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Wer berät einen in Anlagedingen?

Ich brauche glaub Hilfe, um mir ein für mich passendes, frugales „Ziel“ zu setzen. Ich lese und lese und lese...und komme doch auf keinen grünen Zweig. Dadurch dass ich schon 50 bin und sehr sehr magere (alleinerziehende) Jahre hinter mir habe, wird das nichts mehr mit ER. Glaube ich....

Außerdem besitze ich bereits einige „Produkte“ (Riestervertrag sowie sehr sehr alte Kapitallebensversicherung sowie eine in absehbarer Zeit abbezahlte selbstbewohnte Immobilie), habe aber keinen Schimmer, ob ich die jetzt weiter besparen soll oder eher nicht. Nach einer beruflichen Fortbildung bin ich nun in der glücklichen Lage, zum ersten Mal im Leben einen tollen, gut bezahlten Job zu haben und ich kann monatlich einiges sparen. Nur weiß ich gar nicht, wo mich das alles eigentlich hinführen soll....und in den letzten Wochen merke ich, dass ich gar nicht mehr so motiviert bin, meine Ausgaben aufzuschreiben und den Monatsabschluss zu machen. Ich denke, mit einem Ziel vor Augen wäre das irgendwie positiver...

Lange Rede, kurzer Sinn: wen kann ich da fragen? In Ollis Artikel steht, man soll einen Honorarberater nehmen. Das darf durchaus was kosten, aber: wo finde ich denn hier auf dem Land jemanden, der kompetent ist (und vielleicht sogar das mit dem Frugalismus versteht?)

Gibts so ne Beratung online? Was würdet ihr machen?

Da jemand zu finden, ist glaube ich schon schwierig. Entweder wollen die doch noch ihre Produkte verkaufen, haben keine Ahnung, sind zu teuer, beraten nur Leute mit richtig viel Kohle...

Grundsätzlich für die Basics finde ich immer finanztip gar nicht schlecht. Ausserdem hast du doch hier viele erfahrene, hilfsbereite Leute.

Als erstes musst du eine Vermögensaufstellung machen. Fang mal damit an. Was hast du, was ist das Wert. Alles auflisten, auch Ansprüche aus der Rentenversicherung. Dann hier posten und wir sehen mal weiter...

Ich bin schon über fünfzig, bin seit langem selbständig (nix gesetzliche Rente) und konnte bislang auch nur sehr, sehr wenig fürs Alter sparen.

Der Zinseszins macht bei unserer kurzen Rest-Sparzeit nicht mehr so sehr viel aus wie bei den Jungspunden 😉 . Wir müssen nicht die Super-Rendite einfahren, sondern wir müssen vor allem Geld zurücklegen! Somit ist unser eingesetztes Kapital viel wichtiger als die Erträge daraus. Das nimmt ggf. schonmal sehr viel Druck aus der Sache raus.

Deine bisherigen Anlageformen würde ich weiterbesparen (KLV noch hoher Garantiezins und noch steuerfrei), Riester würde ich einfach mit dem bisherigen Beitrag weiterlaufen lassen, aber nicht mehr aufstocken auf aktuell höheres Einkommen. Es sei denn, Du hättest wirklich einen Supertarif. Beide reichen ja sowieso nicht aus für Deine Rente, Du sparst also keineswegs zuviel dort rein.

Selbstbewohnte Immobilie: Überlegen, ob sie von der Größe her noch zu Dir passt oder ob Du sie verkaufen würdest und dafür eine kleinere Wohnung erwerben wollen würdest, vielleicht eine, wo Du ohne Auto auskommen kannst.

Überlegen, wie groß Dein Risiko sein soll, mit dem Du noch gut leben kannst. Sichere Anlageformen: Deine selbstbewohnte Immobilie, Deine beiden Lebens-/Rentenversicherungen, Deine Ansprüche aus gesetzlicher RV, Deine Instandhaltungsrücklage auf dem Sparbuch, Tagesgeld für die Ausgaben der nächsten 2 Jahre (oder was immer Du eben festlegst, damit Du Dich "sicher" fühlst).

Jetzt haste nach Abzug Deiner Kosten (Lebenshaltung, Immokredit-Rate, LV/Riester) noch einen Betrag übrig, den buchst Du erstmal auf das Konto für die unregelmäßig anfallenden Ausgaben wie bspw. jährliche Autoinspektion, jährliche Versicherungsbeiträge, usw. Wenn dort die unregelmäßigen Kosten für 2020 beisammen sind, kommt die Rücklage fürs Auto und für Haushaltsgeräte und für Urlaube dran. Wenn die aufgefüllt ist, geht Geld auf das Sicherheitspolster, das Du weiter oben für Dich selbst festgelegt hast (bspw. alle Kosten für 2 Jahre). Und wenn das alles aufgefüllt ist, dann kannst anfangen, einen (mach es Dir einfach, nimm nur einen Welt-ETF) Aktienfonds zu besparen.

Ein Honorarberater muss nichts von Frugalismus verstehen, der muss von Dir hören, wie Dein Risiko-Level aussieht, was Du bereits an Anlagen hast, wie hoch Deine Ausgaben sind und wieviel Du zurücklegen kannst. Wenn er seine Arbeit gut macht, wird er nur einen Teil in riskante Anlageformen stecken, denn Du kannst halt nunmal keine 20 Jahre "aussitzen", sondern brauchst das Geld schon in ein paar Jahren, um Deine magere gesetzliche Rente aufzustocken.

Mal Dir doch einen Zeitstrahl auf und zeichne ein, wann welche Gelder aus Gehalt, LV, Riester, GRV, etc. reinkommen. Parallel zeichnest Du Deine aktuellen Kosten ein, die jährlich um 2 % (Inflation) steigen. Dann siehst Du schnell, wann Du wieviel Geld aus dem jetzt anzusparenden Guthaben zuschießen musst, um die Kosten decken zu können.

@Christine,

hätte man nicht besser schreiben können. Kann ich von meiner Seite aus genau so empfehlen 😉👍

Danke für Eure Antworten. Ich mache mal unter "Finanzielle Freiheit: allgemeine Diskussion" einen Threat mit meinen Zahlen auf und bitte dort um Meinungen!

Hallo Uhuohenhu,

warum willst noch einen neuen Thread aufmachen? Deine Zahlen stellst Du Dir nach Deinem Risiko-Sicherheit-Empfinden zusammen. Da können andere nicht "man fasse mit der rechten Hand an den linken Schnürsenkel", also ganz genau welches Produkt kaufen und welches nicht, raten.

Wolltest Du nicht vom Grübeln ins Tun kommen? Frag Deine Freundin, ob sie mit Dir die Zahlen durchgeht, das hilft Dir vielleicht, anzufangen.

Frugi63, vielen Dank 🙂