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Wie hoch ist eure Aktienquote?

Zitat von 49er am 31. Juli 2019, 6:19 Uhr

 

Weltweit breit gestreut ist deutlich besser. Der Dax ist eine "Pfeife". 😉

Das ist ja auch nur der Kursindex. Der zeigt nur die halbe Wahrheit. Es legt ja auch niemand ein Sparbuch an und sagt dann, die Zinsen interessieren mich nicht.

Zitat von Tim am 31. Juli 2019, 2:27 Uhr
Zitat von Stoliver am 30. Juli 2019, 10:18 Uhr

In Zukunft wird Die ETF-Position wohl die anderen Positionen überholen, da diese am stärksten wächst. Dennoch habe ich meine Sparpläne so gewählt, dass die Cash-Position auch stetig wächst. Wenn da wieder genug zusammengekommen ist, überlege ich mir wieder, was ich damit mache. Das werde ich dann manuell in die Aktien- oder P2P oder sonstige Position schieben.

Und deine ETFs sind in was investiert? Also ich zähle Aktien-ETFs auch zu Aktien.

Hi Tim,

ja da habe ich auch drüber nachgedacht. Wollte die Unterscheidung zwischen ETF und Einzelaktien treffen. Letztenendes hätte ich das in der darüber gemachten Aufteilung auch so machen können, wie bei dem ersten Punkt (der Öko-Kram, der in Aktien- und Mischfonds investiert).

Mein Aktienanteil beträgt meist zwischen  ca. 80 und 95 %. Dazu zähle ich natürlich Aktien und ETF´s.

Ich bin mir durchaus bewusst dass die Schwankungen brutal sein können, habe ich ja schon die Internet- Blase, und die Lehman- Krise als aktiver Investor miterlebt.

Bin ich 2001 noch geschockt vor dem Bildschirm gesessen, in der Hoffnung dass die Welt noch nicht untergehen möge, war ich 2008 schon smarter, und habe günstig

Qualitätsaktien zugekauft.

Da ich ein großer Buffett- Fan bin, besteht mein Depot zu ca. 35 % aus Berkshire- Hathaway B Aktien, was die letzten Jahre ein guter Puffer war.

Hier stimmt der alte Spruch: Hat Amerika einen Schnupfen, dann hat Europa die Grippe.

Die BH- Aktie ist ja auch keine typische Aktie sondern eine Holding, mit der man sich auch an Firmen beteiligen kann, die nicht an der Börse notieren.

In BH stecken so viele Aktien drinnen,  da kann ich mit meinem großen Depotanteil gut schlafen, bei einer "typischen Aktie" würde ich das nicht machen.

 

Sichere Anleihen bringen derzeit real keine Rendite, und es sieht nicht so aus, als ob das bald besser werden würde, deshalb stellen sie für mich keine brauchbare Alternative dar.

 

Was eventuell interessant sein könnte wären Kreditplattformen, dazu war ich allerdings zu bequem mich intensiv damit zu befassen, aber sag niemals nie.

 

Meine Aufteilung ist gerade 80 % werden in ETFs investiert und 20 % fließt aufs Tagesgeld. Allerdings arbeite ich bei der DB als Ingenieur. Da ist mein Job die nächsten Jahrzehnte wohl ziemlich sicher. Ich habe jetzt genug Cash auf dem Tagesgeldkonto für mehrere Monate. Ich denke darüber nach meinen Aktienanteil in nächster Zeit auf 100 %  zu schrauben. In ETFs und auch noch Einzelaktien.

Meine Vermögensverteilung: Aktienanteil 8 % / Gold 10% / Immobilien 70% / Betriebliche Lebensversicherung + Kapitallebensvers. 12%

In Aktien bin ich erst wieder seit 2018 eingestiegen. Ich verfolge eher eine Dividendenstrategie auch wenn ich ein paar Wachstumsaktien beimischen. Derzeit schüttet mein Depot 7% Dividende aus. Ich werde den Aktienanteil wohl etwas weiter ausbauen. Die Immobilienwerte habe sich in den letzten Jahre hervorragend entwickelt. Ich wohne in einer Urlaubsregion mit ständigem Zuzug.  Die Lebensversicherungen sind einfach noch von früher da, wobei alle dadurch Steuerfrei sind und auch zwischen 3-5% pro Jahr bringen. Besonders die britischen Lebensversicherungen schlagen sich gut. Kaufen würde ich die natürlich heute nicht mehr.

Von Immobilien bin ich nach wie vor überzeugt. Klar ist aber das die Kennzahlen beim Kauf stimmen müssen. Sicher ist es so, dass die Kennzahlen bei immer weniger Immobilien rechnen. Ich sehe den Immobilienmarkt hier auch eher am überhitzen. Klar ist aber auch, dass auch in der Zukunft jeder irgendwo wohnen muss.  Die Zinsen werden wohl tief bleiben. Mieten werden bei knappen Wohnraum weiter steigen und Immobilien könnten in diesem Umfeld eben auch noch weiter zulegen.

Interesse entwickle ich gerade für Reits und P2P-Kredite. Wobei P2P-Kredite werde ich wohl nur mit einem sehr (sehr) kleinen Anteil ausprobieren.

 

 

 

Interessanter Thread

Meine Verteilung (habe aber erst vor ein paar Monaten richtig mit der Verteilung etc angefangen)

15% Aktien/ETFs

5% Gold (physisch)

5% Krypto

5% P2P

~2,5% Sachwerte mit Wertsteigerungspotenzial

50% liegt noch auf dem Girokonto

~5% Bar zuhause im Safe

Der Rest (~13,5%) noch in irgendwelchen Bausparverträgen etc, welche ich aber früher oder später auflösen werde

 

Gesamtvermögen >100k, ist noch nicht ganz optimal alles von der Verteilung her, bin aber auch nicht so der risikofreudige Typ irgendwie. Aktien werde ich denke ich so auf 30% hochgehen, höher fühle ich mich ehrlich gesagt nicht wohl.

MfG

Abgesehen vom Notgroschen (3x mtl. Nettoeinkommen), alles in Aktien, da ich einen Anlagehorizont von 30+ Jahren habe.

Hallo zusammen,

viele hier glauben fest, dass die Börsenentwicklung der letzten 10 Jahre in die Zukunft übertragbar ist. Hab hier schon gelesen, dass anstatt 15% mit „konservativen“ 12% Wertentwicklung gerechnet wird. Das ist für mich schon sehr kühn.

Ich glaube, die Börsen haben sich in dieser Zeit über ihren langfristigen Durchschnitt entwickelt und diese Überbewertung wird sich in einem Satz oder über viele Jahre wieder normalisieren.

Ist die Ansparphase noch mehr als 20 Jahre lang, dann kann ich eine Aktienquote nahe 100% ja noch nachvollziehen. Aber angenommen ich starte mit 25 und möchte mit 40 Jahren in Rente, dann ist solch eine Quote schon bedenklich.

Zudem baut ja die gesamte Lebensplanung eines Frugalisten auf den baldigen Ausstieg aus dem Arbeitsleben auf. D.h. der Geldanlage kommt eine zentrale Bedeutung zu. Gibt es dann eine mehrjährige Korrektur, dann glaube ich fest, dass nur die Minderheit diese auch aussitzen kann. Von der psychischen Belastung in der Zeit ganz zu schweigen. Für einen Frugalisten ist daher zentral, wann die Quote auf welches Maß reduziert werden muss, damit das Risiko beherrschbar bleibt.

Angenommen es reichen jemand 400.000 EUR zum Ausstieg. Damit das zeitnah zu realisieren ist, gehen 100% in ETFs. Die Börse kennt 15 Jahre nur eine Richtung nach oben und das Ziel ist zum greifen nahe. Was, wenn die folgende Baisse über die nächsten 5 Jahre das Depot halbiert. Dann verlängert sich das Ziel auf unbestimmte Zeit. Die gesamte Lebensplanung gerät aus den Fugen. Noch schlimmer, wenn das einige Zeit in dem neuen selbstbestimmten Lebensabschnitt passiert.

Um das zu vermeiden müssen also vielleicht 800.000 EUR angespart werden. Dann kann auch ein Rückschlag von 50% ausgesessen werden oder die Quote muss deutlich reduziert werden (da können 30% schon zu hoch sein). Dann ist das aber wiederrum mit dem jährlichen Zins und Dividendenzahlungen nicht mehr darstellbar. Auch hier muss dann ein deutlich höheres Kapital zur Verfügung stehen.

Deshalb meine Frage, wie ihr das mit der Aktienquote haltet.

Gruß, Chrs

Eine Aktienquote von 100% ist an sich erst einmal kein Problem. Viel wichtiger ist hierbei die Frage nach der Anlagestrategie. Wenn z.B. jemand über 20 Jahre kontinuierlich in Aktien investiert, um dann von den Dividenden zu leben (Dividendenstrategie), dann ist ihm herzlich egal, ob der Markt mal um 50% einbricht. In dem Fall, hat er vielleicht 6% Dividendenrendite von seinem Buchwert. Wenn jemand nach der saisonalen Strategie investiert, ist er nur in der Hälfte der Zeit mit 100% Aktien im Markt, hat aber gleichzeitig sein Verlustrisiko auf weniger als 50% gedrückt, da er ja die schlechten Sommermonate nicht mitnimmt. Je nach dem wie die Strategie aussieht muss so kalkulieren, dass man eine gewisse Zeit ohne Zuflüsse überbrücken kann. Das heißt ein Bärenmarkt kann durchaus mal 4 Jahre anhalten. Entsprechend hohe Reserven sollten dann auch da sein. Wer von den Dividenden lebt, muss nur ein paar Monate überbrücken können. Die Gesamtrendite wird mit zunehmender Dauer immer positiv sein. Bisher war das beim DAX etwa 5% p.a. Wenn also ein Crash für -50% sorgt, wir es in den Folgejahren auch wieder eine extreme Hausse geben. Ich selbst habe keine 100%, da ich noch ein Haus besitze, dass ich aus familiären Grunden nicht verkaufen kann/werde. Ich strebe aber eine sehr hohe Aktienquote an. Die mir zu Verfügung stehenden Barmittel sind zu fast 90% in Aktien. Man darf hier auch nicht vergessen, im Verhältnis Risiko zu Redite sind Aktien unschlagbar.

Ich sehe halt keine wirkliche Alternative wenn sein Kapital effektiv vermehren moechte. Und ja, wenn es einen Crash kurz vor dem Ziel gibt muss ich halt noch 5-10 Jahre weiter arbeiten. Entweder nur mit dem Teilzeit-Einkommen das man zum Leben braucht oder man nutzt bewusst die Chance und investiert weiter waehrend der Markt niedrig steht und hofft auf den naechsten Aufschwung. Wenn man sich sicher ist, dass der Crash bald kommt kann man ja darauf wetten und reich werden. Leider ist ein Crash aber nicht vorhersagbar, egal wie hoch die Maerkte stehen. Und keiner kennt den richtigen Einstiegspunkt.
Zumal ein Einbruch von 50% wie 2008 auch nur bedeutet, dass die Gewinne von der letzten 3-4 Jahren weg sind. Fuer mich waehre das eh der ideale Zeitpunkt mein 401k in einen Roth zu transferieren und somit aufgrund des niedrigen Wertes eine Menge Steuern zu sparen - im Bereich von 10-20% des Depotwertes.

Ich sehe jedenfalls keinen Sinn darin das Geld mit Ertraegen kaum ueber der Inflation zu horten weil man Angst vor einem Einbruch hat. Allerdings wuerde ich natuerlich dazu raten immer zumindest eine Wohnimmobilie zu halten. Wenn die Immobilie abgezahlt ist brauche ich nur noch 30% meines Einkommens um den Lebensstandard zu halten. Einen Teil koennte ich jetzt schon mit Dividenden decken.

Zitat von Tim am 3. August 2019, 20:52 Uhr

Und ja, wenn es einen Crash kurz vor dem Ziel gibt muss ich halt noch 5-10 Jahre weiter arbeiten.

Dumm nur, wenn es einen Crash kurz nach dem Zieleinlauf gibt. Job schon aufgegeben, erste Entnahme getätigt und dann beginnt der Crash mit -50% für die nächsten paar Jahre.

Nächstes Jahr ist es bei mir soweit. Aus diesem Grund halte ich aktuell ca. 15 Monate Cash/Tagesgeld zum Abpuffern. Die letzten 25 Jahre hatte ich allerdings 90% Aktienquote und bin damit immer gut gefahren. Habe jeden Crash ausgesessen.

Zitat von ThomasH am 12. August 2019, 15:19 Uhr
Zitat von Tim am 3. August 2019, 20:52 Uhr

Und ja, wenn es einen Crash kurz vor dem Ziel gibt muss ich halt noch 5-10 Jahre weiter arbeiten.

Dumm nur, wenn es einen Crash kurz nach dem Zieleinlauf gibt. Job schon aufgegeben, erste Entnahme getätigt und dann beginnt der Crash mit -50% für die nächsten paar Jahre.

Nächstes Jahr ist es bei mir soweit. Aus diesem Grund halte ich aktuell ca. 15 Monate Cash/Tagesgeld zum Abpuffern. Die letzten 25 Jahre hatte ich allerdings 90% Aktienquote und bin damit immer gut gefahren. Habe jeden Crash ausgesessen.

Hallo Thomas,

vorsicht - ein Cash-Puffer von nur 15 Monaten hat auf das Sequence-of-Returns-Risiko fast keinen Einfluss, taugt also (außer zur persönlichen Beruhigung) nicht wirklich, um gegen einen typischen 50 %-Drawdown abzusichern (es gibt auch Entnahme-Simulationen, die das zeigen).

Das kann man sich auch leicht vor Augen führen, wenn man überlegt, welchen Anteil am Gesamtportfolio so ein Cashpuffer ausmacht. Lebt man etwa von einem Vermögen, das 25-30 Jahresausgaben groß ist, machen 15 Monate gerade mal 5 % davon aus. Es würde das Bankrottrisiko auch nicht großartig beeinflussen, wenn man den Aktienanteil von z.B. 90 % auf 85 % senkt.

Mehr zu Cash-Puffern habe ich hier und hier schon einmal kommentiert.

Geldanlage, insbesondere in Aktien hat sehr viel mit Psychologie und temporärem Gefühl zu tun. Unsicherheitsgefühl bei Abschwüngen gehört dazu. Da hilft Mathematik und Betrachtung von langfristigen Durchschnittsentwicklungen und Entnahmestrategien nur teilweise.

So gesehen ist ein Immobilie viel beruhigender. Ein Verkauf/Kauf einer Immobilie je nach (kurzfristiger) Wertentwicklung erscheint unrealistisch. Interessant: Also eben letztlich nur wegen des Aufwands, ....was ja dann auch irrational ist. Asset Allocation gilt für Immos nicht? Anyways!

Was also ist zu tun: Die eigene gefühlte Unsicherheit so gut es geht beruhigen, alles was das unterstützt ist hilfreich; also auch ein cash-Polster. Sowie meine Meinung: Eine "monetäre Überplanung" der Ausstiegssumme des FIRE-Zeitpunkt. 30 % mindestens, besser 50%. Deswegen bis ich by the way auch der Überzeugung mit Berechnungsdetails oder Einstiegs-Entnahme Details (wie hier im Forum oft gelesen) eher vorsichtig zu sein.

Die Märkte lassen sich rückblickend mathematisch beschreiben "was wäre wann am besten gewesen",  jedoch zeigen sie nur eine Meinung an für eine wie auch immer definierte zeitliche  Zukunft. Es kann alles passieren. Aber eben auch das Gegenteil. Das dann auszuhalten ist das Ziel. Sei es mit Einschränkung bei den Ausgaben, zusätzlichem Geld verdienen, cash Polster oder je nachdem einer mutigen/vorsichtigen Invest- oder Entnahmenstretgie...

Bei der momentanen Wirtschaftssituation, wo es an allen Ecken und Enden kriselt, würde ich persönlich mit meiner Aktienquote nicht über 25-30% gehen. Gefühlt ist das alles, nachdem es sich die letzten Jahre sehr aufgebläht hat, kurz vor dem implodieren. Halte da lieber noch etwas zurück und kaufe dann günstig Aktien nach wenn es fällt. Gab ja auch in den letzten Wochen Meldungen, dass es mit der US-Wirtschaft noch nie so lange am Stück bergauf ging wie aktuell, ein Crash oder zumindest eine Korrektur ist statistisch gesehen also längst überfällig.

Zitat von Oliver am 12. August 2019, 23:04 Uhr
Zitat von ThomasH am 12. August 2019, 15:19 Uhr
Zitat von Tim am 3. August 2019, 20:52 Uhr

Und ja, wenn es einen Crash kurz vor dem Ziel gibt muss ich halt noch 5-10 Jahre weiter arbeiten.

Dumm nur, wenn es einen Crash kurz nach dem Zieleinlauf gibt. Job schon aufgegeben, erste Entnahme getätigt und dann beginnt der Crash mit -50% für die nächsten paar Jahre.

Nächstes Jahr ist es bei mir soweit. Aus diesem Grund halte ich aktuell ca. 15 Monate Cash/Tagesgeld zum Abpuffern. Die letzten 25 Jahre hatte ich allerdings 90% Aktienquote und bin damit immer gut gefahren. Habe jeden Crash ausgesessen.

Hallo Thomas,

vorsicht - ein Cash-Puffer von nur 15 Monaten hat auf das Sequence-of-Returns-Risiko fast keinen Einfluss, taugt also (außer zur persönlichen Beruhigung) nicht wirklich, um gegen einen typischen 50 %-Drawdown abzusichern (es gibt auch Entnahme-Simulationen, die das zeigen).

Das kann man sich auch leicht vor Augen führen, wenn man überlegt, welchen Anteil am Gesamtportfolio so ein Cashpuffer ausmacht. Lebt man etwa von einem Vermögen, das 25-30 Jahresausgaben groß ist, machen 15 Monate gerade mal 5 % davon aus. Es würde das Bankrottrisiko auch nicht großartig beeinflussen, wenn man den Aktienanteil von z.B. 90 % auf 85 % senkt.

Mehr zu Cash-Puffern habe ich hier und hier schon einmal kommentiert.

15 Monate Cash mögen aktuell zuwenig sein, aber ich habe ja auch noch Zeit, das zu erhöhen. Leider müsste ich dazu hauptsächlich Aktien verkaufen, Steuern zahlen, Dividenden würden dadurch reduziert usw. Da sträube ich mich ein wenig. Zur Zeit investiere ich meinen Sparanteil einfach nicht. Bei einem hohen Aktienanteil wie ich ihn habe, sind die Kursgewinne in den letzten Monaten und Jahren höher als meine Sparrate, so dass der Aktienanteil sogar wächst, wenn ich nichts verkaufe...

Ich habe sehr interessiert deine Beiträge zu Entnahmestrategien verfolgt, aber du betrachtest das unter anderen Voraussetzungen.

Wir müssen (nur) ca. 6 Jahre ohne fixes Einkommen überbrücken, solange bis meine Frau und ich gesetzliche und betriebliche Rente bekommen (und in der Zeit fließen ca. 30% unserer Ausgaben als Dividenden). Danach werden wir mit Dividenden und Renten ca. 80% unserer heutigen Ausgaben decken. Wir müssen also ab diesem Zeitpunkt 20% aus dem Depot auffüllen. Ich gehe davon aus, dass wir dann den 25-30 fachen Jahresbetrag nur dieser 20% brauchen. Das ist ein ganz anderes Szenario von der Größenordnung als du es geschildert hast.

Und für 6 Jahre Überbrückung sehen 15 Monate Cash m.E. schon besser aus, aber natürlich noch nicht gut genug.

 

Zitat von PanameraFlow am 13. August 2019, 12:21 Uhr

Bei der momentanen Wirtschaftssituation, wo es an allen Ecken und Enden kriselt, würde ich persönlich mit meiner Aktienquote nicht über 25-30% gehen.

Wenn deine aktuelle Aktienquote 80% wäre, würdest du dann wirklich jetzt 2/3 deiner Aktien verkaufen, damit du auf deine gewünschte Aktienquote kommst?

Zitat von ThomasH am 13. August 2019, 14:08 Uhr
Zitat von PanameraFlow am 13. August 2019, 12:21 Uhr

Bei der momentanen Wirtschaftssituation, wo es an allen Ecken und Enden kriselt, würde ich persönlich mit meiner Aktienquote nicht über 25-30% gehen.

Wenn deine aktuelle Aktienquote 80% wäre, würdest du dann wirklich jetzt 2/3 deiner Aktien verkaufen, damit du auf deine gewünschte Aktienquote kommst?

Vermutlich nicht. Ist ja was anderes, wenn die Aktienquote schon hoch ist/war, und man schon einiges im Plus ist, und davon dann bisschen was wieder verliert, das wäre nicht so schlimm weil man ja all in all immer noch positiv da steht. Wenn man aber kurz vor einer Krise voll rein geht, startet man gleich mal mit einem dicken Verlust, das ist allein schon psychisch dann eine Belastung und kann dann auch ewig dauern, bis man wieder in die Gewinnzone kommt.

Normal heißt es ja man soll nicht versuchen den Markt zu timen und dem stimme ich unter "normalen" Umständen auch zu, aber wenn es so klar ist dass es ein blinder mit Krückstock sieht dass da bald was kommt, kann man schon finde ich eine Ausnahme machen und noch ein bisschen abwarten.

Kann jetzt auch sein dass ich völligen Blödsinn rede, aber will auch nur so viel investieren, wie ich mich auch wohl fühle, und das tue ich bei der aktuellen Situation nicht wirklich. Da würde ich mir aktuell lieber mehr Edelmetalle und Kryptos holen.

Zitat von PanameraFlow am 14. August 2019, 9:54 Uhr
Zitat von ThomasH am 13. August 2019, 14:08 Uhr

Vermutlich nicht. Ist ja was anderes, wenn die Aktienquote schon hoch ist/war, und man schon einiges im Plus ist, und davon dann bisschen was wieder verliert, das wäre nicht so schlimm weil man ja all in all immer noch positiv da steht. Wenn man aber kurz vor einer Krise voll rein geht, startet man gleich mal mit einem dicken Verlust, das ist allein schon psychisch dann eine Belastung und kann dann auch ewig dauern, bis man wieder in die Gewinnzone kommt.

Normal heißt es ja man soll nicht versuchen den Markt zu timen und dem stimme ich unter "normalen" Umständen auch zu, aber wenn es so klar ist dass es ein blinder mit Krückstock sieht dass da bald was kommt, kann man schon finde ich eine Ausnahme machen und noch ein bisschen abwarten.

Kann jetzt auch sein dass ich völligen Blödsinn rede, aber will auch nur so viel investieren, wie ich mich auch wohl fühle, und das tue ich bei der aktuellen Situation nicht wirklich. Da würde ich mir aktuell lieber mehr Edelmetalle und Kryptos holen.

Ja du redest Bloedsinn 🙂
Wenn du davon redest, dass man schon Gewinn mit den Aktien gemacht hat und sie deswegen nicht verkauft, dann ist das Psychologie. In Wahrheit spielen die vergangenen Gewinne keine Rolle. Man hat Kapital X zu Zeitpunkt Y. Die Vergangenheit hat auf die zukuenftige Entwicklung keinen Einfluss. Wenn man mit solchen Gefuehlen am Markt agiert hat man schon verloren.Wenn "ein Blinder mit Krückstock" sieht, dass etwas an den Maerketen passiert, dann ist dieser Blinde nachstes Jahr ein Multi-Milliardaer. Wenn der passende Zeitpunkt bloss so einfach waere und man sogar besser darin ist als die Insider..

Ich verstehe

130 % von meinem Nettovermögen (abzüglich Eigenheim und Wert meiner Praxis) in Aktien und 0 % Renditeimmobilien:

Warum 0 % Renditeimmobilien? Und der Vergleich mit unseren Aktieninvestitionen

Aus meiner Praxis als Wirtschaftsprüfer und Steuerberater (wir betreuen eine Reihe von (sehr) erfolgreichen Immobilieninvestoren/-entwicklern) kann ich ableiten, dass folgende Faktoren notwendig sind, für erfolgreiche Immobilieninvestments:

  1. Die richtige Lage und
  2. der richtige Preis und
  3. die Mieteinnahmen gut steigern bzw. optimieren und/oder
  4. die Ausgaben der Immobilie optimieren

Ich habe kein Gefühl für Lage und keine Freude an Punkt 3. und 4.. Deshalb habe ich auch mit meiner Frau nur in eigengenutzte Immobilien investiert. Meine Frau hat ein sehr gutes Gefühl für Lage. Instruktiv für den anektdotischen Renditevergleich meiner Immobilieninvestition mit meinen Aktieninvestitionen ist die Situation unseres Eigenheimes. Wir haben es in 2002 für 370.000 € gekauft. Die Bank schätzt es derzeit mit einem Verkaufswert von 450.000 € ein. Die optimistischsten Makler schätzen den Wert der Immobilie auf maximal 800.000 € (wir haben Glück gehabt, bei uns sind Preissteigerungen zu beobachten wie in hochattraktiven Lagen in Hamburg). Mit anderen Worten, wir haben eine Wertsteigerung von maximal 4,6 % p.a. oder mindestens 1,2 % p.a. erzielt. Die ersparte Miete ist m.E. aufgefressen worden für Hausverschönerungen, Arbeitszeit im und am Haus und anderen Kosten, die normalerweise ein Vermieter zu tragen hätte.

Unsere Aktieninvestitionen haben im gleichen Zeitraum ca. 7 bis 11 % p.a. Rendite gebracht. Die Bandbreite ist darauf zurückzuführen, dass ich die Sparquote nur schätzen kann. Weiterhin habe ich den Fehler gemacht, in Aktienfonds zu investieren und nicht in Indexfonds oder mit einer Aktienstrategie, die ich jetzt verfolge zu investieren. Sonst wäre die Rendite zwischen 8-12 % p.a. oder höher gewesen. Dieser Renditeunterschied von der Immobilieninvestition und Aktien von mindestens 2 % bis zu maximal 10,8 % p.a. führt zu gewaltigen Vermögensunterschieden in der Zeit (siehe unten)!

Dafür hat das Haus und das damit verbundene Gefühl unser Lebensglück eindeutig erhöht.

 

Warum 130 % Aktien?

Die Finanzierung meiner Praxis habe ich zunächst tilgungsfrei gestellt und statt dessen in Aktien als Tilgungsersatz gespart. Dies habe ich bis heute beibehalten. Weiterhin nehme ich seit dem Crash in 2008 in Crash-Zeiten Kredit auf, um zu billigen Preisen mehr Aktien zu kaufen. Diese Kredite führe ich dann später, wenn die Aktienpreise sich erhöht haben, mit meinen normalen Sparraten wieder zurück.

 

Warum Aktien-meine Überlegungen

Hintergrund ist, dass ich ein Aktienmensch bin und die folgenden Überlegungen (aus einem Investorenbrief für unseren Familieninvestmentclub leicht editiert) dazu geführt haben:

 

Warum Aktien?

Zunächst betrachten wir uns die allseits geäußerte Binsenweisheit:
Aktien sind unsicher!
Historisch betrachtet (Betrachtungszeiträume je nach Alter des Aktienmarktes mehrere hundert Jahre) schlagen Aktien im Durchschnitt Anlagen in Anleihen oder Immobilien um 3 bis 7 % p.a. (Es gibt jetzt im Netz eine Studie, die zu einem gegenteiligen Ergebnis kommt, als die zuvor erschienen vergleichenden Langfriststudien. Allerdings geht diese neuere Studie von Rückrechnungen und nicht von den tatsächlich in der Vergangenheit realisierten Werten aus). Im Durchschnitt erzielen Aktienanlagen in Ländern wie den USA eine Rendite in der Vergangenheit zwischen 10 % p.a. (bei Anlagen in große Aktiengesellschaften) und 12 % p.a. (bei Anlagen in kleine Aktiengesellschaften). (Ich erkläre mir den Hintergrund wie folgt: Die Manager von Aktiengesellschaften können alternativ auch in Immobilien und/oder Anleihen das Geld der Aktiengesellschaft investieren, statt die unternehmerischen Aktivitäten zu betreiben. Das wird in der Regel auch vorgenommen, wenn sich damit bessere Renditen erwirtschaften lassen.). Es gibt darüberhinaus noch weitere Gründe, die empirisch nachgewiesen worden sind. Dazu auf Nachfrage gerne mehr.

3 bis 7 % p.a. hört sich nach einer nicht so bedeutenden Differenz an. Nehmen wir den Anlagehorizont von meinem Neffen und meiner Nichte von ca. 55 Jahren bis zum offiziellen Ruhestand, dann ergibt eine 5 %ge Rendite eine 14,6 fache Vervielfältigung einer heutigen Anlage. Bei 10.000 € Anlage errechnen sich somit in 55 Jahren ein Endbetrag von 146.000 €. Ein beachtlicher Betrag. (Übrigens 5°% entspricht auch in etwa der Rendite, die meine Familie mit dem Verkauf meines Elternhauses erzielt haben.) Bei 10 % Rendite werden aus 10.000 € allerdings 1.890.000 €. Bei einer Aktienstrategie, wie ich sie jetzt verfolge ist für 20 Jahre eine Rendite von 15 % bis 20 % p.a. und dann für die verbleibenden 35 Jahre eine Rendite von 10 % p.a. denkbar. Aus 10.000 € würde dann 4.600.000 € bzw. 10.770.000 € an Vermögen erzielt werden. Zeit und eine einigermaßen vernünftige Rendite (z.B. von 10 %) sind der entscheidende Hebel für ein Vermögensaufbau (auch und gerade für das Alter). Je früher begonnen wird, zu sparen und vernünftige Renditen zu erzielen, desto besser. Dies ist selbst mit hohen Sparbeiträgen im späteren Alter nur schwer aufzuholen.

Es bleibt die Frage, warum gelten Aktien als unsicher und deshalb ungeeignet für eine sichere Geldanlage?

Zunächst ist festzustellen, dass der Anlagehorizont entscheidend ist. Bei einem Anlagehorizont von unter 10 Jahren ist von Aktien abzuraten. Bei einem Anlagehorizont von 30 Jahren gibt es zu Aktien null Alternativen, es sei denn, man ist absoluter Immobilienprofi, der unternehmerisch in Immobilien investiert. Anliegende Untersuchung zeigt z.B. dass jeder rollierende 30 Jahreanlagezeitraum in den USA mit ganz wenigen Ausnahmeperioden zu Renditen von 10 % p.a. oder mehr geführt hat (seit 1926). Es gab nur wenige 30 Jahresperioden, die unter 10 % lagen. Die niedrigste Rendite betrug 8,47 % p.a. (was ja auch nicht schlecht ist J) für eine 30 Jahresperiode (von 1929-1958, also die Zeit der großen Depression).

Es bleibt weiterhin die Frage, warum gelten Aktien (selbst bei einem Anlagehorizont von 30 Jahren) als unsicher und deshalb als ungeeignet für eine sichere Geldanlage?

Der Hauptgrund ist die Funktionsweise unseres menschlichen Gehirns:

  1. Ein Verlust von beispielsweise 10 % wird emotional 5 bis 10 Mal stärker wahrgenommen (mit schmerzhaften Gefühlen) als ein Gewinn von 10 % (mit entsprechenden Glücksgefühlen). (Dies sind Erkenntnisse der Verhaltensökonomie und Psychologie)
  2. Der Feuereffekt: Wer als Kind sich am Feuer verbrannt hat, weiß was ich meine: Vor der Schmerzquelle zuckt der Mensch zurück. Mit anderen Worten, wenn man mit seinen Aktien Verluste und damit Schmerzen erleidet, verkauft man die Aktien und damit die Quelle der Schmerzen. (Beobachtungen meiner ersten Gefühlsimpulse in der Phase 2000 bis März 2003 und 2007 bis März 2009). So werden aus Verlusten auf dem Papier ganz reale Verluste! Der schlimmste psychologische Fehler, den Menschen in dieser Situation begehen, ist folgender Effekt: „Ja ich weiß, dass Aktien langfristig die beste Vermögensinvestition ist. Aber ich verkaufe jetzt, weil die Kurse permanent fallen und kaufe die Aktien am Tiefstpunkt billigst oder billiger zurück. So mache ich mehr aus dem Geld.“ Diese Menschen verkaufen dann und verpassen dann den richtigen Einstiegszeitpunkt. Dies ist empirisch mittels diverser Untersuchungen nachgewiesen. (Dazu später mehr). Im Ergebnis führt der Feuereffekt dann dazu, dass die Schmerzen damit real geworden sind. Dies führt zu dem weiteren Effekt, dass diese Menschen dann sagen: „Aktien sind zu unsicher!“ Wer kennt nicht das Sprichwort: „Gebranntes Kind scheut das Feuer!“
  3. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Der Mensch paßt sich dem Verhalten seiner Gemeinschaft an! Gerade in Phasen, wo die Aktien über einen längeren Zeitraum gefallen sind, beschreiben die Medien vor dem Hintergrund von 1. und 2. besonders intensiv die andauernde Verlustphase („Bad news are good news“) und es kommen vermehrt Experten zu Wort, die eindringlich vor Aktien als Anlage generell oder in den jetzigen Zeiten warnen. Wenn alle gefühlt vor Aktien warnen, wer ist dann noch so mutig seine Aktien zu behalten oder gar in Aktien zu investieren insbesondere wenn man kein Experte auf dem Gebiet ist?

Vielleicht ist es möglich, von den Menschen zu lernen, die strukturell für die Aktienanlage sehr geeignet sind. Genau dies hat Fidelity versucht herauszufinden. Fidelity ist einer der ältesten und größten Anbieter und Verwalter von Aktienfonds weltweit mit einem verwalteten Vermögen von mehreren hunderten von Milliarden Euro oder sogar mehr. Fidelity hat untersucht, welche Merkmale haben die Anleger, die am erfolgreichsten bei ihnen angelegt haben (also nach Alter, Vermögen, Geschlecht, angestellt oder selbständig etc.). Zwei Gruppen waren mit Abstand die erfolgreichsten Anleger:

  1. Die Toten, wo die Erben nicht wußten, dass der Tote ein Depot bei Fidelity hat.
  2. Die Anleger, die vergessen hatten, dass sie ein Depot bei Fidelity haben.

Beide Strategien haben aus meiner Sicht unerwünschte Nebeneffekte, die mich davon abhalten, sie eins zu eins nachzubauen. Bei Strategie 1. müßte ich meine Frau und meine Kinder bitten, medizinisch z.B. durch eine entsprechende Operation dafür zu sorgen, dass ihr Gedächtnis entfernt wird oder anderweitig dauerhaft lahmgelegt wird und dann muß ich danach Selbstmord begehen. Brrrrr! Kein schöner Gedanke. Bei Strategie 2. müßte ich mein Gedächtnis herausoperieren lassen oder lahmlegen lassen. Schon besser, aber für mich auch nicht erstrebenswert.

Allerdings gerade in den Situationen, wo man versucht ist, zu verkaufen, sollte man sich vor Augen halten: Was würde jetzt ein Toter machen, dessen Erben nicht wissen, dass Aktien vorhanden sind? Richtig: Nichts tun, die Aktien behalten!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Das hat mir geholfen, meine Strategie beizubehalten und in diesen Phasen die Aktien zu behalten.

Verzeiht, diese doch sehr plakative Darstellung. Sie ist aber notwendig, da ich aus eigener Erfahrung weiß, wie schwer es ist, wenn das eigene Aktienportfolio um 20, 40 oder gar 60 % fällt und damit auf dem Papier die Ersparnisse von Jahren einfach ausradiert werden, diese Strategie beizubehalten.

Das was ich mir zugestehe, ist Aktien oder Fonds, wo ich aus welchen Gründen auch immer, die Überzeugung  verloren habe, zu verkaufen und die Erlöse gleichzeitig in Aktien und Fonds zu investieren, die ich besser finde und von denen ich überzeugt bin. Meine Frau und ich legen unser Geld schon seit über 20 Jahren systematisch in Aktien an. Während dieser Zeit haben wir netto nicht eine Aktie verkauft, sondern haben jedes Jahr netto mehr in Aktien angelegt als verkauft. Obwohl dieser Zeitraum einer der schlechtesten Anlagezeiträume war (Seit 1999 hat der DAX Kursindex immer noch nicht sein Hoch in 1999 wieder erreicht! Der DAX, der immer veröffentlicht wird, ist der DAXindex, wo die anfallenden Dividenden jedes Jahr reinvestiert werden. Nur dieser sogenannte Performanceindex ist in dieser Zeit deutlich gestiegen).

Das zweite was mir gerade in den Phasen der äußersten Verluste März 2003 und März 2009 geholfen hat, war folgendes: Das Verhältnis der Gewinne, die die Aktien in Gesamtheit zu ihren Kursnotierungen hatten, war äußerst preiswert. Bei einem Zinsniveau für sichere Geldanlagen wie Bundesanleihen von unter 7 % p.a. bei 10/30jährige Bundesanleihen, war das Verhältnis der geschätzten Gewinne für alle Aktien zu diesem Zeitpunkt im Durchschnitt bei deutlich über 10 % nach meiner Erinnerung bei ca. 15 % p.a. nach Steuern. Mit anderen Worten, wer damals Aktien gekauft hat, hat mit seiner Anlage jedes Jahr 15 % p.a. an Gewinnen auf seinen Kapitaleinsatz erzielt bei 5 % Verzinsung für eine Bundesanleihe vor Steuern! Für mich gab es nur 2 Szenarien, die eine so geringe Bewertung rechtfertigen bzw. die trotzdem ein Verkauf der Aktien rechtfertigen würden:
1. Einen Weltkrieg, der 80 -90 % der Bevölkerung der Welt auslöscht (was viele in März 2003 bis zum Ablauf des ersten Tages des Irakkrieges befürchtet haben). Nach dem 1. Tag war für jeden aus dem Kriegsverlauf erkennbar, dass der Irak null ABC (Atomar, Biologisch, Chemisch) Waffen hatte, die geeignet waren, einen Weltkrieg auszulösen. Dann stiegen die Kurse ab dem 2. Kriegstag wieder an und das Jahr 2009 endete mit einer fulminanten Aktienrally) und
2. Eine Weltwirtschaftskrise, die 80-90 % der gesamten Unternehmen zerstört (was viele bis März 2009 befürchtet haben. Dann war klar, dass die massiven Interventionen der Notenbanken und Regierungen gegriffen haben. Übrigens so verheerend war auch die Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren nicht). Im Ergebnis also absurd geringe Bewertungen, die aus meiner Sicht ökonomisch jenseits jeder rationaler Erklärung waren. Dies hat mich bestärkt meine Aktien zu behalten und dazu zu kaufen. Glücklicherweise für meine Frau ist sie mir da mit ihrem eigenen Geld gefolgt.

Das dritte, was hilft, den Verlusteffekt (Verluste empfindet man um ein Vielfaches höher als Gewinne mit ihren Glücksgefühlen) zu vermeiden. Eine Möglichkeit besteht darin jahrelang besser jahrzehntelang gar nicht zu schauen. Oder in Phasen der Gewinne immer hinzuschauen und in Phasen der Verluste gar nicht hinzuschauen, wie sich das eigene Depot entwickelt hat (das mache ich). Oder den Darstellungszeitraum so zu wählen, dass ich Gewinne sehe (das mache ich auch).

 

Zusammengefaßt gibt es diese drei Bonmots:

Kostolany: „Aktien kaufen und sich dann(30 Jahre, meine Ergänzung) schlafen legen.“

Rothschild (?): „Kaufe Aktien, wenn die Kanonen donnern!“

Warren Buffet: „Sei ängstlich, wenn die anderen euphorisch/gierig sind und sei gierig, wenn die anderen ängstlich sind.“

Oder noch einfacher, alle Gelder/Sparraten, die der Altersversorgung/der finanzielle Unabhängigkeit dienen, in Aktien anlegen und liegen lassen!

 

Gilt das auch, wenn man in den Ruhestand eintritt?

Auch hier wird oftmals empfohlen, dass dann der Zeitpunkt gekommen ist, die unsicheren Aktien zu verkaufen und sicherere Geldanlagen zu tätigen. Dies sehe ich genau andersherum. Meine Strategie als 55jähriger aber auch als 60 oder 80jähriger sieht folgendermaßen aus:

Der Ausgangspunkt meiner Überlegungen ist, dass ich als 55jähriger noch eine Lebenserwartung von mehr als 30 Jahren bei gleich bleibenden Stand der medizinischen Versorgung habe. Sollten bahnbrechende medizinische Innovationen erfolgen, die mein Leben in Gesundheit, Glück und innerer Zufriedenheit deutlich verlängern, so kann ich auch über 100 Jahre oder vielleicht sogar deutlich älter werden. Für diesen Fall (ich werde 120 oder älter) möchte ich vorbereitet sein:

Ich werde weiter voll in Aktien investiert sein und maximal ca. 4-5 % des jeweiligen Aktienwertes entnehmen, also verkaufen und verbrauchen. Im Ergebnis steigt mein Aktienvermögen trotz der Entnahmen im Zeitablauf an. Ggfs. Sollte mein Aktienvermögen so hoch sein, dass ich eine 4-5%ge Entnahme nicht verbrauchen kann, so würde ich diese Entnahmen nur in Jahren vornehmen, wo die Aktienkurse deutlich gestiegen sind und in den Jahren wo die Aktienkurse gesunken sind, keine Entnahmen und damit keine Verkäufe tätigen. In diesem Fall wächst das Aktienvermögen (überschlägig gerechnet mit einer Rendite von Aktienrendite minus Entnahmesatz im Durchschnitt. Also bei bei 10°% Aktienrendite und 4 % durchschnittlichen Entnahmen auf den Ausgangswert wächst das Aktienvermögen um 6 % p.a.).

Sollten meine Erben diese Strategie nach meinem Tod weiter fortsetzen, so sind diese und deren Erben (kann auch eine gemeinnützige Stiftung sein) auf Generationen versorgt (es sei denn, sie werden enteignet oder sie erleiden vergleichbare Schicksale).

In diesem Sinne wünsche ich uns eine gemeinsame Zukunft mit der Perspektive der wirtschaftlichen Freiheit.