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Einzelaktien vs. Index-Aktien-ETFs während Entsparung oder auch im crash

Derzeit wird mir ein weiterer wichtiger wenn nicht gar ausschlaggebender Punkt klar, wenn ich mir mein Depot anschaue und das vergleiche mit den aktuellen Charts.

Der Punkt ist die extrem unterschiedliche Kursentwicklung einzelner Aktien, die ich während der Bankenkrise oder auch Dot.com Blase so nicht gesehen oder ggf. auch nur nicht wahrgenomen habe. Das zu recherchieren ist mir jetzt aber zu mühselig, ich bin mir sicher dass das vor 10 Jahren bei weitem nicht so augeprägt war. Klar ist, dass ein Aktien-ETF am Handelsplatz täglich den durchschnittliche Wert anzeigt, aller seiner im ETF oder Index enthaltenen Werte, sozusagen der gewichtete Durchschnitt. Bei der wöchentlichen (oder derzeit eher täglichen 🙂 ) Durchsicht meines Individual-Depots ist das bei Betrachtung des Depotwerts ähnlich, wenn man allein den Gesamtwert anschaut.  Auffallend ist derzeit das Auseinanderklaffen der besten und der schlechtesten Werte, trotz Bärenmarkt.

Viele Werte sind nach wie vor höchstens ca. 10 % unter ATH, einige sogar auf dem ATH. Coloplast, L'oreal, procter, Churchdwight, General mills, Intel.... Manch andere Werte, trotz vergleichbarer dominater Marktstellung sind (ggf. natürlich auch unabhängig von Corona) weit enfernt von irgendwelchen Höhenflügen.  Von Big Oil, aber auch Handelswerten, Industrie oder z.T. auch Pharma (z.B. AbInbev, Fresenius, Saputo, ParkerHannifin...). Diese Diskrepanz bildet ein Index-ETF nicht ab und das war so ausgeprägt auch noch nie der Fall bei den früheren Chrashs. Da waren alle Positionen relativ schwach (ich erinnere mich an die beide letzten großen Bärenmärkte; insbesondere 2000/2001, da hatte ich keine Aktie mehr im positiven Bereich).

Diese Verteilung (derzeit extrem ausgeprägt) der gut bzw. schecht laufenden Positionen kann ein Erfolgsfaktor in Zeiten der Entnahmephase sein. Sollte ich derzeit Cash benötigen, wäre das ohne Verlustrealisierung oder ac im Vergleich zu den Kursständen Februar 2020) möglich. Ich könnte sogar spielen und Steuern sparen in dem ich gleich große positive und negative Positionen glatt stelle und die Steuerpflicht  hier und Steuergutschrift dort zeitlich optimal aufhebe; also faktisch Steuerrückzahlung / Verrechnung im laufenden Prozess. Zumindest bei der Comdirect-Bank läuft das derzeit so.

Diese Option habe ich (in derlei Zeiten sowieso) bei einem ETF definitiv nicht. Da realisiere ich im laufenden Prozess den Verlust gleichwohl sich im ETF sicher auch Positionen im Plus befinden werden. Es erfolgt dort also eine Kurs-Glättung zu meinen Lasten und ein Verlust von Sicheheit, also der Überlebenesfähigkeit meines Depots innerhalb meiner FIRE-Strategie. Somit ein weiteres Argument für ein selbst gebautes Depot wie mir scheint.

Entspricht so in etwa auch meiner Erfahrung. Hinzufügen kann ich hier noch folgendes: Ich habe in 2018 zeitgleich knapp 40 Einzelaktien gekauft, die ich nach dem 1/n-Prinzip gewichtet habe und zusätzlich noch einen DAX-ETF. Die Aktien waren ebenfalls zum Großteil DAX-Unternehmen und einige aus MDAX und TecDAX. Die Einzelaktien habe sich wesentlich besser entwickelt, als der ETF. Selbst ohne berücksichtigung der Dividenden, sind die Einzelaktien kaum im Minus, obwohl ich da auch extrem schlechte Werte wie Lufthansa mit drin hatte. Der DAX-ETF ist dagegen deutlich im Minus. Von daher kann ich nur bestätigen, (was ich auch vor längere Zeit schon hier gepostet habe), dass eine Aktienauswahl mit Gleichgewichtung (1/n) meistens die bessere Wahl ist.

eine gewisse Spreizung gab es auch früher, weshalb meine Aktien im Crash sich meist besser gehalten haben als die vergleichbaren Indizes.

Dieses mal scheint es aber wirklich stärker zu streuen. Ich habe das jetzt aber nicht systematisch durchgesehen und nachgerechnet.

Allerdings ist es jetzt auch so, dass ich viele Aktien schon sehr lange halte und deutliche 3 stellige Prozentgewinne eingefahren habe. Dann bin ich jetzt mit Starbucks eben nicht mehr 1800 sondern nur noch 1600 % im Plus. Hätte ich die vor 2 Jahren gekauft, wäre ich wahrscheinlich deutlich im Minus.

Lange Rede, kurzer Sinn: es kommt immer auf die Auswahl der richtigen Aktien an. Davon hängt es ab, wie sich die Aktie im Crash verhält, ob das Unternehmen überhaupt überlebt, wie lange es auf dem Boden rumkrebst und wie schnell und gut die Erholung erfolgt. Alles andere führt zu deutlich schwächeren Ergebnissen. Im Gegenteil, gerade im Crash zeigen sich die Unterschiede um so deutlicher!

Oder nach Buffet: wenn die Ebbe kommt, zeigt sich, wer nackt schwimmt.

@privatier

Es ging mir nicht nur darum welche Aktien ich habe und wie lange ich die schon habe sondern um die offensichtlichen Vorteile von einem individuell gestreuten Aktienportfolio im Falle Verkauf in einer Baisse, dann egal aus welchem Grund. Der ETF alle seine Aktienpositionen und so errechnet sich der Portfoliowert und die Gesamtperformance.  Mache ich zur Grobkontrolle auch, jedoch sind beimINdividualanleger individuelle Verkäufe oder auch nur Teilverkäufe dann möglich, auch unter besonderer Berücksichtigung steuerlicher Aspekte und je nachdem wie die einzelnen Positionen stehen oder gewichtet sind.

Ich gehe nach einem Tag weiterer Überlegen davon aus, dass das in der Entsparphase große Vorteile haben kann die die Gesamtperformance über die Laufzeit sogar deutich gegenüber einem gemischten ETF nach vorne bringen kann. Alles spricht dafür, dass das zwingend so sein muss. Kennen Sie oder jemand anders  ggf. Untersuchungen oder Literatur? Danke.

Literatur kenne ich keine. Aber ich predige hier ja schon länger die Investition in Einzelaktien. Steuerliche Aspekte sind einer von vielen Gründen.

Ich habe zb noch nie in gut 30 Jahren Kapitalertragsteuer auf Kursgewinne bezahlt. Und das liegt nicht daran, dass alle meine Aktien im Minus notieren. Im Gegenteil.