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Anlagestrategie / Einmalinvestition - Hilfe

Hallo zusammen 🙂

ich bin erst neulich auf diese Seite gestoßen und war lange "stiller" Mitleser. Ich würde gerne mal eure Meinung / Erfahrung zu meiner Situation hören.

Der bedachte Umgang mit Geld ist mir leider erst vor zwei Jahren bewusst geworden, davor habe ich förmlich "mit der Hand in den Mund" gelebt, konsumiert ohne Ende und auch etliche Verbindlichkeiten angesammelt. Habe über die Jahre diverse Schulden angehäuft, welche ich zum Glück vor zwei Jahren vollständig getilgt habe und seit dem auch meine Ausgaben stetig optimiert und angepasst. Mittlerweile sehe ich mich als einen Hybriden aus Frugalist und Minimalist - ich schätze Dinge wieder und überlege mir gründlich ob ich "XY" kaufe oder nicht. Aber jetzt genug zu meiner "Vorgeschichte" es soll ja um eine Strategie für die Zukunft sein.

Aktuelles Einkommen: 1800€ netto / + Nebenbeschäftigung ca. 250€

Aktuelle Situation: Festangestellt (40h/w) sowie berufsbegleitendes Studium

Aktuelle Sparbetrag: 900€

Da ich im Bereich Investment relativ am Anfang stehe, habe ich bisher "nur" folgendes realisiert:

  • 50€ monatlich Sparkasse Lose (ich weiß - 10€ davon ist "zocken" jedoch habe ich schon öfters was gewonnen und bin aktuell noch im Plus 🙂
  • 180€ fix immer auf das Sparkonto um "Notgroschen von 3-6 Gehältern anzusammeln
  • 100€ ETFs (MSCI World / MSCI World Emerging Market) - muss noch optimiert werden
  • je nach Situation kauf von physischen Edelmetallen als Krisenwährung / Inflationsschutz
  • 10€ Zuzahlung zum Bausparvertrag welcher durch VWL gedeckt wird

Jetzt habe ich das Glück, dass ich durch eine Erbschaft zwischen 80-120k€ im Laufe des Jahres erhalten werde. Meine Frage ist jetzt was soll ich mit dem Geld machen?

Mein Gedanke war per Einmalzahlung in ETFs zu investieren, das Sparkonto aufzufüllen bis die 3-6 Gehälter erreicht sind. Etwas aufs Tagesgeld legen sowie noch in physische Edelmetalle investieren.

Aber was mit dem Rest machen, bzw. alles sofort verteilen oder in diversen Zeitabständen? Mein Gedanke wäre allerdings auch monatlich zu investieren um bei niedrigen Preisen mehr Anteile zu erwerben und so aufs Jahr gesehen im Schnitt besser fahre, als wenn ich bspw. jetzt alles investiere und evtl. kurze Zeit später die Preise niedriger wären?

Danke schonmal im voraus und noch einen schönen Tag 🙂

Grüße Florian

 

Servus,

ich würde es wie folgt machen:

Den Notgroschen auffüllen auf die 3-6 Gehälter.

Für den Rest eine Aufteilung der verschiedenen Investionsarten festlegen (Assett-Allocation), das hängt von deiner Risikobereitschaft ab und wieviel Schwankung du aushältst. Diese Allocation soll langfristig eingehalten werden.

Beispiel: 70 % Aktien-ETFS, 25% Festgeld oder Tagegeld, 5% Edelmetalle (oder etwas anderes, z.B: p2P Kredite, Bitcoins, ... Geschmackssache)

Für die Aktien-ETFS legst Du auch eine Allocation fest, z.B. 70% MSCI WORLD, 25% MSCI EM, 5% REIT (Immobilien-ETFS).

Dann zahlst Du alles auf einmal ein (oder z.B. in 6 größeren Tranchen über Sparpläne). Auch eine Frage womit Du dich wohler fühlst, nach Gerd Kommer ist die Einmalanlage im Mittel erfolgreicher. Der günstige Durchschnittspreis führt nicht zu einer Überrendite!

Deine Sparpläne richtest Du so ein, dass Du die Allocation hälst.

Du überprüfst regelmäßig z.B. jährlich, ob die Allocation noch stimmt und schichtest um (dabei fallen Gebühren an) oder passt die Sparpläne so an, dass sie es mittelfristig ausgleichen.

Viele Grüße,

ub

Hi, jo sehe das ähnlich. Überleg dir erstmal eine Aufteilung, z.B. 3 Gehälter Notreserve, darüber dann eine fixe Aufteilung risikoarm + risikobehaftet z.B. 25% / 75%, je länger du meinst den risikobehafteten Teil nicht anrühren zu müssen desto höher kann der Anteil sein. Risikoarmen Teil legst du aufs Tagesgeldkonto, ggf. Teile auch in Festgeld. Risikobehafteten Teil kannst du wie du ja schon hast in MSCI World + EM legen, wenn du Lust hast, kannst du optional noch Anteile in REITs oder Edelmetalle stecken, kann man m.M. nach aber bis weit in den 6stelligen Bereich auch erstmal weglassen.

Wenn der Plan steht, legst du das Erbe gemäß Plan an, in einem Rutsch, oder in Tranchen. Kommer sagt dazu auch, dass nix gegen eine zeitliche Streuung spricht, wenn es einem dabei psychologisch besser geht. Wichtiger ist es zu tun, und nicht vor lauter Zweifeln alles auf dem Konto belassen.

Viel Erfolg!

Und zu den Sparkassen-Losen möchte ich Mister Money Mustache zitieren

"You Don’t Try to Gamble Your Way to Wealth"

bzw. sollte man wenigstens "Zocken" zum Spass strikt von "investieren" trennen.

Wow, Danke an alle für die Antworten 🙂

klingt alles auf jeden Fall sehr logisch und sinnvoll was ihr mir an Tipps gegeben habt.

Risikobereitschaft kann ich aktuell persönlich nicht einschätzten, "theoretisch" schätze ich mal 20-30% .. wie es in der Praxis jedoch aussieht kann ich nicht beurteilen.

Wie handhabt ihr das ganze? Haltet ihr auch Einzelaktien?

ETF kann ich dann die erstellten beibehalten ?

iShares Core MSCI World UCITS ETF USD (Acc) (WKN A0RPWH)

iShares Core MSCI EM IMI UCITS ETF USD (Acc) (WKN A111X9)

@urstebutze

Danke dir! Okay, dann werde ich es auf einmal investieren, dachte zuerst evtl. von den Kursschwankungen zu profitieren. Habe heute aber schon öfters gelesen, dass es im Endeffekt nicht bzw. kaum was bringt es zu splitten.  Edelmetalle aber nach wie vor physisch nehm ich an?

Ach und die Lose sollte ich noch erwähnen, sehe ich nicht als Investment an, sondern zum einen aus Spaß und eben die 480€ welche Ende des Jahres ausgezahlt werden - wird dann zum Beispiel anteilig für den Urlaub oder so genutzt. 🙂

@thewanderer

Nein, auf dem Konto möchte ich es ungern lassen, vor allem nicht so eine Summe, da hast du schon Recht! Auch dir Danke für die hilfreichen Tipps.

 

Danke für deine Antwort.

ETFs sind prinzipiell OK, Du könntest aber als Steuerspar-Trick einen gewissen Anteil an ausschüttenden ETFs nehmen, und zwar gerade soviel, dass die Ausschüttung dem Sparerpauschbetrag (801 Euro) entspricht. Die Dividenden kannst Du direkt über einen Sparplan wieder investieren. Das mindert die Steuerlast beim Verkauf im Alter.

Nach meiner Rechnung sind das bei dem MSCI WORLD ETF "LYX0AG", der 3-4 Euro pro Anteil ausschüttet, etwa 200 Anteile, also knapp 38 000 Euro, die man investieren würde.

Von Edelmetallen halte ich persönlich wenig, da kann ich nichts zu sagen wie dort am besten investiert.

Kennst du den Kanal finanzfluss auf Youtube? Kann ich sehr empfehlen bei allem rund um das passive Investieren.

Okay dann bin ich ja erleichtert, dass die ETFs schonmal nicht verkehrt sind. Das mit der Steuerlast muss ich mir nochmal anschauen wie ich das am besten mache. Das ich dort evtl. einen Einmalbetrag einzahle und dann via Sparplan es aufstocke?

Finanzfluss, Talerbox und Aktien mit Kopf hab ich rauf und runter geschaut weil es einfach mega spannend ist. Literatur habe ich bisher "Rente mit 40", "Think and Grow Rich", "Rich Dad Poor Dad" sowie alle Bodo Schäfer Bücher aufgesaugt 🙂 da es alles unfassbar spannend ist.

Wollte aber speziell in einem "Frugalisten" Forum die Meinungen von Gleichgesinnten erfahren - da ich den direkten Austausch noch mal etwas hilfreicher finde als nur Videos zu schauen oder Bücher zu lesen. Und meinen Bankberater frag ich mal besser nicht *lach*

Zitat von Phoenix89 am 21. Mai 2020, 20:26 Uhr

Risikobereitschaft kann ich aktuell persönlich nicht einschätzten, "theoretisch" schätze ich mal 20-30% .. wie es in der Praxis jedoch aussieht kann ich nicht beurteilen.

Die eigene Risikobereitschaft zu kennen und auszuhalten ist mit das Wichtigste! Durch das Erbe kommst Du schon deutlich in das Thema Streuung zu Gunsten dem Kapitalerhalt und schmerzhafte Draw downs beim crash.

Ebenso wichtig ist Dein Alter und Deine finanzielle Lebensplanung usw. Immobilienkauf ? Familie ?

3 Tage Woche. Teilzeitarbeit.
Zitat von urstebutze am 21. Mai 2020, 17:59 Uhr

Dann zahlst Du alles auf einmal ein (oder z.B. in 6 größeren Tranchen über Sparpläne). Auch eine Frage womit Du dich wohler fühlst, nach Gerd Kommer ist die Einmalanlage im Mittel erfolgreicher. Der günstige Durchschnittspreis führt nicht zu einer Überrendite!

Das ist so korrekt, im Mittel über alle Anleger und Zeiträume ist es am besten, alles sofort zu investieren. ABER du hast dennoch ein zeitliches Klumpenrisiko, genau wie du eingangs erwähnt hast. Du bist nur eine einzige Realisierung dieser Zufallsvariable und kannst damit massiv vom Erwartungswert (erwartete Rendite im Mittel über alle Anleger und Zeitbereiche) abweichen.

Ich würde daher immer (und habe es selbst auch so gemacht, als ich endlich mein Geld investiert habe) große Summen in mehreren Tranchen, z.B. über erhöhte Sparpläne über 6 Monate, strecken. Ich hatte ca. 50% sofort investiert und die restlichen 50% über 5 Monate in 10% Chargen. Siehe z.B. hier,  da fragte jemand etwas ähnliches.

Und urstebutze schreibt da etwas ganz wichtiges in einem Nebensatz, was man meiner Einschätzung nach nicht vernachlässigen darf: es geht darum, womit DU dich wohler fühlst. Man gibt durch das Strecken auf mehrere Tranchen statistisch einen Teil der Rendite auf (weil das Geld nicht so lange investiert ist), aber reduziert die Streuung der Abweichung vom Erwartungswert! Ich konnte damit sehr gut schlafen, was auch einiges Wert ist.

Zitat von 49er am 21. Mai 2020, 23:09 Uhr
Zitat von Phoenix89 am 21. Mai 2020, 20:26 Uhr

Risikobereitschaft kann ich aktuell persönlich nicht einschätzten, "theoretisch" schätze ich mal 20-30% .. wie es in der Praxis jedoch aussieht kann ich nicht beurteilen.

Ebenso wichtig ist Dein Alter und Deine finanzielle Lebensplanung usw. Immobilienkauf ? Familie ?

Alter ist aktuell 30, Immobilienkauf steht die nächsten Jahre nicht bevor, Freundin (bald Ehefrau) vorhanden 😀 Kinderwunsch beiderseits auch, aber erst in ein paar Jahren.

Arbeiten bis 40, 50,60,70 ? Einfach  passiv mit 2 ETF´s oder zeitintensivere Einzelaktienauswahl ? Oder Beides ?

ursteburste trifft die einfache Lösung auf den Punkt. Die folgenden Ansätze bezgl. Freistellungsauftrag, Einzelaktien, usw. sind alle komplizierter.

Ermittle Deine Anlegermentalität : https://bevestor.de/anlageassistent

3 Tage Woche. Teilzeitarbeit.

Ich verschiebe diesen Thread mal ins Investieren-Unteforum , da es hier ja um Investitons- und nicht Entnahmestrategien geht.

Zum Thema "Einmalinvestition vs. Zeitliche Streuung" empfehle ich auch gerne diesen Artikel des Finanzwesirs:

https://www.finanzwesir.com/blog/markttiming-zeitlich-diversifizieren

Zitat von Phoenix89 am 21. Mai 2020, 21:01 Uhr

 

Finanzfluss, Talerbox und Aktien mit Kopf hab ich rauf und runter geschaut weil es einfach mega spannend ist. Literatur habe ich bisher "Rente mit 40", "Think and Grow Rich", "Rich Dad Poor Dad" sowie alle Bodo Schäfer Bücher aufgesaugt 🙂 da es alles unfassbar spannend ist.

Ich bin voll auf der Linie von Finanztip und Finanzfluss, auch weil sie sehr neutral und unabhängig von ihrer Person berichten. Aktien mit Kopf ist mir zu sehr auf spekulative Einzelinvestments gerichtet. Und Bodo Schäfer ist ein guter Motivator, aber seine Zahlen und Beispiele sind einfach unrealistisch. Ich sag nur das hier: https://www.youtube.com/watch?v=chssfQG_vko&

Zitat von urstebutze am 21. Mai 2020, 17:59 Uhr

Dann zahlst Du alles auf einmal ein (oder z.B. in 6 größeren Tranchen über Sparpläne). Auch eine Frage womit Du dich wohler fühlst, nach Gerd Kommer ist die Einmalanlage im Mittel erfolgreicher. Der günstige Durchschnittspreis führt nicht zu einer Überrendite!

Das die Einmalanlage im Durchschnitt erfolgreicher ist, als ein kontinuierlicher gestreckter Einstieg, scheint wissenschaftlich belegt zu sein. Sven Carlin hat hierzu ein interssantes Youtube Video gemacht.

Die Prinzipien, die urstebutze dargestellt hat sind m.E. genau die richtigen. Ich würde nur ergänzen, dass Small Caps (Aktien mit kleineren Marktkapitalisierungen) in der Regel besser abschneiden als large Caps (Aktien mit großen Marktkapitalisierungen). Vor diesem Hintergrund sich auch intensiv mit ETFs auf den Nasdaq und/oder MDAX beschäftigen.

Hier noch einige anschauliche Geschichten zu der Wichtigkeit des Themas, die eigene Risikobereitschaft zu kennen. Das ist wie oben dargestellt, wirklich das Wichtigste!

Im Ergebnis heißt dieses Thema: Welche Kursverluste bin ich bereit (temporär) zu ertragen ohne meine Aktien zu verkaufen. Hierzu einige hilfreiche Geschichten:

  1. Viele Untersuchungen von Fondsgesellschaften zeigen, dass ihre Anleger im Durchschnitt deutlich schlechter abschneiden als die Fonds, die sie kaufen. Hintergrund: Sie kaufen und verkaufen zu den falschen Zeitpunkten (Kauf, wenn die Aktien gut gelaufen sind und Verkauf bei Kurseinbrüchen).
  2. Fidelity hat mal systematisch untersucht, welche Anlegergruppen die erfolgreichsten sind. Sie haben dazu alle Daten, die sie hatten ausgewertet. Das waren die Topgruppen:
    1. Die Toten, wo die Erben nicht wußten, dass bei Fidelity ein Aktiendepot bestand!
    2. Die Anleger, die vergessen hatten, dass sie dort ein Depot hatten!