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Autokauf oder Investment

Hallo liebe Frugalisten,

Ich bin momentan am grübeln und möchte eure Meinung nun hören. Kurz zu meiner Situation:

Ich bin Mitte 20, habe vor 4 Jahren ein Auto von meinen Großeltern geschenkt bekommen und bin dafür sehr dankbar. Ich habe die Vorteile der Mobilität zu schätzen gelernt und nutze es gerne um zu meinem Nebenjob (8km Entfernung) zu  fahren. Auch an den Wochenenden besuche ich alle 2 Wochen Freunde (200km Entfernung) und nehme dabei gerne Mitfahrer mit, um Kosten zu sparen. Nun hatte ich einen Autounfall, mein Wagen hat einen Totalschaden erlitten und ich bekomme eine Summe von ~10.000 € ausgezahlt.
Momentan bin ich sehr Zwiegespalten was ich nun mit dem Geld anstellen möchte:

Option 1: Die Radikale Variante
- Ich kaufe mir kein Auto und investiere alles in Aktien. (monatliche Sparpläne laufen auch schon). Dann halt alles mit Rad oder Öffentlichen nehmen, was Schwierigkeiten geben könnte, da die Anbindungen teils schlecht sind.

Option 2: Der Kompromiss
- Ich kaufe mir eine günstige Schrottkarre, die mich nicht viel kostet und ich investiere den Rest in Aktien. Nachteil meiner Meinung: Es könnten Reparaturen aufkommen, die dann wieder teuer werden könnten. Irgendwelche Tipps für günstige, langlebige Autos die robust sind ?

Option 3: Der Konsum
- Ich investiere nichts von dem Geld und kaufe mir wieder ein gleichwertiges Auto, bei dem ich wieder allen Komfort genieße, den mein früheres Auto auch hatte.
Dies ist für mich die verführerischste Variante, aber dennoch weiß ich, dass ich somit nur auf der Stelle trete und mir wieder eine Verbindlichkeit anschaffe, die mich Geld kostet und nicht voran bringt. Kiyosaki lässt grüßen 😉

Ich bin schon lange am überlegen was ich tun soll und habe das Gefühl, dass es eine wichtige Entscheidung in meinem Leben ist, die vieles verändern könnte.
investieren oder konsumieren?

Liebe Grüße Pascal =)

So Hallo Pascal,

da musst Du dir halt zunächst die Frage stellen ob, und für was Du ein Auto brauchst.

So wie ich die Sachlage sehe brauchst Du für den Weg zur Arbeit momentan kein Auto - 8 km mit dem Fahrrad sind reine Gewohnheitssache (ich fahre je nach Strecke die ich wähle zwischen 6 und 15 km zur Arbeit und mache die schon fast 5 Jahre).

Wie fährst Du zu deinen Freunden und wie schlecht sind die Verbindungen tatsächlich? Ich meine Du fährst ja sicher nicht Freitag hin - Freitagnacht zurück, Samstag hin - Samstagnacht zurück - Sonntag hin - Sonntagnacht zurück sondern eher Freitagabend hin - Sonntagabend zurück nehme ich an?

Wie schlecht sind die Verbindungen tatsächlich? Macht es was wenn Du auf Hin- und Rückfahrt mal 1/2 Stunde irgendwo am Bahnhof warten musst?

Von aussen kann man deine Frage ohne weitere Eckdaten nicht beantworten --- Du schreibst "Nebenjob", heißt das nun dass Du neben der Schule oder neben deinem eigentlichen Beruf noch arbeitetst? Falls Schule/Studium - wann bist Du fertig? Brauchst Du dann vielleicht ein Auto in 2-3 Jahren?

Ich würde bei der Frage wirklich alles aussenrum beleuchten - denn für mich ist die Anschaffung eines Autos nix auf 2-3 Jahre sondern eher was auf 7-10 Jahre und genauso langfristig versuche ich beim Autokauf zu denken.

Wenn bei mir dies der Fall wäre und ich per Zug einfach zu genervt wäre, dann wäre für mich nur die Option 2 eine wirkliche Option. Solangsam sind die Schäden durch die damalige Abwrackprämie behoben und man findet tatsächlich wieder gute Gebrauchte für 3000-4000 € (das war vor 4-5 Jahren noch ganz anders).

Aber wie gesagt - es nützt nichts wenn wir dir hier zum günstigen Gebrauchten raten (ausgehend von ~ 500 km Strecke im Monat) wenn Du nächstes Jahr oder in 2 Jahren schon eine Stelle hast zu der Du alleine 1500 km im Monat mit dem Auto runterspulst.

 

Aber - falls Du Option C wählen willst immer dran denken "Nicht alle Eier in einen Korb" d.h. nicht alles in Aktien oder ETFs stecken, auch noch anderweitig "sicherer" anlegen. Was nützen Dir 10.000 € in Aktien wenn Just in dem Moment in dem Du die Kohle brauchst der Markt absackt?

 

 

 

Hallo Pascalou, hier meine Geschichte.

Ich bin 62, vor 42 Jahren habe ich meinen Führerschein gemacht, und seitdem war ein eigenes Auto lange "Pflicht".

Von Anfang an billige Gebrauchte mit frischem TÜV gekauft (bar aus Spargeld, 1500 DM .. 1500€): 2x Käfer, 1 Bulli, Opel Kadett, BMW 316 (vom Schwiegervater geschenkt), Passat, Peugeot 205, 2x Golf, zuletzt ein Lupo). Hat sich meist bewährt, und mit Frau und 2 Kindern war das oft das geeignetste Verkehrsmittel.

Nun bin ich geschieden, die Töchter sind lange aus dem Haus.. Der letzte (Lupo) hat mich schwer enttäuscht (multiple Panne am Sonntagnachmittag), ich habe ihn dann für 0€ abgestoßen und war froh, dass er weg war. Aber davor wurde es auch immer mühsamer, in der Stadt einen Parkplatz zu finden.

Als Single reicht mir inzwischen Stadtbus alle paar Tage, Fernbus alle paar Monate, Bahn.. (Fahrrad wurde zu oft geklaut, ist keine Option mehr). Aber das hängt halt immer von der Lebenssituation ab. Bei dem schnellen Wertverlust von Neuwagen würde ich eher raten, in einen guten Gebrauchten zu "investieren". Wenn du wirklich meinst, ein Auto zu brauchen.

Ich komme seit gut 2 Jahren ohne eines aus. Und investiere halt eher in diversifizierte, gut ausschüttende Wertpapiere...

Der Komfort eines Autos ist Luxus an den man sich gewöhnen kann - von dem man sich aber auch entwöhnen kann.

Gib dir doch ein Zeitlimit: Du probierst 2 Monate ohne Auto zu leben und schaust erst dann ob dir der Komfor noch das ganze Geld wert ist. Bis dahin hast du vielleicht dran gewôhnt und es erscheint viel machbarer!

Und mit "Das ganze Geld" meine ich sowohl die 10.000 als auch die zu erwartended laufenden Kosten von Sprit, Versicherung, etc. Rechne mal durch wie viel dich das Besitzen deines bisherigen Autos und der Mobilität gekostet hat.

Das Leben Ohne Auto ist definitiv billiger. Und wenn du viel Fahrrad fährst ist es auch gesünder. An Zug fahren kann man sich auch gewöhnen, dauert vielleicht ein bisschen länger aber mit einem guten Buch oder Podcast im Ohr ist es sehr angenehm.

Ich bin auf dem Land aufgewachsen und hatte mit 17 - 19 Zugang zu einem Auto. Jetzt bin ich 26, habe ich mir nie ein eigenes Auto gekauft und bin damit sehr glücklich. Die Umwelt freut sich auch noch mit 🙂

Mein Transportbudget liegt bei 80€ im Monat:

  • 1 Fahrad unr Reparaturen 10€ pro Monat
  • Öffentliche Verkehrmittel 10€ pro Monat
  • Bahnfahrten um Freunde zu besuchen 60€ pro Monat

Hallo und vielen Dank für eure ausführlichen Antworten,
Ich bin heute Abend wieder über meinen Beitrag gestoßen und möchte euch gerne Antworten, was ich denn nun gemacht habe:

 

Ich habe mir letztendlich kein Auto gekauft, sondern bin auf Fahrrad und Öffentliche umgestiegen. Es ist mir anfangs wirklich schwer gefallen, da der Luxus der ständigen Mobilität weg war. Aber das ist wirklich nur Gewohnheit gewesen, zu jeder Zeit ins Auto steigen zu können und los fahren. Leider wurde mir nach meinem Autounfall, auch noch mein Rennrad geklaut... das war nochmal echt schmerzlich. Aber jetzt bin ich auf ein so altes Rad umgestiegen... das will niemand mehr haben 😀

Alles in allem habe ich mich daran gewöhnt, mit den Öffis zu fahren. Stark ist mir auch aufgefallen, wie viele für mich "versteckte Kosten" doch der Besitz eines Autos mit sich hatte. Klar Benzin, Wäsche, Öl, Tüv, Werkstatt, Innenreinigung.
Fazit: Ohne Auto habe ich viel gespart, habe wieder gelernt auf meinen "angewöhnten" Luxus verzichten zu müssen.

Ach ja und das Geld habe ich in meine Selbstständigkeit investiert =)

Das ist schon eine gute Idee. Leider ist das nicht für alle machbar. Ich wohne im ländlichen Bereich und die öffentlichen Verkehrsmittel sind hier eine Katastrophe. Hinzu kommt, das alles irgendwie weit weg ist. Selbst der nächste Supermarkt ist zu Fuß ein kleine "Weltreise". Und das Fahrrad ist auch nicht immer eine Option, da hier echt heftige Berge drin sind und außerdem kaum Radwege existieren (Bayern eben....). Als ich noch in der Stadt wohnte, habe ich das Auto auch kaum gebraucht und hätte es gern abgegeben. Naja, wir leben eben in einem Autoland 🙁

Erlaube mir die nachträglich Ergänzung:

Wenn dir ein Investment in Aktien jegliche finanzielle Spielräume nimmt, solltest du es überdenken. Wenn ich "nur" 10.000 € hätte, wären von 0 € in Aktien oder zumindest nur ein sehr kleiner Teil.

Ich kritisiere nicht deine Entscheidung gegen ein Auto. Ist vielleicht durchaus vernünftig, Sieh das Aktieninvestment aber als "weg" an. Auch wenn du in 5 Jahren plötzlich doch ein Auto willst, kannst du möglicherweise nicht an dein Aktiendepot dran.

Meiner Meinung nach: günstiges Auto kaufen und den Rest investieren. Auf keinen Fall Neuwagen oder ähnliches. Der Preisverfall in den ersten Jahren ist gigantisch ...