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Hallo

Hallo liebe Frugalisten,

auf Frugalismus (bzw. auf diesen Begriff ) bin ich erst kürzlich gestoßen. Die Kommentare und das Forum interessieren mich sehr, da ich den Ausstieg aus dem Berufsleben sehr konkret plane, aber noch Zweifel und Ängste (Stichworte: Sozialversicherung, Preissteigerungen, Studium der Kinder, unvorhersehbare Ereignisse...).

Kurz zu mir:

Ich werde nun im Oktober 49 Jahre, bin seit 28 Jahren in einem recht gut bezahltem kaufmännischen Beruf tätig. Mein Plan ist es in spätestens 2 Jahren aufzuhören und das zu tun, was ich seit meiner Kindheit möchte, erträumte aber immer wieder hinausschob. Freiheit, zu tun und zu lassen, was ich will. Keine Zwänge mehr, keine Existenzängste, keine ständigen Kniefälle vor anderen Menschen...und ganz wichtig: mehr Zeit mit meiner Familie, denn viele von uns verstehen einfach nicht, dass diese begrenzt und kostbar ist. In der kapitalistischen Leistungsgesellschaft wird die Endlichkeit einfach nicht gesehen.

Also warum das alles?

Ich führte nach meiner kaufm. Ausbildung ein klassisches Leben: Freundin dann Heirat mit Ende 20, Haus gekauft, aufs Land gezogen, dort 3 Kinder in die Welt gesetzt. Als ich mit Ende 20 bei meinem Arbeitgeber (neuer Chef) nicht mehr glücklich war, bin ich bei meinem Vater eingestiegen, der damals gerade eine Firma in der selben Branche gegründet hat. Ich versuche es abzukürzen: Meine Frau wurde nach unserem 2. Kind sehr krank und nach sehr hartem Kampf ist sie dann verstorben. Damals stand ich mit 3 Kindern da und habe den Betrieb mit meinem Vater weitergeführt. Ich bin nicht zuhause geblieben und habe weiter Vollzeitjob mit Kinder und Haushalt organisiert. Die Branche wurde aber immer härter, wir verloren Kunden und ich wurde auch immer unglücklicher. Dazu muss man aber auch erwähnen, dass mir mein Beruf nicht wirklich Freude bereitet hat. Ich habe darin immer nur gesehen, gutes Geld zu verdienen um einen Lebensstandard zu halten aber auch rechtzeitig in den "Ruhestand" gehen zu können. Dann war mein Plan nun noch einige Jahre einfach auf die Zähne zu beißen, relativ viel Geld zu erwirtschaften um dann mit Ende 40 eventuell mal wirklich Leben zu können. Nun sind 11 Jahre vergangen, die Firma ist dieses Jahr verkauft worden und ich bin dort, in einem "Großkonzern", als Angestellter tätig. Auch hier bin ich nicht wirklich glücklich, aber auch die letzten 11 Jahre haben seelisch und kraftmäßig Spuren hinterlassen. Ich sehne mich so nach mehr Freizeit und Unabhängigkeit...ein tief sitzender Wunsch, weshalb ich auch wenig Motivation habe hier noch viel zu bewegen. (Ausgebrannt!)

Da ich ein ehrlicher und offener Mensch bin, habe ich das meinem neuen AG vermittelt, dass ich noch 2 Jahre auf diesem Posten mache und danach höchstens noch Teilzeitstelle, insofern ich überhaupt gebraucht werde.

Meine reinen Ersparnisse liegen im knapp 7-stelligen-Bereich und ich habe (weil ich mein Geld hart erschufften musste) nur einen sehr kleinen Teil in Aktien bzw. Fonds angelegt. Der Rest, also bestimmt 90 % liegt einfach so auf einem Konto, bei fast 0%-Zins.

Nach meinen Berechnungen, und der mir auch zustehenden GKV-Anwartschaft mit 67, könnte ich doch sehr lange von den Ersparnissen leben unter dem Aspekt meinen Lebensstandard auch entsprechend anzupassen (kleineres Auto etc.). Ich lebe mietfrei in meinem bereist gezahlten Haus, habe noch ein wenig Fremdmieteinnahmen aus einer Immobilie, die aber in den nächsten Jahren Investitionen verschlingt.

So, warum erzähle ich das alles? Naja, hier wird viel über  Aktien/Fonds gesprochen...Mir sind diese Anlagestrategien zu gefährlich. Ich habe da auch schon einiges als "Versuchsballons" ausprobiert und bin fast immer enttäuscht worden. Mein Motto dazu: "Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach..."

Im Klartext heißt das, dass sich ab meinem 51. LJ mein Einkommen nicht mehr vermehrt sondern nur noch abzehrt. Was haltet ihr davon? Zudem macht mir die PKV sorgen, in die ich vor ca. 15 Jahren eingetreten bin. Habe das wegen der hervorragenden med. Leistungen nie bereut. Meine Kinder sind noch über Beihilfe meiner verstorbenen Frau versichert, so dass der Beitrag jetzt im erträglichen ist. Aber: Wenn kein Einkommen mehr da ist muss ich den vollen Betrag (derzeit EUR 503,- Tendenz steigend) zahlen, da ja der AG-Anteil dann auch wegfällt. Wie machen bzw. sehen das die Frugalisten hier im Forum? Ich meine, wer hat schon ab 40, 50 oder 55  Jahren so eine Summe monatlich zu Verfügung um nur die KV zu zahlen?

Zudem beschäftigt mich das Thema der gesellschaftlichen Anerkennung bzw. auf gut Deutsch gesagt "das "Geschwätz der Leute" im näheren Umfeld. Typisch Deutsch ist ja, von morgens 8 bis abends 8 zu arbeiten... nur dann ist man anerkannt. hat man mit Mitte 50 dann Burnout, ist man ein "Schwächling" bzw. nicht belastbar. Als Privatier gilt man als Faulenzer, der sich auf Ersparnissen, den Sozialsystemen oder den Mitteln seiner Familie (Thema: Erbschaft) ausruht. Dabei haben wir nur dieses eine Leben und jeder Tag mit Freude im Herzen zu tun und zu Leben ist doch das Wichtigste. Wie steht Ihr dazu?

So, nun sorry dass ich so viel geschrieben habe, aber es musste sein, damit man ein wenig die Beweggründe versteht. Ich freue mich auf Antworten aber auch auf weitere Infos/Anregungen aus dieser Seite.

LG

 

 

 

meine Rentenanwartschaften sind ebenfalls mehr als ausreichend - daher plane auch ich ab spätestens 50 mein Vermögen bis zum Rentenantritt zu verbrauchen - wieso auch nicht

wenn du ein so negatives Bild von Aktien und Wertpapieren hast ist es wahrscheinlich auch keine gute Anlageform für dich - die beste Rendite bringt einem schließlich nichts wenn man nicht mehr ruhig schlafen kann. Ich hab fast mein gesamtes Vermögen (abseits der Immobilie) zu einem großen Teil in Einzelaktien und einen Teil noch in ETFs - macht mir aber auch richtig Spaß.

ich bin sicher nicht die erste die dir sagt, dass dir das Geschwätz der Leute egal sein sollte. Meine Erfahrung zeigt mir auch, dass Leute die ätzen immer ätzen - egal was du machst, sie finden was und letztlich ist es nur die eigene Unzufriedenheit. Mit Sonne im Herzen und Freude am Leben mach ich einen riesen Bogen um solche Menschen und verbringe meine Zeit lieber mit denen die mir entgegenlachen 😆

 

Vorweg erstmal: Respekt, dass du es geschafft hast, unter diesen Lebensumständen eine knapp 7-stellige Summe angespart zu haben.

Ob das reicht, kannst nur du beurteilen. Aber ein Durchrechnen sollte dir als Kaufmann ja nun nicht so schwer fallen. Der schwierigste Punkt dürfte sein, nichts zu vergessen. Hier fallen mir bei deiner Schilderung vor allem ein, ob du noch die Kinder finanziell unterstützen musst und wie sieht es denn mit deiner Altervorsorge aus?

Ansonsten klingt ein knapp 7-stelliger Betrag durchaus mehr als ausreichend. Da dürfe auch echt noch Luft sein, den Gürtel im Fall der Fälle enger zu schnallen.

Hallo Lauffreund70!

Ich würde hierzu gerne was schreiben, weil meine Situation Deiner in gewissen Dingen ähnlich ist. Mein Alter ist fast das gleiche und auch der Betrag, von dem Du redest sollte etwa hinkommen. Ich lebe allerdings mit Freundin in einer Mietwohnung.
Meine Motivation, aus dem Berufsleben auszusteigen deckt sich ziemlich mit Deiner obwohl mir ein derartiger Schicksalsschlag zum Glück erspart bleib, das tut mir wirklich Leid.

Zu Deinen Anliegen, auch wenn Du mit Aktien nichts am Hut hast, schau Dir doch mal einen passiven ETF genauer an, damit kannst Du eigentlich nichts falsch machen wenn Du nicht nur einen Anlagehorizont von wenigen Jahren betrachtest. Man muss ja auch nicht alles dort hineinstecken, aber bei einem knapp 7-stelligen Betrag würden 10% z.B. ja nicht weh tun und da kannst Du denke ich dann ruhig mit 5%-7% sicherer Rendite planen.
Du schreibst, dass das Geld bisher bei fast 0% Zins rumliegt, ich würde in dem Fall bei Zinspilot für 1 Jahr 100k als Flexgeld anlegen, gibt zumindest 1,2% (Kann man bei verschiedenen Banken zur Not auch mehrmals machen, immer die 100k Einlagensicherung beachten).

Zu der Krankenversicherung, ich kenne mich mit PKV leider nicht so gut aus, aber soweit ich weiß, kann man wieder in die GKV wechseln, wenn man unter ein bestimmtes Einkommen fällt (z.B. durch Teilzeit) oder eben gar kein Einkommen als Angestellter mehr hat.

Gesellschaftliche Anerkennung. Wäre mir selber im Prinzip eher egal, aber da tickt jeder anders. Wenn ich aber selber erreicht habe Millionär zu werden, und dann jemand meint mich als Faulenzer bezeichnen zu müssen, dann würde ich ihm vorschlagen das auch erst mal zu schaffen.

Hallo Lauffreund,

ich habe den Schritt von dem 10h+ Arbeitstag in leitender Stellung auf Teilzeit bereits getätigt.  Seit 1.5 Jahren bin ich in Teilzeit und habe es nicht berreut. Ich habe es auch offen und ehrlich kommuniziert. Was ich unterschätzt habe ist wie sehr ich mich über die letzten Jahrzenten an den Hochleistungsarbeitsmodus angeglichen habe. Ich bin froh erst mal auf Teilzeitarbeit zu gehen und wohl dann in 3 Jahren aufzuhören oder wenn mir meine Arbeit freude macht eben noch etwas weiter zu arbeiten. Im Hochleistungsmodus ist doch einiges auf der Strecke geblieben...

Ich bin auch PKV versichert und habe damit keine Sorge. Ich habe den Selbsthalt erhöht und bin bei einer vertretbaren Rat von ca. 350 Euro, selbst wenn diese sich im Rentenalter verdoppelt stresst dies mich nicht.

Mein Kapital habe ich in Sachwerte investiert, also in meinem Fall in Immobilien (ca 70%) Gold (ca 10%) Aktien (8%) Kaptiallebens- und Direktversicherungen (12%). Meine finanzielle Situation habe ich mittels Exel-Makro im Blick. Ich hab das einfach wie im Beruf als Projekt geplant und sehe durch die steigenden Einnahmen + bestehenden Rentenpunkte der Zukunft gelassen entgegen. Auch ich habe in der Vergangenheit mich in Anlagen ausprobiert und Erkenntnisse gesammelt was nicht funktioniert. Doch auch bei Rückschlägen würde ich das Geld nicht einfach liegenlassen, da dann die Inflation voll gegen dich läuft. Investiere lieber steigend in die Anlagenklasse wo du dich sicher fühlst. Ich selbst halte auch aus Sicherheitsgründe einen signifikanten Goldanteil.