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Plötzlich und viel zu früh finanziell frei - und jetzt?

Hallo,

ich lese schon eine Weile hier mit und lebe seit etwa 5 Jahren so, dass ich mich als Frugalist bezeichnen würde. Mein ultimatives Ziel war es in der ganzen Zeit schon, finanziell frei zu werden - einfach, weil es sehr verlockend klingt. Vor drei Jahren sind meine Freundin und ich in ein Wohnmobil gezogen und reisen bis heute durch Europa. Zum Reisestart hatte ich etwa 100.000€ angespart. Ich habe das erste Jahr der Reise einfach weiter gearbeitet, das ging mit meinem Job als Programmierer technisch gesehen problemlos. Mir wurde es dann aber doch zu viel, einen Fulltime Job und gleichzeitig ständig zu reisen, neues zu sehen, und im Hinterkopf dabei Kundenprojekte zu haben. Da mir das Reisen besser gefallen hat, als die Arbeit, habe ich allen Kunden abgesagt und meinen Job an den Nagel gehängt. Ich wusste zu dem Zeitpunkt, dass ich mit etwas mehr als 500€ im Monat diesen Lifestyle leben kann und verspüre keinen großen Antrieb, meine Ausgaben zu steigern. Ich brauche kein Haus, kein teures Auto und Luxus macht mich nicht glücklich.

Was nach dem Ende meines Jobs passierte, hat mich allerdings überrascht. Ich habe mich mehr und mehr mit Geldanlage beschäftig und hatte/habe wohl ein gutes Händchen oder Glück bei der Aktien- und Cryptoauswahl. In den letzten 2,5 Jahren ist mein Erspartes auf über 300.000€ angewachsen. Das ist ja eigentlich super und ich freue mich darüber, denn für meinen 500€/Monat Lifestyle bin ich damit total abgesichert, allerdings habe ich das Gefühl, dass mir die Sicherheit den Antrieb nimmt. Einen Job für Geld anzunehmen, kann ich mir nicht vorstellen, weil mir der Vedienst so gering vorkäme, vor allem in Relation zum Aufwand.

Ich habe nun alle Zeit der Welt und weiß nichts damit anzufangen. Ich stehe da mit meinem Geld und will ein Leben führen, für das man kaum Geld braucht. Ich habe schon ein paar eigene Projektideen umgesetzt und auch eine Weile bezahlt gearbeitet und die Einnahmen gespendet - Kurzfristig hatte ich Spaß daran, langfristig hat nichts davon mich glücklich gemacht. Ich muss mir nun also die unangenehme, und für mich überhaupt nicht einfache, Frage stellen, was ich mit meinem Leben anfangen will.

Mich würde interessieren wie Leute, die die finanzielle Unabhängigkeit/Freiheit erreicht haben, den Wechsel in die Unabhängigkeit erlebt, und einen Sinn gefunden haben.

Vielen Dank
Supertramp

Hallo Supertramp,

Mir geht es ähnlich, ich bin seit bald einem Jahr auf Reise quer durch Europa und nach starrer Definition "FI". Auch ich würde mich eher als konsumdesinteressiert bezeichnen, auch wenn meine monatlichen Ausgaben fast doppelt so hoch sind wie deine.

Ich kann es nachvollziehen, dass du dich nicht mehr motivieren kannst, wieder in die Lohnarbeit zurückzukehren. Mir geht es ähnlich, ich habe seither mehrere Jobangebote abgelehnt, die eine Rückkehr in ein Angestelltenverhältnis erfordert hätten. Ich nehme nur noch wenige selbstständig Projekte an, auf die ich dann auch wirklich Lust habe. Dieses "keinen Antrieb haben" in die Lohnarbeit zurückzukehren, sehe ich dabei aber eher als Freiheit an: Du hast jetzt genug Fuck-You-Money um zu tun was du willst. Was das ist, das musst du für dich individuell entscheiden.

"Den großen Sinn" habe ich auch noch nicht gefunden. Sinnstiftend sind für mich Beziehung und tolle Erlebnisse wie z.B. neue Orte entdecken, was selten mit exorbitanten Kosten verbunden ist. Ob das nun ausreicht, um ein erfülltes Leben zu führen wird die Zeit zeigen. Klar ist, nur weil jetzt genügend Geld da ist, ist eben nicht plötzlich alles im Leben toll. Vielleicht lebt der eine oder andere Malocher-bis-zur-Rente mit fester Tagesstruktur am Ende glücklicher und erfüllter, als jener der sich in der luxuriösen Situation befindet, in seiner vielen Freizeit über den großen Sinn grübeln ;).

Meine 2 Cent zu deiner finanziellen Situation: Gratulation zu deinem (Spekulations-)erfolg, ich persönlich würde allerdings spätestens nach dem Erreichen von FI meine Anlagestrategie ändern und zumindest den Großteil in weniger riskante Assets wie einen langweiligen Welt-ETF investieren. Du bist - nach deinen Maßstäben - FI, es macht jetzt keinen Sinn mehr, Wetten abzuschließen, falls dies bisher der Fall war. If you have won, stop playing the game! Mit anderen Worten: Die mögliche Upside (mehr Rendite, die du aber offenbar gar nicht benötigst) steht in keinem Verhältnis mehr zur möglichen Downside (Crypto-Totalverlust). Das war zu Beginn der Reise noch andersherum. Muss natürlich jeder für sich ausmachen.

Es grüßt der Vagabund

Hallo Supertramp,

Erstmal Glückwunsch zum Erreichten und deiner Unabhängigkeit.

Ich denke es wird dir keiner hier sagen können was DU mit deiner Freizeit anfsngen sollst oder kannst. Nur du selbst weißt was dir Spaß macht und dich erfüllt. Letztlich gibt es Vereine die ehrenamtliche Helfer gut gebrauchen könnte. Die Seenotretter, DRK Stationen, Tierheime - Hilfe wird überall gesucht. Vielleicht wäre sowas in der Art ja was für dich.

Bei mir würde keine Langeweile aufkommen da ich viele Hobbies habe die ich ausbauen könnte und gerne würde wenn es die Zeit erlaubt.

Ggf. kannst du ja auxh z.b. Kurse an einer VHS geben oder entwickeltst als Informatiker was eigenes, ein pasr Nebenprojekte die Spaß machen und denen man sich mit Leidenschaft und Erhgeiz widmen kann. Die Bandbreite ist riesig.

 

Auf weiterhin Reisen und die Welt anschauen hast du keine Lust mehr...?

 

vg

Frugi

Hallo Supertramp

Diese Frage hat mir auch schon ein Anwalt im Rentenalter gestellt und ich schlug ihm vor, sich als Anwalt für den Klima-, Umwelt- und Naturschutz einzusetzen, denn gerade das ist doch im Moment höchste Priorität, wenn man an die nächste Generation denkt.

Da Du Dich im IT-Web-Bereich gut auskennst, wäre es sinnvoll, OpenOffice- und OpenSource-Projekte zu unterstützten, damit die nächste Generation auch immer noch günstig und zensurfrei im Internet aktiv werden kann. Hätte ich Dein Wissen, wäre ich am liebsten ein "guter Hacker" im Kampf gegen Zensurpolitik, wie es in China schon Realität ist etc. und auch mal in Europa kommen könnte. Es braucht Leute, die auf der richtigen Seite stehen und sich einsetzen, ehrenamtlich, denn die Armen & Machtlosen haben keine Lobby.

Der Einsatz für die Demokratie ist auch wichtig, denn immer mehr hält Autokratie und Bevormundung der Bürger Einzug in die Politik. Auch das hat für mich als Schweizerin absolute Priorität, ebenso der Kampf für die Menschenrechte sowie gegen Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus usw.

Minderheiten wie die indigenen Völker, die um ihre Naturreservoire kämpfen, könnten Deine Unterstützung auch gebrauchen. Es gibt so viele Möglichkeiten, sich für Benachteiligte einzusetzen und für sich selbst eine  sinnvolle Lebensvision zu entwickeln.

Von Vorteil ist auch die persönliche Entwicklung, psychologisch, spirituell, um für sich ganz persönlich einen Lebenssinn zu finden. Kann natürlich auch darin bestehen, eine Familie zu gründen. Wer nur im Jetzt lebt, genießt wie ein Kind, aber wer kein Ziel hat, verliert eben auch bald mal den Antrieb weiterzuspielen im Jetzt.

Den Kindern Freude zu bringen, wäre auch ein wertvolles Ziel. Wenn Du schon unterwegs bist, könntest Du doch ein Puppentheater aufziehen. Das würde ich jedenfalls so machen an Deiner Stelle.

Abendliche Grüße aus der Schweiz!

Laura Maelle

Liebe Grüße, Laura Maelle
erstmal herzlichen Glückwunsch zu dem bisher glücklichen Händchen!
zur Sinnfrage:
hat das Leben überhaupt einen Sinn?
oder wollen wir einfach versuchen, ein für uns möglichst angenehmes und erfüllendes (bei 99,x % der Leute aber sinnloses) Leben zu führen?
Zitat von vagabund am 28. Oktober 2021, 21:55 Uhr

Meine 2 Cent zu deiner finanziellen Situation: Gratulation zu deinem (Spekulations-)erfolg, ich persönlich würde allerdings spätestens nach dem Erreichen von FI meine Anlagestrategie ändern und zumindest den Großteil in weniger riskante Assets wie einen langweiligen Welt-ETF investieren. Du bist - nach deinen Maßstäben - FI, es macht jetzt keinen Sinn mehr, Wetten abzuschließen, falls dies bisher der Fall war. If you have won, stop playing the game! Mit anderen Worten: Die mögliche Upside (mehr Rendite, die du aber offenbar gar nicht benötigst) steht in keinem Verhältnis mehr zur möglichen Downside (Crypto-Totalverlust).

ich für mich will im Zuge des Privatisierens auch trennen:

ein "Kernvermögen" in dividendenträchtigen Cash Cows - wo mir der weitere Kursverlauf egal ist
(solange die Dividenden nicht einbrechen und ich daraus mein persönliches "Grundeinkommen" bekomme!)

und einen Teil als "Spielgeld" - um auch mal auf Turnaround-Kandidaten/ins Kurstief gefallene zyklische Werte/aussichtsreiche Trends und Zukunftswerte setzen zu können

PS:
Kryptos sehe ich als hochspekulative Tulpenzwiebeln 2.0 - den Einstieg zur rechten Zeit habe ich leider verpasst - wer drin ist sollte aber den Ausstieg nicht verpennen

Zitat von exit-tbd am 29. Oktober 2021, 10:39 Uhr

PS:
Kryptos sehe ich als hochspekulative Tulpenzwiebeln 2.0 - den Einstieg zur rechten Zeit habe ich leider verpasst - wer drin ist sollte aber den Ausstieg nicht verpennen

Naja, haben die Leute letztes Jahr, vorletztes Jahr, davor das Jahr, davor das Jahr......  auch geäußert und haben dann nicht gekauft.

Heute heißt es:   Hätte ich doch damals kaufen sollen. Wäre ich heute fein raus.

Hätte man auf dem höchsten Stand 2017 gekauft, hätte man im Oktober 2021 über 200% Gewinn. Die Halving-Periode davor, 2013 noch viel mehr.

Und genau so wird es z.b. 2025 heißen: Hätte ich man doch ....

na dann solltest du so viel Investieren wie möglich, am besten bis auf den letzten Cent, umso höher fällt der Gewinn aus. Solltest du dich dan unwarscheinlicherweise doch irren, so hat sich zumindest das Problem mit der ungenutzen Freizeit gelöst 😉

Vielen Dank für eure Antworten. Es hat mich gefreut zu lesen, dass andere sich ähnliche Gedanken machen und nicht nur ich. Ich komme mir bei den Gedanken manchmal doof vor, weil man ja ein Leben lang lernt, dass man dankbar für seine Privilegien sein soll, dass das auch zu inneren Konflikten führen kann, hat mir keiner gesagt.

Ihr habt recht: Ich muss jetzt weiterhin entdecken, was mir Spaß macht und machen könnte. Vielleicht muss ich dabei auch etwas ehrlicher zu mir selbst sein, selbst wenn das bedeutet, dass ich am Ende wieder als Programmierer arbeite - vielleicht waren es einfach bisher nicht die richtigen Projekte. Die Idee, für Open Source Projekte zu arbeiten oder für etwas anderes Gemeinnütziges finde ich ziemlich gut. Vielen Dank, @laura_maelle - Wahnsinn, wie viele Ideen du hast - hoffentlich bist du bald FI und kannst das alles umsetzen 🙂 Über die Familiengründung denken wir schon nach, aber irgendwie denke ich, dass ich erstmal happy mit mir selbst sein muss, bevor ich ein Kind habe, dem ich mein unzufriedenes Leben vorlebe.

Darf ich dich, @vagabund, fragen was du dann jetzt mit deiner Zeit anfängst? Deine Situation ähnelt meiner ja doch schon sehr, das fände ich sehr spannend 🙂

Und wegen dem "Absichern" meiner Anlagen: Ich werde die so laufen lassen. Es klang jetzt vielleicht etwas riskanter, als es ist, im Grunde habe ich nur die FAANG Aktien und ein paar weitere aus der Chip-Branche und, und das ist wohl mein größter Zock, Tesla. Auch bei Cryptowährungen habe ich nur Bitcoin und Ethereum - Ich bin also kein Wasserstoff- und Dogecoin-Investor. Bei Cryptos habe ich meinen Einsatz schon komplett rausgenommen und lasse die Gewinne jetzt einfach laufen. Ich sehe das als eine seltene Chance im Leben, ein sehr großes Vermögen aufzubauen und wenn das Geld wieder weg ist, dann habe ich, wie @frugi85 sagt, wieder mehr Motivation zu arbeiten. Mehr würde es mich ärgern, wenn ich jetzt rausginge und mir in ein paar Jahren hohe Kurse anschauen müsste. Das sehe ich also ein bisschen wie @matty und @exit-tbd

 

Wenn Progrsmmierung und IT Kram dein Ding ist dann mach es doch zu deinem Hobby, ganz zwanglos und wann immer du Lust und Zeit hast. Es wäre unter deinen Voraussetzungen ja auch eine Selbständigkeit denkbar, ohne all die Ängstebund Sorgen die man damit sonst anfangs oft hat. Man kann sein Hobby nicht nur zum Beruf machen sondern auch andersrum 😉

Um meinen Post nochmal zu ergänzen:

Um die 300.000€ Anlagekapital ist natürlich eine Hausnummer, aber bedenke:

Du bzw. ihr lebt in einem Wohnmobil mit DERZEIT sehr nuedrigen Kosten. Sollte irgendwann mal Familienplanung im Raum stehen dann möchte man das ggf. nicht mehr und fühlt sich in einer angemessenen Wohnung oder gar einem Eugenheim behaglicher...

Dann auf einmal sind 350.000 € für ein Eigenheim selbst auf dem Lande flott ausgegeben und ohne festes Einkommen fällt auch ein Kreditbescheid in der Regel negativ aus.

Sehr warscheinlich aber werden sich die Ausgaben irgendwann steigern.

Ich selbst fühle mich derzeit noch nicht sicher genug aufgestellt um mich von Verpflichtungen für andere zu lösen. Hauptsächlich liegt das an der krankenversicherung. Wie machst du das derzeit? Deine Kapitalerträge müssen ja auch versteuert werden und werden ohne sozialversicherungspflichtige Tätigkeit auf die Krankenversicherung angerechnet. Bei dem was du in den letzten beiden Jahren an Kapitalerträgen "eingenommen" hast, dürfte das auch schon mindestens was um die 500€ monatlich an KV Kosten ausmachen. Ich hoffe du verkalkulierst dich nicht.

Die 300.000€ im Depot werden bei mir moderat spekulativ in ETFs angelegt, in etwa in vier Jahren im Depot liegen wenn keine Katastrophen den Aktienmarkt überrollen. Damit fühle ich mich dann relativ sicher für FIRE da ich aus zwei Ferienwohnungen noch weiterhin laufendes Einkommen erziele und ich im abgezahlten Eigenheim wohne und zudem noch Einnahmen aus Vermietung habe, welche zwar nach der Abschreibungsphase netto quasi nichts mehr abwerfen aber durch Tilgung natürlich dennoch weiterhin Kapital generieren und ich bei Bedarf einzelne Wohnungen verkloppen kann...

Ich würde nochmal genau nachrechnen was da so möglich und nötig ist. Letztlich wäre doch ggf. ein Teilzeitjob ein netter Kompromiss? Für mich war das eine sehr gute Lösung.

 

vg

@frugi85, das stimmt, das ist kein Betrag mit dem man sich sicher sein kann, dass er in jedem Fall für jede Situation ausreicht. Ich fühle mich gerade in einer art passiven Ansparphase, das Vermögen wächst von fast alleine schneller, als ich es durch Arbeit vergrößern könnte. Wie gesagt: Das Blatt kann sich durchaus wenden, was ich nicht hoffe, aber was ich auch verkraften würde. Ich habe immer Geld auf der Seite, um etwa 3 Jahre weiter so zu leben. Zeit genug, mir notfalls etwas anderes zu überlegen.

Ich habe tatsächlich 15 Jahre als Freiberuflicher Entwickler gearbeitet, zurück wöllte ich nicht, zumindest nicht als Dienstleister. Eigene Projekte erfüllen mich immer nur kurz, aber vielleicht habe ich das richtige einfach noch nicht gefunden. Durch die Selbstständigkeit bin ich nach wie vor privat versichert, aktuell ist die PKV auf Anwartschaft und ich bin über eine Langzeitreisekrankenversicherung versichert. Die gesetzliche kommt für mich aktuell aus genau dem von dir genannten Grund nicht in Frage: Falls ich mir einen größeren Betrag auszahlen würde, würde das den Beitrag schnell teuer werden lassen. Ich will mir nicht morgen einen Porsche kaufen, aber ich will da schon flexibel bleiben. Ich habe aktuell fast nur Kursgewinne und zahle mir unterhalb des Steuerfreibetrags aus, wozu auch, ich brauche ja kaum Geld.

Es ist schon spannend, wie unterschiedlich das Gefühl zum Vermögen sein kann. Bei dir klingt das für mich schon nach viel passivem Einkommen und Vermögen. Aber du hast vermutlich auch andere laufende Kosten, andere Träume, Vorstellungen und Ziele und damit auch ein anderes Gefühl für den richtigen Betrag, ab dem du unabhängig bist. Ich beglückwünsche dich für den Status Quo und drücke die Daumen, dass in vier Jahren alles so ist, wie du es dir vorstellst 🙂

 

Darf ich dich, @vagabund, fragen was du dann jetzt mit deiner Zeit anfängst? Deine Situation ähnelt meiner ja doch schon sehr, das fände ich sehr spannend

Also ich bin nicht wirkliche "RE", da ich noch selbstständig arbeite (ebenfalls IT), um meinen Puffer zu vergrößern und auch weil ich die nächsten Jahre noch keine Depotentnahmen tätigen möchte. Gleichzeitig ist es bei mir auch so, dass mich die Arbeit durchaus erfüllt - nur jetzt eben aus der privilegierten Situation heraus, nicht mehr full-time zu arbeiten und auch nicht mehr jedes Projekt annehmen zu müssen, sondern auch einfach mal "Nein" sagen zu können. Ansonsten bin ich viel unterwegs, meistens zu Fuß (Tageswanderungen) oder schwimmen. Manchmal gehe ich auch einfach für ein paar Tage biwaken, da ergeben sich dann einfach genug Aufgaben aus sich selbst heraus (Kochen, Feuerholz organisieren, etc.). Nach ein paar Tagen "simple live" freue ich mich dann wieder um so mehr auf die nächste Unterkunft. Da ich regelmäßig den Ort und etwa alle zwei Monate auch das Land wechsle, wurde mir, zumindest bisher, nicht wirklich langweilig, wobei natürlich jeder mal Down-Phasen hat. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass man der Reiselust irgendwann überdrüssig wird - ihr seid ja, wenn ich das richtig verstanden habe, nun bereits seit drei Jahren mit dem Wohnmobil unterwegs. Da stellt sich dann vielleicht irgendwann eine gewisse Routine ein, jede Location kommt gleich vor und es ist nicht mehr so spannend wie ein "Urlaub, der nie endet".

Und wegen dem "Absichern" meiner Anlagen: Ich werde die so laufen lassen. Es klang jetzt vielleicht etwas riskanter, als es ist [...]

Ja, es klang ein wenig nach einer Konzentration auf wenige Einzelaktien + Cryptos, irgendwo muss die Überrendite ja schließlich herkommen :). Mir ging es auch eher um die grundsätzliche Überlegung, dass es am Anfang der Reise durchaus Sinn machen kann, kalkulierte Risiken einzugehen. Hierzu gehören z.B. auch unternehmerische Tätigkeiten mit hohem Klumpenrisiko. Ein Totalausfall ist mit Mitte 20 ja noch leicht verkraftbar, man hat einfach genügend Zeit wieder auf die Beine zu kommen und etwas anderes zu versuchen. Ab einem gewissen Punkt (spätestens beim Erreichen von Fat-FIRE) ist es aber schlicht egal, ob sich das Vermögen jetzt noch mal verdoppelt oder nicht. Wenn der Bitcoin/Tesla/whatever zum Mond schießt, was interessiert es dich. Du hast, nach eigener Aussage, mehr als du benötigst. Mit geht es jetzt auch nicht um den Bitcoin per se, aber ich denke wenn man das Risiko-Mindset nicht irgendwann ändert läuft man Gefahr auch im Alter noch Trends und hochvolatilen Assets hinterherzulaufen. Ab einem gewissen Punkt geht es aber doch eher um Besitzstandswahrung, da ist Diversivikation und eine "langweilige" Durchschnittsrendite angesagt. Man kann jetzt einfach mehr kaputtmachen, als der potentielle Gain ist. Für den Nervenkitzel gibt es dann bessere Hobbies. Der Kommer hat das in einem Blogpost ganz gut als "reich werden vs. reich bleiben" beschrieben. In welcher Phase man sich indviduell befindet muss natürlich jeder für sich entscheiden.

Zitat von Frugi85 am 29. Oktober 2021, 22:37 Uhr

Um die 300.000€ Anlagekapital ist natürlich eine Hausnummer, aber bedenke:

Für den normalo lebenslangen Arbeitnehmer mit einer halbwegs auskömmlichen späteren Rente evt. schon.

Meine letzte Renteninfo wies 16,2 Rentenpunkte aus. Sind ca. 570,- eur Rente aus ca 15 Jahren Tätigkeit als Arbeitnehmer.

Möchte damit sagen, was wären 300 K für meine Situ ?  ca. 750 eur p.m. ( konservativ berechnet, kein Kapitalverzehr ).

Ich brauchte ein ...klein wenig... mehr Anlagekapital um in einen Wohlfühlbereich zu kommen.

Aber deshalb sollte man als Selbstständiger ( 25 J. lang) ja auch ein wenig Vorsorge treiben.

 

 

 

@matt

 

Moin Matty,

Ich sehe es ja genauso wie du - @supertramp hat seine Rahmenbdingungen ja nochmal etwas präzisiert...

Kann man schon so machen solange man "Frei" und ungebunden ist und die Ausgaben somit niedrigste bleiben können - ich wollte daher auch nur nochmal "ermahnend", darauf hinweisen, dass mittelfristig auch ein deutlich höherer Kapitalbedarf nicht unwahrscheinlich ist - man muss ja auch erstmal rauskriegen wie die Leute so ticken um gezielt und effizient zu diskutieren 😉

Rentenpunkte brauch ich gar nicht wirklich zählen, die schicken mir nur so viel Geld dass ich mir ne vernünftige Gitarre und Hut kaufen kann, damit ich als Rentner wieder Straßenmusik machen und aufstocken kann 😀   - wobei ich diesen Gedanken auch eigentlich ziemlich cool finde, nur dass ich es nicht mache weil ich darauf angewiesen bin 😉

Denn:

Es ist schon spannend, wie unterschiedlich das Gefühl zum Vermögen sein kann. Bei dir klingt das für mich schon nach viel passivem Einkommen und Vermögen. Aber du hast vermutlich auch andere laufende Kosten, andere Träume, Vorstellungen und Ziele und damit auch ein anderes Gefühl für den richtigen Betrag, ab dem du unabhängig bist. Ich beglückwünsche dich für den Status Quo und drücke die Daumen, dass in vier Jahren alles so ist, wie du es dir vorstellst 🙂

 

Hoch ist es erst seit ein paar Monaten und für gut 4 Jahre, danach erst wieder im "Rentenalter" wenn das 12 WE MFH bezahlt ist. Dazwischen finanziert es sich einfach nur. Erst seit Anfang/Mitte des Jahres lege ich monatlich und zeitlich begrenzt hohe Beträge in Form der kompletten Bruttomiete an. Das sollten dann in vier Jahren gute 350.000 - 400.000€ sein. Damit dann Cash cows kaufen und laufen lassen. Der Kurs interessiert mich dann ja kaum noch. Das tausche ich dann gegen meinen sozialversicherungspflichtigen Job und kaufe mir davon eine Krankenversicherung. Bei abgezahltem Eigenheim  und vermietetem Ferienhaus kann ich dann "leben", bis ich mich ggf. entschließe, nach und nach Wohnungen zu verkaufen sollte Cashbedarf bestehen. >Letztlich "übrig" bleiben dann aber auch recht lange Zeit "nur" ca. 2500€ netto wenn man nicht an die Wohnungen geht. Das passt für mich bzw. uns auch gut. Und auch mit Kindern wird's zwar wohl nicht "eng" aber man muss schon "frugal bleiben". Ich überlege derzeit verschiedene Varianten wie ich die hohen Einnahmen nach Tilgung des MFH (in knapp 30 J) in die nahe Zukunft transferieren kann. Das wäre selbst mit miesem "Wirkungsgrad" von unter 50% noch sinnvoll. 2000€ mehr im "Jetzt" wären mir lieber als 6000€ mehr im Monat ab 65. Wat  soll ich dann mit der Kohle?!

Da ich gesundheitlich etwas eingeschränkt bin, bin ich da aber vermutlich auch etwas konservativer als Du. Das muss nicht für jeden gleichermaßen passen. Mein Risikobewusstsein ist daher eher mäßig bis gering angesiedelt...

Zitat von Frugi85 am 30. Oktober 2021, 15:22 Uhr

Hoch ist es erst seit ein paar Monaten und für gut 4 Jahre, danach erst wieder im "Rentenalter" wenn das 12 WE MFH bezahlt ist. Dazwischen finanziert es sich einfach nur. Erst seit Anfang/Mitte des Jahres lege ich monatlich und zeitlich begrenzt hohe Beträge in Form der kompletten Bruttomiete an. Das sollten dann in vier Jahren gute 350.000 - 400.000€ sein.

Rücklagen für Renovierungen ect. sind aber bedacht ! ?  Dann ist das ja ein ordentlicher Portfolio-Generator.

Letztlich "übrig" bleiben dann aber auch recht lange Zeit "nur" ca. 2500€ netto wenn man nicht an die Wohnungen geht. Das passt für mich bzw. uns auch gut. Und auch mit Kindern wird's zwar wohl nicht "eng" aber man muss schon "frugal bleiben".

Ich lebe mietfrei bei meiner Partnerin. Hab pro Monat Kosten ( inkl. Nebenkostenanteil Wohnen ) von durchschnittlich ca 850,- eur + Rücklagen für Auto-Neuanschaffung ca , 250,- eur .  Also ca 1100,- eur netto. Empfinde ich auch als frugales Leben. Ist ok.

Wenn ich die Rechnung ohne einen Lebenspartner aufmache, bin ich bei ca 2000,- eur netto über alles, was ich haben müßte/sollte um klar zu kommen. Wobei ich ohne Partner dann evt eine alternative Wohnform leben würde und wahrscheinlich weniger benötigen würde.

2000€ mehr im "Jetzt" wären mir lieber als 6000€ mehr im Monat ab 65. Wat  soll ich dann mit der Kohle?!

Da ich gesundheitlich etwas eingeschränkt bin, bin ich da aber vermutlich auch etwas konservativer als Du.

Na? Mit 65 möchte ich gerne noch etwas reissen.

Gesundheit ist auch bei mir ein Thema. Werde beizeiten als verlässlicher Part im Arbeitsleben ausscheiden. Aber gerade darum denke ich bis heute risikofreudiger. Später ist zu spät um finanziell etwas zu bewegen.  Das heißt nicht das ich kopflos in etwas hineinrenne. Ich versuche vor einer Anlageentscheidung mir darüber klar zu werden wo die Chancen und Risiken liegen und diese einzuschätzen. Komme ich zu einem eher reichlich positiven Ergebnis, tu ich es.

Ein Antrieb für diese Risikobereitschaft ist die angeschlagene Gesundheit. Aber was ist Risiko ? Ist es nicht auch eher riskant auf die Geldpolitik der EZB zu vertrauen ?  Wir Deutsche sind im gro ja historisch eher sehr auf Sicherheit/Absicherung getrimmt. Das nimmt einem aber viele viele Chancen. Deshalb habe ich mich vor einiger Zeit davon verabschiedet, Altlasten eliminiert und fahre sehr gut damit.

Die damals "sicheren" Produktklassen sind heute die Vermögensvernichter. Tagesgeld, Bausparen, Sparbuch, Kopfkissen, staatlich geförderte Sparprodukte. Und auch die Rente !   Um mehr als die reale Inflation ( 10-13 % ) zu erwirtschaften muß man schon von konservativen Anlageformen weg zu eigenverantwortlich geführten Aktien, Immobilien, auch Krypto.

Aber natürlich, der Kapitalstock für die Altersversorgung wird wohl demnächst soweit festgezurrt, das ich als Worst Case darauf zugreifen kann. Dazu gibs ja noch als Zugabe die Rente mit 67.

 

 

Lieber Supertramp,

ich entschuldige mich vorab, dass ich jetzt die Rolle des Antagonisten einnehme, aber irgendjemand muss es Dir sagen: Du bist weder finanziell frei, noch bist du ein begnadeter Börsenguru, und schon gar nicht solltest du dir zu viele Gedanken über den sinnvollen Nutzen deiner Freizeit machen. Und in den Antworten hier findest du zwar viel für deinen Confirmation Bias, aber wenig zum Risiko deiner Situation.

Kurz zusammen gefasst lebst du mit deiner Freundin im Wohnwagen von EUR 500 im Monat, hast EUR 300tsd in Buchgewinnen im Depot und deinen Job gekündigt. Und von deinen Anmerkungen her schätze ich dich jetzt mal auf Ende dreißig.

Ich bin - vermutlich - ein paar Jahre aelter als du und habe viele Jahre im Investment Banking und als Hedge Fonds Manager gearbeitet. Ich bin seit über 10 Jahren FIRE und habe meine freie Zeit vielfältig genutzt, insbesondere helfe ich anderen beim Aufbau ihres Vermögens und dem Erreichen ihrer Ruhestandsziele. Ich weiß also wovon ich rede, wenn ich deine Situation betrachte.

Du blickst nicht weit genug in die Zukunft: Du hast noch mehr als die Haelfte deines Lebens vor dir und planst in einem recht statischen System von 300-600tsd EUR und einer monatlichen Konsumrate von 500-750EUR, aus dem Fester eines Wohnwagens. Das ist nicht weitsichtig. Ich nenne dir einfach mal ein paar "Risiken", die sich im Laufe eines Lebens oder eines Anlagezyklus so ergeben koennen. Nichts davon wuensche ich dir, aber die alle habe ich schon am eigenen Leib, bzw. in der Familie, erlebt:

  • Inflationsschübe
  • Markteilbrüche
  • Währungsreform
  • Kinder/Kinderwunsch, vielleicht ein Kind mit gesundheitlichen Problemen/Behinderung
  • Krankheit/Behinderung/Einschränkung des Aktionsradius/Alzheimers/chronischer Krebs
  • Diebstahl/Betrug/Gläubiger bei Insolvenz
  • Wunsch nach Sesshaftigkeit (selbst oder Partner) = Hauskauf
  • Instandhaltung des Wohnumfelds (egal ob 4 Räder oder 4 Wände)
  • Schwere Krankheit eines finanziell abhängigen Partners
  • Pflege der Eltern/Schwiegereltern
  • Tod eines eines noch finanziell abhängigen Familienmitglieds
  • Unfälle (Auto/Haus/Reise)
  • Naturkatastrophen (bei uns Überschwemmung/Sturm)
  • Kostenanstieg notwendiger Versicherungen
  • Ausbildungs- und Ausstattungskosten für Kinder (Verkäufer: "Ja wollen Sie denn nicht das Beste für ihr Kind?")

Es braucht dich nur eines von diesen Dingen zu treffen, und schon kannst du mit den Gedanken zur Freizeitgestaltung aufhören und dich wieder in die Lohnsklaverei begeben. Junge, mit deiner Finanzplanung stehst du doch mit dem Rücken schon zur Wand, wenn bei deiner Hütte auch nur irgendwann mal die Heizungsanlage ausgetauscht werden muss, ganz zu schweigen davon, wenn du ein neues Dach brauchst.

Ja, ich habe schon gelesen, dass du im Wohnwagen bleiben willst. Und deine Freundin auch. Heute.. jetzt... im Moment... solange es "läuft". Aber ich sage dir jetzt, dass sich die Ansprüche und Erwartungen mit den Jahren aendern werden, und das jetzt noch überhaupt nicht überblicken kannst ... nicht mal ansatzweise, was da in einem Menschenleben noch auf dich zukommen kann und wird. Nochmal 40 Jahre sind eine lange, lange Zeit.

Und was deine Anlagen betrifft, so kann ich dir nur sagen "Never confuse your brains with a bull market". Sorry, wenn ich dich jetzt da verletze, aber du bist auf einer von den Notenbanken getriebenen Gelschwemme geschwommen, in der doch praktisch alles hochgegangen ist: Aktien, Anleihen, Immobilien, Oldtimer, Krypto, Rohstoffe,... Du hast Glück gehabt. Gut so. Das freut mich für dich. Aber auf ein paar Jahren im Bullenmarkt mitgeschwommen zu sein, dabei EUR300tsd gemacht zu haben, und jetzt von finanzieller Freiheit zu reden, das ist nicht realistisch. Inflationsbereinigt kannst du dir bei deiner Planung im Alter nicht mal eine Kranken-, geschweige denn eine Pflegeversicherung leisten. Wer soll dich denn pflegen, wenn es dich oder deine (dann) Frau mit Alzheimers treffen sollte? Oder mit Parkinsons? Oder einfach nur, wenn du das Pech hast, 90 Jahre alt zu werden? Wegducken geht dann nicht, man(n) übernimmt Verantwortung für den Partner in guten wie in schlechten Zeiten. und für Kinder ebenfalls. Und im Alter schaffst Du die Stufen zum Wohnmobil dann nicht mehr alleine, und für EUR500 kommt im Jahr 2060 sicherlich auch keine Pflegekraft nach hause. Da kannst du in 40 Jahren von EUR750 gerade noch drei mal essen gehen.

Wenn du jetzt 2 Millionen gemacht hättest, dann wurde ich dir sagen: Gut, verkaufen, konservativ anlegen, Steuern zahlen und bedingt weiterarbeiten. Das bringt dann EUR 40.000 pro Jahr netto, von denen du 20.000 für den Inflationsausgleich wieder zurücklegst, und dann kannst du später ganz sparsam von 1800/Monat leben bis du 90 wirst. Aber sich jetzt Gedanken über den Sinn der Freizeit im Leben zu machen, während du nur einen Auslands-Krankenhausaufenthalt oder einen Wohnmobilunfall von der Insolvenz (nicht Bankrott) entfernt bist, das halte ich für falsch.

Ich meine es wirklich nicht böse, nur ehrlich. Und selbstverständlich ist das dein Leben und du kannst damit machen was du willst. Ich fände es nur unfair, wenn am Ende dein/euer jetziger Lebensplan nicht so geschmeidig aufgeht, und wir alle am Ende mit unseren Steuergeldern bei dir und deiner (dann) Familie die Lücke füllen müssen, die deine heutigen Überlegungen in ihrer eingeschränkten Weitsicht möglicherweise (!) hervorruft.

Wie gesagt, nichts für ungut.

@scrooge-mcduck

Gut geschrieben, ich sehe es genauso wie du

Moin Matty,

Rücklagen für Renovierungen ect. sind aber bedacht ! ?  Dann ist das ja ein ordentlicher Portfolio-Generator.

Erstmal nicht. Erstmal wird für einige Jahre jeder Cent angelegt und auch bei meinen Autos wird derzeit gründlich abgekauft und die Beträge werden ins Depot gesteckt. Dort ist es ja aber nicht einfach weg so dass ich es bei Bedarf wieder zurückholen kann auf dem Girokonto halte ich stets zwei Jahresausgaben in Cash bereit.

Zudem: solange es sich nur um Renovierungen handelt ist der finanzielle Aufwand auch sehr überschaubar. Wenn die Mieter keine Fliesen von der Wand reißen oder versuchen einen Tunnel zur Nachbarwohnung zu graben, dann kann man eigentlich gar nicht mehr als 5000€ in so eine Wohnung stecken, zumal ich da auch selbst Hand anlegen würde, handwerkliche Aufgaben fallen mir leicht bzw. habe ich da in fast allen Bereichen schon recht viel Erfahrung sammeln können.

Wichtiger wäre da die Instandhaltung für Gebäude und Kubatur. Da wird sich über die Jahre aber ohnehin ein Puffer bilden. Den kann ich aber letztlich auch im Depot für mich arbeiten lassen statt die Kohle auf dem Mieterkonto einzustauben bis irgendwann in 20 Jahren mal das Flachdach neu abgedichtet werden muss. Im Depot ist es ja wie gesagt auch nicht "weg" und größere Schäden die nicht durch diverse Versicherungen abgedeckt sein könnten entstehen in der Regel ja auch nicht von heute auf morgen. Da fühle ich mich mit meinem NEUBAU recht sicher aufgestellt. Wäre die Hütte nun schon 30 Jahre alt, so sähe das ggf. ein wenig anders aus. Ich habe ausschließlich mit VOB-Verträgen gearbeitet. Für alle ausführenden Gewerke habe ich entsprechend Bürgschaften und 5 Jahre "Garantie".

@scrooge-mcduck

Du hast nochmal schön zusammengefasst was quasi für UNS ALLE und jederzeit gilt und welche Risiken das Leben so birgt. Ich hatte gegenüber Supertramp ja bereits ebenfalls schon meine Bedenken zur Vermögensgröße und ggf. Änderung der Lebensumstände geäußert. So wie ich ich es als Reaktion auf meine Kritik jedoch verstanden habe ist bei @supertramp ja aber nichts in Stein gemeißelt und eine Rückkehr in den Beruf nicht ausgeschlossen, zumal ihm der Job auch prinzipiell Freude bereitet.

Solange das Vermögen weiter anwächst und die Kosten aufgrund des derzeitigen Lebensstils gering sind, spricht ja nichts gegen eine ( auch mehrjährige ) Auszeit. Es ist ja nicht so dass man eine berufliche Tätigkeit nicht wieder aufnehmen kann wenn es die Lebensumstände und/oder steigender Cashbedarf erfordern - meiner Meinung nach also ERSTMAL alles okay 🙂

Für "Einkommen" in gleicher Höhe müssen andere Menschen hart knüppeln gehen und haben dabei keinerlei Reserven, was würdest du denen mit auf den Weg geben - müssen die "einfachen Leute" jetzt in Panik verfallen weil sie mit Mindestlohn und ihren bis zur Rente angesammelten 12 Rentenpunkten ebenfalls aufstocken müssen?

Liegen die uns dann nicht auch auf der Tasche und hätten sich mal etwas mehr Mühe geben und Rücklagen schaffen können?!? Da muss man zeitweise schon aufpassen dass man noch Bodenhaftung behält und sich ab und an vor Augen führen dass man zu den Privilegierten gehört, ganz egal ob  Glück oder harte Arbeit zu diesem "Status" führte.

Wirklicher Handlungsbedarf entsteht doch erst wenn das Verhältnis aus Einnahmen und Ausgaben nicht mehr stimmt. Die Ursachen dafür können entsprechend deiner Listen sehr vielfältig sein, das "arbeitende Volk" das noch nie was von Aktien gehört und keinerlei Reserven hat aber ebenso treffen. Solange man "jung" ist und eine Rückkehr in die Arbeitswelt offen. bleibt, ist doch alles okay.

Schwieriger wird es wenn man so kalkulieren muss dass eine Wiedereingliederung ins Berufsleben eben nicht mehr möglich sein könnte. DANN ist natürlich eine breite Diversifikation und ein konservativeres Vorgehen ratsamer.

Ich persönlich habe für mich beschlossen, dass ich mich ab einem potenziellen Vermögen (nicht Cash) von um die 2.000.000€ relativ sicher fühle, andere brauchen vielleicht nur die Hälfte oder ein drittel dessen, sind aber auch nicht solche Schisser wie ich 😀

Wenn ich in vier Jahren mit 40J FIRE gehe, dann setzt sich das bei mir etwa wie folgt zusammen:

bezahltes EFH mit Ferienhaus (aktuell ca. 650.000€ Marktwert)

12WE Mehrfamilienhaus ( aktuell ca. 2.300.000€ Marktwert und in vier Jahren noch mit rund 1,1 Mio belastet)

Wenns nicht doof läuft 400.000€ im Depot und nach Abzug der Kosten  30.000€ p.a. brutto aus den Ferienwohnungen und meiner Bullivermietung.

Alles bis auf die laufenden Cashbezüge aus Ferienwohnungen und Bullivermietung dient aber letztlich nur dazu, nicht in Panik zu verfallen und stärkt mein Sicherheitsgefühl für den Fall dass irgendwelche der auf deiner Liste aufgeführten Katastrophen passieren, fürs tägliche Leben brauche ich das nicht.

Wenn man seinen Horizont noch nicht so langfristig absteckt wie ich das mache und so wie Supertramp bei geringsten Ausgaben und deutlichem Einnahmeüberschuss aus Dividenden immer noch weiter Vermögen aufbauen kann und zudem noch jung ist und sich nicht darauf versteift, dieses Szenario in der Form bis ans Lebensende durchzuplanen, dann ist doch eigentlich alles gut, in jedem Fall aber doch kein riskanteres Leben als es 80% der Bundesbürger führen, die ihr Auskommen ohne passives Einkommen bestreiten (müssen!).

VG

 

 

zudem:

Aber auf ein paar Jahren im Bullenmarkt mitgeschwommen zu sein, dabei EUR300tsd gemacht zu haben, und jetzt von finanzieller Freiheit zu reden, das ist nicht realistisch.

...Dann noch kombinieren zu schreiben dass er mit seiner jetzigen Finanzplanung mit dem Rücken zur Wand steht, finde ich schon etwas abgehoben. Wir sind hier im Forum ein bunter Haufen an überwiegend gut und sehr gut verdienenden und in Teilen sicherlich auch überdurchschnittlich intelligenten Menschen, die in Kombination mit sparsamer Lebensweise versuchen, uns von dem zu lösen was "wir" vielleicht als "Qual und Schufterei" für andere empfinden. Ich denke, dass man sich als junger Mensch mit mehr als 300.000€ auf dem Konto sehr wohl relativ sicher fühlen kann, vielleicht nicht um b is ins hohe Alter vorauszuspekulieren aber durchaus genug um sich teilweise oder für eine gewisse Zeit aus dem Berufsleben zurückzuziehen, sich selbst zu finden oder auch neu zu Erfinden und zu schauen was einem Spaß und Freude bereitet. Das ist ein Betrag für den man bei Mindestlohn in Vollzeit 25 Jahre lang schufen muss ( und dann noch immer keine Rücklagen hat! ). Finanziell frei sein kann man auch in einer längeren Auszeit oder mit ergänzendem Teilzeitjob. Ich finde deine Aussagen, obgleich gut gemeint, recht  "abgehoben" - man möchte doch bitte im Auge behalten und vergleichend analysieren was der "Durchschnittsbürger" so "hat"...

Die Eingangsfrage stellte sich einer möglichen und sinnvollen Freizeitgestaltung, auch im Hinblick auf soziale Interessen, vielleicht kehren wir ja dahin zurück...

 

VG

 

 

Hallo @scrooge-mcduck,

vielen Dank für deine Ausführungen, der Realitätsabgleich schadet ja nie und das nehme ich auch niemandem krumm. Ich bin übrigens 33, das habe ich vergessen im ersten Post zu erwähnen.

Ich stimme dir völlig zu, dass mein Geld keine ausreichende Sicherheit gegen alles ist - ein, zwei Tiefschläge reichen sicherlich aus, um das Geld verpuffen zu lassen und mich bei Null oder weniger stehen zu lassen. Ich finde es wird auch hier wieder deutlich, wie unterschiedlich Risikoempfinden sein kann. Ich fühle mich schon recht sicher, wenn ich ein paar teure Rückschläge überstehen kann - für wie viele ist es schon eine Katastrophe, wenn die Waschmaschine oder das Auto kaputt geht...? Ich weiß aber auch, dass ich keine Limonade draus machen kann, wenn mir das Leben nur noch Zitronen serviert. Alle möglichen Dinge aufzulisten, die im Leben passieren können, erinnert mich an einen Versicherungsvertreter, der mal bei mir (erfolglos) zu besuch war. Davon halte ich nicht viel, wenngleich ich auch der Meinung bin, dass man davon ausgehen sollte, dass auch mal schlechte Zeiten kommen. Ich werde aber z.B. sicherlich nicht unüberlegt aus Versehen ein Haus kaufen und auch wenn mein Wohnmobil (nicht Wohnwagen) zusammenbricht, kaufe ich einfach ein anderes, dafür muss ich nicht an mein Depot, weil meine Ansprüche eher niedrig sind. Der genannte Versicherungsvertreter ist inzwischen übrigens finanziell frei, und zwar eher nach deinem Maßstaß als nach meinem, und hätte ich auf ihn gehört, wäre ich es noch nicht mal nach meinem Maßstab.

Wie @frugi85 schreibt, müsstest du damit dem Großteil der Deutschen vorwerfen, mit dem Rücken zur Wand und mit einem Fuß im Jobcenter zu stehen. Für mich ist es wichtiger, generell flexibel zu sein. Das beziehe ich auf alles - meine Wohnform, mein Lebenstil, das Land in dem ich Lebe oder auch ob ich, wenn es nötig ist (und ich nicht arbeitsunfähig bin) wieder arbeite. Staatliche Unterstützung als letzten Rettungsring würde ich natürlich selbst ungern in Anspruch nehmen, ich urteile aber über niemandem, dessen Schicksal ihn dazu zwingt. Genau dafür haben wir dieses System.

Ich denke, man kann sich nicht gegen alles absichern, nicht mit 300.000€ und nicht mit 2.000.000€. Man kann seinen Wohlfühl-Betrag  beliebig hoch ansetzen und dann sein Leben damit verbringen, darauf hinzuarbeiten um sich am Ende möglichst sicher zu fühlen. Was aber, wenn man zu lange auf dieses Ziel hinarbeitet und danach erst feststellt, dass nichts einen Glücklich macht, wofür man so viel Geld bräuchte? Vielleicht noch nicht einmal die viele Freizeit. Da muss wohl jeder sein Maß finden und ich bin der Ansicht, meines gefunden zu haben.

Und auch da stimme ich @frugi85 zu: In diesem Thread ging es eigentlich darum, was man mit seiner Freizeit tut, wenn man sich als finanziell unabhängig fühlt. Deswegen würde mich interessieren: @scrooge-mcduck und @Privatier : Was macht ihr (neben der Finanzberatung anderer) in eurer Freizeit?