand dennoch was für die Fitness gemacht zu haben und sich danach gut zu fühlen. Andere trainieren ehrgeizig und haben Spaß daran unter 45 Min. zu kommen.

Sehen wir's doch mal andersrum: Mit "3,8% wär schön" Gesamtrendite gestartet. Vier Jahre später reichen 2,x% gleichermaßen weil die Börsen (in der Regel) besser laufen als gedacht. Kurzum flexibel bleiben und Aktien sind eine gar nicht so unsichere Sache.

Es gibt auch die Möglichkeit, das Depot dynamisch an die Marktlage angepasst zu entsparen, oft reichen minimale Änderungen der Entnahmebeträge aus, um die ganze Sache "zu retten". Wenn man nicht hart auf Kante kalkuliert hat, ist das schon okay mit der 4% Regel. Wenn man dann "im Notfall" noch mal vorübergehend noch z.b. einenbis zu 520€steuerfreien Mini- Job annimmt oder dergleichen ist man doch eigentlich fein raus.

Ich finde es für solche Fälle vorteilhaft, auch Mieteinnahmen zu haben und nicht nur auf den Aktienmarkt zu setzen. Zwar gibt es auch dort Risiken, diese stehen aber nicht oder nur sehr geringfügig in Abhängigkeit zum Aktienmarkt. Mieteinnahmen sind eben in aller Regel Dividendenaristokraten die im Mittel der Inflation folgen. Für meinen Ruhestand möchte ich breit aufgestellt sein. Großartig Cash vorzuhalten ist nicht geplant. derzeit ist zum Monatsende maximal'n Tausender auf meinem Konto übrig, ich bin maximal investiert - und auch wenn ich in spätestens 5 Jahren zu Fat Fire übergehe sehe ich keinen Grund, mehr als vielleicht 50k auf dem Girokonto zu "horten".

Vorsichtig sollte man schon sein - aber nicht ängstlich. Ein geringes Restrisiko bleibt immer, steht aber irgendwann nicht mehr im Verhältnis zum zeitlichrn Aufwand den man betreiben müsste um es noch weiter zu minimieren...

Das ist alles sehr schwierig vorherzusehen. Zu ängstlich sollte man nicht sein, aber auch nicht zu blauäugig.

Vielleicht mal aus der Realität: ich dachte immer, sobald ich aufhöre, kommt der große Absturz. wahrscheinlich direkt im ersten Monat. Ok, der kam nicht, aber Corona und ein Angriffskrieg in Europa. Wer hätte das gedacht?

Meine Entnahmerate ist sehr gering. Aktuell bin ich seit dem 1.4.2018, da habe ich aufgehört, ca. 55% im Plus über alle Assets inkl Altervorsorge nach Steuern, Transaktionskosten und Lebenshaltungskosten.

Insgesamt bin und bleibe ich aber trotzdem vorsichtig und würde eher mit geringeren Entnahmeraten als 4% starten.

Vielen Dank für die vielen tollen, produktiven Antworten hier. Und es ist sehr interessant von denen zu hören, die den Sprung zum Privatier schon gewagt haben.

Was meine persönliche Strategie angeht, die scheint irgendwie auf der einen Seite zu aggressiv - und auf der anderen Seite mein Ziel zu ambitioniert zu sein:

Ich bin jetzt 45. Mein Ziel ist es, ein Portfolio aufzubauen mit dem ich meinen jetzigen Lebensstil mindestens beibehalten und gleichzeitig nur von den Renditen leben kann. Das bedeutet quasi, dass sich der Wert des Portfolios jedes Jahr um die Inflationsrate steigern muss. Klar, im Moment ist das eh unrealistisch. Aber ich bin ja auch noch in der Ansparphase.

Ich kalkuliere im Moment mit 3% Entnahme in der Zukunft (Potentiell mit einer CAPE Anpassung). Allerdings ist mein Portfolio in den letzten 12 Monaten so arg geschrumpft (-30%), dass mein kalkuliertes „Rentenalter“ im Moment bei 58 liegt - in 13 Jahren! Zu dem Zeitpunkt wird das Portfolio dann einen hohen siebenstelligen Betrag erreicht haben müssen. Und zwei Jahre mit über 7% Inflation haben den Zielwert meines Portfolios nach oben schnellen lassen. Jeder ist halt anders. Und ich weiß, ich habe hohe Erwartungen. Nur wenn ich auf 2% statt 3% Entnahme gehe, werde ich nie aufhören zu arbeiten.

Im Moment warte ich erstmal ab, wie sich die Wirtschaft entwickelt. Und hoffentlich geht der Krieg bald zu Ende.

Auf Bundesschatzbriefe, US TIPS, etc. halte ich übrigens nicht viel. Mein Zielportfolio ist 90% Indexfonds, 5% Cash, 5% Bonds. Das wiederum aufgeteilt in 50% USA, 35% Developed International, 15% Emerging Markets.

@privatier ja, bei mir ist das ähnlich, gleichwohl ich keine echte %Angabe machen kann, da durch meine Haussanierung erhebliche Mittel nötig waren durch Aktienverkauf sowie andererseits durch Mittelzufluss aus meinem Berufsausstieg (Firmenanteilsverkauf und Steuerrückzahlung) wieder etwas (aber weniger als Abflüsse aus dem Depot) reinkam. Klar aber, auch ich liege im absoluten Wert im Depot ca. 35% über dem Wert von vor dem Berufsausstieg.

Letztlich sind diese 35% Zusatzwert im Depot der Grund, dass statt ursprünglich bis zu 3,8 eben weniger Entnahme nötig sind und ich deutlich Richtung 2% Rendite vom Depotwert tendiere (Dividenden ohne jegliche Kapitalentnahme reichen), den ich zum Leben benötige.

Im Idealfall sind mir also Kursverluste egal zukünftig, solange die Dividenden in aktueller Höhe kommen. Bei entsprechender Titelwahl möglich.

@counterpart und @frugi85

Ich denke, genau so ist das dann. Im Detail kann man das jeder anders sehen, kein Problem oder Widerspruch, solange die Richtung stimmt. Beide auf gutem Wege!

Spannende Diskussion!

Eine sehr interessante Beobachtung hierbei:

Diejenigen, die noch weit weg von FIRE sind denken progressiver und weniger vorsichtig.
Die näher dran sind oder schon FIRE sind gehen konservativer an die Sache ran.

@muslime_frugi: Ja, ich glaube den Zusammenhang gibts. Bei mir ist FI ohne oder mit geringer Entnahme bisher kein attraktives Ziel, weil erst spät erreichbar. Und wenn die "optimistische FI" erreicht ist, wird eine konservativere FI schon wieder greifbarer sein als jetzt. Zumal ich noch nicht plane, aus dem FI direkt ein FIRE zu machen.

Zitat von Muslime_Frugi am 4. Dezember 2022, 10:46 Uhr

Diejenigen, die noch weit weg von FIRE sind denken progressiver und weniger vorsichtig.
Die näher dran sind oder schon FIRE sind gehen konservativer an die Sache ran.

Ich kann an der Stelle nur daran erinnern, dass meine Kalkulation - nachdem meine Frau ausgezogen ist - nun eine andere ist. Ich bin nur froh, dass ich so konservativ kalkuliert habe, dass an der Planung eigentlich nichts ändern muß, nur dass die Entnahmerate jetzt etwas höher wird. Ok, ich nähere mich ja auch langsam dem Rentenalter...

Zitat von Privatier am 4. Dezember 2022, 13:05 Uhr
Ok, ich nähere mich ja auch langsam dem Rentenalter...

Betonung liegt auf langsam. Mach dich nicht zu alt😊. Wobei ab 60 sind ja schon Betriebs- Privatrenten, Rieste etc. abrufbar.

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