Frugalisten - Finanzielle Unabhängigkeit - Einfaches Leben

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Bis zum 67. Geburtstag Tag für Tag arbeiten gehen?
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Finanzielle Freiheit - genial oder moralisch bedenklich?

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Ich möchte auch hier den Foranden (heisst das so?) die Anregung geben, sich einmal mit dem Thema ethische Berufswahl und Karriereberatung auseinanderzusetzen, wie sie die Stiftung für effektiven Altruismus anbietet. Meines Erachtens sind das frugalistische Konzept und der effektive Altruismus komplementäre Ansätze zur Sinnstiftungsmaximierung für jeden einzelnen. Mal weniger gestelzt:

Frugalismus: wie bin ich maximal glücklich und erziele gleichzeitig möglichst schnell die finanzielle Unabhängigkeit?

Effektiver Altruismus: wie bin ich maximal glücklich und helfe gleichzeitig bestmöglich denjenigen in der Welt, denen es am dreckigsten geht.

Eine gute Jobwahl brauche ich für beide Konzepte, aber überraschenderweise sind die naheliegenden Jobkandidaten (Arzt, Tätigkeit für gemeinnützige Organisationen etc.) in vielen Fällen aus ethischer Sicht eben nicht die „richtigen“ Jobs, sondern ganz andere. Als erfolgreicher Investmentbanker kann man zB viel mehr Geld effektiv spenden (EA) oder auch sparen (Frugalismus), als als Arzt....

weiß ja erst seit gestern davon, dass es da diese FIRE Bewegung gibt, mit dem effektiven Altruismus geht es mir genauso. Irgendwo sind das natürlich beide eher pragmatische Herangehensweisen, aber an ganz unterschiedliche Dinge. Ist das Konzept von FIRE mit dem Streben danach, maximal glücklich zu sein und gleichzeitig möglichst schnell finanzielle Unabhängigkeit zu erzielen wirklich treffend skizziert? Zwei Dinge gleichzeitig zu maximieren ist ja öfters mal etwas schwierig...

Zum eigentlichen Thema - ist es moralisch verwerflich, nicht arbeiten zu gehen? Gegenfrage: Ist es vielleicht nicht eher moralisch verwerflich arbeiten zu gehen (also Vollzeit, in einem Job, den man, wenn man die Wahl hätte, lieber nicht, oder nicht in Vollzeit machen würde), obwohl man gar nicht müsste? Immerhin sorgt man dadurch dafür, dass es ein größeres Angebot an Arbeitskräften gibt, was gleichzeitig dazu führt, dass es weniger Anreiz für Arbeitgeber gibt, Jobs, die wirklich gebraucht werden, so zu gestalten, dass keiner auf die Idee kommt, mit 40 damit aufhören zu wollen. Fachkräftemangel hin oder her: Es gibt ja vor allem einen Mangel an Arbeitskräften, die den Job billig machen, und keine Ansprüche stellen ("Sie müssen Ihr Privatleben schon um die Arbeit herum gestalten, nicht andersherum..."). Also man sorgt durch krampfhaftes Arbeitnehmertum auch dafür, dass sich in der Gesellschaft keine Arbeitsstrukturen herausbilden, die das Leben für alle lebenswerter machen würden, und auch dafür sorgen würden, dass es einfacher möglich wäre, Kinder zu haben. In manchen Jobs sieht man, was geht, wenn der Arbeitgeber den Arbeitnehmer nur richtig will: Kompatibler Kindergarten im Betrieb, Zimmer für kranke Kinder, damit man auch arbeiten kann, wenn ein Kind krank ist... flexiblere Arbeitszeiten usw.

Schuld gegenüber der Gesellschaft: Wenn meine Ausbildung Geld gekostet hat, das der Steuerzahler an den Staat bezahlt hat, dann gibt es - wenn man so denken will - doch eher eine Verantwortung gegenüber diesem Staat und damit den Steuerzahlern, als gegenüber der Gesellschaft als ganzem. Dem Staat bin ich ja auch dadurch nützlich, dass ich ihm nicht auf der Tasche liege. Man darf nicht vergessen: Der mit Abstand größte Posten im Bundeshaushalt sind die Zuschüsse zu den Rentenzahlungen. Rente bekommen Leute, die ihr ganzes Leben, oft hart gearbeitet haben. Und jeder, der unterdurchschnittlich verdient, wird weniger in das System einzahlen, als er rausbekommt. Das ist in einem System, das von arm nach reich umverteilt zwangsläufig so.

Was das Wiederreinbekommen der Kosten angeht, so ist das ja gar nicht mal so schlecht, wenn man viel spart, das gesparte anlegt und dadurch Einnahmen hat. Bei Aktien zahlt man zwar nur 25%, aber immerhin. Wenn man z.B. Amazon Aktien hat, dann zahlt man für den Gewinn aus diesem Besitz wahrscheinlich mehr Steuern, als wenn man den gleichen Betrag nehmen würde, und etwas bei Amazon bestellen würde (außer Umsatzsteuer wohl nicht viel...) Wenn man z.B. Immobilien vermietet, dann ist man ziemlich schnell dabei, auch deutlich mehr vom Gewinn an den Fiskus abzugeben, in Kombination mit einem normal-ordentlichen Einkommen ist man schneller beim Spitzensteuersatz, als man schauen kann.

Gesellschaftlich ist es auch nicht nur schlecht, wenn es eine größere Anzahl an Menschen gibt, die eigentlich noch im Saft stehen und noch Kapazitäten für irgendwas außer Arbeit übrig haben. Ein gewisser Prozentsatz davon wird die Zeit schon auch der Gesellschaft nützend verwendet werden. Und wenn es nur dadurch geschieht, sich auf einen Kaffee mit den Nachbarn zu treffen, oder öfter mal ein Bier mit ein paar Leuten zu trinken - stärkt soziale Bindungen, auch das ist eine Art von Kapital, das der Gesellschaft nützlich ist. Es ist auch nicht unbedingt schädlich für die Gesellschaft, wenn Eltern mehr Zeit für ihre Kinder haben, weil sie - bescheidenem Lebensstil und bereits getätigten Investitionen sei Dank - nicht den Druck haben, beide vollzeit zu arbeiten. (das mit den Kindern wäre aber schon wieder ein Thema für sich)

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/warum-eigentlich-genug-geld-fuer-alle-da-ist/978-3-446-44703-5/

 

Das Buch behandelt die moralischen Aspekte des Schuldgeldsystems sehr gut. Viele Dinge haben mich zum Nachdenken angeregt. Und gerade das Leben auf Zins sieht man dannach mit anderen Augen. Als Ingenieur kann ich nur sagen das viele meiner gut ausgebildeten Kollegen verheizt werden ohne einen Gesellschaftlichen Mehrwert zu erzeugen. Ob man jetzt das neueste SUV entwickelt oder den Nächsten Supersport Kombi mit 600PS das braucht kein Mensch mehr.  Aber genau an diesen Themen arbeiten ein Großteil der Kollegen der Automobilindustrie 🙁

 

Zu dem Thema hat sich Jacob von earlyretirementextreme hier und hier geäußert, viele Argumente wurden aber hier bereits besprochen.

Den Gegenwind kenne ich gut, mehr sogar beim Punkt frugal leben oder überhaupt mehr als 10% des Einkommens zu sparen. Da wird man beim Beschreiben des eigenen Verhaltens angegriffen, bemitleidet oder belehrt. Ein gutes Beispiel wie Menschen abweichende Lebensstile als einen persönlichen Angriff empfinden, das ist allerdings ein anderes Thema

Moralisch bedenklich halte ich viel mehr die Personen, die zwar immer die Moral-Keule auspacken, dann sich aber nicht entsprechend verhalten. Bei vielen ist ein frugaler Lebensstil aber einfach auch nicht möglich, weil man sich selber in eine Sackgasse manöviert hat. Mit 25 ein Haus, ein schönes Auto usw und dann wundert man sich mit 30, dass man kein Geld zum Leben hat und wird entweder depressiv oder aggressiv gegenüber denen die es anders gemacht haben.

Wenn man sich mit finanzieller Freiheit beschäftigt, kommt das Thema Nachhaltigkeit auch recht schnell auf den Tisch. Und der Turbo Kapitalismus, der aktuell die Welt beherrscht wird in der jetzigen Art und Weise nicht unendlich bestehen können. Daher wäre ein sinnvoller Umgang mit Ressourcen wünschenswert. Aber das können die wenigsten. Wenn ich nur das besitze und kaufe was ich benötige, dann brauche ich weniger Geld und so kann man entweder mehr sparen oder weniger arbeiten oder früher gehen. Aber man sollte sinnlosen Konsum nicht als gesellschaftliche Pflicht propagieren und die Sparer an den Pranger stellen, weil sie wirtschaftliches Wachstum verhindern oder untergraben.

Dieses tot argumentieren von denen die es nicht verstehen oder nicht verstehen wollen, wird man leider akzeptieren müssen. Denn Minimalismus oder Frugalismus (gibt es das Wort?) sind nicht die Norm und daher für viele abnormal. Und alles was nicht der eigenen Norm entspricht wird direkt als Feindbild manifestiert.

Zur Moral des Konsums passt die finde ich ganz gut:

https://www.n-tv.de/wissen/Die-Deutschen-leben-ab-Mittwoch-auf-Pump-article20412943.html

VG Alex

So richtig kann ich diese Ethik-Diskussion nicht nachvollziehen. Wir kümmern uns um unsere eigene finanzielle Absicherung, ich verstehe nicht, was daran moralisch verwerflich sein soll. Oder ist es nur ein Totschlag-Argument von Leuten, die noch an den Nanny-Staat glauben oder aber von Sparen etc. nichts halten? Oder schlichtweg neidisch sind ?

Ich spreche eher nicht über Frugalismus und versuche erst recht nicht , jemanden zu überzeugen. Die meisten Leute wollen den ungebremsten Konsum und sehen die damit verbundene Abhängigkeit nicht oder haben kein Problem damit. Sie schimpfen zwar , fühlen sich aber eigentlich wohl in ihrem Hamsterrad.  Ist auch vollkommen ok, jeder muss diese Themen für sich selbst entscheiden und darüber hinaus ist es ja auch ein Prozess, den man durchläuft.

Im übrigen finde ich das ganze irgendwie typisch deutsch. In den USA klopft man dem, der Initiative zeigt und etwas erreicht, auf die Schulter. In D wird er misstrauisch beäugt und hält am besten die Klappe. Komische Welt 😏

 

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