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Frugalisten sparen 60% - 60% der Haushalte können nichts mehr sparen

Während Frugalisten 60% ihres Einkommens sparen, sind laut Sparkassen und Volkbanken 60% der Deutschen bald nicht mehr sparfähig.

Dieses kleine Wortspiel klingt wie ein Paradoxon, was mir zu denken gibt.

Kann man die Aussage der Sparkassen wirklich ernst nehmen? Wird vielleicht einfach nicht mehr bei der Sparkasse gespart, sondern das Geld fließt ab und wird bei einem Broker investiert?

Natürlich leben wir in der Krise, aber meine Sparquote ist jedenfalls auch im August 2022 so stabil wie auch die Monate vorher schon. Keine Anzeichen, die den Artikel bestätigen würden. Und bei euch so?

 

Also ich war wegen Deiner Aussage ein wenig irritiert, denn in dem Artikel steht keinerlei Angaben zu Frugalisten und ihrer Sparquote. Daher handelt es sich wohl um ein von Dir aufgeführtes Wortspiel.

Ich halte die Aussage der Sparkasse durchaus für plausibel und Deine Annahme, dass die Gelder dann zu Brokern fliesst für realitätsfern.
Denn die Sparkassen wissen ja, welche Gelder auf die Konten fliessen (bspw. Gehalt). Mietzahlungen werden ja meist auch über einen Dauerauftrag geleistet - ebenso sehen sie die Belastungen (Strom etc.) auf den Konten.

Abgesehen davon brauchst Du ja nur einmal selber rechnen.... Nimm bspw. einen Kassierer im Supermarkt - da ist das Gehalt vielleicht einmal bei 2.000 € netto. Dann kommen bspw. Mietzahlungen über 800 €, GEZ / Kommunikation - vielleicht hat der Kunde diverse Versicherungen (Haftpflicht) über die Sparkasse abgeschlossen - Mobilität (Auto / OPNV)... und dann bleiben bspw. 500 € monatlich zum leben.
Dann betrachte doch einfach die Entwicklung im Supermarkt anhand des Einkaufsbelegs.
Zudem haben die Banken verschiedene "Plangrössen" (bspw. Lebenshaltung), welche sie heranziehen.
Und somit ist die Aussage, dass sich die mögliche Sparquote verringert bzw. einige Klientel nicht mehr sparfähig sind, durchaus treffend und glaubwürdig.

Meine Sparquote ist auch weiterhin stabil - allerdings ist das meine "feste Sparquote". Die habe ich damals entsprechend festgelegt, um gewisse Freiheiten noch zu haben.
Allerdings habe auch ich bereits festgestellt, dass meine relativ hoch angesetzten Budgets (bspw. Lebensmittel) mittlerweile mehr in Anspruch genommen werden, als bspw. letztes Jahr.
Allerdings muss ich auch sagen, dass ich mich wegen meines Einkommens als Single eigentlich nicht beschweren kann. Es gibt Familien, die weniger zur Verfügung haben und mehrere Münder stopfen müssen - das darfst Du natürlich auch nicht vergessen.
Denn als Single mit bspw. 2.000 Einkommen kannst Du durchaus mehr sparen, als eine dreiköpfige Familie mit einem Einkommen über 2.000 €.

Wenn man so schaut, was die Leute für Autos fahren/an Wohnfläche mieten bzw. abbezahlen/usw dann KÖNNTEN sicherlich die Hälfte (oder mehr) dieser 60 % der Haushalte durchaus Ersparnisse anhäufen - erfordert bei Normalverdienern halt eine "frugale" Lebensweise:

- 10 k€-Auto 15 Jahre lang fahren und keinen BMW/Audi/30 k€-SUV

- Warum haben Leute, die angeblich nix sparen können, heute pro Kopf doppelt so viel Wohnfläche wie in den 1960er Jahren:
https://www.kompakt.media/wohnflaeche-heute-doppelt-so-gross-wie-1965/

- Warum machen Lieferando usw. so ein gutes Geschäft? Wer kein übriges Geld HAT kocht (zu einem Drittel der Kosten) selber!

 

Zitat von Lostoi am 9. September 2022, 7:08 Uhr

Also ich war wegen Deiner Aussage ein wenig irritiert, denn in dem Artikel steht keinerlei Angaben zu Frugalisten und ihrer Sparquote. Daher handelt es sich wohl um ein von Dir aufgeführtes Wortspiel.

Ich halte die Aussage der Sparkasse durchaus für plausibel und Deine Annahme, dass die Gelder dann zu Brokern fliesst für realitätsfern.
Denn die Sparkassen wissen ja, welche Gelder auf die Konten fliessen (bspw. Gehalt). Mietzahlungen werden ja meist auch über einen Dauerauftrag geleistet - ebenso sehen sie die Belastungen (Strom etc.) auf den Konten.

Abgesehen davon brauchst Du ja nur einmal selber rechnen.... Nimm bspw. einen Kassierer im Supermarkt - da ist das Gehalt vielleicht einmal bei 2.000 € netto. Dann kommen bspw. Mietzahlungen über 800 €, GEZ / Kommunikation - vielleicht hat der Kunde diverse Versicherungen (Haftpflicht) über die Sparkasse abgeschlossen - Mobilität (Auto / OPNV)... und dann bleiben bspw. 500 € monatlich zum leben.
Dann betrachte doch einfach die Entwicklung im Supermarkt anhand des Einkaufsbelegs.
Zudem haben die Banken verschiedene "Plangrössen" (bspw. Lebenshaltung), welche sie heranziehen.
Und somit ist die Aussage, dass sich die mögliche Sparquote verringert bzw. einige Klientel nicht mehr sparfähig sind, durchaus treffend und glaubwürdig.

Meine Sparquote ist auch weiterhin stabil - allerdings ist das meine "feste Sparquote". Die habe ich damals entsprechend festgelegt, um gewisse Freiheiten noch zu haben.
Allerdings habe auch ich bereits festgestellt, dass meine relativ hoch angesetzten Budgets (bspw. Lebensmittel) mittlerweile mehr in Anspruch genommen werden, als bspw. letztes Jahr.
Allerdings muss ich auch sagen, dass ich mich wegen meines Einkommens als Single eigentlich nicht beschweren kann. Es gibt Familien, die weniger zur Verfügung haben und mehrere Münder stopfen müssen - das darfst Du natürlich auch nicht vergessen.
Denn als Single mit bspw. 2.000 Einkommen kannst Du durchaus mehr sparen, als eine dreiköpfige Familie mit einem Einkommen über 2.000 €.

Ja, die 60% Sparquote bei Frugalisten war eine Annahme, die aber sicherlich nicht weit hergenommen ist und die auch Oliver ungefähr hat.

Was mich irritiert und worauf ich etwas hinaus wollte, ist die offenbar hohe Ungleichheit bzw die Sparunfähigkeit. Ich habe das Gefühl die Leute sind eher unwillig zu sparen, weil sie denken, es lohnt sich nicht. Es ist für mich jedenfalls kaum nachvollziehbar, dass so viele Leute nichts sparen können oder wollen.

Sehen die Banken wirklich, ob etwas für Strom überwiesen wird, oder ob man das Geld auf ein anderes Konto zu seinem Broker überweist? Im Einzelfall natürlich, aber wir können die anonym Statistiken darüber erstellen? Sie müssten ja dann sämtliche Kontoverbindungen der Stromversorger kennen und auch für alle anderen Bereiche.

Ich greife jetzt den letzten Absatz auf...
Der Zahlungsverkehr läuft ja über Computer ab - und da kannst Du eine Menge Daten (anonym) auswerten und abgreifen. Und es ist ein leichtes ggf. zu selektieren, wohin bspw. eine Zahlung geht.
Bspw. die Kontoverbindungen der Stromanbieter kannst jeder ohne große Mühe auf der jeweiligen Homepage abrufen. Somit lässt sich ohne große Mühe sehen, wieviel an die Stromanbieter gehen. Der Betrag muss dann einfach nur durch die Anzahl der vorhandenen Girokonten geteilt werden - somit hast die Bank einen statistischen Wert.
Jeder Kontoinhaber bezieht ja bspw. auch Gehalt/Lohn. In dem ganzen Datenwust wird einfach nur nach dem Begriff Gehlt/Lohn gesucht und der Betrag selektiert. Dies ebenfalls geteilt durch die Anzahl der Treffer, somit hat die Bank bspw. das durchschnittliche Nettoeinkommen ihrer Kunden.
Abgesehen davon wird ja jeder Kunde individuell in irgendeiner Art und Weise betrachtet, um Dispolinien einzuräumen, verschiedene Produkte anzubieten, und und und.

Daher können sie m.E. einen ziemlich guten Schnitt an Lebenshaltungskosten ermitteln. Abgesehen davon gibt es ja noch genügend andere Statistische Einrichtungen, auf dessen Werte man zugreifen kann.

Du musst also nicht unbedingt alle Kontoverbindungen wissen - es kommt einfach darauf an, wie Du die Abfragen in dem Datenwulst selektierst.
Gleiches machst Du doch auch mit entsprechenden Eingabeparametern bei einer Internetsuche.

 

Also dass manche Leute nicht den Willen/Einsehen zum sparen haben - da stimme ich Dir zu.
Allerdings sehen viele Leute nicht, dass die Masse der Erwerbstätigkeiten nicht die Superdotierten Jobs haben und eine Menge Geld verdienen.
Betrachte doch einfach mal den Verkäufer im Supermarkt (ich habe hier die oben erwähnte Intenetsuche benutzt).

Dort wird unter Einzelhandeskaufmann im Schnitt ein Jahresverdienst von 28.900 brutto angegeben.
Dann rechnen wir das einmal aus (Single, Steuerklasse 1, Wohnort Bayern, gesetzlich pflichtversichert, keine Kinder, keine Kirchensteuer):

Bruttogehalt: 2.408,33 (mtl.)
Lohnsteuer: 234,58
Rentenversicherung: 223,98
Arbeitslosenversicherung: 28,90
Pflegeversicherung: 45,16
Krankenversicherung: 191,46
Nettolohn: 1.648,25 Euro

Und nun kommt es natürlich darauf an, wie die weiteren Ausgaben sind.

Nehme ich jetzt bspw. meine damalige Miete für eine 44 qm-Wohnung (Stand 2014), dann sind das 617,76 €; mtl. Strom-/Gasvorauszhalung 137,00 € -> dann komme ich auf ein "zur Verfügung" von 893,49 €.

Von dem Betrag musst Du natürlich noch GEZ, Versicherungen, Telefon, Mobilität usw. abziehen - hier hat man relativ wenig Handlungsspielraum.
Und irgendwelche Klamotten muss man sich im Laufe der Zeit ja auch zulegen, denn nackt läuft man das ganze Jahr auch nicht durch die Gegend, dadurch wird im Idealfall monatlich der Betrag x zur Seite gelegt, der anders verplant ist.

Von dem Restbetrag müsstest Du ja dann bereits für Verbrauchsgegenstände (Telefon / Computer) ebenfalls regelmässige Rücklagen bilden, Lebensmittel bezahlen und und und....
Aber diese Ausgaben hat ja jeder selbst irgendwie auf dem Schirm und variiert...

Ich vermute, dass man dort eher schlicht ausgewertet hat, anhand eigener Sparprodukte und ggf. bekannter Kontoverbindungen und Verwendungszwecke von Rentenversicherern, Banken und Bausparkassen. Ich kann mir vorstellen, dass das sogar ein halbwegs realistisches Bild liefert, die Kombi Sparkassen-Kunde mit Altersvorsorge in ETFs beim Neo-Broker ist wahrscheinlich eher selten.

Habe selbst vor kurzem erlebt, dass die Bank ganz besorgt auf mich zukam, weil ich ja bisher noch gar nichts für meine Altersvorsorge getan hätte. Hat wohl deren Analysesoftware ergeben. Die hat natürlich weder gewisse Abflüsse als Sparleistung erkannt noch wusste sie was von Immobilien.

Zitat von Lostoi am 14. September 2022, 11:46 Uhr

...
Allerdings sehen viele Leute nicht, dass die Masse der Erwerbstätigkeiten nicht die Superdotierten Jobs haben und eine Menge Geld verdienen.
Betrachte doch einfach mal den Verkäufer im Supermarkt (ich habe hier die oben erwähnte Intenetsuche benutzt).

Dort wird unter Einzelhandeskaufmann im Schnitt ein Jahresverdienst von 28.900 brutto angegeben.
...
Nettolohn: 1.648,25 Euro

das ist klar

darum meine Einschätzung, es
Zitat von exit-tbd am 9. September 2022, 19:37 Uhr

... KÖNNTEN sicherlich die Hälfte (oder mehr) dieser 60 % der Haushalte durchaus Ersparnisse anhäufen - ...

Bei 5,2 Millionen Haushalten bzw. 12,9 Prozent waren es 900 bis unter 1.500 Euro. Bei einem Viertel aller Haushalte (25,3 Prozent) lag das monatliche Nettoeinkommen bei 1.500 bis unter 2.600 Euro

---> Dein Beispiel-Verkäufer gehört also wohl zu den schlechtest-verdienenden 20 % der Haushalte ... dass da wenig übrigbleibt ist klar ...

(wobei 1.500 netto in Magdeburg und 2.000 netto in einer Mietpreishochburg wie München wohl "gleichwertig" sind)

meine These bleibt aber, dass ca. 70 % der Haushalte bei einer frugalen Lebensweise die MÖGLICHKEIT hätten, Ersparnisse anzusammeln
je besser verdienend, desto mehr natürlich!

Ich hab das Beispiel Verkäufer nur mal verwendet, da es hier m.E. keine großen "Ausbildungsblöcke" erfordert und die breite Masse den Job durchaus ausüben könnte (klar, hier gibt es auch Ausbildung etc., das streite ich gar nicht ab).
Allerdings gibt es auch noch mehrere weniger bezahlte Berufe - nimm mal die Friseure bspw. her.

Und den Vergleich von 1.500 in Magdeburg und 2.000 in München als "gleichwertig" anzusetzen halte ich für ausgesprochen "gewagt". Denn ich denke einmal bzw. behaupte, dass hier ein komplett unteschiedliches Preisniveau allgemein vorhanden ist. In München kostet ein Kinobesuch von mir aus 10 Euro - was zahlt man in Magdeburg.
Du gehst mit Freunden nach dem Kino ein Bier trinken und bist die nächsten 5 Euro los - ich denke mal in Magdeburg ist das Bier billiger.
Ich habe heute bspw. mit meiner Mutter telefoniert, die sich gestern mit einer ehemaligen Kollegin (Verkauf Supermarkt) getroffen hat. Sie ist in Rente gegangen und gleich darauf zurück nach Leipzig gezogen, da sie sich mit ihrer Rente in München nicht überleben kann...

Und Deine These bzgl. der MÖGLICHKEIT bei einer frugalen Lebensweise Ersparnisse anzusammeln würde ich sogar noch toppen und die Behauptung aufstellen, dass jeder Haushalt auch OHNE frugaler Lebensweise imstande ist, Ersparnisse anzusammeln.
Denn jeder Haushalt kann im Monat 1 Cent zur Seite legen und sparen! Nach einem Jahr hat er dann ein solides Ersparnis von 12 Cent angehäuft. 😉

Doch um ganz ehrlich zu sein, der frugale Lebensstil ist nicht jedermanns Sache (worüber ich eigentlich ganz froh bin). Auch ist es ein Definitionsdilemma, was man als Ersparnis betrachtet.
Ebenso haben viele einen anderen Blick auf die unterschiedlichsten Dinge, was auch gut ist, doch mitunter bei einem selber "Stirnrunzeln" verursacht.
Ich kann mich bspw. noch gut daran erinnern (schon viiiiiiele Jahre her), als ich folgendes feststellte.... (Damals gab es auf das Girokonto sogar noch Guthabenszinsen)
Wenn ich am Freitag nach 15 Uhr am Automaten Geld abhob, dann wurde es erst Valuta Montag meinem Konto belastet (mittlerweile gibt es das nicht mehr).
Also habe ich es mal kurz hochgerechnet und mit einem freudigen Lächeln meinem Kollegen erzählt, dass ich im Jahr 30 Pfennig (ist jetzt eine fiktive Zahl) an Guthabenszinsen bekomme für Geld, das ich eigentlich schon gar nicht mehr habe! Und hier ist der Zinseszins noch gar nicht berücksichtigt.
Er schüttelte nur den Kopf und meinte, was sind denn 30 Pfennig - bis ich ihm erklärte, dass es sich hier ja um den Guthabenszins handelt. Der Betrag fällt natürlich ganz anders aus, wenn Du einen Dispo in Anspruch nehmen musst.

Es gibt also viele Thesen, doch in meinen Augen verlieren hierbei auch viele den Blick auf das "Gesamtbild".

Wir sind uns hoffentlich einieg, dass diverse Kosten (Miete, Gas, Strom, Steuern) nur bis zu einem gewissen Grad nach dem frugalen Lebensstil beeinflusst werden kann und man danach "gefesselt" hierbei ist. (auch wenn ich in der kleinsten Bude zur Miete wohne, kann ich mich ab einem gewissen Grad nicht mehr optimieren und bin an die Mietpreisentwicklungen gefesselt.)
Als Frugalist möchte ich auch meine Ersparnisse entsprechend investieren, um mir ein passives Einkommen zu bilden.
Also greife ich den für jeden am einfachsten zu gestaltenden (und wie in den jüngst hier veröffentlichten Post zu TV-Sendungen aufgeführt) Punkt auf - ich gehe nicht mehr außer Haus Essen / Trinken. Und nachdem nun ALLE Frugalisten sind, macht das die gesamte Bevölkerung....
Ab sofort bereitet jeder Haushalt für alle darin lebenden Personen die Speisen zu Hause zu und nimmt sie mit. Ebenso die erforderlichen Getränke.
Also Frühstück, Mittagessen, Snacks, Kaffee am Nachmittag, Abendessen - und man trifft sich zu gesellschaftlichen Treffen an Orten, an denen man seine selbst mitgebrachten Speisen / Getränke konsumieren darf.
Ergo: Sämtliche Veranstaltungsorte (Lokale, Biergärten, Discos etc.) erwirtschaften keinerlei Umsätze mehr was zur Folge hat, dass der Betrieb dicht macht.
Dies hat zur Folge, dass vermutlich die als Frugalist getätigten Investitionen in den Immobliensektor bspw. einbrüche hat und nicht mehr die gewünschte Rendite bringt.
Ebenso werden unzählige Angestellte vom Manager bis zum Minijobber-Putzkraft ausgestellt und haben kein Einkommen mehr.
Durch die enorme Anzahl an diesen Arbeitslosen, welche ja von der Gemeinschaft finanziert werden muss, steigen die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung und mit einem mal, schwindet die zuvor geschaffene Ersparnis durch die Selbstversorgung dahin.
Der Immobilienbesitzer der Lokale, die plötzlich leer stehen und keine Nachmieter mehr haben will, hat jedoch auch Wohnungen im Bestand - also erhöht er im gesetzlich regulären Masse (den Lobbyismus lass ich mal aussen vor) und die Wohnungsmieten.
Und mit einem Male hat man, trotz frugalem Lebensstil, durch die Erhöhung der Miete, gestiegenen Abgaben zur Arbeitlosenversicherung weniger zur Verfügung als vorher - wo man einige Euro gespart hat - und frisst diese Ersparnis auf.

Und um es nach meinem ganzen Gelaber nochmal zusammen zu fassen... Deine Annahme, dass Haushalte (ein-)sparen können, teile ich.
Die Aussage/These, dass 70 % der Haushalte bei einer frugalen Lebensweise die Möglichkeit hätten, Ersparnisse anzusammeln, teile ich nicht - vor allem da bereits 1 Cent im Sparschwein über das Jahr Ersparnis bedeutet.

darum meine Einschätzung, es
Zitat von exit-tbd am 9. September 2022, 19:37 Uhr

... KÖNNTEN sicherlich die Hälfte (oder mehr) dieser 60 % der Haushalte durchaus Ersparnisse anhäufen - ...

Bei 5,2 Millionen Haushalten bzw. 12,9 Prozent waren es 900 bis unter 1.500 Euro. Bei einem Viertel aller Haushalte (25,3 Prozent) lag das monatliche Nettoeinkommen bei 1.500 bis unter 2.600 Euro

---> Dein Beispiel-Verkäufer gehört also wohl zu den schlechtest-verdienenden 20 % der Haushalte ... dass da wenig übrigbleibt ist klar ...

(wobei 1.500 netto in Magdeburg und 2.000 netto in einer Mietpreishochburg wie München wohl "gleichwertig" sind)

meine These bleibt aber, dass ca. 70 % der Haushalte bei einer frugalen Lebensweise die MÖGLICHKEIT hätten, Ersparnisse anzusammeln
je besser verdienend, desto mehr natürlich!

Bei diesem Beispiel muss natürlich noch berücksichtigt werden, dass ein Haushalt üblicherweise aus 2 Personen besteht. Wenn nur einer davon als Verkäufer arbeiten geht und der andere sich aushalten lässt, landen wir bei den 20 %. Wären beide als Verkäufer vollzeit tätig, hätte man schon ein Haushaltseinkommen von über 3.000 € netto 😉

Unabhängig davon teile ich aber deine Meinung, dass so ziemlich jeder Haushalt noch Verbesserungsmöglichkeiten betreffend Sparpotential hat.

Der Sparkassenpräsident wird mir immer unheimlicher. Jetzt warnt er, dass Haushalte mit 3600 EUR Haushaltsnettoeinkommen zurzeit nichts mehr sparen können.

Wir haben als 4-köpfige Familie Fixkosten von unter 2000 EUR, mit Rücklagen für Urlaub oder seltenere Anschaffungen vielleicht auch 2500 EUR pro Monat.

Kommt euch das nicht auch komisch vor? Ich kann es kaum verstehen.

Zitat von csh am 18. September 2022, 23:57 Uhr

Der Sparkassenpräsident wird mir immer unheimlicher. Jetzt warnt er, dass Haushalte mit 3600 EUR Haushaltsnettoeinkommen zurzeit nichts mehr sparen können.

Wir haben als 4-köpfige Familie Fixkosten von unter 2000 EUR, mit Rücklagen für Urlaub oder seltenere Anschaffungen vielleicht auch 2500 EUR pro Monat.

Kommt euch das nicht auch komisch vor? Ich kann es kaum verstehen.

Ist Dir nicht klar, dass ein Frugalist nicht den Durchschnitt repräsentiert? Und dass der Sparkassenpräsi aber den Durchschnitt adressiert? Du/Ihr Frugalisten seid die Ausnahme. Wer sich in FFM mit 3.600€ und 2 Kindern Eigentum angeschafft hat oder sich 100m² Wohnraum gönnt, kommt mit 2T niemals hin und wird nun entweder von den steigenden NK oder der Nachfinanzierung erschlagen.

Das ist die Realität in D, auch wenn Du/Ihr anders lebt.

Mich betrifft das ehrlich gesagt auch nicht in existenzbedrohendem Ausmaß und wenn Euch die aktuelle Situation ebenfalls nicht trifft, sei froh - es gibt aktuell sehr viele Menschen, die umdenken müssen, die das aber nicht so auf dem Schirm hatten.

Andererseits dürfte der Durchschnittsfrugalist mit der aktuellen DAX-Entwicklung auch nicht gerade zu Luftsprüngen neigen, weil Kosten steigen und nahezu alle Asset-Klassen Verluste einfahren. Das verhagelt denen, die zeitnah (vorzeitig) in Rente gehen wollen oder wollten schon ein wenig die Bilanz.

Insofern ist mir Dein Unverständnis auch ein wenig suspekt, denn ganz ohne Verluste kommt aus der Nummer fast niemand raus. Der eine spart halt nichts mehr, der andere hat Buchverluste.

Ein Gewinn ist beides nicht.

Zitat von csh am 18. September 2022, 23:57 Uhr

Der Sparkassenpräsident wird mir immer unheimlicher. Jetzt warnt er, dass Haushalte mit 3600 EUR Haushaltsnettoeinkommen zurzeit nichts mehr sparen können.

...

Kommt euch das nicht auch komisch vor? Ich kann es kaum verstehen.

Ja - habe ich oben bereits ausgeführt

ja, es kommt mir komisch vor, dass ein funktionaler Analphabet, der die Wörter KÖNNEN und WOLLEN verwechselt, Sparkassenpräsident wird!

 

Zitat von MFZ73 am 19. September 2022, 11:00 Uhr

Ist Dir nicht klar, dass ein Frugalist nicht den Durchschnitt repräsentiert? ... Du/Ihr Frugalisten seid die Ausnahme.

das ist klar

wer nicht "frugal" lebt ohne sich dabei zu überschulden, der KÖNNTE stattdessen (mehr) sparen - er will halt nicht

Zitat von exit-tbd am 19. September 2022, 23:02 Uhr
Zitat von csh am 18. September 2022, 23:57 Uhr

ja, es kommt mir komisch vor, dass ein funktionaler Analphabet, der die Wörter KÖNNEN und WOLLEN verwechselt, Sparkassenpräsident wird!

Wenn man mit gleicher Münze zurückzahlen würde, würde ich formulieren, dass Dir da auch (mindestens) eine erwartbare Transferleistung abhandenkommt. Denn die Aussage des SK-Präsi basiert auf der Beobachtung der Gesamtsituation, dass in den letzten 6 Monaten (iirc) eine massive Summe von den Sparern abgezogen wurde.

Nun mag man unterstellen, dass die alle zu doof zum Sparen oder richtigen Haushalten - oder einfach keine Frugalisten im eigentlichen Sinne - sind. Aber es steht dem SK-Präsi auch nicht zu, diese Menschen ob Ihrer Reaktion allesamt in den Topf "die wollen nicht" zu stecken, während Du Dir genau das anmaßt.

Wie ich schon im vorigen Beitrag durchblicken ließ ... dünnes Eis.

Der SK-Präsi kann also nur mit "können" formulieren, weil er schließlich nicht wissen kann, ob das alles willenlose Konsumjunkies sind - und würde er das mit "wollen" formulieren, wäre das erst recht ein Grund für einen Shitstorm.

Zitat von MFZ73 am 19. September 2022, 11:00 Uhr

Ist Dir nicht klar, dass ein Frugalist nicht den Durchschnitt repräsentiert? ... Du/Ihr Frugalisten seid die Ausnahme.

das ist klar

wer nicht "frugal" lebt ohne sich dabei zu überschulden, der KÖNNTE stattdessen (mehr) sparen - er will halt nicht

Wie gesagt, ich teile diese aus meiner Sicht relativ überhebliche Meinung nicht, weil am Ende auch jeder Frugalist mit Aktienpaket davon abhängig ist, dass die Weltwirtschaft weiter so funktioniert, wie prognostiziert. Und dabei sind die meisten von Euch ja ohnehin nur passive Shareholder, die möglichst schnell aus dem berühmt-berüchtigten Hamsterrad ausbrechen wollen. Das Dumme ist, dass der Plan natürlich nur aufgeht, solange es genügend Menschen gibt, die mit 3600€ netto in FFM der Mohrrübe hinterherjagen.

Wenn die alle plötzlich anfangen ... zu wollen ... dann geht Euer Plan nicht auf.

Das sehr ich auch so. Natürlich haben wir unser Geld gewinnbringend angelegt, aber wir bemühen uns (möglichst wenig abhängig von Finanz- und Wirtschaftssystem) ein Leben ohne viel Konsum aufzubauen. So werden wir in spätestens 2 Jahren das Einkommen so herunter fahren, dass der Rest mehr als "Hobby" laufen kann. Die Finanzen würden jetzt schon reichen, aber ein Extra wäre trotzdem nicht schlecht.

Ich bin immer noch der Meinung das eigene Fähigkeiten und Fertigkeiten das größte Kapital sind.

Liebe Grüße, Flitzekittel --------------------------------------------- NEU: www.miteigenenhaenden.de - Minimalismus, Selbstversorgung, Konsumreduzierung, Suffizienz, DIY -
Zitat von MFZ73 am 19. September 2022, 11:00 Uhr
Zitat von csh am 18. September 2022, 23:57 Uhr

Der Sparkassenpräsident wird mir immer unheimlicher. Jetzt warnt er, dass Haushalte mit 3600 EUR Haushaltsnettoeinkommen zurzeit nichts mehr sparen können.

Wir haben als 4-köpfige Familie Fixkosten von unter 2000 EUR, mit Rücklagen für Urlaub oder seltenere Anschaffungen vielleicht auch 2500 EUR pro Monat.

Kommt euch das nicht auch komisch vor? Ich kann es kaum verstehen.

Ist Dir nicht klar, dass ein Frugalist nicht den Durchschnitt repräsentiert? Und dass der Sparkassenpräsi aber den Durchschnitt adressiert? Du/Ihr Frugalisten seid die Ausnahme. Wer sich in FFM mit 3.600€ und 2 Kindern Eigentum angeschafft hat oder sich 100m² Wohnraum gönnt, kommt mit 2T niemals hin und wird nun entweder von den steigenden NK oder der Nachfinanzierung erschlagen.

Das ist die Realität in D, auch wenn Du/Ihr anders lebt.

Mich betrifft das ehrlich gesagt auch nicht in existenzbedrohendem Ausmaß und wenn Euch die aktuelle Situation ebenfalls nicht trifft, sei froh - es gibt aktuell sehr viele Menschen, die umdenken müssen, die das aber nicht so auf dem Schirm hatten.

Andererseits dürfte der Durchschnittsfrugalist mit der aktuellen DAX-Entwicklung auch nicht gerade zu Luftsprüngen neigen, weil Kosten steigen und nahezu alle Asset-Klassen Verluste einfahren. Das verhagelt denen, die zeitnah (vorzeitig) in Rente gehen wollen oder wollten schon ein wenig die Bilanz.

Insofern ist mir Dein Unverständnis auch ein wenig suspekt, denn ganz ohne Verluste kommt aus der Nummer fast niemand raus. Der eine spart halt nichts mehr, der andere hat Buchverluste.

Ein Gewinn ist beides nicht.

Auch wenn ich hier in diesem Forum angemeldet bin, so komme ich mir gar nicht so vor wie ein "richtiger" Frugalist. Ich lebe z.B. mit meiner Familie auf knapp 180 qm im EFH, wir fahren zwei Autos, haben diesen Sommer 3000 EUR für Urlaub ausgegeben. Ansonsten leben wir aber natürlich schon bewusst und ich optimiere auch gerne die Ausgaben, aber ohne mich dabei eingeschränkt zu fühlen.

Klar gibt es viele Menschen, die jetzt Probleme haben. Mich wundern hierbei eigentlich nur die hohen Zahlen: 60% bzw. 3600 € netto würden nicht mehr reichen, also dass es angeblich so viele treffen würde. Und es lebt ja nicht jeder in FFM.

Bei den Buchverlusten bin ich noch entspannt, das gehört ja gewissermaßen zum Plan dazu. Ohne Risiko keine Rendite. Man kann ja sogar jetzt günstig einkaufen am Aktienmarkt, das sehe ich eher als Chance als als Verlust.

Zitat von exit-tbd am 9. September 2022, 19:37 Uhr

Wenn man so schaut, was die Leute für Autos fahren/an Wohnfläche mieten bzw. abbezahlen/usw dann KÖNNTEN sicherlich die Hälfte (oder mehr) dieser 60 % der Haushalte durchaus Ersparnisse anhäufen - erfordert bei Normalverdienern halt eine "frugale" Lebensweise:

- 10 k€-Auto 15 Jahre lang fahren und keinen BMW/Audi/30 k€-SUV

- Warum haben Leute, die angeblich nix sparen können, heute pro Kopf doppelt so viel Wohnfläche wie in den 1960er Jahren:
https://www.kompakt.media/wohnflaeche-heute-doppelt-so-gross-wie-1965/

- Warum machen Lieferando usw. so ein gutes Geschäft? Wer kein übriges Geld HAT kocht (zu einem Drittel der Kosten) selber!

 

Das fasst es ganz gut zusammen finde ich. Solange noch dicke Autos, zu große Wohnungen und zu teures Essen geholt werden können vom Großteil der Bevölkerung, kann es so schlimm nicht sein 😀

Zitat von exit-tbd am 9. September 2022, 19:37 Uhr

 

- Warum machen Lieferando usw. so ein gutes Geschäft? Wer kein übriges Geld HAT kocht (zu einem Drittel der Kosten) selber!

 

so richtig gut scheint es da aber auch nicht zu laufen

https://www.ariva.de/just_eat_takeaway-com-aktie/chart?t=all&boerse_id=131