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Anfängerfragen zur Dividendenstrategie

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Hallo zusammen,

erst mal großes Lob für die Seite, die Community und für die Informationen über dieses Thema generell!

Ich habe mich die letzten Tage und Woche sehr intensiv mit Aktien und ETFs auseinandergesetzt. Habe Bücher gelesen und gehört, Podcasts gehört, YouTube-Videos gesehen und einiges im Netz dazu gelesen.

Jetzt wollte ich einfach mal nachfragen, ob meine Gedanken dazu korrekt sind und wir ihr das einschätzen würdet.

Ich habe immer wieder überlegt, welche Form der Anlage ich besser finden soll. Auf der einen Seite sind ETFs etwas undurchsichtiger und schwerer zu kalkulieren (z.B. bei den Swaps). Auch ist mir immer noch nicht klar, ob man ETF-Anteile immer verkauft bekommt. Also wenn z.B. irgendwann alles zusammenbricht und / oder ETFs ein schlechtes Image bekommen und diese - warum auch immer - keiner mehr kaufen will. Fällt dann nicht der Kurs des ETF-Anteils? Oder ergibt dieser sich immer rechnerisch aus der Anzahl an Aktien und / oder der Marktkapitalisierung!? Also gibt es da letztlich auch überhaupt kein Risiko, weil die Grundlage eines ETFs ja immer Aktien sind, die auch noch als Sondervermögen gewertet werden und man diese ja halt immer, über die Börse, verkauft bekommt!?

Ansonsten sind ETFs natürlich eine tolle und kostengünstige Sache. Ich kann jetzt nich einfach z.B. den DAX privat abbilden mit eigenen Aktien. Dennoch ist die "ETF-Hülle" für mich immer noch ein bisschen unklar. Und zudem ist es auch etwas angenehmer, wenn das alles passiver geschieht, als wenn man sich regelmäßig mit einer Vielzahl von Aktien beschäftigen muss.

Also meine Tendenz geht da doch eher zu ETFs. Was meint ihr dazu?

Ich habe mich - Stand heute - für die Dividendenstrategie mit ETFs entschieden. Also auch ausschüttende ETFs. Mein Ziel ist es allerdings längerfristig, so 20-25 Jahre, ein kleines Vermögen anzusparen. Irgendwie hat alles seine Vor- und Nachteile. Mein Gedanke ist der, dass ich mich die Ausschüttungen motivieren sollen. Das ich so schon wirklich in die Richtung "passives Einkommen" gehe und ich auch später dann lieber Dividendenzahlungen erhalte, als die Substanz (bei thesaurierenden ETFs) auszubrauchen. Ich würde die Ausschüttungen auch immer wieder reinvestieren.

Ein paar Fragen dazu:

1. Der Nachteil sind die Ordergebühren beim Reinvestieren. Der Vorteil ist die Steuerersparnis eines ausschüttenden ETFs im Vergleich zum Thesaurierer zumindest bis zum Freibetrag von 801 Euro. Richtig?

2. Wie läuft es denn ab dann weiter? Nehmen wir an, ich erreiche diesen Betrag in 5-10 Jahren und werde danach noch 10-15 Jahre weiter "ansparen"? Sollte man dann wechseln? Dies wäre ja auch wieder mit hohen Kosten verbunden?

3. Der einzige Nachteil einer Dividenden-Strategie, wenn man mal die Steuer / Kosten Vor- und Nachteile außer Acht lässt, ist doch der, dass die auf Dividenden ausgelegten ETFs, eventuell schlechter performen, oder? Also das dort halt auf Dividende geachtet wird, viele andere wichtige Faktoren aber gar nicht oder nur zum Teil berücksichtigt werden. Das kann doch dazu führen, dass ich zwar Dividenden-Ausschüttungen erhalte, nach 20 Jahren aber weniger Gesamtrendite erwirtschaftet habe!?

4. Das wichtigste ist letztlich doch die Gesamtrendite aus Kursgewinn und Ausschüttungen, richtig? Und performen Dividenden-ETFs in der Regel etwas schlechter, weil sie andere wichtige Kennzahlen ignorieren, oder kann man dies pauschal nicht sagen?

5. Wenn man am Ende beide auszahlen lässt, also einen Ausschütten und einen Thesaurierer, muss man beide Kursgewinne versteuern, beim Ausschütter aber nicht die bereits ausgezahlten Ausschüttungen, da diese ja bereits versteuert wurden, richtig?

6. Wenn Dividenden ausgeschüttet werden, fällt dann der Kurs um diesen Betrag? Da habe ich irgendetwas drüber gelesen. Dieser steigt aber schnell wieder auf dem normalen Kurspreis? D.h. wenn ich Ausschüttungen erhalten habe, dann müsste ich die sofort wieder reinvestieren, da sonst die Kurse wieder ansteigen und ich dann Nachteile hätte? Dies ist ein Punkt, den ich noch nicht ganz verstanden habe.

7. Kann man die Performance von thesaurierenden und ausschüttenden ETFs über z.B. JustETF überhaupt vergleichen? Die Kurse müssten doch bei den thesaurierenden immer höher sein!? Theoretisch müsste man ja die Ausschüttungen wieder einrechnen, also als Reinvestition!? Oder wird das da automatisch angezeigt "inkl. Ausschüttungen"?

8. Konkret interessiere ich mich für den folgenden ETF:

https://www.justetf.com/de/etf-profile.html?query=A0F5UH&groupField=index&from=search&isin=DE000A0F5UH1

Was haltet ihr von diesem?

Ich hoffe ihr könnt hier ein bisschen Licht ins Dunkeln bringen. Freue mich auf eure Antworten und Meinungen dazu! Danke! 🙂

LG

pex

Zitat von pex am 30. März 2020, 14:42 Uhr

Hallo zusammen,

erst mal großes Lob für die Seite, die Community und für die Informationen über dieses Thema generell!

Ich habe mich die letzten Tage und Woche sehr intensiv mit Aktien und ETFs auseinandergesetzt. Habe Bücher gelesen und gehört, Podcasts gehört, YouTube-Videos gesehen und einiges im Netz dazu gelesen.

Jetzt wollte ich einfach mal nachfragen, ob meine Gedanken dazu korrekt sind und wir ihr das einschätzen würdet.

Ich habe immer wieder überlegt, welche Form der Anlage ich besser finden soll. Auf der einen Seite sind ETFs etwas undurchsichtiger und schwerer zu kalkulieren (z.B. bei den Swaps). Auch ist mir immer noch nicht klar, ob man ETF-Anteile immer verkauft bekommt. Also wenn z.B. irgendwann alles zusammenbricht und / oder ETFs ein schlechtes Image bekommen und diese - warum auch immer - keiner mehr kaufen will. Fällt dann nicht der Kurs des ETF-Anteils? Oder ergibt dieser sich immer rechnerisch aus der Anzahl an Aktien und / oder der Marktkapitalisierung!? Also gibt es da letztlich auch überhaupt kein Risiko, weil die Grundlage eines ETFs ja immer Aktien sind, die auch noch als Sondervermögen gewertet werden und man diese ja halt immer, über die Börse, verkauft bekommt!?

Ansonsten sind ETFs natürlich eine tolle und kostengünstige Sache. Ich kann jetzt nich einfach z.B. den DAX privat abbilden mit eigenen Aktien. Dennoch ist die "ETF-Hülle" für mich immer noch ein bisschen unklar. Und zudem ist es auch etwas angenehmer, wenn das alles passiver geschieht, als wenn man sich regelmäßig mit einer Vielzahl von Aktien beschäftigen muss.

Also meine Tendenz geht da doch eher zu ETFs. Was meint ihr dazu?

Ich habe mich - Stand heute - für die Dividendenstrategie mit ETFs entschieden. Also auch ausschüttende ETFs. Mein Ziel ist es allerdings längerfristig, so 20-25 Jahre, ein kleines Vermögen anzusparen. Irgendwie hat alles seine Vor- und Nachteile. Mein Gedanke ist der, dass ich mich die Ausschüttungen motivieren sollen. Das ich so schon wirklich in die Richtung "passives Einkommen" gehe und ich auch später dann lieber Dividendenzahlungen erhalte, als die Substanz (bei thesaurierenden ETFs) auszubrauchen. Ich würde die Ausschüttungen auch immer wieder reinvestieren.

Ein paar Fragen dazu:

1. Der Nachteil sind die Ordergebühren beim Reinvestieren. Der Vorteil ist die Steuerersparnis eines ausschüttenden ETFs im Vergleich zum Thesaurierer zumindest bis zum Freibetrag von 801 Euro. Richtig?

2. Wie läuft es denn ab dann weiter? Nehmen wir an, ich erreiche diesen Betrag in 5-10 Jahren und werde danach noch 10-15 Jahre weiter "ansparen"? Sollte man dann wechseln? Dies wäre ja auch wieder mit hohen Kosten verbunden?

3. Der einzige Nachteil einer Dividenden-Strategie, wenn man mal die Steuer / Kosten Vor- und Nachteile außer Acht lässt, ist doch der, dass die auf Dividenden ausgelegten ETFs, eventuell schlechter performen, oder? Also das dort halt auf Dividende geachtet wird, viele andere wichtige Faktoren aber gar nicht oder nur zum Teil berücksichtigt werden. Das kann doch dazu führen, dass ich zwar Dividenden-Ausschüttungen erhalte, nach 20 Jahren aber weniger Gesamtrendite erwirtschaftet habe!?

4. Das wichtigste ist letztlich doch die Gesamtrendite aus Kursgewinn und Ausschüttungen, richtig? Und performen Dividenden-ETFs in der Regel etwas schlechter, weil sie andere wichtige Kennzahlen ignorieren, oder kann man dies pauschal nicht sagen?

5. Wenn man am Ende beide auszahlen lässt, also einen Ausschütten und einen Thesaurierer, muss man beide Kursgewinne versteuern, beim Ausschütter aber nicht die bereits ausgezahlten Ausschüttungen, da diese ja bereits versteuert wurden, richtig?

6. Wenn Dividenden ausgeschüttet werden, fällt dann der Kurs um diesen Betrag? Da habe ich irgendetwas drüber gelesen. Dieser steigt aber schnell wieder auf dem normalen Kurspreis? D.h. wenn ich Ausschüttungen erhalten habe, dann müsste ich die sofort wieder reinvestieren, da sonst die Kurse wieder ansteigen und ich dann Nachteile hätte? Dies ist ein Punkt, den ich noch nicht ganz verstanden habe.

7. Kann man die Performance von thesaurierenden und ausschüttenden ETFs über z.B. JustETF überhaupt vergleichen? Die Kurse müssten doch bei den thesaurierenden immer höher sein!? Theoretisch müsste man ja die Ausschüttungen wieder einrechnen, also als Reinvestition!? Oder wird das da automatisch angezeigt "inkl. Ausschüttungen"?

8. Konkret interessiere ich mich für den folgenden ETF:

https://www.justetf.com/de/etf-profile.html?query=A0F5UH&groupField=index&from=search&isin=DE000A0F5UH1

Was haltet ihr von diesem?

Ich hoffe ihr könnt hier ein bisschen Licht ins Dunkeln bringen. Freue mich auf eure Antworten und Meinungen dazu! Danke! 🙂

LG

pex

Hallo pex und willkommen im Forum! Das sind ja einige interessante Fragen, ich versuch mich mal an einer Auswahl. 🙂

Zum Zweifel an den ETFs: Es gibt wie aich bei anderen Fonds eine starke Regulatorik, interne und externe Prüfungen und andere Stakeholder, die sicherstellen:

- bei physischen Replizierern: Dass die Wertpapiere, die hinterlegt sein sollten, auch tatsächlich hinterlegt sind.

- bei synthetischen ETFs: Dass die alternativ gehaltenen Wertpapiere nicht zu stark vom Sollwert abweichen, dass die Differenz durch Swaps ausgeglichen wird und der Kontrahent des Swaps eine ausreichende Bonität hat.

Ob dies 100% Sicherheit bietet, kann ich nicht einschätzen. Man hört aber wenig darüber, dass dieser Punkt einer Risikobewertung bedarf.

Angenommen, im ETF ist drin was drin sein sollte, dann gibt es Akteure an der Börse, die jegliche Wertabweichung zwischen Fonds und Aktien, zwischen Börsenplätzen usw. sofort ausnutzen, bis die Differenzen so klein werden, dass man sie nach Kosten nicht mehr mit Gewinn ausnutzen kann. Das ganze nennt sich Arbitrage und geht soweit, dass auf teuersten Grundstücken nahe dem Börsenplatz ganze Rechenzentren raufgezogen werden, deren Server dem Ausnutzen dieses Effekts dienen. Wer die kürzeste Signallaufzeit hat, gewinnt. Eine merkbare Differenz zwischen ETF und Wert der enthaltenen Papiere ist damit zuverlässig ausgeschlossen.

 

 

 

Zur Frage Thessaurierer vs. Ausschützer: Du hast recht, dass du bis zur ausreichenden Ausnutzung der 801€ eher Ausschütter nehmen solltest, darüber hinaus eher Thessaurierer, wobei der Steuerstundungseffekt seit der Steuerreform 2018 nicht mehr so groß ist.

Du kannst problemlos Ausschütter A bis zu einem gewissen Betrag besparen und danach wechseln und Thessaurierer B besparen, A aber dauerhaft weiter halten.

Ich mache es mir als Anfänger noch leichter und bespare den hier:

https://www.justetf.com/de/etf-profile.html?isin=IE00B0M62Q58

Dort werden die ersten 75€/Monat ausgeschüttet, der Rest angelegt. Mit 75x12 kommt man im Jahr halbwegs nahe an die 801€ ran, und hat so die Vorteile beider Welten. Nachteil sind die relativ hohen Kosten von 0,5%/Jahr, dafür bekommt man ihn zumindest bei der ING als kostenlosen Sparplan. Und ich halte mein Depot schön einfach. 🙂 Mein Beispiel ist kein Dividenden-ETF, aber vielleicht gibt es dafür ja etwas Vergleichbares.

Höhere Transaktionskosten bei Ausschüttern hast du normal nicht, weil du für den Kauf meist einen Fixbetrag zahlst, der bei Ausschüttern etwas höhere Kaufbetrag also i.d.R. nicht zu höheren Kosten führt.

 

Genau, mit dem richtigem Depot sind Kosten für Korrekturen/Käufe/Verkäufe marginal. Vorausgesetzt man hat ein entsprechendes Volumen in den Fonds/Aktien/ETF.

 

https://www.justetf.com/de/etf-profile.html?isin=IE00B0M62Q58

Da wäre mir die TER zu teuer.

Zitat von TheWanderer am 30. März 2020, 17:36 Uhr

Eine merkbare Differenz zwischen ETF und Wert der enthaltenen Papiere ist damit zuverlässig ausgeschlossen.

 

Schön wäre es...

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/etf-flash-crash-was-fuer-ein-montag-1.2720552

Zitat von Privatier am 30. März 2020, 18:26 Uhr
Zitat von TheWanderer am 30. März 2020, 17:36 Uhr

Eine merkbare Differenz zwischen ETF und Wert der enthaltenen Papiere ist damit zuverlässig ausgeschlossen.

 

Schön wäre es...

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/etf-flash-crash-was-fuer-ein-montag-1.2720552

Interessanter Artikel, danke. Also sind kurzzeitige Abweichungen aus technisch-operativen Gründen möglich. Aber die Situation in der Ausgangsfrage, durch bewusstes Anlegerverhalten abweichende Kurse im Normalbetrieb sollten nicht auftreten.

Ich persönlich halte auch Fehlprogrammierung beim automatisierten Handel für ein relevantes Risiko, das betrifft aber nicht nur ETFs.

 

Zitat von matty am 30. März 2020, 18:09 Uhr

Genau, mit dem richtigem Depot sind Kosten für Korrekturen/Käufe/Verkäufe marginal. Vorausgesetzt man hat ein entsprechendes Volumen in den Fonds/Aktien/ETF.

 

https://www.justetf.com/de/etf-profile.html?isin=IE00B0M62Q58

Da wäre mir die TER zu teuer.

Ist sie auch, aber ich wollte erstmal irgendwie, ersten Sparplan laufen lassen, Gefühl für das Auf und Ab bekommen. Bei ING war ich eh schon, bot sich dann als kostenloser Sparplan an. Mit steigendem Depotwert wechsle ich den ETF nochmal, dieses Jahr sollte das steuerlich ja sogar recht günstig machbar sein. 🙂

@pex Der große Denkfehler vieler neuer (und leider auch vieler alter) Anleger ist, dass sie meinen, Dividenden wären irgend eine gesonderte Einnahmequelle, die Aktien generieren. Das ist falsch! Dividenden sind ein Teil des Bilanzgewinns. Für den Anleger ist es egal, ob er einen Teil seines Gewinns ausgeschüttet bekommt, oder ob dieser im Unternehmen bleibt. Du hast es unter Punkt 6 schon richtig erfasst: Wenn du Dividenden bekommst, vermindert sich der Kurs um genau diesen Betrag. Das nennt man Dividendenabschlag. Was die Aktie allerdings danach macht hat rein gar nichts mit der Dividende zu tun. Der wird nicht irgendwie "ausgeglichen". Es ist in etwas so, als wenn du von deinem Girokonto einen Geldbetrag am Bankautomaten abhebst. Jetzt hast du zwar Betrag x zusätzlich in deinem Geldbeutel, mehr Geld hast du aber deswegen nicht. Es ist nur "rechte Tasche - linke Tasche". Es ist darüber hinaus auch egal, ob du Dividenden kassierst, oder Aktien ohne Dividenden kaufst und nach einer gewissen Zeit einfach Anteile verkaufst. Rechnerisch ist da kein Unterschied. Bei Dividenden freut sich nur das Finanzamt. Es ist oft besser, wenn das Geld im Unternehmen bleibt.

Angemerkt zu Fritz's richtigen Ausführungen: Wenn dich rein psychologisch die regelmäßige Auszahlung von Dividenden dazu motiviert, disziplinierter und regelmäßiger zu Sparen, dann ist das natürlich für dich ein valides Argument für dich, die Strategie zu verfolgen. Nicht jeder ist der perfekte Homo Oeconomicus. 🙂

Ein gewisser Nachteil ist, dass du durch Beschränkung auf Dividendenaktien deine Streuung reduzierst. Nachteil, weil breites Streuen eine der ganz wenigen Möglichkeiten ist, dein Risiko ohne Verzicht auf Rendite zu reduzieren. Davon machst du weniger Gebrauch als möglich wäre.

Zitat von pex am 30. März 2020, 14:42 Uhr

2. Wie läuft es denn ab dann weiter? Nehmen wir an, ich erreiche diesen Betrag in 5-10 Jahren und werde danach noch 10-15 Jahre weiter "ansparen"? Sollte man dann wechseln? Dies wäre ja auch wieder mit hohen Kosten verbunden?

Das entscheidest Du dann. Ich gehe davon aus, dass bis in 10 Jahren die nächste Steuerreform über uns ergangen ist. Dann werden die Entscheidungen auf anderer Grundlage getroffen.

3. Der einzige Nachteil einer Dividenden-Strategie, wenn man mal die Steuer / Kosten Vor- und Nachteile außer Acht lässt, ist doch der, dass die auf Dividenden ausgelegten ETFs, eventuell schlechter performen, oder? Also das dort halt auf Dividende geachtet wird, viele andere wichtige Faktoren aber gar nicht oder nur zum Teil berücksichtigt werden.

Korrekt. (Ob's der einzige Nachteil ist, weiß ich nicht.)

Zu Frage 7 hatte ich eine tollen Link, den finde ich grade nicht. Liefere ich evtl. morgen nach. Oder ein anderer Forist ist schneller 🙂

 

Die grundlegende Idee einer Dividende ist allein, dass man regelmäßig Cash erhält, ohne Aktien handeln/verkaufen zu müssen. Prinzipiell wird also ein gewisser Teil des Aktienwertes jährlich ausgezahlt. Wer keine regelmäßige Auszahlung benötigt, hat keinen Vorteil.

 

Die Idee der Dividende bezieht sich auf Aktien, die nicht an der Börse gehandelt werden und auf frühere Zeiten, in denen es noch keine solch liquiden Märkte wie heute gab. In beiden Fälle ist/war es äußerst schwer und aufwändig Aktien zu verkaufen - ähnlich wie Anteile einer GmbH. Aus diesem Grund hat man die Anteilseigner in Form einer Dividende am Gewinn beteiligt. Für den heutigen elektronischen Echtzeithandel und die hohe Liquidität der Märkte, spielen sie eigentlich keine Rolle mehr. Auch nicht für Leute, die regelmäßige Mittelzuflüsse brauchen.

Vielen lieben Dank für eure tollen Antworten! Haben mir auf jeden Fall schon geholfen.

Habe in der Zeit mich auch weiter informiert, gelesen, YT-Videos geschaut etc.

Ich habe einige interessante Dividenden-ETFs gefunden:

https://de.extraetf.com/etf-profile/DE000ETFL235

https://de.extraetf.com/etf-profile/IE00B8GKDB10

Das sind schon zwei, die eine positive Rendite, seit Auflage, erzielt haben. Viele Dividenden-ETFs haben sogar eine negative Rendite.

Wenn man jetzt den MSCI World dagegen vergleicht:

https://de.extraetf.com/etf-profile/IE00B4L5Y983

Dann ist das doch ein enormer Unterschied was die Rendite angeht!? Es ist doch auch so, dass die Märkte generell schwer zu schlagen sind und dieses "Spezialisieren" meistens eher schlecht für einen ausfällt!?

Jetzt wollte ich mal euch fragen, ob ich bei den ETFs richtig gerechnet habe?

Bei dem Dividenden-ETF Vanguard FTSE All-World High Dividend Yield UCITS ETF (IE00B8GKDB10) hat man eine Rendite von 22,88 % seit Auflage bzw. 3,05 % pro Jahr.

Ich rechne dann immer so, dass ich 10.000 Euro x 1,035^10 rechne. Da kämen dann 14.105,99 Euro raus. Bei dieser Rendite 22,88 % bzw. 3,05 % p.a. steht auf de.extraetf.com das die Ausschüttungen schon inklusive sind. Heisst das, dass ich nach zehn Jahren 4.105,99 Euro erwirtschaftet hätte, inklusive der Ausschüttungen? Dies habe ich nämlich auch bei mehreren Dividenden-ETFs festgestellt. Die Kurse sind relativ konstant bzw. oder liegen - seit Auflage - sogar im Minus und die Ausschüttungen sind dann quasi der einzige Gewinn. Also man bekommt für seine 10.000 Euro dann 300 bis 600 Euro Dividenden-Ausschüttungen pro Jahr, aber nahezu keine Kursgewinne.

Wenn man jetzt den iShares Core MSCI World UCITS ETF (IE00B4L5Y983) dagegen vergleicht, dann wäre die Rechnung wie folgt:

10.000 Euro x 1,0959^10 = 24.986,72 Euro.

Das ist doch ein enormer Unterschied!?

Meine Fragen:

1) Ist meine Rechnung so korrekt, also nicht unbedingt mathematisch, sondern ob man das so machen kann. Das man eine Vergleichbarkeit in Geldbeträgen sieht. Ich halte das für eine gute Möglichkeit. Auch wenn ich natürlich weiss, es muss in den kommenden zehn Jahren nicht genauso aussehen. Was meint ihr dazu? Wie macht ihr das?

2) Ist euch das auch aufgefallen bei den Dividenden-ETFs? Ist es dann wirklich sinnvoll diese Strategie zu fahren? Die Motivation ist natürlich unfassbar wichtig, gerade wenn die Ausschüttungen quartalsweise kommen. Dies wäre wirklich ein Traum! Allerdings scheint mir der Preis dafür zu hoch zu sein!?

3) Christian Röhl (ist hier wahrscheinlich ja bekannt) hat ja neben einer Dividende auch noch weitere Faktoren bezüglich der Qualität der Aktien bzw. Unternehmen ins Feld geführt. Er warnt ja sogar vor zu hohen Dividenden-Ausschüttungen (ist ja auch logisch). Habt ihr mal einen guten Dividenden-ETFs, der auf Qualität basiert und vielleicht kleinere Ausschüttungen vornimmt!? Also eine Art "Misch-Strategie" bzw. eben die Strategie von Röhl etwas mehr abbildet.

Ist so einer vielleicht sogar dieser hier:
https://de.extraetf.com/etf-profile/IE00B3XXRP09?tab=overview

VG
pex

 

Was meint ihr dazu? 🙂

Bei Dividenden ETFs werden die Dividenden ja eben ausgeschüttet. Das ist ja genau Sinn und Zweck solcher ETFs.

Der IShares ist ja wahrscheinlich ein Thesaurierer. Die Dividenden werden einbehalten / reinvestiert.

Die Kursgewinne bei dem IShares sind dann natürlich höher. Dafür bekommst du bei dem Dividenden ETF eben die Ausschüttungen.

Vor-/ und Nachteile wurden hier und im Blog aber auch schon ausführlich dargelegt und diskutiert. Das musst du dir mal alles in Ruhe durchlesen.

Grundsätzlich würde ich nicht in Dividenden ETFs investieren, sondern lieber in einen global streuenden wie dem von dir genannten IShares.

Zitat von TheWanderer am 30. März 2020, 17:52 Uhr

Zur Frage Thessaurierer vs. Ausschützer: Du hast recht, dass du bis zur ausreichenden Ausnutzung der 801€ eher Ausschütter nehmen solltest, darüber hinaus eher Thessaurierer, wobei der Steuerstundungseffekt seit der Steuerreform 2018 nicht mehr so groß ist.

Du kannst problemlos Ausschütter A bis zu einem gewissen Betrag besparen und danach wechseln und Thessaurierer B besparen, A aber dauerhaft weiter halten.

Ich mache es mir als Anfänger noch leichter und bespare den hier:

https://www.justetf.com/de/etf-profile.html?isin=IE00B0M62Q58

Dort werden die ersten 75€/Monat ausgeschüttet, der Rest angelegt. Mit 75x12 kommt man im Jahr halbwegs nahe an die 801€ ran, und hat so die Vorteile beider Welten. Nachteil sind die relativ hohen Kosten von 0,5%/Jahr, dafür bekommt man ihn zumindest bei der ING als kostenlosen Sparplan. Und ich halte mein Depot schön einfach. 🙂 Mein Beispiel ist kein Dividenden-ETF, aber vielleicht gibt es dafür ja etwas Vergleichbares.

Höhere Transaktionskosten bei Ausschüttern hast du normal nicht, weil du für den Kauf meist einen Fixbetrag zahlst, der bei Ausschüttern etwas höhere Kaufbetrag also i.d.R. nicht zu höheren Kosten führt.

 

Wieso besteht bis erreichen des Sparerpauschbetrags ein Steuervorteil?

YouTube @ FinanzDuo
Zitat von FinanzDuo am 7. April 2020, 20:30 Uhr
Zitat von TheWanderer am 30. März 2020, 17:52 Uhr

Zur Frage Thessaurierer vs. Ausschützer: Du hast recht, dass du bis zur ausreichenden Ausnutzung der 801€ eher Ausschütter nehmen solltest, darüber hinaus eher Thessaurierer, wobei der Steuerstundungseffekt seit der Steuerreform 2018 nicht mehr so groß ist.

Du kannst problemlos Ausschütter A bis zu einem gewissen Betrag besparen und danach wechseln und Thessaurierer B besparen, A aber dauerhaft weiter halten.

Ich mache es mir als Anfänger noch leichter und bespare den hier:

https://www.justetf.com/de/etf-profile.html?isin=IE00B0M62Q58

Dort werden die ersten 75€/Monat ausgeschüttet, der Rest angelegt. Mit 75x12 kommt man im Jahr halbwegs nahe an die 801€ ran, und hat so die Vorteile beider Welten. Nachteil sind die relativ hohen Kosten von 0,5%/Jahr, dafür bekommt man ihn zumindest bei der ING als kostenlosen Sparplan. Und ich halte mein Depot schön einfach. 🙂 Mein Beispiel ist kein Dividenden-ETF, aber vielleicht gibt es dafür ja etwas Vergleichbares.

Höhere Transaktionskosten bei Ausschüttern hast du normal nicht, weil du für den Kauf meist einen Fixbetrag zahlst, der bei Ausschüttern etwas höhere Kaufbetrag also i.d.R. nicht zu höheren Kosten führt.

 

Wieso besteht bis erreichen des Sparerpauschbetrags ein Steuervorteil?

Nimm an, du gibst deiner Depotbank den Freistellungsauftrag in voller Höhe von 801€. Du kaufst einmalig einen Anteil an einem ausschüttenden ETF und hälst diesen 10 Jahre. Depot und ETF sind völlig kostenfrei und du legst die ausgeschüttete Summe immer sofort wieder an. Wir nehmen weiter an, der Kurs ändert sich in den 10 Jahren überhaupt nicht, und der ETF wirft jedes Jahr exakt 801€ Gewinn ab. Nach 10 Jahren verkaufst du deinen ETF. Wieviel Steuern hast du dann am Ende gezahlt? Gar keine, weil jedes Jahr nur Gewinn minus Pauschbetrag versteuert werden müssen, also in dem konstruierten Fall jedes Jahr 801-801=0€.

Gleiches Szenario, aber mit Thessaurierendem ETF: Die 801€ Dividende wird jedes Jahr wiederangelegt, bei konstantem Kurs hast du also nach 10 Jahren keine Ausschüttung aber einen Depotwert in € von Kaufwert + 8010€. Beim Verkauf machst du einen Gewinn von 8010€ gegenüber Kaufwert. Zu versteuern sind diese 8010€ minus 801€ Pauschbetrag im Verkaufsjahr, also 7209€.

In letzerem Fall zahlst du also mehr Steuern, weil der vom Staat "geschenkte" jährliche Freibetrag neun Jahre lang nicht genutzt wurde.

Zitat von TheWanderer am 7. April 2020, 21:04 Uhr
Zitat von FinanzDuo am 7. April 2020, 20:30 Uhr
Zitat von TheWanderer am 30. März 2020, 17:52 Uhr

Zur Frage Thessaurierer vs. Ausschützer: Du hast recht, dass du bis zur ausreichenden Ausnutzung der 801€ eher Ausschütter nehmen solltest, darüber hinaus eher Thessaurierer, wobei der Steuerstundungseffekt seit der Steuerreform 2018 nicht mehr so groß ist.

Du kannst problemlos Ausschütter A bis zu einem gewissen Betrag besparen und danach wechseln und Thessaurierer B besparen, A aber dauerhaft weiter halten.

Ich mache es mir als Anfänger noch leichter und bespare den hier:

https://www.justetf.com/de/etf-profile.html?isin=IE00B0M62Q58

Dort werden die ersten 75€/Monat ausgeschüttet, der Rest angelegt. Mit 75x12 kommt man im Jahr halbwegs nahe an die 801€ ran, und hat so die Vorteile beider Welten. Nachteil sind die relativ hohen Kosten von 0,5%/Jahr, dafür bekommt man ihn zumindest bei der ING als kostenlosen Sparplan. Und ich halte mein Depot schön einfach. 🙂 Mein Beispiel ist kein Dividenden-ETF, aber vielleicht gibt es dafür ja etwas Vergleichbares.

Höhere Transaktionskosten bei Ausschüttern hast du normal nicht, weil du für den Kauf meist einen Fixbetrag zahlst, der bei Ausschüttern etwas höhere Kaufbetrag also i.d.R. nicht zu höheren Kosten führt.

 

Wieso besteht bis erreichen des Sparerpauschbetrags ein Steuervorteil?

Nimm an, du gibst deiner Depotbank den Freistellungsauftrag in voller Höhe von 801€. Du kaufst einmalig einen Anteil an einem ausschüttenden ETF und hälst diesen 10 Jahre. Depot und ETF sind völlig kostenfrei und du legst die ausgeschüttete Summe immer sofort wieder an. Wir nehmen weiter an, der Kurs ändert sich in den 10 Jahren überhaupt nicht, und der ETF wirft jedes Jahr exakt 801€ Gewinn ab. Nach 10 Jahren verkaufst du deinen ETF. Wieviel Steuern hast du dann am Ende gezahlt? Gar keine, weil jedes Jahr nur Gewinn minus Pauschbetrag versteuert werden müssen, also in dem konstruierten Fall jedes Jahr 801-801=0€.

Gleiches Szenario, aber mit Thessaurierendem ETF: Die 801€ Dividende wird jedes Jahr wiederangelegt, bei konstantem Kurs hast du also nach 10 Jahren keine Ausschüttung aber einen Depotwert in € von Kaufwert + 8010€. Beim Verkauf machst du einen Gewinn von 8010€ gegenüber Kaufwert. Zu versteuern sind diese 8010€ minus 801€ Pauschbetrag im Verkaufsjahr, also 7209€.

In letzerem Fall zahlst du also mehr Steuern, weil der vom Staat "geschenkte" jährliche Freibetrag neun Jahre lang nicht genutzt wurde.

Perfekt. Sehr ausführlich und verständlich erklärt! Danke Dir! 🙂

YouTube @ FinanzDuo
Zitat von Privatier am 7. April 2020, 18:49 Uhr

Bei Dividenden ETFs werden die Dividenden ja eben ausgeschüttet. Das ist ja genau Sinn und Zweck solcher ETFs.

Der IShares ist ja wahrscheinlich ein Thesaurierer. Die Dividenden werden einbehalten / reinvestiert.

Die Kursgewinne bei dem IShares sind dann natürlich höher. Dafür bekommst du bei dem Dividenden ETF eben die Ausschüttungen.

Vor-/ und Nachteile wurden hier und im Blog aber auch schon ausführlich dargelegt und diskutiert. Das musst du dir mal alles in Ruhe durchlesen.

Grundsätzlich würde ich nicht in Dividenden ETFs investieren, sondern lieber in einen global streuenden wie dem von dir genannten IShares.

 

Bei meinem Vergleich wurden die Ausschüttungen aber immer reinvestiert. Da steht bei extraetf.com "inklusive Ausschüttungen".

Oder bedeutet dies etwas anderes!? 🙂

Also ich habe mir einige Dividenden-ETFs angeschaut und diese mit dem MSCI World verglichen und alle habe schlechter abgeschnitten. Teils sogar deutlich. Entweder ich verstehe das mit dem "inklusive Ausschüttungen" falsch und muss die Dividenden-Zahlungen tatsächlich selbst noch dazu rechnen oder diese Dividenden-ETFs haben bei der Gesamtrendite einen Nachteil.

@thewanderer

Super erklärt! Danke!

LG
pex

Der MSCI World beinhaltet auch Aktien wie z.B. amazon und netflix , die keine Dividende ausschütten. Amazon und netflix usw. sind Kursgewinn Raketen im MSCI. In Dividenden Fonds nicht enthalten. Folglich ist der MSCI besser gelaufen.

3 Tage Woche. Teilzeitarbeit.
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