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täglicher Ansporn vs. Glaubenssatz

Hallo zusammen,

was treibt Euch jeden Tag an? Was ist Eure Glaubenssatz?

Mich treibt meine Ungeduld an und ich möchte eine Lebensspur hinterlassen.

Freundliche Grüße

Grundsätzlich die Tatsache, dass ich in einem Job arbeite, nach dem es einen echten Bedarf gibt. Motivieren kann ich mich auch ganz gut mit profanen materiellen Zielen/Dingen - die ich mir dann aber dann doch nicht kaufe, wenn ich das Geld zusammen habe. 😉 Was mich aber am meisten motiviert, sind Dinge, die schief laufen.

Motto: besser werden.

Lebensspur interessiert mich weniger, das ist im schlimmsten Fall Bodo-Schäfer-Style. Die Menschen, die eine sinnvolle Spur hinterlassen, haben das nicht als eigenes Lebensziel, sondern andere Menschen sehen deren Weg als Vorbild an. Das ist ein erheblicher Unterschied. Mein Ziel ist es, mich abschließend in der See verklappen zu lassen, auf keinen Fall mit Grabstein oder ähnlichem Gedöns. Wer sich dann noch an mich erinnern will, soll halt am Strand entlangspazieren - reicht mir aus.

Lebensspur hinterlassen? Heute scheinen hier viele lustig unterwegs, das gefällt mir!

Überzeugen Sie ein paar Frauen von sich und haben Sie dann irgendwie 20 Kinder zu denen Sie nett sein sollten, und den Enkeln.... Ok, ein Scherz! Ich glaube der Carnegie wars: Es ist keine Schande reich zu werden, sonder reich zu sterben. Den kennt man heute noch, nach ziemlich genau 100 Jahren; also erst reich werden dann Philanthrop und Forschungseinrichtungen, Krankenhäuser, Bücherei ... stiften. Wäre doch mal was! Bin sowieso der Meinung, dass sich die Superreichen in DE da zu sehr wegducken im Vergleich zu den USA.

Deutschland kann man auch nicht mit den USA vergleichen. USA ist uns in manchen Dingen voraus. Die USA ist das "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" oder vom "Tellerwäscher zum Millionär". Ich denke das hat auch was mit der Kultur und Mentalität zu tun. Neid und Missgunst sind in Deutschland oftmals an der Tagesordnung. Leider!

Ich finde die Frage eine gute und spannende und würde mich freuen, wenn hier noch mehr hier über ihren Ansporn berichten würden.

@mfz73 gibt es einen bestimmten Bereich, in dem du nach Optimierung strebst?

 

Ich für meinen Teil habe meinen Ansporn gefunden, indem ich herausgefunden habe, was mich nicht anspornt: 1. Einen Job machen, der kein wirkliches "Ergebnis" hat, nur dafür zu sorgen, dass Menschen noch mehr an sich selbst zweifeln und deshalb noch mehr konsumieren. 2. Tiere und Umwelt zum reinen Vergnügen und/oder Genuss ausbeuten. 3. Hauptsache nach außen hin glücklich aussehen.

Was mich anspornt: Meine wahre Definition von Glück erarbeiten und dieses dann leben; im Hier und Jetzt leben – wollen, was ich habe, anstatt immer nur mehr zu wollen und zu kaufen und trotzdem nie bei der Person anzukommen, von der man denkt, man wäre sie dann irgendwann. Etwas zurückgeben, zum Beispiel an meine Eltern, die mich immer bedingungslos unterstützt haben. Ein riesengroßer Ansporn ist auch der Zeitgewinn, den man wirklich sinnvoll nutzen kann, wenn man seine Energie nicht in Außenwirkung, Konsum und Selbstzweifel steckt.

Mein Ansatz ist in vielen Punkten sehr idealistisch, und ist auch an harten Tagen kein Garant dafür, dass ich nicht in schwachen Momenten "rückfällig" werde. Aber mein Leben und meine Sicht darauf haben sich in den letzten Monaten um 180 Grad gedreht.

This is the start of anything you want.
Zitat von Sparfuchs1983 am 11. Januar 2020, 9:05 Uhr

Deutschland kann man auch nicht mit den USA vergleichen. USA ist uns in manchen Dingen voraus. Die USA ist das "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" oder vom "Tellerwäscher zum Millionär". Ich denke das hat auch was mit der Kultur und Mentalität zu tun. Neid und Missgunst sind in Deutschland oftmals an der Tagesordnung. Leider!

Ich glaube nicht das uns die Amerikaner voraus sind, soviel ich weis ist Amerika das einzige westliche Land mit einer sinkenden Lebenserwartung (30.000 Tote durch Schusswaffen oder 70.000 Tote durch Drogenmissbrauch lassen mich da doch skeptisch zurück). Und welche Möglichkeiten bietet Amerika, die wir hier nicht haben ? Vom Tellerwäscher zum Millionär funktioniert hier auch, in meinem Bekanntenkreis alleine mehrfach.  Und Neid und Missgunst stelle ich in unserem Bekanntenkreis recht wenig fest, wobei du Recht haben kannst dass dieses in Deutschland etwas ausgeprägter sein kann.

Weder ich noch kaum jemand den ich kenne haette das was wir hier geschafft haben in Deutschland gekonnt. Wir sind allesamt Angestellte. In Deutschland ist so eine Karriere fast nur mit Firmengruendung oder ausergewoehnlichen Faehigkeiten moeglich. Hier auch mit harter Arbeit.

Das mit der Lebenserwartung stimmt, hat aber nichts mit Erfolg zu tun. Drogenmissbrauch, illegale Einwanderung ohne soziale Absicherung, ungesunde Lebensweise sind die Hauptursachen. Wenn ich das nicht mitmache habe ich auch keine Probleme damit. Man ist nun einmal freier, auch freier dumme Entscheidungen zu treffen.

Will ich eine Lebensspur hinterlassen? Nein, ausserhalb meiner Familie eigentlich nicht. Ich bin zufrieden damit was ich tue, auch wenn ich nur ein kleines unbedeutendes Raedchen im Getriebe der Weiterentwicklung der Menschheit bin.

Zitat von Indefinitpronomen am 13. März 2020, 9:12 Uhr

Ich finde die Frage eine gute und spannende und würde mich freuen, wenn hier noch mehr hier über ihren Ansporn berichten würden.

@mfz73 gibt es einen bestimmten Bereich, in dem du nach Optimierung strebst?

Nein. Dazu habe ich zu viele unterschiedliche Interessen. Hauptsächlich aber vermutlich im Job, da verändert sich gerade eine Menge und ich werde es in Zukunft anders organisieren müssen. Das ist aber eher eine Sache, die fließt - das kann man nicht bis ins letzte Detail durchplanen.

Ein riesengroßer Ansporn ist auch der Zeitgewinn, den man wirklich sinnvoll nutzen kann, wenn man seine Energie nicht in Außenwirkung, Konsum und Selbstzweifel steckt.

Konsum/Luxus gönne ich mir, aber eben auch 'ne Sparrate, an die längst nicht jeder rankommt. In die Falle "Lifestyleinflation" bin ich bis jetzt definitiv nicht reingetappt. Meine Fokus liegt auf der Entwicklung der Firma, wenn da die Richtung stimmt, ist alles ok.

Ich kann aber auch jederzeit und ohne irgendjemandem Rechenschaft ablegen zu müssen, zwei Tage blau machen und was mit der Familie unternehmen. Auch die Tatsache, dass die Kids jetzt vermutlich 4-5 Wochen Zwangsferien haben, wirft uns nicht aus der Bahn - ganz im Gegenteil. Wir haben schon überlegt, dass wir bei uns zuhause Kids der Mitarbeiter bespaßen, falls die ein Betreuungsproblem haben. Dazu braucht man natürlich etwas mehr Platz als eine 2-Zimmer-Frugalistenbude.

Bislang habe ich auch drei Hauptgründe ausgemacht, warum ich zwar ein ganz passabler Sparer/Investor bin, aber kein Frugalist mehr werde(n will):

  1. Mein Job ist anspruchsvoll und bereitet mir immer noch Spaß, aktuell sogar mehr denn je, weil's gerade an verschiedenen Stellen richtig nach vorne geht.
  2. Ich habe kein Problem damit, viele Dinge zu besitzen. Wir haben jetzt gerade mal das Büro ausgemistet, wo sich in 40 Jahren natürlich viel nutzloses Papier und auch einiges an Schrott angesammelt hat, da sind mal locker 100 Ordner ins Altpapier gewandert und dadurch ist jetzt auch wieder mehr Raum da - aber deswegen habe ich ja vorher keine schlaflosen Nächte gehabt. Privat genauso - das Haus ist relativ groß, da sammelt sich tatsächlich viel an, aber das belastet mich nicht.
  3. Ich habe keine Lust, mich einem Optimierungszwang zu unterwerfen. Eine gewisse Disziplin ist hilfreich und die habe ich, aber ich kann auch sehr gut mal 5 gerade sein lassen. Wenn ich sehe, dass Leute ihr Leben auf die Kette kriegen wollen, weil sie ihre Hemden nach Marie Kondo falten und stapeln, löst das bei mir nur mitleidiges Unverständnis aus. Mein Leben funktioniert auch mit einem gewissen Hang zum Chaos ganz ordentlich.

My 2 cents.

Ich will frei sein.

Ich will niemandem Herr, aber auch niemandem Sklave sein.

Vermögen ist in unserer Gesellschaft gleichzusetzen mit Freiheit. Darum strebe ich danach. Konsum und Wohlstand interessieren mich jedoch nicht.

 

Zitat von MFZ73 am 14. März 2020, 11:15 Uhr

Ein riesengroßer Ansporn ist auch der Zeitgewinn, den man wirklich sinnvoll nutzen kann, wenn man seine Energie nicht in Außenwirkung, Konsum und Selbstzweifel steckt.

Konsum/Luxus gönne ich mir, aber eben auch 'ne Sparrate, an die längst nicht jeder rankommt. In die Falle "Lifestyleinflation" bin ich bis jetzt definitiv nicht reingetappt. Meine Fokus liegt auf der Entwicklung der Firma, wenn da die Richtung stimmt, ist alles ok.

Ich kann aber auch jederzeit und ohne irgendjemandem Rechenschaft ablegen zu müssen, zwei Tage blau machen und was mit der Familie unternehmen. Auch die Tatsache, dass die Kids jetzt vermutlich 4-5 Wochen Zwangsferien haben, wirft uns nicht aus der Bahn - ganz im Gegenteil. Wir haben schon überlegt, dass wir bei uns zuhause Kids der Mitarbeiter bespaßen, falls die ein Betreuungsproblem haben. Dazu braucht man natürlich etwas mehr Platz als eine 2-Zimmer-Frugalistenbude.

 

Ich denke, da lebst du den Idealfall, den ich mir – wenn ich unter allen Möglichkeiten die Auswahl hätte – auch wünschen würde: Ein Beruf, hinter dem man steht und der Freude bereitet; außerdem vorhandener Wohlstand, der es mir erlaubt, bei Bedarf "Zeit zu kaufen" für Erlebnisse und die Pflege von Beziehungen. Ich verstehe es sehr gut, dass man an diesem Zustand wenig Ändernswertes findet. Ich finde es eigentlich auch immer ein Missverständnis, dass Frugalismus so eins zu eins fast schon mit Askese gleichgesetzt wird.

Im Kern habe ich Frugalismus als eine Lebensform begriffen, die bedeutet, dass jedes Individuum – individuell – das maximale Glück aus dem jeweilig verfügbaren Geldbetrag herausholt. Und was Glück bedeutet, definiert eben jeder für sich. Was Frugalismus durchaus leistet, ist ja genau diese Erkenntnis bzw. liefert das Werkzeug, die Antwort auf die Frage zu finden: WAS macht mich WIRKLICH glücklich? Und für was gebe ich stattdessen bisher mein Geld aus? Wie kann ich das ändern? Ich glaube, dieser Ansatz hilft schon so unglaublich viel. Und soll heißen: Frugalistisch kann meines Erachtens auch sein, wer erkennt, dass er für sein Geld lieber endlich endlich diesen Trip nach Los Angeles macht statt drei Jahre hintereinander die Pauschalreise nach Mallorca (das ist nur ein Beispiel! Mallorca ist super schön!) oder eben zwei Wochen lang auf den morgendlichen Krapfen mit Coffee to Go verzichtet und stattdessen sich einen schönen Abend im Restaurant gönnt. Es geht um Bewusstsein über wirkliche, eigene Bedürfnisse.

Was denkt ihr?

This is the start of anything you want.

Ich kann mit der moralischen Verquickung von Mathematik und Lebensglück relativ wenig anfangen, vor allem, weil das schon psychologisch enträtselt ist. Wer lange investiert und dauerhaft weniger ausgibt als er einnimmt, hat eine signifikant höhere Chance, vermögender zu werden als Menschen die das nicht tun - oder nicht können. Glücklicher macht einen das noch lange nicht. Unterhalb von ca. 5T€ Einkommen gibt's eine Korrelation von Glück und Gehalt, was logisch ist, weil man sich dann weniger Sorgen um Grundbedürfnisse machen muss. Darüber funktioniert es nicht mehr.

Mit Frugalismus kann man das vielleicht optimieren, aber nicht eliminieren - die ständige Diskussion zu den Kosten der gKV/pKV speziell im Alter in diesem Forum spricht dabei Bände, die Lebensform ist also kein ultimatives Kriterium. Es geht eher darum, wie man sein Leben incl. Arbeit organisiert. Bei MMM kommt man meiner Meinung nach dabei vom Regen in die Traufe, weil er Arbeit dann doch wieder als unabdingbare 24/7-Aufgabe definiert - nur eben nicht fremdbestimmt. Betriebswirtschaftlich betrachtet ist das ein Trick, wenn man zB Arbeitszeit für's Holzhacken oder Nachbarschaftshilfe nicht beziffert - man berechnet keine Innen- bzw. keine gleichhohen Außenkosten. Sieht anders aus, aber ändert nichts am operativen Ergebnis.

Der einzige Vorteil im Frugalismus ist also kein operativer Gewinn, weder in Bezug auf Glück, noch auf Geld - weswegen auch die 300€-Regel grundfalsch ist - es sei denn, man bezieht den ökologischen Fußabdruck mit in die Berechnung ein. Dann ist der Frugalist klar im Vorteil.

Alles andere ist nur schmückendes Beiwerk oder positiv ausgedrückt: persönliche Ausgestaltung.

Hey @mfz73

wie schon von @indefinitpronomen erwähnt, bist du halt in einer wirklich luxuriösen und vermutlich sogar beneidenswerten Situation. Ein Job, der Spaß macht und viele Freiheiten bietet und gut bezahlt ist. Das gönne ich dir. Aber dennoch folgendes:

Ich kann aber auch jederzeit und ohne irgendjemandem Rechenschaft ablegen zu müssen, zwei Tage blau machen und was mit der Familie unternehmen.

Da dir das vermeintlich so wichtig ist, dass du es an mehreren Stellen erwähnst, nur eine kleine Erinnerung: sowas geht auch locker als Angestellter in der richtigen Firma. Wenn nicht gerade wichtige Deadlines nahen (was vielleicht so 2, 3 mal im Jahr der Fall ist) kann ich auch Urlaub machen oder Überstunden abbauen, wann ich will.

Auch die Tatsache, dass die Kids jetzt vermutlich 4-5 Wochen Zwangsferien haben, wirft uns nicht aus der Bahn - ganz im Gegenteil. Wir haben schon überlegt, dass wir bei uns zuhause Kids der Mitarbeiter bespaßen, falls die ein Betreuungsproblem haben. Dazu braucht man natürlich etwas mehr Platz als eine 2-Zimmer-Frugalistenbude.

Das Gefühl der Freiheit, nicht wahr? Gemäß dem Motto "Ich könnte, wenn ich wollte". Klar bringt eine große Wohnung / ein großes Haus mehr Optionen, insbesondere wenn die Kosten fast egal sind. Das ist so ähnlich wie ein Auto zu besitzen oder zwei oder drei. Ich verstehe insgesamt den Punkt wohl nicht.

Konsum/Luxus gönne ich mir, aber eben auch 'ne Sparrate, an die längst nicht jeder rankommt. In die Falle "Lifestyleinflation" bin ich bis jetzt definitiv nicht reingetappt

Nach dem, was du von dir preisgibst, schätze ich deine bereits eingangs als luxuriöse Situation Lage finanziell wie folgt ein: Du hast ein sehr überdurchschnittliches Einkommen (vermutlich sowas wie im >98% Perzentil) im Vergleich zu einem "nur" überdurchschnittlichem Lebensstil. Du lebst ja sicherlich nicht mehr wie in deinen 20ern, sondern sagst ja, dass du dir Konsum und Luxus gönnst (was in Maßen völlig okay, gerade zu optimal ist).

Von daher hast du natürlich schon deinen Lifestyle ordentlich angehoben, aber nicht in gleichem Maße wie du dein Einkommen gesteigert hast. Den Begriff "Falle" finde ich ohnehin etwas schwierig, aber einer gewissen Lifestyleinflation hast du dich doch schon hingegeben.

[..] warum ich zwar ein ganz passabler Sparer/Investor bin, aber kein Frugalist mehr werde(n will):

  1. [...]
  2. Ich habe kein Problem damit, viele Dinge zu besitzen. Wir haben jetzt gerade mal das Büro ausgemistet, wo sich in 40 Jahren natürlich viel nutzloses Papier und auch einiges an Schrott angesammelt hat, da sind mal locker 100 Ordner ins Altpapier gewandert und dadurch ist jetzt auch wieder mehr Raum da - aber deswegen habe ich ja vorher keine schlaflosen Nächte gehabt. Privat genauso - das Haus ist relativ groß, da sammelt sich tatsächlich viel an, aber das belastet mich nicht.
  3. [...]

Das passt komplett ins Bild, das du abgibst. Also wirklich nicht negativ gemeint. Du hast einfach ein verdammt hohes Einkommen im Vergleich zu einem "nur" überdurchnittlichen Lebenstil, sodass trotzdem noch eine beachtliche Sparrate übrig bleibt. Bei deinem Lebensstil hätte jemand mit Medianeinkommen vermutlich eine negative Sparrate oder eine Sparrate in der Nähe von 0€.

Insgesamt ist das eben schon "frugalistisch" in dem Sinne, dass der eigene Lifestyle deutlich unter seinen Möglichkeiten ist, sodass eine entsprechende Sparrate oder Sparquote übrig bleibt. Wie hoch nun das jeweilige Level des Einkommens und des Lifestyles ist, ist meiner Meinung nach nicht so relevant. Hauptsache die Kosten des Lifestyles sind (deutlich) unter dem Einkommen. Meiner Meinung nach ergibt sich das bestenfalls auch automatisch ohne Zwang und Gefühl des aktiven Verzichts.

In diesem Sinne sind unsere Philosophien sehr ähnlich. Die Sparraten ergeben sich ganz automatisch, ich gönne mir auch alles, was ich haben möchte. Das ist aber wirklich nicht viel. Ich kann nicht mal sagen, ob ich mir mehr oder andere Dinge gönnen würde, wenn ich doppeltes Einkommen hätte. Bisher sind meine Ausgaben relativ stabil, trotz einiger signifikanten Gehaltssprüngen. Momentan erhöht sich einfach nur die Sparrate.

Die spannende Frage, die ich für mich selber aber auch nicht beantworten kann, ist: Was würde ich machen, wenn mein aktuelles Einkommen (und sagen wir das wäre nach meiner Qualifikation am oberen Limit, sodass krasse Gehaltssteigerungen z.B. durch Jobwechsel aus dem Szenario raus sind) auf dem Niveau meines jetzigen Lifestyles läge? Würde ich dann auf Dinge verzichten, um zu sparen? Puuuh..

 

Es ist wichtig zu erkennen das man über sein Leben zu großen Teilen selbst bestimmt.

Und wenn dies nicht der Fall ist, es sich so lange einzureden bis es wahr wird.

Ich habe hier im Forum schon öfter gelesen das einzelne sich richtig in ihrem Job quälen und nur auf den Tag X der Kündigung hinarbeiten. Hamsterrad ist da ja ein beliebter Begriff. Ich hatte Jobs die genau so waren: Geradezu eine Qual die dadurch auch die Substanz gingen. Aber mir war auch klar: Ich muss das nicht machen. ALG2 ist beschissen, aber eine Option. Als bestimmte Punkte überschritten waren habe ich gewechselt. Und eigentlich ist im Nachhinein jeder Wechsel gut gewesen.

Sparsamkeit und Geld beiseite legen erweisen sich gerade in den letzten Wochen als weit weniger für mein persönliches Glück entscheidend als ich geglaubt hätte. Vier Monatsgehälter hat sich der Buchwert meiner Investments reduziert, aber es hat mich tatsächlich wenig tangiert. Viel mehr habe ich mich über die freigestellten 2 Wochen um Ostern gefreut. Jetzt glänzen unsere Gartenmöbel wie neu und ich habe Regale für mein Werkzeug gebaut.

Zitat von Stoliver am 16. April 2020, 14:29 Uhr

Hey @mfz73

Da dir das vermeintlich so wichtig ist, dass du es an mehreren Stellen erwähnst, nur eine kleine Erinnerung: sowas geht auch locker als Angestellter in der richtigen Firma. Wenn nicht gerade wichtige Deadlines nahen (was vielleicht so 2, 3 mal im Jahr der Fall ist) kann ich auch Urlaub machen oder Überstunden abbauen, wann ich will.

Ja, das geht bei mir auch. Oder vielmehr: ich achte drauf, dass meine MA nicht wegen Geld auf Urlaub/Erholung verzichten. Ich erwähne das nur deshalb regelmäßig, weil ja immer das Bild vom ewig rackernden Selbständigen ohne Urlaub bzw. vom Hamsterrad an sich bemüht wird und FIRE dann dazu als passender Ausstieg. Ich finde das bedenklich, weil ich es persönlich nicht so erlebe, kenne aber auch Arbeitssituationen, wo ich keine 3 Monate bleiben würde. Ich würde da aber auch nicht reduzieren, sondern komplett die Situation tauschen, kann aber sein, dass das für andere Menschen keine Option darstellt.

Auch die Tatsache, dass die Kids jetzt vermutlich 4-5 Wochen Zwangsferien haben, wirft uns nicht aus der Bahn - ganz im Gegenteil. Wir haben schon überlegt, dass wir bei uns zuhause Kids der Mitarbeiter bespaßen, falls die ein Betreuungsproblem haben. Dazu braucht man natürlich etwas mehr Platz als eine 2-Zimmer-Frugalistenbude.

Das Gefühl der Freiheit, nicht wahr? Gemäß dem Motto "Ich könnte, wenn ich wollte". Klar bringt eine große Wohnung / ein großes Haus mehr Optionen, insbesondere wenn die Kosten fast egal sind. Das ist so ähnlich wie ein Auto zu besitzen oder zwei oder drei. Ich verstehe insgesamt den Punkt wohl nicht.

Der Punkt ist, dass ein "größeres" Haus eben doch einen Nutzen und vor allem auch einen Wert(zuwachs) hat, kann man bei Kommer ja auch nachlesen. Vor allem, wenn im Zeitraum kurz nach der Finanzkrise erworben, was bei mir der Fall ist. Zudem bin ich in der Branche beruflich aktiv. Die generelle Aussage, dass eine eigene Immobilie "zu groß" sei, stimmt daher nicht uneingeschränkt. Wenn die Immo dann noch zum Einkommen passt bzw. unter 20 Jahren getilgt werden kann, geht die Rechnung fast immer pro Immobilie aus - was auch bedeutet, dass zB Oli's Wohnung in H-City keine besonders effiziente Investition ist. Das ist also nicht nur ein Gefühl, das kann man nachweisen.

Ich gebe aber zu, weil ich es beruflich auch regelmäßig erlebe: man kann sich mit einer Immo auch amtlich ins Knie schießen, manche schaffen das sogar sehenden Auges.

Konsum/Luxus gönne ich mir, aber eben auch 'ne Sparrate, an die längst nicht jeder rankommt. In die Falle "Lifestyleinflation" bin ich bis jetzt definitiv nicht reingetappt

Nach dem, was du von dir preisgibst, schätze ich deine bereits eingangs als luxuriöse Situation Lage finanziell wie folgt ein: Du hast ein sehr überdurchschnittliches Einkommen (vermutlich sowas wie im >98% Perzentil) im Vergleich zu einem "nur" überdurchschnittlichem Lebensstil. Du lebst ja sicherlich nicht mehr wie in deinen 20ern, sondern sagst ja, dass du dir Konsum und Luxus gönnst (was in Maßen völlig okay, gerade zu optimal ist).

Es ist deutlich weniger als bei Fritze Merz und der ist ja bekanntlich nur gehobene Mittelschicht. 😉 Ich bin aber Oberschicht und verleugne das auch nicht, weil ich weiß, was ich für eine privilegierte Situation habe. Finden wirst Du mich trotzdem eher in der Studentenkneipe als im Luxusschuppen.

Von daher hast du natürlich schon deinen Lifestyle ordentlich angehoben, aber nicht in gleichem Maße wie du dein Einkommen gesteigert hast. Den Begriff "Falle" finde ich ohnehin etwas schwierig, aber einer gewissen Lifestyleinflation hast du dich doch schon hingegeben.

Ja, aber ich gehe daran ja nicht kaputt, Restrisiko besteht natürlich immer. Ich tausche mich auch immer anderen Freunden/Selbständigen aus, um mich zu erden/hinterfragen.

[..] warum ich zwar ein ganz passabler Sparer/Investor bin, aber kein Frugalist mehr werde(n will):

  1. [...]
  2. Ich habe kein Problem damit, viele Dinge zu besitzen. Wir haben jetzt gerade mal das Büro ausgemistet, wo sich in 40 Jahren natürlich viel nutzloses Papier und auch einiges an Schrott angesammelt hat, da sind mal locker 100 Ordner ins Altpapier gewandert und dadurch ist jetzt auch wieder mehr Raum da - aber deswegen habe ich ja vorher keine schlaflosen Nächte gehabt. Privat genauso - das Haus ist relativ groß, da sammelt sich tatsächlich viel an, aber das belastet mich nicht.
  3. [...]

Das passt komplett ins Bild, das du abgibst. Also wirklich nicht negativ gemeint. Du hast einfach ein verdammt hohes Einkommen im Vergleich zu einem "nur" überdurchnittlichen Lebenstil, sodass trotzdem noch eine beachtliche Sparrate übrig bleibt. Bei deinem Lebensstil hätte jemand mit Medianeinkommen vermutlich eine negative Sparrate oder eine Sparrate in der Nähe von 0€.

Jein bzw. kannst Du das nicht mit einem normalen Einkommen vergleichen. Ich bin Einzelunternehmer, d.h., ich werde steuerlich nach Gewinn/Verlust veranlagt, das kann stark schwanken. Vor allem aber kann man das Einkommen steuern, wenn man noch Möglichkeiten hat, in die Firma zu investieren. Das habe ich in den letzten Jahren konsequent getan, sobald Geld da war habe ich es bis zur Halskrause reinvestiert, auch weil ich wusste, wie sich 'ne Finanzkrise bei uns auswirkt. Das zahlt sich nun doppelt aus - aktuell kommt viel Geld rein, ich habe so hohe Abschreibungen wie noch nie, gebe nicht mehr aus als sonst, muss aber nichts mehr investieren, weil ich im Prinzip alles ersetzt habe incl. neuer und größerer Büroräume (sic!). Damit komme ich jetzt - hoffentlich - deutlich entspannter durch die aktuelle Krise als das 2007/08 der Fall war.

Der größte Gewinn steckt aber gar nicht im Einkommen (ist auch gestiegen, will ich gar nicht verleugnen), sondern im Firmenwert.

Ich gucke in meiner BWA auch gar nicht so sehr hin, was ich im Monat oder Jahr verdient habe, sondern wie sich das Anlagevermögen und die Liquiditätsüber/-unterdeckung entwickelt. Wenn die beiden Zahlen und die Auftragslage auf grün stehen, ist alles ok.

Insgesamt ist das eben schon "frugalistisch" in dem Sinne, dass der eigene Lifestyle deutlich unter seinen Möglichkeiten ist, sodass eine entsprechende Sparrate oder Sparquote übrig bleibt. Wie hoch nun das jeweilige Level des Einkommens und des Lifestyles ist, ist meiner Meinung nach nicht so relevant. Hauptsache die Kosten des Lifestyles sind (deutlich) unter dem Einkommen. Meiner Meinung nach ergibt sich das bestenfalls auch automatisch ohne Zwang und Gefühl des aktiven Verzichts.

Kann man alles so sehen. Was mich ein wenig stört, ist die Tatsache, dass es keine allgemeingültige Definition von Frugalismus gibt und das daher für mich nur ein relativ hohler Begriff bleibt.

In diesem Sinne sind unsere Philosophien sehr ähnlich. Die Sparraten ergeben sich ganz automatisch, ich gönne mir auch alles, was ich haben möchte. Das ist aber wirklich nicht viel. Ich kann nicht mal sagen, ob ich mir mehr oder andere Dinge gönnen würde, wenn ich doppeltes Einkommen hätte. Bisher sind meine Ausgaben relativ stabil, trotz einiger signifikanten Gehaltssprüngen. Momentan erhöht sich einfach nur die Sparrate.

Ich stelle mir bei großen Ausgaben einfach die Frage, ob ich das wirklich will und ob ich es mir leisten kann. Die zweite Frage ist - abgesehen von wirklich großen Anschaffungen - in der Regel mit Ja beantwortet, man muss natürlich aufpassen, dass man sich keine zu hohen Dauerkosten ans Bein bindet. Die Hemmschwelle des "wirklich haben wollens/müssens" ist bei mir immer relativ hoch, weil mir die private Konsumausgabe schlicht und ergreifend auf dem Firmenkonto in Form von Liquidität fehlt.

Ich wäge also ab, ob ich in der Firma investiere oder Urlaub buche. Auf mein Privatkonto kommt nur so viel, dass die laufenden privaten Kosten gedeckelt sind, da bleibt im Prinzip nichts übrig.

Die spannende Frage, die ich für mich selber aber auch nicht beantworten kann, ist: Was würde ich machen, wenn mein aktuelles Einkommen (und sagen wir das wäre nach meiner Qualifikation am oberen Limit, sodass krasse Gehaltssteigerungen z.B. durch Jobwechsel aus dem Szenario raus sind) auf dem Niveau meines jetzigen Lifestyles läge? Würde ich dann auf Dinge verzichten, um zu sparen? Puuuh..

Ich würde das teilweise tun, meinen Fokus aber auf neue Einnahmequellen richten. Anders funktioniert es auch nicht, man kann sich im Business nicht kaputtsparen, um dann mehr über zu haben und als Selbständiger sehe ich es auch nicht ein, dass ich das ganze Risiko trage und am Ende des Monats mit Brosamen nach Hause gehe.

Als Angestellter funktioniert das womöglich aber auch, man muss dazu aber bereit sein, sich weiterzuentwickeln. Ich habe vor ~10 Jahren ein Headhunterangebot abgelehnt, den HH aber mal gefragt, ob das sozusagen meine letzte Chance sei, so einen Sprung zu wagen. Im Prinzip hat er das bejaht, aber er hat mir auch gleich zu verstehen gegeben, dass es kein Problem für mich sein würde, auch mit 50 oder 60 noch mal was völlig anderes zu machen. Nur nicht unbedingt den Job, um den es damals ging. Konnte ich mir damals nicht vorstellen, heute aber definitiv und ich hätte heute davor deutlich weniger Respekt als damals, weil ich viel mehr Berufserfahrung habe.

Alles stimmig!

Zitat von Cricetus am 16. April 2020, 15:23 Uhr

ALG2 ist beschissen, aber eine Option.

Würde ich einschränken: ohne Familie.

Mit Kindern ist ALG2 eine Katastrophe, weil die Kinder abgehängt werden und Du kannst es kaum verhindern.

Zitat von MFZ73 am 17. April 2020, 9:44 Uhr
Zitat von Cricetus am 16. April 2020, 15:23 Uhr

ALG2 ist beschissen, aber eine Option.

Würde ich einschränken: ohne Familie.

Mit Kindern ist ALG2 eine Katastrophe, weil die Kinder abgehängt werden und Du kannst es kaum verhindern.

Hum.
Auf lange Sicht sicherlich richtig, aber die Angst arbeitslos zu sein ist bei mir geringer als die Vorsicht in einem Job zu bleiben, nur um nicht die Gefahr einzugehen Arbeitslos zu sein.
Kinder werden  ganz sicher meine Prioritäten ändern. Je nach Wohngegend wird es sicherlich auch teuer den Anschluss zu den anderen Kindern zu halten. Wir werden sehen was da auf uns zukommt.

Meine Vision ist eine Welt, in der die Wirtschaft dem Menschen dient. Das ist mein Ansporn.

Einer meiner Glaubenssätze ist dabei, meine Lebensvision mit Tätigkeiten zu erreichen, die mir besonders viel Spaß bringen. Mein Beruf, der gleichzeitig Berufung ist, macht mir gleichzeitig besonders viel Spaß. Ist wie ein tolles Hobby für mich.

Dann versuche ich täglich die Prinzipien, die in "7 Principles of highly effective people" von Covey beschrieben werden, umzusetzen.

Das verbunden mit täglicher Meditation etc. führt u.a. für mich zu einem erfüllten, glücklichen Leben im Kreise meiner Familie.

Hallo Sparfuchs

das mit der Ungeduld wird im Alter besser und für eine Lebenspur in deinem Mikrokosmos eignen sich am besten Kinder. Am besten einfach mal damit anfangen 😉 .

Die Versprechen in den USA: "Jeder kann es schaffen und vom Tellerwäscher zum Millionär" funktionieren schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Daher auch der weit verbreitete Hass auf das Estalishment, welcher spätestens seit der Obamawahl an die Wasseroberfläche gepoppt ist und der wie Mehltau über dem Land hängt                              .

Für eine bessere Welt brauchen wir mehr Gefühl und weniger Verstand. Dabei sind die USA kein Vorbild - leider...

 

@sparfuchs1983 Was mich anspornt ist die Interaktion mit anderen Menschen. Das Feedback, Reaktionen, Freude die ich bei anderen auslösen kann. Ich löse gerne Probleme oder gebe Hilfe zur Selbsthilfe. Wenn jemand in meinem Umfeld etwas geschafft hat (z.B. nach vielen Bewerbungen einen Job gefunden etc.) dann freue ich mich mit. Ich vermisse die Menschen mit denen ich viel Freude geteilt habe aber freue mich immer auf neue Begegnungen.

Was ich tue muss mir Spaß und Freude bereiten und wenn es das nicht tut dann versuche ich meine Einstellung dazu zu ändern (bei Dingen die gemacht werden müssen) oder lasse es komplett bleiben. Ich verlange nicht von jedem das er alles kann aber jeder kann etwas und damit können wir als Gemeinschaft wiederum alles.

Damit ich erkenne was mich wirklich antreibt ist für mich Entspannung und ein wenig Müßiggang Voraussetzung danach kann es oft vorkommen das ich etwas verrücktes mache. Das Ganze dann ohne Plan aber ich will es dann einfach mit aller Energie durchziehen. Ich bin sehr dankbar das mein Umfeld mir die dazu notwendige Freiheit einräumt.