Bitte oder Registrieren, um Beiträge und Themen zu erstellen.

Alles zum Thema Suffizienz

Ein Begriff, der in der Medizin (bei Organen), im Umweltschutz (Nachhaltigkeit und Ressourcenverbrauch) aber immer mehr auch in der Psychologie und der Glücksforschung aufgegriffen wird um die Zufriedenheit im Hinblick auf (materielle) Bedürfnisse und Erwartungen zu messen oder auch individuell zu definieren.

Ich halte diesen begrifflichen Ansatz deswegen für sehr interessant, da er materiellen oder finanziellen Bedürfnisse als individualisiert annimmt und somit auch einen meiner alten Sprüche aus jüngeren Jahren expilzit bestätigt: "Was für dich zu wenig ist, reicht für mich zum Glücklichsein." Manchmal angewendet (von mir), immer belächelt (vom Gegenüber).

Letztlich geht es um (Über-)konsum und dem Ergebnis, dass Glück dennoch nicht als gewünschtes Gefühl beim Einzelnen eintritt. Nach dem zweiten Weltkrieg ist in der westlichen Welt der ständig steigende Konsum ein Mantra, welches auch global als glücksmachendes Moment etabliert scheint. Ein Abweichen davon wird als Verzicht, als Mangel angesehen und wird daher auch durchweg negativ konnotiert. Politikern oder auch der "Familie, Freunde, Nachbarn, Kollegen" wird es daher stets schwer fallen in Verzichts-Vokabeln zu denken, denn daraus resultieren individuelle Einschränkungen und Limits; gar nicht gut! So scheinen wir soziologisch versaut nach 60 Jahren Wirtschaftswachstum und jedem Jahr etwas mehr. In den USA letztlich weit über 100 Jahren der selbsterfüllenden Konsumprägung!

Sind wir in unserem Luxus und Überfluss also zufriedenere Menschen als die, die vor 100, 200 oder 2.000 Jahren gelebt haben? Lachen und freuen wir uns mehr als Menschen die in anderen Kulturkreisen leben wo der Konsum noch nicht einer der obersten Leitsätze ist? Die Antwort scheint klar: Natürlich nicht!

Aus diesen Grundgedanken heraus wird zunehmend der Begriff der Suffizien verwendet, der dafür stehen soll, was für wen in einem "gesunden" glücksbringenden und im Idealfall dauerhaften Maß funktioniert.

Das scheint extrem individuell und hängt eng mit den eigenen Erwartungen zusammen. Je nachdem wer welche Erwartungen hat wird bei Eintreffen oder Übererfüllung in der Realität Glück und Zufriedenheit empfinden Nicht erfüllte Erwartungen hingegen führen zu Frust und Unnzufriedenheit.

Neben materiellen Dingen kann dieses Konzept auch für Tätigkeiten im Privaten aber auch im Beruf diskutiert werden. Glück und Zufriendenheit ist also ein Gemüts- oder Gefühlszustand der durch Befragungen von Personen nach Stellung von Aufgaben sogar gemesen werden kann: Ergebnisse der Glücksforschung zeigen, dass man dann am glücklichsten ist, wenn man versunken ist in eine Tätigkeiten/Beschäftigungen/Diskussionen/Lesen... was auch immer, die sowohl die volle Konzentration und Widmung erfordern aber gleichzeitig nicht überlastet, stresst, körperlich/geistig überfordert. Ein Punkt, den ich hier im Forum übrigens und insbesondere bei Unzufriedenheiten im Beruf oft als Thema wahrgenommen habe.

Ob man sich Zufriedenheit per Suffizienz "verordnen" kann das weiß ich nicht; so nach dem Motto, "mir reicht das doch, ist ok für mich". Glück scheint das noch nicht!

Ich kann da daher nur von mir ausgehen: Nach meiner Wahrnehmung war mein Leben schon immer funktionabel und zufriedenstellen, egal ob ich mir mehr oder weniger leisten konnte , ob ich mehr der weniger finanzielle Ressourcen zur Verfügung hatte. Immer so wie es gerade war, war das schön. Konsum als Ventil, Frusteinkäufe... gabs nie. Egal ob Flugreise mit eigenem Reiseführer oder Zelturlaub unter der Kiefer. Für mich war das aus meinem inneren Gefühl heraus immer gleich wertig: Ich muss nicht arbeiten, ich habe keine Druckpunkte und Zwänge. Letztlich bei mir eng an "Freiheit" geknüpft und unabhängig von anderen.

Einen schönen Aufsatz zum Thema gibts gerade in der Zeitschrift Ursache/Wirkung, Ausgabe 118.

Danke für das Teilen! Kannte den Begriff bis dato  noch nicht, genauso wenig wie das Magazin Ursache/Wirkung. In welchem Monat ist die Quartalsausgabe 118 erschienen?

Zufriedenheit und auch gelegentliche und regelmäßige Glücksmomente haben m. M. nach ganz viel mit sich selbst genügen und Selbstliebe zu tun, also nicht permanent ins Außen zu müssen um sich Bestätigung und Anerkennung zu holen. Sei es durch materielle oder auch immaterielle Dinge. Dinge zu pflegen die einem gut tuen und sich von Dingen wie auch Menschen zu trennen die nicht dazu beitragen gepaart mit Demut, Dankbarkeit und einer liebevollen Art sind gute Wege zur Zufriedenheit und Glück.

Ich habe gute Freunde die das beneidenswert gut können. Interessanterweise haben die meist nicht mit größeren Schicksals- oder Rückschlägen im Leben zu tun gehabt wie, schwere Krankheit, Trennung/Scheidung mit Kinder oder unverschuldet sozialer Abstieg usw.

Ich kenne den Artikel nicht und weiß nicht um welchen Bereich der hedonistischen Tretmühle es darin geht. Sich dem Konsumzwang zu entsagen dürfte noch eine der leichteren Übungen sein. Übermäßiger Konsum überdeckt ja meist seelische Defizite.

Wenn einem die Kontrolle entzogen wird, man fremdbestimmt wird und ganze Pflöcke aus dem Lebensfundament herausgezogen werden, dann zeigt sich wie stabil jemand wirklich ist. Gut behütet auf dem warmen Sofa seelenpflegende Zeitschriften zu lesen ist was anders als ein richtiger Stresstest.

Zitat von Absprung_2020 am 6. Dezember 2021, 9:15 Uhr

...

Sind wir in unserem Luxus und Überfluss also zufriedenere Menschen als die, die vor 100, 200 oder 2.000 Jahren gelebt haben? ... Die Antwort scheint klar: Natürlich nicht!

... Egal ob Flugreise mit eigenem Reiseführer oder Zelturlaub unter der Kiefer. Für mich war das aus meinem inneren Gefühl heraus immer gleich wertig: Ich muss nicht arbeiten, ich habe keine Druckpunkte und Zwänge. Letztlich bei mir eng an "Freiheit" geknüpft und unabhängig von anderen.

der durchschnittliche Fabrikarbeiter vor 150 Jahren MUSSTE aber 6 Zwölfstundentage in der Woche arbeiten ...

... und viele Bewohner des Römischen Reichs

im Römischen Reich ... In der Kaiserzeit schätzt man den Anteil der Unfreien auf rund ein Viertel der Bevölkerung Italiens. ... Althistoriker Walter Scheidel schätzt, dass im römischen Italien eine bis anderthalb Millionen Sklaven lebten, was einem Bevölkerungsanteil von 15 bis 25 Prozent entspräche. 

hatten nicht die Freiheit frugal im Schatten einer Pinie den Tag zu genießen!

Für Austern, Champagner, um mir heute ne Rolex und morgen nen AMG zu kaufen brauche ich kein Geld - um frei zu sein bzw. zu werden aber schon!

@muslime_frugi

Ausgabe aktuell, glaub 28.11.2021

@exit-tbd

Es geht beim Thema um Zufriedenheit und Glück und darum, dass eine reiche Gesellschaft oder ein Mensch mit viel Konsum nicht automatisch zufriedener ist als eine bzw. einer, die  bzw. der weniger hat. Suffizienz steht für eine eigen definierte gute Funktionalität für das was Sie selbst als angenehm betrachten und Sie daraus resultierend eine Zufriedenheit entwickeln. Oder eine ganze Gruppe von Leuten.

Ob jetzt die Sklaven vor 2000 Jahren definitiv unzufriedenen waren und alle depressiv und suizidgefährdet waren weiß ich nicht. Hilft ja auch nicht weiter der Vergleich. Aber gerne: Wir nehmen die bürgerliche Mitte und freien Menschen über ganz lange Zeiträume. Wann war die Menschheit am zufriedensten? Kann man ja mal drüber diskutieren, unabhängig von Extremfall.

Noch ein link zum Thema, war ja auch mehrfach in der Presse: Stichwort "More is less"

https://www.oekom.de/beitrag/warum-suffizienz-nicht-gleich-verzicht-ist-133

https://www.sueddeutsche.de/muenchen/freising/nachhaltigkeit-oekologischer-gartenbau-freising-muenchen-bayern-1.5440727

Auch ein Beispiel zu Thema.

Zitat von Absprung_2020 am 6. Dezember 2021, 9:15 Uhr

Einen schönen Aufsatz zum Thema gibts gerade in der Zeitschrift Ursache/Wirkung, Ausgabe 118.

Danke für den Lesetipp! Kannte die Zeitschrift bis dato nicht. Mein Sohn hat sich mit einem Jahresabo (4 Ausgaben) beschenkt und ich darf mitlesen 😉

Bei dem Suffizienz Artikel kam in mir die Frage zum Vorschein, wie sehr die breite Gesellschaft wirklich bereit ist zu verzichten zu Gunsten des Klimas, Tierwohl, Ressourcen, Nachhaltigkeit usw. Vielmehr geht es ja immer wieder darum Technik vorzuschieben um das eigene Gewissen zu entlasten und genauso weiter zu konsumieren. Dann halt elektrisch anstatt fossil, mit Mehrkosten als Ablass weiter genauso Fleisch essen etc..

Zitat von Absprung_2020 am 6. Dezember 2021, 9:15 Uhr

....dass man dann am glücklichsten ist, wenn man versunken ist in eine Tätigkeiten/Beschäftigungen/Diskussionen/Lesen... was auch immer, die sowohl die volle Konzentration und Widmung erfordern aber gleichzeitig nicht überlastet, stresst, körperlich/geistig überfordert. Ein Punkt, den ich hier im Forum übrigens und insbesondere bei Unzufriedenheiten im Beruf oft als Thema wahrgenommen habe.....

... Ich muss nicht arbeiten, ich habe keine Druckpunkte und Zwänge. Letztlich bei mir eng an "Freiheit" geknüpft und unabhängig von anderen.....

Das hat ganz viel mit Kontrolle über sich und sein Handeln zu tun, mit Selbstbestimmtheit und der inneren und äußeren Freiheit. Sicher auch eine Typsache wie man auf den ein und selben äußeren Umstand schaut und sich darin bewegt. Das gelingt dem Einen gut und dem Anderen nicht. Hängt aber natürlich stark vom Umfeld ab, sprich wieviel Energie muss ich aufwenden um bei gegebenen Umständen meine Zufriedenheit zu finden. Bzw. wie vielversprechend ist die Veränderung durch Wandel, oder ist es nur eine Flucht ins nächste Unglück, weil ich nicht bereit war tief genug in mich zu schauen?

Letztendlich würde ich sagen, dass das Streben nach FIRE getrieben ist durch den Wunsch nach Freiheit. Da wird jegliche Abhängigkeit und Störung auf die Konzentration auf selbstbestimmten vertieften aber nicht überlastenden (weil nicht fremdbestimmten) Tätigkeit zur mentalen Herausforderung. Man könnte auch sagen, dass der Dumme hier der Glücklichere ist, weil er weniger nachdenkt, weniger will, genügsamer und damit eine höhere Bereitschaft hat äußere Einflüsse zu akzeptieren.

Hm, alles zum Thema...
Dass ich mit "alles über" und "alles zum Thema" so meine Probleme habe, ist wohl mein ganz persönliches Ding. Gehört hier auch nicht so unbedingt hier her. 😉

Ich habe das Wort Suffizienz im Untertitel meines Blogs stehen und verstehe es im Sinne von Sparen von Energie (auch meiner eigenen) und Ressourcen. Mir ist es wichtig das Vorhandene so zu nutzen, dass ich möglichst viel, bzw. lange etwas davon habe. Dabei geht es nicht um Verzicht. Ich war schon immer so. Dieses ewige Streben um immer mehr, immer schneller, immer teurer ... gehen mir schon lange auf den Zeiger. Je älter ich werde, desto mehr störe ich mich daran.
Dass bei der Lebensweise auch noch der eine oder andere Cent gespart wird, ist ein schöner (Neben-)Effekt. 😉 und ja: Es macht mich glücklicher weniger Geld auszugeben, als möglichst viel Geld erwirtschaften zu müssen, um im Mainstream zu schwimmen.

Liebe Grüße, Flitzekittel --------------------------------------------- NEU: www.miteigenenhaenden.de - Minimalismus, Selbstversorgung, Konsumreduzierung, Suffizienz, DIY -

@flitzekittel

Sprachliches Missverständnis? Alles zum Thema kann hier diskutiert werden, nicht dass ich es wäre, der das alles zum Thema wissen würde!!

Ansonsten ging es  mir bei dem Thema um die Suffizienz wie sie derzeit von den Psychologen diskutiert wird (nicht unbedingt, aber auch, wie sie von den ökologisch motivierten Seite der des Ressourcenschutzes gerne thematisiert wird. Kann man aber auch gerne diskutieren).

Das was der Einzelne als suffizient, also als ausreichend und gut funktionierend betrachtet und warum, und wann es eben genug ist, und nicht immer mehr werden muss und man sich dann einfach zurücknimmt und mit dem was man hat Glück und Zufriedenheit findet und wie die Zufriedenheit auf welcher Basis aussieht, dass finde ich sehr spannend! Insbesondere eben auch weil klar scheint, dass der Konsum als Handlung  keinesfalls oder nur sehr kurzfristig glücklich macht.

Hier war irgendwo neulich eine Überschrift, ich glaube bei Vorstellungen der Kommunarden hier: "Wann habe ich genug?" las ich. Man kann sich ja nur wundern, dass da andere überhaupt gefragt werden: Ja wann hast du denn genug? .... will man fragen.  Und darum gehts!

@absprung_2020

Vielen Dank für dieses sehr interessante Thema und Denkanreize.

Ein Vergleich mit der Vergangenheit finde ich schwierig. Einfach, weil man früher ein anderern Zeitgeist und Bewusstsein hatte. Auch konnte man vllt. Gefühle nicht so gut benennen, weil einfach das "Wissen" nicht so abrufbereit war. Früher hat man "Suffizienz" im Lexikon nachgeschlagen. Und das war i.d.R. nur ein kurzer Absatz und kein gesamter Artikel wie auf Wikipedia mit weiteren Quellen, die sofort abrufbar waren.

Hab ein Buch Minimalismus von "The Minimalists". Der Werdegang der beiden Autoren ist extrem interessant. Wie vllt. Viele suchen sie nach der "Erfüllung" und stellten fest, dass diese weder in der Karriere noch im Konsum liegt. Ich denke auch "Zufriedenheit" im Job ist eher eine Illusion. Durch stetige Beschäftigung -- sei es Job oder Familie -- ist man permanent abgelenkt und hat gar keine Zeit für philosophische Gedanken wie Zufriedenheit. Letztlich denke ich, dass man wahre Zufriedenheit dann erreicht hat, wenn es dem Kopf auch im "Leerlauf" gut geht. Hier denke ich an (Achtsamkeits-)Meditation.

Ich denke das Thema Suffizienz ist ein bisschen paradox. Ich stelle mir das vor wie beim Aufstieg eines Berges (mit Ski oder Fahrrad 😉 ) oder wenn man bei einem Open World Game 80 % erreicht hat. Ein Ziel zu erreichen gibt viel Zufriedenheit. Jedoch nur für einen Zeitpunkt. Was kommt danach? Es muss weitergehen. Mensch braucht neue Ziele, damit es nicht langweilig wird. IMO liegt es in der menschlichen Natur sich weiter entwickeln zu wollen. Stagnation ist für mich schwer vorstellbar und entspricht irgendwo einer depressiven Symptomatik. Kein Wunder also, dass gerade viele Menschen im hohen Alter unter Depressionen leiden. Wenn kaum noch Quests offen sind, was dann? Es ist nicht wie bei einem Computerspiel nochmal bei null anfangen zu können und mal eine andere Strategie ausprobieren zu können.

Ergo, Unzufriedenheit ist ein Treiber, den Ball am Laufen zu halten. Deshalb entwickelt sich die Welt immer weiter. Noch weiter gesponnen: Man hat Maschinen erfunden (früher Hardware, heute KI und Machine Learning) um Arbeit zu automatisieren und Ziele schneller erreichen zu können. Was war das Ergebnis davon? Ist Arbeit weniger geworden? Ist ein Großteil der Menschheit mit dem technologischen Fortschritt zufrieden? Ja, die Leistung des Smartphones reicht mir und ich brauche und will kein Neues? Und eigentlich komme ich mit meinem Auto bereits überall hin. Aber ich will jetzt unbedingt jetzt auf diese Insel dort im Pazifik, weil... Challange halt. 😉