Bitte oder Registrieren, um Beiträge und Themen zu erstellen.

Einzelaktien vs. Index-Aktien-ETFs während Entsparung oder auch im crash

12

Derzeit wird mir ein weiterer wichtiger wenn nicht gar ausschlaggebender Punkt klar, wenn ich mir mein Depot anschaue und das vergleiche mit den aktuellen Charts.

Der Punkt ist die extrem unterschiedliche Kursentwicklung einzelner Aktien, die ich während der Bankenkrise oder auch Dot.com Blase so nicht gesehen oder ggf. auch nur nicht wahrgenomen habe. Das zu recherchieren ist mir jetzt aber zu mühselig, ich bin mir sicher dass das vor 10 Jahren bei weitem nicht so augeprägt war. Klar ist, dass ein Aktien-ETF am Handelsplatz täglich den durchschnittliche Wert anzeigt, aller seiner im ETF oder Index enthaltenen Werte, sozusagen der gewichtete Durchschnitt. Bei der wöchentlichen (oder derzeit eher täglichen 🙂 ) Durchsicht meines Individual-Depots ist das bei Betrachtung des Depotwerts ähnlich, wenn man allein den Gesamtwert anschaut.  Auffallend ist derzeit das Auseinanderklaffen der besten und der schlechtesten Werte, trotz Bärenmarkt.

Viele Werte sind nach wie vor höchstens ca. 10 % unter ATH, einige sogar auf dem ATH. Coloplast, L'oreal, procter, Churchdwight, General mills, Intel.... Manch andere Werte, trotz vergleichbarer dominater Marktstellung sind (ggf. natürlich auch unabhängig von Corona) weit enfernt von irgendwelchen Höhenflügen.  Von Big Oil, aber auch Handelswerten, Industrie oder z.T. auch Pharma (z.B. AbInbev, Fresenius, Saputo, ParkerHannifin...). Diese Diskrepanz bildet ein Index-ETF nicht ab und das war so ausgeprägt auch noch nie der Fall bei den früheren Chrashs. Da waren alle Positionen relativ schwach (ich erinnere mich an die beide letzten großen Bärenmärkte; insbesondere 2000/2001, da hatte ich keine Aktie mehr im positiven Bereich).

Diese Verteilung (derzeit extrem ausgeprägt) der gut bzw. schecht laufenden Positionen kann ein Erfolgsfaktor in Zeiten der Entnahmephase sein. Sollte ich derzeit Cash benötigen, wäre das ohne Verlustrealisierung oder ac im Vergleich zu den Kursständen Februar 2020) möglich. Ich könnte sogar spielen und Steuern sparen in dem ich gleich große positive und negative Positionen glatt stelle und die Steuerpflicht  hier und Steuergutschrift dort zeitlich optimal aufhebe; also faktisch Steuerrückzahlung / Verrechnung im laufenden Prozess. Zumindest bei der Comdirect-Bank läuft das derzeit so.

Diese Option habe ich (in derlei Zeiten sowieso) bei einem ETF definitiv nicht. Da realisiere ich im laufenden Prozess den Verlust gleichwohl sich im ETF sicher auch Positionen im Plus befinden werden. Es erfolgt dort also eine Kurs-Glättung zu meinen Lasten und ein Verlust von Sicheheit, also der Überlebenesfähigkeit meines Depots innerhalb meiner FIRE-Strategie. Somit ein weiteres Argument für ein selbst gebautes Depot wie mir scheint.

Entspricht so in etwa auch meiner Erfahrung. Hinzufügen kann ich hier noch folgendes: Ich habe in 2018 zeitgleich knapp 40 Einzelaktien gekauft, die ich nach dem 1/n-Prinzip gewichtet habe und zusätzlich noch einen DAX-ETF. Die Aktien waren ebenfalls zum Großteil DAX-Unternehmen und einige aus MDAX und TecDAX. Die Einzelaktien habe sich wesentlich besser entwickelt, als der ETF. Selbst ohne berücksichtigung der Dividenden, sind die Einzelaktien kaum im Minus, obwohl ich da auch extrem schlechte Werte wie Lufthansa mit drin hatte. Der DAX-ETF ist dagegen deutlich im Minus. Von daher kann ich nur bestätigen, (was ich auch vor längere Zeit schon hier gepostet habe), dass eine Aktienauswahl mit Gleichgewichtung (1/n) meistens die bessere Wahl ist.

eine gewisse Spreizung gab es auch früher, weshalb meine Aktien im Crash sich meist besser gehalten haben als die vergleichbaren Indizes.

Dieses mal scheint es aber wirklich stärker zu streuen. Ich habe das jetzt aber nicht systematisch durchgesehen und nachgerechnet.

Allerdings ist es jetzt auch so, dass ich viele Aktien schon sehr lange halte und deutliche 3 stellige Prozentgewinne eingefahren habe. Dann bin ich jetzt mit Starbucks eben nicht mehr 1800 sondern nur noch 1600 % im Plus. Hätte ich die vor 2 Jahren gekauft, wäre ich wahrscheinlich deutlich im Minus.

Lange Rede, kurzer Sinn: es kommt immer auf die Auswahl der richtigen Aktien an. Davon hängt es ab, wie sich die Aktie im Crash verhält, ob das Unternehmen überhaupt überlebt, wie lange es auf dem Boden rumkrebst und wie schnell und gut die Erholung erfolgt. Alles andere führt zu deutlich schwächeren Ergebnissen. Im Gegenteil, gerade im Crash zeigen sich die Unterschiede um so deutlicher!

Oder nach Buffet: wenn die Ebbe kommt, zeigt sich, wer nackt schwimmt.

@privatier

Es ging mir nicht nur darum welche Aktien ich habe und wie lange ich die schon habe sondern um die offensichtlichen Vorteile von einem individuell gestreuten Aktienportfolio im Falle Verkauf in einer Baisse, dann egal aus welchem Grund. Der ETF alle seine Aktienpositionen und so errechnet sich der Portfoliowert und die Gesamtperformance.  Mache ich zur Grobkontrolle auch, jedoch sind beimINdividualanleger individuelle Verkäufe oder auch nur Teilverkäufe dann möglich, auch unter besonderer Berücksichtigung steuerlicher Aspekte und je nachdem wie die einzelnen Positionen stehen oder gewichtet sind.

Ich gehe nach einem Tag weiterer Überlegen davon aus, dass das in der Entsparphase große Vorteile haben kann die die Gesamtperformance über die Laufzeit sogar deutich gegenüber einem gemischten ETF nach vorne bringen kann. Alles spricht dafür, dass das zwingend so sein muss. Kennen Sie oder jemand anders  ggf. Untersuchungen oder Literatur? Danke.

Literatur kenne ich keine. Aber ich predige hier ja schon länger die Investition in Einzelaktien. Steuerliche Aspekte sind einer von vielen Gründen.

Ich habe zb noch nie in gut 30 Jahren Kapitalertragsteuer auf Kursgewinne bezahlt. Und das liegt nicht daran, dass alle meine Aktien im Minus notieren. Im Gegenteil.

ETFs haben eine Reihe von Nachteilen, über die praktisch keiner spricht, bzw. sie sind banal, aber niemand macht sie sich tatsächlich bewusst:

  1. Mit ETFs kauft man immer Werte mit, die man eigentlich nicht will. Leute sagen "Ich würde nie Nestle kaufen, die Firma ist unethisch", "Ich würde keinen Tabakkonzern kaufen, die haben ihre besten Zeiten hinter sich", "Ich würde nie Tesla kaufen, die sind schon viel zu hoch bewertet". Dann frage ich: "Und warum machst du es dann doch, indem du einen ETF kaufst, der da x,xx% für einteilt? Der ETF scheint irgendwie das Feigenblatt zu sein, die willkommene vorauseilende Entschuldigung für alles. Man will sich eben diversifizieren, weil das ja so toll ist (dazu komme ich noch), und dafür holt man eben alles ins Boot, so das Argument. Mal abgesehen davon, dass die meisten ETFs, auch Global/World-ETFs, sehr viele Aktienbereiche überhaupt nicht abbilden (ganze Regionen, oder Small Caps, sind überhaupt nicht vertreten), ist das dünner Kaffee.
  2. ETFs sind prozyklisch: Steigt der Kurs einer vertretenen Aktie, dann steigt auch ihre Gewichtung. Für die ETF-Anteile, die man schon hat, ist das egal (bzw. verhält sich wie Aktien). Aber beim nächsten Kauf fließt anteilig mehr Geld in jene Werte, die zuletzt stark gestiegen sind. Es wird also teuer gekauft. Umgekehrt werden Kurseinbrüche schlecht genutzt, da ja nach der gesunkenen Gewichtung auch weniger davon gekauft wird.
  3. Ich finde das Investieren in ETFs einfach halbherzig und furchtbar uninspiriert. Mit der Masse schwimmen und den Durchschnittsbrei zu löffeln, das war noch nie mein Ding. In keinem Bereich des Lebens. Und meistens war es auch besser so. Ich empfehle ETFs trotzdem an Leute im Bekanntenkreis... wenn ich genau weiß, dass die eigentlich sowieso keinen Bock auf Investment haben, und nur ein bisschen Rendite haben wollen, ohne sich drum zu kümmern. Dann kann mich mir auch leicht denken, dass die es mit Einzelaktien sowieso nicht durchhalten würden. Aber das ist wieder so ein Psychoding. Ihr wisst, dass ich davon nix halte, das ist einfach Schwäche.
  4. Diversifikation: niemand braucht hunderte Titel in einer Verpackung, um die Sicherheit zu erhöhen. Wie man sieht, senkt sich das Risiko ab einer gewissen Anzahl an Titeln kaum noch. Wobei Risiko in dem Kontext eh nix anderes heißt als Vola, und die halte ich locker aus. Wenn ein 2008 oder ein März 2020 kommt, fällt der ETF wie ein Stein. Mein Aktiendepot fiel im Corona Crash weniger stark als alle Indizes, und erholte sich stärker als alle außer dem DAX (den hat es durch viele zyklische Titel extrem stark runtergedrückt, jetzt taucht er eben auch stärker wieder auf. Seit dem Beginn meiner Investments habe ich alle Indizes, auch den DAX, deutlich outperformt. Was ich interessanterweise nicht schlagen konnte waren Gold und Bitcoin 😳 :mrgreen: 

Habe jetzt mal meinen alten Threat hier angeklickt für folgenden Gedanken:

Trotz Krise und je nachdem welchen Index man anschaut, so sind die Stände der Indizes noch ca. 20-25 % weg von alten Höhen. Interessant, und ggf. auch wichtig für eine notwendige Entnahmesituation ist die z.T. erheblilch unterschiedliche Kursentwicklung von Einzeltiteln. Folgende Titel aus meinem Depot stehen auf ATH: Microsoft, L'Oreal, Amgen, Novozymes und wenn man die Range noch auf irgendwie 5% am ATH akzeptiert kommen noch dazu: ChurchDwight, Procter, SAP, HexagonB, Novo Nordisk.

Man sieht, trotz Krise ist ein gut diversifiziertes Depot mit qualitativ entsprechenden Einzeltiteln oft in der Lage gute Kursstände zu liefern, die in Notfällen einen Verkauf schadlos ermöglichen, was ein ETF als Mischung aus "Gut und Schlecht" nicht bieten kann.

Hat jemand weitere Titel die zumindest derzeit das Prädikat krisenfest verdienen?

naja, beim DAX sind 12500 zu 13800 aber eher so 10% zum ATH.

Bei den Aktien muß ich nochmal nachsehen. Ein paar hast du ja schon genannt.

Wenn der Range bei 5% liegt (meiner Ansicht nach zu knapp), kommen noch Nestle dazu (und so ganz knapp Moodys)

sorry, es fehlte die Genauigkeit. Ich rede, wenn vom Dax, dann nat. vom Kursindex, also 5.400 zu 6.400, also knapp 20 %... aber ok. 25% sind es auch hier nicht.

Zitat von Absprung_2020 am 2. Juli 2020, 13:23 Uhr

Hat jemand weitere Titel die zumindest derzeit das Prädikat krisenfest verdienen?

Johnson&Johnson hat sich sehr schnell wieder bis zum ATH und darüber hinaus erholt

Ich fasse mal mit eigenen Worten zusammen:

Einzelaktien statt ETFs um in der Entsparphase gezielt die Aktien verkaufen zu können, die möglichst wenig Kursverlust haben.

Die Idee hat was, obwohl wie sähe das Depot nach einer Weile aus?

Mit der Strategie hättest du irgendwann alle anti-zyklischen Aktien verkauft, aktuell zB alle Tech Titel. Dein Depot bestünde aus den Verlust-Titeln: z.B. Lufthansa, Automobilhersteller, vielleicht sogar Wirecard......

Ob deine Strategie funktioniert hängt wesentlich davon ab ob es klug ist, immer die Titel zu halten, die Verluste haben und die Gewinner zu verkaufen. Das machen viele Neulinge an der Börse: Sie kaufen immer die Aktien, die am meisten gefallen sind. Du hälst die, die am meisten gefallen sind.

Ich finde es generell schwer eine Entnahmestrategie aus einem Aktiendepot zu basteln, egal ob ETFs oder Einzeltitel. Ich würde immer 2-3 Jahre bevor du das Geld wirklich brauchst, verkaufen oder einen Teil in weniger volatile Anlagen umschichten. Im Börsencrash verkaufen zu müssen, ist immer schlecht.

@Andreas900

Zumindest mein Depot enthält wenige bis eigentlich gar keine zyklischen Aktien. Ich habe bereits mehrere Beiträge und Threads zu dem Thema geschrieben. Meine Aussage hier muss also in diesem Kontext verstanden werden. Klar ist aber, jede noch so gute Wachstumsaktie hat früher oder später Schwächephasen oder muss sogar aus dem Depot verbandt werden, da der Erfolg ausbleibt. Dies wäre dann natürlich ein minus minus Zeitpunkt betreff diesem Einzeltitel. In so fern haben Sie recht, jedoch nur noch lahme Enten im Depot zu haben... da hat dann eher etwas mit der Gesamtstrategie nicht gestimmt und nicht mit ggf.  Pechsituation während der Entsparung oder eben was dieser Thread hier auch meint, Abfederung einer temporären Negativ-Dramaturgie am Aktienmarkt.

Wie wäre es mit dem "Topfmodel" in der Entsparphase?

So hat man ein paar Jahre zeit um den nächsten Cash-Topf zu füllen.

Klar, das eine tun, und das andere nicht lassen. Was wie intensiv verfolgt wird ist die Frage. Je kleiner der cash Topf desto stabiler muss das Depot aufgestellt sein. Idealerweise kann man von den laufenden Einnahmen leben, cash Topf nur für unvorhergesehene Investitionen. Meine gedankliche angenommene Wertsteigerung meines Depots, die ich gerne wolle, war zu Beginn meiner FIRE Entscheidung (nicht dass ich das im gleichen Jahr auch getan habe), und das war 2018, 1%/a. Damals ging ich auch von einem cash Polster von 2 Jahren aus, das ich immer noch habe, aber nach und nach abbauen werde.

Die Börsenentwicklung 2019 hat mich dann unter dem Aspekt  um über 30 Jahre nach vorne gebracht. 🙂

Zitat von Absprung_2020 am 28. April 2020, 13:14 Uhr

@privatier

Es ging mir nicht nur darum welche Aktien ich habe und wie lange ich die schon habe sondern um die offensichtlichen Vorteile von einem individuell gestreuten Aktienportfolio im Falle Verkauf in einer Baisse, dann egal aus welchem Grund.

Ich gehe nach einem Tag weiterer Überlegen davon aus, dass das in der Entsparphase große Vorteile haben kann die die Gesamtperformance über die Laufzeit sogar deutich gegenüber einem gemischten ETF nach vorne bringen kann. Alles spricht dafür, dass das zwingend so sein muss. Kennen Sie oder jemand anders  ggf. Untersuchungen oder Literatur? Danke.

Hierzu kenne ich keine Untersuchungen.

Ich habe für dieses Thema nur eine Quelle gesehen, die über Erfahrungsevidenz arbeitet: Beate Sander, beschreibt sehr eindrücklich, das sie mit ihrer Strategie selbst in Baisse Zeiten, immer Aktien hatte, die Höchstkurse auswiesen und auch Bewertungstechnisch hoch bewertet wurden. Einfach bei Youtube nach: Beate Sander Aktien suchen. Sie bestätigt auf jeden Fall ihre Vermutung.

Hierzu auch evidenzbasiert noch ein weiterer Aspekt: Wenn die Dividendenerträge höher sind, als das, was man zum Leben braucht. Auch dann wird man besser abschneiden, als der Index. Wie man diesen Aspekt optimieren kann hat Privatier in einem Blogbeitrag sehr gut beschrieben.

Zitat von Absprung_2020 am 7. August 2020, 22:39 Uhr
.... und das war 2018, 1%/a....

Die Börsenentwicklung 2019 hat mich dann unter dem Aspekt  um über 30 Jahre nach vorne gebracht. 🙂

Sehr cool, mein Respekt 😎 .

Das ist natürlich sehr schmerzfrei und/aber als Ex Selbständiger vielleicht auch notwendig. Das funktioniert mit meinem Depot nicht annähernd 😯 , ist aber auch nicht notwendig, da AV gesamt und etwas Mieteinahme mehr als genügt im Alter. Die Brücke dahin mache ich mit 1 oder 2 Cashtöpfen.

Zitat von Absprung_2020 am 7. August 2020, 8:43 Uhr

@Andreas900

Zumindest mein Depot enthält wenige bis eigentlich gar keine zyklischen Aktien. Ich habe bereits mehrere Beiträge und Threads zu dem Thema geschrieben. Meine Aussage hier muss also in diesem Kontext verstanden werden. Klar ist aber, jede noch so gute Wachstumsaktie hat früher oder später Schwächephasen oder muss sogar aus dem Depot verbandt werden, da der Erfolg ausbleibt. Dies wäre dann natürlich ein minus minus Zeitpunkt betreff diesem Einzeltitel. In so fern haben Sie recht, jedoch nur noch lahme Enten im Depot zu haben... da hat dann eher etwas mit der Gesamtstrategie nicht gestimmt und nicht mit ggf.  Pechsituation während der Entsparung oder eben was dieser Thread hier auch meint, Abfederung einer temporären Negativ-Dramaturgie am Aktienmarkt.

Erlaube mir vielleicht die Gegenfrage:

Warum keine zyklischen Aktien? Zyklische Aktien sind i.d.R. die besten Dividendenausschütter. Sprich du hast laufenden Einnahmen ohne verkaufen zu müssen.

Zyklische Aktien sind total out, ja, aber gerade deswegen könnten die die Gewinner der Zukunft sein. Ich persönlich bin zudem Fan eines breiten Depots, welches möglichst von allem etwas enthält.

Ich würde es ähnlich machen wie Muslime-Frugi vorschlägt. Regelmäßig einen Cash Topf füllen, der dich zumindest ein Jährchen über Wasser hält. Ist zum nächsten Füllzeitpunkt ein Crash, kannst du dann bis zu einem Jahr die Entnahme schieben und musst nicht zu schlimmsten Kursen verkaufen. Mit Dividenden kannst du die Zeit noch weiter strecken.

Aktien bis zur letzten Sekunden halten um maximal Rendite zu bekommen, aber gleichzeitig die Sicherheit nicht unter Wert verkaufen zu müssen, halte ich für ein extrem riskantes Spiel.

@andreas900

Wie gesagt, habe schon mehrere Beiträge zum Thema Dividende geschrieben, gerne mal kurz suchen. Kurzzusammenfassung: Daimler als  klassische zyklische Dividendenaktie. Die bezahlen zwar meist eine Dividende von ca. 4%, auf den ersten Blick super. Leider aber eben imer ca. 4 % auf total schwankende Kurse. Gegenstrategie: Wachstumswerte mit jahrelang regelmäßig steigenden Dividenden kaufen, da scheint die Rendite niedrig, meist auf den aktuellen Kurs nur 1-2 %. Da die aber laufend ihre Dividende steigern, und der Kurs gleichermaßen, habe ich auf mein eingesetztes Kapital oft zweistellige Dividendenrenditen. Vergleichen Sie mal Daimler-Kursentwicklung mit z.B Stryker oder ITW. Die habe ich beide vor ca. 13 Jahren für jeweils ca. 30 €/Stück gekauft. Beide haben meist eine Dividendenrendite auf den Kurs von lächerlichen 1,xy %. Bei ITW stehe ich derzeit aber auf meine Einstiegskapital bezogen bei 12%/a, bei Stryker bei 8 %/a, mein bester Wert, wie auch schon mehrfach gesagt ist Starbucks, da bekomme ich jenseits der 20%/a auf mein eingesetztes Kapital. Soll ich die wirklich gegen eine Daimler, Allianz, VW, Telekom... tauschen?

Übrigens, ja die Strategie von Frau Sander ist mir bekannt. Das macht die weitgehend richtig. Nur ganz so wie sie das immer timen will sehe ich das nicht. Dennoch, sie macht das absolut richtig, wie alle erfolgreichen Investoren. Daher wundert es mich häufig, warum es nicht alle so machen?  Ich gaube, es ist der Zeithorizont der abschreckt. Sie hat irgendwie 15 Jahre gebraucht für die erste Mio. Ich halte das für realistisch. Für mich ist auch klar: Wer das schneller schaffen will, wird es ggf. nie schaffen.

Richtig ist sicherlich, dass die meisten Dividendenaristokraten eher am Ende ihres Wachstumszirkels stehen und es sinnvoller ist in Wachstumswerte zu investieren, die künftig die dicken Dividenden zahlen. Nur muss man das eben im Vorfeld für die Zukunft wissen. Insofern ist Stryker zwar ein passendes Beispiel, aber genauso könntest du die Kursentwicklung von Amazon nennen. Aber lassen wir an dieser Stelle die Dividendenthematik, ich lese mir deine Beiträge zu Dividenden mal durch.

Zu Beate Sander habe ich eine geteilte Meinung. Wenn ich ihre Aussagen richtig im Kopf habe, hat sie mit 50.000 € Startkapital losgelegt und ihr gutes Lehrergehalt sowie das ihres Mannes investiert. Das waren vermutlich mindestens 2.000 € im Monat. In 15 Jahren wären selbst aus einer ETFs Strategie daraus über 600.000 € geworden, vermutlich sogar weit mehr wenn man den Bullenmarkt 1982 bis 2000 komplett mitgenommen hätte und alles steuerfrei wie es damals war. Klar war das trotzdem eine tolle Leistung von der Frau, zumal es damals noch keine ETFs gab, aber überschätzt wird die Frau imho trotzdem und es trennen sie nicht nur finanziell sondern auch geistig Welten von einem Warren Buffet oder Andre Kostolany.

Was ich persönlich feststelle und auch bei Corona bestätigt sehe ist, dass es kurzfristig keine Gewinner in einer Krise gibt. Alles, sogar unzyklische Aktien, sind eingebrochen. Unilever hat zB über 25% verloren und sich bis heute knapp 5 Monate später nicht ganz erholt. Und wenn wir ehrlich sind war dieser Crash sehr harmlos. So schnell hat sich der Markt selten erholt.

Hast du dein Vorhaben mal simuliert? Also geschaut welche Aktien du zB seit März verkauft hättest.

Zitat von Andreas900 am 10. August 2020, 10:21 Uhr

Ich würde es ähnlich machen wie Muslime-Frugi vorschlägt. Regelmäßig einen Cash Topf füllen, der dich zumindest ein Jährchen über Wasser hält. Ist zum nächsten Füllzeitpunkt ein Crash, kannst du dann bis zu einem Jahr die Entnahme schieben und musst nicht zu schlimmsten Kursen verkaufen. Mit Dividenden kannst du die Zeit noch weiter strecken.

Aktien bis zur letzten Sekunden halten um maximal Rendite zu bekommen, aber gleichzeitig die Sicherheit nicht unter Wert verkaufen zu müssen, halte ich für ein extrem riskantes Spiel.

Was Absprung 2020 macht und worüber er schreibt ist gut und richtig!

Ich nehme ihn hier als einen der kompetentesten und konsequentesten Schreiber hier wahr. Eigentlich alles ganz einfach und kein Hexenwerk.

Aber, so wie er es macht funktioniert es für ihn! Bei Entnahme 1% hat er genügend Fleisch auf dem Knochen. Und zwar egal ob vom IST Stand des Depots oder dem ursprünglich eingesetzten Kapital!

Das würde bei mir nicht funktionieren. Mein Depot ist zu dünn dazu und ich habe nur noch rund 5-7 Jahre Zeit für FIRE.

Deshalb plane ich mit Cash zu brücken oder einem weiteren Topf.

Die Brücke ist bei mir aber auch überschaubar und dann kommt ausreichend AV. Bei einem Ex Selbständigen sieht das unter Umständen auch wieder anders aus und das Depot hat eine ganz andere Relevanz.

Die persönlichen Hintergründe und Bedürfnisse sind hier sehr unterschiedlich. Das ist wichtig zu beachten und verstehen beim Austausch

 

12