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Meine Geschichte

Hi zusammen!

Erstmal: Schön, dass es euch gibt. Ich lese sein ein paar Monaten immer wieder hier im Forum und freue mich an den Tips und den vielen ganz verschiedenen Lebensgeschichten die oft von dem abweichen was im Allgemeinen „normal“ ist und „was man eben so macht“.

Ich bin 48 Jahre alt, hab studiert und gut 20 Jahre in einem phasenweise ziemlich stressigen Job gearbeitet. Mir war schon länger klar dass ich das nicht bis 67 machen will. Eventuell auch nicht kann, meine Gesundheit ist leider nicht so stabil wie ich das gerne hätte. Ich habe auch quasi immer schon gespart, das fing schon mit Taschengeld und Ferienjobs an, schon da hab ich immer die Hälfte weggelegt. Mein Ziel das mir realistisch schien war immer 10-12 Jahre früher aufzuhören, mit genug Geld um das zu überbrücken und danach noch was zu haben um die Rente aufzustocken.

In den letzten Jahren wurden die Arbeitsbedingungen immer schlechter, die Erholungsphasen zwischen den Stressphasen fielen fast ganz weg, viele andere erfahrene Kollegen sind gegangen. Nachdem meine Gesundheit und auch meine Lebensfreude immer mehr gelitten haben (und ich weiß dass es bei anderen Arbeitgebern in der Branche eher nicht besser läuft) habe ich mich vor 1 1/2 Jahren entschieden eine Auszeit zu nehmen um mich zu erholen und in Ruhe entscheiden zu können wie es beruflich weitergeht. Die Rente mit Ende 50 bringt mir ja nichts wenn ich da nicht einigermaßen gesund hinkomme. Da mein Arbeitgeber sämtliche Sabbatjahrregelungen und ähnliches abgelehnt hat habe ich gekündigt und arbeite seit Mai 2025 nicht.

Seitdem hat sich bei mir noch einiges geändert, in der Lebenseinstellung, in der Einschätzung dessen was Sicherheit bedeutet, und auch finanziell.

Mein bester Freund hat eine Krebsdiagnose bekommen und ist aus bester Gesundheit heraus an einem aggressiven Hirntumor innerhalb von 5 Monaten jämmerlich eingegangen. Anders kann ich das nicht beschreiben und will auch grade garnicht mehr dazu sagen. Dadurch habe ich aus nächster Nähe erfahren wie schnell ein gut durchdachtes und organisiertes Leben vorbei sein kann. Außerdem hat er mir vor seinem Tod einen Teil seines nicht unerheblichen Vermögens geschenkt, nach dem Motto „Ich kanns ja nicht mehr verbrauchen, dann nutze du es doch für ein besseres Leben“. Ein wilder Ritt war das letzte Jahr für mich… Und aus diesen Ereignissen und Möglichkeiten heraus kommt nun mein Entschluss dass ich nicht mehr „regulär“ arbeiten (bzw arbeiten müssen) will. Ich kann mir schon vorstellen nochmal was zu machen, vielleicht selbständig, oder wenn angestellt dann mit maximal 50% und vielleicht auch was ganz anderes als bisher. Aber das Träumchen ist eben dass ich das nicht aus finanziellen Gründen tun muss sondern weil ich Lust drauf habe.

Meine finanzielle Situation:

- Selbst bewohnte schuldenfreie Eigentumswohnung, Wert ca 300 000 €, dazu gibts auch noch Rücklagen für Renovierungen die in den nächsten 5-10 Jahren anstehen.

- Insgesamt grob 800 000 € angelegtes Vermögen, davon ca 450 000 gut gestreut im Aktienmarkt und 350 000 in sichereren Anlageformen (Geldmarktfonds, Festgeld, Tagesgeld). Im Moment fühle ich mich mit dieser recht konservativen Verteilung ganz wohl, dann hab ich in der nächsten Krise auch noch Material zum Nachkaufen.

Mein Plan wäre jetzt eine Entnahmerate von 3%, das scheint mir nach allen Rechnern und Simulationen die ich so ausprobiert habe für meine Situation angebracht. Das wären dann 24 000 pro Jahr, 2000 pro Monat. Davon geht natürlich die freiwillige GKV ab, aber von ca 1700€ ich ein sehr zufriedenes Leben führen, mehr hab ich eigentlich nie verbraucht. Und viel Steuern werde ich da nicht drauf zahlen müssen, ist ja nicht alles Gewinn, da komm ich erstmal nicht über den Grundfreibetrag. Und falls es mal ganz hart kommt an der Börse kann ich auch mit deutlich weniger leben ohne unglücklich zu werden.

Dazu hätte ich jetzt gerne eure Meinungen, Kritik, was hab ich vergessen, was würdet ihr tun, alles was euch so einfällt. Ich hab in meinem Umfeld da niemanden mit dem ich mich austauschen kann, da ist keiner in so einer Situation. Und nein, ich hab auch einfach niemandem erzählt dass ich Geld hab… jedenfalls nicht in dem Ausmaß.

Hi und schön, dass du berichtest was dich so umtreibt.

In Aktienmärkten könntest du die 3% als echte Langftistentnahme ansetzen. In Puncto Festgeld o.ä. natürlich nicht. Hier ist ausschlaggebend, was für echte Zinsvereinbarungen du getroffen hast, sowie ist für,diesen Teilbetrag die  Inflation genau zu beobachten. Nicht dass die Infla deine Anlagen auffrisst kaufkraftseitig und du nach wenigen Jahren mit sich leerendem Konto dastehst.

Außerdem, also als psychisch-praktische Komponente, solltest du berücksichtigen, dass sich die Aktienmärkte fast überall auf, oder nahe dem Allzeithoch bewegen. Kurzum: Auf Basis aktueller Kursstände ist das sehr optimistisch. Was machst du wenn sich der Markt kursseitig mal halbiert? Kommst du dann immer noch mit 3% klar, oder würdest du dann eben 6% entnehmen um deine 2000/mon weiter stabil für deine Lebensführung verbraten zu können?

Ich empfehle eine Art Probezeit. Erstens um zu schauen was deine Anlagen machen, zweitens wie du mit dem kalkulierten Budget klarkommst; da hast du ja aber schon ein paar Monate durch. Damit, exakt wie du geschrieben hast nicht genau das passiert, gesund in deinem Fall,  aber: "Dadurch habe ich aus nächster Nähe erfahren wie schnell ein gut durchdachtes und organisiertes Leben vorbei sein kann." Finanzielle Theorie und Praxis halt.

Erstmal welcome!

noch ein paar kleine Fragen:  Kind(er), Partner gibts nicht?   wieviel Rentenpunkte?  gesetzlich Krankenversichert?

Du müsstest nach aktuellem Recht bis 63    15 Jahre überbrücken und vielleicht ändert sich das noch bis dahin.   Bei 20 Jahre gutem Verdienst hast Du vermutlich 40 Rentenpunkte, wären ca. 1600€ Rente - 14,4% Abschläge = 1360€, - KV = 1250€.

Für meinen Geschmack finde ich 800k etwas zu dünn,  Risiken wie schon von Absprung dargestellt , aber möglich bei sparsamer Lebensweise durchaus, wie Du selber schon ausgerechnet hast.

 

Danke für euer Willkommen und eure erste Einschätzung! Das ist super, ich brauch einfach auch mal Leute die nicht sagen „Boah so viel Geld, was machst du dir denn für Sorgen“ 🤗

Noch ein paar Infos:

Keine Kinder, kein Partner. Ich bin nur für mich selbst verantwortlich.

Rente:

Stand jetzt werden das 2000€ aus berufsständischem Versorgungswerk ab 67. Darauf zahle ich dann den vollen Krankenversicherungsbeitrag (ja, gesetzlich krankenversichert, aber nicht wie bei der gesetzlichen Rente in der KV der Rentner), genauso wie auf alle Kapitalerträge. Und bis dahin frisst da auch die Inflation dran, ich rechne lieber nicht damit dass es da viel Erhöhungen gibt die nicht garantiert sind. Die Rente wird schon helfen, aber leben kann ich davon alleine dann definitiv nicht.

Das Allzeithoch der Aktienmärkte ist der Grund dafür, dass ich da keine 80% reingesteckt habe. Da krieg ich hoffentlich auch nicht so schnell die Panik wenns abwärts geht, ich kann es ja auch 10 Jahre liegen lassen. Klar, auf der „Cashseite“ krieg ich auch wenns gut läuft nur die Inflation raus, das wird dann dahinschmelzen.

Die letzen Monate habe ich schon genutzt um meinen Bedarf zu ermitteln, verbraucht habe ich in der Zeit im Schnitt 1500€ im Monat. Ohne mich schmerzhaft einzuschränken, aber auch ohne größere Urlaube und ohne größere unvorhergesehene Ausgaben. Aber ich weiß dass ich da grundsätzlich auch mit auskomme ohne unglücklich zu werden, plus ein bisschen was für „Unvorhergesehenes“.
Auf größere Einbrüche an den Börsen kann ich also ggf damit reagieren dass ich ca 20% weniger entnehme, und/oder nen Teilzeitjob suche, und/oder in meiner Wohnung ein Zimmer vermiete. All das wäre keine Katastrophe für mich, und kein Grund mir jetzt direkt wieder nen Job zu suchen. Dafür genieße ich es zu sehr dass meine Zeit mir gehört, ich wieder vernünftig schlafen kann, und mir keiner vorschreibt wann ich wo anzutreten habe.

Das mit der „Probezeit“ war auch schon so ein Gedanke von mir. Ich bin nicht fixiert drauf jetzt bis zum Lebensende jeden Monat den gleichen Betrag zu entnehmen, mein Leben ist ja hoffentlich noch lang und es kann sehr viel passieren. Vielleicht kommt da ja auch nochmal ein Job der mir Spaß macht… Mich interessiert die Frage „kann das gehen oder ist es grob fahrlässig das zu versuchen“, und mich interessieren alle eure Gedanken und Einwände. Nicht damit ich für alles Vorsorge treffen kann, sondern damit ich eine Überblick bekomme und mich nicht im irgendwas dummes verrenne.

Schönen Abend wünsch ich euch noch!

 

 

Herzlich Willkommen @knuddelwinzig

ich denke du bist an einem Kipppunkt, kann funktionieren oder auch nicht.

Mit zunehmender Dauer wird es immer schwieriger, in einen Job reinzukommen, falls es doch nicht reicht, sei es von Arbeitgeberseite oder von einem selbst. Schon jetzt ist die Hürde bei dir relativ hoch, nochmal einen Teilzeitjob anzunehmen. Man wird auch nicht jünger. Es wäre einfacher, jetzt nochmal einen nicht zu stressigen Teilzeitjob anzunehmen und das Kapital so lange wirken zu lassen, bis die Zahlen für einen nachhaltigen Ausstieg besser passen. Ich würde jetzt den Sack zu machen.

 

Erst einmal ein herzliches Willkommen und danke für deine umfangreiche und ehrlich offene Vorstellung.

Desöfteren ist hier zu beobachten dass kleine bis mittlere Berufs- und Lebenskrisen i.V. mit einem schon recht gut gefüllten Geldspeicher zu derartigen Überlegungen führen.
Vor dem Hintergrund ist es aus meiner Sicht wichtiger die Ursache für die Unzufriedenheit zu hinterfragen und daran zu arbeiten.
So frage dich selbst, wie ehrlich du zu dir selbst bist, wenn bei für dein Alter eher knappem Budget dir selbst gegenüber argumentierst mit wie wenig du klar kommst und ob du das so für immer unterschreiben würdest. Oder ob da etwas selbsterfüllende Prophezeiung dahinter steckt?

Da wie du schreibst schon längere Unzufriedenheiten bei der Arbeit sich nicht bessern, ist es wohl der richtige Schritt erst einmal raus zu gehen.
Ist der objektive Stress verbunden mit der Arbeit der tatsächliche Grund oder bist du am falschen Platz/Ort und projizierst den Stress darauf?

Denn oftmals oder gar zumeist sind es nicht die Dinge selbst die uns belasten, sondern unser Blick auf die Dinge.

Das schönste FIRE kommt unaufgeregt und irgendwann ganz von alleine wenn der Grenznutzen erreicht ist und man bis zum Ausstieg aus dem Arbeitsleben ein positives Verhältnis zu diesem hatte.

Etwa so wie eine gute Liebesbeziehung entsteht. Nicht durch krampfhaftes Suchen in der Situation der eigenen Unzufriedenheit und dem unbedingten Wollen der Beziehung.
Sondern vielmehr weil es dir gerade und schon länger gut geht, du mit dir im Reinen bist und on Top der passende Partner dein eh schon gutes Leben bereichert.

Du merkst, es ist schwierig bis unmöglich dir Ratschläge zu geben. Vermutlich bist du damit auch derzeit überfordert.
So ist das einzige was ich dir mitgeben mag: Nutze den Cut in deinem Leben um ergebnisoffen dich treiben zu lassen. Halte dich nicht irgendwo fest und schon gar nicht an deinen Zahlen und Excel. Sehe dein Vermögen als Sicherheit dir diese Orientierung leisten zu können.

Alles andere wird sich dann früher oder später ergeben.

Alles Gute!

@muslime_frugi

Danke für deine ausführlichen Gedanken!

Von der Philosophie her bin ich da nicht so weit weg von dir, insbesondere das „ergebnisoffen treiben lassen“ ist im Grunde das was ich derzeit machen möchte. Ich war mein bisheriges Leben lang auf einem sehr geraden Weg unterwegs, und darüber dass ich es geschafft habe daraus auszubrechen als es nicht mehr gepasst hat bin ich froh. Und die Identitätskrise weil ich jetzt nicht mehr im Büro die bin die zu allem gefragt wird, und die so wichtig ist dass sie auf keinen Fall mehr als zwei Wochen Urlaub gehen sollte, ist bisher komplett ausgeblieben.

Am liebsten hätte ich natürlich zu dem „ergebnisoffenen treiben lassen“ die Sicherheit dass ich im Zweifelsfall auch ohne Arbeit dauerhaft (finanziell) klarkomme… Aber eine sichere Zukunft gibt es ja nie und dadurch ergibt sich natürlich ein bisschen ein Spannungsfeld. Aber ganz ohne Spannung würde man ja morgens vielleicht vor lauter Entspannung gar nicht mehr aufstehen, und das will doch auch niemand 😁

Ich erwarte hier auch nicht unbedingt konkreten Rat, ich muss das ja individuell für mich so machen wie es für mich richtig ist. Definieren was ein gutes Leben ausmacht, was ich dafür brauche und worauf ich dauerhaft verzichten kann. Ich suche hier den Austausch mit Leuten die sich solche Gedanken schonmal gemacht haben, nehme dann Anregungen und Gedanken mit und stricke mir dann schon mein eigenes Muster. Und dazu finde ich eure Beiträge jetzt schon sehr wertvoll.

 

 

Hallo in die Runde,

also ich kann die ganzen geäußerten Bedenken nur zum Teil nachvollziehen, wenn ich es richtig verstanden habe, ist das Ziel doch vorrangig die Zeit bis zur Rente zu überbrücken und nicht bis zum 80, 90 oder 95 Lebensjahr mit dem vorhanden Kapital auszukommen ohne dieses in der Substanz anzutasten und somit als "Reichster auf dem Friedhof" zu enden - ein nicht unerheblicher Kapitalverzehr über die Jahre bis zur Rente hinweg ist doch somit  grundsätzlich kein Problem oder verstehe ich es falsch?

Und selbst wenn das Kapital bis zur Rente auf sagen wir 300.000 Euro aufgebraucht wird (von der dann immer noch vorhanden Eigentumswohnung mal ganz abgesehen), würden für die Zeit des Rentenbezugs selbst bei nur 3 % Entnahme (und somit ohne größeren Kapitalverzehr) monatlich noch knapp 600,- nach Steuer zur Aufstockung der Rente verbleiben.

Somit könnten von den derzeit vorhandenen 800.000 Euro über die Zeit bis zur Rente z.B. 500.000 verzehrt werden (was bei einem 15 Jahres-Zeitraum nach Steuern schon über 25.000 Euro pro Jahr entspricht) und es wäre immer noch genug da um die Rente wie  gewünscht etwas aufzustocken.

Natürlich können die Märkte morgen zusammenbrechen und die 450.000 Euro die am Aktienmarkt investiert sind, sind plötzlich nur noch 225.000 wert (bei angenommenen Kursverlusten von 50%) aber selbst dann wären in Summe ja immer noch 575.000 Euro vorhanden. Selbst in diesem Szenario könnten ohne Verkäufe am Aktienmarkt (und somit ohne Realisierung der Kursverluste) erstmal ein paar Jahre jeweils die angepeilten jährlichen 24.000 Euro aus dem Tages- / Festgeld entnommen werden und ein, ich zitiere: "sehr zufriedenes Leben" geführt werden.

Sollten sich die Kurse dann nach sagen wir 5 Jahren immer noch nicht wieder erholt haben und das finanzielle Polster durch die jährlichen Entnahmen von 575.000 Euro ohne weitere nenneswerte Kursgewinne / Zinserträge weiter bis auf etwa 450.000 Euro reduziert haben, ist doch immer noch genug Polster / Zeit vorhanden um sich in Ruhe Gedanken über Plan B (Mini- / Midijob, etc.) zu machen um die restlichen 10 Jahre bis zur Rente dann auch noch adäquat überbrücken zu können ohne das Kapital soweit aufzubrauchen, dass eine entsprechende spätere Rentenaufstockung gefährdet ist.

Wo liegt mein Denkfehler?

Zitat von Staatsdiener80 am 24. Februar 2026, 15:54 Uhr

 

Wo liegt mein Denkfehler?

"

Rente:

Stand jetzt werden das 2000€ aus berufsständischem Versorgungswerk ab 67. Darauf zahle ich dann den vollen Krankenversicherungsbeitrag (ja, gesetzlich krankenversichert, aber nicht wie bei der gesetzlichen Rente in der KV der Rentner), genauso wie auf alle Kapitalerträge. Und bis dahin frisst da auch die Inflation dran, ich rechne lieber nicht damit dass es da viel Erhöhungen gibt die nicht garantiert sind. Die Rente wird schon helfen, aber leben kann ich davon alleine dann definitiv nicht."

 

Das ist dein Denkfehler...

Richtig, ich rechne damit dass die Netto-Rente im günstigen Fall (moderate Inflation, GKV Beiträge steigen nicht relevant) etwa 50% meines Bedarfs decken kann, wenns blöd kommt sind es aber vielleicht auch nur 30%. Leider steigt diese Rente nicht wie die gesetzliche Rente mit der Lohnentwicklung oder mit der Inflation, und die Abgaben sind auch höher. Wenn Zinsen und Anleihenrendite steigen krieg ich auch mehr Rente, aber darauf verlasse ich mich nicht. Mit der dem Betrag entsprechenden Anzahl Rentenpunkte wäre ich fein raus. Kapitalgedeckt heißt leider nicht immer besser.

Übrigbleiben muss von meinem Kapital nichts, und mit spätestens Anfang / Mitte 80 wäre wahrscheinlich sowieso der Zeitpunkt zum Verkaufen der Wohnung gekommen, die ist nämlich im Dachgeschoss, und für etwaige Pflegekosten wird die sowieso draufgehen. Deshalb rechne ich auch „nur“ mit einer Entnahmephase von etwa 35 Jahren. Und bin auch der Meinung dass es ziemlich wahrscheinlich bis dahin reicht, ich brauch dazu ja nur ne durchschnittliche Rendite knapp über Inflationsausgleich. Und dass die Frage hauptsächlich ist wie sich das Restrisiko auf mein Wohlbefinden auswirkt wenn die Aktienmärkte mal richtig fies abrauschen…

Ich werde jetzt die nächsten Monate mal weitermachen wie in den letzten, also von ca 1500€ leben, plus ein netter Urlaub, der muss jetzt mal sein 😁

Und mal die Augen und Ohren offen halten nach einem wenig stressigen, vielleicht sogar spannenden oder erfüllenden Teizeitjob. Da reicht ja fast ein Tag pro Woche, für Krankenversicherung und ein Taschengeld. Muss einem nur begegnen. Aber mich hetzt ja keiner (mehr) ☺️

 

Zitat von KnuddelWinzig am 24. Februar 2026, 18:16 Uhr

Richtig, ich rechne damit dass die Netto-Rente im günstigen Fall (moderate Inflation, GKV Beiträge steigen nicht relevant) etwa 50% meines Bedarfs decken kann, wenns blöd kommt sind es aber vielleicht auch nur 30%. Leider steigt diese Rente nicht wie die gesetzliche Rente mit der Lohnentwicklung oder mit der Inflation, und die Abgaben sind auch höher. Wenn Zinsen und Anleihenrendite steigen krieg ich auch mehr Rente, aber darauf verlasse ich mich nicht. Mit der dem Betrag entsprechenden Anzahl Rentenpunkte wäre ich fein raus. Kapitalgedeckt heißt leider nicht immer besser.

Ok, das hatte ich tatsächlich überlesen, das ändert die Situation dann natürlich nicht unerheblich. Danke für die Aufklärung.

Bei 2.000 p.m. Kapitalentnahme komme ich nach GKV/PV (17,1% inkl Zuschlag) auf 1.658,-- €, davon gehen noch 128,75 € Einkommensteuer weg, folglich nur 1.529,25 € netto.
Sofern Kapitalerträge höher als 3% sind kommt mehr Einkommensteuer und GKV-Beiträge in Abzug.

Mit 800.000€ Kapital, wie ich in etwa erlas, musst Du dies Geld in etwa durch 516 Monate teilen ((90 Jahre - 47 Jahre) x 12), und damit komme ich auf 1.550,-- € pro Monat derzeitige Entnahme ./. 20 % sonstiges = 1.240,-- € netto.

Ich täte noch paar jährchen dran hängen...
Braucht nicht Vollzeit sein, einfach derzeitige Ausgaben durch Job abdecken... Nach 3-5 Jahren sieht es bei gleichem Kapital mit Zinsen dann schon viel besser aus.

(Man sollte Pflegebedürftigkeit im Alter nicht außer Acht lassen. Eigenanteil ist um die 2.400,-- € p.m zur Zeit. Daher spätere Rente eher nicht einrechnen.)

Hallo @jtschiebel

Danke für deine Einschätzung!

Die Angaben zu Steuer und Krankenversicherung sind meiner Meinung nach zu hoch angesetzt da ich die ja nur auf den Ertragsanteil bezahlen muss. Bei den Fonds hab ich teilweise noch Altbestand auf den ich auch bei Verkauf keine Steuern zahle, und beim Rest der Aktien und Fonds sind es definitiv auch weniger als 50%. Bei Zinsen und Dividenden bekomme ich das meiste über die Steuererklärung zurück (bis auf einen Teil der ausländischen Quellensteuer, das ist tatsächlich weg). Insgesamt bleibe ich im Moment unter dem Steuerfreibetrag, und GKV zahle ich den Sockelbetrag von derzeit 275€. Und wenn sich der Ertragsanteil in Zukunft wesentlich erhöht bedeutet das ja auch dass meine Aktien / Fonds wesentlich gestiegen sind, dann dürfte ich auch kein Problem bekommen.

Für das hohe Alter / Pflege sehe ich auch meine Wohnung noch als Sicherheit, spätestens wenn ich ins Heim oder betreute Wohnen müsste bräuchte ich die ja nicht mehr.

Trotzdem stimme ich dir und den anderen die das geschrieben haben zu dass noch ein paar Jahre arbeiten (Teilzeit, mit geringerer Intensität) eine gute Idee ist. Ich habe ja auch fast 20 Jahre lang ziemlich gern gearbeitet, nur die letzten Jahre mit Vollzeit Plus, Pendeln und Frust, labiler Gesundheit und vermutlich knapp am Burnout vorbei hab ich mir eine ziemliche Abneigung angeeignet. Ich habe jetzt vor da ohne mich zu stressen und eher offen und neugierig ranzugehen. Einfach mal ausloten was es für Möglichkeiten gibt. Und meine „lasst mich doch alle mit Arbeit in Ruhe“ Einstellung wieder gegen was positiveres auszutauschen…

@Knuddel: Das ist eine Gute Entscheidung von Dir und mach das.

Der Finanzielle Rückhalt reicht Dir auch um zu pausieren um evtl beruflich zu verändern...
Man sollte keine Arbeit machen die einem keinen Spaß mehr macht - das hilft weder Dir noch letztendlich Deinem Arbeitgeber.
Berufliche Veränderung heißt ja nicht gleich Arbeit kündigen, man kann auch mit dem Arbeitgeber reden, weniger arbeiten, andere Abteilung, Homeoffice etc.

Und noch ein großer Tipp: Nimm Burnout ernst!
Aus Burnout kommst Du nur mit Arbeitszeit-Reduzierung raus.
Schlägt Burnout voll zu kannst Du unter Umständen jahrelang nicht mehr arbeiten und dann wieder einzusteigen wird schwer.

Übrigens gibt es auch Burnout-Therapie-Gruppen, dies würde ich Dir empfehlen. Weil in Burnout zu kommen hat Ursachen wie z.B. den Beruf zu ernst zu nehmen, sich unter Leistungszwang zu setzen bzw setzen zu lassen, vielleicht Versagungsängste - da sich auszutauschen und sich selbst zu reflektieren ist eine gute Sache.
Burnout ist eine häufige Krankheit, dafür braucht man sich nicht schämen.
Lernt man gewisse Situationen einfacher zu meistern kommt man oft nicht mehr in Gefahr zu einem Burnout zu kommen, weil man dann zu bestimmten Sachen lernt "Nein" zu sagen.

Hallo Knuddel,

von der Kapitalseite her sieht das doch recht entspannt aus, ein Restrisiko gibt es immer. Mir wäre die Aufteilung zu defensiv, aber da du von Altbeständen sprichst, wirst du schon eine Weile am Kapitalmarkt aktiv sein und deine Erfahrungen gemacht haben.
Behalte mal die Kostenseite ein wenig im Auge. Von mir selbst weiß ich, dass Einmalkosten nicht einfach in die Planung einzubauen sind, es fehlt die Glaskugel. Die berühmte kaputte Waschmaschine ist heute kein Kostenfaktor mehr, aber Urlaub, Gesundheitszuzahlungen, Renovierungen usw. werden schon mal im Budget übersehen.
Die Kostenexplosion im Alter durch die Verwertung der eigenen Wohnung stemmen zu wollen ist auch mein Plan. Da muss man mal abwarten wie der Immomarkt in ein paar Jahrzehnten sein wird und wie unsere zukünftigen "Altbauten" dann da stehen.

Du schreibst dein alter Job hat sich zu einem echten Streßjob entwickelt. Das kenn ich. Ob man früher damit besser damit umgehen konnte oder sich die Arbeitswelt wirklich geändert hat weiß ich nicht, tippe aber auf letzteres. Nicht mehr arbeiten zu müssen nimmt einem viel Druck. Wenn du merkst dass dir die Decke auf den Kopf fällt und du noch keine neuen Verwirklichungsmöglichkeiten gefunden hast, dann kann du ja immer noch was in Teilzeit anfangen. Ich kann natürlich nur raten was du vorher im Büro gemacht hast, aber vielleicht geht da was im inoffiziellen Arbeitsmarkt, also übers Netzwerk.

Ansonsten denke ich du kannst es einfach mal auf dich zukommen lassen.

Gruß
KK

 

@karlo-kniepig

Danke für deine Einschätzung! Ich komme auch immer wieder an den Punkt dass ich denke unter normalen Umständen müsste es reichen. Und dass ich nie wieder irgendwas für Geld arbeite ist auch eher unwahrscheinlich.

Ja, ich bin (zumindest im Vergleich hier) eher defensiv unterwegs. Bisher meist mit Aktienquote zwischen 60 und 70%, aber seit der Schenkung ist es weniger. Konnte mich letztes Jahr nicht so recht entschließen einen größeren Teil davon in den Aktienmarkt zu stecken weil doch vieles recht hoch bewertet. In der Delle im März hab ich jetzt mal ein bisschen nachgekauft, Etf Emerging Markets, bisher sehr gute Entscheidung.

Und ja, bin auch schon lange am Aktienmarkt (seit Ende der 90er) wobei sich das eine ganze Weile auf gemanagte Fonds beschränkt hat. Aber auch die haben sich über die lange Zeit ganz gut entwickelt, jedenfalls viel besser als alles Festverzinste. Mehr oder weniger selber aktiv mit regelmäßigen monatlichen Sparraten bin ich erst seit ca 10 Jahren.

Die Decke fällt mir nicht so schnell auf den Kopf. Ich hab Hobbys für die ich endlich ausreichend Zeit und Energie habe, hab mir inzwischen zwei kleine Ehrenämter angelacht, meine Eltern sind zwar nicht pflegebedürftig aber können durchaus immer mal Unterstützung brauchen… an fehlender sinnvoller Beschäftigung scheitert es wahrscheinlich nicht.
Ich werde jetzt aber mal in meiner Umgebung kundtun was ich mir als Job so vorstellen könnte, unter Bekannten und ehemaligen Kollegen. Entspannt abwarten ob sich da was auftut, aber vor allem auch jetzt mal den Sommer genießen. Aktives Suchen dann wahrscheinlich ab Herbst.

Was für ein Luxus das so entspannt angehen zu können…

Hallo Knuddel

Habe ich ähnlich gemacht. Leider aber erst mit 59 Jahren.

Lass dich nicht verrückt machen. Das Geld reicht locker bis zum Lebensende.

Würde aber den Aktienanteil zurückfahren auf ca. 25 % in weltweiten ETF's

Rest Festverzinslich zu gut 3 %. Tagesgeldkonto setze ich vorraus.

Steuerlich sieht das ganze gut aus. Krankenkasse wird ja steuerlich verechnet.

Kleiner Tipp. NV Bescheinigung beantragen. Hat man 3 Jahre Ruhe.

Ansonsten die freie Zeit geniessen und mit 65 Jahren Abschlagsfrei in Rente.

Eventuell noch in die Rente einzahlen wenn zuwenig Rentenpunkte. Bei < 45 Punkte.

Kann man dann auch steuerlich verrechnen.

Ps. Rückblickend hätte ich besser auch mit 50 Aufgehört.

Aber besser spät als nie.

Gruss Klaus

Hallo Klaus,

danke dir für deinen Kommentar, mal eine andere Richtung mit „passt schon“ und „lieber weniger Risikoanteil“.

Ich erweitere meine Sammlung an Konzepten und Informationen und werde mir dann schon mein eigenes Süppchen draus kochen, je nachdem was das Leben und der Arbeitsmarkt und die Weltwirtschaft samt Börsen mir noch so vor die Füße schmeißen. Wird schon werden.

Hi Knuddel,

bin auch 48 vielleicht gleicher Jahrgang wenn du von 1977 bist. Gratulation das du den Schritt gegangen bist auszusteigen. Für mich persönlich hast du etwas zu lange gewartet diesen Schritt zu gehen. Besser wäre es im positiven Sinn abzuschließen, sagen zu können der Job hat mir bis zuletzt Spaß gemacht.
Nichts war umsonst, jede Erfahrung hat uns weiter gebracht. Keine Sekunde unseres Lebens ist verlorene Zeit.
Eine Auszeit ist in unserem Alter durchaus mal angebracht habe auch schon zwei hinter mir. Einmal 6 Monate und einmal 12 Monate.
Für eine Dauerauszeit bin ich noch zu jung und gesundheitlich zu fit. Zudem bringt eine sinnvolle Tätigkeit auch sehr viel Lebensfreude. Darum finde ich es gut von dir das du auch weiterhin offen dafür bist. Ich habe jetzt sehr viele verschiedene Tätigkeiten denen ich parallel nachgehe. Wenn mir etwas weniger Freude macht dann reduziere ich diese oder umgekehrt. Achte auf dich selbst und dein Bauchgefühl. Demnächst möchte ich auch mal in meiner Freizeit Ecstatic Dance ausprobieren, vielleicht ist das ja auch was für dich. Probiere einfach alles aus was das Leben zu bieten hat.

Hallo Jan,

Hört sich gut an. Mehrere verschiedene Tätigkeiten und Aufgaben zu haben ist auch mein Wunsch und ergibt sich grade auch von ganz alleine.

Im Grunde bin ich sehr vielseitig interessiert. So viele Dinge die nebenher die letzten Jahre zu kurz kamen. Dass ich meinem Beruf nicht mehr mochte lag ja nicht so sehr am Beruf selbst, sondern daran dass er gegen Ende meine ganze Energie aufgefressen hat.

Mit ein bisschen zeitlichem Abstand kommt auch die Erinnerung an die guten Seiten und Zeiten der Arbeit wieder mehr durch. Und ob ich nun zu anderen Bedingungen und mit anderen Arbeitszeiten im gleichen Feld wieder einsteige, oder ob sich aus den Hobbies oder über Kontakte eine Verdienstmöglichkeit ergibt, oder ob ich doch noch eine Weile mit einem sparsamen Lebensstil ohne bezahlte Beschäftigung weitermache wird sich zeigen.

Ich genieße gerade sehr das Gefühl dass mein Leben wieder offen ist. Und wenn mich die Unsicherheit zwischendurch nervös macht werfe ich einen Blick auf meine Finanzen und sage mir „entspann dich mal, das reicht schon ne ganze Weile“