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Hallo zusammen + Rückmeldung erwünscht

Hallo zusammen,

schon seit einiger Zeit bin ich stiller Mitleser dieses Blogs und stimme in vielen Punkten mit Olivers und mit den im Forum zu findenden Meinungen überein. Da ich in meiner Familie und in meinem Freundeskreis wenig Austauschmöglichkeiten finanzieller Natur habe, würde ich mich hier über etwas Rückmeldung freuen. Meine Fragen habe ich fett hervorgehoben, bin mir aber durchaus bewusst, dass ich eventuell ein paar Dinge übersehen haben könnte. Having said that; ich freue mich über Feedback jeglicher Art!

Meine Situation:
Momentan studiere ich Grundschullehramt in einer kleinen Stadt. Von meinen Eltern bekomme ich eine kleine finanzielle monatliche Unterstützung, arbeite in verschiedenen Studentenjobs (leider durch Corona momentan eingeschränkt) und erhalte sogar noch ein kleines Stipendium. Aufgrund meiner relativ geringen Lebenshaltungskosten, die stark durch meine vergleichsweise günstige Miete gedrückt werden, kann ich monatlich sogar noch einen kleinen Betrag in ETFs (World und EM) anlegen. Dies tue ich, ohne ich mich finanziell einzuschränken, habe Spaß an meinen Beschäftigungen und begreife das Leben sowieso als nie endenden Lernprozess. Ich bin mir durchaus bewusst, dass ich in meiner jetzigen Situation wirklich sehr privilegiert bin und bin daher auch sehr dankbar! Dem aus meiner Sicht überbordenden sinnlosen Konsum einiger meiner Kommiliton*innen kann ich vergleichsweise wenig abgewinnen. Da der Rest meines Freundeskreises wirtschaftlichem Wachstum (in seiner jetzigen Form) stark abschwört oder der zuvor genannten Kategorie zuzuordnen ist, habe ich niemanden, bei dem*der ich mit meinen frugalistischen Lebensplänen auf Verständnis stoße. Der Großteil meiner Kommiliton*innen tickt sowieso ziemlich anders als ich und hat andere Lebenspläne (oder so scheint es mir, hat sich teilweise wenig Gedanken über ihre Zukunft gemacht).
In gut einem Jahr werde ich meine Masterarbeit schreiben und dann 2022 ins Referendariat gehen. Neben meinem Studium engagiere ich mich sozial und qualifiziere mich im Bereich Deutsch als Fremdsprache. Ich würde mich als wissbegierig beschreiben und interessiere mich für wirklich sehr viele verschiedene Themen. Nach meinen jetzigen Erfahrungen (Nachhilfe, internationaler Jugendfreiwilligendienst und Praktika im Studium) macht mir Unterrichten Spaß und bisher habe ich auch immer relativ gutes Feedback bekommen. Nach meinem Freiwilligendienst habe ich von der Einrichtung sogar ein Vollzeitstellenangebot bekommen, habe dies aber abgelehnt, weil ich nach dem einen Jahr keine allzu großen Entwicklungsschritte mehr gemacht habe und wieder Lust aufs Studieren bekommen habe. Wenn ich nach meinem Referendariat ein paar Jahre mehr Unterrichtspraxiserfahrungen gesammelt habe, könnte ich mir vorstellen, dass ich dann wieder nach neuen Möglichkeiten suche, wie ich mich weiterentwickeln kann. Falls ich selbst keine Familie haben sollte, wäre das Naheliegendste wieder für ein paar Jahre ins Ausland zu gehen. Während meiner zwei Erasmussemester habe ich ohne sprachliche Vorkenntnisse in Frankreich studiert (Kurse waren auf Englisch, allerdings war mein Ziel Französisch zu lernen, was ich auch ganz gut geklappt hat) und auch während meines Freiwilligendienstes im englisch-sprachigen Ausland habe ich enge bis heute anhaltende Freundschaften geknüpft, sehr viel gelernt und mich persönlich weiterentwickelt.
Mein jetziger Plan wäre dementsprechend Verbeamtung, Erfahrung sammeln, Beurlaubung, um einer deutschen Auslandsschule zu arbeiten (das ADLK- oder das BPLK-Programm wäre mein Traum), eventuell Rückkehr nach Deutschland oder weiterhin im Ausland arbeiten. In welches Land ich möchte, weiß ich noch nicht. Als dort gesprochene Sprachen könnte ich mir Deutsch, Englisch, Französisch oder Spanisch vorstellen. Und wahrscheinlich möchte ich sogar „nur“ in Europa bleiben, damit meine derzeitige Familie und Freunde nicht zu weit weg sind (innerhalb Europas möchte ich nicht mehr Fliegen). Wenn ich meine jetzigen Ausgaben deutlich steigern sollte, wäre ich laut dem Rechner nach spätestens 20 Arbeitsjahren, also mit Mitte 40 finanziell frei (Rechnung mit Lifestyle-Inflation, Rechnung ohne eigene Familie (da sollte Oliver in den kommenden Jahren ja vielleicht ein paar Tipps parat haben), Beamtengehalt, ohne die möglichen Zuschläge im Ausland und eher konservativen 2,5 Prozent Rendite p.a. (und ja, ich habe die Kommers gelesen und kenne das Renditedreieck, allerdings möchte ich eventuell selbst bauen und daher nicht alles in ETFs stecken)). Auch wenn ich finanziell frei bin, möchte ich bestimmt noch einer Tätigkeit nachgehen (aus jetziger Perspektive: „irgendwas mit Unterrichten“, Kinderbetreuung, Sozialarbeit oder nebenbei weiterhin Sport treiben, mich weiterbilden und ein eigenes kleines Häuschen mit einem Nutzgarten bauen). Das wäre dann auch so ungefähr der Zeitpunkt nach meiner Beurlaubung und Zeit an einer der deutschen Auslandschule. Jetzt endlich zu meinen Fragen:

  1. Aus dem Beamtenverhältnis (erstmal attraktiv wegen etwas mehr Geld und Beihilfe) kann man doch relativ unkompliziert austreten, oder? Der Wechsel von der PKV in die GVK ist davon doch entkoppelt, oder?
    Hintergrundinfo: Innerhalb meiner Familie habe ich mehrere Personen gesehen, die sich die letzten Jahre im Beamtenverhältnis sehr gequält haben, weil sie keinesfalls Abstriche machen wollten. In diese Situation möchte ich nicht kommen!
  2. Wie wäre das mit schon erworbenen Pensionsansprüchen? Werden diese in irgendeiner Form in Rente umgewandelt? Falls es dann überhaupt noch ein vergleichbares Rentensystem geben sollte… (Die Frage ist dementsprechend: wie ist es jetzt?) Mit der finanziellen Freiheit wäre ich zwar wahrscheinlich nicht drauf angewiesen, würde sie sonst aber vielleicht in ein Naturschutzprojekt oder in bisher noch unbekannte Ideen stecken (oder Garten und Häuschen).
  3. Was wäre versicherungstechnisch am schlausten? Ich habe Olivers letzten Post mit großem Interesse gelesen und möchte dann wohl lieber während der finanziellen Freiheit in der GKV sein. Momentan bin ich noch über meinen Vater mitversichert (Beamter). Erstmal weiter in der PKV bleiben und dann den Absprung in die GKV schaffen? Damit ich über die Hälfte meines Erwerbslebens in der GVK bin) Gibt es Gründe das schon vor oder nach dem Referendariat einzufädeln? – Oder sollte ich das später machen, sobald sich Familienpläne und durch meine geänderten Ansichten meine Lebenspläne geändert oder konkretisiert haben? Vielleicht lässt sich das dann sogar direkt mit dem Auslandsaufenthalt verknüpfen, auch wenn ich dann noch Beamter wäre – Vielleicht habe ich aber auch noch etwas grundlegendes übersehen….
  4. Was für wichtige Faktoren habe ich vergessen oder welche Anmerkungen habt ihr sonst noch für mich?

 

Danke fürs Durchlesen! Ich freue mich über eure Antworten und Anmerkungen!

 

Hallo,

ich glaube, du musst dich mit deiner Zukunftsplanung noch ein bisschen beschäftigen. Mal abgesehen davon, dass ein guter Plan eine gute Sache ist, sollte der dann auch Hand und Fuß haben. Bei dir sind noch viele Dinge offen, ungenau...aber Hauptsache mit 40 aufhören zu arbeiten. Wovon eigentlich?

Als Beamter kannst du nach meinem Wissensstand nicht einfach aufhören. Das ist ja das besondere, sondern du musst deinen Dienstherren fragen. Und wenn du Pech hast, geht das eben nicht und du musst bis (bei dir dann wahrscheinlich 70) arbeiten.

Deine Pension kannst du meines Wissens nach auch nicht einfach umwandeln.

"Mit der finanziellen Freiheit wäre ich zwar wahrscheinlich nicht drauf angewiesen". Wovon träumst du eigentlich. Von welchem Geld willst du eigentlich leben, wenn du 70 bist?

Ich glaube du musst dich mit deinem Thema wirklich nochmal ausgiebig beschäftigen. Du solltest dir auch wirklich überlegen, ob du Beamter werden willst. Und auch was das Thema Finanzplanung angeht, Zeit und Überlegungen reinstecken.

Arbeite erstmal 5 Jahre als Lehrer und weitere 5 Jahre im Ausland, dann siehst Du ja, wo die Reise hingeht. Kannst ja in der Zeit sparsam leben und Geld zurücklegen, aber Alltag als Lehrer ist halt was anderes als Referendariat.

Verbeamtung hat Vor- und Nachteile, sollte man sich vorher genau überlegen. Ich habe selbst die Ausbildung zum höheren Verwaltungsdienst absolviert, aber für kein Geld in der Welt hätte ich eine Verbeamtung über die Probe/Referendariat hinaus unterschrieben. Kann sein, dass Dir das für Auslandsaufenthalte Vorteile bringt, aber das würde ich definitiv vorher genau recherchieren. Aufhören kann man nämlich nicht mal aben so, selbst ich kann meine öffentliche Bestellung nicht von heute auf morgen an den Nagel hängen.

Solltest Du aussteigen, bleiben Deine Rentenansprüche aber im jeweiligen Versorgungswerk geparkt, zumindest nach jetziger Rechtslage. Faktisch gibt's Deine Rente ja auch gar nicht, weil das kein kapitalgedecktes System ist, sondern aus Steuermitteln/Umlagen gezahlt wird. Da besteht also kurz gesagt kein Kapital, sondern nur ein Anspruch auf Kapital, der irgendwann mal fällig wird. Muss trotzdem nicht schlecht sein, Beihilfe kann sich auch rechnen.

Wikipedia zum Thema Altersgeld

Wenn du im richtigen Bundesland arbeitest kann diese Regelung für dich gelten. Aber ich sehe diese Planung auch skeptisch, eher als grobe Skizze. Der Beamtenstatus ist in vielen Aspekten erstrebenswert, aber nicht besonders für eine flexible Lebensplanung geeignet.

 

Wenn du eigentlich nicht als Grundschullehrer arbeiten willst, also nur wegen finanziellen Vorteilen Beamter werden willst: Bitte tue das dir und den Kindern die du unterrichten wirst nicht an. Lehrer, auch an der Grundschule ist ein harter, wichtiger und verantwortungsvoller Job. Und du erwirbst dir Kompetenzen und auch Persönlichkeitsmerkmale die nicht unbedingt in anderen Bereichen hilfreich sind.

Der Partner meiner Trauzeugin und ich mussten echt an unserer Kommunikation arbeiten, weil er es sich völlig abgewöhnt hat, nachzufragen. Du bist in der Klasse allein, du musst die Situation souverän lösen. Nachfragen und Unsicherheit helfen dabei nicht Ruhe in die Klasse zu bringen. Aber das wird es einem Lehrer eher schwer machen andere Arbeitsstellen zu finden.   Vor allem weil deine didaktische Grundausbildung 20 Jahre zurück liegt.

Ich halte es für gerechtfertigt das Leben auf einen zukommen zu lassen, ich habe eine grobe Idee für die Zukunft, konkretere Pläne für die nächsten 5 Jahre und versuche meine Entscheidungen im Jetzt aufgrund von klaren Fakten zu treffen. Einen Laufbahnwechsel in 20 Jahren zu planen und dazu jetzt konkrete rechtliche Fragen zu stellen halte ich für vergeudete Mühe.

Die Rechtliche Lage wird sich ändern. Dein Leben und deine Ziele werden sich (vermutlich) ändern.

Jetzt neben dem wohlwollenden Teil etwas Abkotzen:

Schon wieder ein Optimierer der in jungen Jahren günstig Privat und im Alter Gesetzlich versichert sein will. Ja, rechtlich zulässig, sicherlich auch machbar. Aber von mir wird es sicher kein Lob dafür geben.

Hi Peter,

wer weiß schon wie dein Leben in 20 Jahren sein wird.  Schau dir deine nächsten Schritte an. Die mögliche Verbeamtung ist ja noch Jahre entfernt.

Beamter werden und bleiben und deine Arbeitszeit nach Erreichen der finanziellen Freiheit soweit möglich reduzieren oder eben Angestellter bleiben. Als freiwillig angestellter Lehrer wärst du wohl die absolute Minderheit. Normalerweise macht das keiner freiwillig.  Meist sind es die Lehrer die zu alt sind für eine Verbeamtung, aus gesundheitlichen Gründen nicht genommen werden oder eben wenig gefragte Randfächer haben. Macht eigentlich nur Sinn wenn du neben deinem Beruf richtig Gas gibst um wirklich finanziell frei zu werden, doch warum dann Lehramt?

 

Hallo,

vielen Dank für eure Anregungen! 😊

@privatier: Welche Ressourcen haben dir in der Rückschau bei deiner Zukunftsplanung geholfen und wie gehst du dabei vor?
Mein Ziel ist es nicht, mit 40 mit dem Arbeiten aufzuhören. Vielleicht habe ich das ungünstig formuliert. Wahrscheinlich werde ich solange wie möglich einer Beschäftigung nachgehen. Meinen gesellschaftlichen Betrag zu leisten, ist mir dabei persönlich wichtig. Ob oder wie hoch diese Arbeit dann allerdings zwingend (monetär) vergütet werden muss, weiß ich noch nicht. In Florian Wagners Buch „Rente mit 40“ und einem Buch über das Grundeinkommen haben viele Personen, die finanziell nicht darauf angewiesen waren, immer noch weitergearbeitet oder nochmal einen anderen Weg eingeschlagen.
Vor einiger Zeit habe ich eher darüber nachgedacht, was mich glücklich macht, wobei ich das Zeitgefühl verliere und was ich gut kann. Regelmäßig reflektiere ich, wie ich mich in bestimmten Situationen fühle/ gefühlt habe. Daraus leite ich ab, wie ich leben möchte bzw. bereits lebe:
Ich koche, backe und esse gerne (gesund). Ich mag die Natur. Ich bewege mich gerne. Ich verbringe gerne Zeit mit guten Freunden und Familie und bin aber auch gerne alleine. Ich mag es zu lernen. Ich erkläre gerne und geduldig.
Erst aus der Frage „Wie möchte ich leben?“ versuche ich meine Pläne zu entwickeln (John Streleckys Konzept des Museumstag schlägt in eine gleiche Kerbe; siehe Foto).
Wie man aus meinen Interessen ableiten kann, ist ein perfekter Tag ist in den meisten Fällen nicht sehr (geld-/) kostenintensiv. Meine Lebenshaltungskosten liegen weit unter dem deutschen Durchschnitt (auch weil ich aktiv in der städtischen Teilszene aktiv bin; diese zeitlichen „Kosten“ leiste ich mir; auch meines kulturellen Kapitals bin ich mir bewusst). Später werde meine begrenzte Ressource Zeit mehr zum Arbeiten verwenden können und dadurch vermutlich weniger Zeit für diesen Aspekt haben. Dass sich meine Lebensweise komplett zu einem stark konsumorientierten Lebensstil ändert, sehe ich eher nicht. Die absolute Summe, bei der man finanziell frei ist, ist zudem stark individuell. Die groben Größen der Rechnung habe ich in meinem ersten Post indirekt erwähnt.

@MFZ73: Danke für die Hinweise 😊

@cricetus und @lex: Wenn ich auf Geld aus wäre, würde ich ein komplett anderes Leben leben und einen anderen Karriereweg wählen. (Diesen Artikel habe ich vor ein paar Jahren dazu entdeckt: https://80000hours.org/career-guide/job-satisfaction/ - allgemein eine sehr interessante Seite, finde ich)

Falls meine Verweise auch nur halbwegs interessant waren, möchte ich noch ein Lieblingsvideos teilen: https://www.youtube.com/watch?v=MBRqu0YOH14

Über Literatur- oder Quellenempfehlungen, die ihr euren jüngeren Ichs empfohlen hättet, würde ich mich freuen.

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Zitat von Peter.das.Orignial am 23. Mai 2020, 0:16 Uhr

Hallo,

vielen Dank für eure Anregungen! 😊

@privatier: Welche Ressourcen haben dir in der Rückschau bei deiner Zukunftsplanung geholfen und wie gehst du dabei vor?

Gute Frage...

Ich wusste einfach schon immer recht früh, was ich machen will (mit 14 wusste ich, dass ich Informatik studieren werde und das habe ich dann auch gemacht)

Dann setze ich mir recht langfristige Ziele und auf die wird dann hingearbeitet (mit Mitte 20 das Ziel mit Mitte Ende 40 aufhören zu arbeiten)

Ziele werden aber grundsätzlich hartnäckig und ohne Abweichung abgearbeitet (ich habe immer die Börsen im Blick, glotze jetzt nicht jede Minute auf mein Handy aber habe jeden Tag im Blick, was passiert. Wenn ich in den Urlaub fahre und es ist Quartalsberichterstattung, habe ich eine Liste mit den relevanten Daten dabei und dann lese ich die Quartalszahlen der relevanten Unternehmen auch durch)

Ansonsten offen und flexibel bleiben und die Planung und evtl. die Ziele gegebenenfalls anpassen (heiraten und Vater werden war ursprünglich nicht eingeplant, gut dass ich meinen Plan angepasst habe. Habe dann eben noch 2 Jahre länger gearbeitet)

Viel mir ist es nicht: Ziele klar setzen, Ziele diszipliniert abarbeiten und in jedem Lebensabschnitt flexibel bleiben