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Kaufentscheidungen und Tilgungsraten

Moin,

ich bin "Neufrugalist" 😉 und gerade dabei, mich im Bereich Investitionen aufzuschlauen. Zufällig jetzt möchten meine Partnerin und ich Wohneigentum erstehen. Erst zogen wir den Kauf einer Eigentumswohnung in Betracht, doch nun soll es ein Hausbau werden. Die Wohnung könnte ich trotzdem kaufen und vermieten, habe ich mir so gedacht.

Haus aufm Dorf: Ich stelle mir die Frage, wie ich das Haus finanzieren soll. Die Darlehensverträge sollen 10 Jahre zu 1,4% und 30 Jahre zu 1,5% (bzw. ähnliches Zinsniveau) laufen. Bringe ich mein Eigenkapital mit ein? Wie viel soll ich tilgen? Im Netz finde ich ausschließlich Empfehlungen, aufgrund des niedrigen Zinsniveaus eine Volltilgung innerhalb der Zinsbindung anzustreben, sprich, eine Tilgung von 2% oder mehr anzupeilen. Eben so, wie man es gerade noch bezahlen kann.
Die im frugalen Umfeld besprochenen Theorien machen mich an dieser Stelle jedoch stutzig.
Fahre ich besser, wenn ich so wenig wie möglich tilge und das übrige Geld anlege? 

Wie schaut's aus, wenn ich nach 10 Jahren vor der Wahl stehe: Sondertilgung oder Folgekredit? Eine Sondertilgung wäre nur möglich, wenn mein Depot nicht in der Kreide steht. Kann ich die Sondertilgung nicht machen, ist ein Folgekredit notwendig, der ggf. miese Zinsen beinhaltet. Sollte ich den 10jährigen Kredit mit 2 oder 3% tilgen, um auf Nummer sicher zu gehen?

Background Infos: Ich verdiene etwa 31.000€ netto p.a. und für ein Haus rechnet man hier ca. 350.000€. Ich versuche mit 300.000€ auszukommen - Fertighaus <140qm, 625m² Grundstück (die anderen verfügbaren Grundstücke sind >800 m²).

Eigentumswohnung in der Kleinstadt nebenan: Könnte mir vorstellen, die Wohnung für eine Kaltmiete von 650€ zu vemieten. Kaufpreis 199.000, inkl. NK 225.000. Die Lage ist gut, BJ 2016, Wohnungspreise steigen in der Region an (Kleinstadt, ländlicher Raum).
Möglichkeiten:
a) Kaltmiete kassieren, 1% tilgen, den Rest der Kaltmiete in ETFs packen und den ganzen Rummel nach 10 Jahren verkaufen.
b) Zinsbindung auf 10 Jahre (ergo günstiger Kredit), 2,5% Tilgen (entspricht der Kaltmiete), Verkauf nach 10 Jahren.
c) Konventionell: Zinsbindung auf 30 Jahre (höherer Zins) & 10 Jahre, 2% Tilgen (Kaltmiete deckt Zins+Tilgung), keine ETFs, nach 10 Jahren Folgekredit oder Sondertilgung aus eigener Tasche, ggf. Verkauf nach 10 Jahren.

Was meint ihr dazu, habt ihr persönliche Erfahrungen?

Gruß

Grundsaetzlich sind fuer mich Immobilien ein Klumpenrisiko, das ich vermeiden will. Nebenher gibt es da einen sehr grossen "Home-Bias". Eine Ausnahme finde ich ein selbstgenutztes Haus, wenn man an dem Besitz selber Freude hat.

Einen Kredit fuer ein Haus aufnehmen und gleichzeitig in Aktien investieren wuerde ich auch nicht - das aenhnelt dem Spekulieren mit geliehenem Geld und hat grosses Risiko.

Ihr könntet die Wohnung behalten und im Alter bewohnen. Gerade im Alter sind die Kinder aus dem Haus, und man ist vllt froh um etwas weniger zu bewirtschaftende Wohnfläche (niedrigere Nebenkosten!) und eine wohnortnähere Versorgung. Das Haus könnt Ihr dann verkaufen.

@karlmags Du willst alles zu 100 % finanzieren?

Als ich 2005 kaufte bot man mit Container an, Anlage/darüber Kredit. Die Firma gab es seit 1975, feste Zusage über Gewinne. Ich habe es nicht gemacht und es war ein Schneeballsystem, was über Jahrzehnte funktionierte. Niemand weiß wie Anlagen laufen, niemand weiß wie Immobilien morgen im Wert stehen.

Eine Wohnung zur Vermietung die 28 Jahre alle Kaltmieten schluckt wäre mir zu teuer.

Ein Haus zum selbst bewohnen was 10 Jahre das gesamte Einkommen schluckt?

Dazu kommen noch Kosten wenn mal was saniert werden muss. Z.b. bei mir 15.000 für die Gemeinschaft weil die Abflussrohre nach ca. 60 Jahren hin waren. 14.000 gerade für Sanierung Balkone, neue Fenster für alle, Wärmedämmung (vor 10 Jahren 30.000), neue Heizung steht an, das ganze bei 6 Parteien, mir gehören zwei Einheiten. Der Topf war voll bei Einzug. Trotzdem hatte ich Kosten für Straßensanierung und Sanierung im Sondereigentum.

Ich habe für jede Wohnung, Kauf, ca. dreieinhalb Jahreseinkommen gerechnet (mit Zinsen) und langsam abgezahlt/aber mit Sondertilgung. Nebenbei Rücklagen.

Mein Ziel/Grund ist, ich kann die Wohnungen jederzeit neu belasten oder verkaufen. Das lohnt sich nur wenn sie mindestens so viel wert sind wie bei Kauf und ich Mehrwert durch abwohnen/Vermietung/Steuern habe die weitere Investitionskosten überschreiten.

 

Wie alt bist Du denn und wann willst Du in Rente? Kaufst Du oder Du und Deine Partnerin? Zahlt ihr beide?

 

 

 

 

Wenn Du alles machen kannst was Du willst solltest Du etwas wollen.

Interessanter Rechner mit aktuellen Baukreditzinsen:

https://www.drklein.de/bauzinsen-rechner.html?darlehensbetrag=350000&sollzinsbindung=10#!/#reiter_id_ergebnis

Ich würde mtl. ETF Sparpläne machen, statt höher zu tilgen. Chance auf eine Renditedifferenz und Inflation nutzen. Die europäischen Kreditzinsen werden keine grossen Sprünge mehr machen. Vorsicht höheres Risiko bei diesem Modell.

"Weniger ist mehr."
Zitat von alija am 16. Oktober 2019, 20:04 Uhr

@karlmags Du willst alles zu 100 % finanzieren?

Das habe ich gar nicht erwähnt, sorry. Das Haus möchte ich nicht zu 100% finanzieren. Wir steuern etwa 70.000€ Eigenkapital bei.

 

Zitat von alija am 16. Oktober 2019, 20:04 Uhr

Wie alt bist Du denn und wann willst Du in Rente? Kaufst Du oder Du und Deine Partnerin? Zahlt ihr beide?

Ich bin 28, meine Partnerin ist 26. Die Eigenheimplanung machen wir zusammen, d. h. wir tilgen gemeinsam. Ich habe keinen FIRE-Plan. Stand heute kann ich mir vorstellen, bei einem guten Händchen im Investmentbereich und minimalistischem Lebensstil meine Arbeitslast zu gegebener Zeit zu verringern. D. h. ich plane kein Leben als Privatier. Ergo hab ich 39 Jahre Berufsleben vor mir.

Zitat von Schwaebin am 16. Oktober 2019, 19:32 Uhr

Ihr könntet die Wohnung behalten und im Alter bewohnen. Gerade im Alter sind die Kinder aus dem Haus, und man ist vllt froh um etwas weniger zu bewirtschaftende Wohnfläche (niedrigere Nebenkosten!) und eine wohnortnähere Versorgung. Das Haus könnt Ihr dann verkaufen.

Im Grundsatz gefällt mir die Idee, sich im Alter "zu verkleinern". Ich finde den Gedanken schöner, in eine moderne Wohnung zu ziehen, als in eine Wohnung, die 30 Lenze zählt. Andererseits hieße das, mit Anfang 50 nochmal hunderttausende in die Hand zu nehmen. Das wäre dann wohl eher semi-frugal 😉 Also hieß die Devise dann eher: 25, 30 Jahre vermieten und bei Eigenbedarf renovieren.

Zitat von alija am 16. Oktober 2019, 20:04 Uhr

Eine Wohnung zur Vermietung die 28 Jahre alle Kaltmieten schluckt wäre mir zu teuer.

Das verfügbare Objekt missfällt mir preislich ebenfalls. Der Mietmultiplikator liegt deutlich im roten "Lass die Finger davon!"-Bereich 😉 Da müssten locker 15% runter, um als Renditeobjekt in Betracht zu kommen.

 

Hallo Karlmags,

ehrliche Antwort meinerseits: Ich würde die Eigentumswohnung kaufen und selbst einziehen wenn die Größe passt. Steuerlich ist das im Moment nicht wirklich interessant mit der Vermietung und ein Klumpenrisiko ist es in deinem Falle ebenfalls. Außerdem könntest du sie alleine kaufen ohne deine Partnerin wenn sich das Eigenkapital hälftig aufteilt. Mit Partnerin in Immobilien zu investieren, vielleicht auch noch eine GbR dafür zu gründen wäre mir zu umständlich (bei Heirat deutlich risikoärmer). Und warum direkt ein Haus mit 140 qm Wf, kannst du ja dann immer noch in ein paar Jahren machen. Du hättest mit dem Modell die deutlich geringeren Kosten im Monat und später könntest du immer noch Vermieten, Hausbauen usw..

Ich habe das zwar mit 35 -37 Jahren auch so gehändelt wie du es vor hast (Einfamilienhaus 140 qm + 2 Einfamlienhäuser zur Vermietung mit je 115 qm), aber vor 17 Jahren waren die Preise auch anders. Zusammen waren das rund 450.000 Euro, aber die Mieteinnahmen und die Mieteinsparungen lagen auch bei über 2000 Euro im Monat. Zu heutigen Konditionen würde ich davon Abstand nehmen. Außerdem sind Schulden in Höhe von über 500000 nicht wirklich beruhigend.

ich würde deinen plan evtl. mal im hausbau-forum vorstellen, da wird schnell mal Tacheles geredet ob die Planung realistisch ist, in der Regel sind die eigenen Annahmen zu optimistisch, d.h. es wird oft deutlich teurer als angenommen

Zitat von karlmags am 16. Oktober 2019, 13:39 Uhr

Haus aufm Dorf: Ich stelle mir die Frage, wie ich das Haus finanzieren soll. Die Darlehensverträge sollen 10 Jahre zu 1,4% und 30 Jahre zu 1,5% (bzw. ähnliches Zinsniveau) laufen. Bringe ich mein Eigenkapital mit ein? Wie viel soll ich tilgen? Im Netz finde ich ausschließlich Empfehlungen, aufgrund des niedrigen Zinsniveaus eine Volltilgung innerhalb der Zinsbindung anzustreben, sprich, eine Tilgung von 2% oder mehr anzupeilen. Eben so, wie man es gerade noch bezahlen kann.
Die im frugalen Umfeld besprochenen Theorien machen mich an dieser Stelle jedoch stutzig.
Fahre ich besser, wenn ich so wenig wie möglich tilge und das übrige Geld anlege? 

Das wirst Du erst hinterher wissen. Grundsätzlich ist das ein Zinsswap und wenn der nicht aufgeht oder Du nicht ruhig schlafen kannst, wenn das Aktienpaket unter Soll dümpelt, hast Du ein Problem. Also erst mal in sich hineinhorchen und sich fragen, in welcher Risikoklasse man sich wohlfühlt. Ich selbst bin bei der eigenen Immobilie äußerst konservativ, da geht alles rein, was geht, damit ich an der Stelle Ruhe habe. Ansonsten bin ich aber als Selbstständiger eh immer im Risikobereich unterwegs und da auch ziemlich leger - no risk, no fun.Würde ich aber nicht jedem empfehlen, vor allem nicht, wenn es um Basics geht. Bei FY-money sieht's anders aus ...

Wie schaut's aus, wenn ich nach 10 Jahren vor der Wahl stehe: Sondertilgung oder Folgekredit? Eine Sondertilgung wäre nur möglich, wenn mein Depot nicht in der Kreide steht. Kann ich die Sondertilgung nicht machen, ist ein Folgekredit notwendig, der ggf. miese Zinsen beinhaltet. Sollte ich den 10jährigen Kredit mit 2 oder 3% tilgen, um auf Nummer sicher zu gehen?

Background Infos: Ich verdiene etwa 31.000€ netto p.a. und für ein Haus rechnet man hier ca. 350.000€. Ich versuche mit 300.000€ auszukommen - Fertighaus <140qm, 625m² Grundstück (die anderen verfügbaren Grundstücke sind >800 m²).

Du allein oder 50%?

Eigentlich aber auch egal, ich glaube nämlich nicht, dass ihr beide Objekte gestemmt bekommt. Bei niedrigen 10% KNK und jeweils EK von 20% sowie Rücklagen von 5% des reinen Immowertes  bräuchtet ihr für beide Objekte ca. 150T€ EK. Das sind 5 Nettojahresgehälter. Bei 100%-Finanzierungen entspr. weniger allerdings zahlt Ihr dann auch mehr Zins - wenn überhaupt finanziert wird. Insgesamt bräuchtet Ihr (KNK und Rücklagen aus Eigenmitteln vorausgesetzt) ansonsten ca. 500T€ Kredit, also mehr als 15 Deiner Netto-Jahresgehälter.

So hoch war ich noch nie, obwohl ich s.o. manches ziemlich locker sehe. Restschulden an meiner privaten Immobilie sind aktuell ca. 3 Nettojahresgehälter von mir allein, dazu kommen aktuell ca. ein weiteres Netto-Gehalt für Verbindlichkeiten in der Firma und ab 2020 etwa noch mal das gleiche obendrauf, weil ich neu investieren will/muss/darf (call it as u want) ... dann wäre ich bei 5 Nettojahresgehältern an Schulden, wobei das deutlich weniger als 50% der Buchwerte entsprechen würde, mit anderen Worten: wenn's mich morgen in die Insolvenz haut, bleibt noch was übrig.

Du denkst über eine Summe von 15 Gehältern nach ... finde ich mutig.

Eigentumswohnung in der Kleinstadt nebenan: Könnte mir vorstellen, die Wohnung für eine Kaltmiete von 650€ zu vemieten. Kaufpreis 199.000, inkl. NK 225.000. Die Lage ist gut, BJ 2016, Wohnungspreise steigen in der Region an (Kleinstadt, ländlicher Raum).

Haben ja schon einige andere gemerkt, das entspricht einem Verhältnis von ~26 Nettokaltmieten. Abgesehen davon, dass niemand hier plausibel die Nachhaltigkeit der Mieteinnahmen beurteilen kann, ist das viel. Kann in Deinem Ort passen, wäre aber für "Dorf" ungewöhnlich.

Möglichkeiten:
a) Kaltmiete kassieren, 1% tilgen, den Rest der Kaltmiete in ETFs packen und den ganzen Rummel nach 10 Jahren verkaufen.

Lohnt sich für Dich nicht, Du bist nicht im Spitzensteuersatz. Wenn Du Dein Gehalt verdoppelst, sieht das anders aus.

b) Zinsbindung auf 10 Jahre (ergo günstiger Kredit), 2,5% Tilgen (entspricht der Kaltmiete), Verkauf nach 10 Jahren.

"Entspricht der Kaltmiete" bedeutet, dass Du die Zinsen aus eigener Tasche bezahlst. +20 Jahre lang, plus alle weiteren Risiken, die mit einer Immo verbunden sind und entstehen.

Ernstgemeinter Rat: rechne Dir diese Belastung mtl. aus, nimm das Geld und geh mit Deiner LG jeden Monat dafür Essen oder klopp's für einen Urlaub raus. Die Rendite ist 10 mal höher.

c) Konventionell: Zinsbindung auf 30 Jahre (höherer Zins) & 10 Jahre, 2% Tilgen (Kaltmiete deckt Zins+Tilgung), keine ETFs, nach 10 Jahren Folgekredit oder Sondertilgung aus eigener Tasche, ggf. Verkauf nach 10 Jahren.

Klingt immer noch nicht gut, weil vermuttlich bestimmte Risiken noch gar nicht benannt und beziffert worden sind.

Mein Rat daher: erstmal prüfen, ob ihr privat womöglich besser mieten könnt. Dabei bekommst Du einen Überblick über aktuelle Mietpreise. Wenn dann rauskommt, dass sich ein Eigenheim eher lohnt, weil's nichts Vernünftiges zu mieten gibt, dann erst mal das Eigenheim stemmen. Wenn Du das im Griff hast, kannst Du immer noch ein Mietobjekt kaufen. Oder auch 10.

Moin.

Die Wohnungen hier sind ziemlich überteuert. Der Multiplikator Jahreskaltmiete/Kaufpreis ist immer 25 oder höher. Die Wohnungspreise steigen schnell, es werden viele Wohnungen gebaut, aber die Mieten steigen nur moderat. Zudem habe ich keine Lust, an eine schwierige Eigentümergemeinschaft zu geraten. Daher lasse ich davon erstmal ab.

Ich habe mich für den Bau eines Wohnhauses in Massivbauweise zur Eigennutzung entschieden. (160 qm, 250.000€ schlüsselfertig + Grundstück + Außenanlagen, summa sumarum rechne ich mit 350.000€). Ich benötige einen Kredit i.H.v. 200.000€ (150.000€ EK da ich dafür meinen Erbanteil schon kriege)

Einige sind schon darauf eingegangen, aber: Wie ist eure Meinung zur Wahl der Tilgungsrate?

  • So viel wie möglich jährlich tilgen und so früh wie möglich schuldenfrei sein oder
  • so tilgen, sodass der Kredit entspannt in 30 Jahren abbezahlt ist (bin 28 Jahre alt) oder
  • so wenig wie möglich tilgen und stattdessen die verfügbaren Mittel in ETFs anlagen, damit ich mehr Rendite habe als Zinsaufwendugen (effekt. Jahreszins ist unter 1,8%)? Nach 30 Jahren Laufzeit könnte ich ggf. die Restschuld auf einen Schlag begleichen bzw. die Strategie bei gutem Zinsniveau weiter fahren.

Gruß

 

Zitat von karlmags am 18. Dezember 2019, 11:59 Uhr

 

  • So viel wie möglich jährlich tilgen und so früh wie möglich schuldenfrei sein oder
  • so tilgen, sodass der Kredit entspannt in 30 Jahren abbezahlt ist (bin 28 Jahre alt) oder

So wuerde ich es machen. Idealerweise mit der Moeglichkeit zur Sondertilgung, falls mehr Geld da ist. Durch Lohnsteigerungen etc. ist nach ein paar Jahren meistens mehr Geld verfuegbar, als man urspruenglich dachte.

  • so wenig wie möglich tilgen und stattdessen die verfügbaren Mittel in ETFs anlagen, damit ich mehr Rendite habe als Zinsaufwendugen (effekt. Jahreszins ist unter 1,8%)? Nach 30 Jahren Laufzeit könnte ich ggf. die Restschuld auf einen Schlag begleichen bzw. die Strategie bei gutem Zinsniveau weiter fahren.

Vorsicht: Gier frisst Hirn!

Faktisch finanzierst du hier Boersengeschaefte auf Kredit, was dir ohne Haus hoffentlich nicht einfallen wuerde. Nicht gut!

 

Zitat von Peter45 am 18. Dezember 2019, 12:51 Uhr

Faktisch finanzierst du hier Boersengeschaefte auf Kredit, was dir ohne Haus hoffentlich nicht einfallen wuerde. Nicht gut!

Korrekt! Stellt sich die Frage, was daran schlimm ist. Ich tilge den Kredit, nur eben in einem derart geringen Ausmaß, dass die Rückzahlung 56 Jahre benötigen würde. Unabhängig von dem Geld, das ich am Kapitalmarkt investiere, tilge ich den Kredit ja weiter. Wenn es am Kapitalmarkt gut läuft kann ich jedoch über Sondertilgungen die Restschuld begleichen.

Ein Unternehmen nimmt schließlich auch Fremdkapital auf, um es in das eigene Geschäft zu stecken. Ist die Rendite höher als der Zins, steigt die Gesamtkapitalrentabilität (Leverage Effekt). Der Unterschied zu meiner Situation ist, dass ich das Geld nicht nehme, um mein Business zu erweitern (schließlich habe ich keines), sondern um ETFs zu kaufen, was den gleichen Effekt hat: Rendite.

Sehe ich da was falsch? Bitte um weitere, gern kritische, Stimmen.

30 Jahre fester Zins und Restkapital 0€.

5% Sondertilgungsrecht.

 

Die fixen Kosten so niedrig wie möglich. Denk mal an Auszeit, Elternzeit, Teilzeit, ... das Leben verändert sich!

 

Zitat von karlmags am 18. Dezember 2019, 14:27 Uhr
Zitat von Peter45 am 18. Dezember 2019, 12:51 Uhr

Faktisch finanzierst du hier Boersengeschaefte auf Kredit, was dir ohne Haus hoffentlich nicht einfallen wuerde. Nicht gut!

Korrekt! Stellt sich die Frage, was daran schlimm ist. Ich tilge den Kredit, nur eben in einem derart geringen Ausmaß, dass die Rückzahlung 56 Jahre benötigen würde. Unabhängig von dem Geld, das ich am Kapitalmarkt investiere, tilge ich den Kredit ja weiter. Wenn es am Kapitalmarkt gut läuft kann ich jedoch über Sondertilgungen die Restschuld begleichen.

Ach so. Wenn du den Kredit immer (auch im Fall von einem Boersencrash, der zeitgleich mit  Scheidung, Krankheit, Tod, geaendertem Zinssatz, Wertverlust der Immobilie etc. entritt) tilgen kannst, spricht nichts dagegen.

Nur Spekulieren mit geliehenem Geld finde ich schlecht. Bei Unternehmen ist das was anders. Die koennen im Zweifel pleite gehen, dir bliebe nur die Privatinsolvenz.

 

Zitat von karlmags am 18. Dezember 2019, 14:27 Uhr
Zitat von Peter45 am 18. Dezember 2019, 12:51 Uhr

Faktisch finanzierst du hier Boersengeschaefte auf Kredit, was dir ohne Haus hoffentlich nicht einfallen wuerde. Nicht gut!

Korrekt! Stellt sich die Frage, was daran schlimm ist. Ich tilge den Kredit, nur eben in einem derart geringen Ausmaß, dass die Rückzahlung 56 Jahre benötigen würde. Unabhängig von dem Geld, das ich am Kapitalmarkt investiere, tilge ich den Kredit ja weiter. Wenn es am Kapitalmarkt gut läuft kann ich jedoch über Sondertilgungen die Restschuld begleichen.

Letztlich eine Frage, welches Risiko Du tragen willst bzw. in welcher Lebenssituation Du steckst. Ich mache einen Mischmasch aus Deinen Alternativen, weil ich einerseits SoTi tätige, andererseits Geld in meiner eigenen Firma belasse, wenn es sich da besser verzinst. Ich könnte aber jetzt auch auf Krampf Geld aus der Firma abziehen und meine Bude komplett abbezahlen, es ist also so, dass ich grob auf Null bin, selbst wenn der nächste Crash kommt. Kaufzeitpunkt 2011, EK damals knappe 15%. Allerdings hat sich in der Zeit auch mein Einkommen locker verdoppelt und gleichzeitig sind noch die Buchwerte in der Firma deutlich gestiegen.

Alternativ überlege ich aber auch, eine Restsumme von 100T€ - sobald ich den Punkt erreicht habe - langfristig festzuschreiben oder auch tatsächlich tilgungsfrei zu stellen, wenn ich 'ne Bank finde, die das mitmacht. Ich würde das aber nicht mit der kompletten Bude machen, weil ich Familie und damit Verantwortung für andere habe, die noch nicht alle auf eigenen Füßen stehen.

Wäre ich allein und nur für mich verantwortlich hätte ich allerdings keine Immobilie in dieser Größe.

Ein Unternehmen nimmt schließlich auch Fremdkapital auf, um es in das eigene Geschäft zu stecken. Ist die Rendite höher als der Zins, steigt die Gesamtkapitalrentabilität (Leverage Effekt). Der Unterschied zu meiner Situation ist, dass ich das Geld nicht nehme, um mein Business zu erweitern (schließlich habe ich keines), sondern um ETFs zu kaufen, was den gleichen Effekt hat: Rendite.

Sehe ich da was falsch? Bitte um weitere, gern kritische, Stimmen.

Es gibt einen grundsätzlichen Unterschied zwischen Unternehmen und Privatleuten. Unternehmen können in die Insolvenz gehen, man kann sie sogar abwickeln, aber das ist letztlich egal. Den Laden kauft ggflls. ein anderer, neues Schild dran, schon gehts weiter. Die ältesten existierenden Unternehmen der Welt sind über 1000 Jahre alt. Wenn da ein Geschäftsführer/Inhaber krank oder insolvent wird, ist der Laden an sich noch lange nicht hin.

Privat sieht das anders aus. Wenn Du privat krank oder insolvent wirst, ist das persönlich fatal, weil Du schlicht keine 1000 Jahre hast, um das wieder hinzubiegen.

Privat hat das System "schwäbische Hausfrau" also eine gewisse Relevanz und Berechtigung, in Unternehmen/Staaten eher nicht.

Tendiere dazu, einzulenken und konventionell zu tilgen. Soll heißen 2,5% Tilgung (~700-750€ im Monat, je nach Zins, Zinsbindung 30 Jahre), schuldenfrei nach 30 Jahren (bzw. 2% und dann geringe Restschuld).  Nach näherer Betrachtung ist das glaub ich auch besser für mein Nervenkostüm. 😉

Bei der konservativen Tilgung würde ich die 5% Sondertilgung mitnehmen (geht ohne Erhöhung des Zins) und den Betrag von den monatlichen Kreditraten abziehen.

Vorteil: Deine Monatsrate ist geringer und du kannst dennoch im gleichen Zeitraum dein Eigentum tilgen. Es bleibt dir einfach etwas mehr Flexibilität falls es mal knapper werden sollte.

 

Zitat von karlmags am 19. Dezember 2019, 10:25 Uhr

Tendiere dazu, einzulenken und konventionell zu tilgen. Soll heißen 2,5% Tilgung (~700-750€ im Monat, je nach Zins, Zinsbindung 30 Jahre), schuldenfrei nach 30 Jahren (bzw. 2% und dann geringe Restschuld).  Nach näherer Betrachtung ist das glaub ich auch besser für mein Nervenkostüm. 😉

Grundsätzlich solltest Du Dir noch die Frage beantworten, mit der sich auch Gerd Kommer beschäftigt hat, also ob Miete oder Kauf die bessere Entscheidung ist. In seinem Buch hat er sich auf die verbreitetste Finanzierungsdauer von ~25-30 Jahren konzentriert und dann ist rückblickend betrachtet oft der disziplinierte (und nur der, der undisziplinierte Mieter hat von Anfang an gar keine Chance) Mieter im Vergleich vorne gewesen.

Wenn man weiß, was man tut und die finanziellen Spielräume vorhanden sind, kann man mit der Finanzierungsdauer/Tilgungshöhe aber herumspielen, also die Regler in verschiedene Richtungen stellen. Meine Finanzierung lief vom Start 2011 mit einer Dauer von ~35 Jahren zur Volltilgung. Wenn ich aktuell nichts mehr ändern würde und die monatliche Belastung konstant hielte, wäre ich Ende 2031 durch, also nach 20 Jahren. Reduzierung ergibt sich aus SoTi's und günstigerer Nachverzinsung. Wenn ich noch meine Soti in Höhe von ~10% der aktuellen Restsumme ausschöpfe, bin ich noch deutlich schneller fertig, das könnte ich sogar noch unter 15 Jahre drücken.

Ich leiste mir also eine Immobilie, die ich ohne Probleme unter 20 Jahren volltilgen kann und damit das Rennen gegen den Mieter immer haushoch gewinne.

Die Frage, die sich jeder Erwerber stellen sollte, ist also die, ob man persönlich signifikant unter einer durchschnittlichen üblichen Finanzierungsdauer von 25-30 Jahren bleiben würde, wenn man alle Register zieht. Wird diese Frage mit JA beantwortet, spielt es eigentlich kaum noch eine Rolle, wie man die Finanzierung individuell gestaltet.

Umgekehrt sollte man sich bei einem NEIN ernsthaft fragen, ob die Immobilie nicht zu groß/teuer ist, denn man hätte dann kaum eine Chance unter 25-30 Jahren zu tilgen und ergo maximal ein 50/50-Rennen gegen den Mieter. Jedes Finanzierungsjahr mehr verringert die Chancen deutlich - immer unterstellt, dass der Rückblick zukünftig aussagekräftig bleibt.

Es geht also erst mal um die Frage, ob die gewählte Bude passend für's eigene Portmonnaie ist. Der Rest ist dann mehr oder weniger egal und frei nach Gusto gestaltbar.