Bitte oder Registrieren, um Beiträge und Themen zu erstellen.

Das neue Bürgergeld: Frugalismus ohne Sparzwang

Nun kommen wir endlich einer frugalen Lebensweise nahe - ohne dass man sich mühsam unter Konsumverzicht ein Vermögen aufbauen muss, welches einem laufende monatliche Einnahmen bringt.
Das neue Bürgergeld ermöglicht jedem ausreichende Einnahmen für ein sparsames Leben bei kostenlosem Wohnen, kostenloser Krankenversicherung. Sogar die Demokratieabgabe für den aufbauenden Volksfunk braucht man nicht zu zahlen. Danke Hubertus, da kommt Freude auf. Sanktionen muss man kaum befürchten . man kann sich -sofern das Gewissen ruft- gemeinnützig betätigen und für NGOs oder andere soziale Organisationen ehrenamtlich arbeiten.
Diese Lebensweise ermöglicht größtmögliche Freizeit, verhindert Burnout, man kann sich um Hobby, Partnernde und ggf. Kinder kümmern. Und man belastet kaum die Umwelt, weil wenig Ressourcen verbraucht werden. Eigentlich ein Modell für Jedermann, der dem ausbeuterischen kapitalistischen System entrinnen will und für den Klimaschutz nicht nur ein Lippenbekenntnis ist. Man trotz dem aufoktruierten Konsumzwang und macht den Werbefuzzis eine lange Nase. So ist Frugalismus auch etwas für diejenigen 50% der Bevölkerung, die sowieso kein Vermögen haben, und die bei den jetzt steigenden Preisen auch nicht sparen können. Um Heizung muss man sich auch keine Gedanken machen.

Aber Fred. Da ist Vorsicht geboten, denn wie schnell ist die Menschenwürde eines Beteiligten beeinträchtigt. Es wäre im Sinne unserer freiheitlichen Demokratie daher angemessener, das Vorgehen der Regierung sowie das Verhalten der weniger Konsumierenden geduldvoll zu ertragen.

Viel Erfolg.

Lieber/liebe/liebes MFZ73. Ich freue mich sehr, dass ich Dich mit meinen Hinweisen auf die stets zu beachtende Menschenwürde beeindrucken konnte und erst recht mit meiner Definition von Toleranz!
Aber hier ist meine Toleranz überhaupt nicht gefragt.

Ich begrüße es explizit, dass hier ein Weg zu einer Art bedingungslosem Grundeinkommen gefunden wird ("Danke Hubertus"). Bisher war Frugalismus immer mit Verzicht und Anstrengung konnotativ verbunden - nun gibt es endlich eine anstrengungsfreie Variante. Und man kann sich nun in der freien Zeit den wirklichen Problemen unserer Gesellschaft zuwenden und hier gemeinnützig aktiv werden.
Wir sollten diesen 2. Weg zum Frugalismus eher als wahren Frugalismus sehen. Der andere Weg über Anstrengung, Sparen setzt doch eine zu starke Identifikation mit dem kapitalistischen System voraus. Ein Mieter soll einem Miete zahlen, ein Darlehensnehmer Zinsen, ein Konsument über den Preis Dividende -alles weitgehend leistungslose Einnahmen. Vorbild sind damit doch die vermögenden Kapitalisten und nicht Menschen, die Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Klimaschutz, Soziales Handeln auf ihre Fahne geschrieben haben.

Das Bürgergeld ist zwar in erster Linie ein Ersatz für Hartz4. Also für Menschen, die es schwer haben, eine Arbeitsstelle zu finden.
Aber dass beim Bürgergeld viel weniger Sanktionen vorgesehen sind und viel größeres Schonvermögen, das spricht auch Menschen an, die mit ihrer derzeitigen Arbeit sehr unzufrieden sind. Sie arbeiten vielleicht für den Mindestlohn und haben kaum Verbesserungsmöglichkeiten. Oder sie arbeiten in Tätigkeiten, mit denen sie sich nicht identifizieren können. Oder sie müssen wegen des geringen Lohns so viel Zeit arbeiten, dass sie für Familie und Hobbies kaum Zeit haben. Selbst wenn sie z. B. in der Altenpflege arbeiten, also einem sozialen Beruf, hier ist genau vorgegeben, wie viel Zeit sie mit den zu Pflegenden verbringen dürfen, das Menschliche geht dort oft unter. So gibt es sicherlich viele, für die das Bürgergeld eine Alternative wäre. Sie sind dann finanziell auf einem niedrigen Niveau abgesichert - und arbeiten ohne Honorar oder für geringes Geld gemeinnützig in dem ihnen möglichen Umfang. So geben sie unserer Gesellschaft auch etwas zurück. Und wenn im Rahmen des Bürgergeldes dieses Konzept akzeptiert würde, wäre das wünschenswert. Und es wäre ein frugales Leben für Menschen, die eben nicht die Möglichkeit haben, Geld zu sparen, aus dem sie Einkünfte erzielen und deshalb weniger für Geld arbeiten müssen.

ehrlich gesagt weiß ich nicht was Du hier für eine Diskussion starten willst. Das Bürgergeld ist sicher nicht für ein frugales Leben ohne arbeiten gedacht und ich vermute, das die wenigsten im Forum das als Alternative in Betracht ziehen würden. Losgelöst davon muss m.W. vorher eine Arbeitslosigkeit, vergebliche Bewerbungen etc. bestehen, man kann das nicht einfach beantragen. Das ist wahrscheinlich ein langer und unerfreulicher Weg dahin. Ich kenne mich da aber auch nicht aus und es interessiert mich auch nicht, da es nicht meinem Lebensmodell entspricht.

Bei Frugalismus gehts um selbstbestimmtes Leben und Unabhängigkeit, staatliche Alimentierung ist das genaue Gegenteil davon. Weiß der FFF aber auch.

Ich sehe das Bürgergeld eher als Chance, es als eine Art nahezu bedingungsloses Grundeinkommen zu nutzen. Ob der Staat einem das Geld nun zahlt oder ob es aus Geldanlagen stammt, das ist eigentlich egal. Um seine Anlagen muß man sich auch etwas kümmern, und hier muß man sich schlank den staatlichen Bedingungen anpassen. Und wenn der gemeinnützige Tätigkeiten akzeptiert, alles okay.

„Es handelt sich bei dem Bürgergeld nicht um ein bedingungsloses Bürgergeld oder bedingungsloses Grundeinkommen, sondern um ein Bürgergeld, dessen Zahlung an bestimmte Bedingungen geknüpft ist.  Wichtigste Bedingung dabei ist die Bedürftigkeit.“

Also frugal zu leben bedeutet für uns nicht bedürftig zu sein. Es ist ein unkomplizierteres Hartz 4 Geld. Zu wenig zum Leben und Zuviel zum Sterben. Halte ich für den falschen Ansatz eines frugalen Lebens. Sparen ist ja ganz schön aber gerade so über die runden zu kommen ist eine andere Liga.

Fred, ich glaube Du bist da auf dem Holzweg. Das hängt auch von dem Selbstanspruch ab, es mag für Dich verlockend klingen neben einem stattlichen Vermögen Leistungen vom Staat zu beziehen, das ist aber nicht im Sinne des Erfinders. Das praktiziert bspw. der Remmo Clan.

Ich versuche mal das zu erklären, wir leben in Deutschland in einer Solidargemeinschaft, d.h. der stärkere tritt für den schwächeren ein. Wenn nun der stärkere sich ebenfalls als schwach ausgibt funktioniert das System nicht mehr, das ist ein bisschen so wie auf der Titanic, wenn sich Männer an Frauen und Kindern vorbei in die Rettungsboote drängeln. Indem man arbeitet trägt man über die Steuern und Sozialabgaben zu der Solidargemeinschaft bei, wenn man sich dem ohne Not entzieht handelt man unsolidarisch. Das es Missbrauch gibt und das teilweise ausgenutzt wird wissen wir, das sollte man aber nicht bewusst als Lebensmodell, noch dazu ein frugales, anstreben.

Man kann auch ohne Hartz 4 zu beantragen sich ehrenamtlich engagieren, ich übe bspw. neben meiner 40 Stunden Woche zwei Ehrenämter aus, mein Chef, der ein deutlich höheres Arbeitspensum als ich und zudem noch eine Familie mit 2 Kindern hat, engagiert sich ehrenamtlich für die Suizidprävention von Jugendlichen, ein deutlich unterschätztes Problem. Also wer sich gemeinnützig engagieren möchte kann das jederzeit tun.

Bei dem Bürgergeld geht es m.W. eher darum, das die teilweise erniedrigenden Sanktionen entschärft werden, denn es sind ja nicht alle mutwillig und weil sie faul sind in Hartz 4 gerutscht, auch wenn das gerne bei RTL 2 und in den sogenannten "sozialen Medien" so dargestellt wird.

Freigrenze bezüglich Vermögen liegt wohl bei 60.000 Euro. Da fallen dann die meisten Frugalisten eh raus. Da ist dann auch nichts mit dem Besitz von Feriendomizilen wer weiß wo.

Ich sehe das Bürgergeld weder als Modell für mich persönlich, noch halte ich es generell gut für Vermögende. Es ist etwas für Menschen, die kein Vermögen bilden können. Sie könnten sich in zumutbarem Umfang gemeinnützig engagieren statt mit Mindestlohn in einer unattraktiven Vollzeitanstellung ihre Lebenszeit zu opfern. Wenn Bürgergeld diese Möglichkeit zuließe.

Ich frage mich schon ob ausländische Pensionspläne als verwertbares Vermögen angerechnet werden oder nicht. Wenn nein, dann sehr gut, schließlich habe ich gerade den Großteil meines freien Kapitals eingesetzt um dank des günstigen Wechselkurses eine Immobilie in Deutschland zu kaufen.

"Wir gewähren in den ersten beiden Jahren des Bürgergeldbezuges die Leistung ohne Anrechnung des Vermögens und anerkennen die Angemessenheit der Wohnung"
Mal gucken wie die Umsetzung dann aussieht. Ganz ohne Vermögensprüfung und Sanktionen klingt das nach 2 Jahre Sabbatical für jeden der will.

Schlechtes Gewissen? Nein, warum sollte ich das haben wenn ich mich an die Regeln halte? Diese Politik wurde doch mehrheitlich gewählt und kann bei Nichtgefallen auch wieder abgewählt werden. So etwas in Zeiten von Arbeitskräftemangel ist einfach selten dämlich für eine Volkswirtschaft. Wobei, gute Jobs gibt es für mich nach der De-Industrialisierung eh nicht mehr. Der erste Betrieb auf meiner Liste potentieller Arbeitgeber in der Umgebung meines neuen Hauses hat gerade bekannt gegeben den Standort zum Jahresende zu schließen wegen zu hoher Energiekosten. Und da sind noch ein paar mehr energieintensive Betriebe auf der Liste. Mal gucken was aus der Batterieproduktion wird die geplant war, die braucht auch günstigen, zuverlässigen Strom.

Zitat von Tim am 28. August 2022, 4:26 Uhr

So etwas in Zeiten von Arbeitskräftemangel ist einfach selten dämlich für eine Volkswirtschaft.

Wer im deutschen Sozialsystem angekommen ist, der will und braucht keine Koffer am Flughafen schleppen oder andere unangenehmen Tätigkeiten ausführen. Das machen Leiharbeiter vornehmlich aus dem europäischen Ausland - solange dort der Mindestlohn 300 bis 500€ beträgt. Da finden sich immer genug, die in D alles Unangenehme erledigen für den deutschen Mindestlohn. Es wird an der EU und der Freizügigkeit militant festgehalten, sonst würden bei uns die Lichter ausgehen. Im Hoch- und Tiefbau wäre es sofort vorbei mit nur deutschen Arbeitskräften.

Und es wird so weitergehen - das Bürgergeld wird das von vielen erhoffte bedingungslose Grundeinkommen - natürlich nur für Deutsche. Die deutsche Mittelschicht arbeitet und arbeitet und kann sich etwas Luxus leisten (mit schlechtem Gewissen wegen Klima...),.
Die Geissens und vermögende Frugalisten machen es sich gemütlich und die vermögenslosen 50% der Bevölkerung in den Sozialwohnungen liebäugeln mit dem Sabbatical - sobald und solange die erniedrigenden Bedürftigkeitskontrollen eingestellt werden. Ethische Bedenken? Der Gesetzgeber will es ja so! Und solange wir im Bundestag Fraktionszwang haben, tanzt auch kein Abgeordneter aus der Reihe. Kleinparteien mit 15% können im Kuhhandel eines Koalitionsvertrages Sachen durchsetzen, die gegen den Willen von 2/3 der Bevölkerung sind.

Immer wieder wird berichtet, dass eine Mehrheit der Bevölkerung für ein Bedingungsloses Grundeinkommen ist, angeblich 45 bis 52%. Ein gutes Argument, das Bürgergeld entsprechend zu nutzen, es ist ja von der Mehrheit gewollt.

Es lohnt sich aber, einmal differenziertere Befragungen anzusehen. Da sind plötzlich nur 23% dafür. Aber die aktuelle Politik lässt es jetzt durch die Hintertür kommen - dafür kommt die widerstrebende FDP mit ihrer Forderung durch: Keine Vermögenssteuer.

 

Zitat von FredFinanzFuchs am 28. August 2022, 15:48 Uhr

Wer im deutschen Sozialsystem angekommen ist, der will und braucht keine Koffer am Flughafen schleppen oder andere unangenehmen Tätigkeiten ausführen. ...

Und es wird so weitergehen - das Bürgergeld wird das von vielen erhoffte bedingungslose Grundeinkommen - ...

Einen WESENTLICHEN Unterschied übersiehst Du:

Ein BEDINGUNGSLOSES Grundeinkommen wird nicht gestrichen, wenn jemand mit sich mit so einem Mindestlohnjob ein bisserl was "hinzuverdient"
(stattdessen kann, da das Existenzminimum gedeckt ist, ALLES an Einkommen einheitlich besteuert werden)

Sprich:
Der de facto Grenzsteuersatz von 80 % oder 90 % für Geringverdiener entfällt bei einem echten BGE!

Zitat von Tim am 28. August 2022, 4:26 Uhr

schließlich habe ich gerade den Großteil meines freien Kapitals eingesetzt um dank des günstigen Wechselkurses eine Immobilie in Deutschland zu kaufen.

 

lustig, hat mein Bruder gerade auch gemacht, der in den USA wohnt und da schon 2 Häuser besitzt, allerdings hat er eins Haus in Frankreich gekauft, nahe der Deutschen Grenze in den Vogesen, sie nutzen es dann nur als Ferienhaus, Vorteil für mich, ich kann dort demnächst kostenlos Urlaub machen...

olivers Familie würde mit dem Bürgeldgeld 502 Euro + 451 Euro + 318 Euro = 1271 Euro bekommen.

Pro Erwachsenem wären das 635 Euro/Monat.

 

Oliver hat 2021 1067 Euro ausgegeben. Davon würden aber noch entfallen Warmmiete, GEZ, Kita, evtl Haftpflicht und evtl reduzierte Vereinsbeiträge?

Hier muss ich etwas ins Blaue schätzen (v.a. Kitabeiträge), aber vermutlich sind seine Kosten abzgl dieser Positionen in 2021 auf diesem Niveau gewesen.

Jetzt hatten wir in 2022 natürlich eine stärkere Inflation, das muss man noch bedenken, aber im Grundsatz her wären olivers Ausgaben ungefähr so, wie das einer vergleichbaren Bürgergeldfamilie auch möglich wäre.

Ich lese im blog jetzt nicht, dass sich Oliver das nötigsten nicht zum Leben leisten kann, dass er bei der tafel anstellen muss, auf gesellschaftlicheTeilhabe verzichten muss und im Grunde ein Leben im Elend zu führen hat, usw...

MfG

 

 

Hi Cepha

schön auf den Punkt gebracht!

Der Fachkräftemangel ist auch ein Problem an zu geringem Grenznutzen weg aus der Langzeitarbeitslosigkeit hin zu Tätigkeiten überwiegend in geringer bezahlten Tätigkeiten (Dienstleistung, Hilfstätigkeit Handwerk etc. ).

Herr Heil konzentriert sich auf Zuwanderung inkl. teure Integration bei gleichzeitigen Fehlanreizen = Bürgergeld.

Hier im Forum kommen belehrende Hinweise auf Straftatbestände, wenn jemand zur Orientierung ALG1 in Anspruch nimmt.

Ist schon putzig hier in Bullerbü!

 

Wenn ich Bürgergeld mache dann bin ich doch komplett abhängig vom Staat, das ist doch genau das Gegenteil als das, was Frugalisten wollen.

500 euro Bürgergeld sind sicher auch kein Zuckerschlecken, mit mehreren 100000 Euro und mehr auf der Seite und irgendwann leistungslos ausgesorgt, lässt es dann natürlich leicht mit dem Finger darauf zeigen.