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Vorstellung und Casestudie

Liebes Forum,

ich bin 33Jahre, wohne in NRW und bin als Psychologe in einer Klinik und freiberuflich als Psychotherapeut tätig. Über Freunde aus den Niederlanden und MrMoneyMustache bin ich – wie so viele – auf den Frugalismus gestoßen und damit irgendwann auch auf die Seite von Oliver. Bislang habe ich viel passiv gelesen und mich inspirieren lassen, jedoch möchte ich gerne von euch Feedback zu meiner Situation erhalten.

Bis vor kurzem steckte ich noch in einer wahnsinnig teuren Therapieausbildung gesteckt (23.000€), diese habe ich jedoch erfolgreich abschließen können. Dadurch konnte ich in den letzten drei Jahren leider weniger sparen als ich wollte.

Mein derzeitiges Einkommen beträgt:

-1800€ netto festangestellter Job in einer Klinik und freiberufliche Tätigkeit in etwa 600€ netto
bei einer 4-Tage Woche =2400€. Perspektivisch überlege ich, mich in den nächsten Jahren komplett selbstständig in eigener Praxis zu machen oder ggf. in der Klinik die Stunden aufzustocken. Jedoch bin ich gerade sehr froh über den entschleunigten Klinikjob, sodass sich in diesem Jahr hoffentlich nichts ändert.

Ich arbeite in meinem Job sehr gerne, mein Ziel ist es jedoch, mit 50 Jahren nicht mehr fest arbeiten zu müssen.

Unkosten monatlich:

- Miete 611€
- Strom 27€
- Heizung 18€
- DSL 20€
- Handy 7,5€
- GEZ 17,50€
- Ticket für öffentl. Nahverkehr 51,50€
- Berufsunfähigkeitsversicherung 27,52
- Haftpflichtversicherung 10€
- Hausratversicherung 3€
- Psychotherapeutenkammer 25€
- Nahrungsmittel / ab und zu Essen gehen 350€
- Sonstige Hobbys (Computer, Filme schauen, Fahrradequipment, Tischtennis, Ausgehen) 100€
- Reisen (100€)
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1370€ ->Sparquote von 43%.

 

Vermögen:
- keine Schulden
- 4000€ auf Tagesgeldkonto
- Vermögen in Aktien Amazon, Alphabet, Apple + SP500 = derzeitiger Wert 15000€

Mich interessiert insbesondere euer Feedback zu den Ausgaben und zu der FIRE Planung.

 

Herzlicher Gruß

Okecomputer

Guten Morgen @okecomputer , Du bist sehr gut unterwegs und hast sicher zum 50. eine top finanzielle Situation. Hohe Sparquote. Optimierungsansätze weniger Essen gehen, höhere Einnahmen, geringere Miethöhe. Weiter so.

3 Tage Woche. Teilzeitarbeit.

@49er Danke für das Feedback. Ja, die Essensaufgaben, das ist in jedem Fall ein wichtiger Punkt. Eine Veränderung der Miete ist leider auf absehbare Zeit nicht möglich - es sei denn, ich ziehe hier weg. Vll. führe ich mir noch einmal den Artikel von Oliver zu Gemüte. Ebenso denke ich, dass sich ab dem nächsten Jahr auch etwas an der Einnahmensituation verändert wird, sodass ich hoffe auf eine Sparquote von ~60% zu kommen.

 

 

Servus,

ich finde das eine gute Sparrate!

Darf ich fragen, über welche Versicherung deine BU läuft und wie hoch deine zugesicherte Rente ist? Ich finde den Beitrag erstaunlich niedrig.

 

@urstebutze  Klar. Ich habe die Versicherung früh und ohne Vorerkrankungen abgeschlossen. Auch profitiere ich von einem relativ geringen Risiko für meinen Beruf. Dies Summe beläuft sich glaube ich auf 1400€ monatlich, wobei das würde mir auch reichen. Volkswohlbund.

 

 

Hey,

habe auch Psychologie studiert und mich würde interessieren, wieviel du als selbstständiger Therapeut in der Zukunft planst zu verdienen? Im Internet schwanken die Angaben dazu sehr stark.

@firmscientist

 

Tschuldige meine späte Antwort. Mein Postfach war anscheinend mit mir im Urlaub… Also, die Sätze sind ja festgelegt, für eine Einzelstunde kann ich nach GOP ungefähr 102€ in Rechnung stellen für 50min. Ich möchte später gerne auch Einzelcoaching anbieten. Die Sätze kann man dann natürlich frei bestimmen.

Perspektivisch möchte ich gerne 5-10 Stunden Einzelpsychotherapie für Privatpatienten pro Woche anbieten. Der Vorteil an unserem Beruf liegt natürlich in den sehr geringen Investitionskosten für eine ambulante Tätigkeit. Ich würde mich anfänglich gerne in bestehende Praxisräume + Infrastruktur (z.B. Kartelese-Gerät) einmieten und dann kann ich immer noch nach einem halben Jahr den Stecker ziehen, wenn nicht genügend rein kommt.

Einnahmen bei 5 Patienten durchschnittlich pro Woche: 2040. Kosten (Schätzung): 400€. Ich denke, es steht und fällt mit günstigen Praxisräumen. Wenn du noch andere konkrete Frage hast, melde dich gerne! Ansonsten ist auch die Mitgliederberatung vom DPTV gut. Hast du die Ausbildung zum Therapeuten schon absolviert? Planst du auch eine therapeutische Tätigkeit?

Zitat von okecomputer am 24. Mai 2020, 9:27 Uhr

Einnahmen bei 5 Patienten durchschnittlich pro Woche: 2040. Kosten (Schätzung): 400€. Ich denke, es steht und fällt mit günstigen Praxisräumen.

Mit dem Umsatz kannst Du selbständig nicht überleben. Die 2040€ sind brutto, davon musst Praxismiete, Telefon und weitere Verwaltungs- und Fixkosten abziehen, von der Restsumme anteilig AV, ESt und KV abziehen, da kommst Du unter 1000€ netto raus, kannst also Deine laufenden Kosten von 1370€ nicht mehr decken, es sei denn, Du willst in der Praxis auch wohnen. Wenn das knapp aufgehen soll, brauchst Du 7-8 Therapie-Stunden pro Woche, wenn Du Dein bisheriges Netto-Einkommen von ~2400€ erreichen willst, eher 15h/Woche.

@mfz73 Vielleicht war es oben im Text etwas undeutlich. Ich plane meine derzeitige Anstellung nicht aufzugeben. D.h. alles was ich durch die ambulante Tätigkeit verdiene, kommt zu dem oben beschriebenen Verdienst dazu. Sollte ich irgendwann den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, dann würde ich in jedem Fall min 15St pro Woche machen. Sonst sind die fixen Kosten tatsächlich viel zu hoch...

Ok, aber dann hast Du höhere ESt-Belastung und die Fixkosten werden immer noch relativ hoch sein.

Ich denke, dass es schon möglich sein wird günstig einen Raum in einer bestehenden Praxis für einen Tag zu mieten (Vll 250€ pro Monat). An sonstigen Materialien benötige ich eigentlich nichts für die Tätigkeit. Zu den zusätzlichen Kosten habe ich eine Frage: Die Krankenversicherung läuft dann über meine Hauptbeschäftigung (Verdienst liegt höher), sodass für den Nebenverdienst keine Beiträge anfallen, oder? Bei der AV wären dann natürlich anteilig Beiträge zu entrichten.Wie hoch liegen diese?
Die eingezahlten AV Beiträge würde ich strikt genommen, jedoch nicht als Kosten ansehen, weil sie ja auch meiner Altersvorsorge zu Gute kämen.

Von welcher Altersversorge sprichst du denn? Ich gehe mal davon aus, dass deine selbstständige Tätigkeit als nebenberuflich und nicht als hauptberuflich gewertet wird (siehe https://www.akademie.de/wissen/nebenberuflich-selbststaendig/sozialversicherung ) und du als Psychotherapeut nicht zu den rentenversicherungspflichtigen Selbstständigen gehörst? Dann musst du für die selbstständige Tätigkeit nicht zusätzlich in die GRV zahlen, kannst es aber. In dem Fall gilt nach meinem Verständnis der Standardsatz von 18,6% von deinem Gewinn, den du dem Finanzamt nachweisen müsstest (Infos z.B. unter https://www.fuer-gruender.de/wissen/existenzgruendung-planen/branchentipps/freiberufler/rentenversicherung/ ). Vielleicht mal bei der DRV beraten lassen. Ob das bei dir Sinn macht, können dir sicher auch die Selbstständigen hier sagen.

Zitat von okecomputer am 24. Mai 2020, 18:48 Uhr

Ich denke, dass es schon möglich sein wird günstig einen Raum in einer bestehenden Praxis für einen Tag zu mieten (Vll 250€ pro Monat). An sonstigen Materialien benötige ich eigentlich nichts für die Tätigkeit.

Das ist mit Sicherheit die beste Lösung, wenn das datenschutzrechtlich möglich ist. Dann solltest Du auch mit den Kosten hinkommen, aber viel darunter wird es auch nicht gehen.

Zitat von TheWanderer am 24. Mai 2020, 22:08 Uhr

https://www.fuer-gruender.de/wissen/existenzgruendung-planen/branchentipps/freiberufler/rentenversicherung/ ). Vielleicht mal bei der DRV beraten lassen. Ob das bei dir Sinn macht, können dir sicher auch die Selbstständigen hier sagen.

Bei der Konstellation "angestellt und nebenberuflich selbständig" hat man in einem gewissen Rahmen gute Gestaltungsmöglichkeiten, speziell so lange der Nebenerwerb nicht mehr Einkommen generiert als das Angestelltenverhältnis. Für die (freiwilligen) Beiträge in die gRV bzw. die steuerlich Absetzbarkeit gibt es Obergrenzen, das liegt aber bei ca. 20T€ im Jahr. Grob läge man bei 4500€ mtl. Brutto-Einkommen und 18% bei ca. 10T€ im Jahr, also noch weit weg von der maximal absetzbaren Summe. Wenn einem die gesetzl. Absicherung aus dem Angestelltenverhältnis ausreicht, kann man den Nebenerwerb voll versteuern und den Rest individuell verplanen. Kann aber sein, dass man eine gewisse Summe in die Zusatz-PKV und/oder gRV investiert und netto gar keinen Verlust hat, was aber auch vom individuellen Steuersatz abhängt. Wenn der durchschnittliche Steuersatz über den 18% für die gRV liegt, ist es vermutlich sinnvoll, ein paar Euro in die GRV/zPKV freiwillig zu investieren.