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Einfach nur Freude und Dankbarkeit

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Ein "Hallo" in die Runde der Frugalisten, Minimalisten, reichen "Säcke" hier im Forum 🙂

Ich lese in diesem Forum schon seit langer Zeit mit - gefühlt mehrere Jahre aber ich denke mal so mindestens 2 Jahre werden es schon sein.

Vielen lieben Dank eingangs damit gleich an Oliver für diese Seite - wobei ich Beiträge von Oliver hier sehr vermisse, da mir sein Mindset - oder was ich zumindest davon glaube zu verstehen - sehr gefällt. Danke auch an die vielen anderen die hier Beiträge verfassen. Persönlich kenne ich ja keinen einzigen von Euch - vermute ich mal zumindest - aber es ist schön über Eure Wege zu lesen - vielen, vielen lieben Dank!

Gefühlt möchte ich anmerken, dass es hier eine ganze Reihe reicher "Säcke" gibt, ich hoffe Ihr verzeiht mir - das ist auch gar nicht böse gemeint. Ich komme mir manchesmal nur ganz schön "klein" vor wenn ich mich in meiner ganz persönlichen "frugalen" Gedankenwelt bewege und dann hier Beiträge mit Asset-Aufstellungen lese - da kommen gelegentlich Selbstzweifel bei mir auf, ob ich denn irgendeinen Platz im "Frugalismus" haben könnte. Da gibts ausser einer eigens genutzten Immobilie keine weiteren Immobilienbestände, auch keine hoch-6-stelligen oder gar 7-stelligen Portfolios welcher Art auch immer.

Im privaten Umfeld finden sich kaum Gleichgesinnte, mit denen ich über meine Gedanken sprechen kann. Zu schnell wird man missverstanden und es ist auch gar nicht so einfach in wenigen Sätzen zusammenzufassen, was da in mir so vor sich geht. "Finanzielle Freiheit" sind für mich persönlich zwei sehr abgedroschene Worte, mir scheint oft missbräuchlich verwendet von Menschen, die einem Produkte verkaufen wollen und von deren Margen sie leben müssen. Aber ja, am Ende geht es um Freiheit, um die Freiheit über die Zeit in seinem eigenen Leben verfügen zu können. Das Missverständnis, das mir entgegen gebracht wird wenn ich kurz über das Thema spreche ist meist, dass man glaubt ich möchte nicht mehr arbeiten. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall. Ich weiss noch nicht wo die Reise hingeht, aber ich gehe über vor Ideen wobei ich auch gleich klarstellen muss, dass keine einzige der Ideen ausgereift ist, d.h. da liegen keine fertigen Businesspläne in der Schublade. Ich möchte mich auch ganz bewusst von dem Gedanken trennen, Geld mit nur einer dieser Ideen "machen" zu müssen. Das ist ein ganz essentieller Punkt. Ich rede gerne mit Menschen über Geld, gebe Tipps und freue mich sehr wenn diese umgesetzt werden und die Person, die sie umsetzt dann auch den "Gewinn" aus dieser Idee erkennt und sagt, dass sich etwas zum Besseren gewendet hat in ihrem Leben. So etwas freut mich und ich möchte kein Geld damit verdienen. Es ist ein "Dienst" an meinem Nächsten, der mir Freude bereitet.

Ich selbst habe dieses Wissen eben auch "kostenlos" über die Jahre aus dem Internet bezogen, aus Foren wie diesem hier und aus eigenen Erfahrungen gezogen. Es ist aber völlig in Ordnung wenn Menschen damit Geld verdienen, es hat auch einiges für sich wenn jemand diese Informationen gut strukturiert und verständlich aufstellt in einem Buch oder individuell auf die persönlichen Situationen von Menschen in einem Beratungsgespräch eingeht. Ich möchte nicht ausschliessen, dass ich das selbst einmal machen werde und damit Geld verdiene, allerdings möchte ich nicht im Vordergrund das Geldverdienen haben. Das was ich in Zukunft tue soll aus einem anderen Antrieb heraus geschehen aber nicht aus dem der Geldmaximierung.

Aber ja, das ist auch ein gewisser Luxus, den man sich erst erarbeiten/ersparen/ererben oder was auch immer muss. Es ist nun einmal so, dass bei Eintritt ins Erwachsenenleben den meisten von uns kein Haus übergeben wird, dessen Betriebskosten, Heizkosten, Instandhaltungskosten etc "geschenkt" werden samt sämlicher Ausgaben für das restliche Leben, auch wenn es nur um eine gewisse Basis geht: Nahrung, Kleidung, Dach über dem Kopf. Alles andere wie Auto, Urlaube, sind dann noch der Luxus "on top".

Einen gewissen Luxus im Leben habe ich mir bereits erarbeitet/erspart. Man könnte sagen, das wäre meine "Leistung" gewesen und das stimmt auch gewissermassen. Aber die Dankbarkeit ist sehr gross. Ich kann wenig haben und glücklich sein. Ich habe noch keinen einzigen Tag in meinem Leben gehungert oder gefroren. Ok, ich habe es vielleicht, aber aus freien Stücken heraus und nicht aus Armut. Ich habe das Wetter mal unterschätzt und mir eine zu dünne Jacke angezogen, das schon, aber ich denke Ihr wisst was ich meine. Nahrung/Kleidung/Dach über dem Kopf - alles immer da gewesen. Das sind Grundbedürfnisse, die bisher erfüllt waren. Und allein das erzeugt in mir schon eine gewisse Dankbarkeit. Und dann die grosse Frage der Freude - ist man glücklich im Leben?  Und immer wieder aufs Neue die Erkenntnis, das keine weiteren materiellen Dinge für diese Freude notwendig sind. Ein schöner verbrachter Tag mit anderen Menschen, ein Gespräch, ein selbst gekochtes Essen, Zeit in der Natur und solche Dinge. Die unbezahlbaren Dinge sind einfach am Ende die wertvollsten. Aber ja, das schreibt sich so einfach, wenn die Grundbedürfnisse abgedeckt sind. Lebt man in Armut und hungert, dann sind die unbezahlbaren Dinge zwar schön und gut, aber wenn man vor dem Verhungern steht, dann hilft das einem nicht viel.

Meine "frugale" Botschaft an alle ist einfach, dass es in unseren Breitengraden vielen Menschen möglich ist, sich materiell eine gewisse Unabhängigkeit aufzubauen. Aber ja, das "Mindset" spielt dabei eine grosse Rolle. Man muss sich dem Streben nach Materialismus schon auch entziehen können, Stichwort "Lifestyle-Inflation". Und das ist einfach nicht für jeden etwas. Was auch gut ist für Frugalisten. Würde die Menschheit nicht so konsumieren, wie sie ist denn tut, dann wären die Renditen in diversen Assetklassen vermutlich nicht da wo sie sind. Wobei - wenn ich schon von Renditen spreche - hier auch immer mehr meine "Erkenntnis" ist, dass man sich schön "reich" rechnen kann. Meine persönliche Erwartungshaltung ist eher ein Kapitalerhalt im Sinne von, dass man nach Inflation und Steuern die Kaufkraft erhält. Gelingt mir das, wäre ich schon zufrieden. Natürlich ist jedes Rendite-Plus-Prozent oder sollte ich eher sagen -Promille schon eine feine Sache. Aber über lange Zeiträume hinweg im Schnitt deutliche positive Realrenditen zu erzielen sehe ich immer mehr als unwahrscheinlich an, zumindest nicht unter Eingehen von höheren Risiken, die aber mitunter auch nach "unten" schlagend werden können. Meine Einstellung dazu mag zu konservativ für einige sein, aber hier bin ich wohl ein zu vorsichtiger Mensch: Gemässigte Erwartungshaltung und sollte man doch positiv überrascht werden, dann ist die Freude umso grösser. Investiere ich in ein Unternehmen und es entwickelt sich überproportional gut dann ist das eine feine Sache. Aber die gesamte Weltwirtschaft regelmässig über der Inflation?

Ich bin ein grosser Freund des Cost-Average-Effektes. Es ist schon deutlich einfacher als junger Mensch regelmässig zu sparen und Stück für Stück ein Portfolio aufzubauen und von fallenden Kursen zu profitieren als einer Person mittleren Alters mit einem bis dahin angespartem Betrag einen Tipp zu geben, was er denn jetzt damit machen soll. Da bin ich dann schon sehr vorsichtig, zumal oft das Verständnis von "Märkten" nicht vorhanden ist. Wenn man nur das Sparbuch kennt, ist der Schwenk auf die "Märkte" - welche auch immer das sind - schon ein gewaltig grosser Schwenk. Da gibts nunmal Volatilität. Andererseits - beim Sparbuch bleibend - fehlt es oft an Verständnis für Realrenditen. Da ist die Freude gross an der Aufbuchung von Zinsen und auf der anderen Seite will man nicht wahrhaben, dass man sich nun weniger davon leisten kann, sofern man sich in einer Phase von negativen Realzinsen befindet.

Aber trotz meiner persönlich eher konservativen Betrachtungsweise sehe ich in der "frugalen" Botschaft tolle Chancen für viele Menschen. Nicht nur für die Top 10% und auch nicht nur für den Median. Vielleicht nicht für die untersten 10% wobei man muss sich die Fälle schon individuell ansehen. Ganz abschreiben würde ich das unterste Percentil von vornherein nicht.

Lange Vorstellung oder eher Gedanken - konkrete persönliche Zahlen bleibe ich schuldig. Obwohl ich sehr gerne Zahlen lese, auch wenn wie eingangs erwähnt da nicht selten Selbstzweifel aufkommen. Einige von Euch haben beeindruckende Zahlen! Excel ist ein guter Freund von mir und ich liebe es zu modellieren/projizieren. Aber andererseits gehe ich auch gerne von den Zahlen weg und widme mich dem "Mindset". Was brauche ich um glücklich zu sein? Die Dankbarkeit ist jedenfalls gross bei mir, allein die Möglichkeit zu haben sich gewisse Gedanken zu machen ist schon ein grosser Segen für mich. Ich bin eine einfach gestrickte Seele, habe nicht das Bedürfnis jemandem materiell etwas beweisen zu müssen - alleine das macht es für mich schon relativ einfach.

Alles Gute an Euch alle in der Runde, vielen Dank nochmals für all die Beiträge. Seid lieb zueinander und haut Euch nicht die Köpfe ein!

Zitat von Joy am 16. Januar 2024, 15:23 Uhr

Ein "Hallo" in die Runde der Frugalisten, Minimalisten, reichen "Säcke" hier im Forum 🙂

Hi Joy, schön von dir zu lesen. Nur kurz zu den reichen Säcken. Ein Sack steht für mich sinnbildlich für einen unbeweglichen nicht agilen Gegenstand. Davon sind die allermeisten Frugalisten weit entfernt. Im Gegenteil sie sind gedanklich sehr agil, gehen hohe Risiken ein, vertrauen auf eine gute Zukunft indem sie im hier uns jetzt ihren Konsum einschränken. Damit also eher fröhliche Flummies die den Markt im Blick haben und wenn nötig herzhaft proaktiv agieren.
Reich ist auch so ein sperriger Begriff der oft auf das Vermögen reduziert wird und bzgl. Vermögen fühlt sich häufig auch ein in unseren Augen reicher selbst als nicht reich.
Wenn du die reinen Zahlen betrachtest scheint es ein langer steiniger Weg zu sein um finanziell frei zu werden aber bedenke das fast jeder mal bei Null angefangen hat. Deutschland ist ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten hier kann es jeder der gesundheitlich nicht zu sehr eingeschränkt ist sehr sehr weit bringen. Es erfordert nur einen starken Willen viel Fleiß und hohe Bewegungsbereitschaft also genau das Gegenteil von einem Sack 🙂
Auch in dir steckt sicherlich eine Menge Energie lass es einfach zu die Menschheit damit zu beglücken wir freuen uns darauf.

Hallo Jan,

danke für Deine Rückmeldung.

Mit "reicher Sack" wollte ich etwas humorvoll andeuten, dass einige/viele hier doch sehr gut aufgestellt sind materiell - zumindest wäre das mein Eindruck. Ich gehe d'accord mit Dir, dass jedoch die damit in Verbindung gebrachte "Unbeweglichkeit" eher nicht zutrifft. Es sind doch tendenziell Menschen, die sich Gedanken machen und eben auch dort sind wo sie sind materiell, weil sie eben alles andere als unbeweglich sind. Unwahrscheinlich für die Meisten vermutlich auch - wenn sie einen Zustand der finanziellen Unabhängigkeit erreicht haben - dass sie in Lethargie verfallen.

Zum Begriff "reich" lässt sich auch vieles schreiben. Einige denken da mitunter an die eigene Jacht oder das eigene Flugzeug, das ist für mich persönlich schon "superreich", da sind wir von "Top 1%" schon weit weg und bewegen uns in Promille-Sphären bzw. noch kleinteiliger. Ab dem Zeitpunkt Eintritt ins Erwachsenenalter bis zum fiktiven Alter 100 pro Jahr EUR 50,000 in Deutschland zu haben würde ich schon als reich bezeichnen. D.h. 80 Jahre mal EUR 50,000 = EUR 4 Millionen. Damit geht sich "in meiner Welt" Familie aus, vor allem auch dann wenn man die EUR 50,000 nicht gleichverteilt sieht sondern mit 20 weniger benötigt, dafür dann in der Lebensphase mit Kinder mehr benötigt - verständlicherweise. Weit "springt" man damit nicht im Sinne, dass man damit eine EUR 2 Millionen Villa kaufen könnte und davor die EUR 100k+ Autos stehen, aber ein gutes Leben kann man damit allemal führen - so denke ich zumindest. Nahrung, Kleidung, ein nettes Häuschen, Urlaube - das wäre dann abdeckbar und keineswegs der Minimum-Standard.

Ich bin Anfang 40 und meilenweit von dieser versuchten Definition von "reich" entfernt. Aber es ist nur eine von vielen Definitionen.

Ganz persönlich habe ich es zuletzt gewagt, anderen gegenüber zu sagen ich wäre "reich". Ich fühle mich einfach so bereits jetzt. Auch stecke ich noch im Hamsterrad aber ich erkenne, dass sich mehr und mehr Optionen auftun. Es muss nicht auf Biegen und Brechen diese Arbeit sein und sollte die Arbeit unerträglich werden, so fühle ich mich bereits gewissermassen frei ohne grosse Zukunftssorgen die "Reissleine" ziehen zu dürfen - dürfen im Sinne von, dass ich es mir zugestehen könnte. Das alleine macht mich persönlich für mich selbst zu einem "reichen" Menschen. Erkannt zu haben, dass das Hamsterrad nicht sein müsste, dass z.b. ein Teilzeitjob schon ausreichen würde, einfach dadurch bedingt, dass ich nun doch viele Jahre gut sparen konnte und damit der Beweis erbracht wurde, mit weniger auskommen zu können.

Zuletzt hatte ich auch einige Gespräche im Freundes- und Arbeitskollegen-Kreis, die sehr bereichernd waren. Ich liebe die Unterschiedlichkeiten von Menschen, wären wir alle nur der selbe "Brei", es wäre langweilig. So ist das Leben ein beständiges Lernen - wunderbar. Es ist ein neuer Lebensabschnitt für mich, ich rücke gefühlt auf der Maslowschen Bedürfnishierarchie nach oben. In jüngeren Jahren ging es doch mehr um die Absicherung der Familie, die nun jedoch grossteils gewährleistet ist. Nun muss oder darf ich mich mit neuen Lebensumständen beschäftigen und das ist gar nicht so einfach - eben dazu hatte ich ein gutes Gespräch mit einer Person, die sich damit viel beschäftigt. Es scheint ein Prozess des Annehmens zu sein, des Ausarbeitens von Optionen, die man nun hat. Ganz spannend. Ideen gibt es viele aber schlussendlich habe ich noch keine Überzeugung welches die richtigen weiteren Schritte sind. Ich glaube dazu Bedarf es noch einiges an Zeit, die ich mir allerdings ganz aktiv nehmen müsste. Nur den Alltag runterzuspulen wird mich nicht weiterbringen sondern jetzt sind "Waldspaziergänge" oder ähnliches angesagt. Reflektieren, herausfinden, was einem wirklich Freude bereitet. Ich weiss nicht wie es Euch geht, vielleicht sollte man mit Anfang 40 das schon längst wissen, aber in meinem Fall ist es leider nicht so. Scheinbar habe ich mir bisher in meinem Leben zu wenig Zeit dafür genommen und bin einfach den klassischen Weg gegangen ohne den zu hinterfragen. Was soll man da auch gross hinterfragen - eine Familie zu gründen, da ist man schon einmal einige Zeit beschäftigt und der Weg vorgegeben. Für materielle Grundbedürfnisse muss gesorgt werden und da die EUR 4 Millionen im Alter von 20 nicht da waren sondern genau EUR 0 (immerhin keine Schulden, so schlimm ist eine "0" mit 20 denke ich gar nicht), bedeutete dies Geld zu verdienen und somit einen Grossteil meiner Energie dafür aufzuwenden.

Mal sehen was kommt bzw. ich sollte hier aktiv werden und mich nicht weiter treiben lassen. Wobei "weiter treiben lassen" bedeutet so weiterzumachen wie bisher, eigentlich das was der Großteil der Menschen von einem erwarten würde bzw. selbst lebt. Das könnte man so weitermachen die nächsten Jahre ohne "groß" aufzufallen. Viele der Optionen bedeuten aus dem Mainstream herauszufallen und das bringt dann wohl ganz andere Herausforderungen mit sich. Im Strom unauffällig mitschwimmen ist bequem, das kennt man schließlich schon sein Leben lang.

Mein Text hier ist wieder "zahlenlos", aber ich hoffe nicht "zahnlos" für Euch Leser. Mir geht es konkret auch weniger um die Zahlen, auch wenn diese wichtig sind, so finde ich das "Drumherum" mindestens genauso spannend. Wenn man denn irgendwann "fertig" hat - diese Herausforderungen sind spannend, denn diese wären komplettes Neuland und da die meisten diesen "Status" nicht erreichen bzw. auch gar nicht anpeilen (aus verschiedensten Gründen) ist die Menge an Leuten sehr begrenzt, mit denen man sich zu diesem Thema unterhalten kann. Aber dafür gibt es dann dieses Forum :).

Hi Joy, schön, von dir zu lesen. Du bringst neuen Input rein. Als ich in deiner Vorstellung von den reichen Säcken gelesen hatte, musste ich schmunzeln. Da dachte ich mir, ziemlich holprig für einen erhofften Austausch mit anderen. Wahrscheinlich werden sie hier nicht (mehr) anbeißen. Vielleicht jetzt? Mich stört der Ausdruck gar nicht, weil ich mich nicht angesprochen fühle. Außerdem ist er eher als ein Kompliment anzusehen. Pfeffersäcke waren doch sehr angesehene Bürger. Tschü

Hi Joy,

schön, dass Du hier bist. Ja, hier tummeln sich viele Leute mit Geld - ich bin eine der "armen Mäuse" hier 😉

Als Gemeinsamkeit haben wir ja fast alle hier den frugalen Lebensstil. Ich hab schon immer so gelebt, brauche zB kein neues Auto solange meines gut und verlässlich fährt.

Schön finde ich auch, dass die Leute hier einfach weiter denken- mehr vom Leben wollen als einfach bis zur Rente weiterzumachen und dann versauern. Viel Spass hier!

 

Ahoi Joy,

willkommen bei uns im Forum. Nach der "armen Maus" melde ich mich mal als einer der wohl "reichen Säcke" 🙈

IM grunde haben hier viele Leute ähnliche sparsame Ausgabenmuster.

Wir kommen zu zweit mit 2000€ monatlich mehr als gut über die Runden und würden auch mit 1500€ auskommen - und es ist nicht so dass ich finanziell etwas vermisse. Der Rest sind erstmal nur Zahlen auf irgendeinem Stück Papier. Ich würde mich davon nicht "einschüchtern" lassen.

Noch vor 10 Jahren hatte ich, damals 28 Jahre alt, auch nur etwa 70k. Heute sind es knapp 3 Millionen, wenn auch nur zu gut einem Zehntel "cashbar".

Was ist passiert?

Ich habe ein Grundstück mit zwei abbruchreifen Häusern gekauft und 5 Jahre lang neben dem Beruf kernsaniert. Kein Urlaub, keine Wochenenden und unter der Woche nach 8 Stunden Lohnarbeit nochmal 6 Stunden Buckelei auf der Baustelle durchlebt...

War eine tolle Zeit, hat mich zwischenzeitlich aber auch an meine Grenzen gebracht. Mein damaliges Einkommen: um die 2k netto.

Nach einiger Rechnerei war ich zum ersten Mal mutig und habe nach 2 Jahren Bauzeit meinen Job gekündigt und die Sanierung 2 weitere Jahre lang " in Vollzeit " beendet. Das war eine gute Entscheidung Durch meine Eigenleistungen habe ich deutlich mehr an Baukosten gespart als ich in Anstellung im gleichen Zeitraum häate einnehmen (und davon auch noch teilweise Handwerker zahlen) können.

Rund 250k habe ich investiert. Das hat sich gelohnt. Die Bude ist mittlerweile abgezahlt. Ich bewohne (seit gut 4 Jahren zu zweit) eine 50 qm große Einheit und vermiete zwei weitere als Ferienwohnungen, was baurechtlich nicht ganz ohne war. Neben quasi kostenfreiem Wohnen können wir nach etwas Anlaufphase von den Einnahmen bequem leben und nich die Hälfte sparen.

Vor 4 Jahren dann war ich erneut mutig und habe ein Mehrfamilienhaus mit einem Dutzend Wohnungen finanziert und gebaut.

Das wars eigentlich auch schon. Es reicht eigentlich eine gute Idee und der Mut und das Selbstvertrauen, es anzupacken. Ich will nicht behaupten dass das jeder kann, mit Sicherheit aber deutlich mehr Menschen als es machen.

Letztlich kann mit dem richtigen Ansatz alles recht schnell gehen.

Mein Lifestyle hat sich wenig geändert. Früher wie heute bin ich sehr sparsam und verzichte auf Statussymbole. In meinen Job als Ingenieur bin ich aber nie zurückgekehrt - werde ich auch nicht mehr. Hätte man mir all das vor 15 Jahren erzählt - vermutlich hätte ich es nicht geglaubt 🙈💩

Letztlich habe ich "einfach" immer das gemacht was mir Spaß gemacht und mich gefordert hat. Dabei habe ich mich wenig darum geschert, Jobs zu wechseln oder auch zu kündigen, habe mich nie verbiegen lassen und bin mir in meinen Einstellungen und Ideen treu geblieben.

Letztlich passiert nichts Gutes außer man tut es 😉

Es ist nie zu spät, sich zu verändern, zu entwickeln und über sich hinauszuwachsen.

Und sollte das doch mal schief gehen, dann ist Deutschland doch der beste Fleck Erde um zu stolpern, sich zu berappeln, wieder aufzustehen und weiter nach vorne zu blicken. Wir haben ein uns auffangendes Sozialsystem und auch eine Orivatinsolvenz ist mittlerweile nach 2 bzw. 3 Jahren durch. Meine Devise daher: klotzen statt kleckern, nicht erst 20 Jahre üben und Selbstvertrauen suchen sondern seine Überzeugungen in größtmöglichen Maßstäben umsetzen.

...so wird man dann zum reichen Sack 😉

Wäre all das nicht passiert, hätte ich heute wohl immer noch einen Vollzeitjob und vielleicht ein Depot von 150k. Ich hoffe stets, auch andere motivieren zu können, ebenfalls ein wenig Mut aufzutun und Gelegenheiten zu ergreifen wenn sie sich bieten...

VG

Max

Und sollte das doch mal schief gehen, dann ist Deutschland doch der beste Fleck Erde um zu stolpern, sich zu berappeln, wieder aufzustehen und weiter nach vorne zu blicken.

Fairerweise kann ich ja auch mal erwähnen, was denn auf dem Weg zur finanziellen Freiheit alles so schief gelaufen ist.

2010 habe ich für einige hundert Euro für unter 10€ pro Coin Bitcoin gekauft, für die Hälfte davon mit einem Freund- der früher mal "Mitglied" im Chaos- Computerclub war (einigen "älteren" Semestern hier sagt das vielleicht noch was) im Darknet irgendwelchen Scheiß gekauft - einfach weils möglich war, in Oldenburg zwei Pizzas gekauft und den Rest beim Broker liegen lassen. Als diese Summe ein paar huntert "k" erreicht hatte gab es einen Hackerangriff, die Platform ging zeitweise vom Netz, Bitcoin im Wert von hunderten Millionen wurden gestohlen. Alles war bei mir weg. Doof gelaufen. Ggf. habe ich zeitnah Aussicht auf geringe (10-20% des damaligen Kurswertes Entschädigung)

 

Eine Zeit lang habe ich für diverse Anwendungen Generatoren konstruiert und diese auch selbst gebaut (angestellt, Firma bestand aus nur Chef, seiner Frau und mir) und so angefangen, nebenbei Magnete zu importieren zu einer Zeit in der die Neodympreise irre in die Höhen schossen. Ich hab das Zeug Containerweise verkloppt. Nach zwei Jahren ging ein Container bei einer Havarie über Bord und war schlecht versichert, die Ware bereits über Bestand verkauft. Am ende zwar mit 50k plus rausgegangen, allerdings auch 300k in den Sand gesetzt. Seitdem lese ich Verträge sehr sehr genau 😖

Was auch schief ging: Ich habe in monatelanger Arbeit einen Hochfrequenzkohlenwasserstoffreaktor (was für ein Wort 😃🤪) entwickelt und durfte erleben wie Konzerne mit sowas umgehen wenn sie selbst (weniger erfolgreich) quasi das gleiche in Arbeit haben. In der Phase, in der in Zusammenarbeit mit meiner ehemaligen FH ein Startup gegründet werden sollte, wurde mir deutlich klar gemacht dass man mich bis in alle Zeiten fortwährend in Grund und Boden klagen würde wenn kein "großzügiges" Angebot (nichtmal 100k- knapp die entwicklungskosten deckend, Zeit vertan) annähme und meine Rechte überschreibe...wieder doof gelaufen.

Und auch habe ich zuletzt vor ein paar z.b. Monaten an einer weiteren Ausschreibung für ein MFH mit knapp 40 Wohneinheitrn teilgenommen und bin knapp nicht zum Zuge gemommen - vielleicht auch ganz gut so...🤔

Ich könnte noch weitere negative Erfahrungen posten - das Gute ist aber dass man aus ihnen lernt und an ihnen wächst. Pech gehört ebenso dazu wie etwas Glück, oft liegt man richtig, scheitert aber an der Inkompetenz Dritter. Letztlich aber vielleicht auch gar nicht so dramatisch-  Ich halte meine Aktivitäten nun so "klein", dass ich sie komplett in Eigenregie managen und umsetzen kann. Auf andere möchte ich mich weser verlassen müssen, nich mich in Abhängigkeiten begeben deren Risiken ich nicht klar kalkulieren und mindestens mittelfristig verankern kann. Das macht mich natürlich zur One-man-Show und beschränkt meine Möglichkeit großartig zu skalieren ohne mich dabei zu überlasten.

Als jemand der so viel Kram unternimmt (anscheinend bin ich also Unternehmer 😎🫣) ist es eher schwierig, das selbst effizient aufgebaute Konstrukt aus Aktivitäten aufzulösen weil man festgestellt hat, dass man eigentlich auch alles verkloppen könnte um in den Ruhestand zu wechseln.

Ich bin mir mittlerweile - den einst kalkulierten und ersehnten Zielbetrag erreicht - gar nicht so sicher ob ich so einen Hartcut überhaupt möchte. Vermutlich nicht und ich würde früher oder später wieder beginnen, Dinge zu "unternehmen". Das ust vielleicht auch nochmal was anderes als wenn man "einfach" aus einem Angestelltenverhältnis  in den Ruhestand wechselt. Die Vorstellung macht mich schon recht emotional.

Meine Eltern sind über 70 und schaffen es auch nicht, ihre Ingenieurbude dicht zu machen🤷🏻‍♂️

Wie man sieht, auch reiche Knacker haben Sorgen 🤪🥳

Spannende Sache, ich bin selbst gespannt wie das "ausgeht"...🤷🏻‍♂️

 ..Ideen gibt es viele aber schlussendlich habe ich noch keine Überzeugung welches die richtigen weiteren Schritte sind. Ich glaube dazu Bedarf es noch einiges an Zeit, die ich mir allerdings ganz aktiv nehmen müsste. ...

Das habe ich auch gedacht. Mittlerweile habe ich für mich angenommen das ich die richtigen weiteren Schritte auch nach langer Zeit der grübeln und Müßiggang nicht erkennen werde. Erst wenn ich mich wieder auf einen neuen Weg begeben habe kann ich feststellen ob er mir passt oder nicht.
Einerseits bewundere ich Menschen die es schaffen glücklich und zufrieden bis zur Rente die gleichen Wege zu beschreiten (gleicher Arbeitgeber, ähnliche Tätigkeiten) andererseits weiß ich das es nichts für mich ist. Jeder muss seinen eigenen Weg finden. So verschieden die Menschen so verschieden auch die Stationen des Lebens.

@max-aus-e du hast sehr schön beschrieben wie auch das Scheitern zu einem erfüllten Leben dazugehört.
Ich habe oft Gespräche mit meinen Mietern die in aus ihrer Sicht fast ausweglosen Situationen sind, kurz davor sind aufzugeben und Deutschland den Rücken zu kehren aufgrund ihrer schlechten Erfahrungen. Dann fallen mir immer wieder krasse Geschichten von mir ein wo ich gnadenlos gescheitert bin aber immer wieder aufgestanden und den Blick nach vorn gerichtet. Es passieren halt immer wieder doofe Sachen bei denen mitunter auch viel Geld verbrannt wird. Ich nenne es für mich Lehrgeld und hacke es ganz schnell ab (bis hin zum vergessen) um mich auf neue Dinge zu konzentrieren. Jeder Tiefschlag im Leben macht mich reicher an Erfahrungen und bestärkt mich darin auch harte Zeiten besser durchstehen zu können. Darum kann ich z.B. im Vermietungsbereich mit vielen Dingen die andere umhauen würden sehr locker umgehen und finde immer wieder Lösungen die mich selbst positiv überraschen weil am Ende mal wieder alle profitiert haben.

 

 

 

@geher "reiche Säcke" - da bin ich wohl tatsächlich etwas zu weit gegangen, aber ich hoffe meine Erläuterungen zuletzt konnten die etwaigen negativen Assoziationen damit ausräumen, war keineswegs von mir negativ gemeint :).

@susy-sunshine Das Auto ist für mich bezüglich frugalem Lebensstil eines der grössten Themen würde ich fast sagen. Ich habe zwar ein Auto, aber ein sehr günstiges und selbst das ist mir zu teuer wenn ich nur ein paar Minuten darüber nachdenke, was es mir letztendlich bringt. Ja, der Individualverkehr hat schöne Vorteile, wann immer ich auch will kann ich punktgenau hinfahren, wohin ich es möchte. Man muss sich nach keinen Fahrplänen richten. Aber der Preis für diesen Komfort ist ganz und gar kein geringer!
In einer ehrlichen Gesamtkostenrechnung kommt man meiner Ansicht nach selbst bei billigem Auto kaum deutlich unter Kosten von 500 EUR im Monat (Wertverlust, Versicherung, Wartung, Treibstoff). Bei einem Mittelklassewagen sind es schnell 800 EUR. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommt man - nur als Richtwert - schnell mal mit 100 EUR oder weniger aus bzw. selbst wenn man Tickets für Familien mit Kindern rechnet in Summe mitunter mit 200 EUR aus. Angenommen man mietet ab und wann ein Auto, so sollen das über das Jahr verteilt z.b. 200 EUR im Monat sein. Rechnen wir 400 EUR (Familie, öffentlich, Mietauto ab und zu) 800 EUR gegenüber so sind das satte 400 EUR im Monat Ersparnis für etwas Komfortverlust. Es mag Situationen geben, wo das Auto "unabdingbar" ist, aber ich stelle zur Diskussion ob es im Grossteil der Fälle nicht doch die Bequemlichkeit ist. Bequemlichkeit/Komfort kosten aber nicht wenig. Für 400 EUR im Monat müssen wohl die meisten von uns mehr wie ein paar Stunden arbeiten, das sind dann schon eher um die 2 Tage sage ich mal. Ich "übersetze" gerne Ausgaben in Arbeits-Stunden/Tagen. In dem Fall sieht das Gedankenexperiment so aus, dass ich nur für den Komfort-Zugewinn auf den Individualverkehr 2 Tage arbeite, d.h. am Beginn des Arbeitsmonats gehe ich Montag und Dienstag arbeiten und nach Arbeitsschluss am Dienstag kann ich mir dann sagen: So, diese 2 Tage waren jetzt nur mal dafür, dass ich das Auto habe. Nicht dass ich grundsätzlich überhaupt einmal mobil bin, sondern die Mehrkosten auf den Individualverkehr. Und das sind immerhin 2 von ca 20 Arbeitstagen im Monat. Ich persönlich denke mir dann in derartigen Veranschaulichungsbeispielen: Ist es mir das wirklich wert? Oder erspare ich mir diese zusätzliche Ausgabe und mache anstatt einem grossen Wochenendeinkauf (mit Auto) mehrere Spaziergänge unterhalb der Woche. Das kostet mehr Zeit für Spaziergänge, dafür kann ich theoretisch weniger Zeit mit Erwerbsarbeit zubringen. Spaziergänge helfen mir zur Steigerung meines Wohlbefindens, die Stunden in der Arbeit mitunter weniger.
Ich bin da ein "kühler" Rechner in solchen Dingen, wiewohl ich jedoch selbst Optimierungsbedarf habe. Aber diese Gedankenexperimente/Rechnungen können eine schöne Entscheidungsgrundlage sein, wie man denn sein Leben gestaltet.
Mir gefallen tolle Autos selbst und ich sehe mir online auf diversen Plattformen die Angebote gerne an. Ich rechne meinen Kindern dann immer vor, wie oft ich mir dieses oder jenes Automodell kaufen könnte um ihnen die Grössenverhältnisse zu veranschaulichen. Das könnte in etwa so aussehen: Der Lamborghini ist nicht drinnen, aber das Oberklassemodell 2x, das Mittelklassemodell 4x und die einfachste Marke 8x.
Eine andere Art der Rechnung für mich selbst ist jene, wo ich das "Upgrade" von günstigem Auto auf Mittelklassemodell insofern veranschauliche, dass ich mir ausrechne, dass ich auf der Ausgabenseite die nächsten 25 Jahre für dieses "Upgrade" z.b. 5 Jahre der 25 Jahre arbeiten muss. Da falle ich dann mehr oder weniger aus allen Wolken. Die Alternative 5 Jahre früher "fertig" zu sein ist für mich mit Abstand attraktiver. 5 Jahre Zeitgewinn für was-auch-immer. Das sind dann schon Zeitdimensionen, die fast schon einen Charakter von Lichtjahren haben. Dimensionen im Universum kann ich mit dem Kopf erfassen, aber bildlich ergreifen schon deutlich schwieriger. Analog geht es mir mit diesen 5 Jahren für das Mittelklassemodell. Im Kopf leicht zu erfassen, aber begreifen?! Die Uhr tickt ab jetzt und nach 5 Jahren sage ich "Stopp", halte inne und sage mir: So, diese 5 Jahre waren jetzt nur mal dafür, dass ich Mittelklasse fahre. Sommer, Winter, Sommer, Winter, Sommer, Winter, Sommer, Winter, Sommer Winter - und "Stopp". Ihr wisst was ich meine.
Ein Beispiel noch und dann hake ich für heute das Thema "Auto" ab: Bekannte baten mich um Unterstützung bei der Suche nach einer Immobilie. Die Rahmenbedingungen waren ungefähr klar und los ging es. Schlussendlich scheiterte es knapp an der Finanzierung, die Bank wollte mehr Eigenkapital sehen. Da das Projekt Immobilie nicht klappte, nahm man das zu geringe Eigenkapital und kaufte sich ein neues Auto. Das alte war aus meiner Sicht gut genug, noch dazu nutzen sie das Auto nicht sehr häufig. Bumm! Sie hatten etwas schlechtes Gewissen mir gegenüber, da sie wussten, wie ich ticke. Für mich war die Entscheidung schwer nachvollziehbar. Ein weiteres Jahr sparen, vielleicht ein Jahr ohne Urlaub hätte ausgereicht und das Projekt Immobilie hätte geklappt. Stattdessen wurde das Eigenkapital verpulvert in ein etwas besseres Auto, das monatlich in Summe dann mehr kostet als das bisherige, d.h. die Sparrate nochmals verkleinert. Viel schlimmer hätte man den ursprünglichen Wunsch nach einer Immobilie nicht bekämpfen können. Gut, die Welt ist für meine Bekannten nicht untergegangen und wer weiss, vielleicht kaufen sie dann eine Immobilie in 5 Jahren, oder auch nie - Eigentum muss nicht immer Sinn machen.
"Auto" ist ein Thema und ich denke vielen ist nicht bewusst, dass Entscheidungen rund um das Thema Auto oftmals keine kleinen Entscheidungen sind.

@max-aus-e Danke für Deine Ausführungen. Traumhaft kann ich nur sagen! Ich bin Dir nicht neidig, ganz im Gegenteil: Ich lese solche Geschichten gerne. Sie klingen fast unglaublich und doch sind sie wahr. Deine Geschichte klingt stimmig für mich und ich freue mich, dass Dein bisheriger Weg so erfolgreich war und hoffentlich so bleibt - allerdings: Was sollte jetzt noch gross schiefgehen? Danke auch für die Skizzierung Deines Weges. Offensichtlich warst Du alles andere als ein unbeweglicher Sack. Du hast die Kraft Deiner jungen Jahre gut genutzt und das Thema "Geld" schnell hinter Dich gebracht, aber offensichtlich auch unter hohem Arbeitseinsatz. Das war eine tolle Leistung, die Dir nun viele Optionen eröffnet - Du hast alles in Deiner Hand - das muss ein super Gefühl sei
Mit der Bitcoin-Geschichte hast Du ein Leben lang noch eine weitere Geschichte zu erzählen! Schön, wäre das aufgegangen, wobei deutlich schöner ist wohl die erste Geschichte - die war weniger Glück sondern eine Leistung, die Du schätzen kannst.
Herrlich - Du hast ja noch einige weitere Geschichten auf Lager. Versuchte eben - erfolglos - einen länger zurückreichenden Chart zu Neodym-Preisen zu finden - bei Rohstoffen denke ich meist nur an Edelmetalle und Schweinehälften. Und dann noch "Hochfrequenzkohlenwasserstoffreaktor" - da bekomme ich überhaupt nur einen einzigen Treffer. Du hast da eine sehr spannende Reise bisher hingelegt, muss mal im Forum stöbern - wenn Du da öfter aktiv bist werde ich hoffentlich noch einiges von Dir lesen. Alles Gute auf der Reise!

@jan-veerman Danke für das Teilen Deiner Erfahrung. Dass eben das "Grübeln", das theoretische Herangehen nicht reicht und man ins "Tun" kommen muss. Ich könnte in meinem Leben vermutlich jahrelang dahin Fantasieren, dann mich endlich zu einer Entscheidung durchringen nur um dann nach kurzer Zeit erkennen zu müssen, dass entgegen aller Überlegungen, das doch nichts für mich war. Heisst wohl nicht, dass man jetzt sofort jedem Gedanken gleich hinterherspringen muss, aber vermutlich sollte man sich dann insgesamt doch mehr trauen.
@max-aus-e zum Thema Stolpern/Aufstehen/Sozialsystem: Da ist wohl einiges dran bzw. in Anlehnung an meinen Beitragstitel haben wir Grund zur Dankbarkeit. Wir haben Rahmenbedingungen durch die ein Stolpern nicht gleich zum "Tod" führt. Ich denke nicht wir sollen oder wollen diese Rahmenbedingungen über Gebühr ausnutzen und grade Du denkst ganz sicherlich nicht so, wohl kaum jemand in diesem Forum. Mein Eindruck ist aber, dass wir Menschen regelrecht Angst vor Risiko haben. Das mag uns in vielen Fällen vor negativen Auswirkungen schützen aber auch von Fortschritt - und sei es nur der persönliche - abhalten.
Ich bin jetzt selbst vermutlich sehr risikoavers im Allgemeinen, aber wenn ich von meinen Ideen im Freundeskreis erzähle, kommt dann in Summe meist doch die Aussage, ich solle das "nebenher" versuchen und dann mal sehen wie es sich entwickelt. Da ist auch überhaupt nichts Falsches an diesem Rat. Ich muss dann aber doch entgegnen, dass ich sehe wie meine Erwerbsarbeit nahezu meine gesamte Energie beansprucht und auch meine Kreativität. Ich bin mir der Endlichkeit meiner Ressourcen - Energie eben - bewusst. Aber ja, auch meine finanziellen Mittel sind begrenzt. Ich orte da ein gewisses Spannungsfeld. Fehlt mir selbst schlussendlich die eigene Überzeugung für eine der Ideen, denn wenn dem so wäre - ich die Überzeugung hätte - dann würde ich ganz automatisch zusätzliche Energie aus dem Nichts sozusagen schöpfen? Oder sollte man einfach "Mut zum Scheitern" aufbringen? 100% Garantien gibt es nicht im Leben.

Da fällt mir aus meiner jahrelangen Recherche bzw. Lesen von Artikeln zum Thema Frugalismus und artverwandten Themen folgendes ein: Das Unverständnis, das "Frugalisten" entgegen gebracht wird ist unter anderen, dass die doch Jahre oder Jahrzehnte lang sich einschränken und sparen nur um dann in der restlichen freigeschaufelten Zeit ebenso eingeschränkt zu leben. Und was wenn dann die todbringende Krankheit einen auf halbem Weg ereilt? Dann war doch alles umsonst?! Diese Aussagen treffen dann meinerseits auf Unverständnis :).
Ein durchschnittlicher Frugalist schränkt sich doch eher nicht ein, sondern verzichtet auf Luxus, der ihm so und so nicht mehr Freude einbringen würde. Man versäumt somit nichts. Dann stirbt man an der Krankheit zu einer Zeit, in der man so und so "maximal" zufrieden unterwegs war. Ein Frugalist verschiebt nicht das Leben auf später, sondern fängt früher zu leben an - ich meine damit im Sinne davon, dass er volle Kontrolle 🙂 über sein Leben erlangt und über seine Zeit verfügen kann ohne Abhängigkeiten von Lohneinkommen.

Ich versuche grade ein paar Optionen aufzuzeigen:
a) frugal bis "frei", dann selben Lebensstil beibehalten
b) frugal bis "frei", dann im Luxus leben (weil man geplanter oder ungeplanter Weise mehr ausgeben kann als zuvor)
c) nicht-frugal bis "nie frei" bzw. durch Rente frei, da aber in der Rente deutlich weniger und somit gehts mit dem Lebensstandard bergab
d) nicht-frugal bis Lotteriegewinn -> Luxus durch Glück -> Glück gehabt 🙂
Naja, ich bin jetzt nicht sicher ob diese Liste erschöpfend ist :).

Verzeiht meine Ausschweifungen, diese beziehen sich auf die 100% Garantien, die es nicht gibt. Bleiben wir bei Wahrscheinlichkeiten, so ist die Wahrscheinlichkeit doch höher im Alter von 50 noch am Leben zu sein, als die Wahrscheinlichkeit davor zu sterben, an einer Krankheit oder was-auch-immer. D.h. stirbt man frugal oder nicht frugal mit 40, so hat man in beiden Fällen gewisses Pech gehabt. Das wäre für mich somit kein Argument gegen Frugalismus. Ausser man unterwirft alles dem Frugalismus und ist somit kein Frugalist sondern geizig sich selbst gegenüber, weil man sich die kleinsten materiellen Freuden nicht gönnt, sie aber gerne hätte.

Lasst uns dankbar sein für die Wahlmöglichkeit, Frugalist zu sein oder nicht. Aber ja in Summe gibt es wohl manchesmal zuviele Möglichkeiten, das kann das Leben auch erschweren und man kann sich nicht zu einer Option durchringen und verbleibt im Hamsterrad, das - solange man es später nicht bereut - ja auch die richtige Entscheidung sein kann. Vielleicht fehlt einem (mir!) aber auch eine nötige Portion Mut. Wobei was wäre schon grossartig "mutig", wenn man am Ende doch durch ein Sozialsystem aufgefangen wird im schlimmsten Fall? Vielleicht entgeht uns oder gar der Gesellschaft durch fehlenden Mut jedoch etwas Gutes? D.h. der "entgangene Gewinn" durch fehlenden Mut ist höher als die Mehrkosten die durch zusätzliches Scheitern von mehr mutigen Menschen entstehen würden?

...meiner Ansicht nach selbst bei billigem Auto kaum deutlich unter Kosten von 500 EUR im Monat (Wertverlust, Versicherung, Wartung, Treibstoff)....

Hi @joy ich glaub schon das ich mit meinem Auto da deutlich günstiger bin.
Versicherung 380€ pro Jahr
Tanken für 10.000km 1700€ pro Jahr
KFZ-Steuer: 120€ pro Jahr
Inspektionen/Reperaturen/TÜV: 750€ pro Jahr
Anschaffungspreis 4,7k vor 10 Jahren akutell noch über 1,7k Wert => Wertverlust: 300€ pro Jahr
In Summe also: 3250€ pro Jahr und damit 270€ pro Monat.
Wir haben uns erst ab dem 3. Kind ein Auto zugelegt aber dann hat es sich wirklich rentiert.

ÖPNV nutzen wir nur wenn es Glatteis/Schnee gibt und meine Kinder nicht mit dem Fahrrad zur Schule können oder für lange Strecken über 200km.
Da ist die Bahn bei rechtzeitiger Buchung tatsächlich günstiger als ein Auto. Ansonsten gilt: Bahnfahren können sich in Deutschland nur sehr reiche Menschen leisten. Es ist einfach viel zu teuer und man verliert viel zu viel Zeit.
Zudem muss ich immer wieder mal Möbel transportieren bzw. vom Baumarkt Krempel besorgen. Car-Sharing wäre in meiner Region viel zu teuer.
Wir haben uns also tatsächlich ein Auto gekauft um kräftig Kosten zu sparen auch wenn es aus Umweltgesichtspunkten uns gar nicht gefällt.
Wie du in meiner Rechnung erkennen kannst ist der Treibstoff der höchste Posten bei unserem Fahrzeug. Da Benzin einfach sau billig ist fällt es einem in Deutschland echt schwer auf Alternativen umzusteigen.

PS: Du wirst feststellen das es in den meisten westlichen Ländern ähnlich aussieht. Autos werden vermutlich aus wirtschaftlichen Gründen extrem bevorzugt. Es gibt auch auch Länder wie z.B. China wo Umweltschutz zumindest beim Transport einen hohen Stellenwert hat da fahren alle 10 Minuten ICEs mit über 300km/h in die nächste Stadt für 5€ pro 100km und damit deutlich schneller und günstiger als mit dem Auto. Innerhalb der Stadt fahren alle 90 Sekunden U-Bahnen und alle 2 Minuten Busse in alle Richtungen. Zudem sind auch Taxen unschlagbar günstig falls man mal etwas zu transportieren hat.
Ich würde mir wünschen wenn wir von solchen Ländern etwas mehr abkupfern (kopieren) würden statt ständig neue Patente für Scheibenwischer/Nockenwellen/Getriebe etc. rauszuhauen.
*Bissl Sarkasmus darf auch mal sein 🙂

Zitat von Jan Veerman am 21. Januar 2024, 15:48 Uhr

...meiner Ansicht nach selbst bei billigem Auto kaum deutlich unter Kosten von 500 EUR im Monat (Wertverlust, Versicherung, Wartung, Treibstoff)....

Hi @joy ich glaub schon das ich mit meinem Auto da deutlich günstiger bin.
Versicherung 380€ pro Jahr
Tanken für 10.000km 1700€ pro Jahr
KFZ-Steuer: 120€ pro Jahr
Inspektionen/Reperaturen/TÜV: 750€ pro Jahr
Anschaffungspreis 4,7k vor 10 Jahren akutell noch über 1,7k Wert => Wertverlust: 300€ pro Jahr
In Summe also: 3250€ pro Jahr und damit 270€ pro Monat.

Diese Zahlen sehen bei uns ähnlich aus (bei etwas niedrigerer Fahrleistung, ca. 7000 km/Jahr und geringerem Verbrauch (rund 6,0 L/100 km (E10)). Damit kommen wir auf Auto-Ausgaben von gut 150 €/Monat

 

Zitat von Joy am 21. Januar 2024, 6:40 Uhr

@susy-sunshine Das Auto ist für mich bezüglich frugalem Lebensstil eines der grössten Themen würde ich fast sagen. Ich habe zwar ein Auto, aber ein sehr günstiges und selbst das ist mir zu teuer, wenn ich nur ein paar Minuten darüber nachdenke, was es mir letztendlich bringt. Ja, der Individualverkehr hat schöne Vorteile, wann immer ich auch will kann ich punktgenau hinfahren, wohin ich es möchte. Man muss sich nach keinen Fahrplänen richten. Aber der Preis für diesen Komfort ist ganz und gar kein geringer!

In einer ehrlichen Gesamtkostenrechnung kommt man meiner Ansicht nach selbst bei billigem Auto kaum deutlich unter Kosten von 500 EUR im Monat (Wertverlust, Versicherung, Wartung, Treibstoff). Bei einem Mittelklassewagen sind es schnell 800 EUR.

Was dem Ami seine Knarre, ist dem Deutschen seine Karre.

Die Autoverehrung der Deutschen hat geradezu religiöse Züge.

Ich habe kein Auto mehr, schon viele Jahre nicht mehr, und doch: Das Auto ist ohne jeden Zweifel das über alles beste Verkehrsmittel, das muß man einfach konstatieren, vor allem für den, der sich selbst nicht bewegen kann oder will. Zu jeder Tages- und Nachtzeit bringt es einen überall hin, und es wartet treu vor der Tür, bis man wieder nach Hause will. Da wartet man nicht, bis ein Taxi kommt, da braucht man sich nach keinem Fahrplan richten, auch mitten in der Nacht fährt es einen noch nach Hause, auch wenn es schüttet oder schneit. Und es ist in aller Regel schneller, viel schneller als andere Verkehrsmittel. Allein in der Stadt hat es Nachteile, auf gängigen Stadtwegen fährt ein Fahrrad einem Auto davon. Aber: Wenn man sich spontan dazu entschließt, eine neue Waschmaschine zu kaufen (das passiert dem durchschnittlichen Großstadtbewohner mindestens zweimal in der Woche), dann macht man einfach hinten auf und steckt die Waschmaschine hinten hinein. Der arme Fahrradfahrer kann das nicht. Die neue Waschmaschine paßt nicht in die Satteltasche.

Das Auto hat nur einen einzigen großen Nachteil: Man braucht es mindestens 23 Stunden am Tag nicht, und dann steht es rum an Stellen, an denen eigentlich kein Platz zum Rumstehen ist. Wenn doch die Politik nur endlich mal genügend Parkraum schüfe! Bis das passiert, bleibt dem Autofahrer nichts anderes übrig, als Fußwege und Radwege zuzuparken. Irgendwo muß er doch schließlich sein Mobil abstellen!

Weil das Auto so enorme Vorteile hat, weil es Freiheit pur ist (wenn nur diese blöden anderen Autofahrer nicht wären!), wollen die allermeisten Deutschen unbedingt ein Auto haben, ein eigenes, natürlich. Das eigene Auto ist Privatsphäre auf Rädern. Kommt einer von der Arbeit, plumpst er auf den Fahrersitz des eigenen Autos und fühlt sich schon zuhause. Ein Mietfahrzeug, etwa ein Teilauto, bietet das nicht, es ist ein öffentlicher Raum, kein privater. Vermutlich deswegen verbreiten sich Teilautos auch nicht, sie bleiben Randerscheinung.

Was ein Auto kostet, ist sehr unterschiedlich. Wer keinen Wert auf Hochglanz legt, kann billig wegkommen. Als ich noch ein Auto hatte, hat es mich keine 100 € im Monat gekostet, mit allem. Ok, es stand wochenlang herum, weil ich es nur höchst selten gebraucht habe, und ich habe für die KFZ-Steuer fast so viel gezahlt wie für den Sprit. Das war letztlich auch der Grund dafür, daß ich es verkauft habe - in die Nachbarschaft. Ich sehe es noch heute und trauere ihm etwas nach. Mir war damals die Option, ein Auto zur Verfügung zu haben, selbst bei meiner geringen Fahrleistung das Geld wert. Aber es war nur ein Mittel, meist nur mich allein zu transportieren, und zwar auch bei widrigen Bedingungen, wenn es mit dem Fahrrad wirklich nicht mehr geht.

Das sehen andere Leute anders. Die geben viel Geld für Kleidung aus (ich nicht), die geben viel Geld fürs Auto aus (habe ich nie getan). Die Frage bei beiden ist nicht: Erfüllt es seinen Zweck? sondern: Kann ich es erschwingen? Unsere Straßenränder stehen voller Statussymbole. Die durchschnittliche Motorleistung von neuzugelassenden Autos hat die Marke von 150 PS längst hinter sich gelassen. Man gibt vor, gerade im Großstadtdschungel sei die Überholpotenz eines großvolumigen Motors ein Element der Sicherheit. Die bewußt aggressiv designten Frontpartien zeigen der Welt: "Hier komme ich! Ein Alpha-Tier der Straße." Dabei geht es letztlich nur um die Potenz: "Seht her, was ich für ein toller Kerl bin (oder auch eine tolle Kerlin, auch immer mehr Frauen führen sich ganz genderkonform als Machas auf)!"

Ich glaube, es gibt nur wenige Völker auf der Welt, die so autoorientiert sind wie gerade wir Deutschen. Hierzulande dreht sich alles um das goldene Kalb mit seinen vier Rädern.

Zitat von Oliver am 21. Januar 2024, 20:49 Uhr

Diese Zahlen sehen bei uns ähnlich aus (bei etwas niedrigerer Fahrleistung, ca. 7000 km/Jahr und geringerem Verbrauch (rund 6,0 L/100 km (E10)). Damit kommen wir auf Auto-Ausgaben von gut 150 €/Monat

Wow das ist ja mal super günstig. Damit bist du wohl Spitzenreiter und ich ernenne dich hiermit zum Profi-Frugalisten (was du ja sowieso schon warst).

Zitat von Achim am 21. Januar 2024, 21:41 Uhr

Das Auto hat nur einen einzigen großen Nachteil: Man braucht es mindestens 23 Stunden am Tag nicht, und dann steht es rum an Stellen, an denen eigentlich kein Platz zum Rumstehen ist.

Dein Autoklagelied mag in der Stadt - zumal als Single oder zumindest ohne Kids - seine Berechtigung haben, allerdings leben dort ja auch sehr viele Menschen bereits ohne Auto. Selbst Oliver N. aus H. lebt aber nicht autofrei, was einem mal zu denken geben sollte.

Im ländlichen Bereich funktioniert das hinten und vorne nicht ohne Auto.

 

Zitat von Max aus E am 20. Januar 2024, 7:17 Uhr

Fairerweise kann ich ja auch mal erwähnen, was denn auf dem Weg zur finanziellen Freiheit alles so schief gelaufen ist.

Das sind die interessanten Gespräche mit erfolgreichen Unternehmern. 😉 "Mein Haus, mein Auto, meine Frau!" wird schnell langweilig, richtig lustig wird's erst, wenn man sich darüber unterhält, was man mal so richtig verbockt hat. Gibt auch keinen erfolgreichen Unternehmer, der immer alles richtig und noch nie eine Entscheidung getroffen hat, die rückblickend betrachtet grandiose Grütze war.

Mein größter Bock ist aktuell knapp 6-stellig, wobei der noch aktiv ist. 😉 Kann sein, dass ich das mit viel Glück noch auf eine schwarze Null ziehe, aber das ist eher unwahrscheinlich.

Als jemand der so viel Kram unternimmt (anscheinend bin ich also Unternehmer 😎🫣) ist es eher schwierig, das selbst effizient aufgebaute Konstrukt aus Aktivitäten aufzulösen weil man festgestellt hat, dass man eigentlich auch alles verkloppen könnte um in den Ruhestand zu wechseln.

Ich bin mir mittlerweile - den einst kalkulierten und ersehnten Zielbetrag erreicht - gar nicht so sicher ob ich so einen Hartcut überhaupt möchte. Vermutlich nicht und ich würde früher oder später wieder beginnen, Dinge zu "unternehmen". Das ust vielleicht auch nochmal was anderes als wenn man "einfach" aus einem Angestelltenverhältnis  in den Ruhestand wechselt.

Das sehe ich ähnlich, Hartcut wird bei mir auch gar nicht nötig sein. Ich verändere und organisiere mein (Arbeits-)Leben neu - das ist alles. Prinzipiell bin ich jetzt schon dabei, in 2023 habe ich viel vorbereitet, in diesem Jahr geht's bei verschiedenen Dingen zufälligerweise gleichzeitig in die Umsetzung. Wenn alles so läuft wie geplant/gedacht, habe ich zB 2024/2025 einen neuen Partner im Büro und mache dann nur noch 4-Tage-Woche. Nach 2-3 Jahren Übergang kann ich dann jederzeit aus dem operativen Geschäft aussteigen, was auch daran liegt, dass meine "Nebenprojekte" gerade ins Rollen kommen.

Ich weiß bei mir auch, dass ich nicht länger als 'ne Woche nur chillen kann. Ich kann im Urlaub super 3-4 Tage faul am Strand liegen, aber dann fange ich automatisch an, über Dinge nachzudenken, die im Alltag nicht so wichtig sind, wo ich aber langfristig noch 'ne Idee habe. Meine gewonnene Freiheit als "reicher Sack" will ich daher in ca. 5 Jahren eher in langfristige, strategische Projekte investieren, wo ich den Takt bestimme und nicht der Kunde. Das wird dann hoffentlich eine gute Mischung aus aktivem und passivem Investieren.

Das hast Du sehr schön beschrieben @achim 🙂

Ich bin ja einer dieser Autofreaks oder Petrolheads, wobei es mir nicht um das Auto als Statussymbol geht, sondern ich erfreue mich an der Technik und dem Design, ich fahre auch gar nicht viel. Für Stecken bis 3 km nehme ich immer das Fahrrad, sofern ich nichts großes transportieren muss. Also Einkäufe eigentlich immer mit dem Fahrrad. Meist fahre ich in den Urlaub damit oder mache Touren. Ich komme mit meinen 4 Autos und 10 Motorrädern auf durchschnittliche Ausgaben von 400 Euro im Monat, das umfasst Steuern und Versicherungen, Reparaturen, Garagen und Hauptuntersuchungen, ohne Sprit. Mit dem liege ich wahrscheinlich bei 500 Euro im Monat. Und das habe ich akribisch anhand aller festgehaltenen Ausgaben über Jahrzehnte für jedes Fahrzeug ziemlich genau im Blick, also ein tatsächlicher Mittelwert. Manche Jahre gibt es mehr Reparaturen, viele Jahre auch gar keine und an den Motorrädern mache ich alles selbst. Da ich mich seit 40 Jahren damit beschäftige habe ich auch so ziemlich alles optimiert was die Kostenfaktoren betrifft, Werkstatt, Ersatzteile, Kontakte, Versicherungen, günstige Garagen etc. Parkplatz habe ich ausreichend.

Bei mir entfällt der fast größte Kostenfaktor, der Wertverlust. Ich würde mir auch nie ein neues Auto kaufen, mein neuester ist 18 Jahre alt, dann 24 Jahre, 30 Jahre und 50 Jahre. Die Motorräder sind querbeet vom Alter, eigentlich sind fast alle Fahrzeuge Liebhaberstücke und entsprechend preisstabil. Die Phase des Wertverlustes ist lange vorbei und hat sich ins Gegenteil verkehrt, die Kurve zeigt nach oben. Und es macht mir eben Spaß und ist mein Hobby, kann aber gut sein das ich das im Ruhestand etwas zurückfahre, aus 400 Euro vielleicht 250 Euro machen.

Wer günstig Auto fahren will dem kann ich einen Fiat Panda empfehlen, Anschaffung 2-3 Tsd. €, sehr ausgereift, keinen überflüssigen Technik Schnick Schnack der teuer zu reparieren ist. Billiger kann man kaum fahren, Toyota Yaris ist z.B. auch gut.

Hi @konsument hab ich das richtig verstanden 4 Autos a 500€ pro Monat und deine 10 Motorräder auch nochmal  vielleicht 100€ pro Monat oder sind die umsonst?
Dann wären wir ja schon bei 4*500+10*100=3k jeden Monat nur für dein Hobby. Wirft dieses Hobby denn auch etwas ab oder kostet es nur? Da musst du ja schon ziemlich was reinschaffen um dir das leisten zu können. Wann hast du vor das zu reduzieren?

Hallo Jan, es sind tatsächlich 400 Euro für alle 14 Fahrzeuge im Monat. Das rechne ich mir nicht schön, sondern führe fein säuberlich Buch darüber (in Excel natürlich, bin ja Controller). Im Jahr 1.725 Euro Steuern und Versicherung für alle (Saisonzulassungen, alle Rabatte für Garage, Wenigfahrer, etc. und niedrige SF-Einstufungen, Oldtimer Versicherungen), Wartung/Reparatur (inkl. Ölwechsel und Reifen) BMW 80 Euro (Ø-21 Jahre), Mercedes 294 Euro (Ø-5 Jahre), Alfa 655 Euro (Ø-36 Jahre) und Suzuki SUV 643 Euro (Ø-16 Jahre). Rd. 250 Euro für die Motorräder (mache alles selbst, nur Ausgaben für Teile bzw. eigentlich fast nur Ölwechsel), 780 für 2 TG-Stellplätze und 387 Euro für HU/AU. Inspektionen gibt es nicht und Ölwechsel alle 2-3 Jahre, reicht völlig, ist überbewertet. In Summe sind das 4.813 Euro p.a., im Monat rd. 400 Euro. Sprit 100 Euro im Monat, denn ich fahre ja nur mit einem Fahrzeug und nicht mit allen gleichzeitig. Urlaubsfahrten sind da natürlich nicht mit drin, haben da auch nichts zu suchen.

Die meisten Fahrzeuge sind mehr wert als das was ich mal für bezahlt habe, 2-3 weniger. Aktuell kein Wertverlust mehr, ich rechne aber weder Wertsteigerungen noch Wertverlust ein, das wäre mir auch zu akademisch. Ich will damit ja kein Geld verdienen, freue mich natürlich wenn ich bspw. E-Teile für deutlich mehr verkaufen kann. So habe ich aus einem mal für 1.000 DM gekauften Alfa in Teilen 5.000 Euro erlöst. Es ist ein Hobby, hätte ich all das Geld in einen Fonds oder auch nur einen schnöden Sparplan investiert würde ich jetzt wahrscheinlich im Geld schwimmen. Aber das ist ja nicht Sinn der Sache, ich freue mich über die vielen schönen Touren, Ausfahrten und Urlaube, Treffen mit Gleichgesinnten, basteln, abschalten. Den Alfa und drei der Mopeds habe ich selbst restauriert, tolle Projekte sind das mit einem extrem hohen Zufriedenheitsgrad  🙂

Zitat von Achim am 21. Januar 2024, 21:41 Uhr

Das Auto hat nur einen einzigen großen Nachteil: Man braucht es mindestens 23 Stunden am Tag nicht, ...

... Das eigene Auto ist Privatsphäre auf Rädern. ... Ein Mietfahrzeug, etwa ein Teilauto, bietet das nicht, es ist ein öffentlicher Raum, kein privater. ...

Naja, im Urlaub (zumeist Roadtrips) brauche ich das Auto jede Nacht 8 bis 10 Stunden als "Blechzelt" - brauche ja einen trockenen und geschützten Schlafplatz!

Und was Car Sharing betrifft:

  • Was zahlt man da für eine 14 Tages-2500 km-Tour?
  • Kann ich da, wenn es mir irgendwo gut gefällt, einfach 3 Tage länger bleiben? Oder wird erwartet, dass ich das Auto zum VORHER geplanten Zeitpunkt zurück bringe?
  • Kann ich da schnell mal eine Billigverdunklungsfolie aus dem Baumarkt oder Norma-Sonderangebot in die hinteren Scheiben kleben?
    (DIY, schaut also Schei*** aus, schafft aber Privatsphäre im "Schlafzimmer")
Zitat von exitus2022 am 25. Januar 2024, 9:54 Uhr
Zitat von Achim am 21. Januar 2024, 21:41 Uhr

Das Auto hat nur einen einzigen großen Nachteil: Man braucht es mindestens 23 Stunden am Tag nicht, ...

... Das eigene Auto ist Privatsphäre auf Rädern. ... Ein Mietfahrzeug, etwa ein Teilauto, bietet das nicht, es ist ein öffentlicher Raum, kein privater. ...

Naja, im Urlaub (zumeist Roadtrips) brauche ich das Auto jede Nacht 8 bis 10 Stunden als "Blechzelt" - brauche ja einen trockenen und geschützten Schlafplatz!

Und was Car Sharing betrifft:

  • Was zahlt man da für eine 14 Tages-2500 km-Tour?

Keine Ahnung, aber relativ viel. Dafür ist ein Carsharing auch nicht ausgelegt. Gegenfrage: Wie viel Prozent deiner jährlichen Fahrtzeit verbringst du auf "2500km 14 Tagestouren" und wieviel um deine Oma im Nachbardorf zu besuchen, oder im Supermarkt einkaufen zu fahren?

  • Kann ich da, wenn es mir irgendwo gut gefällt, einfach 3 Tage länger bleiben? Oder wird erwartet, dass ich das Auto zum VORHER geplanten Zeitpunkt zurück bringe?

Solange es keinen Anschlussmieter gibt ist das ohne Probleme möglich, bei den Modellen die ich kenne. Was aber allgemein möglich und in der Regel ohne Mehrkosten möglich ist, ist, dass du von Vornherein drei Tage länger buchst, oder eben die maximal für dich mögliche Zeit und dann die restlichen Tage am Ende wieder stornierst und das Auto früher zurückbringst.

  • Kann ich da schnell mal eine Billigverdunklungsfolie aus dem Baumarkt oder Norma-Sonderangebot in die hinteren Scheiben kleben?
    (DIY, schaut also Schei*** aus, schafft aber Privatsphäre im "Schlafzimmer")

Sicher, wenn du das spurenfrei wieder demontieren kannst spricht doch nichts dagegen?!

 

Zitat von Sparschwein am 25. Januar 2024, 11:09 Uhr

Gegenfrage: Wie viel Prozent deiner jährlichen Fahrtzeit verbringst du auf "2500km 14 Tagestouren"

weiß nicht ...

wie ich noch gearbeitet hatte (und nachdem ich mir den ersten Einmanncamper-tauglichen Van gekauft hatte) habe ich mal Strichliste geführt und bin auf ca. 30 Übernachtungen im Jahr gekommen ...

als Privatier wird´s wohl eher mehr ...

Zitat von Sparschwein am 25. Januar 2024, 11:09 Uhr
  • Kann ich da schnell mal eine Billigverdunklungsfolie aus dem Baumarkt oder Norma-Sonderangebot in die hinteren Scheiben kleben?
    (DIY, schaut also Schei*** aus, schafft aber Privatsphäre im "Schlafzimmer")

Sicher, wenn du das spurenfrei wieder demontieren kannst ...

Die 250 Euro- bis 1.900 Euro-Altautos, die ich bisher (die letzten 14 Sommer) so genutzt habe, gingen danach = nach bis zu 4 Jahren Nutzungsdauer* immer an irgendwelche Afrikaexporthändler - da hat das nie interessiert - woher soll ich da wissen, ob Klebstoffrückstände verbleiben, wenn man die Billigfolie wieder abzieht?

*bei dem aktuellen 1.550 Euro-Eurovan konnte ich im Herbst die HU-Plakette sogar ein zweites mal erneuern, so dass ich den Wagen jetzt schon seit 52 Monaten fahre

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