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Vor-/Nachteile des Minimalismus/Frugalismus

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Zitat von Privatier am 14. Januar 2020, 14:35 Uhr

Hier sind uns die USA wie zumeist mal wieder "voraus". Da dort zumeist der Vermögensaufbau fürs Alter über Aktien / Fonds erfolgt, haben dort schon viele erlebt, was bei einem deutlichen Markteinbruch passiert. In Deutschland sind meiner Ansicht nach viele zu blauäugig. 400 TEUR in ETFs und das reicht dann von 30 bis 90. Aber auch nur vielleicht.

Im Internet gibt es dazu genug Geschichten, zB:

https://www.wired.com/story/meet-camperforce-amazons-nomadic-retiree-army/

Ich bin jedenfalls ganz froh über eine ganz ordentliche Sammlung an Rentenpunkten, Betriebsrenten etc.

 

Ich habe den Artikel auf wired.com jetzt nur kurz überflogen. Aber wir haben da den "Chuck", der sein nest egg von 250000$ in einen Fond gesteckt hat, der ihm 4000$ im Monat "garantierte", von denen er leben könne. Er hatte also eine WR von 19,2%. Die meisten Frugalisten orientieren sich an einer WR von 4%. Die hätte sogar funktioniert, wenn man einen Tag vor dem großen Crash von 1929 oder dem Ausbruch einer der beiden Weltkriege in Rente gegangen wäre.

@Lex:

Ich stimme auch nicht zu, dass man ein Klumpenrisiko eingeht, wenn man von seinem ETF-Depot lebt. Als Angestellter ist man i.d.R. vom Zahlungsstrom von genau einer Firma abhängig. Beim ETF-Depot, wenn man es richtig macht, von hunderten.

Zitat von chn am 31. Januar 2020, 9:12 Uhr

Ich habe den Artikel auf wired.com jetzt nur kurz überflogen. Aber wir haben da den "Chuck", der sein nest egg von 250000$ in einen Fond gesteckt hat, der ihm 4000$ im Monat "garantierte", von denen er leben könne. Er hatte also eine WR von 19,2%. Die meisten Frugalisten orientieren sich an einer WR von 4%. Die hätte sogar funktioniert, wenn man einen Tag vor dem großen Crash von 1929 oder dem Ausbruch einer der beiden Weltkriege in Rente gegangen wäre.

Ich hab von Dir keinen Vorstellungsthread gefunden, aber ich gehe mal davon aus, dass Du die Zeiten Anfang des Jahrtausends noch nicht investierenderweise erlebt hast. Ja, heute sagt man, das hätte doch nie funktionieren können. Aber damals hielt man sowas eben für möglich, da war eine allgemeine Hochstimmung und allenthalben Erwartungen von Rekorden.

Dass Du die 4 %-Entnahmerate in Krisenzeiten für immer noch ausreichend hältst, zeigt mir, dass Du Dich noch nie damit beschäftigt hast, wieviel Geld denn wohl jemand gebraucht hätte, dem im Krieg das Haus ausgebombt wurde oder der sich in den Hungerjahren Lebensmittel oder sonstige dringend benötigte Güter kaufen wollte. Schwarzmarktpreise sind in Deiner "sicheren" Entnahmerate nicht drin.

Zitat von Christine am 31. Januar 2020, 11:18 Uhr
Zitat von chn am 31. Januar 2020, 9:12 Uhr

Ich habe den Artikel auf wired.com jetzt nur kurz überflogen. Aber wir haben da den "Chuck", der sein nest egg von 250000$ in einen Fond gesteckt hat, der ihm 4000$ im Monat "garantierte", von denen er leben könne. Er hatte also eine WR von 19,2%. Die meisten Frugalisten orientieren sich an einer WR von 4%. Die hätte sogar funktioniert, wenn man einen Tag vor dem großen Crash von 1929 oder dem Ausbruch einer der beiden Weltkriege in Rente gegangen wäre.

Ich hab von Dir keinen Vorstellungsthread gefunden, aber ich gehe mal davon aus, dass Du die Zeiten Anfang des Jahrtausends noch nicht investierenderweise erlebt hast. Ja, heute sagt man, das hätte doch nie funktionieren können. Aber damals hielt man sowas eben für möglich, da war eine allgemeine Hochstimmung und allenthalben Erwartungen von Rekorden.

 

Die 4% hätten damals funktioniert.

 

Zitat von Christine am 31. Januar 2020, 11:18 Uhr

Dass Du die 4 %-Entnahmerate in Krisenzeiten für immer noch ausreichend hältst, zeigt mir, dass Du Dich noch nie damit beschäftigt hast, wieviel Geld denn wohl jemand gebraucht hätte, dem im Krieg das Haus ausgebombt wurde oder der sich in den Hungerjahren Lebensmittel oder sonstige dringend benötigte Güter kaufen wollte. Schwarzmarktpreise sind in Deiner "sicheren" Entnahmerate nicht drin.

 

Das mit den Weltkriegen ist ein Beispiel und eine Rechenübung um zu zeigen, wie sicher die 4% sind. Ich rechne nicht ernsthaft mit einem neuen Weltkrieg und halte es für unvernünftig, einen solchen konkret in die eigene Finanzplanung mit einzubeziehen. Lebenshaltungskosten während eines neuen, hypethetischen Weltkrieges kann man eben nicht abschätzen. Ich glaube, da hat man auch andere Sorgen. Das ist aber für mich aber kein Grund, ansonsten auf eine faktenfundierte, vernünftige Planung zu verzichten. Und nach allem, was ich bisher weiß, funktionieren die 4%.

@chn

Zitat von chn am 31. Januar 2020, 9:12 Uhr

Ich stimme auch nicht zu, dass man ein Klumpenrisiko eingeht, wenn man von seinem ETF-Depot lebt. Als Angestellter ist man i.d.R. vom Zahlungsstrom von genau einer Firma abhängig. Beim ETF-Depot, wenn man es richtig macht, von hunderten.

Naja, da gibt es eben noch dazwischen die eine Bank welche dir den ETF ausgibt, aber gut. Ich meine eher das man umfassender diversifiziert sein sollte - Humankapital, Freunde und soziale Beziehungen sowie geschäftliche Kontakte, unterschiedliche Anlageklassen in Sachwerte: Gold, Aktien, Immobilien sowie Rentenpunkte, betriebliche Alterversorge etc.

Zitat von Lex am 31. Januar 2020, 13:00 Uhr

Ich meine eher das man umfassender diversifiziert sein sollte - Humankapital, Freunde und soziale Beziehungen sowie geschäftliche Kontakte, (...)

"Humankapital"...du hast Familie, Freunde und führst soziale Beziehungen, nur um möglichst diversifiziert zu sein? Was impliziert, nur um kalkuliert Risiken zu verteilen und persönlichen Nutzen daraus zu ziehen?

Ich hoffe (für dich), das liest sich in deiner Formulierung hier nur so grauenvoll...und ich hoffe du verstehst, wie ich diesen Beitrag meine 😉

Hi Michael321,

warum liest sich das den grauenvoll? Humankapital meint natürlich die eigene Ausbildung und Fähigkeiten. Familien und Freunde und soziale Kontakte haben natürlich auch einen Wert ohne diese auf diesen zur reduzieren. Es ist doch klar, dass man gemeinsam stärker ist als alleine.

 

 

 

@chn, leider habe ich den Eindruck, Du hast gar nicht verstanden, worauf ich hinauswollte.
Ich wünsch Dir, dass es bei Dir mit den 4 % hinhaut. Sicher sind sie nicht.

Konsum: Wenn ich um mich schaue, dieser "Perverskonsum". Da wird mir regelmäßig übel. ( die sechste Armbanduhr, "shoppen gehen" (in sich schon ultra fraglich), SUV`s (ohne Worte), Kreuzfahrten, Reichtum zelebrieren gleichzeitig Armut verhöhnen (Kotz), .......,    Das sind wohl die Dinge/Verhalten die mir am Meisten fraglich/verächtlich erscheinen. Versteht mich richtig, auch mich kriegt man mit gewissen Dingen und Verhaltensweisen. Möchte nicht moralapostelieren, ich fühle halt so. Anderseits funktioniert unser System auch nur durch den Konsum. Völlig unrealistisch zu glauben es wird sich grundsätzlich etwas ändern. Konsum so zu lenken das er umweltverträglicher, fairer, nachhaltiger wird, das wird der mögliche/erträgliche Weg sein.

Minimalismus: Jeder definiert seinen Minimalismus selbst ! Ich selber würde gerne noch minimalistischer leben wollen. Mein Umfeld macht Dieses leider nicht mit. Meine Vorstellungen wirklich ausleben ? Es sind mir die Konsequenzen nicht wert. Ich schließe meinen Kompromis, mein Umfeld kann mich ertragen.  Jeder sollte seinen individuellen Weg finden. Für den Einen ist es dann halt nur der Entschluß statt monatl. zu "shoppen" das nur vierteljährl. zu machen, für den Anderen nur noch Second Hand zu kaufen. Extrem oder tendenziell minimalisieren, die grundsätzliche Richtung finde ich sympathisch.

Vermögen/ FU : den absoluten Worth Case einzuplanen wirkt schon sehr befremdlich. Dann müßte man auch Lebensmittel ect. für wie lange horten (2 Monate ?) und nen Atombunker im Garten bauen. Naja, wie wichtig nimmt man sein kleinen Leben ? Glaube in diesem Umfeld sind 4% Themen dann sehr uninteressant.

4% Regel. Ist hier im Forum ja schon umfänglich diskutiert. Überlebenswahrscheinlichkeiten von Portfolios, alternative/weitergehende Entnahmestrategien. Sehr diffiziles Thema das mich ein wenig überfordert wenn es darum geht sein Portfolio optimal auszunutzen. Nach längerer Recherge werde ich wohl eher eine "lebendige" +- 3% Regel anwenden um die Überlebenswahrscheinlichkeit hochprozentig zu halten.

Die Anlage in ETF/Fonds empfinde ich prinzipiell als recht sichere Anlage, da man ja in Unternehmenswerte investiert die auch nach einem extremen Down nicht wertlos werden und obendrein sehr mobil sind.

Rentenpunkte: wenn man an den Bestand des Systems für die verbleibende Lebenszeit glaubt sind Rentenpunkte eine gute Sache. ( ich glaube auch daran, oder möchte daran glauben ). Ich verweise aber auch auf Griechenland und jetzt aktuell auf den Libanon. Wie schnell und real die Verlässlichkeit eines Renten- und Bankensystems Federn läßt, ist schon ernüchternd. Schön wenn man dann alternative Quellen und Möglichkeiten hat. Hier empfinde ich ETF/Fonds auch als vorteilshaft da relativ bankenunabhängig.

Humankapital: sollte die Grundlage einer Absicherung/Lebensabsicherung sein. Soziale Strukturen sind im allgemeinen Leben so wichtig. Ich denke ab und zu mal drüber nach was wie wäre wenn ich mein soziales Umfeld verliere und alleine klar kommen müßte.  Das wäre tatsächlich abhängiger, auch teurer und natürlich einsamer.

 

 

Zitat von Christine am 31. Januar 2020, 21:38 Uhr

@chn, leider habe ich den Eindruck, Du hast gar nicht verstanden, worauf ich hinauswollte.
Ich wünsch Dir, dass es bei Dir mit den 4 % hinhaut. Sicher sind sie nicht.

 

Deinen Eindruck teile ich. Worauf willst du denn hinaus?

Bei mir müssen die 4% übrigens garnicht hinhauen. 3% genügen. Aber auch das ist freilich nicht 100% sicher.

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