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Das deutsche Rentensystem

Hey! Ich wollte mal ganz allgemein von euch hören, was eure Meinung ist, ob und wie man das deutsche Rentensystem noch retten und den Karren aus dem Dreck ziehen kann. Hintergrund ist das folgende Video, das mir dahingehend die Tragweite des Ganzen nochmal ganz bewusst vor Augen geführt hat!

https://www.youtube.com/watch?v=2rjx_GpllaU

Würde mich freuen eure Meinung dazu zu hören!

Der Erkenntnisgewinn aus diesem Video ist, wenn man sich schon mal ein bisschen mit der Materie Rente befasst hat (dazu reicht eigentlich schon regelmäßiges Nachrichten schauen aus), nicht wirklich groß. Um nicht gar zu sagen, eher sehr klein. Richtig und wichtig ist es aber dennoch, junge Menschen (vielleicht auch auf diesem Weg) bereits frühzeitig für das wachsende Problem der Rentenschere zu sensibilisieren, denn ich sehe derzeit die von der Ampel angedachte Kapitalrente natürlich nur als Ergänzung und ich denke, dass das derzeitigen Rentensystem absehbar kaum durch ein anderes System ersetzt werden wird. Da Elternhäuser ihren Nachwuchs wahrscheinlich nur sehr unterschiedlich auf die sich auftuenden Rentenlücken vorbereiten (gerade die, die es müssten, werden es vermutlich in der größeren Zahl nicht machen oder vielleicht auch gar nicht können), ist dies eine gesellschaftliche Aufgabe, die im Bildungsbereich ankommen müsste.

Unsere Große (12) hat vor einiger Zeit eine wirklich erstklassige (Aussage Lehrerin) und mit wirklich viel intensiver und sehr spezieller Arbeit verbundene Gedichtinterpretation hingelegt. Sie hatte uns diese im Nachgang auch noch mal vorgetragen (manches musste ich auch im Nachgang googeln, weil mir viele Begriffe gar nicht geläufig waren) und ich war schwer beeindruckt . Dennoch habe ich mir die Frage gestellt, warum so etwas in einer derartigen Tiefe behandelt wird, das Thema Wirtschaft und Finanzen in der Schule jedoch - wenn überhaupt - nur gestreift wird. Das derzeit bei ihr in Mathe aktuelle Thema Prozentrechnung beispielsweise würde einen guten Aufhänger bieten, das Thema Zins und Zinseszins und die Auswirkungen dessen auf Geld/Vermögen etc. mal zu streifen. Aber nein, es werden eher theoretische Ansätze vermittelt. Schade drum, denn dort vermitteltes Basiswissen zusammen mit der Sensibilisierung für dieses Thema wäre eine Chance, schon frühzeitig an eine ergänzende private Altersvorsorge zu denken.

Gestern ist mir bei einem YT-Video von Finanzfluss mit Andreas Beck noch etwas bewusst geworden, was mir (als Immobilien-Fritze) tatsächlich gar nicht so präsent war. Beck sagte (völlig zurecht), dass es nicht zu erklären ist, in welchem Umfang eine Bank belehren und dem Kunden Formulare zur Unterschrift vorlegen muss, wenn dieser auch nur einen kleinen Aktiensparplan von vielleicht 100 oder 200 Euro monatlich abschließen möchte. Der gleiche Kunde kann aber im nächsten Laden Designerklamotten oder Gucchi-Taschen für tausende von Euro erwerben, ohne das die Verkäuferin ihn über irgendwas aufklären müsste. Dieses Missverhältnis in der Bewertung des Umgangs mit Geld ist durch nichts zu erklären. Und nein, ich fordere keine Formulare für den Erwerb von Gucchi-Taschen. 😉

Ich kann meinen Beitrag leider nicht mehr editieren. Daher dieser Nachtrag:

Das Umlageverfahren, welches im heutigen Rentensystem den Hauptpfeiler bildet, hat ja zumindest den großen Vorteil, dass der von einem heutigen Beitragszahler in diesem Monat eingezahlte Euro den gleichen Wert (gemessen an der Kaufkraft) hat, wie der Euro, der aus dem "Einzahlertopf" im gleichen Monat an einen Rentenempfänger ausgezahlt wird.

Zitat von Trutlinde am 8. Dezember 2021, 18:30 Uhr

..., ob und wie man das deutsche Rentensystem noch retten und den Karren aus dem Dreck ziehen kann.

definiere "retten"!

Zitat von Trutlinde am 8. Dezember 2021, 18:30 Uhr

Hintergrund ist das folgende Video, ...

https://www.youtube.com/watch?v=2rjx_GpllaU

Würde mich freuen eure Meinung dazu zu hören!

eine Meinung habe ich erst, wenn die Kernaussagen in LESBARER Form vorliegen!

(wozu haben wir in der Grundschule Lesen und Schreiben gelernt 😉 )

 

Zitat von Cosmic68 am 9. Dezember 2021, 11:36 Uhr

...

Das Umlageverfahren, welches im heutigen Rentensystem den Hauptpfeiler bildet, hat ja zumindest den großen Vorteil, dass der von einem heutigen Beitragszahler in diesem Monat eingezahlte Euro den gleichen Wert (gemessen an der Kaufkraft) hat, wie der Euro, der aus dem "Einzahlertopf" im gleichen Monat an einen Rentenempfänger ausgezahlt wird.

vor allem KANN ein Rentensystem nur ein Umlageverfahren sein:

US-amerikanische Pensionskassen funktionieren auch nur, wenn Jüngere die Aktien aufkaufen, die für die Pensionen der Alten aktuell benötigt werden ... oder wenn bei Fälligkeit von Staatsanleihen (zeitlich passend zu den fälligen Pensionszahlungen) der Staat diese aus den aktuellen Steuereinnahmen zurückzahlt ...

Zitat von exit-tbd am 9. Dezember 2021, 14:21 Uhr
Zitat von Cosmic68 am 9. Dezember 2021, 11:36 Uhr

...

Das Umlageverfahren, welches im heutigen Rentensystem den Hauptpfeiler bildet, hat ja zumindest den großen Vorteil, dass der von einem heutigen Beitragszahler in diesem Monat eingezahlte Euro den gleichen Wert (gemessen an der Kaufkraft) hat, wie der Euro, der aus dem "Einzahlertopf" im gleichen Monat an einen Rentenempfänger ausgezahlt wird.

vor allem KANN ein Rentensystem nur ein Umlageverfahren sein:

US-amerikanische Pensionskassen funktionieren auch nur, wenn Jüngere die Aktien aufkaufen, die für die Pensionen der Alten aktuell benötigt werden ... oder wenn bei Fälligkeit von Staatsanleihen (zeitlich passend zu den fälligen Pensionszahlungen) der Staat diese aus den aktuellen Steuereinnahmen zurückzahlt ...

Finde ich nicht.

Umlagesystem bedeutet, dass ein Rentenzahler Geld abgibt um damit einen Rentner zu unterhalten. Sein Kapital ist endgültig weg.

Wenn hingegen jemand in Aktien spart und diese im Alter an andere Menschen verkauft, wechselt nur das Eigentum an Aktien. Der neue Käufer hat eben kein Kapital endgültig vernichtet, sondern vielmehr es sinnvoll investiert und wird daraus am Ende mehr Geld machen.

Du hast nur insofern Recht, als dass es diese neuen Käufer geben muss. Eine Aktienrente funktioniert nicht, wenn Unternehmen dauerhaft keinen Gewinn mehr machen würden. Das ist in unserem Wirtschaftssystem aber unrealistisch, da unternehmerische Tätigkeit ja nur wahrgenommen wird, WEIL sie Gewinn erwarten lässt.

Das derzeitige deutsche Umlagensystem wird aufrechterhalten um Geld von oben nach unten umzuverteilen und den Staat als vermeintlichen Wohltäter zu präsentieren. Dabei wäre für jeden mit vernünftigen Einkommen eine Aktienrente statistisch besser als das Umlagensystem, welches auch nur durch dir steuerlichen Subventionen unterhalten werden kann.

So wirds aber auch weiter gehen: Es werden künftig immer mehr und mehr Steuermittel in das Rentensystem gepumpt. Dadurch werden Steuern weiter steigen und Deutschland wird als Wirtschaftsstandort immer unattraktiver.

Wie man das verhindern kann? Mein 3 Punkte Programm:

  1. Absenkung der Spitzenrentensätze. Egal wie viel man vorher verdient hat z.B. maximal 2.000 € Rente
  2. Steuerliche Begünstigung privater Vorsorge. Ähnlich den USA eine steuerliche Freistellung von Arbeitseinkünften wenn diese in Aktien investiert werden.
  3. Wiedereinführung der Spekulationsfrist wie sie bis 2008 galt. Steuerfreiheit für Kapitalerträge z.B. nach 5 Jahr

Die Geringverdiener werden dadurch nicht belastet. Sie bekommen nicht weniger Rente als heute. Die Durchschnitts- und Spitzenverdiener bekommen weniger Rente als heute, bekommen dafür aber Möglichkeiten besser privat vorzusorgen.

So kann man das Umlagensystem schrittweise durch eine private Aktienrente ergänzen.

Dies müsste man offensiv bewerben, vielleicht mit einem Staatsfonds nach norwegischem Vorbild für Menschen, die sich nicht trauen selber Aktienfonds zu kaufen. Viele Länder gehen bereits solche Wege, Deutschland hat unter Führung der SPD aktuell sogar wieder einen Schritt in die falsche Richtung gemacht.

Andreas, 2 Anmerkungen zu der an sich guten Sicht auf das Rentensystem, die ich im Großen und Ganzen so teile.

  1. Das Umlageverfahren ist mehr als ein Durchreichen von oben nach unten, von reich zu arm. Das wäre nicht wertschätzend gegenüber Millionen Menschen die 40 Jahre und mehr gearbeitet haben und Beiträge gezahlt.
  2. Weil du es in Sachen Steuerzuschüsse nicht erwähnt hast: Ich denke du empfiehlst ähnliches (Deckelung 2.000€ Kapitalmarktvorsorge etc.) auch für Beamte.
Zitat von Andreas900 am 19. Dezember 2021, 23:49 Uhr

...

Du hast nur insofern Recht, als dass es diese neuen Käufer geben muss. Eine Aktienrente funktioniert nicht, wenn Unternehmen dauerhaft keinen Gewinn mehr machen würden. ...

eine "Aktienrente" wird aber auch dann schon problematisch, wenn VIELE Babyboomer/geburtenstarke Jahrgänge verkaufen ... und diesen (zu) wenige aktiv im Erwerbsleben stehende auf der Käuferseite gegenüberstehen ...

klar:
die Dividenden aus den Unternehmensgewinnen bleiben - der "Verzehr" des Kapitalstocks fällt nach einem Kurseinbruch wegen mangelnder Käufer aber karg aus!

Zitat von Muslime_Frugi am 20. Dezember 2021, 9:29 Uhr

Andreas, 2 Anmerkungen zu der an sich guten Sicht auf das Rentensystem, die ich im Großen und Ganzen so teile.

  1. Das Umlageverfahren ist mehr als ein Durchreichen von oben nach unten, von reich zu arm. Das wäre nicht wertschätzend gegenüber Millionen Menschen die 40 Jahre und mehr gearbeitet haben und Beiträge gezahlt.
  2. Weil du es in Sachen Steuerzuschüsse nicht erwähnt hast: Ich denke du empfiehlst ähnliches (Deckelung 2.000€ Kapitalmarktvorsorge etc.) auch für Beamte.

Zu 1:

Eine reine Umverteilung von oben nach unten ist es in der Tat nicht. Selbst ein Geringverdiener zahlt ja effektiv in die Rentenkasse ein. Das Rentensystem ist aber vor allem für Geringverdiener wichtig, da diese ohne ein gesetzliches Rentensystem garnicht privat genug vorsorgen könnten. Deswegen braucht es auch weiterhin ein gesetzliches Rentensystem, welches die Rente derer sichert (auch durch Umverteilung), die sehr wenig verdienen, aber wie du zurecht sagst nach 40+X Jahren mehr verdient haben als Grundsicherung.

Zu 2:

Das Beamtensystem ist ein in sich anderes Berufssystem. Es basiert auf einer lebenslangen gegenseitigen Abhängigkeit. Dazu gehören Besonderheiten wie dass der Beamte in seiner Pension z.B. weiter die private Krankenkasse zahlen muss, er kein Streikrecht hat und keine Nebentätigkeiten ausüben darf. Nicht selten arbeiten Beamte an die 50 Jahre. Ich bin aber auch bei Beamten ähnlicher Meinung, dass diese z.B. die Pensionen auf 2.000 € deckeln könnten (ggfls. mit einem Zuschuss für die private Krankenversicherung).

Generell geht es bei der Deckelung eher um das obere Einkommensdrittel. Die Mehrheit der Beamten und generell die Mehrheit von uns sind das nicht.