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Tips und Beratung benötigt

Hallo zusammen,

ich bin neu im Forum, beschäftige mich aber schon seit längerem mit dem Thema vorzeitiger Ausstieg aus der Arbeitswelt.

Da ich auf einige meiner Fragen nur bedingt Antworten gefunden habe oder nicht sicher bin ob das alles so stimmt erhoffe ich mir hier Antworten von erfahrenen Gleichgesinnten.

Ich denke so wirklich als Frugalist gehe dabei nicht mit meinen Ansprüchen durch, aber zunächst ein paar Details zu mir:

Ich bin 38 und arbeite aktuell in der IT mit einem Jahresbrutto von rund 65.000€.

Gespart habe ich bisher durch cleveres Investieren aber auch Erbschaft rund 550.000€.

Ich bin verheirat und meine Frau verdient aktuell deutlich mehr als ich - ca 90.000€ brutto.

Sie möchte aber vorerst weiter arbeiten da ihr der Job viel Spaß macht.

Außerdem haben wir noch seit letztem Jahr Zwillinge, welche auch ein Grund dafür sind, dass ich weniger Zeit auf der Arbeit verbringen möchte.

Finanziell haben wir uns so geeinigt, dass jeder einen gleichen Beitrag für Miete, Nebenkosten, Haushaltsgeld, Versicherungen, Auto, Kinder usw auf ein Gemeinschaftskonto zahlt und mit dem Rest machen kann was er will. Aktuell sind das 1500€ pro Person im Monat.

Mein Traum ist der Komplettausstieg aus der Arbeitswelt, aber noch ist es denke ich zu früh und ich habe aktuell auch noch viele ungeklärte Fragen.

Wen es nervt die Fragen von Neulingen zu beantworten einfach aufhören weiter zu lesen, ansonsten freue ich mich sehr über gute Tips und Ratschläge! 🙂

 

Frage 1: Aktuell rechne ich mir vor, dass ich mit 2000€ Netto auskommen müsste, wenn ich weiter 1500€ auf das Gemeinschaftskonto zahle und 500€ für sonstiges aufhebe. (Neuer PC, Waschmaschine kaputt, Urlaub...)

Ich würde ohne Arbeit ja außerdem auch sparen an Fahrtkosten, teuren Business Klamotten, teurem Mittagessen usw...

Klingt das realistisch oder habe ich größere Positionen übersehen?

 

Frage 2: Was die Krankenversicherung angeht wäre ich ja solange meine Frau arbeitet bei ihr versichert, richtig?

Was wäre aber wenn sie irgendwann beschließen würde auch nicht mehr zu arbeiten?

Wie funktioniert das dann und wieviel € müsste man dafür einplanen? (incl. 2 Kinder)

 

Frage 3: Muss ich neben dem Thema Krankenkasse und natürlich meinen Steuern auf die Kapitalerträge noch weitere Abzüge berücksichtigen wenn ich nicht mehr arbeite? (Rente, ALV...)

 

Frage 4: Würde sich das steuertechnisch stark bei meiner Frau auswirken, wenn ich bei den o.g. Summen nicht mehr arbeiten würde?

Aktuell haben wir beide Steuerklasse 4.

Das heißt hätte sie dann plötzlich mehrere tausend Euro zusätzlich Netto im Jahr mit denen wir rechnen könnten?

 

Frage 5: Ist es ein sinnvoller Weg, dass ich mich wenn ich mein Ziel erreicht haben sollte kündigen lasse und dann noch mindestens 1 Jahr Arbeitslosengeld beziehe?

Bei meinem Gehalt könnte ich so nochmal ein weiteres Jahr rausschlagen, in welchem ich nicht auf meine Ersparnisse zugreifen bräuchte sondern mit dem ALG gut auskäme.

Oder mache ich da einen Denkfehler?

 

Frage 6: Was kommt nach der Kündigung bzw nach der Arbeitlosigkeit.

Muss man sich da bei irgendeiner Behörde melden nach dem Motto "Ich bin so reich, ich habe beschlossen nicht mehr zu arbeiten" oder wie läuft das dann?

 

Frage 7: Ich zahle nun schon fast 20 Jahre in die Rentenkasse ein.

In welcher Form kann man damit kalkulieren wenn man nicht mehr arbeitet?

Das heißt habe ich überhaupt schon Ansprüche und wenn ja ab wann kann ich mir das Geld auszahlen lassen bzw ab wann macht es überhaupt Sinn?

Auch wenn es jetzt natürlich nicht die Masse an Geld ist freut man sich doch über alles was noch zusätzlich reinkommt.

 

Vorab schon vielen Dank für Eure Zeit!

Hi,  bin zwar nicht der Experte, doch da sich sonst niemand gemeldet hat meine Einschätzung:

Frage 1:   2.000€ reichen den meisten hier im Forum - insbesondere mit gut verdienender Ehefrau.  Wenn Sie so gut verdient und Du auf die Kinder aufpassen möchtest, dann sollte Sie Dich doch mitversorgen - wird ja umgekehrt ja auch erwartet.......

Frage 2: Wenn Deine Frau gesetztlich Krankenversichert ist, bist Du mit versichert, wenn Ihr verheiratet sein und solange Du kein eigenes Einkommen hast.  So wie eine Hausfrau (bzw. Hausmann).  Wenn Sie privat versichert ist,  dann muß Du Dich auch privat versichern (und die Kinder!).

Frage 3: Steuern:  Ihr macht ja eine gemeinsame Steuererklärung, bzw. Kapitalerträge werden in der Regel an der Quelle versteuert (Kapitalertragssteuer), Krankenkasse siehe unter Punkt 2 - weitere Pflichtabgaben wären z.B. die GEZ.  Weitere Fixkosten z.B. Handy, Versicherungen etc. - ist aber nicht verpflichtend.

Frage 4:  Deine Frau könnte in Steuerklasse 3 wechseln,  das wirkt sich gewaltig aus (Brutto/Netto Rechner App runterladen).  Oder in Klasse 4 bleiben,  dann gibts normalerweise eine ordentliche Rückzahlung, wenn Du kein Einkommen hast.  Kapitalerträge zählen nicht mit,  die werden ja an der Quelle versteuert.

Frage 5:  Tja, ist eher eine ethische Frage.  Wenn Du gekündigt werden würdest hättest Du sofort Anspruch auf Arbeitslosengeld für 12 Monate (musst halt dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.  Fleißig Bewerbungen schreiben etc. da gerade so viele Leute gesucht werden ist es evtl. schwierig das immer abzulehnen und dann wird das Arbeitslosengeld vom Amt eingestellt).  Wenn Du selber kündigst,  bist Du für 3 Monate gesperrt.

Frage 6:  Du bist einfach Hausfrau - die müssen sich ja auch nirgends melden oder registrieren

Frage 7:  Um im Alter Anspruch auf Rente zu haben muß man glaube ich min 5 Jahre eingezahlt haben (steht hier auch in irgendeinem Artikel).  Auszahlen lassen kann man sich das nicht.  Wenn Du 20 Jahre eingezahlt hast,  dann hast Du geschätzte 30 Rentenpunkte (pro Jahr Durchschnittseinkommen 1 Punkt und Du bist zumindest jetzt weit darüber).  30 Rentenpunkte gibt aus heutiger Sicht 900€ Rente mit 67.  (Kann/wird sich sicher noch ändern 🙂 ).  Die Rentenpunkte stehen auf der Rückseite der Rentenmitteilung,  doch dafür bist Du zu jung.  Kann man aber beim Rentenversicherungsträger erfragen.

 

Zitat von TakeTwo am 26. Januar 2019, 14:42 Uhr

Frage 2: Wenn Deine Frau gesetztlich Krankenversichert ist, bist Du mit versichert, wenn Ihr verheiratet sein und solange Du kein eigenes Einkommen hast.

Nicht ganz richtig. Du darfst in der Familienversicherung maximal 445 bzw. 450 € pro Monat verdienen:

https://www.tk.de/techniker/service/leistungen-und-mitgliedschaft/versicherung/versichert-als-familie/einkommensgrenze-familienversicherung-2005696

Frage 3: Steuern:  Ihr macht ja eine gemeinsame Steuererklärung, bzw. Kapitalerträge werden in der Regel an der Quelle versteuert (Kapitalertragssteuer),

[...]  Kapitalerträge zählen nicht mit,  die werden ja an der Quelle versteuert.

Das ist nicht korrekt. Kapitalertragssteuer ist KEINE Quellensteuer. Kapitalerträge zählen als normales Einkommen (Einkommensart: Einkünfte aus Kapitalvermögen) und unterliegen der ganz normalen Einkommenssteuer.

https://www.recht-finanzen.de/contents/1404-was-sind-einkuenfte-aus-kapitalvermoegen
https://www.smartsteuer.de/online/lexikon/e/einkuenfte-aus-kapitalvermoegen-lexikon-des-steuerrechts/

Hi Oliver,  vielen Dank für die Verbesserung - immer das gleiche mit dem gefährlichen Halbwissen.  Wegen der Steuer,  denke ich hab Quellensteuer mit Abgeltungssteuer verwechselt.  Wenn ich Zinsen oder Dividenden von einer Bank bekomme,  ziehen die gleich die Abgeltungssteuer ab und ich muß weiter nichts tun, richtig?

 

@oliver @taketwo @turbochri

"...Kapitalerträge zählen als normales Einkommen (Einkommensart: Einkünfte aus Kapitalvermögen) und unterliegen der ganz normalen Einkommenssteuer."

Sorry, aber das ist so auch nicht ganz korrekt. Wenn die Kapitalerträge der Abgeltungssteuer unterliegen (Aktien, ETF, Zinsen usw.), dann hat man ein Wahlrecht. Entweder man zahlt 25% Abgeltungssteuer, ganz gleich wieviel man Einkommenssteuer bezahlt, oder man lässt sich günstiger prüfen. Das ist sinnvoll, wenn der persönlich Einkommenssteuersatz unter 25% liegt. (Hierzu einfach die Anlage KAP ausfüllen.)

@Fritz @TakeTwo:

Sorry, das ist natürlich völlig richtig, danke für die Richtigstellung! 🙂

Unter der Bedingung, dass der durchschnittliche persönliche Einkommenssteuersatz auch ohne Berücksichtigung der Kapitalerträge über dem Abgeltungssteuersatz (25 %) liegt, ist TakeTwo's Annahme von oben richtig.

Oh, ich hatte schon garnicht mehr mit Anwort gerechnet.

Erstmal vielen Dank für eure Einschätzung, insbesondere von TakeTwo!

 

Verstehe ich das bei der Steuer nun richtig, dass ich im worst case 25%+Soli (Kirche bin ich nicht) auf meine Erträge zahlen muss aber ggf. auch weniger nach einer Günstigerprüfung?

Gibt es eine einfach Möglichkeit den persönlichen Steuersatz zu ermitteln, bzw ist es überhaupt realistsch bei den im Beispiel genannten Zahlen darunter zu liegen? Ich denke eher nicht, oder?

Hallo Chris,

nach der Grundttabelle 2019 https://www.grundtabelle.de/Grundtabelle-2019.pdf hat man bei einem zu versteuernden Einkommen von ca. 40.000 € einen Steuersatz von durchschnittlich 25 % (inkl. Kirchensteuer & Soli, ledig, keine Kinder).

Hallo!

Frage 1: 2000 Euro netto: Rechnerich reicht das.

Dein Gesamtthema heißt hier aber Einbeziehung Deiner Frau in eure finanziellen Ziele! Aufgrund der gemeinsamen Kinder lässt sich das Familieneinkommen sowieso nun schlecht trennen. Wer übernimmt welche Aufgaben für eure Kinder? Wer steckt nun wie viel im Beruf zurück?

Im Falle einer Scheidung würde (ohne Ehevertrag) das während der Ehe erwirtschaftete Geld sowieso 50/50 unter euch aufgeteilt. Das heisst es gibt aktuell 150.000 Euro Brutto bei einer Familie mit zwei Kindern :-). Da Deine Frau aktuell mehr verdient als Du, musst Du schauen, wie Du das Thema ansprichst um nicht als finanzieller Nutznießer bei Ihr zu erscheinen. Ich würde das Gespräch mit "Was sind unsere gemeinsamen finanziellen Ziele" einleiten.

 

Frage 2: Krankenversicherung

Brauchst Du eine eigene wenn Du Dividenden und Kapitalerträge über der Mindestgrenze hast. Incl. Pflegeversicherung sind das bei der GKV ca. 18% der Bruttodividenden/Zinsen aus Deinen Erträgen. Also ein bedeutender Faktor. Dafür sind diese Zahlungen von der Steuer absetzbar, das heißt erfolgen aus Deinem Brutto.

 

Frage 3: Weitere Abzüge:

Nein. Gesetzliche Rente ist dann freiwillig. Kann aber trotzdem Sinn machen dort etwas einzuzahlen (z.b. bezüglich 35 Jahre Regel um dann schon mit 63 mit Abzügen in Rente zu können. Lohnt sich fast immer. Siehe hier: https://freiheitsmaschine.com/2019/01/08/gerdas-schlaflose-naechte-rente-vermoegen-aktien-etf/ und die anderen Rentenartikel.

 

Frage 4: Steuern sparen Ehefrau.

Ja. Bei 90.000 Euro Brutto beträgt der Unterschied zwischen Steuerklasse 4 und Steuerklasse 3 ca. 8.000 Euro netto im Jahr. Hier einmal eingeben: https://freiheitsmaschine.com/der_maschinist/brutto-netto-gehalt-lohn-einkommen-rechner-deutschland/  . Deshalb auch der Hinweis, mit den gemeinsamen Finanzen unter Frage 1. Ihr investiert Lebensenergie in eure Kinder. Wie rechnet Ihr das ab unter dem Hintergrund, dass der Gesetzgeber im Scheidungsfall sowieso eine 50-50 Aufteilung für das innerhalb des Ehezeitraums akkumulierte Vermögen macht.

 

Frage 5: ALG1.

Machen viele weil es inkl. Krankenversicherung und weiteren Rentenpunkten deutliche Summen sind aber es ist nicht ohne Arbeit/Schmerzen, weil Du so tun musst, als würdest Du Arbeit suchen. Viele bekommen beim Ausstieg auch eine Abfindung bei Ihrem Arbeitgeber, nachdem Sie sich Gedanken gemacht haben, unter welchen Umständen Ihnen ein Arbeitgeber eine geben würde.

 

Frage 6: Was kommt nach der Kündigung bzw nach der Arbeitlosigkeit.

Deine Freiheit 🙂 . Behördentechnisch kommt dann nichts. Du bist für Dich selbst verantwortlich.

 

Frage 7: Rentenkasse.

Du bekommst jetzt schon einmal im Jahr eine Übersicht über Deine schon "verdienten" Rentenpunkte. Ein Rentenpunkt West hat aktuell einen Wert von 32.03 Euro und steigt jährlich mit der Inflation und auch noch teilweise mit dem BIP der arbeitenden Bevölkerung. Das ist auf jeden Fall eine gute Sache. Thema mit den 35 Jahren Einzahlung bitte selbst durchlesen (Rente mit 63, dafuer 14,4% Abzug). Das lohnt sich wie erwähnt trotzdem fast immer wegen früherem Zahlungsbeginn und Dingen wie "Krankenversicherung der Rentner" die dann sehr günstig wird, wenn man wiederrum andere Dinge beachtet: https://freiheitsmaschine.com/2018/08/26/freiwillige-rentenbeitraege-renteneinzahlungen-selbstaendige-kapitalisten/

Viel Erfolg und eine schöne Woche!

Maschinist

Zitat von Maschinist am 29. Januar 2019, 12:15 Uhr

 

Frage 2: Krankenversicherung

Brauchst Du eine eigene wenn Du Dividenden und Kapitalerträge über der Mindestgrenze hast. Incl. Pflegeversicherung sind das bei der GKV ca. 18% der Bruttodividenden/Zinsen aus Deinen Erträgen. Also ein bedeutender Faktor. Dafür sind diese Zahlungen von der Steuer absetzbar, das heißt erfolgen aus Deinem Brutto.

Auch dir nochmal vielen Dank für die ausführliche Antwort!

Dieses Thema höre ich allerdings zum ersten mal, habe bei einer kurzen Suche in Google aber erstmal nichts hilfreiches dazu gefunden.

Hat hierzu vielleicht noch jemand einen guten Link oder Details?

Was ist denn die Mindestgrenze für Dividenden und Kapitalerträge?

Die Position wäre ja dann bald nochmal so hoch wie die Abgeltungssteuer!?

Hallo Turbochris,

anbei findest Du die Infos zur Hinzuverdienstgrenze Familienversicherung gesetzliche Krankenkasse.

Zu diesem Verdienst zählt auch Einkommen aus Zinsen und Dividenden.

https://www.finanztip.de/gkv/verdienstgrenzen-familienversicherung/

Das heißt, bei Dir ist wahrscheinlich eine eigene GKV fällig.

Schöne Woche!

Danke, das ist echt eine wertvolle Info, die mir aber so überhaupt nicht gefällt.

Wenn ich einfach mal mit 2000€ Bruttozinsen im Monat rechne, dann sind das ja bei rund 18% 360€ im Monat.

Das tut schon echt weh!

Natürlich rattert nun mein Kopf und überlegt was man dagegen tun kann.

Erste spontane Idee wäre, einen guten Teil meines Kapitals im Depot meiner Frau anzulegen.

Aber da gibts sicher auch wieder einen Haken, den ich gerade nicht bedenke, oder?

Sicher hat der ein oder andere hier aber auch noch bessere Ideen?

@turbochris

Hallo Turbochris,
sorry, aber mit den 360 EUR bist du noch ganz gut bedient. Du musst bedenken, dass du als Privatier ja auch den Arbeitgeberanteil mit tragen musst. Das musst du bei deiner Rechnung mit einkalkulieren. Ich habe mich mit der Thematik schon eingehend befasst, weil es mich auch bald trifft. Ich bin etwa in deinem Alter und privat versichert, aber bei mir werden es auch so etwa 400 EUR sein. Es gibt leider keine Möglichkeit da dauerhaft runter zu kommen. Den vorzeitigen Ruhestand bekommt man eben nicht für einen "Appel und ein Ei" 😉

@Turbochris @Fritz:

Wenn man einen Ehepartner hat, der weiterhin arbeiten möchte, kann es durchaus lohnenswert sein, das Depot auf den Partner zu überschreiben und mit dem eigenen Einkommen unterhalb der Familienversicherungsgrenze zu bleiben, um über den Partner familienversichert sein zu können.

Sofern du nicht komplett aufhören möchtest zu arbeiten bzw. deine Arbeitskraft anders einsetzen möchtest kannst du dich auch in einem Arbeitsverhältnis in der Gleitzone anstellen lassen um die Kosten für die Krankenversicherung so niedrig wie möglich zu halten.

Sofern man über 450 aber unter 850 Euro im Monat verdient ist man (auch) gesetzlich pflichtversichert. Mit allen Vorzügen (Arbeitgeberanteil und geringe Belastung aufgrund der Gleitzone UND Kapitalerträge sind dann wieder komplett egal für die Bemessung der Krankenkassenbeiträge) .

Das wäre heute mit Mindestlohn schon für nur ca 12 Stunden pro Woche zu erreichen.

Vorteile:

-Mindestens ca 300-700 Euro mehr im Monat zur Verfügung durch den "Job".

-Sehr geringe Krankenkassenbeiträge.

Nachteile:

-Man ist Arbeitgeber gebunden.

 

Das Modell wird in Amerika relativ häufig gefahren und nennt sich barista fire.

Finde ich persönlich ein sehr interessantes und ansprechendes Modell. Man kann weitaus sicherer in den vorzeitigen Ruhestand und spart nebenbei eine Menge Geld. Natürlich ist man dann nicht 100% "frei" aber das kommt natürlich darauf an was man machen möchte. Ich zb. möchte noch etwas strikte Planung in der Woche, nur eben nicht zu viel. Da kommt sowas sehr gut mit nur ca 12 Stunden pro Woche. Außerdem könnte der ein oder andere Tierschutzverein oder ähnliches meine Arbeitsexpertise sicherlich für wenig Geld und wenig Zeit gut gebrauchen.

Kommt also im Endeffekt darauf an was man im Ruhestand machen möchte.

 

Zitat von Fritz am 30. Januar 2019, 17:51 Uhr

@turbochris

Hallo Turbochris,
sorry, aber mit den 360 EUR bist du noch ganz gut bedient. Du musst bedenken, dass du als Privatier ja auch den Arbeitgeberanteil mit tragen musst. Das musst du bei deiner Rechnung mit einkalkulieren. Ich habe mich mit der Thematik schon eingehend befasst, weil es mich auch bald trifft. Ich bin etwa in deinem Alter und privat versichert, aber bei mir werden es auch so etwa 400 EUR sein. Es gibt leider keine Möglichkeit da dauerhaft runter zu kommen. Den vorzeitigen Ruhestand bekommt man eben nicht für einen "Appel und ein Ei" 😉

Joa das mag schon sein, bin aber halt doch sehr überrascht von dieser Tatsache, die ich so noch in keinem Ratgeber oder Erfahrungsbericht gelesen hatte. Überall wird nur von den 4% Durchschnittszins mit denen man rechnen kann und 25% Abgeltungssteuer geschrieben, so dass man bei oberflächlicher Betrachtung des Themas meint das war es dann im Großen und Ganzen.

Zur Zeit bin ich auch noch Privatversichert für 420€ (je zur Hälfte AG und ich) wobei ich bis zu 6 Monatsbeiträge zurückbekomme wenn ich das Jahr über nichts einreiche, was die letzten Jahre gut geklappt hat. Allerdings wird die PKV im Alter hin meist extrem teuer weshalb ich versuche nächstes Jahr wieder in die GKV zu kommen, in dem ich meine Arbeitszeit ein bisschen reduziere.

 

Zitat von Oliver am 30. Januar 2019, 18:03 Uhr

@Turbochris @Fritz:

Wenn man einen Ehepartner hat, der weiterhin arbeiten möchte, kann es durchaus lohnenswert sein, das Depot auf den Partner zu überschreiben und mit dem eigenen Einkommen unterhalb der Familienversicherungsgrenze zu bleiben, um über den Partner familienversichert sein zu können.

Danke für den Hinweis!

Aber ist eine "Überschreibung" so ohne weiteres möglich und ist das nicht eigentlich dann eine Schenkung?

 

Zitat von Franzjosef am 2. Februar 2019, 12:51 Uhr

Sofern du nicht komplett aufhören möchtest zu arbeiten bzw. deine Arbeitskraft anders einsetzen möchtest kannst du dich auch in einem Arbeitsverhältnis in der Gleitzone anstellen lassen um die Kosten für die Krankenversicherung so niedrig wie möglich zu halten.

Sofern man über 450 aber unter 850 Euro im Monat verdient ist man (auch) gesetzlich pflichtversichert. Mit allen Vorzügen (Arbeitgeberanteil und geringe Belastung aufgrund der Gleitzone UND Kapitalerträge sind dann wieder komplett egal für die Bemessung der Krankenkassenbeiträge) .

Das wäre heute mit Mindestlohn schon für nur ca 12 Stunden pro Woche zu erreichen.

Vorteile:

-Mindestens ca 300-700 Euro mehr im Monat zur Verfügung durch den "Job".

-Sehr geringe Krankenkassenbeiträge.

Nachteile:

-Man ist Arbeitgeber gebunden.

 

Das Modell wird in Amerika relativ häufig gefahren und nennt sich barista fire.

Finde ich persönlich ein sehr interessantes und ansprechendes Modell. Man kann weitaus sicherer in den vorzeitigen Ruhestand und spart nebenbei eine Menge Geld. Natürlich ist man dann nicht 100% "frei" aber das kommt natürlich darauf an was man machen möchte. Ich zb. möchte noch etwas strikte Planung in der Woche, nur eben nicht zu viel. Da kommt sowas sehr gut mit nur ca 12 Stunden pro Woche. Außerdem könnte der ein oder andere Tierschutzverein oder ähnliches meine Arbeitsexpertise sicherlich für wenig Geld und wenig Zeit gut gebrauchen.

Kommt also im Endeffekt darauf an was man im Ruhestand machen möchte.

 

Ist grundsätzlich keine schlechte Idee, jedoch müsste es dann etwas sein was mir rießig Spaß macht, denn der Stundenlohn wäre verglichen zu meinem heutigen nicht wirklich attraktiv. Alternativ könnte ich in meinem Job auch 4h/Woche arbeiten und käme auch auf rund 545€, aber das würde der AG nicht mitmachen. 😉

 

Kurzum - viele gute Tips und Hinweise hier gerade zum Thema Krankenkasse.

Aber die ideale Lösung für mich habe ich noch nicht vor Augen, da werde ich mir noch einige Gedanken machen müssen.

Zum Glück habe ich ja noch ein bisschen Zeit...

@turbochris

Es ist ein allgemeiner Irrglaube, dass die PKV im Alter extrem teuer wird. Das betrifft nur einen ganz kleinen Prozentsatz der privat Versicherten, die dann um die 800 EUR bezahlen müssen. Dafür werden ja die Altersrückstellungen gebildet, damit eben die Beiträge nicht in die Höhe schießen. Es ist halt nur ungünstig, wenn du schon Vorerkrankungen hast, oder später nochmal wechselst. Die Altersrückstellungen kannst du nämlich meistens nicht mitnehmen.
https://www.pkv.de/presse/mediathek/informationsgrafiken/infografiken-krankenversicherung/infografik-beitragsentwicklung-der-pkv-und-gkv-im-vergleich/

Also ich werde auch nach meiner Kündigung in der PKV bleiben. Ich habe den Ärger durch. In meiner Heimatstadt wird man von allen Ärzten abgewimmelt, wenn man nicht sagt, dass man privat ist. Ich habe auch keine Lust wochenlang auf einen Facharzt-Termin zu warten, wenn ich wirklich mal ernsthaft krank sein sollte. Wir haben nun mal in Deutschland eine Zwei-Klassen-Medizin. Als Privat-Patient bekommt man den roten Teppich ausgerollt, ist leider so 🙁

Meine prozentuale Entwicklung in diesem Zeitraum liegt bei knapp 7% p.a.

»In meinem Alter begreife ich, dass Zeit mein kostbarster Besitz ist.« »Freiheit bedeutet, dass man nicht unbedingt alles so machen muss wie andere Menschen.« »Eine Aktie zu verkaufen die fällt, ist in etwa so, als ob man ein Haus für 100.000 Dollar kauft und es verkauft, sobald jemand 80.000 Dollar dafür bietet.« Buffett
Zitat von Turbochris am 4. Februar 2019, 14:09 Uhr
Zitat von Oliver am 30. Januar 2019, 18:03 Uhr

@Turbochris @Fritz:

Wenn man einen Ehepartner hat, der weiterhin arbeiten möchte, kann es durchaus lohnenswert sein, das Depot auf den Partner zu überschreiben und mit dem eigenen Einkommen unterhalb der Familienversicherungsgrenze zu bleiben, um über den Partner familienversichert sein zu können.

Danke für den Hinweis!

Aber ist eine "Überschreibung" so ohne weiteres möglich und ist das nicht eigentlich dann eine Schenkung?

Ja, das dürfte und sollte es im Regelfall sein. Für Schenkungen unter Ehepartnern gilt praktischerweise ein Freibetrag von 500.000 €, bis zu dem man keine Schenkungssteuer bezahlen muss (diese Schenkung ist alle 10 Jahre möglich). Das dürfte für die meisten Familien ausreichend sein. 😉

Quelle und weitere Infos: https://www.financescout24.de/wissen/ratgeber/schenkungssteuer

Kleine Ergänzung: Auch z.B. ein Gehaltseingang auf ein gemeinsames Konto ist eine Schenkung. Wenn du also 50k netto verdienst und dies auf ein gemeinsames Konto überweist ist allein hierdurch schon die Hälfte des o.g. Freibetrages verbraucht.

https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/bei-einzahlung-von-ehegatten-schenkungsteuerpflicht/