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Erfahrungsbericht: Trade Republic

Hallo liebe Foren-Community,

meine Investment-Reise ist noch recht kurz (erstes Aktien-Investment Mai 2019), dennoch möchte ich gerne mit euch schon meine Erfahrungen mit dem App-Broker Trade Republic (kurz: TR) teilen.

Vielleicht habt ihr ja schon von dem recht neuen Unternehmen gehört, was nach zwei Planspiel-Runden Anfang diesen Jahres nun auch den gesamten Handel mit Wertpapieren erlaubt. Ich selbst bin über ein Interview vom Finanzrocker Daniel Korth mit dem Trade-Republic-Mitgründer Christian Hecker darauf aufmerksam geworden und war dabei besonders von der Tap-Tap-Buy-Philosophie angetan - dazu gleich mehr.

Zunächst noch ein paar Worte zu meiner Anlagestrategie, denn die ist (oder war) dabei nicht ganz unwichtig: Buy-and-Hold nach Finanzwesir/Kommer, also regelmäßiges Investieren in breitgestreute Aktien-ETFs und danach schlichtem Liegenlassen.

1 - Registrierung

Häufig mit dem schnellen "Onboarding" geworben, dauerte es bei mir auch nicht lange, bis mein Konto bei Trade Republic eingerichtet war. Mit Video-Identifikation hat es rund 10 Minuten gedauert. Als jemand, der sein Portfolio gerne zentral verwalten will, ist dies allerdings nur ein netter Komfort, denn man durchläuft diesen Prozess ja nur einmal.

2 - Geld übertragen

Als nächstes muss man dann Geld auf sein Konto beim Broker bzw. dessen Partnerbank (in diesem Fall die Solaris Bank) überweisen. Dazu wird bei der Registrierung automatisch ein virtuelles Konto mit eigener IBAN eingerichtet, so dass eingehende Zahlungsströme eindeutig zugewiesen werden können. Das Überweisen von einer "Test-Summe" in Höhe von 300€ von meinem DKB-Konto hat dabei 2-3 Tage gedauert.

3 - Wertpapier/ETF aus dem Sortiment raussuchen & kaufen

Nun können mit dem überwiesenen Geld Wertpapiere gekauft werden. Neben den "Hot-Stocks", also vermutlich den am meisten nachgefragten Titeln, kann man aber auch über ein einfaches Suchfeld nach den einzelnen Anlagen suchen. Kritik: Der Filter ist, was die Suche mittels des Wertpapiernamens angeht, schlecht. Meine Suche nach "Emerging Markets" lieferte keine Ergebnisse1. Hier ist man besser bedient, mittels WKN oder ISIN nach den Titeln zu suchen. Das funktioniert.

Ist der Titel gefunden, drückt man auf "Buy" (Tap), wählt die Stückzahl zum aktuellen Kurs aus (Tap), und bestätigt dann den Kauf (Buy). Keine Auswahl von "Ranges" oder Börsen. Das war es. Als jemand, der es nichts anders kennt, super einfach. Bleibt die Frage: Verdient TR am eventuellen Spread, was schließlich nachteilig für uns Kunden wäre? Die Antwort ist: Nein, denn TR muss rechtlich stets die besten Konditionen bieten, die auch an anderen Börsen verfügbar wären. Wo das ist, kommt immer auf den aktuellen Moment an.

Apropos Moment: Man kann von 7:30 bis 23 Uhr handeln. Tipp vom Finanzwesir: Größte Liquidität bzw. beste Preise gibt es, wenn die meisten Börsen geöffnet sind - also bei uns in Mitteleuropa zwischen 15:30 und 16:30 Uhr unter der Woche. Tipp von Thomas Gebert: Dienstage in der Mitte des Monats, wenn nicht gerade ein großer Feiertag vor der Tür steht, haben die niedrigsten Kurse. Ist die Order zum Kauf gesendet, dauert es wenige Sekunden und die Position ist bestätigt.

4 - Kosten

Eigentlich Teil vom letzten Punkt, aber durchaus seinen eigenen Abschnitt wert: Die Kosten. Hier schafft es TR dank optimierter Prozesse (Stichwort: Digitalisierung) die Gesamtkosten für den Kauf von Titeln auf 1€ zu drücken. Keine Verkaufsprovision für den Broker, keine Transaktionskosten, etc., nur dieser eine Euro. Fällt beim Verkauf dann auch noch einmal an. Laut eigener Aussage deckt dieser eine Euro die anfallenden Kosten auf Seiten von Trade Republic. Nun die berechtigte Frage: Wie verdient TR dann sein Geld? Dies geschieht über eine Rückvergütung bei den vermittelten Produkten. Hier muss ich gestehen, dass mir nicht ganz klar ist, wer wen bezahlt. Ich glaube, es ist die Börse, an die die Kauforder weitergeleitet wird, die für jede investierten 100€ ein paar Cent an TR rückvergütet.

5 - Depot-Übersicht

Nachdem nun eigene Titel im Depot vorliegen, können wir uns die Performance davon anschauen. Ganz allgemein besteht das Menü von TR aus drei Seiten, zwischen denen man mittels Swipen (zu deutsch: wischen) wechseln kann: Links befindet sich die Start-Seite, die das aktuelle Depot zusammenfässt und dessen einzelnen Konstituenten auflistet sowie eine Kursentwicklung des aktuellen Tages, sowie der letzten Woche, des letzten Monats oder Jahres ausgibt. Das mittlere Panel dient dem Suchen nach Aktien und ETFs - man kann seine alten Positionen aber auch über die erste Seite aufstocken. Das rechte Panel zeigt schließlich sämliche Transaktionen von euch bei TR an.

Fazit

Hands-down, jeder Freund von mir, der ebenfalls eine einfache Buy-and-Hold Strategie fährt und nicht TR verwendet, wird von mir belächelt. Als Jux habe ich einem Freund 'mal gezeigt wie ich meine ETFs einmal im Monat kaufe. Zu seiner Überraschung war unser Video-Stream nach 90 Sekunden aber schon wieder vorbei 😉

Besonders praktisch ist hierbei die Möglichkeit, sich in der App mittels seines Fingerabdrucks anzumelden. Ebenfalls lassen sich so Käufe schneller abwickeln. Hier kommen wir aber auch zu einem negativen Punkt: Es ist nicht nur einfach, sondern die App ist auch sehr spielerisch designed: Zielgruppe ist hier ganz klar die junge Generation, welche zumeist noch recht unerfahren ist und dank der niedrigen Kosten wohl eher häufiger Traden wird als schlicht zu kaufen und zu halten. (Ich selbst habe es mir erst abgewöhnen müssen, jeden Tag in der Kaffeeküche mein Depot zu checken.)

Gut ist die Auswahl an Titeln, jedoch nicht perfekt: TR hat Vertragspartner und nicht alles ist zu finden. Ich mit meinem iShares MSCI World und EM bin aber gut versorgt und die letzten Basispunkte bei den laufenden Kosten machen auch nicht mehr den Unterschied zwischen arm und reich.

Ich sagte ja, dass die eigene Anlagestrategie nicht ganz unrelevant ist, wenn man überlegt zu TR zu wechseln. Die betrifft (oder betraf) insbesondere ausländische Dividenden, da hierbei der Abwicklungsaufwand noch relativ hoch ist (war). Ursprünglich traten hier deutlich höhere Kosten auf, doch als ich gerade das Preisblatt von TR checkte, fand ich dazu nichts mehr. Vielleicht hat sich also in den letzten Monaten an dieser Front noch einiges getan. Prüft es am besten selbst noch einmal, wenn Dividendentitel für euch relevant sind.

Insgesamt für einen Anfänger und "Einfach-Anleger" wie mich eine super Plattform, die ich gerne empfehle.

 

Liebe Grüße,

Friedrich


1 Dieses Problem habe ich damals schon dem super Support von TR mitgeteilt, doch behoben wurden dieses Problem noch nicht.

Hallo Friedrich,

eine ausführliche Analyse, vielen Dank. Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht.

Mit gewissen Einschränkungen ist Trade Republik ein gutes Modell.

Der Übertrag von Positionen auf ein anderes Depot wäre recht teuer - sonst könnte man extrem preiswert kaufen und übertragen.

Für Buy&Hold Anbieter, die keine Experimente machen wollen völlig ok - gerade für Anfänger.

 

Achte auf deine Gedanken! Sie sind der Anfang deiner Taten.
Zitat von Friedrich am 17. August 2019, 19:21 Uhr

4 - Kosten

Eigentlich Teil vom letzten Punkt, aber durchaus seinen eigenen Abschnitt wert: Die Kosten. Hier schafft es TR dank optimierter Prozesse (Stichwort: Digitalisierung) die Gesamtkosten für den Kauf von Titeln auf 1€ zu drücken. Keine Verkaufsprovision für den Broker, keine Transaktionskosten, etc., nur dieser eine Euro. Fällt beim Verkauf dann auch noch einmal an. Laut eigener Aussage deckt dieser eine Euro die anfallenden Kosten auf Seiten von Trade Republic. Nun die berechtigte Frage: Wie verdient TR dann sein Geld? Dies geschieht über eine Rückvergütung bei den vermittelten Produkten. Hier muss ich gestehen, dass mir nicht ganz klar ist, wer wen bezahlt.

Die Sache ist weniger transparent als auf den ersten Blick erscheint:

TR nimmt nur eine Euro Trasaktionskosten, bekommt aber fuer jede Transaktion Geld von dem Handelsplatz (der keine Boerse ist). Der Handelsplatz hingegen hat meistens schlechtere Kurse als eine "echte" Boerse und verdient eben daran. Der "Spread" zwischen Geld und Briefkursen ist groesser.

Ob sich das nun insgesamt lohnt, weiss ich nicht.

 

Hab zwar keine Ahnung mit Trade Republic....

aber gewisse Börsenplätze und Emittenten zahlen an die Broker kickback Zahlungen.

wenn du bei einem anderen Broker bist kannst das in der Gesamtkostenübersicht nachlesen.....Ist dokument wo alle Kosten und erhalten Kickbacksaufgelistet werden müssen, der Versand (postbox) ist seit diesem Jahr Pflicht. Die Banken stellen das still und heimlich in die Postbox in der Hoffnung das das keiner sieht.

Die Börse Tradegate zahlt kickzahlungen an die Comdirect und consors (Darum bietet consors auch gewisse aktionen da an).

Auch zahlen emittenten gewisse Kickbacks ich weis das von Zertifikaten, so bekommt consors je nach ordervolumen bei ihren Starpartner (commerzbank, HSBC, BNP, DZ-Bank) zwischen ca über 1000 € volumen 5 und 35 € bei 50.000 € volumen. Bei ETFs gibt es auch kickbackzahlungen entweder für etfs die keiner braucht (jährliche Kosten über 0,65 %), oder eben wenn man einen bestimmten börsenplatz nimmt vom Betrieber (hauptsächlich die Börsen, Tradegate, Gettex, Baader, L&s).

Diese Kickbacks sind ziemlich erheblich und die Broker versuchen einen auch gezielt zu Steuern, Flatex galt ja immer für flat 5,90 € ist es aber keiner der premiumpartner z.B. commerzbank dann wollen die 15,90 €, auch erscheinen neuerdings nicht mehr ale handelsplätze, man muss jetzt wenn man Hamburg oder eine andere regionalbörse will, erst weiter Börsenplätze anklicken.

Ich denke der 1 € ist sicher Kostendeckend, wenn man die leute am richtigen handelsplatz handeln lässt

 

Zitat von arbitrage am 18. September 2019, 12:04 Uhr

aber gewisse Börsenplätze und Emittenten zahlen an die Broker kickback Zahlungen.

Genau das meine ich auch. Wobei die naechste Frage dann ist, woher bei den Handelsplaetze (Tradergate etc) das Geld fuer den Kickback kommt.Ich denke, dass die Handelsplaetze einfach einen groesseren Spread haben. Hatte ich irgendwo gelesen und erscheint mir schluessig.

Ein groessere Spread ist fuer den Anleger natuerlich schlecht und indirekt teurer.

 

der Spread muss nicht zwingend höher sein, aber vom Spread wird das natürlich gezahlt. Die kleinen Börsen müssen ja erst mal Kunden anlocken da ja nachwievor bei aktien das meiste über Xetra läuft.

wobei das dann immer vom Volumen abhängt, wenn jemand für 1000 € kauft und der .spread nur 0,1 % höher ist, sind die 4 €ersparniss gegenüber anderem direktbroker.

handelt man jedoch für 50.000 € dann ist klar der günstigste spread vorzuziehen.

Aber jede Bank hat so seine Vorteile bzw Nachteile, drum hab ich einfach bei allen Onlinebrokern ein Depot. Ausser S-Broker da war die Plattform nur Schrott.

Nutzt ihr eigentlich auch regelmässig die Depotübertragsprämien ? ist ja bei großeren Depots eine lukrative Sache 🙂

 

Zitat von arbitrage am 18. September 2019, 13:41 Uhr

Aber jede Bank hat so seine Vorteile bzw Nachteile, drum hab ich einfach bei allen Onlinebrokern ein Depot. Ausser S-Broker da war die Plattform nur Schrott.

Nutzt ihr eigentlich auch regelmässig die Depotübertragsprämien ? ist ja bei großeren Depots eine lukrative Sache 🙂

Nein!

Der Papierkram beim Uebertrag und extra Aufwand fuer die Steuern etc ist mir ein Grauss. Ich habe vor ein paar Jahren das Depot umgezogen, weil der neue Anbieter deutlich guenstiger erschien.

Ich waehle uebrigens oft bewusst Produkte ohne Praemie, weil ich solche Angebote trasparenter (und serioeser) halte. Ich bevorzuge Unternehmen die Kunden langfristig halten wollen.

Folgende Probleme sehe ich bei Trade Republic:

  • Weniger Auswahl an Aktien und ETFs als andere Broker
  • Schlechte Suchfunktion
  • Gebühren für Dividendenausschüttungen bei ausländischen Aktien -> das kann richtig weh tun
  • TR macht gewinne über Rückvergütungen -> Gefahr, dass nicht die günstigsten Handelsplätze sondern die höchsten Rückvergütungen gewählt werden
  • Sicherheit -> Gibt es eine zwei Wege Autorisation? Klick-Klick ist einfach, aber ist es auch sicher?

Ich finde TR interessant und werde es beobachten. Für mich ist das aber eine App, die sicher eher an regelmäßige Trader richtet. Als Buy and Hold Anleger, der vielleicht 2 mal im Jahr kauft oder rebalanced, ist es kein sooo großer Vorteil ein paar EURO weniger zu zahlen.

Seit meinem ersten Post gab es ein paar Updates bei Trade Republic, insbesondere sind die Gebühren für ausländische Dividendenzahler verschwunden.

Bzgl. Suchfunktion: Ja, aber wenn man es weiß und ausschließlich über die WKN geht, passt das.

Bzgl. Handelsplatz: Da greift ja die Bafin... oder war es MiFID2?

Bzgl. Sicherheit: Ja, Zwei-Weg-Autorisierung gibt es (ist ja auch gesetzlich notwendig): 1. Schritt erfolgt über dein Handy bzw. deine SIM/Handynummer, 2. dann über Passwort oder Fingerabdruck. Ist ziemlich komfortable.

Bzgl. Auswahl: Ja, da hat Andreas absolut Recht, aber für eine Kommer-Strategie reicht es locker.

Letztendlich finde ich Trade Republic fuer mich nicht interessant, weil ich unterwegs oder auf dem Telefon keine Aktien handeln muss, sondern das bedachtig und gut ueberlegt tue.

Genaugenommen moechte ich sogar eine gewisse Huerde, um nicht zu oft auf den Depot-Stand zu schauen. Wenn ich dreimal taeglich aus Langeweile oder Neugier nach den Kursen schaue, verschwende ich Zeit und gewinne nichts.

Wie zB heute: der Dax steht fast 3% im Minus, dass wird mich deutlich mehr als 10.000 Euro gekostet haben. Unschoen - will ich aber derzeit gar nicht wissen, kann ich ja doch nicht aendern. Wieso soll ich mir da einen Kopf drum machen?

Bei steigenden Kursen schaue ich aber doch manchmal. Das hebt die Stimmung!