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Man habe es geschafft: (Finanziell) unabhängiger Frugalist - und dann? Wie dann ein sinnvolles Leben?

Mir fällt auf, dass dieses Forum (Anzahl entsprechender Unterthemen und Beiträge) sehr stark
vom finanziellen Aspekt dominiert wird. Nun gut, das muss ja auch einen Schwerpunkt haben,
wenn es das Ziel ist, genügend Kapital aufzubauen, um dann als Frugalist den Rest des Lebens
"verbringen" zu können.

Nur ... den Rest des Lebens verbringen ... Nur - "verbringen", das wäre doch etwas sehr wenig.

Ich finde hier kaum Beiträge, in denen man sich mit der Frage beschäftigt,
wie ich denn dann mein Leben "sinnvoll" ausfüllen kann. Denn wenn ich mit z.B. vierzig aussteige,
steht mir noch einmal dieselbe Zeit zur Verfügung.
Kein Problem, wenn es einen Monat, ein halbes Jahr, ein, zwei Jahre, vielleicht auch fünf Jahre sind.
Aber dann? Immer "Urlaub haben" oder "das machen, was man schon immer mal machen wollte"?
Letzteres ist nach einer gewissen Zeit abgehakt. Und ersteres? Das kann sehr schnell auf den Geist
gehen. Das trifft bereits viele Rentner, die nicht ganz so viele Restjahre vor sich haben.
Ich denke da an den Anfang des Films "Schultze gets the Blues".

Ich glaube es ist ganz wichtig, auch nach dem "Ausstieg" eine regelmäßige, verpflichtende Arbeit
zu haben, - für das Selbstwertgefühl und auch Selbstdisziplin. Dass man sich sagen kann, ich mache
eine sinnvolle Tätigkeit, ich bin nützlich, man braucht mich. Dass ich morgens zu fester Zeit aufstehen
muss - und nicht liegenbleibe, weil ich müde bin oder keine Lust habe.

Ich selbst kämpfe immer wieder mit genau diesen Problemen.
Ich bin seit ca. 15 Jahren "draußen" - und habe (was wirklich kommt, weiß man nie) wohl
noch eine ganze Menge Restjahre vor mir, die ich nicht nur "verbringen" möchte.

 

"Wenn Du alles machen kannst was Du willst, solltest Du etwas wollen"

Dies ist mein Satz den ich mir vor langer Zeit aufschrieb und mir an die Wand hängte. Es hat auch damit zu tun sich selbst zu organisieren, eigene Sinnhaftigkeit zu definieren.

Was sind meine Treiber, wieso mache ich überhaupt irgendetwas....für Geld, für Anerkennung, weil ich etwas wirklich aus sich selbst heraus will, für die Gegenwart, aus einer Vergangenheit heraus oder aus dem Gedanken an eine Zukunft. Für mein Leben, ein gemeinsames Leben, privat, gesellschaftlich?

Antrieb, wofür etwas tun, halte ich für sehr individuell. Was begeistert, was macht glücklich, zufrieden, was eben nicht.  Was ist persönlicher Erfolg?

Was lohnt sich im persönlichem Empfinden?

Ich glaube, dass Selbstbestimmung eine Herausforderung ist, weil sie genau diese Fragen stellt, was will ich, wofür....und mit wem.

 

Wenn Du alles machen kannst was Du willst solltest Du etwas wollen.

Guten Morgen, Victor,

wir haben das Thema stellenweise schon auch angerissen.

Ich gebe Dir inhaltlich völlig recht, aber mein Problem ist, dass ich noch etwa 7 Jahre habe bis dahin und sich in der Zeit einfach noch viel ändern kann. Ich kann mir zwar jetzt ne Menge ausmalen, wie´s dann tatsächlich mal für mich wird, weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass ich auch weiterhin zumindest etwas Struktur in meinem Leben haben möchte.

Ich würde mir wünschen, bis dahin Enkel zum gelegentlichen Betüddeln zu haben, aber ein Enkel ist natürlich keine Ebay-Lieferung 😉 , die man wunschgemäß aufgeben kann.

In meinem Fall ab 01.01.2020 (Single, 60% Teilfreizeit):

Wie gewohnt 6.30 Uhr aufstehen. Duschen. Entspanntes Frühstück plus Tagesplan erstellen.

Die nähere Umgebung bewandern, befahren und erkunden (Städte, Wälder, Seen, Sportanlagen...). Tagesausflüge mit und ohne festem Plan.

Regelmässig sportliche Betätigung.

Das Haus innen und aussen sauber halten.

Minimalismus ausprobieren und etablieren.

Essen kochen, Wäsche machen, putzen, Finanzen optimieren, Hobbies reaktivieren.

Den Garten intensiver pflegen.

Die Eltern, Verwandte, Freunde öfter treffen.

Trading, Sprachen, Kraulen, Kochen, Neues, ... lernen.

Ehrenamtliche Tätigkeit ausdehnen und nach neuen sinnvollen sozialen Projekten Ausschau halten.

Geschäftsideen und Projekte ausdenken.

Stoizismus üben und anwenden.

Die Sonne und die frische Luft geniessen.

Tempo raus nehmen. Auch mal Nichts tun. Kleine Dinge schätzen. Dankbar sein.

Ich arbeite sehr gerne drei Tage pro Woche.

3 Tage Woche. Teilzeitarbeit.
Zitat von victor am 20. September 2019, 21:09 Uhr

Ich glaube es ist ganz wichtig, auch nach dem "Ausstieg" eine regelmäßige, verpflichtende Arbeit
zu haben, - für das Selbstwertgefühl und auch Selbstdisziplin. Dass man sich sagen kann, ich mache
eine sinnvolle Tätigkeit, ich bin nützlich, man braucht mich. Dass ich morgens zu fester Zeit aufstehen
muss - und nicht liegenbleibe, weil ich müde bin oder keine Lust habe.

Stimmt, das ist bei den meisten Menschen eine echte nicht unwichtige Geschichte.

Ich allerdings sehe die beste Möglichkeit darin, sich den passenden Job zu suchen. Da wo man sich nützlich fühlt, man gebraucht wird, man (meist) Spaß dran hat.Denn ich frage mich immer wieder hier beim Lesen, warum ein Job so böse ist?

Ich mache das eigentlich nur, weil ich keine Lust habe mehr zu konsumieren und die daraus entstehende mögliche komplette Sebstbestimmung natürlich gut finde. Für mich bedeutet das aber noch lange nicht, dass ich aus meinem Job unbedingt raus will.

Es ist eine wesentliche Frage. Was tun nach dem der Grund des Geldverdienen müssens durch Arbeit nicht mehr gegeben ist?

Meine Antwort bisher:

In Teilen gefällt mir mein Beruf gut. Ich bin daher erst mal in Teilzeit gegangen. Letztlich arbeite ich noch 60% im angestellten Verhältnis und solange es mir gefällt mach ich das gerne. Zudem habe ich seit vielen Jahren eine freiberufliche Nebentätigkeit welche ich auch gerne mache. Letztlich habe ich als erstes den Teil der Arbeit ausortiert welche mir weniger entspricht. Jedes Jahr zum Jahresende prüfe ich meine weitere Ausrichtung und setze diese dann im nächsten Jahr um.

Durch die unterschiedlichen Tätigkeiten bin ich eben nicht drausen sondern bleibe drin. Ich entscheide aber das ich nur noch die Arbeit mache welche mir auch entspricht. Bisher geht das gut.

Zitat von Jupp78 am 21. September 2019, 21:35 Uhr
Zitat von victor am 20. September 2019, 21:09 Uhr

Ich glaube es ist ganz wichtig, auch nach dem "Ausstieg" eine regelmäßige, verpflichtende Arbeit
zu haben, - für das Selbstwertgefühl und auch Selbstdisziplin. Dass man sich sagen kann, ich mache
eine sinnvolle Tätigkeit, ich bin nützlich, man braucht mich. Dass ich morgens zu fester Zeit aufstehen
muss - und nicht liegenbleibe, weil ich müde bin oder keine Lust habe.

Stimmt, das ist bei den meisten Menschen eine echte nicht unwichtige Geschichte.

Ich allerdings sehe die beste Möglichkeit darin, sich den passenden Job zu suchen. Da wo man sich nützlich fühlt, man gebraucht wird, man (meist) Spaß dran hat.Denn ich frage mich immer wieder hier beim Lesen, warum ein Job so böse ist?

Ich mache das eigentlich nur, weil ich keine Lust habe mehr zu konsumieren und die daraus entstehende mögliche komplette Sebstbestimmung natürlich gut finde. Für mich bedeutet das aber noch lange nicht, dass ich aus meinem Job unbedingt raus will.

Das ist es ja eben genau nicht bzw. warum viele eben doch weiter arbeiten sollte. Wenn ich meinen Tag nur über Arbeit strukturieren kann, dann sollte man einfach weiter arbeiten. Viele sind über lebenslange Erziehung (Eltern, Schule, Arbeit) so ausgerichtet, dass sie gar nicht mehr anders können.

Aber genau das ist meiner Ansicht nach nicht das Ziel.

Wie viel Fremdbestimmung wünsche ich mir um mich zu strukturieren, wie viel kann ich an Selbstwert erlangen durch eigene Projekte und wie viel sind die gesellschaftlich abhängig von einem "Draufschauen"?

Ich hatte gerade eine kurze Auszeit von sechs Wochen. Die gönnte ich mir.

In dieser Zeit habe ich mir angewöhnt jeden Tag etwas für die Fitness zu tun. Nur als Beispiel. Ich nahm mir also Ziele vor. Und bestimmte selbst, ich will x Stunden jeden Tag im Studio bzw, Pool verbringen.

Mir sind Nachbarn und ein Schauen auf mich relativ schnurz. Was mir wichtig ist, ist jeden Tag etwas zu erreichen.

Sinnvoll ist durchaus was ich im Büro mache, allerdings bin ich nicht unersetzlich und vor allem - was ich meine was up to date ist muss es nicht mehr sein-.

Mein Vorteil im Büro ist, ich habe einen anderen, größeren Einfluss, als privat. Das hat Mehrwert, aber auch nicht unendlich. Das ist eine Frage des Abwägens.

Ich denke durchaus es ist eine finanzielle Frage abhängig zu arbeiten und eine Frage der Ideen es nicht mehr zu tun.

Eine Herausforderung, jeden Tag, Sinn zu überprüfen. Durchaus schwierig wenn Gewohnheit prägt und diese fremdbestimmt ist.

Ich mag Macht im Büro, ich mag auch Selbstbestimmung über meine Zeit. Gerade wäge ich ab. Beides zu integrieren bedeutet Zeiten zu verschieben. Wann bin ich wie?

Die Tendenz geht dahin Büro zu reduzieren aber nicht völlig aufzugeben. Das ist einerseits einer Unsicherheit geschuldet, was will ich wirklich und natürlich finanziellen Aspekten.

Wenn Du alles machen kannst was Du willst solltest Du etwas wollen.
Zitat von Privatier am 25. September 2019, 16:24 Uhr

Das ist es ja eben genau nicht bzw. warum viele eben doch weiter arbeiten sollte. Wenn ich meinen Tag nur über Arbeit strukturieren kann, dann sollte man einfach weiter arbeiten. Viele sind über lebenslange Erziehung (Eltern, Schule, Arbeit) so ausgerichtet, dass sie gar nicht mehr anders können.

Aber genau das ist meiner Ansicht nach nicht das Ziel.

Total interesanter Ansatz. Ich unterscheide für mich auch zwischen Zweck und Sinn.  Geld und Arbeit teile ich mehr dem Zweck zu. Es ist Mittel zum Zweck. Im Kern ist dann doch der Sinn wesentlicher. Doch wenn der Sinn für einen selbst nicht ganz klar ist, soll ich dann einfach keinen Zweck mehr verfolgen bis mir mein Sinn klar wird? oder es sich nicht eher annähern lassen?

Zitat von Privatier am 25. September 2019, 16:24 Uhr

Aber genau das ist meiner Ansicht nach nicht das Ziel.

Aus meiner Sicht ist das Ziel immer, sein persönliches Glück zu finden. Dabei gehört aber für die meisten Menschen, die jetzt eben noch "jung" sind und nicht im Ruhestand, eine Aufgabe hinzu ("Arbeit" von Victor, ist vielleicht das falsche Wort). Nur diese Aufgabe, ein Lebenszweck, der muss her. Und da macht man aus meiner Sicht vor allem alles richtig, wenn man es schafft, wenn die Aufgabe und Arbeit das gleiche sind. Ich für mich, bin da durchaus dabei und das ist auch gut so. Bei mir aber ist es so, dass mein Job mit Spaß macht, gut bezahlt und sicher ist, aber in ca. 10-15 Jahren in einer Sackgasse endet (dann eben endet). Daher ist für mich wichtig, dass ich zu dem Zeitpunkt (spätestens) nichts mehr muss, weil ich das Geld brauche, sondern mir meine Aufgabe aussuchen kann.

Hallo zusammen,

jeder sollte doch Hobby und/oder Interessen haben. Wenn dem nicht so ist, hat man denke ich auch ein anderes Problem und sollte vielleicht bei seiner derzeitigen Tätigkeit (vielleicht mit weniger Tagen/Stunden in der Woche) bleiben. Mein Ziel wäre es nach dem Gang in den wohlverdienten Ruhestand a) selbstbestimmt ohne Zeitdruck meinen Hobby und Interessen nachzugehen. Meine Hobbys haben meist was mit Sport und Bewegung zu tun, desweiteren mit Minimalismus gepaart mit dem Ökogedanken. Meine Interesse liegen in der Bau- und Energietechnik und da möchte ich dann selbstbestimmt mein Projekt des energieautarken (trotzdem mit den Netzanschlüssen versehenen)  kleinen Einfamilienhauses verwirklichen. In dem Bereich habe ich schon soviel gesehen was entweder kaufmännisch oder technisch schön gerechnet wurde oder einfach nicht funktionierte oder nachhaltig war, das ich es einfach besser machen möchte. Und da meine Arbeitszeit mich ja nichts mehr kostet, das Grundstück schon da ist, habe ich stressfrei Beschäftigung bzw. ein Hobby für mehrere Jahre.

So der Plan, den der Mensch braucht ja eine Aufgabe.

Es spricht ja auch nichts dagegen, wenn man etwas wirklich gerne macht, zumindest teilzeit weiter zu arbeiten.

Ich verbringe zb viel zeit mit meinen aktien Investitionen. Für viele wäre das Arbeit, für mich ist es das schönste Hobby.

Aber bei vielen dient die Arbeit nunmal der Strukturierung des Tages. Oder weil sie sich nicht trauen, wirklich aufzuhören. Oder weil sie eben doch sagen wollen, ich arbeite dort und mache dies und das.

Das ist bei mir nunmal anders: den Tag strukturiere ich selber, das Geld muss 40 Jahre reichen, ich arbeite nirgends.

Daraus ergeben sich unendliche Freiheiten, damit kann aber nicht jeder umgehen.

Eine der häufigsten Fragen lautet: und, ist dir nicht langweilig? Nein, ist es nicht.( Ich muss aber auch nicht jede Minute durchplanen) . Und das meistens von Leuten, die Stress im Job haben.

Die Corona Krise hat es doch für jeden erkennbar deutlich gezeigt. Erschreckend viele genügen sich nicht selbst, sind zuviel im Außen auf Anerkennung und Bestätigung aus um ihre eigene innere Leere zu füllen.

Dies ist neben der zugegebener Maßen unumstößlichen Tatsache dass man sich die frühe Nicht-Erwerbs-Tätigkeit leisten können muss das viel grundlegendere Problem.

 

Zitat von Muslime_Frugi am 28. Juni 2020, 15:33 Uhr

Die Corona Krise hat es doch für jeden erkennbar deutlich gezeigt. Erschreckend viele genügen sich nicht selbst, sind zuviel im Außen auf Anerkennung und Bestätigung aus um ihre eigene innere Leere zu füllen.

Dies ist neben der zugegebener Maßen unumstößlichen Tatsache dass man sich die frühe Nicht-Erwerbs-Tätigkeit leisten können muss das viel grundlegendere Problem.

 

Die Corona Krise ist aber doch kein Vergleich mit Frugalismus.

Während Corona wurden einige Menschen plötzlich und gezwungernermaßen nach hause geschickt. Ihnen wurden zudem soziale Kontakte nahezu verboten. Viele sind außer zum Einkaufen nicht mal vor die Tür gegangen. Hinzu kamen Ängste aufgrund von Corona aber auch möglichem Arbeitsplatzverlust.

Klar, muss jeder selber für sich entscheiden, ob er sich komplett aus dem Erwerbsleben zurück ziehen möchte. Ich selber strebe eher eine 50% Tätigkeit an und würde dann ähnlich zu 49er meine Zeit verbringen. Derzeit knappse ich mir die Zeit zum Sport machen ab indem ich gegen 5 Uhr Morgens aufstehe um vor der Arbeit 30-60 Minuten Sport zu machen. Ich hätte gar kein Problem 50% meiner Arbeitszeit mit Freizeit zu füllen, ein Viertel der Zeit ginge alleine für Sport drauf 🙂

Realistisch betrachtet werden viele hier eh nicht mit 40 Jahren komplett aufhören zu arbeiten. Es ist vielmehr eine Alternative. Ich weiß, dass falls mein Job mir nicht mehr gefällt oder es mir gesundheitlich schlechter geht, ich KANN beruflich kürzer treten.

Frugalismus ist in gewisser Weise eben auch Freiheit, nicht mehr arbeiten zu müssen, aber wahlweise noch zu können. Vielleicht kündigt man den verhassten Beruf und macht für ein kleines Gehalt seinen Traumjob oder arbeitet irgendwo ehrenamtlich. Die Möglichkeiten sind groß!

Zitat von Andreas900 am 29. Juni 2020, 13:44 Uhr

ein Viertel der Zeit ginge alleine für Sport drauf 🙂

So ist es. Bin soeben vom Fahrradfahren zurückgekommen.

Nur ... den Rest des Lebens verbringen ... Nur - "verbringen", das wäre doch etwas sehr wenig.

Medizinisch ist ja mittlerweile erwiesen, dass Bewegung die Birne fit und damit am Leben erhält - in welcher Form auch immer. Insofern sollte man schon wissen, was man mit seinem Restleben anfangen will, wenn’s denn mal so weit ist. Faul auf dem Sofa verblöden kann ja nicht Sinn der Sache sein.

Manche hält aber auch Arbeit bzw eine Aufgabe jung, sollte man nicht unterschätzen.

Im Forum taucht das Thema auch immer mal wieder zwischen den Zeilen auf, wenn auch nicht häufig.

Ich selbst halte es mit Timothy Ferris, der erst gar keine Rente anstrebt, weil eh immer Aufgabe/Job/Hobby/Lebensaufgabe ineinander greifen, was nicht bedeutet, dass man sich das nicht angenehm gestalten kann und sollte. Wenn mir mal langweilig werden sollte, könnte ich mich zB sofort im Sport als Trainer/Cotrainer engagieren, das könnte ich in kurzer Zeit von Null auf 100% Auslastung schrauben, je nach Gusto.
Im Ehrenamt werden auch immer überall Menschen gesucht, die was machen wollen. Gibt sogar Plattformen, wo man ehrenamtliche Aufgaben suchen oder anbieten kann.

Ich stehe momentan gerade an einem Punkt, wo ich intensivst überlege, wie es weitergeht. Bei mir ist es so, daß ich im derzeitigen Job eben nicht auf Teilzeit reduzieren kann, was man hier so häufig liest. Und einen anderen Job zu finden mit weniger Stunden… tja, den muß man erst mal finden, und Spaß machen sollte er auch, sonst hat man nichts gewonnen.

Für mich muß es ohne Einkommensjob funktionieren, und das ist im Moment das, was mich beschäftigt, ich rechne, überlege, rechen wieder, überlege… Wenn ich den Schritt dann mal gegangen bin und sich später was ergibt, was ich gern mit wenigen Stunden machen wollen würde, damit noch etwas nebenher verdient werden kann, wunderbar. Dies muß aber etwas sein, was ICH will, ist für mich aber wirklich nebensächlich.

Traurig finde ich es, wenn man mit seiner freien Zeit nichts anzufangen weiß, egal ob man schon in Rente ist, Teilzeit arbeitet, oder schon frühzeitig ausgestiegen ist.

Vielleicht hab ich es von der Reihenfolge unwissentlich richtig gemacht: ich weiß bereits seit Jahren, was ich machen will, wenn ich nicht mehr arbeiten muß: Haus, Garten, Kochen, Tiere, Sport, Handwerkliches, Finanzen, uswusf… und der Drang, dies möglichst bald (bin 52) an erste Stelle zu rücken, wird immer größer.

Seit jeher, also von den Griechen bis cirka zum Jahr 1900 galt stets derjenige, der NICHT arbeiten muss für seinen Lebensunterhalt als derjenige, der es "geschafft"hat. Sich Gedanken machen im Kreise Gleichgesonnener, Müßiggang, schöne Künste, Thermalbad....Vor ca. 150 Jahren hat sich das im Rahmen der INdustrialisierung geändert: Wer nicht arbeitet, der gehört nicht zum wertvollen Teil der Gesellschaft. "Hosch nix zum schaffe?"...sagt der Schwabe: Ein Tadel! Eine Erfindung des Kapitals sozusagen. Das kam übrigens von einem Arbeisthistoriker im DLF, und stammt nicht von mir der Inhalt, also daher: Ich meine Nachfolgendes allein motivierend, nicht abwertend:

Es kann doch  nicht sein, dass wir einen Chef oder Kunden ... brauchen, der unserem Tag eine Struktur und einen Sinn gibt!

Es gehört vielleicht sogar dazu, dass man erst mal Langeweile aushalten muss bevor der richtige Gedanke kommt was man wirklich will. Arbeitsfrugal sozusagen...um dann denn kick für das eigene Glück zu bekommen. Aber bitte ohne Chef, sondern allein der inneren Befriedigung wegen. Bei den meisten Leuten hier habe ich da sowieso wenig Bedenken, also "keine Angst vor nix" wäre mein Hinweis!

Ja aber viele wissen nichts mehr mit sich anzufangen. Die sind vielleicht nicht hier unterwegs im forum. Eine der meisten Fragen an mich ist immer, was ich so mache und ob das noch nicht langweilig ist. Ich sage dann immer, dass der Tag noch zu wenig Stunden hat und ich gar nicht zu allem komme, was ich machen will.

Die Frage beschäftigt mich gerade von der Minimalismusperspektive her. Wer bin ich, wenn ich die Sachen in meinem Leben losgelassen habe? Was bleibt dann übrig von mir? Im Moment macht mir dieser Gedanke noch Angst. Werde ich mein Selbst schärfer sehen? Wird es mir gefallen?

Auf einem Blog fand ich diese schöne Aussage: "Mit uns selbst im Reinen zu sein und nicht mit all denen mithalten zu wollen oder zu müssen, die sich ihre Bedürfnisse diktieren lassen."

Also, was bleibt von uns übrig, wenn wir nicht mehr zu einem bestimmten Verhalten angehalten werden? Wenn wir nicht mehr die Anforderungen erfüllen, die andere an uns stellen? Werde ich gut zu mir sein? Was ist gut für mich? Fängt es nicht immer bei einem selbst an? Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Kann ich die Selbstbestimmung ertragen, die Selbstverpflichtung aushalten?

Bildlich stelle ich mir das so vor, dass ein Mensch sich selbst von innen heraus formt. Kann das gut gehen? Kann man eine Form nicht nur im Außen annehmen? Haben wir wirklich unbegrenzte Schöpferkraft?

Die Suche nach unserem persönlichen Sinn wird sicherlich außerhalb der Arbeit weitergehen. Ich für mich denke, dass ich nie etwas finden werden, zumindest nichts, was von Dauer ist. Alles entweicht wieder. Die Antwort auf eine Frage bringt hundert neue Fragen. Wer kann von sich sagen, er sei angekommen, und es auch wirklich so meinen? Die Toten? Müsste ich dann nicht die Suche selbst zum Sinn erklären, alles ist Werden, nichts ist Sein? Hatte Seneca Unrecht, wenn er behauptete, dass für denjenigen, der den Hafen nicht kennt, kein Wind günstig ist?

So, musste ich mir mal von der Seele tippen. Danke für's Nachdenken.