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Vorstellung

Guten Abend Zusammen,

auf Olivers Homepage bin ich durch einen Artikel in der Wirtschaftswoche vor einiger Zeit aufmerksam geworden. Dies war für mich der Einstieg erst die meisten Artikel hier (welche ich wirklich sehr gelungen finde!) und nachfolgend auch auf englischen Homepages (beispielsweise MrMoneyMoustache) zu verschlingen. Wie ich das in dieser Rubrik schon öfters gelesen habe, erkenne auch ich mich in vielen Vorstellungen von anderen Usern wieder.

Zu meiner Person:

Ich bin 37 Jahre alt und komme aus dem Rheinland. Nach einem naturwissenschaftlichen Studium habe ich 2011 meinen ersten wirklichen Job angetreten. Seitdem habe ich mehrere Wechsel hinter mir und bin inzwischen in einem Konzern im Bereich Entwicklung in der chemischen Industrie unterwegs.

Mein Gehalt hat sich seit dem Berufseinstieg deutlich verbessert (aktuell 3800 monatlich netto, St. Klasse IV). Wenn ich aber ehrlich bin, ist es eigentlich so, dass mir das Verhältnis aus Zeit zu Einkommen, wie ich es im Studium hatte, viel besser gefiel, als die aktuelle Situation. Dazu kommt, dass ich meinen aktuellen Job nicht wirklich als sinnstiftend empfinde (das ist milde ausgedrückt). Was ich im Gegenteil hierzu genieße ist es, Zeit mit meiner Familie (zwei kleine Kinder) und meinen Freunden zu verbringen. Wenig frugal wohne ich in einem Haus in einer ländlichen Gegend mit einem großen Garten (dieser bedeutet mir eine Menge). Hiervon abgesehen bedeutet mir Geld allerdings reichlich wenig. Ich gehe dabei so weit, dass ich Geld in erster Linie als Äquivalent für Lebenszeit empfinde, welches ich somit möglichst erhalten möchte. Es klingt wie eine doofe Floskel, aber ich habe auch an mir selbst beobachtet, dass die Dinge, die mir am meisten Spaß machen, ziemlich wenig kosten. Insofern ist es mir schleierhaft, wie Menschen auf die Idee kommen, viel Geld für ein teures Auto zu verwenden, wenn es auch anders geht. Da es mit dem ÖPNV hier ziemlich Essig ist, bin ich auch auf ein Auto angewiesen, welches aber inzwischen 10 Jahre alt und auf Wirtschaftlichkeit getrimmt ist.

Eigentlich mit dem Einstieg in den Beruf habe ich bei mir beobachtet, dass nicht nur Tage, Wochen und Monate sondern auch Jahre wie im Flug vergehen. Die empfundene Zeit, die eine Arbeitswoche von Mo-Fr dauert ist sehr kurz und das Wochenende sowieso. Ich kann mir gut vorstellen, dass es Vielen hier nicht anders geht.

Love it, change it, or leave it - Was also tun?

Mein Ziel ist es, dies wieder zu verlangsamen. Ich möchte die Möglichkeit haben, wieder Zeit zu „verpimmeln“. Es ist erfrischend zu beobachten, wie Kinder ihre Zeit verwenden, was Erwachsenen irgendwann meist verloren geht. Auch stört es mich, dass wir in einer Gesellschaft leben, wo das Meiste ständig weggeworfen wird. Mir macht es Spaß Dinge zu bauen und hierfür möchte ich Zeit haben.

Wie ich schrieb, fühle ich mich für meine Familie verantwortlich, was für mich eine Rolle spielt. Wenn ich das für mich (wäre ich alleine) auch gerne anders hätte, möchte ich das in meiner Entscheidung berücksichtigen. Im Klartext heißt es, dass ich noch nicht sofort etwas verändern werde, sondern lieber noch für einige Jahre einen Kapitalstock aufbaue. Für mich ist es danach absolut ok, einen kleineren Job in Teilzeit zumachen, wenn dies auch heißt, dass Karriere damit nicht funktioniert (auch dies bedeutet mir nicht allzu viel). Vorstellen könnte ich mir auch Jobsharing.

Zum Thema Finanzen:

Investieren an der Börse übt für mich schon seit vielen Jahren eine starke Faszination aus. Wahrscheinlich gehöre ich auch zu einer sehr kleinen Gruppe, der das Erstellen einer Steuererklärung irgendwie Spaß macht. Ich habe 2000 angefangen in den neuen Markt zu investieren und habe mit dem Platzen der Dotcom Blase eine kalte Dusche bekommen, allerdings vermutlich zur richtigen Zeit in meinem Leben. 2003 habe ich durch den Tod meiner Mutter eine Erbschaft erhalten, welche ich investieren wollte. Da ich hiermit aber einhergehend eine hohe Verantwortung empfand, war ich sehr konservativ unterwegs und hatte eine eher geringe Aktienquote. Bis 2008 steigerte diese sich, so dass die Finanzkrise ordentlich weh tat. Paradoxerweise habe ich seitdem, auch mit dem Einstieg in den Beruf deutlich stärker erst in Aktien/Aktienfonds und später in Aktien ETF großer Indizes investiert, da ich dies als alternativlos ansehe. Um den Kapitalstock aufbauen, setze ich entsprechend auf Aktien und bespare mehrere ETF Sparpläne. Mir erscheint eine hohe Aktienquote von ~70-80% inzwischen sinnvoll. Ich habe die Sparpläne allerdings so aufgesetzt, dass nur ~35% meiner Sparquote in Aktien ETF investiert werden. Für die Differenz warte ich auf einen Rücksetzer, um dann zu investieren. Es mag sein, dass mir hiermit Rendite entgeht, aber ich könnte mir vorstellen, dass sich die Nervosität der Aktienmärkte in der nächsten Zeit entlädt. Da das natürlich aber niemand wissen kann, verfolge ich diese Kombination.

Ich hätte die Möglichkeit, in einigen Jahren eine Anschlussfinanzierung für unser Haus nicht in Anspruch zu nehmen und das Haus komplett abzubezahlen. Damit wäre ich allerdings einen guten Teil des Ersparten los. Alternativ könnte ich die Anschlussfinanzierung (ist ein Bausparvertrag, den ich nicht in Anspruch nehmen muss) durch ein normales Anuitätendarlehen ersetzen. Das eingezahlte Kapital in dem Bausparvertrag könnte ich ab sofort (vorzugsweise zeitlich gestückelt) in ETFs investieren, welche große Aktienindizes abbilden. Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich nicht lieber in einem abbezahlten Haus wohne. Geht es jemand da ähnlich / was würdet ihr machen?

Denjenigen, die bis hierhin durchgehalten haben, danke ich und wünsche eine gute Nacht! 🙂 Sorry für den langen Text....

Viele Grüße

Ludwig_14

Hallo @ludwig_14

viele Gedanken die Du da hast. 🙂 Danke für Deinen Blick auf Dein Leben.

Mein Ziel ist es, dies wieder zu verlangsamen. Ich möchte die Möglichkeit haben, wieder Zeit zu „verpimmeln“. Es ist erfrischend zu beobachten, wie Kinder ihre Zeit verwenden, was Erwachsenen irgendwann meist verloren geht. Auch stört es mich, dass wir in einer Gesellschaft leben, wo das Meiste ständig weggeworfen wird. Mir macht es Spaß Dinge zu bauen und hierfür möchte ich Zeit haben.

Das ist wichtig. Es zu verschieben mit Blick auf Kapitalstock? Ggf. gibt es Kompromisse, beides. D.h. Dein Leben jetzt und auch begrenzt Aufbau von Kapital.

Ggf. passives Einkommen? Fällt Dir was ein, es gibt viele Möglichkeiten....?

Das mit dem Haus, ich bin eine Tilgerin. Allerdings habe ich gekauft als die Zinsen bei über 4 % bzw. über 5 % waren. Tilgen war da auch irgendwie ganz klug dachte ich. Meine Steuerberaterin dachte anders darüber. Wobei ich auch vermietet habe, das ist noch mal eine andere Nummer als selbst bewohnt.

Ich würde es durchrechnen, mit ca. 3 % Gewinn über Anlagen, versus Zinsen für den Kredit. Entscheiden würde ich allerdings nach dem Bauch, was fühlt sich besser an Niemand weiß wie sich der Markt entwickelt. Klar langfristig gewann der Anleger, nun ja kommt auch drauf an wann wie eingestiegen...aber weißte ja selbst. :-))

 

Wenn Du alles machen kannst was Du willst solltest Du etwas wollen.

Hallo Alija,

danke für Deine Nachricht!

viele Gedanken die Du da hast. 🙂 Danke für Deinen Blick auf Dein Leben.

Da hast Du Recht.

In meinem Beruf ist es nicht so ohne weiteres möglich bei verringerter Stundenzahl auch wirklich weniger Arbeit zu haben (falls Du weißt, wie ich das meine).

Für mich stellt sich die Entscheidung für oder gegen die Anschlussfinanzierung auch eher als eine Typ Frage dar. Dies ist, wie Du schreibst. Vermutlich macht die Anschlussfinanzierung bei den aktuellen Konditionen rational gesehen Sinn, aber in einer abbezahlten Immobilie zu wohnen hat einen gewissen Charme. Bei Deinen Zinsbelastungen hätte ich mit der Entscheidung vermutlich auch nicht lange gefackelt und getilgt.

Ich habe nach meinem Post festgestellt, dass das Thema auch an anderer Stelle im Forum schon behandelt wird. Hier der Link.

https://frugalisten.de/forum/topic/tilgung-oder-investment/

Viele Grüße

Ludwig_14

Hallo Ludwig,

die Höhe deiner Aktienquote von 70  bis 80 % gefällt mir vor dem Hintergrund deines Alters und deiner von dir aufgezeigten Verantwortung ggü. deiner Familie sehr gut. Auch wenn dies hier im Forum häufig anders gesehen, gibt es m.E. gute Argumente für eine Aktienquote von unter 100 Prozent. Ist letztlich eine Frage der Risikotragfähigkeit und Risikobereitschaft. Es gibt z.B. auf der Credit-Seite (v.a. Investment-Grade) immer die Möglichkeit das Portfolio zu stabilisieren. Das machen viele institutionelle Anleger, die naturgemäß ihr Downside-Risiko  bergrenzen müssen, recht häufig. Im Crash-Szenario steigen zwar die Risikoprämien, was den Kurs von Credits belastet, dafür fällt in der Regel der (risikolose) Zins, was den Kurs von Credits (hier Corporates) wiederum nach oben treibt. Insgesamt wird das Portfolio so stabilisiert. Für den Fall eines Ausverkaufsszenarios bei Aktien (echte Panikstimmung an den Märkten) könnten die stabilen Portfolioanteile (u.a. Immobilienfonds) verkauft und deren Gegenwert dann in die zu diesem Zeitpunkt hoffentlich günstige Assetklasse Aktien umgeschichtet werden.

Sorry, zurück zum Thema. Wie du schon heraushören kannst, sehe ich ähnlich wie du ein mögliches Rückfallrisiko am Aktienmarkt. Insofern gefällt mir auch dein Ansatz "nur" 35 Prozent deiner Sparquote aktuell umzusetzen sehr gut.