Bitte oder Registrieren, um Beiträge und Themen zu erstellen.

Bargeldobergrenze wegen Geldwäsche?

Huhu! Mich würde eure Meinung zum Thema Bargeldobergrenze interessieren, die ja aktuell auf EU-Ebene diskutiert wird. Zum einen soll sie Geldwäsche erschweren und damit helfen die organisierte Kriminalität einzudämmen, zum anderen wird sie aber aus Datenschutzgründen kritisiert... Wie ist eure Haltung dazu?

Hintergrund ist folgendes Video zu dem Thema: https://www.youtube.com/watch?v=qHue0Ypyj8U

Finde ich gut, kann mit wenig legalen Nutzen von viel Bargeld vorstellen.

Gibt aber sicher viele Gegner wie Handwerker, Drogendealer oder korrupte Entscheidungsträger.

@DickesSparschwein

Als ganz normaler Verbraucher, Bürger, Sparer, für sein Alters Vorsorgender usw. und ehrlicher und absolut korrekter Steuerzahler - und nicht Drogendealer (bin noch niemals mit dem Gesetz in Konflikt gekommen und habe noch nicht mal einen Punkt in Flensburg) - bin ich da auch ein ausgewiesener Gegner.

Du kannst Dir "wenig legalen Nutzen von viel Bargeld vorstelle" ?

Ich mir schon: Angefangen von dem ultimativen Schutz vor flächendeckenden und noch tieferen Negativzinsen seitens der EZB (Negativzinsen bzw. "Verwahrentgelte" lassen grüßen !) über den ultimativen Schutz vor Bail-Ins in der Eurozone (Zypern läßt grüßen !) und Beschränkungen von Bargeldauszahlungen in der Eurozone (Griechenland läßt grüßen !) bis hin zu dem generellen und signifikanten Unterschied von Bargeld zu Giralgeld (das sind in praxi und de jure nämlich zwei völlig verschiedene Geldsorten).

Btw: Wie sich das Ganze mit §14 Abs. 1, Satz 2 BundesbankGesetz verträgt, ist mir auch nicht recht klar ("auf Euro lautende Banknoten sind das einzig unbeschränkte gesetzliche Zahlungsmittel" - oder so ähnlich jedenfalls - da frei aus dem Gedächtnis zitiert).

Auch vor direkten Enteignungen (das "Europäische Vermögensregister" läßt grüßen ! - um nur ein Beispiel zu nennen) kann Bargeld einen gewissen Schutz bieten.

Last but not least bin ich ein ein Freund der informationellen Selbstbestimmung - der vollkommen gläserne Bürger macht mir daher eher Angst. Eine Welt ohne Bargeld (der "digitale Euro" läßt grüßen !) ist mir eine Horror-Vision a la der Orwellschen Welt 1984 ...

Oder eingedampft: Wie naiv und staatsgläubig kann man eigentlich sein - insbesondere als Bewohner der Eurozone ?!

Auch für mich ist eine Bargeldobergrenze ein No-Go. So lange Bargeld ein legitimes Zahlungsmittel ist, und das soll meiner Meinung nach so bleiben, darf es auch keine Obergrenze geben. Das wäre ja ähnlich einer Obergrenze beim Vermögen.

Sollte die doch irgendwann kommen, so bin ich mir sicher, das sich eine Schattenwelt entwickelt, in der dann wieder mit Gold, oder aber auch mit teuren Uhren, Bitcoins , oder irgend etwas was wir uns. jetzt noch garnicht vorstellen können, bezahlt wird.

Deutschland ist sicher noch recht Bargeld Freundlich. Aber nichts gegen Südostasien. Ein befreundeter Makler in Singapore erzählt  mir immer , wie viele  Leute dort noch Wohnung und Häuser, oft im zwei stelligen Millionen Bereich bei den Immobilien Preisen , mit Bargeld kaufen.

So was geht theoretisch in der EU auch, aber dann greift die Meldepflicht, und ruck zuck wird man durchleuchtet, wo das Geld denn her kommt.

Das ist eigentlich ziemlich traurig. Denn, der Staat Deutschland  (b.z.w. die EU)  stellt praktisch alle seine Bürger, di höher Summen in Baar begleichen, unter Generalverdacht.

Sollte ein Staat nicht eigentlich für die Bürger da sein, anstatt diese zu bespitzeln und generell als Kriminelle zu verdächtigen,  solange sie nicht ihre Unschuld bewiesen haben ?

@achim_global

Das sehe ich ganz ähnlich. Auch das mit dem Generalverdacht Staat versus seine Bürger - in der Schweiz beispielsweise ist dies völlig anders ! Meine Befürchtung: Die ganze Bürokratie samt wachsender Regulatorik kommt überwiegend auch von der EU-Seite und muß dann in den Mitgliedsländern implementiert werden.

Die permanente und kontinuierliche Zurückdrängung des Bargeldes sehe ich für meinen Teil mit größter Sorge (Abschaffung des 500 Euro-Scheins, Bargeldobergrenzen beim Bezahlen, Ausweis- bzw. Identifikationspflicht beim Kauf von Gold (und anderen Edelmetallen) schon ab 2.000 EUR (so massiv wie der Euro seit seiner Einführung gegen Gold schon devaluiert hat, könnte diese (immer weiter nach unten gesetzte) Freigrenze bald nicht mal mehr für eine einzige Münze (z. B. 1 Unze Krügerrand) ausreichen ...), Nachweispflicht zur Herkunft ab 10.000 bei Einzahlung auf eigenes Konto (!) usw. usw. Das Projekt "Vermögensregister der EU" erinnert mich stark an Orwell 1984 samt dem gläsernen Bürger.

Der digitale Euro der EZB wird - das steht zu befürchten - wahrscheinlich das Schlechteste aus beiden Welt vereinen. Es wird damit keine anonymen Zahlungen mehr geben wie beim Bargeld und gleichzeitig kann die EZB (iGz Bitcoin - begrenzte Anzahl !) den digitalen Euro auch nach Belieben (um Billionen) erhöhen (sprich aus dem Nix schaffen) und damit den Geldwert genauso verwässern wie es jetzt (beim Giralgeld aber auch Bargeld) auch schon gängige Praxis ist.

Zu Deiner letzten wohl rhetorisch gemeinten Fragen: Was ein Staat sollte und was dieser dann tatsächlich macht, sind leider zwei Paar Schuhe ... Die EU-Verträge zur EWU sollten auch für eine stabile Währung sorgen - in praxi war der permanente Vertragsbruch der ständige Begleiter des Euro. Und: Die EZB hat nach den EU-Verträgen (s. AEUV) die Haupt-Aufgabe für Kaufkraftstabilität zu sorgen. LOL ... Inzwischen hat in der fragilen Europäischen Währungsunion schon lange Systemstabilität absolute Priorität vor Kaufkraftstabilität.

Was auch das Zögern und Zaudern der EZB erklärt (iGz Fed etwa) - Leitzins der EZB immer weiter bei Null - Inflation bei > 7% ...

Eine Welt nur noch mit dem digitalen Euro (und ohne Bargeld) mit dieser EZB und dieser EU-Kommission (bezeichnet sich selbst als "Hüterin der Verträge" ...) möchte ich mir lieber nicht vorstellen.