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Jetzt traue ich mich auch - meine Vorstellung

Hallo zusammen!

Als täglicher Leser im Forum, möchte ich mich auch endlich vorstellen und auch eure Meinung  zu einer Fragestellung einholen. Ich bin dankbar für die vielen interessanten Diskussions-Themen im Forum.
Ich bin 37 Jahre alt, arbeite bei einem intern. Konzern als Führungskraft und lebe in einer Großstadt in Süddeutschland.
Ich komme aus einer ‘armen' Arbeiter-Familie. Nach einer Berufsausbildung habe ich noch Abi nachgemacht und dann studiert, was mir den sozialen Aufstieg mit guter Karriere und Einkommen ermöglichte. Ich bin seit kurzem in einer Beziehung und werde kinderlos bleiben. Ich muss daher im Augenblick nur für mich planen, evtl. auch für meinen Partner, je nach dem wie sich alles weiter entwickelt.
Mein Vermögen sieht im Moment so aus:
1) ETW - nach Abzug von Rest-Baufi aktueller EK-Wert ca. 290.000 Euro. Diesen Wert habe ich ermittelt mit Sicherheitsabschlag anhand anderer Wohnungen, die in meiner Wohnanlage insieriert und verkauft wurden kürzlich. Meine aktuelle Rate ist 1.250 Euro + 250 Euro Hausgeld im Monat (+ Strom, Internet).
2) Wertpapierdepot (ETF / Einzel-Aktien): ca. 150.000 Euro
3) MA-Aktien in Firmen-Depot: netto ca. 35.000 Euro (werden sukzessive frei über 4 Jahre)
4) P2P-Kredite 11.000 Euro
5) Bitcoin: 3.000 Euro
6) Rentenvers. privat von 2004 mit Steuervorteilen: ca. 11.000 Euro
7) Betriebliche Altersvorsorge (Arbeitgeber finanziert):. ca. 50.000 Euro + 10.000 Euro jedes Jahr vom Arbeitgeber (verfügbar ab 62-65 Lebensjahr oder so - weiss ich nicht auswendig).
8) Ratenkredit Restschuld ca. 21.000 Euro (nahm ich 2020 zu 2,49% p.a.  auf und investierte alles im Corona-Crash).
————
Vermögen (ohne betriebliche AV): ca. 500.000 Euro, abzüglich Ratenkredit ca. netto-Vermögen 479.000. Hinzu die betriebliche AV ca. 50.000 Euro, über die ich aber jetzt nicht verfügen kann.
Mein Jahreseinkommen ist 130 - 140.000 Euro p.a. (je nach Bonus), ca. netto 5.300 Euro monatlich + 1x Bonus im Jahr. Wenn ich die Tilgung für die ETW und die Ratenkredit-Rate inkludiere, komme ich im Monat auf eine Sparleistung von ca. 3.200 Euro. Ich bin kein ‘echter' Frugalist, lebe relativ normal und unterstütze meine Eltern finanziell. Ihre Rente ist trotz 35+ Jahre minimal und sie könnten sich damit nicht über Wasser halten bei den heutigen Mieten. Ich bin dankbar, dass ich in der Lage bin sie zu unterstützen.
Meine gesammelten Rentenpunkte sind 22,1556 (wobei ich mich damit nicht sooo gut auskenne). Im Brief steht das ich bei heutigem Rentenbeginn eine monatliche Rente von 757 Euro hätte und wenn ich weiter so einzahle wie die letzten 5 Jahre wäre die Rente 2.960 Euro (+ mögl. Rentenerhöhungen bis zu Renteneintritt).
Was sind meine Ziele? Diese sortiere ich gerade ehrlich gesagt ein wenig neu. Seit 2 Jahren geht es mir gesundheitlich (psychisch) nicht gut, kurz gesagt: Erschöpfung, Depression, Burn Out. Ich ‘funktioniere’ im Alltag, bin nie krankgeschrieben gewesen deshalb und erfülle pflichtbewusst meine Aufgaben. Mein Team und meine Arbeit machen mir grundsätzlich Spass, weshalb ich nie nachdachte früher aufzuhören. Ich bezweifele aber inzwischen, ob ich das gesundheitlich noch so will und durchhalten kann. Ich kläre gerade mit Ärzten, ob ich einige Wochen zur Therapie in eine Klinik stationär gehe. Bisher wollte ich mich nicht krankschreiben lassen, aber nach 2 Jahren ambulante Therapie, Anti-Depressiva usw. muss ich mir eingestehen, dass das nicht mehr “nebenbei” weggeht. Klar gibt es Fortschritte und ich bin heute besser aufgestellt als vor 1,5 Jahren, aber gut ist es nicht und glücklich bin ich nicht.
Wie ihr aus der Aufstellung seht, steckt mehr als mein halbes Vermögen in der ETW. Der echte Wert zeigt sich natürlich erst beim Verkauf. Ich überlege, ob ich die Wohnung Anfang 2023 verkaufen soll oder ob ich ein forward Darlehen abschließe (Refi wäre 2025). Wenn ich die Wohnung verkaufe, fielen lt. der Bank ca. 8-10.000 Euro Vorfälligkeitsentschädigung an.
Alternativ könnte ich das Forward-Darlehen abschließen, die neue Rate ab 2025 wäre dann ca. 550 - 630 Euro (viel niedriger Zins als damals). Die Vermietung der Wohnung, falls ich ausziehe, würde ca. kalt 1.215 Euro bringen.
Wenn ich die Wohnung verkaufe, müsste ich in meiner Stadt mit einer mtl. Miete warm ca. 1.200 - 1.400 rechnen, wäre also im Vgl. zu heute eine niedrigere Belastung. Wenn ich die ETW behalte, wäre es nach Refi in 2025 genau anders rum und die Belastung mit 550 - 630 viel niedriger als Ortsmieten.
Manchmal habe ich das Gefühl, dass eine neue (evtl. anders geschnittene) Wohnung mir gefallen könnte und evtl. eine Veränderung mir gut tun würde. Meine Idee zu verkaufen stammt auch daher, dass meiner Meinung nach die Immo-Preise hier in der Gegend langsam aber sicher den Zenith erreichen (überschreiten?) und im Moment dieses Vermögen in der ETW ‘brach’ liegt und nicht für mich arbeitet, keine Einnahmen produziert (im Gegensatz zu Div-Aktien / ETF…).
Ich weiß, diese Frage “behalten” oder “verkaufen” kann keiner so beantworten für mich. Beide Entscheidungen führen zu unterschiedlichen Optionen. Darf ich euch trotzdem fragen, was sind eure Gedanken? Welche Fragen sollte ich mir stellen, um selbst zu mehr Klarheit zu kommen?
Ich freu mich auf die Diskussion und danke euch!
LG Kano

Hallo Kano,

erstmal ein Willkommen im Forum.

Das sind erstmal viele Informationen und umfassend kann sie Dir vermutlich keiner beantworten - ausser Du selbst - aber Du wünscht ja auch Diskussion zu den Fragen...

Ich möchte hier in erster Linie auf die ETW eingehen. In meinen Augen (andere sehen das vermutlich anders) ist eine selbstgenutzte Immobilie mitunter die beste Altersvorsorge und bietet Sicherheit. Bei mir ist es bspw. 100%ig sicher, dass ich in keine andere Stadt ziehen werde - darum die Wohnung. Denn wenn sie einmal abbezahlt ist, dann hast Du nur noch das Wohngeld/Hausgeld zu tragen. Wie Du ja selber schreibst, unterstützt Du jetzt Deine Eltern (was ich absolut spitze von Dir finde!), da sie mit ihrer Rente am Immobilienmarkt Schwierigkeiten haben. Wenn Du in 30 Jahre in den Ruhestand gehst, werdend die gesetzlichen Rentenzahlungen noch geringer sein, als heute.

Wenn Du den Wohnungsmarkt betrachtest, dann werden die Mieten sicher nicht "eingefroren" werden sondern im Laufe der Jahre ansteigen. Das habe ich bei meinen Wohnungen damals selbst erlebt - daher auch der Kauf meiner ETW.

Nachdem es Dir seit 2 Jahren ja gesundheitlich schlecht geht - Du bereits mit dem Gedanken spielst eine stationäre Therapie zu beanspruchen - solltest Du dich in erster Linie mal um Deine Gesundheit kümmern. Denn solch ein Burnout / Depression sollte man nie unterschätzen und so schnell als möglich Gegenschritte einleiten.

In meinem Bekanntenkreis habe/hatte ich auch einige Fälle von Burnout und Depression - das kann mitunter ein langwieriger Genesungsprozess sein - und bei keinem der mir bekannten Fälle, war es nach 6 Wochen abgeschlossen.

Daher würde ich als erstes die Kalkulation aufstellen, was bekomme ich an Einkünfte, wenn ich länger als 6 Wochen ausfalle (Krankengeld). Wie könnte ich das alles bewerkstelligen.

Im zweiten Schritt kannst Du dir dann Gedanken zur weiteren Wohnsituation machen - also ob Du sie verkaufst / vermietest etc.

Ich denke einmal, nach Deiner Schilderung zu folgern, dass Du nicht zu viele Baustellen auf einmal aufmachen solltest und eine klare Priorisierung anstellst.

Nach meinem Unfall (ich war über 11 Monate im Krankenstand) war ich froh, dass ich mich im Vorfeld schon um die verschiedenen Dinge gekümmert habe. Seit jeher habe ich es bspw. so gehandhabt, dass meine bekannten Kosten (Miete, Strom, GEZ, Versicherungen, etc.) der monatliche Anteil per Dauerauftrag auf ein Unterkonto gebucht wird. Von diesem Konto wurden alle Zahlungen per Lastschrifteinzug (Du kannst da 8 Wochen Widersprechen) abgebucht. Die "wichtigsten Faktoren" (Unterkunft, Strom) waren somit gesichert und ich musste mich lediglich um das "Einkommen" auf meinem Hauptkonto kümmern (Krankengeld, etc.).

Von meinem Chef habe ich damals die mündliche Zusage bekommen, dass ich wieder an meinen alten Arbeitsplatz zurück darf - das hat mir natürlich auch eine Menge Stress und Sorgen genommen. Denn in den verschiedenen Reha-Einrichtungen erhielt ich die unterschiedlichsten Geschichten der anderen Patienten (bspw. kleines Unternehmen, daher wurde wegen der Krankheit gekündigt etc.).

Somit habe ich mich letzten Endes komplett auf die Genesung konzentrieren können - denn die üblichen "Baustellen" waren abgedeckt.

Daher würde ich als erstes bspw. das Forward beauftragen - somit halbieren sich in 3 Jahren schon einmal Deine Ausgaben. Wenn alles glatt läuft, und die Situation noch ist, wie heute, dann kannst Du das gesparte Geld bspw. in zusätzliche Tilgungen oder andere Anlagen stecken. Zusätzlich hast Du die planbare Sicherheit, dass sich die Ausgaben ab dem Zeitpunkt um ca. 600 € reduzieren. Denn vielleicht stellt sich ja raus, dass der Job Dir doch nicht so "passt" wie vermutet und Du dich anders orientieren willst. Bei dem anderen Job verdienst Du aber vielleicht nicht 5.300 € netto.

Das wären jedenfalls so meine Gedanken zu dem Thema.

Hallo Karo,

ich würde an deiner Stelle erstmal die Wohnung behalten (wie weit ist die abbezahlt, das habe ich nicht gefunden) und mich auf die Gesundheit konzentrieren. Ich habe den Eindruck, Ende 30 / Mitte 40 fallen viele Männer in ein psychisches Loch. Kenne da einige.

Liegt dein Zustand an deiner Arbeit (wenn du hier darüber schreiben willst)?

Hi @kano,

vielen Dank für deinen interessanten Beitrag. Ich finde es klasse wie du es geschafft hast dich so hoch zu arbeiten, da habe ich sehr großen Respekt vor. Wer es schafft so wie du sich als Führungskraft durchzubeißen dem kann eigentlich nicht viel passieren wenn er rechtzeitig die Bremse zieht. Deine Fähigkeiten ermöglichen es dir in vielfältiger weise erfolgreich zu sein. Und da schließe ich den Bogen zur ETW. Wenn dir die Stadt und das Umfeld dort gefällt empfehle ich dir die ETW zu behalten und alle Optionen offen zu halten. Egal ob Eigennutz oder Vermietung. Wie gesagt mit deinen Fähigkeiten sollte auch eine Vermietung um zig Dimensionen einfacher sein als dein jetziger Job. Zudem empfehle ich dir bei deine Ausgaben kritisch zu hinterfragen was davon dich wirklich erfüllt. Je weniger unnötige Ausgaben du hast umso leichter kannst du auch auf Einnahmen die dir nicht gut tun verzichten. Versuche doch auch mal mit etwas weniger zeitlichem Einsatz (vermutlich arbeitest du Flatrate) dich im Job einzubringen. Ja dann wird es womöglich etwas Ärger geben, versuche so viel wie möglich abzugeben. Nimm den Ärger in kauf es ist ein Zeichen dafür das du deiner Gesundheit was gutes tust und der Firma noch einige Jahre länger dienen kannst. Somit eine Win-Win Situation die vom Gegenüber nicht unmittelbar wahrgenommen wird. Aber was bringt es der Firma wenn du mit deinem Know-How komplett ausfällst? Lass lieber vorher etwas Luft aus dem Kessel damit die Suppe noch länger kochen kann. Du könntest aber auch einen Schritt zurück gehen in der Karriere und anderen Platz machen why not? Du hast schon alles erreicht was es zu erreichen gibt oder möchtest du noch höher hinaus?

Hallo Kano,

erst einmal Willkommen und auch Glückwunsch: Deine finanzielle Situation sieht sehr gut aus und es ist wirklich toll, dass Du Deinen Eltern helfen kannst und willst!

Da Du zudem Kinder ausschliesst, würde ich sagen Du hast sehr sicher die vollen Möglichkeiten, früh in Rente zu gehen oder zumindest beruflich früh kürzer zu treten, sofern das die bevorzugte Variante ist. Du hast bereits ein ordentliches Vermögen und insbesondere die tolle betriebliche Altersversorgung Deines AG wird ja schnell groß genug sein, dass im Alter zusammen mit der gesetzlichen Rente genügend da sein wird, jedenfalls wenn der laufende Bedarf nicht zu groß ist.

Mit dem Bedarf wären wir bei dem Thema der Wohnung. Fühlst Du Dich dort wohl, kannst Du Dir da evtl. auch vorstellen "alt zu werden"? Dann würde ich sie auf jeden Fall behalten und abzahlen. Vernünftig und gut wohnen ist ja ein großer Brocken des Lebensunterhalts. Parallel baust Du ja bereits ordentliches Depot für passiveinkommen auf.

Ich muss allerdings abschließend Lostoi recht geben: Finanziell sieht alles super aus, kümmere Dich primär darum wie Du klar kommst, solche burn out etc. Themen sind wirklich hartnäckig zu bekämpfen.

 

Zitat von kano am 16. Januar 2022, 23:39 Uhr
 Ich kläre gerade mit Ärzten, ob ich einige Wochen zur Therapie in eine Klinik stationär gehe.

Willkommen im Forum, Kano!

Ohne jetzt auf die konkrete Finanzsituation bei Dir einzugehen, hab da zu wenig Ahnung, abgesehen vom Verkauf meines Elternhauses, kann ich Dir nur sagen, was ich wohl tun würde, wäre ich depressiv, nämlich mein Leben möglichst vereinfachen und von allen Verpflichtungen ent-lasten, wo es nur geht.

Dies habe ich getan wegen meiner Schmerzkrankheit, die mich in Erschöpfungszustände führte, d. h. es wurde dadurch viel schwieriger, alles in kurzer Zeit auf die Reihe zu kriegen, trotz Wissen.

Bei Depressionen gibt es ja auch Antriebsprobleme.  So ist es jedenfalls bei meiner depressiven Schwester. Wenn Du Deine Verpflichtungen nicht anderweitig in der Familie delegieren kannst oder sogar für Deine Familie viel regeln musst, dann versuche deshalb, diese regelmäßigen Pflichten auf das absolut Notwendige zu reduzieren, was Du auch noch bei starken Depressionszuständen oder Antriebsstörungen irgendwie auf die Reihe kriegst.

Was ich im Internet vermehrt von Leuten in stationären Kliniken las: Es wird offenbar ziemlich viel gestohlen in solchen Einrichtungen, durch Personal oder Mitpatienten. Vor allem Handys, Tablets und Notebooks werden teilweise gleich reihenweise gestohlen. Da musst Du also besonders gut achtgeben, weil Du ja wohl darauf alle Deine wichtigen Daten hast, auch zur Regelung Deiner Finanzen.

Erwarte nicht zu viel von der stationären Klinik, dort wird sehr viel in Gruppen gearbeitet, hab ich von Patienten gehört. Einzelsitzungen gibt es offensichtlich nicht jeden Tag. Wenn Du nicht zufrieden bist und das allzu exponiert äußerst, wird Dir dann wohl gleich ein narzisstischer Anteil bescheinigt, so klagte zumindest mal eine Patientin im Internet und empfand das Ganze nicht wirklich lohnend. Aber bescheidene Patienten mit realistischen Erwartungen profitieren wahrscheinlich schon davon.

Ich habe jedenfalls sehr viele Fachbücher gelesen zum Thema Psychologie und  Therapieformen, auch in Richtung Coaching, und finde dieses Wissen sehr hilfreich. Letztlich braucht es sowieso die eigene Arbeit an sich selbst. Wichtig ist, sich nicht in einer Lageorientiertheit und Opferhaltung einzurichten, auch wenn man gute Gründe dafür hätte, denn sonst wird das Aufstehen daraus sehr schwierig und langwierig. Es braucht persönliche Ziele, um sich wieder selbst aufrichten zu können, die Vogel- und Bergperspektive. Mir persönlich hat dabei der Stoizismus sehr geholfen (siehe den Stoizismus-Thread hier im Forum).

Alles Liebe und Gute für Dich!

Laura Maelle

Liebe Grüße, Laura Maelle

Hi Kano

und willkommen zum ersten Beitrag!

Bis zu dem Abschnitt mit der Gesundheit dachte ich; Läuft gut, einfach so weiter machen. Wohnung entschulden, Aktien aufbauen, sowie die AV.

Das würde ich auch -weitermachen- aber erst einmal der Gesundheit Vorrang geben. Suche ein offenes Gespräch zu der Situation mit deinem Chef. sowie mit der Sozialberatung im Unternehmen. Kläre wie lange die volle Lohnfortzahlung läuft (bei meinem Konzern 52 Monate) und nehme dann alles andere an Gedanken und Stress möglichst raus und fokussiere dich auf deine Gesundheit und Genesung.

Das mit dem Verkauf der Wohnung erscheint mir ein Schnellschuss. Entscheide das wenn es dir besser geht und du klarer siehst.

Für ein Forward für 2025 erscheint es mir recht früh, aber ein eventuelles Forward sollten Immobilienfinanzierer derzeit tatsächlich im Blick haben. Bei mir läuft auch eine Zinsfestschreibung in 2024 aus und die behalte ich auch im Blick.

Zur Frage bzgl der Wohnung: Behalten! Miete musst Du aus versteuertem Einkommen bezahlen. Die ersparte Miete ist steuerfrei. Die selbstgenutzte Wohnung ist wenn sie normal ist und kein Luxus die einzige Investition, deren Ertrag steuerfrei ist und die Preisentwicklung durch Inflation zusätzlich.

Hallo Kano,

auch von mir ein herzliches Willkommen aus einer Großstadt in Süddeutschland. Danke für deine Vorstellung hier, damit bist du mir einen Schritt voraus. Ich hab jetzt auch nicht so richtig rausgelesen, wie hoch die Restschuld auf der Immobilie ist. Insgesamt kann sich die Bilanz doch aber sehen lassen. Eine selbstgenutzte Immobilie ist immer eine gute Anlage und ich würde sie nur dann verkaufen, wenn du unbedingt woanders oder in einer anderen Wohnung leben wolltest und die Vermietung schwierig wäre. Ansonsten unbedingt behalten und versuchen, die Finanzierung möglichst schnell abzuzahlen. Schulden bringen dich bei einer selbstgenutzten Immobilie steuerlich nicht weiter. Ich würde die gute Sparleistung zur Tilgung nutzen und außerdem mir mal die gesamte Ausgabenseite genauer anschauen.

Ich würde mich auch nicht als Frugalist bezeichnen, aber letztlich hat auch eine gewisse Sparsamkeit trotz gutem Einkommen mir geholfen, die finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen. Dies war irgendwann vor einigen Jahren unbemerkt der Fall. Letzte Woche war mein letzter Arbeitstag im Angestelltendasein.

Wow - vielen Dank für die vielen Beiträge in so kurzer Zeit! Danke!

Ich gehe auf sie von oben nach unten ein:

@lostoi : Mein Krankengeld (nach Ablauf 6 Wo) wird von der Firma aufgestockt auf mein normales Gehalt. Musste ich nie in Anspruch nehmen, aber las es neulich. Ich sehe es wie du, alles so einfach und 'minimalistisch' wie möglich im Leben zu organisieren.  Ich mache mir nebenbei Gedanken, ob die Option Whg. verkaufen sinnvoll ist, aber die erste Priorität ist definitiv, meine Gesundheit wieder in Balance zu bringen.

@privatier : Die aktuelle Restschuld bei der ETW ist 214.000 Euro, hatte ich vergessen zu erwähnen.
Ich glaube, ich hatte immer Mal wieder 'depressive Phasen' im Leben, aber die klangen nach wenigen Wochen ab und ich konnte mich bisher immer selbst rauskämpfen. Seit Anfang / Mitte 2020 habe ich aber einen richtigen Einbruch gehabt mit so sämtlichen allen burn out Symptomen. Der Einbruch ist beruflich ausgelöst worden, ich bekam "globale Riesenprojekte" und ich war tw. überfordert von dem Druck, Erwartungen und der Komplexität. Ich leitete noch nie irgendwas vergleichbares...
Ich hatte regelmässig Angst-und Panikattacken zu versagen, und bekam m. E. nicht die Unterstützung in der Firma, die ich gebraucht hätte. Gleichzeitig war ich selbst nicht in der Lage "nein" zu sagen und mich selbst effektiv zu schützen und abzugrenzen.
Das sehe ich heute anders und bin deutlich selbst reflektierter (auch Dank Therapie). Das ironische ist, dass all diese Mega- Projekte, die ich managte und mich so fertig machten, extrem erfolgreich und über alle Erwartungen Ende 2021 abgeschlossen wurden. Ich bekam mega Anerkennung, Lob, top Gehaltserhöhung, Aktienpaket bla bla - man könnte sagen, der Höhepunkt meiner Karriere und beruflichen Entwicklung. Gleichzeitig Tiefpunkt meiner Gesundheit...

@jan-veerman Danke für deine Wertschätzung, ich bin selbst manchmal verwundert wie ich das alles schaffte. Klingt evtl. komisch, aber ich hatte nie vor der 'mega Manager' zu werden. Ich hab immer mein Bestes gegeben bei Uni, Arbeit, Sport, bei allem was ich anfing. Der Einsatz wurde gesehen in den Firmen, ich wurde gefördert und ich sagte immer "ja" und bin irgendwie reingerutscht in die Position, wo ich jetzt bin. Ich denke, es wäre besser gewesen meine Karriere 1-2 Stufen vorher zu stoppen, aber da wusste ich nicht, was ich jetzt weiss 😉 Weiter aufsteigen will ich auf keinen Fall. Einen Schritt zurück ist bei uns in der Firma sehr unüblich, bzw. nicht vorgesehen. Ich überlege aber in 2-3 Jahren auf Teilzeit zu gehen (80%?) und evtl. werde ich dann zwangs-degradiert 😉
Im Laufe der letzten 1,5 Jahre habe ich einiges verstanden und arbeite jetzt auch von den Stunden weniger, lerne zunehmend Nein zu sagen zu Deadlines und Vorgesetzten. An meinen Symptomen hat sich nur tw. etwas geändert, insbes. bei der Erschöpfung. Ich bleib aber weiter dran mein lifestyle zu optimieren 😉 Und die Zeiten, wo ich mal 2 Monate pro Jahr umsonst gearbeitet habe Dank unbezahlten Überstunden, sind vorbei.

@laura_maelle : Bin voll bei dir, ich will und bin nicht in der Opfer-Haltung. Was mir glaube ich seit einiger Zeit fehlt, ist genau was du schreibst: (neue) persönliche Ziele.  Ich glaube, ein paar Wochen in einer Klinik mich aus dem regulären Alltag auszuklinken, könnte mir die Zeit geben mich neu zu sortieren. Ich las auch mein Leben lang viele sehr gute Bücher zu Persönlichkeitsentwicklung, Psychologie, Führung, Liebe usw. Ich hab aber auch gemerkt, dass es manchmal frischen Input braucht, da das eigene Grübeln nicht alles lösen kann, sondern irgendwann nur im Kreis gequirlt wird.

@muslime_frugi  Mit meinem Chef sprach ich mehrfach 2020 und zwar relativ "direkt", mündlich und per e-mail, schilderte ihm meine Situation, bat um klare Priorisierung, Unterstützung usw. Da kam wenig bis nichts. Zusammenfassend war sein Satz "Du musst Wege für dich finden, mit dem Stress und der Arbeitsbelastung umzugehen.". Kurzum: Bitte kümmere dich wie ein Erwachsener, um deine Probleme und erwarte nicht, dass ich sie für dich löse indem ich Arbeitsthemen anders strukturiere usw.
Andere Führungskräfte zeigen da mehr Fürsorge (-pflicht?). Heute sind die großen Projekte abgeschlossen. Daher werde ich kein Gespräch mehr mit ihm dazu führen, er glaubt vermutlich das bei mir alles 1a ist. Wenn es konkreter werden würde mit Krankschreibung/Klinik, überlege ich mir, wie ich es ihm kommuniziere.
Forward Darlehen kannst du übrigens theoretisch 5 Jahre vor Ablauf Zinsbindung abschliessen. Jedoch sind dann die Forward-Aufschläge auf den aktuellen Marktzins relativ hoch und wenige Banken bieten so lange Vorlaufzeiten an. Bei 36 Monaten Vorlauf werden die Konditionen viel attraktiver und es bieten viel mehr Banken an (=Wettbewerb). Mit jedem Monat näher an das Ende der Zinsbindung, sinken die Forward-Aufschläge.

Zu meinen Ausgaben erstelle ich einen separaten Post, da das einige von euch ansprachen.

 

Hallo Kano,

vielen Dank für Deine Antworten und die weitere Erläuterungen.

In Deinem Vorstellpost habe ich die Lage ein wenig anders gedeutet - daher der Kommentar zum Forward. Natürlich ist es besser noch ein wenig zu warten und die Lage zu beobachten. Meine Anschlussfinanzierung ist in eindreiviertel Jahren fällig - aber da bin ich jetzt noch ausgesprochen entspannt (denn dzt. sind die Konditionen um einiges besser, als damals).

Es haben die anderen User ja auch diverse Antworten geschrieben bzgl. des angedachten Wohnungsverkaufs - ebenso deine Ausführung wegen Priorisierung von Deinem Chef...

Setze den Wohnungsverkauf auf einen der hinteren Plätze der Prioritätenliste - Punkt 1 die Gesundheit.

Du hast ein Dach über dem Kopf und der mögliche Verkauf rennt Dir ja nicht davon. Die Finanzierung ist die nächste Zeit sicher - also auch keine Sorgen - und Du hast einen bekannten und festen Rückzugsort, falls Du von dem Klinikaufenthalt zurück kommst.

Denn wie Du ja geschrieben hast, müsstest Du dir erst zuvor eine Wohnung suchen - Zeitaufwand (Suche, Besichtigungen) und Stress. Die alte Wohnung leer räumen - Umzug organisieren und durchführen - Zeitaufwand / Stress. Die alte Wohnung zum Verkauf anbieten (evtl. Zusatzkosten, Zeitaufwand, Stress) und dann den Verkausfabschluss durchführen (Zeitaufwand, Stress - Notartermine, Zahlungseingänge prüfen). Und wenn Du den möglichen Verkaufserlös dann hast, dann kommen zusätzliche Arbeiten auf Dich zu (Tilgung des Darlehens, was mit dem Geld machen - Hinweis: Minuszinsen bzw. Verwahrentgelte). Und und und....

Also, Gesundheit auf Prio 1 setzen, dann ggf. Arbeitgeber usw. .... Aber das ist nur meine Meinung.

Jedenfalls wünsche ich Dir viel Erfolg!

Alles hängt zusammen, alles hat seinen Preis oder auch Ertrag. Beides zu sehen in Ihrer persönlichen Bestandsaufnahme. Klar, schon viel erreicht!

Was aber nur Sie selbst analysieren können: Was auf welchem Level mit welchem gesundheitlichen Risiko kann ich wie lange eigenständig aufrechterhalten und das dauerhaft? Lebenslang zum Therapeuten und Psychopharmaka Einnahme scheint ja eher nicht erstrebenswert, von weiteren Krankheitsrisiken mal ganz abgesehen.

Kurzum: Das Leben darf ruhig mal leichter sein oder werden.

 

Zitat von kano am 17. Januar 2022, 19:21 Uhr

@laura_maelle : Bin voll bei dir, ich will und bin nicht in der Opfer-Haltung. Was mir glaube ich seit einiger Zeit fehlt, ist genau was du schreibst: (neue) persönliche Ziele.  Ich glaube, ein paar Wochen in einer Klinik mich aus dem regulären Alltag auszuklinken, könnte mir die Zeit geben mich neu zu sortieren. Ich las auch mein Leben lang viele sehr gute Bücher zu Persönlichkeitsentwicklung, Psychologie, Führung, Liebe usw. Ich hab aber auch gemerkt, dass es manchmal frischen Input braucht, da das eigene Grübeln nicht alles lösen kann, sondern irgendwann nur im Kreis gequirlt wird.

Da Du mit Deiner Lebenspartnerin keine Kinder planst, hast Du mehr Spielraum für einen Plan B. Also mein Eindruck aufgrund Deiner vernünftigen Beträge ohne weinerliche Lageorientiertheit ist, dass Du schlichtweg wirklich überarbeitet bist und deshalb in Depressionen verfällst, die Du nicht mehr ausreichend runterregulieren kannst aufgrund des hohen Drucks von außen auf Dich. Diese würden wahrscheinlich abnehmen, wenn Du Dein Leben veränderst mit weniger Belastungen.

Bevor Du also rausfällst bzw. degradiert wirst, wie Du es bezeichnet hast, würde ich mit Deiner Lebenspartnerin einen Plan B für Dein Leben entwerfen. Du hast keine persönlichen Ziele mehr, also entwickle welche, sonst bleibst Du innerlich stehen und es wird immer mehr zu Arbeitsblockaden kommen. Lass Dich nicht nur durch Deine Probleme treiben, sondern suche Dir ein Ziel, das Dich da rauszieht und Dich neu antreibt, ohne dass Du Dich zwingen musst zur Arbeit.

Vielleicht würde ja schon ein Stellenwechsel etwas bringen, wo Teilzeit möglich ist. Am besten keine Führungsposition. Burnout-Persönlichkeiten oder besonders gewissenhafte Persönlichkeiten mit einem Hang für detailgenaues Arbeiten sind nur bedingt dafür geeignet, den der innere Konflikt, Qualität und Quantität in voller und perfekter Leistung bringen zu wollen, führt dann bei solchen (sowieso schon eher melancholisch ernsthafteren) Persönlichkeitsprofilen zu Depressionen, die normalerweise gut sublimiert werden, wenn nicht zu viel Stress entsteht.

Liebe Grüße, Laura Maelle

Hallo Kano

du scheinst in Sachen Selbsterkenntnis und Reflektion schon auf einem Guten Weg. Bei allen guten Ratschlägen hier und anderswo, würde ich in einer Absichtslosigkeit an deine Gesundheitsthemen gehen.

Erst wenn du komplett raus bist und mit Abstand wirst du manches klarer sehen. Die See muss erst ruhig gelegt werden, dann wirst du bei wellenlosem Wasser dein Spiegelbild sehen. Das Leben ist aber nicht immer wie ein ruhig liegendes Meer. Meist ist es jedoch unruhig und wellig. Versuche dich wie die Delfine mit der Welle zu bewegen, dann sparst du Kraft und das Leben wird leichter.

Ich selbst bin in einem internationalen Konzern beschäftigt, Führungskraft ist im Konzern zumeist eine undankbare und aufzehrende Position. Schuld daran ist die Sandwich Lage und die Anonymität. Einerseits gibt es zwar die tollen Leitlinien und Sozialberatung, BR etc. aber Shareholder Value Interessen, Projektdruck und kaputte Perönlichkeiten im Führungskreis geben oft einen anderen Takt vor. Sich diesem zu entziehen ist oft nicht einfach. Gerade wenn man noch jünger ist, viel Idealismus hat und am Anfang seiner Existenzsicherung befindet. Wer da zu pflichtbewusst ist und mit einem zu hohen Idealismus ran geht wird oft gnadenlos verschlissen.

Ein älterer Kollege sagte mal: "Wenn jeder an sich selbst denkt, ist an jeden gedacht". Dieser Satz ist mir im Gedächtnis geblieben. Das klingt ziemlich egoistisch, aber da ist was Wahres dran!

Der Konzern bietet Raum für aller Couleur. Es gibt wenige Rennpferde wie du, die den Karren aus dem Graben ziehen und viele die im Karren sitzen.

Die Lösung nach deiner Auszeit unter professionellen Betreuung kann vielfältig sein. Vielleicht kannst du deinen Mindset ändern und anders auf deiner Position weitermachen. Eine Möglichkeit wäre es im Konzern zu bleiben und auf eine passender Position ohne Führungserfahrung zu gehen. Oder halt was ganz anders machen. Wichtig erscheint mir, dass du dich nicht zu irgendetwas treiben lässt und schon gar nicht vorschnell.

 

Zitat von Muslime_Frugi am 18. Januar 2022, 11:10 Uhr

Erst wenn du komplett raus bist und mit Abstand wirst du manches klarer sehen. Die See muss erst ruhig gelegt werden, dann wirst du bei wellenlosem Wasser dein Spiegelbild sehen. Das Leben ist aber nicht immer wie ein ruhig liegendes Meer. Meist ist es jedoch unruhig und wellig. Versuche dich wie die Delfine mit der Welle zu bewegen, dann sparst du Kraft und das Leben wird leichter.

Guter Vergleich und erinnert mich gerade an den Satz des römischen Philosophenkaisers und Stoikers Marc Aurel:

Marcus Aurelius Antonius, Selbstbetrachtungen

"Sokrates nannte die Meinungen der Menge Poltergeister,
Schreckgestalten für Kinder.

Alles ist Meinung, und diese hängt ganz von dir ab.
Räume also, wenn du willst, die Meinung aus dem Wege,
und gleich dem Seefahrer, der eine Klippe umschifft hat,
wirst du unter Windstille auf ruhiger See
in den sicheren Hafen einfahren."

Schon von Kind an muss der Mensch vielen Erwartungen entsprechen, das sind die Meinungen der Vielen. Ein Prediger hielt einmal eine gute Rede darüber und verwies auf den alten Begriff "Augendienerei", den es in der Bibel gibt, oder z. B. auch im Islam.  Dazu werden Kinder erzogen, um vielen Augen zu dienen. Im religiösen Kontext wird das auf einmal als Gefahr gesehen, mehr den Augen der Menschen zu dienen als Gott. Ich finde das eine sehr wichtige Erkenntnis, sogar das Beten im stillen Kämmerlein wird z. B. in der Bibel bevorzugt, während dem Schein in der Welt wenig wahre Bedeutung zugemessen wird.

Man ist sich oft nicht klar, wie sehr man sich vom Urteil anderer Menschen abhängig macht, wie perfekt man sein will und sich selbst verurteilt, wenn man nicht mehr das leistet, was in den Augen der Anderen zu leisten wäre. Aber das ist letztlich Augendienerei ... Das eigene Ego zu überwinden, bedeutet eben auch, nicht immer allen alles recht zu machen, um in den Augen der Anderen perfekt zu sein, sondern auch mal zu versagen und vielleicht damit nicht gut dazustehen.

Das löst Angst aus, denn der selbstgezimmerte Perfektionismus, der einem persönlich sehr hohe psychische Kosten abverlangt, gibt halt auch Sicherheit als Überbau über das eigene Leben, aber dieses Konstrukt zu halten, verschleißt enorm. Alfred Adler hat das sehr gut beschrieben in seinem Werk "Über den nervösen Charakter", komplett kostenlos online lesbar in https://de.wikisource.org/wiki/Über_den_nervösen_Charakter

Liebe Grüße, Laura Maelle
Zitat von kano am 17. Januar 2022, 19:21 Uhr

Ich hab immer mein Bestes gegeben bei Uni, Arbeit, Sport, bei allem was ich anfing. Der Einsatz wurde gesehen in den Firmen, ich wurde gefördert und ich sagte immer "ja" und bin irgendwie reingerutscht in die Position, wo ich jetzt bin. Ich denke, es wäre besser gewesen meine Karriere 1-2 Stufen vorher zu stoppen, aber da wusste ich nicht, was ich jetzt weiss 😉 Weiter aufsteigen will ich auf keinen Fall. Einen Schritt zurück ist bei uns in der Firma sehr unüblich, bzw. nicht vorgesehen. Ich überlege aber in 2-3 Jahren auf Teilzeit zu gehen (80%?) und evtl. werde ich dann zwangs-degradiert 😉
Im Laufe der letzten 1,5 Jahre habe ich einiges verstanden und arbeite jetzt auch von den Stunden weniger, lerne zunehmend Nein zu sagen zu Deadlines und Vorgesetzten. An meinen Symptomen hat sich nur tw. etwas geändert, insbes. bei der Erschöpfung. Ich bleib aber weiter dran mein lifestyle zu optimieren 😉 Und die Zeiten, wo ich mal 2 Monate pro Jahr umsonst gearbeitet habe Dank unbezahlten Überstunden, sind vorbei.

Ich hatte mal einen beruflichen Auftrag von einer Führungsperson aus einem internationalen Konzern, wodurch ich Einblick in interne Abläufe erhielt, vor allem über die Schwierigkeiten, die Arbeitnehmer an neue Herausforderungen heranzuführen. Es kam immer wieder zu Überforderungen und Fehlresultaten in den Zielsetzungen und vor allem in deren Umsetzung haperte es gewaltig. Es ging um einschneidende Konfliktlösungen auf allen Ebenen.

Das war wirklich ein interessanter Auftrag, den ich auch gut erledigte. Was der Auftraggeber nicht wusste, war der Umstand, dass mein Vater ein Leben lang dort gearbeitet hatte bis zu seinem Tod und mein Bruder noch immer dort arbeitet. Ich hatte also noch den Einblick von unten und verstand deshalb sehr gut, worum es ging. Ich besuchte schon als Kind meinen Vater in dieser international tätigen Firma, deren Führungsetage einige Umstrukturierungen erfuhr. Auch sah ich den ersten Computer, den sie dort einführten, damals noch ein Riesending.

Die Beziehungen zwischen Führungsetage und den einfachen Arbeitern war damals noch mehr gegeben. So gab es auch Ausschreibungen, um Lösungen zu finden für die Firma, worauf sich mein Bruder (ein Autist) mit einer findigen Idee meldete und gewann! "Sein System" wurde daraufhin weltweit in diesem Konzern eingesetzt. Ich war natürlich mächtig stolz auf meinen Bruder!

Heutzutage haben Führungspersönlichkeiten verlernt, auf die Ressourcen ihrer Mitarbeiter unter ihnen zurückzugreifen. Dabei gäbe es diese durchaus, denn untergeordnete Arbeitnehmer nähmen auch mal gern Verantwortung wahr und wollen auch Bestätigung erhalten durch ihren unmittelbaren Vorgesetzten. Perfektionistische Führungskräfte neigen jedoch dazu, alles selbst machen zu wollen. Sie schaffen es nicht, die Leute unter sich zu motivieren, damit diese in ihrem Sinne als Team für den Chef und das Unternehmen intrinsisch motiviert arbeiten. Dabei ist gerade der unmittelbare Chef der Hauptmotivator, wenn dieser zugewandt und bestätigend auf die Arbeitnehmer zugeht.

Suche Dir einen guten Beta-Wolf an Deiner Seite, Kano.

Der kann natürlich auch weiblich sein. Ich habe das schon mehr als einmal erlebt, dass z. B. eine gute und fürsorgliche Sekretärin die Fehler des überarbeiteten Chefs korrigierte, bevor etwas rausging, und sich wichtig fühlte in dieser Beta-Wolf-Funktion.

Liebe Grüße, Laura Maelle

Hallo Kano,

herzlich willkommen hier, ich bin auch noch relativ neu und ich muss sagen das Du schon sehr viele gute Antworten hier bekommen hast, ein tolles Forum.

Kurz zu mir: ich war lange die Vertrauensperson der Schwerbehinderten bei uns im Unternehmen (auch Depressionen führen zu Schwerbehinderungen) und in der Funktion auch im BEM-Team (Betriebliches Eingliederungsmanagement nach mehr als 6 Wochen Krankheit) und habe einige Fälle betreut und mich intensiv mit den Themen beschäftigt. Daher will ich den Fokus meiner Antwort auf die Gesundheit legen. Das ist das wichtigste Gut was Du hast! Das Du eine Therapie machst und unterstützend Anti Depressiva nimmst ist sehr gut, da hast Du auf jeden Fall das Problem erkannt und arbeitest an einer Lösung. Das ist der erste Schritt den viele nicht schaffen oder sich eingestehen wollen. Ich würde auf jeden Fall probieren eine Reha zu beantragen, bei dem Krankheitsbild und der bestehenden Therapie sollte das relativ zügig bewilligt werden. Bei den Antragsformularen solltest Du schon recht dramatisch formulieren, also das es Dir sehr schlecht geht und die ganzen Beeinträchtigungen im Alltag aufzeigen. Es muss daraus hervorgehen, dass Deine Erwerbstätigkeit ernsthaft gefährdet ist, denn die BfA möchte sich natürlich die guten Beitragszahler wie Dich erhalten. Das ist Sinn und Zwecke der Reha. Am besten einen Befundbericht von Deinem/r Therapeuten/in beifügen. Wie Du schon erwähnt hast hilft eine Reha Abstand zu gewinnen und die Dinge aus der Ferne zu betrachten, Du musst Dich dort um nichts außer um Dich kümmern und wenn Du aktiv an den Gruppengesprächen und den ganzen weiteren Anwendungen teilnimmst kann das sehr viel helfen, hängt natürlich immer ein bisschen von den Teilnehmern ab. Einzelgespräche finden kostenbedingt meist nur einmal in der Woche statt, letztlich liegt es aber einen selbst was man aus einer Reha mitnimmt. Auf jeden Fall hilft es das Leben einmal zu sortieren. In diesem Stadium solltest Du eigentlich auch mit den 4-6 Wochen die so eine Reha dauert hinkommen.

Wie Absprung_2020 geschrieben hat, alles im Leben hat seinen Preis, man kann nicht auf Dauer über der Benchmark performen. Das hast Du getan. Bei Spitzensportlern sind mit Mitte 30 die Gelenke, Hüften etc. kaputt, bei den denkenden Berufen ist es die Psyche, ich nenne es auch gerne "emotionale Kosten". Deswegen hat Dir Deine Psyche die Grenzen aufgezeigt, der eine bekommt einen Hörsturz (wie ein heißer Kochtopf wenn es aus dem Deckel pfeift), der andere Hautausschläge, das ist ein weites Feld wie der Körper sich bemerkbar macht. Was nicht hilft ist einfach weitermachen!

Wenn eine "Aussprache" mit Deinem Chef nicht viel gebracht hat solltest Du es vielleicht besser für Dich behalten, es geht niemanden im Unternehmen etwas an warum Du eine Reha machst. Zur Not sagst Du Hörsturz, das wird allgemein akzeptiert um es mal so auszudrücken.

Und ja, die Wohnung würde ich nicht verkaufen, was nützt es Dir wenn Du anschließend teuer Miete zahlen musst und so hast Du auf jeden Fall einen guten Baustein zur Altersvorsorge und Diversifizierung. Außerdem würde ich keine unnötige Baustelle aufmachen. Mit Forward würde ich noch ein bisschen warten, so schnell werden die Zinsen nicht hochgehen auch wenn das immer mal wieder gerne in der Presse geschrieben wird.

Alles Gute für Dich 🙂

Zitat von konsument am 18. Januar 2022, 16:56 Uhr

Wenn eine "Aussprache" mit Deinem Chef nicht viel gebracht hat solltest Du es vielleicht besser für Dich behalten, es geht niemanden im Unternehmen etwas an warum Du eine Reha machst. Zur Not sagst Du Hörsturz, das wird allgemein akzeptiert um es mal so auszudrücken.

Guter Hinweis, konsument,

denn ich habe als chronische Schmerzkranke sehr häufig bei anderen mit ähnlichen Symptomen nachgefragt, im RealLife und über Internet. Man muss auch aufpassen, dass man nicht stigmatisiert wird und sich dann selbst noch in einem Krankheitsmodell einnistet, sonst kann das kontraproduktiv sein als sekundärer Krankheitsgewinn oder eben wegen der Stigmatisierung. Es sollte auch möglichst nicht dem eigenen Lebenslauf schaden. Deshalb lieber von "Psychosomatik" sprechen, das wird körperlich wahrgenommen, und möglichst NICHT von Psychiatrie. Burnout ist ja ein typisches Behandlungsgebiet für die Psychosomatik-Abteilung. Burnout und Depression ist eigentlich dasselbe und hat immer eine körperliche Symptomatik, also Psychosomatik. Psychosomatik-Experten sind natürlich immer auch gleichzeitig Psychiater, aber lieber das nicht speziell erwähnen, sondern nur Psychosomatik-Arzt oder Reha-Arzt.

Liebe Grüße, Laura Maelle
Zitat von Laura_Maelle am 18. Januar 2022, 17:14 Uhr

...sonst kann das kontraproduktiv sein als sekundärer Krankheitsgewinn oder eben wegen der Stigmatisierung. Es sollte auch möglichst nicht dem eigenen Lebenslauf schaden.

Unglaublich das darf doch nicht wahr sein. Ich hoffe doch sehr das niemand stigamtisiert wird wenn er sich von einem Arzt hat helfen lassen. Ich gehe überall ganz offen damit um wenn es um Psychiater geht. Was ist schon dabei? Auch für meine Kinder habe ich dort schon ein paar Mal Hilfe in Anspruch genommen. Das sind die Profis die bestimmte Dinge einfach schneller und damit gesamtheitlich betrachtet Kosteneffizienter hinbekommen als wenn man selbst versucht alles zu reparieren. Und wenn mal einer nicht so gut ist dann einfach wechseln nicht jeder passt zu jedem. Wenn meine Heizung defekt ist frage ich auch einen Heizungsbauer, wenn mein Arm gebrochen ist einen Chirurg und bei komplexen menschlichen Themen natürlich einen passenden Psychiater. Niemand sollte sich dafür schämen es sei denn jemand ist ein Allrounder und kann alles, der braucht natürlich keine Hilfe in Anspruch nehmen. Oft sind aber doch Spezialisten auf ihrem Gebiet einfach besser als die Allrounder 🙂

Aber klar muss auch nicht jede Reparatur im Lebenslauf erwähnt werden. Interessiert ja auch nicht jeden und wenn doch einfach drüber quatschen ist was ganz normales.

Zitat von Jan Veerman am 18. Januar 2022, 18:08 Uhr
Zitat von Laura_Maelle am 18. Januar 2022, 17:14 Uhr

...sonst kann das kontraproduktiv sein als sekundärer Krankheitsgewinn oder eben wegen der Stigmatisierung. Es sollte auch möglichst nicht dem eigenen Lebenslauf schaden.

Unglaublich das darf doch nicht wahr sein. Ich hoffe doch sehr das niemand stigamtisiert wird wenn er sich von einem Arzt hat helfen lassen. Ich gehe überall ganz offen damit um wenn es um Psychiater geht. Was ist schon dabei? Auch für meine Kinder habe ich dort schon ein paar Mal Hilfe in Anspruch genommen. Das sind die Profis die bestimmte Dinge einfach schneller und damit gesamtheitlich betrachtet Kosteneffizienter hinbekommen als wenn man selbst versucht alles zu reparieren. Und wenn mal einer nicht so gut ist dann einfach wechseln nicht jeder passt zu jedem. Wenn meine Heizung defekt ist frage ich auch einen Heizungsbauer, wenn mein Arm gebrochen ist einen Chirurg und bei komplexen menschlichen Themen natürlich einen passenden Psychiater. Niemand sollte sich dafür schämen es sei denn jemand ist ein Allrounder und kann alles, der braucht natürlich keine Hilfe in Anspruch nehmen. Oft sind aber doch Spezialisten auf ihrem Gebiet einfach besser als die Allrounder 🙂

Aber klar muss auch nicht jede Reparatur im Lebenslauf erwähnt werden. Interessiert ja auch nicht jeden und wenn doch einfach drüber quatschen ist was ganz normales.

Ich kann auch nur erzählen, wie es Betroffenen ergangen ist, z. B. angehende Beamte müssen diese Hilfe selbstzahlend und heimlich in Anspruch nehmen, sonst werden sie nicht mehr verbeamtet in Deutschland. In der Schweiz werden IV-Bezüger (also Invalidenrentner wie ich) sowieso diskriminiert und kriminalisiert, grundsätzlich. Es kann z. B. jederzeit ein Detektiv auf mich angesetzt werden, der mich observiert. Bei jedem anderen Bürger wäre das nur möglich bei einer strafrechtlich relevanten Angelegenheit. Also klar werden Kranke diskriminiert. Vielleicht bekommst Du das nicht mit, weil Du Dich selbst finanzierst und unabhängig bist. Aber sobald Du irgendwie abhängig bist, auch von Behörden, dann unbedingt schauen, dass diese nicht zu viel wissen, denn sonst werden intern zwischen IV (Invalidenversicherung der Schweiz) und anderen Behörden sogar Diagnosen mitgeteilt. Das muss man als Patient alles rechtlich verbieten mit Androhung von Strafverfahren. Da ich auch Beiständin bin, kenne ich die Fallstricke genau.

Liebe Grüße, Laura Maelle