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Hilfe beim Gedanken sortieren

Hallo Zusammen,

ich würde mich sehr über ein paar Gedankenstützen Eurerseits freuen, weil ich im Moment bisschen Kopfsalat habe. Ich skizziere mal kurz meinen Finanzstatus:

Monatl. Nettoeinkommen: 2500 €
Durchschnittl. Ersparnis/Jahr: 20.000 €

Vermögensaufteilung:
- Selbstbewohnte ETW (abbezahlt)
- Girokonto: ca. 40.000 €
- Tages-/Festgeldkonten: ca. 300.000 €
- ETFs: ca. 135.000 €

Innerhalb der nächsten 10 Jahre wird sich mein Vermögen (bedauerlicherweise!) durch eine Erbschaft wohl um ca. 200.000 € vermehren (und natürlich um die eigenen Ersparnisse).

Ich bin Anfang 50 und möchte innerhalb der nächsten 5 Jahre meinen verhassten Job aufgeben. Ich würde mit monatlich 1400 € zurechtkommen. Allerdings habe ich großen Respekt vor dem Schritt, den Job aufzugeben und kann nicht richtig einschätzen, ob das mit meinem angesparten Vermögen überhaupt drin ist. Meine zu erwartende Rente wird mich vielleicht gerade mal so über Wasser halten können aber wahrscheinlicher ist, dass ich damit nicht ganz über die Runden komme. D. h. mein Erspartes müsste noch mit bis ins Rentenalter reichen.

Ich bin aktuell am Überlegen, 100.000 € vom Tagesgeldkonto in World/Emerging ETFs (70% / 30%) umzuschichten. Ist das mit Anfang 50 noch angeraten? Dann läge ich bei einer Aktienquote (ETFs) von 50% vom Gesamtvermögen. Dann weiß ich nicht, ob ich gleich einen ausschüttenden World ETF wählen soll (habe diesen im Auge: IE00BK1PV551). In dem Fall würde ich ja ab dem "Tag der Freiheit" von den Ausschüttungen des ETFs leben und diese mit entsprechenden Entnahmen aus den Tagesgeld-/Festgeldkonten ergänzen.

Kommt mir alles irgendwie wie "Kraut und Rüben" vor - könnt ihr meine Überlegungen in sinnvolle Bahnen lenken? Bin ich okay aufgestellt, um den Job mit Mitte 50 an den Nagel zu hängen?

Danke schon mal 🙂

Bevor ich mich von meinem verhassten Job in eine Nichtbeschäftigung verabschieden würde, die nicht selbsterklärend ist, also für sich selbst, würde ich die Energie lieber dafür verwenden wie ich aus dem verhassten Job einen erträglichen hinbekomme. Dann klären sich die anderen Punkte leichter wenn man gedanklich freier ist.

Konkret zu Ihrer Frage: Mir wäre das zu dünne, zumal wichtige Infos fehlen wie hoch die konkrete Deckubgslücke eingeschätzt wird bei Renteneintritt, Zustand des Hauses, welche laufenden Kosten, usw. Auch darf man, bzw. sollte man derlei offensiven Gedanken nicht dann machen wenn die Börsen auf ATH stehen, sondern gedanklich gleich mal 40% abziehen, dann nochmal durchdenken, und wenn man dann psychologisch  stabil performt ist das ein gutes Zeichen.

 

Hallo Redfield,

hast du schon mal darüber nach gedacht deinen Job in Teilzeit weiter auszuüben? Ab einer gewissen Firmengröße hat man da ja nach dem TzBfG anspruch.

Vielleicht wäre das eine Möglichkeit schnell viel Freizeit und Lebensqualität zu erhöhen, aber trotzdem im guten Maße finanziell abgesichert zu sein?

Prinzipiell finde ich dich, mit ~500k (bzw. 700k) Vermögen plus abbezahlte Wohnung, sehr gut aufgestellt. Hinzu kommt ja auch noch dein Rentenanspruch der in 17 Jahren fast all deine Kosten decken wird. Du kannst somit ja sogar fast deine 500k in 17 Jahren verbrauchen, was 2450€/Monat wäre

Hallo Redfield,

ich schließe mich den Meinungen an. Erstmal zum Job. Woher kommt die Abneigung, sind das die Arbeitsumstände (Tätigkeit an sich, Aufgaben) oder die Umstände (Kollegen/Chefs). Und was nagt hier an Dir?

Evt. hilft es, sich auf andere Dinge im Leben mehr zu konzentrieren (Hobbies, "Projekte") oder es handelt sich um Leidensdruck, der auf Dich von außen ausgeübt wird (Bossing/Mobbing), was Dich mental mehr fordert.

Ist Dein Horizont bis zum "Exit" klar definiert mit 5 Jahren?

Kannst Du ggf. in eine andere Abteilung wechseln, wie ist das bei deinem AG geregelt und welche Größe hat dieser?

2) Transformierung des Cashbestands

Ich kenne das Problem von jahrelangem "Anhäufen" von Tages- und Festgeld, später wird einem bewusst, dass man mit Aktien oder Immobilien in der Zeit deutlich besser gestanden hätte. Daher wäre der Plan gut, schon einmal die avisierten 100k von Cash in ETFs zu übertragen. möglichst per Sparplan. So mache ich es auch aktuell.

Hier wäre die Überlegung: Übertragen von Cash mit Null-Rendite in einen MSCI World ETF mit einer moderaten Rendite aber relativ reduziertem Risiko im Vergleich zu einer "sportlicheren" Anlage in Aktien. Ich habe mich bei der Umwandlung von Cash in Aktien auch für einen MSCI World ETF Sparplan entschlossen, weil ich der Meinung bin, meine Rendite ist besser als Tagesgeld und die Volatilität wird sich über die Jahre ausgleichen. Kursrücksetzer nutze ich durch den Sparplan aus. Das dauert länger, kostet auch daher vielleicht Rendite, aber ich nutze auch die Schwankungen besser.

Von den Dividenden aus dem MSCI World ETF zu leben, sehe ich etwas kritisch, die normale Dividendenrendite wird hier deutlich unter 5% sein, daher wäre hier bei Kursrücksetzern m.M. nach angebracht, sich eine Liste mit guten, stabilen Dividendenwerten zu suchen und dort zu investieren, sobald Kurs und somit Dividendenrendite Dein Zielniveau erreicht haben. Das Ganze kann man mit Put-Selling (Stillhalter-Strategie) noch besser spielen, aber das wäre dann komplizierter.

Soviel dazu erstmal,

Grüße, Gatto

Hi

verhasster Job ist in Sachen Lebensqualität natürlich doof. Vielleicht hilft es rein mental was dran zu ändern.
Zähle ich das Derzeitige Vermögen zusammen und bis 55 - 5*20.000€ Sparrate hinzu plus das Erbe (verstehe noch ganz wieso der Hinweis: Die nächsten 10 Jahre?) kommen 800k zusammen.
Dabei unterstelle ich eine konservative Wertsteigerung bis 55 die lediglich die Inflation ausgleicht.
Die Entnahme ab 55 läuft dann auch keine 60 sondern eher 40 Jahre. Mit einer Aktien/Cash Aufteilung ist eine 3,5% Entnahme selbst bei hoch bewerteten Märkten als konservativ zu betrachten.

800k*3,5% entspräche einer Bruttoentnahme von   28k p.a..

Wissenschaftlich fundiert hilft bestimmt der Artikel von Georg gestern erschienen:

https://www.finanzen-erklaert.de/wann-besteht-in-der-entnahmephase-handlungsbedarf/

Selbst unter Berücksichtigung der KV und freiw. Rentenbeiträgen wären es mehr als 1.400€.

Die gesetzliche Rente kommt ja noch in Top. Bei der ETW erwarte ich keine hohen Kosten durch die Instandhaltungsrücklagen.

Zumindest wenn du einen gewissen Vermögensverzehr tolerierst sehe ich das nicht als zu dünn.

Über allem steht natürlich die dringende Notwendigkeit schnellstmöglich die Aktien Quote zu erhöhen.

Wow - vielen Dank für eure Kommentare 😀 ! Ich will mal der Vollständigkeit halber die aufgekommenen Fragen beantworten:

  • Also die Deckungslücke bei Renteneintritt würde ich auf ungefähr 300 € schätzen. Naja wobei die Inflation ja auch noch eine Rolle spielt - so gesehen ist sie wahrscheinlich doch noch höher 😕 .
  • An Instandhaltungsrücklagen für die Wohnung hatte ich an 50.000 € gedacht (hatte ich im Eingangspost vergessen). Wobei meine Wohnung gut in Schuss ist und ich soviel wahrscheinlich nie brauchen werde. Allerdings ist die Wohnung nicht ideal fürs Alter, z. B. gibt es keinen Fahrstuhl, somit muss ich mich vielleicht eines Tages mit einem Wohnungswechsel beschäftigen und eine gleichwertige Wohnung finden, deren Kauf nicht am Ersparten knabbert. Davor graut es mir jetzt schon 😐
  • Tatsächlich befinde ich mich bereits in Teilzeit. Aber die Tätigkeit und auch alles andere machen mich unglücklich, schon seit ewigen Jahren. Ich würde lieber ein paar Ehrenämter ausüben, die ich mir selber aussuchen kann und die nach meinem Dafürhalten Sinn machen.
  • Ein Exit in 5 Jahren ist nicht in Stein gemeißelt, sondern nur ein "inneres Gefühl", resultierend aus der Angst vor dem Exit bei gleichzeitiger Abscheu vor jedem Montagmorgen. Das natürlich in Kombi mit meinem aktuellen Finanzstatus.

Was ich mir übrigens nach einem Jobexit auch vorstellen könnte, wäre irgendeinen Minijob zu machen, der vielleicht die KV-Kosten deckt. Aber das ist so vage, dass ich damit erst mal nicht rechnen möchte.

Euren Antworten entnehme ich jedenfalls, dass es keine schlechte Idee wäre, jetzt noch 100K in ETFs zu packen. Dass gerade alles am ATH ist, finde ich auch nicht so prickelnd aber bis zu irgendeinem Crash warten ist ja auch blöd. Da scheint mir ein entsprechender Sparplan tatsächlich die richtige Vorgehensweise.

Zitat von Gatto am 9. Januar 2022, 13:48 Uhr

daher wäre hier bei Kursrücksetzern m.M. nach angebracht, sich eine Liste mit guten, stabilen Dividendenwerten zu suchen und dort zu investieren, sobald Kurs und somit Dividendenrendite Dein Zielniveau erreicht haben.

Das habe ich noch nicht ganz verstanden, meinst du mit "stabilen Dividendenwerten" Einzelaktien?

 

Zitat von Muslime_Frugi am 9. Januar 2022, 14:45 Uhr

Wissenschaftlich fundiert hilft bestimmt der Artikel von Georg gestern erschienen:

https://www.finanzen-erklaert.de/wann-besteht-in-der-entnahmephase-handlungsbedarf/

Danke für den Link, das muss ich mal in Ruhe lesen und versuchen zu verstehen (Letzteres fällt mir nicht so leicht).

 

Zitat von Muslime_Frugi am 9. Januar 2022, 14:45 Uhr

Zumindest wenn du einen gewissen Vermögensverzehr tolerierst sehe ich das nicht als zu dünn.

Das Vermögen kann mangels Nachkommen alles weg. Hm oder wie meinst du das mit dem Tolerieren eines Vermögensverzehrs?

 

Mit stabilen Dividendentiteln meine ich bspw. internationale große Konzerne, einfach mal im Netz googeln "Dividendenaristokraten" usw. Damit zu beschäftigen wäre eine gute Ablenkung vom Job und Du hast dann ein gutes Projekt, in dem Du für Dich selbst arbeitest und das motiviert.

Wenn ein Wert zB. bei 40 € steht und die Dividendenrendite 3% ist, dann einfach die Order so legen (gerne in Tranchen), so dass die eine Ausführung zu einem tieferen Kurs eine gute Dividendenrendite von bspw. 5% einlockt. Bei guten Werten steigen die Dividenden absolut über die Zeit, so dass dieser positive Effekt noch dazu kommt.

Das mit Deinem Job liest sich wie beim mir: Man läuft halt im Trott, es ist nicht mehr toll bzw. schon belastend und verursacht alle möglichen negativen Gefühle. Da müssen wir aber beide versuchen rauszukommen, dafür ist die Lebenszeit zu schade. Bei mir ist die Arbeit an sich gut, auch die Kollegen sind ok, aber die Vorgesetzten sind aufgrund von Umstrukturierungen und Stellenabbau in den nächsten beiden Jahren nicht meine Freunde (Bossing), alles ist im Fluss, überall Unsicherheit und jeder macht sich Gedanken. Kurzum, die Freude ist gewichen und nur die langjährigen MA mit Leidensfähigkeit bleiben (vor Weihnachten hat wieder ein Kollege gekündigt).

Wissenschaftlich fundiert hilft bestimmt der Artikel von Georg gestern erschienen:

@muslime_frugi

Ein toller Artikel - vielen Dank fürs posten!

Tatsächlich kannte ich den Blog von Georg noch nicht 😳

viel spannende Lektüre die mich eine Zeit beschäftigen wird 😉

 

Vg

Frugi

 

 

Hi @redfield,

ich finde du bist top aufgestellt. Du hast ein ordentliches Vermögenspolster vermutlich keine 4 Kinder und noch eine Frau mit zu versorgen oder? Dann ist deine Ausgangslage schon deutlich besser als meine. Solange ich nicht gekündigt hatte war in meinem Kopf auch dieser Kopfsalat mir war gar nicht mehr so bewusst was mir eigentlich Spaß macht und wofür ich auf diese Erde gekommen bin. Erst nach der Kündigung wurde es in meinem Kopf immer klarer und ich konnte für mich deutlich erkennen was mir gut tut und was nicht. Wo ich mich einbringen kann und was ich besser sein lasse. Meine Erfahrung ist erst durch das loslassen am vermeintlichen Rettungsanker (Job) habe ich die weite des Ozeans mit seinen vielen schönen Inseln kennen lernen können.

Wie dein Weg beim Ausstieg aus dem Hamsterrad oder loslassen vom Rettungsanker aussieht kann dir niemand sagen es ist vermutlich sehr individuell. Ich wünsche dir aber den notwendigen Mut deinen Weg zu gehen in deinem Herzen ist der Weg sicherlich schon gezeichnet.