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Andere Wahrnehmung der Realität mit zunehmendem Vermögen

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Hallo,

eine Kollegin meinte vor Kurzem zu mir, dass sie nur noch 100€ auf dem Konto hätte. Bis zum Gehalt war es aber noch eine Woche. Daraufhin habe ich einfach nur gefragt, wie man nach 3 Wochen nur noch 100€ auf dem Konto haben kann. Diese Geschichte hat sie dann einer anderen Kollegin erzählt. Darauf meinte diese wohl wortwörtlich: "Hä, ist die bescheuert? Es ist fast Monatsende. Natürlich hat man da kaum bzw kein Geld mehr auf dem Konto."

Mittlerweile ist die Kollegin im Dispo. Da haben die 100€ scheinbar nicht gereicht. Es kamen wohl noch Rechnungen mit denen sie (zu diesem Zeitpunkt) nicht gerechnet hat.

Ich habe irgendwie das Gefühl, dass ich mich mit zunehmendem Vermögen von meinen Kollegen entferne, da ich ihre Geldsorgen und ihren Umgang mit Geld nicht nachvollziehen kann. Irgendwie ist die Lebensrealität eine andere und man hat sich in gewissen Themen nichts mehr zu sagen.

Die Stimmung ist in letzter Zeit aber auch insgesamt ziemlich angespannt. Viele Kollegen haben Angst vor der Zukunft (bezüglich Rente). Die meisten werden in die Altersarmut rutschen (komischerweise versucht aber auch niemand dem zu entkommen). Viele können sich die Mieten nicht mehr leisten und müssen dann das Land verlassen oder in einen Wohnwagen ziehen. Diese Sorgen und Ängste kann ich nachvollziehen, empfinde sie für mich aber nicht.

Von vielen Kollegen wird mir mein Leben ohne Geldsorgen nicht gegönnt und man neidet mir meinen Status.

 

Nun meine Fragen:

Geht es euch mit euren Kollegen bzw Mitmenschen auch so? Wie geht ihr damit um?

Hat sich euer Umfeld mit dem Vermögenszuwachs geändert?

So nach dem Motto: Die Reichen bleiben unter sich. Kann ich mittlerweile irgendwie nachvollziehen.

 

Hallo @caro210,

ich persönlich bezeichne mich jetzt nicht als Reich und habe Kontakte auch zu "Armen".
In solchen Situationen sage ich einfach, dass sie mal ein Haushaltsbuch führen sollen.
Denn immer diese "ganz überraschenden Rechnungen" (wie kann es sein, dass ich am 01. Januar plötzlich meine Jährliche KfZ-Versicherung zahlen muss? - Das kam total überraschend!)

Also ignoriere ich solche Aussagen und mein Umfeld hat sich mit dem Vermögenszuwachs auch nicht geändert. Vielmehr habe ich bereits im Vorfeld solche "Kontakte" reduziert.

Tatsächlich wurde ich auch schon das eine oder andere Mal von Jahresrechnungen "überrascht". Vor allem Versicherungen buchten bei mir hohe Beträge quer durchs Jahr ab. Ich habe dann irgendwann fast alles auf monatliche Zahlungen umgestellt. Bei einigen "Instituten" zahlt man dafür einen kleinen Aufpreis. Bis auf im Verhältnis sehr kleine Posten geht beim mir nun alles monatlich ab. Das schafft mehr Überblick und schont das Hirn 🙂 Gleichzeitig hilft es, den Grundbedarf zu ermitteln und zu sehen, wo sich Einsparpotenziale ergeben. Alleine an Versicherungen zahle ich monatlich gut 800€. Da geht noch was ;-). - hab ich nur gerade wenig Zeit mich drum zu kümmern :-/

Aber es wundert mich auch nichts mehr: ständig bekomme ich mit, wie die Leute in meinem Umfeld oder Bekanntenkreis hirnlos und sinnbefreit konsumieren - je weniger sie verdienen und je weniger intelligent sie sind (und auch das steht ja nicht selten in gewissem Zusammenhang), desto stärker ist das ausgeprägt und desto unempfänglicher sind sie für Lösungshinweise oder Erkenntnishilfen. Viele verstehen nicht einmal (oder wollen es nicht), dass sie ihre Finanzen überhaupt nicht im Griff haben. Für sie ist es normal, dass das Geld am Monatsende eben alle ist - kommt ja mit dem nächsten Gehalt wieder neues 🙂

Viel zu teures Auto, 80 Zoll Glotze und das 2000€ Handy auf Ratenkredit, dazu allerlei Multimediaverträge, große Wohnung und Markenklamotten, ggf. noch ne vom Dispo gekaufte Breitling am Arm. Neben allerlei Finanzierungszinsen und Kühlschrank voll machen, reicht es dann auch bei recht gutem Einkommen grad noch so um am Wochenende saufen zu gehen oder irgendwas zu unternehmen - wie die Hamster im Rad. Lustigerweise sind dann relativ viele dieser Leute der Meinung, dass ICH das "Opfer" bin 😀
Neulich gerade wieder von einem Bekannten "gefragt" worden, warum ich immer noch mit einer uralten Rostlaube fahre - ich sei doch immer so geizig - da hätte ich doch sicher in den letzten Jahren 10.000€ gespart die ich da mal in ein schöneres Auto "investieren" solle - ihm wäre das peinlich. Wenn der wüsste, dass 10.000 meinem monatlichen ETF Sparplan entspricht... 😀

Er meint auf jeden Fall, er ist der deutlich "coolere" , fühlt sich mit seinen durch viele Überstunden aufgetopptes Nettogehalt von 2.400€ im Verhältnis zu seinen Kumpels als "der King" und braucht das Geld dann auch, um diese Darstellung zu finanzieren -   da ist ganz oft viel kurzfristiges Statusdenken im Spiel, da kommt man nicht gegen an.

Ich habe es aufgegeben, da zu missionieren - ich staune nur noch ab und an und vermeide jegliche Gespräche, die in diese Richtung führen können damit ich mich nicht aufregen muss.

 

Ich finde man muss hier vorsichtig sein: Nicht alle Leute, denen am Monatsende nichts übrig bleibt können nicht mit Geld umgehen! Das so hinzustellen ist meiner Meinung nach ziemlich überheblich...

Es kommt doch z.B. ganz stark darauf an wieviele Personen von einem Gehalt leben müssen, also wenn du als Single gut klarkommst kann es ja sein, dass die Kollegin bei gleichem Gehalt eine Familie mit paar Kindern ernähren muss und es dafür nicht nehr so locker reicht.

Oder der Unterschied wo man arbeitet (und damit auch wohnen kann): Auf dem Land bekomme ich vielleicht eine 3 Zimmer Wohnung für 500€ kalt, in manchen Großstädten reicht das nichtmal für ein WG Zimmer.

Meines Erachtens kann man also nicht so pauschal sagen, wer mit x€ im Monat nicht klarkommt hat seine Finanzen nicht im Griff.

Dazu nur 2 Sachen:

  • ist es wirklich so, dass alle nur auf Äusserlichkeiten sehen (oder jedenfalls die Mehrheit). Dickes Auto, Wohnlage, Haus. Wenn man da vermeintlich nicht mithält, gibt es tatsächlich Leute, in deren Ansehen man sinkt. Mir ist das egal, leider gibt es aber tatsächlich erstaunlich viele Leute( oder sollte ich besser sagen "arme Würste"), die danach die Kontakte ihrer Kinder steuern. Echt schlimm!
  • ist es teilweise schon so, dass ein gewisser Neid festzustellen ist. Es haben nun doch irgendwie alle mitbekommen, dass ich nicht mehr arbeite, mich ständig um meinen Sohn kümmern kann und wir oft gut in den Urlaub fahren. Unterschwellig ist da schon ein gewisser Neid festzustellen.
Zitat von Frugi85 am 31. Oktober 2022, 8:38 Uhr

Tatsächlich wurde ich auch schon das eine oder andere Mal von Jahresrechnungen "überrascht". Vor allem Versicherungen buchten bei mir hohe Beträge quer durchs Jahr ab. Ich habe dann irgendwann fast alles auf monatliche Zahlungen umgestellt. Bei einigen "Instituten" zahlt man dafür einen kleinen Aufpreis.

Diese Beobachtung konnte ich auch schon bei einer Kollegin machen. Sie beschwerte sich darüber, dass ihr Jahresbeitrag der Kfz-Versicherung so hoch sei. Hab mich dann mit ihr zusammen hingesetzt und mal bei Check24 geguckt. Da habe ich dann ein Angebot gefunden, das ca 60 % ihres derzeitigen Beitrages gekostet hatte (sogar mit besseren Konditionen). Einer der Kostentreiber war, dass bei ihr quartalsweise der Beitrag gezahlt wurde.

Die von mir gefundene Kfz-Versicherung hat sie übrigens nie abgeschlossen, da sie einen "so hohen Betrag" ja niemals auf dem Konto hätte und dann im Dispo landen würde. Die Möglichkeit die eingesparten Quartalszahlungen einfach auf dem Konto zu lassen, um dann beim Jahresbeitrag liquide zu sein, wurde kategorisch von ihr ausgeschlossen (Geld ist am Monatsende halt weg).

Auch  (oder gerade) erwachsene Menschen sind halt manchmal unbelehrbar.

Solche Geschichten habe ich die letzten Jahre auch immer wieder erlebt.. Quintessenz ist für mich mittlerweile leben und leben lassen. Manchmal müssen sich Kollegen halt laut über ihre hohen Kosten aufregen, ohne tatsächlich etwas ändern zu wollen (obwohl die Möglichkeit besteht). Dann sagt ich am besten einfach nur "ja, echt blöde Situation" und fahre damit besser als mit jedem ernst gemeinten Ratschlag. Dieser wird einem eventuell sogar noch übel genommen.

Ich finde man muss hier vorsichtig sein: Nicht alle Leute, denen am Monatsende nichts übrig bleibt können nicht mit Geld umgehen! Das so hinzustellen ist meiner Meinung nach ziemlich überheblich...

Es kommt doch z.B. ganz stark darauf an wieviele Personen von einem Gehalt leben müssen, also wenn du als Single gut klarkommst kann es ja sein, dass die Kollegin bei gleichem Gehalt eine Familie mit paar Kindern ernähren muss und es dafür nicht nehr so locker reicht.

Finde ich nicht überheblich - es gibt sehr viele Menschen bei denen das so ist! Ich habe von einem konkreten Beispiel berichtet. Dass es wirklich arme Lehte gibt etc.  auch nie bestritten - aber selbst in meinem Bekanntenkreis, der nun nicht nur aus Hoschis besteht, hört man fortwährend von finanziellen "Sorgen" während fleißig weiterkonsumiert wird.

@privatier hat das ganz gut auf den Punkt gebracht. Meine Nachbarn sind auch deutlich zurückhaltender geworden seitdem sie irgendwann festgestellt haben dass ich fast jeden Tag im Garten umhertüddel und wenig arbeiten bin. Und dann haben sie noch aufgeschnappt dass ich vor zwei Jahren ein MFH gebaut habe. Seitdem darf ich mir ständig anhören was sie sich alles nicht leisten können. Auf der anderen Seite fliegen sie 2 Mal im Jahr für 14 Tage all inclusive nach Ägypten, leasen sich ne E Klasse, haben nochn Cabrio für den Sommer und ließen sich letztes Jahr für 10k die Auffahrt neu pflastern. Trifft man sie dann abends aber in der Kneipe, ist das zweite Bier schon zu teuer - "es gäbe ja auch Leute die dafür arbeiten müssen" - schon klar...die verdienen im Monat zusammen 4k netto - davon könnten wir locker die Hälfte sparen, ganz locker 😛

Die die wirklich nichts haben, die jammern idr. nicht rum...

 

Das Missionieren bringt in der Tat nichts. Wir bilden bei mir im Betrieb aus, ich bin in der Freizeit als Trainer/Funktionär im Sport unterwegs und man trifft immer auf Leute, die zuhören können und wollen - und dann auch was lernen. Andere wiederum fallen aus der Schule, sind unschlau bis zur Peinlichkeit, glauben aber, dass sie schon alles wissen. Kann man beim Scheitern zugucken, dauert meist nicht lang. Manche berappeln sich dann, andere laufen 10 mal vor die Wand und nehmen zum 11. mal Anlauf.

Dazu kommt, dass sich Leute rausschälen, mit denen man halbwegs auf einer Wellenlänge liegt, was Vermögen und auch Sichtweise auf Finanzen betrifft. Das sind dann - wenige - interessante und sinnstiftende Kontakte. Von der Sorte habe ich vier bis fünf echte Freunde, denen ich auch wirklich offen jeden Unfug erzählen kann, was ich gerade finanziell tue, ohne sofort immer Gegenwehr oder Ungläubigkeit zu ernten - umgekehrt natürlich genauso, das ist ein richtig guter Austausch. Darunter ist ein Privatier, drei ebenfalls Selbständige und ein Abteilungsleiter Entwicklung mit ca 30 MA unter sich.

Die wissen mehr über meine Aktivitäten als zB mein Bruder oder meine Eltern. Und das ist auch gut so.

Anderen ggü. bin ich aber auch relativ offen, was Finanzen angeht, ohne jedes Detail auszuplaudern. Manchen Leuten sage ich aber auch gar nichts, weil ich weiß, dass die es eh nicht kapieren oder miss-interpretieren. Und manche lasse ich auch ganz sauber abtropfen, wenn die mir blöd kommen.

Also alles sehr individuell. 😉

 

 

Zitat von Arnim am 31. Oktober 2022, 10:33 Uhr

Dann sagt ich am besten einfach nur "ja, echt blöde Situation" und fahre damit besser als mit jedem ernst gemeinten Ratschlag. Dieser wird einem eventuell sogar noch übel genommen.

Ratschläge gebe ich grundsätzlich keine mehr, ausser ich werde explizit angesprochen. Das passiert zwar selten aber manchmal dann doch und dann treffe ich mich auch gerne auf einen Kaffee und teile bereitwillig mein Wissen!

Die Veränderungsbereitschaft ist gering. Spiegelt man dem gegenüber wie m/w/d mit gleichen Ausgangsvorraussetzungen anders dastehen könnte tut das zumeist weh und wird als eine Art Scheitern empfunden, oder es wird verdrängt, weil es unbequem erscheint die Gewohnheiten zu ändern.

Ich kann euch eines aus persönlicher Erfahrung sagen: Die einen sparen wie verrückt und die andern ballern das ganze Geld durch. Ich hab eine Kollegin die ist seit 5  Jahren nicht mehr aus dem Dispo rausgekommen. Ich lebe seit einer Ewigkeit auf viel zu großem Fuß. Trotzdem bin ich nie in die Situation gekommen dass ich nichts mehr sparen konnte. Seit 156 Tagen führe ich ein Haushaltsbuch und weiß ganz genau wo mein Geld hingeht. Seit ein paar Wochen spare ich eisern. Ich habe nie ein überwältigend großes Vermögen gehabt, der Höchststand waren 14000 Euro, obwohl ich deutlich mehr hätte sparen können. Die Kollegin gibt das Zeug für Konsumausgaben aus, sie kommt gar nicht mehr ins Plus. Meine Oma lebt von 400 Euro im Monat und weint rum weil die Butter um 20 Cent teurer geworden ist. Hat aber 200000 Euro auf dem Konto. Ihr seid es alle gewohnt sparsam zu sein, meine Oma war das ihr ganzes Leben. Ich habe ebenfalls einen Großteil meines Geldes bis vor Kurzem ausgegeben. Siehe Vorstellungsrunde. Der Entschluss: "ab heute ist Schluss und es wird gespart" ist sehr leicht gesagt aber sehr hart zum Umsetzen. Ich habe mich bewusst dafür entschieden und trotzdem war es hart. Wenn man permanent Essengehen/Urlaub/Kneipe/Kino/Shoppen/etc gewohnt ist und man muss sich umstellen ist das wie ein Entzug. Ich hab mich bewusst dafür entschieden und trotzdem merkte ich am Anfang dass man sehr leicht in seinen alten Trott zurückfallen kann (und manchmal auch will). Wenn jemand in der Stadt wohnt und diese ganzen "Konsummöglichkeiten" hat - die es auf dem Land so nicht gibt - dann wird er diese auch nutzen wenn er es gewohnt ist. Menschen sind Gewohnheitstiere. Insofern sind 100 Euro auf dem Konto keine Besonderheit. Davon ausgehend dass die Kollegin in etwa das gleiche verdient wie du, naja, die einen investieren, die anderen konsumieren. Is halt so.

Interessant ist auch die politische Debatte die hier in diesem Land immer öfter geführt wird. Stichwort: "Wer hat der gibt". Ich bin solidarisch und weiß auch dass mit dieser Inflation für viele Leute große Probleme entstehen, insbesondere die wo 160 oder 200 Stunden arbeiten im Monat und dafür nur einen Hungerlohn bekommen und es nicht mehr reicht, auch für Rentner wird es knapp . Ich bin auch dafür dass diese Leute bewusst entlastet werden. Aber wie der Threadersteller schon geschrieben hat: Man neidet ihm den sozialen Status. Jeder der in diesem Land erfolgreich ist, egal ob er sich Sachen vom Mund abgespart hat und investiert/ein Unternehmen gegründet hat oder brutal viel Arbeit reingesteckt hat, ist irgendwie auch der Depp. Wenn man mit Leuten redet und sie 3 Mal im Jahr in den Urlaub fahren und du ihnen sagst "hey ich fahr nirgends hin ich bleib zu Hause" dann sehen sie dich an wie ein Auto. Aber am Ende sind sie neidisch weil du Geld hast und sie nicht. Und fordern dann Sachen wie Vermögensabgabe etc weil sie ja nix haben und das Leben so ungerecht ist. Nur so nebenbei erwähnt. Ich finde in diesem Land läuft einiges richtig falsch. Man darf sich einfach nicht beirren lassen und muss seinen Weg fortsetzen.

@ NoFrugalist

Da hast du natürlich recht.

Allerdings hat meine Kollegin keine Kinder. Sie muss nur für sich selbst sorgen, da ihr Ehemann auch arbeiten geht.

Ihren Schulden belaufen sich auf derzeit ca. 14000€.

Sie hat 2 Gläubiger und wird vermutlich erst mit 40 Jahren ihre Schulden komplett abgezahlt haben.

Die Schulden musste sie nur aufnehmen, weil sie ein Auto für ihr Hobby gekauft hat. Und nun gibt sie demnächst wieder 1000€ für ihr Hobby aus. Mit dem Verkäufer hat sie sich wohl schon auf eine Ratenzahlung geeinigt.

Sie investiert an der Börse und hat es in den letzten 2 Jahren auf ca 6000€ geschafft.

Ihre Schulden fressen aber ihr Vermögen auf. Das versteht sie nicht, wenn man es versucht ihr zu erklären.

Mit 40 Jahren wird sie dann anfangen ihre Rentenlücke zu schließen. Wenn allerdings wieder ein neues Auto gekauft werden muss, dann wird sie sich wieder verschulden. Und so geht es immer weiter bis zur Rente und dann schaut man blöd aus der Wäsche, wenn das Geld nicht reicht.

Viele Leute sind dann immer ganz erstaunt, wenn die Rente nicht reicht. So als hätten sie gar nicht damit gerechnet.

Das ist interessant.
Wir sprechen auf der Arbeit innerhalb unserer Ebene recht viel über Finanzen. Manche besonders junge Kollegen sind stark investiert und man tauscht sich über Aktien und Crypto aus, andere kommen mit ihrer Familie gerade über die Runden und wieder andere können mit Geld einfach nicht umgehen (das sind gerade die mit dem höhsten Einkommen). Unser Chef hat gerade vor ein paar Monaten mit 38 Jahren aufgehört und spielt jetzt Golf. Er wird wohl ausser einigen Dozententätigkeiten nicht mehr viel arbeiten solange ihm nicht zu langweilig wird. Neid oder Unverständnis? Fehlanzeige.

Also wir kennen grob die Einkünfte, Kontostände und die Kreditwürdigkeit der Kollegen und das ist hier absolut kein Problem. Abgeschwächt gilt das auch im weiteren Umfeld, aber da mangels intensivem Kontakt nicht mehr so detalliert. Es gibt wie überall Tratsch und auch mal Missgunst. Aber das betraf bisher nie den finanziellen Erfolg/Misserfolg von Personen.  Das gilt auch für Gehalt. Wenn jemand mehr bekommt als im Vergleich zur eigenen Leistung gerechtfertigt, dann motiviert das die Leute einfach nur das beim Chef zu betonen und auch mehr zu fordern, sich nach einem neuen Job umzusehen oder einfach zu akzeptieren dass die eigene Leistung scheinbar doch nicht so gut ist wie gefühlt.

Anderes Land, andere Sitten... Finanzieller Erfolg jeglicher Art wird hier einfach nur beglückwünscht.

„Wenn man kein Geld hat, denkt man immer an Geld. Wenn man Geld hat, denkt man nur noch an Geld.“ Jean Paul Getty
Zitat von Tim am 3. November 2022, 8:07 Uhr

 

Anderes Land, andere Sitten... Finanzieller Erfolg jeglicher Art wird hier einfach nur beglückwünscht.

Das ist in D völlig anders. Ich würde nun niemand erzählen, wieviel Geld ich wirklich habe. Wenn man finanziellen Erfolg hat, findet man sich entweder umgeben von Leuten, die daran partizipieren wollen (im Sinne von "ich kenne den...oh wie toll") oder man wird blöd angesehen, so nach dem Motto "wo hat der denn das Geld her". Wo man im Zweifelsfall Geld vom Staat herbekommt, darüber wird offen und gerne geredet. Nur keine Eigenverantwortung zeigen!

Ich sehe das mit dem Vermögen grundsätzlicher, nämlich vor dem Hintergrund des wie und wie lange das dauert. Ein hohes Gehalt zu haben und gut zu leben ist dabei keineswegs gleichzusetzen mit vermögend zu sein und gut zu leben. Auch ist es anders ein Vermögen vererbt zu bekommen oder es sich über viele Jahre selbst zu entwickeln: Jemand der sich sein Vermögen selbst erarbeitet hat nach 30 Jahren Arbeit, Sparen, Geldanlage und nun normal weiterlebt (ohne täglich robotten zu gehen), der wird weniger Ressentiments aus seinem Umfeld erfahren als jemand der seine Kohle geerbt hat und nun Cabriofahrend schlaue Sprüche macht. Jeder der sein Vermögen selbst geschaffen hat, der weiß was es heißt diszipliniert und langfristig ein Ziel zu verfolgen. Derjenige wird auch achtsam damit umgehen, weil er weiß wie lang der Weg war. Jeder der so auftritt, also relativ defensiv, der hat auch kein Problem Auskunft zu geben denjenigen gegenüber die das ggf. nicht verstehen sollten. Das genau ist doch das Können: 30 Jahre o.ä. 'normal' zu leben, obwohl man 100.000 € oder zunehmend mehr auf der hohen Kante hat und nicht daraufhin in einen Konsumrausch verfällt.

Fazit zum Thema: Nein, mein Verhältnis und Blickwinkel zur (Geld)Realität hat sich nicht geändert. Vielmehr kann ich sogar nachvollziehen, wenn Leute nix sparen. Das geht denen alles zu langsam und sie sehen zu Beginn die Vermögensentwicklung in Zeitlupe als aussichtlos an und resignieren.

Deswegen übrigens finde ich die Idee eines sog. Staatserbes einen interessanten Gedanken.  Jeder bekommt mit 21 Jahren 40.000 Euro geschenkt. Zu sehen wie das bei "dummer Lebensführung" weniger wird , das schmerzt, wenn es durch eigene Anstrengung mehr wird motiviert das! Ein Weg zu gerechten Aufstiegschancen. Und wer die Kohle verballert kann sich schlecht beschweren, da jeder weiß dass er eher selbst schuld war.

Zitat von Absprung_2020 am 3. November 2022, 11:50 Uhr

Deswegen übrigens finde ich die Idee eines sog. Staatserbes einen interessanten Gedanken.  Jeder bekommt mit 21 Jahren 40.000 Euro geschenkt.

Was meinste wie viel Geschrei dass es geben würde bei der Einführung, wenn jemand 22 oder 23 ist und es nötiger hätte als der 21 jährige Jungmillionär :O

 

Zitat von Absprung_2020 am 3. November 2022, 11:50 Uhr

Fazit zum Thema: Nein, mein Verhältnis und Blickwinkel zur (Geld)Realität hat sich nicht geändert. Vielmehr kann ich sogar nachvollziehen, wenn Leute nix sparen. Das geht denen alles zu langsam und sie sehen zu Beginn die Vermögensentwicklung in Zeitlupe als aussichtlos an und resignieren.

Dazu habe ich mal irgendwo einen Artikel gelesen "Warum es einfacher ist 50% zu sparen als 10% zu sparen" oder so ähnlich. Kernaussage war auch, dass man bei geringen Sparquoten sehr lange braucht um sich z.B. einen Notgroschen von 3 Monatsgehältern anzusparen, was dann sehr demotivierend ist. Bei hohen Sparquoten geht es entsprechend schneller und man sei dann eher motiviert durchzuhalten oder so.

Außerdem ist es auch irgendwo eine individuelle Einstellung wieviel man für später zurücklegen will. Nicht jeder erreicht leider überhaupt seinen Ruhestand und wie sagt man, der reichste auf dem Friedhof zu sein bringt einem auch nichts. Leute die viel sparen haben vielleicht auch einfach ein höheres Sicherheitsbedürfnis und anderen ist es vielleicht wichtiger ihr Leben bestmöglich auszukosten solange sie jung sind.

Beides sollte man als individuelle Entscheidung/Einstellung akzeptieren können und nicht versuchen andere zu "missionieren". Nur meine Meinung.

Ich stelle bei mir den umgekehrten Effekt fest. Das wachsende Vermögen hat keine oder nur geringe Auswirkungen auf die Realität (und deren Wahrnehmung) in der ich lebe. Und das ist womöglich, von meinem derzeitigen finanziellen Standpunkt aus, auch eine verzerrte Wahrnehmung.

Als ich gestern bei Aldi gewesen bin, fielen mir immer noch die gestiegenen Preise für einige Waren auf. Nutoka für 1,89€ pro Glas statt 1,29€, Butter für 2,29 statt 1,69€ etc.. Da kommt mir dann immer noch ein "brauchst du das wirklich?"-Gedanke wie zu Studentenzeiten.

Gegen Monatsende aktualisiere ich für gewöhnlich mein Haushaltsbuch und trage dort - unter anderem - auch den Betrag ein, der für Lebensmitteleinkäufe aufgewendet wurde. In dem Moment wird mir dann nochmal vor Augen geführt wie absurd der  "brauchst du das wirklich?"-Gedanke im Zusammenhang mit meinen Alltags-Einkäufen ist.

Ich bewege mich in einem Umfeld, in dem solche wie von Caro210 im Eingangposting beschriebenen Situationen dann und wann vorkommen. Ich schweige dann (mittlerweile), weil ich weiß, dass ich nicht helfen kann.

Kommt evtl. darauf an:

"muss" man AKTIV = durch bewussten KonsumVERZICHT sparen?

Oder bleibt einfach mehr und mehr übrig, weil man die Ausgaben nicht dem gestiegenen Einkommen anpasst?
(sprich: weiterhin "studentisches" Leben, obwohl im Job gutverdienend)

 

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