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Auf der Zielgeraden

Hallo liebe Frugalisten und Anwärter;-)

Ich möchte mich hier kurz vorstellen, um all denen Mut zu machen, die hier besorgt fragen, ob es für sie möglich ist zu einer gesunden Work-Life-Balance zu kommen, oder ob es vielleicht schon zu spät ist.

Ich bin eigentlich auch schon relativ lange Frugalist(schöner Begriff), wenngleich ich die Weichen für den Exit aus dem Hamsterrad erst vor 2 Jahren gestellt habe.

Mitte der 90er Jahre,mit ca. 32 Jahren, landete ich zu jedem Monatsende im Dispo. Meine Frau hatte zu dieser Zeit keine Arbeit, und unsere zwei Kinder waren noch klein, wir hatten das Plastikgeld für uns entdeckt, und kauften damit relativ unkontrolliert alles was wir für unsere junge Familie brauchten.
Uns war natürlich klar, dass die Zinsen für den Dispo exorbitant waren. Aber hatten keinen rechten Plan wie wir das ändern sollten. Glücklicherweise fand sich eines Tages ein Flyer in unserem Briefkasten, mit dem nach Teilnehmern für eine statistische Haushaltsstudie gesucht wurde. Da mich das Thema interessierte, konnte ich meine Frau überreden, dort teilzunehmen, was im Wesentlichen aus der Führung eines Haushaltsbuchs bestand.
Durch diese Aufzeichnungen waren wir in der Lage, unsere Ausgaben besser zu überblicken, was dazu führte, dass wir uns auf ein Budget einigten, und fortan Dispofrei über den Monat kamen. Es blieb sogar immer etwas übrig, so dass wir einen Ultimo-Sparauftrag einrichteten, und fast jeden Monat etwas Geld beiseite legten. Ende 1998 hatten sich dann ca. 30.000DM angesammelt, von denen wir 60% in unsere ersten Aktienfonds anlegten. Ohne konkreten Plan kauften wir in den nachfolgenden Jahren immer mal wieder sporadisch nach, wenn sich wieder etwas Geld angesammelt hatte.
Als 2000 die  „New Economy“-Blase platzte, stiegen fast alle unserer Bekannten mit teils großen Verlusten aus dieser Investmentform aus. Wir hatten zum Glück genug Reserven, um diese Flaute aussitzen zu können.
2005 kam es leider zur Scheidung (nach 18 Ehejahren) und wir teilten das Depot auf. Für meine Frau war das ein ökonomischer Befreiungsschlag. Sie träumte schon länger von einer Stadtvilla in Potsdam, ein Traum, den sie sich bis heute nicht erfüllen konnte.
Ich investierte weiter ohne mich jedoch intensiv/aktiv um das Managment meines Portfolios zu kümmern. Zwar träumte ich auch davon, meinen Job mit 50 an den Nagel zu hängen, erkannte aber bereits, dass es dafür nicht reichen würde.

Vor ziemlich genau zwei Jahren, unterbreitete meine Fa. mir ein Angebot per Aufhebungsvertrag mit Abfindung das Unternehmen zu verlassen. Ich antwortete spontan, dass dies für mich, mit 53 Jahren zu früh wäre. Erst ein Kollege, der übrigens noch jünger als ich ist, brachte mich durch seine Unterschrift unter den Aufhebungsvertrag zum Nachdenken und Kalkulieren.
Ich machte eine Aufstellung über Einnahmen und Ausgaben der letzten 3 Kalenderjahre, und erkannte erstmalig, dass ich bereits seit längerer Zeit eine Sparrate von über 50% hatte. Wenn ich so weitermachen würde, wäre ich in 14 Jahren ein verdammt reicher, alter Mann.
Würde ich dagegen in den Privatier-Status wechseln, könnte ich bei teilweisem Kapitalverzehr die Zeit bis zum Renteneintritt sogar ohne die Abfindung überbrücken.
Da sich das Arbeitsklima in den letzten Jahren stetig verschlechtert hatte, war nun mein Ehrgeiz geweckt. Nach gründlicher Planung, verhandelte ich einen Ausstieg im Jahr 2019. Dieses zusätzliche Jahr bringt mir unter Einbeziehung aller Parameter ein finanzielles Plus von ca. 190.000€. Damit erreiche ich nicht nur den vollen Kapitalerhalt, sondern kann sogar noch meine staatliche Rente aufstocken.
Stand heute wechsle ich in 359 Kalendertagen in eine beE (Auffanggesellschaft mit Kurzarbeit 0 bei 85% meines derzeitigen Einkommens). Dies wird dann mit 56 Jahren mein gleitender Übergang in die finanzielle Selbstständigkeit sein.

Auch ich wurde immer belächelt, wenn ich sagte, ich wolle früher aufhören zu arbeiten, und selbst heute gibt es genug Skeptiker, die sich nicht vorstellen können, dass das wirklich funktioniert.
Wenn ich sehe, wie engagiert die meisten von euch hier ihre Ziele bereits in jungen Jahren verfolgen, bin ich überzeugt, dass es viele schaffen werden, bereits wesentlich früher dem Hamsterrad zu entfliehen.

viel Erfolg, Porthos

 

Toller Artikel! Vielen Dank fürs Teilen und alles Gute für den nächsten Schritt in 2019

Kurzes Update,

bin jetzt planmäßig seit 7 Monaten bei 85% meines letzten Einkommens Zuhause. Hobbies habe ich genug, mein Arbeitgeber fehlt mir nicht. Die Sparrate ist immer noch höher als erwartet, P2P lief im letzten Jahr super, und hat mir ca. 4000€ Zins erwirtschaftet. Mit nochmal 4000 Dividenden, schön ein ordentliches Zusatzeinkommen. In den letzten beiden Jahren habe ich meine Rente überplanmäßig durch steueroptimierte freiwillige Einzahlungen erhöht. Die Coronakriese nutze ich um von P2P in derzeit günstige ETFs umzuschichten.

Fazit: Es läuft besser als geplant, ich werde weiterhin berichten  😉

Hallo Porthos,

 

mit viel Freude habe ich heut früh dein Update gelesen- danke!

 

Ich hatte in den letzten Tagen mehrere Artikel über den Ausfall von P2P Plattformen, sogar Scam gelesen und auch der ein oder andere Immobilien-Crowd war dabei.

Hattest du (vielleicht könntest es in % ausdrücken) Ausfälle, Verzögerungen oder sonstige unvorhersehbaren Ereignisse beim P2P? Ist das eventuell auch der Grund deiner Umschichtung?

Danke & Gruß

FF

Hallo FF,

ich bin seit November 2018 bei Bondora(Go & Grow) und Robocash jeweils 5-stellig investiert. Im September 2019 kamen Mintos (I & A) sowie Swapper dazu, und ich habe bei Bondora parallel zu GG noch den Portfoliomanager gestartet. Ich war mir von Anfang an der Risiken bewusst, habe aber eine recht hohe Toleranzschwelle. Da mein Ausstiegsplan sehr auf Sicherheit ausgelegt ist. Daher habe ich P2P bewusst zum Ansparen genutzt. Mehrfach habe ich zwischenzeitlich auch größere Summen abgehoben. Z.B. habe ich im Dezember 2019 13000€ von Bondora abgezogen, und in die gesetzliche Rente eingezahlt, so dass ich jetzt auf eine Rückzahlung > 5000€ vom Finanzamt warte 😉

Ich war und bin zudem stark in ETFs investiert, habe dort aber aufgrund der rasanten Preisentwicklung 2019 wenig Geld nachgeschossen. Mitte März waren die Preise am ETF-Markt um ca. 30% gefallen, und ich rechne stark mit einer längerfristigen Erholung. So habe ich erstmal 10000 von Bondora in ETF umgeschichtet. Anschließend wurde der Geldfluss von Bondora etwas zäher, da offensichtlich viele Investoren ihre Mittel abziehen.
Seitdem habe ich außer Robocash alle Einlagen reduziert, und immer wenn ich 5000er Häppchen zusammen hatte in ETF angelegt.

Go & Grow sowie  Invest & Access haben natürlich Probleme bei den Auszahlungen, es kommt zu Verzögerungen, was für mich aber nicht wirklich ein Showstopper ist. Alle 4 Plattformen haben bisher keine ernsten Ausfälle durch Corona signalisiert. Um die Anleger zu motivieren hat Robucash die Rendite wieder auf 14% angehoben, Swapper sogar auf 16%. Buyback funktioniert weiterhin auf allen Plattformen, so dass es bisher keine Ausfälle gibt. Lediglich die Dynamik der Auszahlungen ist natürlich nicht mehr wie vor Corona. In vielen Ländern sind staatliche Programme zum Schutz der Schuldner aktiviert worden, die zu vorübergehender Stundung von Zahlungen oder zum temporären Aussetzen von Strafzinsen führen. Aber es gibt bisher bei diesen 4 Anbietern keine Ausfälle. Rückzahlungen/-käufe sowie Zinszahlungen laufen weitgehend planmäßig.
Bondora Portfoliomanager bietet kein Buyback, so dass ich dort einen Tilgungsrückstand von aktuell 3,84€ habe, was aber im Grundrauschen untergeht, und sich auch schon vor Corona abzeichnete.

Ich werde weiterhin P2P reduzieren, und ETF aufbauen, solange die Aktienpreise so niedrig bleiben, um das Risiko zu reduzieren, die günstigen ETF-Preie zu nutzen und Platz für danach zufließende Mittel zu schaffen. Mein Vertrauen in P2P ist ungebrochen. Man sollte natürlich vorsichtig mit neuen und unbekannten Anbietern sein, in Zeiten wie diesen trennt sich eindeutig die Spreu vom Weizen.

Gruß Porthos

Hallo Porthos,

die Tage habe ich in dem Forum gestöbert und bin auf deinen Beitrag gestoßen. Vorab vielen Dank für deinen Einblick in deine Vita und die Offenheit dies hier zu teilen. Es wird mir nicht alleine so gehen, dass es wohltuend, und ermunternd spannend ist von Gleichgesinnten hier zu lesen, die einen ähnlichen Lebensverlauf sowie eine ähnliche Lebensplanung hatten bzw. haben.

Natürlich ist es spannend und erfrischend von Frugalisten wie Oliver zu lesen. Aber dazu bin ich in einem anderen Lebensalter und Lebensphase, vielleicht auch bin ich grundlegend ein anderer Typ. Wenn man sich das Forum hier so durchliest ist Frugalismus wohl ein weitgefächerter Begriff. Die frugale Lebensphilosophie ist wohl mehr geprägt vom Gefühl, des in sich Vertrauens, mit wenig (auch Reserve) klarkommen zu können und generell mit loslassen (von Sicherheit, Status, und (vielleicht "zu") dicken Reserven). Eben im Hier und Jetzt sein, nicht in die Zukunft zu planen. Sehr kontemplativ und spirituell. So gar nicht deutsch und wohl anders als es viele hier angehen.

Aber jeder braucht seine Wohlfühlzone oder hat auch schlicht seine inneren Begrenzungen und erziehungsprägenden Glaubensgrundsätze. Aber nun genug allgemeines blabla und zu mir und den Parallelen die ich zu dir sehe:

Auch ich habe 2 Kinder und in der Lebensmitte hat die Ehe leider nicht mehr füllend getragen. Den Dispo hatte ich nie bedient, vielmehr von Beginn meines beruflichen Lebens immer freien Cashflow (selbst nach der Trennung/Scheidung). Mit Mitte 30 haben wir ein solide mit EK und Schenkung finanziertes EFH bezogen, welches ich heute noch habe. Das wohl zu teure und große Haus ist ein Luxus den ich mir leiste. Würde ich das unbelastete Haus veräußern könnte ich sofort wählen aufzuhören zu arbeiten.

Neben dem Haus haben sich im laufe der Jahre 2 ETW angesammelt die in Summe ca. 25% belastet sind. In Summe bin ich sehr immobilienlastig, habe aber auch seit 20 Jahren ein Portfolio aus Einzelaktien und ETFs (diese 2008 in einem 2. Depot gefreezt). Nach Hausbau und Scheidung investiere ich derzeit wieder mehr in das Depot.

Dank gutem Einkommen ist meine Sparrate trotz Unterhaltszahlungen bei >50%. Das Arbeiten sehe ich als zweckmäßig mit einer Portion an Ehrgeiz, der aber deutlich weniger wird.

Das Angebot dass die dein AG gemacht hat klingt exakt nach dem was ich auch schon 2x hätte greifen können :-). Von daher sehe ich gerade an dem Punkt Parallelen in der Ausstiegsplanung. Da ich wohl rund 7 Jahre jünger bin als du und ich die Absehbaren Unterhaltszahlungen, freiwillige Rentenzahlungen zum Ausgleich des Versorgungsausgleiches sowie Sondertilgungen aus dem Erwerbseinkommen leisten will muss ich auf ein späteres Angebot (...das bestimmt kommt) warten 😉

Mit fortgeschrittenerem Alter ist es schon von  Vorteil in einem Konzern zu sein, anstatt bei einem Kleinen Unternehmen oder als Beamter beschäftigt zu sein. So kann man Über eine Auffanggesellschaft BeE und Arbeitslosigkeit gut 3-4 Jahre für Einkommen, Sozialversicherung und meist sogar Cash Flow sorgen.

Ab 60 -so in meinem Fall- fließt dann wieder Geld aus meiner privaten AV, den dann bezahlten ETWs und den Dividenden aus dem Depot. Ab 62 kommt dann die BAV hinzu und mit 65 (ich werde durch >45 Jahre Beitragszahlung den Status besonders langjährig Versichert erreichen) dann die gesetzliche Rente. Ich habe noch nie das Bashing der gesetzlichen Rente geteilt und finde sie als wichtigen, inflationsgeschützten Baustein der AV. Zudem bekomme ich über sie den Zuschuss zu meiner PKV. Dies ist ein weiterer Grund warum ich derzeit freiwillige Zahlungen leiste (Versorgungsausgleich) und nach einem frühen Ausstieg (Flexirente) wohl leisten werde.

Besonders mutig und kühn ist unser Plan wohl nicht, zeigt aber vielmehr, das mit einem halbwegs erfolgreichen Berufsleben und einem bewussten Geldausgeben ein Ausstieg mit Mitte 50 gut möglich ist. Wohl auch ohne Konzern und Abfindungspaket im Rücken!

Ich für meinen Teil weiß mittlerweile dass ich oft zu verkopft bin. Die Scheidung und das neu Aufstellen des Lebens hat hier am Ende viel positives in meiner gesamten Persönlichkeitsentwicklung bewirkt und ich bin heute mehr mit mir im Reinen und sehr glücklich mit meinen tollen Kindern und liebevoller Partnerin!

Ich spüre immer stärker dass jetzt die Zeit der Weite kommt, des Loslassens und der Gelassenheit. Dazu passt sukzessive das Berufsleben immer weniger. Der Raum großzügig zu wohnen, reisen (muss kein Luxusurlaub sein) und gutes wertiges Essen sind mir wichtig. Sollte die nächsten Jahre mit Anfang 50 ein Angebot des AG kommen werde ich es wohl nehmen. Die Planung war mit 55/56 in die BeE zu gehen. Aber es ist wohl stimmiger ein Teil der Assets einfach aufzulösen und zu verbrauchen. So spiele ich mit dem Gedanken - wenn es soweit ist die kleinere ETW zu verkaufen und ein Teil des Depots zu verzehren.

So gesehen sind wir beide weit weg uns mit dem langfristigen Funktionieren der 4% Regel zu beschäftigen und uns rein auf die Börsen zu verlassen. Abgesichert über eine stabile AV und einem diversifizierten Depot geht es vielmehr nur darum 1-2 bis maximal 5-6 Jahre zwischen der einen und der anderen Alimentierung mit Ersparnissen zu überbrücken.

Eigentlich ein nicht besonders heldenhafter "No Brainer" 😀

Ich freue mich über weiteren Austausch und wünsche dir und alle Foristen einen guten Tag!

 

 

Wie immer gilt: nicht zu lange warten. Man hat nur ein Leben und mit Mitte 60 bleiben einem noch gute 5 bis 20 Jahre in denen man, wenn man gesund ist, noch ein angenehmes Leben führen kann. Das ist nicht viel.

Zitat von Muslime_Frugi am 15. Juni 2020, 11:47 Uhr

...Besonders mutig und kühn ist unser Plan wohl nicht, zeigt aber vielmehr, das mit einem halbwegs erfolgreichen Berufsleben und einem bewussten Geldausgeben ein Ausstieg mit Mitte 50 gut möglich ist. Wohl auch ohne Konzern und Abfindungspaket im Rücken!

...

Eigentlich ein nicht besonders heldenhafter "No Brainer" 😀

Ich freue mich über weiteren Austausch und wünsche dir und alle Foristen einen guten Tag!

Hallo Muslime_Frugi,

da stimme ich dir natürlich vorbehaltlos zu. Aber wenn man sich mal im Bekanntenkreis umhört, wird man viele Beispiele finden, in denen Leute selbst mit höherem Einkommen nichts zurückgelegt haben, und nun keine Chance sehen, auch nur wenige Jahre vorher kürzer zu treten. Und selbst mich, mit meinem "No Brainer"-Plan bestaunt der Bekannten- und Freundeskreis dafür, dass ich dem Berufsleben 9 freie Jahre abgerungen habe. So denke ich, dass wir trotzdem als Beispiel dafür dienen können, dass der bewusste Umgang mit Geld sich auszahlen kann. Auch ich spare nicht um jeden Preis, entscheide aber eben sehr reflektiert, was ich will, brauche und mir leiste. So werde ich mir Ende des Monats wohl für knapp 2000€ einen Elektro-Außenborder für mein Boot kaufen. Eine absolute Luxusausgabe, die für mich aber nicht im Widerspruch zu frugaler Lebensweise steht. Dafür habe ich mir eben viele andere Notwendigkeiten nicht von der Werbung einreden lassen. Ich bin auch kein Minimalist, aber gerade der neue angesagte Minimalismus, den uns die Medien zur Zeit präsentieren, hat für mich nichts mit Frugalismus zu tun (Wenn zum Beispiel geraten wird, den Kleiderschrank auszumisten, um Platz für neue Lieblingsstücke zu schaffen). 😀

@Privatier:

Ja, das stimmt, wenn es möglich ist sollte man es auch einfach wagen, sonst verharrt man im Gewohnten und bleibt mutlos.

@Porthos:

Es stimmt. Viele leben so auf Messers Schneide, dass trotz gutem Einkommen nicht viel übrig bleibt, gar neue Abhängigkeiten entstehen. Im Laufe meines über 30 jährigen Berufslebens habe ich verschiedene Gehaltsebenen durchlaufen, konnte aber immer eine Sparquote realisieren. Habe ich unbewußt frugal gelebt? Ja und nein. In Erlebnisse und Bildung zum Beispiel habe ich immer gerne investiert. In Status Symbole eher weniger. Wenn ich von Erlebnissen rede meine ich keine Luxusreisen sondern Camping oder Fahrradreisen.

Mit einem niedrigen oder auch mittleren Einkommen ist es schon sehr schwierig ein adäquates Vermögen zu bilden, wenn man nicht sehr asketisch-frugal lebt. Zumal wenn dann noch einschneidende Lebensereignisse wie Krankheit oder Scheidung hinzukommen.

Es gibt aber auch eine erhebliche Zahl wie in meinem besser verdienenden Kollegendunstkreis, die erkennbar sparsam leben, eine ungebrochene Erwerbsbiographie haben und dennoch angeblich jeden Monat bis zum Renteneintritt brauchen. Hört man genauer hin sind verschiedene Mietobjekte vorhanden, muss noch das Haus für den Sohn gebaut und finanziert werden oder einfach nur der Berg weiter aufgefüllt werden  aus grundloser "Existenzangst".

Schaut man noch genauer hin fällt es vielen auch einfach nur schwer mit sich und ihrer Zeit etwas anzufangen. Corona zeigt das gerade sehr offensichtlich. Viele leben im Außen, sind nicht bei sich, genügen sich nicht selbst und brauchen Bestätigung und fremdbestimmte Beschäftigung und die innere Leere zu füllen.
Eigentlich einfach nur traurig und z.T. bezeichnend für unsere Gesellschaft 🙁 .

Was ich noch selbstkritisch zu der Kombi BeE und ALG1 anmerken möchte ist, dass beides durch Versicherungsleistungen die Solidargemeinschaft belastet. Nun ja, so ist es. Die Welt ist hart und ungerecht...