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Selbst ist die Frau ...

Zitat von MFZ73 am 16. Juni 2020, 18:08 Uhr
Zitat von NewEraSurf am 3. Juni 2020, 16:32 Uhr

Der Bausparer läuft "halt irgendwie" mit und zahlt sich "irgendwann" aus.  Aha. Ja, klingt wirklich nach nem sehr durchdachten Plan :mrgreen: 🙄

Der zahlt sich nicht aus im Sinne einer profitablen Rendite, sondern er wird irgendwann ausgezahlt - weil vollständig angezahlt. Das ist ein himmelweiter Unterschied in der Aussage. Dass ein Bausparer nicht die cleverste aller Optionen ist, ist ein Allgemeinplatz, aber es nützt nichts, wenn das Ding halt abgeschlossen ist - man kommt ohne Kosten nicht aus dem Vertrag. Darum geht's.

 

Junge, in dem Bausparer steckt mehr Geld als, sie Netto überhaupt besitzt.

Das ist egal. Sie kommt an das eingezahlte Geld nicht kostenfrei dran. Außer Sie zahlt weiter ein, bis die Auszahlungsreife erlangt wird.

Wenn man böswillig wollte, könnte man es sogar so auslegen, dass der Bausparer durch das geliehene Geld gehebelt ist. Rechnerisch läuft es darauf hinaus.

Das ist rechnerisch korrekt, aber wie jetzt mehrfach erläutert ... faktisch egal. Der Vertrag ist schlecht, geschenkt. Sie kommt nicht raus ohne Opportunitätskosten und weiteren Zeitaufwand.

Nein, warum man Cash bunkert und gleichzeitig Schulden macht, erschließt sich mir im privaten Bereich nicht. Das ergibt überhaupt keinen Sinn, da man Zinsen für die Schulden bezahlt, und gleichzeitig Opportunitätskosten für den Cash hat, der nicht investiert ist. Bei Betriebsvermögen, die (nicht nur gedanklich, sondern auch rechtlich) getrennt zu betrachten sind, mag das anders sein. Auf dem Gebiet kenne ich mich nicht aus.

Ich bin selbständiger Einzelunternehmer (KMU <10 MA) und kann Schulden/Cash zwischen privat und Gewerbe hin und herschieben, wie es mir passt. Gewerbliche Zinsen kann ich dabei von der Steuer absetzen, private Zinsen nicht. Dazu kommt, dass ich mittlerweile grundsätzlich so safe bin, dass die Bank gar nichts dagegen tun kann, wenn ich zB gewerblich Kapital aufnehme und damit meine privaten Schulden für die Hausfinanzierung tilge. Solange die Firma die Tilgung tragen kann und kein betrügerischer Konkurs unterstellt werden kann, ist das schnuppe. Ob sich das rechnet, hängt aber auch davon ab, welchen Steuersatz ich gerade habe - das schwankt uU stark.

Zudem halte ich es in meiner Situation wegen der Auswirkungen der Pandemie, die in meiner Branche noch nicht angekommen sind, für äußerst sinnvoll, meine Hauskredite stehen zu lassen bzw. aktuell keine SoTi's zu tätigen und Cash zu bunkern. Ob ich das auf dem Firmen- oder Privatkonto belasse, spielt dabei keine Rolle.

Grundsätzlich (!) will ich asap unter 100T€ Kreditbelastung beim Haus und werde dann entscheiden, ob ich überhaupt noch weiter tilge oder ob ich mir quasi eine Dauerbelastung wie bei einer Erbpacht bastele, indem ich die 100T€ einfach mit x% Zinsen dauerhaft leihe. Das würde ich nicht jedem empfehlen, aber ich bin der Meinung, dass das zumindest eine Option ist. Kann sich rechnen ...

Was den Wertpapierkredit angeht, so verstehst du diesen Begriff völlig miss: Ein Wertpapierkredit ist ein Kredit, der mit Wertpapieren besichert ist, aber keineswegs ausschließlich zum Kauf von Wertpapieren verwendet werden kann.

Touche, Du hast Recht. Allerdings sind solche Kredite teuer und sie hat afaik kein Depot - scheidet also aus. Für die paar Monate, die sie noch hat, ist das nicht zielführend.

Wer so einen Kredit und ein üppiges Depot hat, braucht übrigens auch keinen "Notgroschen". Man ist immer liquide. Die Opportunitätskosten des rumliegenden, inflationsausgesetzten Cash sind höher als der Zins. Von daher ist die Sache mathematisch völlig eindeutig. Außerhalb von mathematischen Gesichtspunkten kann natürlich jeder glauben oder empfinden was er will, das ist jedoch rein subjektive Psychologie. Wenn jemand mit 100k Schulden und 50k unterm Kopfkissen besser schläft, als mit 50k Schulden und ohne Barschaft, gönne ich ihm seinen guten Schlaf, aber rational ist das eben nicht.

Bei Konsumkrediten gebe ich Dir Recht, bei Immokrediten kann das anders aussehen. Meine Bude ist grob 400T€ wert, wenn ich da noch 100T€ Kredit draufhabe, bedeutet das, dass ich 300T€ Kapital in der Immo gebunden halte. Wenn ich tilge, sind es 400T€. Risiko einer dauerhaften 25%-Beleihung der Immo? Liegt bei mir im homöopathischen Bereich. Ist ein simpler Zins-swap, also genau das, was Du die ganze Zeit proklamierst - es ist daher verwunderlich, dass Du die Option kategorisch ausschließt, nur weil man es aus einer anderen Perspektive betrachtet.

Ich beleihe mein Haus - Du empfiehlst die Beleihung von Wertpapierdepots. Wo ist der Unterschied? Im Sinne dieser Diskussion gibt es keinen.

Dieser ganze Notgroschengedanke ist auch was typisch deutsches...

Ja, aber das muss jeder selbst wissen. Ich halte das persönlich auch für überflüssig, aber für andere mag das eben beruhigend sein.

Ja, danke für die Erläuterungen. Hast insgesamt auch Recht. So weit auseinander liegen wir meinungstechnisch gar nicht, wir haben bloß aneinander vorbeigeredet. Ich reiche dir imaginär die Hand.

Ich finde ja, man muss sein Gesamtvermögen wie einen Pool betrachten: es ist immer gleich viel drin, und ob der FIAT-Betrag nun ein Minus davor hat, ist eigentlich egal, wenn dem genug Deckung gegenübersteht. Einen Kredit mit sehr niedrigen Zinsen zu tilgen lohnt kaum, auch da hast du Recht.

Einen Kredit zu tilgen bringt so viel "Rendite" durch Zinsersparnis, wie er verzinst ist. Also warum sollte man mit 0,5% Zins etwas tilgen? Ich würde doch auch kein Geld mit 0,5% anlegen. Ich kann doch diesen Zins haushoch schlagen am Aktienmarkt. Ich würde indem Fall so viel stehenlassen wie möglich. Habe mal gehört, dass Banken den Kredit stehen lassen, wenn man 60% Eigenkapital am Haus erreicht hat. Weil das dann für die ein sicheres Ding ist. Ich hab ja schon mit dem Gedanken gespielt das Haus meiner Eltern zu beleihen um meinem Depot eine Frischzellenkur mit neuem Kapital zu geben... aber irgendwie mag ich dieses Haus auch. Bin aber nicht der Haustyp.