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Ist Grenke eine weitere Wirecard?

Diesen Thread habe ich aufgemacht, da sowohl Privatier und Panamera Flow auf meine Ausführungen zu Grenke eingegangen sind. Diese habe ich in dem Thread aktiv oder passiv Investieren von Christine, die auch kurz auf Grenke eingegangen ist, geschrieben. Dies veranlaßt mich zu der Vermutung, dass der eine oder andere an obiger Fragestellung Interesse haben könnte. Für alle anderen hier der Einstieg unserer Diskussion:

Zitat von Andre am 22. November 2020, 8:49 Uhr
Zitat von Christine am 18. September 2020, 9:55 Uhr

...

Nimm doch das Beispiel Grenke. Angenommen, ich hätte mich mit den Zahlen von Grenke im Rahmen meiner Möglichkeiten beschäftigt. Die wären definitiv nicht so intensiv gewesen wie die von Fraser Perring. Also hätte ich per nachgezogenem Stop Loss verkauft und mir zunächst mal auf die Schulter geklopft (wofür?). Und nun? Wann wäre ich mir sicher, dass der Markt wieder dreht? Oder dass es nicht nur die tote Katze ist, wenn die Kurve dreht? Also ich würde es mir nicht zutrauen, zu wissen, was mit diesem Unternehmen weiter passiert UND was der Markt darüber denkt. Na gut, dann nehm ich halt ein anderes Unternehmen. Mein ganzes angelesenes Wissen über Grenke ist halt dann nutzlos. Muss ich mich ins nächste Unternehmen reingraben. Kann ich das so intensiv wie Fraser Perring oder ein anderer?

Liebe Christine,

Grenke sehe ich für mich anders:

  • Grenke ist ein Unternehmen, wo ich vor dem Aktiensplit in 2016 niedrigen Kursen gekauft habe.
  • hier sind für mich alle Kriterien, die ich bei meiner Aktienauswahl beachte, gegeben. Dazu habe ich hier https://frugalisten.de/forum/topic/einzelaktien-wie-gehst-du-vor/#postid-11206 schon ausführlich geschrieben.
  • Als Fraser Perring/viceroy research losgelegt haben (14.9.), war ich zugegebenermaßen verunsichert.
  • Diese Zweifel wurden schon am 15.9. weitgehend beseitigt, als Grenke meldete, dass ca. 80 % der liquiden Mittel bei der Bundesbank liegen würden. Der zentralste Vorwurf in Bezug auf materielle Wesentlichkeit von Fraser Perring war, dass die liquiden Mittel, wie bei Wirecard, auch bei Grenke weg waren.
  • Zu mehr als 99 % wurden meine Zweifel am 17.9. beseitigt. Hier las ich, dass Fraser Perring/viceroy research offenbar als Geschäftsmethode wie folgt vorgeht:
    • Es wird ein Unternehmen auseinandergenommen, dass wirklich betrügt wie z.B. Wirecard oder zuvor Steinhoff.
    • Wenn sich dort alle Vorwürfe bestätigt haben, hat Fraser Perring nicht nur ordentlich Geld verdient, sondern hat auch Vertrauen in das Urteil von Fraser Perring im Markt aufgebaut.
    • Dann nimmt Fraser Perring/viceroy research sich ein Unternehmen vor, dass von außen betrachtet, dem zuvor aufgespießten Unternehmen von außen sehr ähnelt. Im Falle von Steinhoff war dies Capitec. Der Unterschied von Steinhoff zu Capitec ist bloß der, dass Capitec im außen zwar Steinhoff ähnelte, aber tatsächlich ein kerngesundes Unternehmen ist.
    • So wird im Ergebnis zweimal, vielleicht dreimal Geld verdient:
      • durch den Short Attack, der berechtigt ist (Steinhoff oder Wirecard)
      • durch den Short Attack, der von außen betrachtet und auf den ersten Blick berechtigt erscheint (Capitec). Hier fallen genug Anleger drauf rein und man verdient, durch die fallenden Preise.
      • Und, wenn Fraser Perring/viceroy research clever ist, würde die sich im Tiefpunkt nicht nur soweit eindecken, dass die Shortpositionen gedeckt sind, sondern zu diesen Schnäppchenpreisen die Aktien von z.B. Capitec darüber hinaus einsammeln.
      • Die können sie wieder zu klasse Gewinnen verkaufen, wenn die Kurse wieder ein faires Niveau erreicht haben.
      • Meine persönliche Meinung zu dem Geschäftsmodell ist wie folgt: Bei short attacks auf Unternehmen, die ihre Berechtigung haben, ist dies m.E. eine legitime Vorgehensweise. Der Rufmord an gesunden Unternehmen ist für mich moralisch unterirdisch!
    • Im Falle von Wirecard ist das Pendant, dass Capitec entspricht, Grenke.
  • Als ich das verstanden habe (korrekterweise muß ich sagen, als ich meinte, dass verstanden zu haben. Denn die Zukunft wird erst zeigen, ob meine Vermutung in Bezug auf Grenke richtig ist.), habe ich voll in Grenke investiert. In Summe bin ich bei einem Einstiegspreis von ca. 35 Euro gelandet.

Hier meine Überlegungen zu dem Preis von 35 Euro:

  • Vor Corona hatte Grenke ein Gewinn nach Steuern pro Aktie von 3,23 Euro.
  • Im Neugeschäft ist Grenke mit 20 % p.a. gewachsen.
  • Das Ziel des Managements besteht darin mit 12-16 % p.a. zu wachsen. Die Dividende wird entsprechend dem Gewinnwachstum angepaßt.
  • Der Vor (und nach meinen Überlegungen der Nach)-Corona Gewinn beträgt somit nach Steuern 9,2% p.a. (oder KGV von 10,8 fach)
  • Dieser Gewinn verdoppelt sich alle 4 (bei 20 % Wachstum) - 6 (bei 12 % Wachstum) Jahre
  • Bei einem Durchschnitts KGV von 14-15fach in der Vergangenheit als der Zins im Langfristbereich noch bei 7 % p.a. war, ist rechnerisch ein Kurspotential in 4 bis 6 Jahren von 260% gegeben. Da ich allerdings damit rechne, dass die Zinsen auf 5 Jahre betrachtet im niedrigen Bereich bleiben, sehe ich die Möglichkeit von 500 % Kurssteigerung innerhalb von 5 Jahren.
  • Eine mehr als Kursverdoppelung sehe ich binnen 5 Jahren mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von 99 % oder mehr.
  • In Grenke liegt jetzt ca. 20 % unseres Familienvermögens.

Habe ich recht?

Das Schöne ist, die Zukunft wird zeigen, ob Grenke ein Beispiel ist, warum passives Investieren oder aktive Überlegungen (wie oben und im link geschildert) zu besseren Ergebnissen führen.

Bin gespannt.

Beste Grüße

André

Zitat von Privatier am 22. November 2020, 10:51 Uhr

Hallo André,

Die Worte hör ich wohl allein mir fehlt der Glaube.

Jetzt mal ernsthaft: ich lese was du schreibst, kann aber nicht wirklich erkennen, warum du in grenke investiert. Das was du angibst, sind ja nur die oberflächlichen Gründe. Hast du das Unternehmen denn wirklich verstanden und kennst das Geschäftsmodell? Sehe ich irgendwie nicht. Aber vielleicht liege ich mit meiner Vermutung ja falsch. Sollte ich richtig liegen, wäre es auf jeden Fall sehr gewagt, so viel Geld hier zu investieren.

Zitat von PanameraFlow am 22. November 2020, 11:06 Uhr

Das erinnert mich an den einen Typen der bei einem Kurs von 25-30 sein komplettes Vermögen in Wirecard rein gemacht hat xP

Zitat von Privatier am 22. November 2020, 12:08 Uhr

Klingt irgendwie ähnlich. Wobei André natürlich ein ganz anderes Kaliber ist, als der größte Investor aller Zeiten. Aber auch jemand wie André ist vor fehlgriffen nicht sicher.

Ich habe mal ne halbe Stunde mir die diversen Präsentationen durchgeflippt. Ok, die machen zum größten Teil leasing von IT Ausstattung, viel davon ist kopierer und die internationale Expansion wird anhand des bemängelten franchise Modells vorangetrieben. Warum das jetzt ein so tolles und sicheres Geschäftsmodell sein soll, erschließt sich mir nicht. Ich persönlich würde aktuell in grenke 0 Euro investieren. Wer will 5000 als Spielgeld. Aber bei so hohen Summen (gehe mal bei Familien Vermögen davon aus, dass das nicht alles Harzer sind....) muss das 100% passen.

Also jetzt ein bißchen mehr Fleisch an den Knochen:

  • der größte USP von Grenke ist aus meiner Sicht neben dem Händlernetzwerk, dass Grenke aufgebaut hat und dass für Grenke der Vertriebskanal Nummer 1 ist, die Tatsache, dass Grenke im gewerblichen Bereich Finanzierungen voll durchdigitalisiert hat und so in der Lage ist kleine Tickets (durchschnittliche Ticketgröße sind bei Grenke ca. 9.000 Euro) im Finanzierungsbereich (Leasing, Factoring und Bankkredite) sehr profitabel abzuwickeln.

 

 

 

Anlaß für diesen Brief ist eine Fragestellung eines Youtube Videos, was ich am 13.9.2020 gesehen habe (für die Interessierten: „Reloaded: Unternehmer sind miese Börsianer!“ https://www.youtube.com/watch?v=y7CIsgfzgOw&t=13s). Die Frage war, sind Unternehmer miese Börsianer?

Einschub: Derjenige, der dieses Video abgedreht hat, ist ein Unternehmer, der Seminare gibt, die einem helfen sollen, als Trader an der Börse zu handeln und ausgebildet zu werden. Er verdient gutes Geld, da er bei jedem Seminarteilnehmer pro Einstiegsseminar 6.000 Euro abkassiert und ein hervorragendes Onlinemarketing macht. Er ist allerdings im Ergebnis nur mäßig erfolgreich, da er ansonsten viel offener mit seinen Performanceergebnissen umgehen würde (langfristige Ergebnisse von ihm, die transparent seine Börsenvergangenheit aufzeigen, fehlen. Wenn diese nur annähernd in die Richtung von Vinall, also unserem Fonds, gehen würden, hätte er diese schon lange veröffentlicht). Einige seiner Ideen und Gedanken sind allerdings ganz interessant und haben mich in meinen Überlegungen weitergebracht. Einschubende.

Für diejenigen, die das Video nicht gesehen haben, hier die Kurzfassung: Gute Unternehmer sind deshalb so erfolgreich, da sie sich ändernden Gegebenheiten gut anpassen, die sich bietenden Chancen beim Schopf packen, vieles ausprobieren und dabei die guten Sachen beibehalten und die Dinge, die schief gehen, einstellen. Mit anderen Worten sie handeln bzw. unternehmen etwas.

Kurseinbrüche bedienen automatisch den Reflex von guten Unternehmern: Jetzt heißt es handeln! Die naheliegende Reaktion ist also, Verluste stoppen und verkaufen. Also genau entgegengesetzt zu dem, was ich in unserem ersten Brief, der diesem wieder als Anlage beiliegt, als richtige Strategie für unseren langfristigen Ansatz beschrieben habe. Deshalb machen viele gute Unternehmer auch erhebliche Verluste mit ihren Börsenengagements.

Jetzt könnte man sagen, warum greife ich dieses Thema wieder auf, in dem ersten Brief ist doch schon alles gesagt worden! Tatsächlich hat mich eine weitere Frage, die mir kürzlich Dirk Seibert (Susannes Mann) gestellt hat, dabei geholfen über diese Frage etwas tiefergehend nachzudenken (Dirk, wenn Du das liest, vielen Dank). Er fragte vor dem Hintergrund, dass eine Aktie (Grenke AG macht ca. 10 % bei unserem Fonds zu normalen Kursen aus), die er aber auch ich halten, erhebliche Kursrückgänge zu verzeichnen hat: „Was ist mit dem Unternehmen los? Müssen wir da handeln?“

Da die Aktie sich seit ihrem Hoch etwa halbiert hat, ist diese Frage durchaus berechtigt (Stand 13.9.2020).

Grenke AG ist ein Unternehmen, was Finanzierungen für kleine Größen (Durchschnittsfinanzierungs-größe ca. 9.000 Euro im gewerblichen Bereich!) als Leasing, Kredit und Factoring Kleinst- und Kleinunternehmern anbietet. Vertrieben werden diese Finanzierungen über EDV Systemhäuser (EDV und alles Equipment drum herum finanziert Grenke also im wesentlichen), und über andere Distributoren, da sie mittlerweile auch im medizinischen Bereich Finanzierungen anbieten. Sie machen das Hauptgeschäft in Europa (96 %), wobei der deutschsprachige Raum der mit Abstand größte Markt ist. Sie expandieren mittlerweile weltweit und haben nach meiner Einschätzung noch große Phasen von Wachstum sowohl regional als auch mit anderen Produkten (neben EDV und Medizin) vor sich. Sie können ihre Prozesse mittlerweile vollständig digital abbilden (was aufgrund der Regulatorik echt schwierig ist) und haben deshalb erhebliche Kostenvorteile gegenüber allen anderen Finanzierungsinstituten (und damit ihren direkten Wettbewerbern). Grenke wuchs vor Corona mit ca. 20 % p.a. Das eigene Ziel von Grenke ist ein Wachstum von ca. 12-16 % p.a.. Gerade in den Stammmärkten ist Grenke Marktführer im Kleinfinanzierungsmarkt im gewerblichen Bereich. (Ich glaube in einem der vorherigen Briefe hatte ich mehr zu Grenke ausgeführt.)

Corona hat mit dem Lock down und der daraus resultierenden deutlichen Reduzierung aller wirtschaftlichen Aktivitäten dazu geführt, dass Grenke’s Geschäft in den Stammmärkten eingebrochen ist (In den Märkten, die sich noch im zarten Aufbau befinden, hat sich das Wachstum verlangsamt. Aber dort wachsen noch die Märkte.) Klar ist nunmehr, dass das Geschäft von Grenke wieder Fahrt aufnimmt. Klar ist weiterhin, dass Grenke durch die Krise profitabel (!) gehen wird.

Warum sind also die Kurse eingebrochen? Vordergründig erst einmal, weil auch Grenke wie alle anderen Werte gefallen ist.

Im Gegensatz zum DAX, der nunmehr wieder in der Nähe des Höchststandes gestiegen ist, ist Grenke nach einer Erholung (von 40 Euro im Corona-Tief auf 80 Euro) aber wieder gefallen und zwar deutlich (auf 55 Euro, Stand 13.9.2020)!

In diesem Moment die Frage zu stellen: „Was ist da los?“ und „Muß man was machen?“ wird ein Unternehmer immer mit der Frage beantworten: Ja klar! Die einfachste Maßnahme ist Verluste begrenzen und verkaufen! Dies machen die meisten Unternehmer. Deshalb sind diese Unternehmer an der Börse meist die Verlierer.

Wie also sollte man mit einer solchen Situation alternativ umgehen?

Die aus meiner Sicht richtige Herangehensweise, ist folgende Fragen zu stellen:

  • Sind es nur Stimmungsumschwünge, die Preisänderung hervorgerufen haben. Ist dies der Fall, dann einfach nichts tun oder um es positiv auszudrücken: „Die Füße stillhalten!“
  • Hat sich im Makroumfeld etwas geändert, was definitiv das Geschäftsmodell meines Unternehmens ändern wird? Wenn ja, dann ggf. Handeln, sonst Füße stillhalten.
  • Hat sich fundamental etwas beim Unternehmen geändert, was das Unternehmen nachhaltig beeinflussen wird? Wenn ja, dann ggf. Handeln, sonst Füße stillhalten.

Genau diese drei Fragen bin ich für mich bei Grenke zu dem Zeitpunkt als der Kurs bei 55 (Stand 13.9.2020) stand durchgegangen. Das Ergebnis war: Füße stillhalten!

Einschub: Hier ein Beispiel, was eine Änderung im Makroumfeld sein könnte, was definitiv das Geschäftsmodell eines Unternehmens ändern könnte: Mit Ausbruch von Covid 19 und dem verhängten Lock down kam der Flugverkehr nahezu vollständig zum Erliegen. Im geschäftlichen Austausch sollte und mußte der Austausch über große Entfernungen und Landesgrenzen hinweg weiter gehen. Dies führte dazu, dass Videokonferenzen wie Zoom das Mittel der Wahl für den geschäftlichen Austausch geworden sind! Gerade in Unternehmen, die ihre Reisekosten kontrollieren und steuern, wird dies absehbar erheblich zum Umdenken führen. Eine Videokonferenz über Zoom ist deutlich preiswerter als der persönliche Besuch vor Ort mit Hin- und Rückflug sowie sonstigen Reisekosten (Hotel etc.). Auch wenn der persönliche Austausch in einigen Situationen unerlässlich ist, steht zu vermuten, dass, selbst wenn Covid 19 gelöst wird, der Reiseverkehr sich auf einem deutlich niedrigeren Niveau als in der Vor-Corona Zeit einpendeln wird. Dies vor dem einfachen Hintergrund, dass viele gesehen haben, es geht auch über Zoom statt Reisen und die entsprechenden Verhaltensänderungen über Monate geübt worden sind. Vor diesem Hintergrund hat Warren Buffet auch seine Airline Aktien verkauft: Die Eintrittswahrscheinlichkeit, dass die grundsätzliche Reisetätigkeit abnehmen und die Profitabilität von Fluglinien weltweit sinken wird, ist hoch.

Noch ein weiteres Beispiel: Eine Reihe von Firmen haben festgestellt, dass Arbeiten, die hoch konzentriert mit wenig oder null Austausch mit anderen abgearbeitet werden können, viel effizienter im Homeoffice abgearbeitet werden! Homeoffice wird deshalb definitiv zunehmen. Was bedeutet dies für den Büroimmobilienmarkt? Richtig, die Eintrittswahrscheinlichkeit, dass hier die Flächen eingeschränkt werden und die Nachfrage sinken wird, ist hoch! Einschubende.

Zurück zu Grenke. Hier sehe ich mittel- und langfristig keine Einbußen durch die Makrolage in Bezug auf Covid. Auch die Mikrolage ist für mich gleichgeblieben. Am 13.9.2020 habe ich somit die Kursrückgänge mit unvorhersehbaren Börsenstimmungsschwankungen erklärt.

Dann kam der perfekte Sturm: Am 14.9.2020 nach Börsenschluß veröffentlichte Viceroy research, ein short seller, einen Bericht mit heftigsten Anschuldigungen (https://viceroyresearch.org/wp-content/uploads/2020/09/Viceroy-Research-Grenke-AG-Sep-15-2020.pdf) gegen Grenke (short seller sind Akteure am Aktienmarkt, die auf fallende Kurse setzen. Der Hintergrund ist, dass sie vermuten, dass eine Aktie überbewertet ist. Dies geht über die Zeichnung von geeigneten Optionen, Futures oder klassischerweise, dass sie sich die betreffenden Aktien von Anlegern für eine gewisse Zeit ausleihen und am Markt verkaufen. Dann, wenn die Kurse gefallen sind, werden die Aktien zu niedrigeren Kursen wieder zurückgekauft. Diese Aktien geben sie an denjenigen zurück, von dem sie sich die Aktien geliehen haben. Die Differenz zwischen hohem Verkaufspreis und Kaufpreis ist dann der Gewinn. Um den Kursverfall zu beschleunigen, veröffentlichen diese Akteure Berichte, die die aus ihrer Sicht zu starke Überbewertung begründen). Grenke hat auf diesen Bericht geantwortet (https://www.grenke.de/grenke-aktuell/news-meldungen). viceroy research wiederum hat auf die Antworten von Grenke Stellung bezogen (https://viceroyresearch.org/).

Zunächst hat sich damit vermutlich die Frage von Dirk Seibert: „Warum ist der Kurs von Grenke von 80 auf 55 Euro zurück gegangen geklärt?“ Das waren keine psychologischen Stimmungsschwankungen. Vermutlich haben die Short seller, die hinter Viceroy research über Wochen große Stückzahlen von Grenkeaktien geliehen und verkauft. Dieses zusätzliche Angebot hat die Preise von Grenke entsprechend gedrückt, obwohl gleichzeitig der DAX weiter angestiegen ist.

Als der erste Bericht von viceroy research zu Grenke veröffentlicht worden ist, fielen die Kurse von Grenke am nächsten Tag von 55 auf 44 Euro. Dieser massive Kursverfall wurde entsprechend in den Nachrichten veröffentlicht. Gleichzeitig wurde in allen Nachrichten auch veröffentlicht, dass u.a. hinter Viceroy research Fraser Perring steht, der u.a. auch an vorderster Front und als einer der ersten bei Wirecard als short seller mit dabei war. Seine Vorhersagen und Aussagen über Wirecard, die anfangs sehr angezweifelt worden sind, stellten sich im Nachhinein als zutreffend heraus! Dies machen die Anschuldigungen so glaubwürdig. Wen es interessiert, kann die Berichte aufmerksam lesen. Ich habe das mit Ausnahme der Anhänge vom ersten Bericht von viceroy research getan. Wer sich die Berichte von Viceroy research nicht antun möchte (der erste hat 64 Seiten, die anderen zwar weniger aber auch eine Reihe von Seiten), der kann sich darauf beschränken, die Antworten von Grenke zu lesen. Die nennen ziemlich vollständig die Essenz der Punkte von viceroy research und gehen dann darauf ein. Für die, die dies wegen Zeitknappheit oder andere Gründe nicht schaffen, hier die wesentlichen Punkte:

  • Per 30.6.2020 hatte Grenke ca. 1 Mrd. Euro an Bankguthaben, deren Vorhandensein in Frage gestellt wird (Bei Wirecard fehlen ca. 2 Mrd. Euro Bankguthaben, die bei philippinischen Banken liegen sollten und sich in Luft aufgelöst haben).
  • Neue Länder werden mit Franchisenehmern aufgebaut. Sind diese erfolgreich kauft Grenke deren Geschäft zu einem Preis, der zu einer vordefinierten Preisformel ermittelt wird. Folgende Vorwürfe werden damit verbunden:
    • Grenke kauft überteuert und so stecken sich der Gründer und weiter Menschen von Grenke Gewinne in die eigene Tasche (dies war auch bei Wirecard so).
    • Damit werden Verluste, die zu bilanzieren wären in Firmenwerte umgewandelt (dies war auch bei Wirecard so). Die Gewinne werden also zu hoch ausgewiesen.
    • Damit werden Schulden der Franchisenehmer, die eigentlich Grenke zu bilanzieren hätte, bei den Franchisenehmern ausgewiesen. So wird das Bilanzbild von Grenke deutlich verbessert.
  • Es wird ein Großteil der Geschäfte mit Kriminellen oder fragwürdigen Geschäftspartnern gemacht, wo absehbar ist, dass dieses Geschäft in Kürze zusammenbrechen wird. Damit sind die langfristigen Ertragsaussichten von Grenke, so viceroy resarch, nicht nur gefährdet sondern es ist mit Verlusten zu rechnen (das war auch bei Wirecard so).

 

Am 15.9.2020 abends spät (nach Börsenschluß) weist Grenke pauschal alle Vorwürfe zurück und entkräftet einen Vorwurf: 80 % der liquiden Mittel liegen bei der Deutschen Bundesbank (über 800 Mio. Euro per 30.6.2019 und zum 15.9. sind es nach wie vor ca. 750 Mio. Euro). Das Geld ist im Gegensatz nach wie vor da und liegt für Euroguthaben betrachtet bei der sichersten Bank weltweit. Hierauf kontert schon am 16.9. viceroy research sehr geschickt: Die Bankguthaben bei der Bundesbank gehören den Kunden der Grenke AG, da diese Forderungen an die Grenke AG haben, die die Bankguthaben übersteigen. Das Geld ist also doch weg so viceroy research.

Nehmen wir diesen Punkt: Wer hat recht?

  1. Es ist ein qualitativer Unterschied,
    1. Ob vermeintlich Guthaben bei einer philippinischen Bank liegen, die dann tatsächlich nicht mehr da sind, (und dies hat Wirecard letztendlich das Genick gebrochen. Bei einem Eigenkapital per 30.9.2019 von 2,3 Mrd. Euro ist ein Verlust von 2 Mrd. Euro durch fehlende Bankguthaben und weiteren Verlusten durch Firmenwerte, die größtenteils nichts wert sind, von 1,4 Mrd. Euro, gleichbedeutend mit einer Überschuldung und damit der Insolvenz),
    2. oder ob diese Guthaben bei der Bundesbank liegen, die noch da sind.
  2. Warum ist die Antwort von viceroy research geschickt? Nun diejenigen, die sich mit Bilanzierung von Finanzinstituten wie z.B. Banken und Leasingfirmen nicht auskennen, ist die Argumentation von viceroy research einleuchtend: Das Geld ist doch weg, es gehört ja den Kunden! Nach dieser Argumentation ist jede Volksbank, jede Sparkasse ja auch die Bundesbank ein Insolvenzkandidat, denn deren Bilanzen und Geschäftsmodell sehen genauso aus. Deren Guthaben gehören den Kunden! Dieser Hinweis macht m.E. auch dem Nichtfachmann klar: Viceroy Research erzählt Blödsinn!
  3. Interessanterweise besteht das Geschäftsmodell von viceroy research darin, zuerst für ein Unternehmen negative Berichte zu veröffentlichen, wo die Interpretation der Datenlage eindeutig ist: Das Unternehmen ist deutlich überbewertet und verschleiert ihre schlechte Situation. Nachdem viceroy research damit Erfolg hatte (inklusive Aufdeckung aller Bilanzskandale), berichten sie über ein weiteres Unternehmen. Dies Unternehmen ähnelt von außen betrachtet sehr dem ersten Unternehmen. Auch hier werden die gleichen Anschuldigungen erhoben. Dies geschieht so geschickt, dass zwar eine erhebliche Rufschädigung eintritt, aber rechtlich keine Handhabe besteht, dagegen vorzugehen. Da viceroy research schon beim ersten Unternehmen recht hatte, verkaufen die Anleger in Panik auch die Aktien des zweiten Unternehmens. Der Unterschied, das Unternehmen ist kerngesund!
    Zuvor war es Steinhoff und dann Capitec, beides Finanzunternehmen in Südafrika. Jetzt also Wircecard und Grenke. Interessanterweise wäre die Spreu vom Weizen leicht zu trennen, wenn alle Anleger auch die Integrität des Managements und die Tatsache prüfen würde, ob das Unternehmen zumindest versucht alle Stakeholder vernünftig zu behandeln. Das Geschäft von Wirecard war u.a., Inkasso- und Zahlungsabwicklungsfunktionen für die Spielindustrie (online) und die Pornoindustrie (online) zu übernehmen für Geschäfte, die in Staaten abgewickelt wurden, deren Regierungen aus guten Grund hier entweder diese Geschäfte verboten hatte oder nur reguliert zugelassen hatte (Wirecard hatte den verbotenen Geschäften geholfen.). Wirecard hat legale Gesetzeslücken genutzt, um ihr Geschäft legal zu betreiben. Zudem wurden Personen, die negativ über Wirecard berichteten, von stabil gebauten Männern mit klaren Drohgebärden besucht.

Was Grenke AG am 15.9. weiterhin getan hat, dass detaillierte Stellungnahmen angekündigt worden sind, die jeden Vorwurf entkräften würden. Sie haben allerdings kein Datum dieser Stellungnahmen angekündigt! Damit blieb die große Unsicherheit im Markt.

Im Ergebnis hat dies bei den Menschen, die kundig sind, aber in Institutionen arbeiten zu folgendem Verhalten geführt: Das mit dem Guthaben hat sich erledigt, aber an den anderen Punkten scheint ja u.U. was dran zu sein! Vorsichtshalber verkaufen wir!

Die Anleger, die diesen Punkt mit den Bankguthaben nicht verstanden haben, haben folgendes Verhalten an den Tag gelegt: Grenke hat bislang nur zu einem Punkt Stellung genommen und schon da liegen sie offensichtlich falsch! Verkaufen!

Der Kurs fiel wie ein Stein auf jetzt 26,10 im Tiefpunkt am 16.9.2020.

Einige Anleger, wie ich haben diese Kurse genutzt zu kaufen. Bei mir leider zu früh zu ca. 37 und zu knapp 30 Euro.

Am 17.9.2020 stiegen ganz kurz die Kurse und fielen weiter unter 25 Euro. Dann veröffentlichte Grenke eine Pressemitteilung, dass sie detailliert am Freitag, den 18.9.2020, am Nachmittag Stellung nehmen würden und Wolfgang Grenke (Gründer und mit seiner Familie ca. knapp über 40 % Gesellschafter) schon zu den persönlichen Anschuldigungen am Nachmittag um 16.00 Uhr Stellung nehmen würde.

Dies führte dazu, dass ab dem Zeitpunkt die Kurse bis auf 39 Euro (ca. um 16.00 Uhr) stiegen. Dann fielen die Kurse wieder, da Wolfgang Grenke die Stellungnahme erst gegen 17.30 Uhr veröffentlichte. Leider habe ich wieder den niedrigsten Punkt verpaßt und zu 31 Euro weiter gekauft.

Halten wir fest:

  • Binnen eines Tages am 17.9.2020 ein Kursanstieg von in der Spitze ca. 60 % und binnen von 3 Tagen ein Kursverfall von in der Spitze auch ca. 60 %. Das ist schon irre!
  • Diese Kursunterschiede wurden ausgelöst durch am Ende einer Faktenbewertung eines Außenstehenden (viceroy research) und der dazugehörigen Replik von dem Unternehmen selbst (Grenke). Die These der Vertreter, dass der Markt im Ergebnis die vollständigen Informationen hat und effizient ist, ist damit m.E. anschaulich ad absurdum geführt worden! An den Fakten des Unternehmens Grenke AG, die die Grundlage für die Bewertung sind, hat sich zunächst nichts geändert.
  • Die Beschreibung von Warren Buffet, dass die Börse in ihren Kursschwankungen dem Verhalten eines manisch-depressiven Menschen gleicht, ist hier sehr schön zu sehen.

 

Am Freitag selbst schwankten die Kurse der Grenke AG zwischen 32,3 Euro und 38,28 Euro hin und her. Ich habe zwischen 35 und 36 Euro weiter dazu gekauft und werde bei dem Kursniveau noch weiter bis zu einem gewissen Kreditniveau dazu kaufen (Ja, bei Kursen von bis zu 36 Euro kaufe ich Grenke auch auf Kredit. 36 Euro sind mein all in Kurs vor Corona bei Grenke. Jetzt, nach Corona liegt dieser bei 30 Euro).

 

Warum tue ich das?

Nun meine Bewertung der Fakten und der Informationen, die ich durch die laufende Beurteilung mit Grenke AG gesammelt habe und die ich durch das Studium der Viceroy und der Grenke AG Veröffentlichungen gewonnen habe, sieht wie folgt aus:

An den Vorwürfen ist nichts dran. Sie haben aber ihren Zweck erfüllt, die gewünschte Panik ist entstanden.

Nur in Kürze meine Bewertungen:

  • Zu den Bankguthaben (siehe obige Ausführungen).
  • Die Anschuldigungen mit dem Franchisesystem sind haltlos. Im Gegenteil für mich als Aktionär von Grenke macht es Sinn, dass Grenke das Franchisesystem beibehält, weil es vorteilhafter ist, als dies direkt zu machen.
  • Die Anschuldigungen mit den kriminellen Kunden oder den dubiosen Kunden sind zu vernachlässigen (und in dem Bereich wie sie bei dem Geschäftsumfang der Grenke AG normalerweise vorkommen) oder nicht existent. Vielmehr ist festzustellen, dass sobald die Themen entdeckt worden sind, bei Grenke immer entschieden in die richtige Richtung umgehend gegengesteuert wurde und rechtzeitig Kriminelle entdeckt werden und die Geschäftsverbindungen umgehend gekündigt werden.

 

Ein Risiko, was es noch zu berücksichtigen gilt, ist das Reputationsrisiko.

Dieses Risiko ist in den Auswirkungen derzeit erheblich und kann zu erheblichen Geschäftsbeeinträchtigungen führen:

Aufgrund der Berichte sind auch die Anleihenkurse von Grenkeanleihen stark gefallen. Sollten sich diese Kurse längerfristig materialisieren, so wird Grenke den Anleihenmarkt nicht mehr zur Refinanzierung nutzen können. Aufgrund des derzeitigen Kursniveaus ist die Refinanzierung schlichtweg zu teuer. Grenke könnte auf dieser Basis nur noch Leasingkonditionen stellen, die deutlich über den Konditionen von Wettbewerbern liegen würden.

Entscheidend ist nunmehr die Beantwortung folgender Fragen:

  • Wie schnell kann Grenke die Vorwürfe in der Finanzwelt entkräften. Neben den Stellungnahmen, die m.E. schon eine für mich ausreichende Klarheit schaffen, hat Grenke ein Sondergutachten bei KPMG beauftragt, dass die Vorwürfe untersuchen soll und hierzu ein Votum abgeben soll. Darüberhinaus gibt es auch seitens der BaFin eine Sonderuntersuchung. Nach meiner Einschätzung würde ein positives Votum von beiden Institutionen ausreichen, um bei den institutionellen Refinanzierern wie Versicherungsgesellschaften und Banken das Vertrauen in ausreichendem Umfang wiederherzustellen. Auf dieser Basis ist zumindest eine hinreichende Finanzierung durch Schuldscheindarlehen sichergestellt.
  • Alternativ stellt sich die Frage, ob die Grenke Bank Finanzierungslücken auffangen kann.

Ich persönlich gehe davon aus, dass Grenke diese Gutachten mit entsprechenden positiven Voten in ausreichender Geschwindigkeit erhält. Geschäftseinbußen würden dann minimal ausfallen.

Für den Fall, dass dies nicht rechtzeitig geschieht, kann Grenke dieses Szenario mit den Liquiditätspolstern, die Grenke hat, lange durchhalten. Weiter hilft die Tatsache, dass jeden Monat im Durchschnitt ein 36tel aller Kundenforderungen zurückkommen. Mit diesen Geldern sind alle Verpflichtungen gut erfüllbar. Allein, es fehlt dann die Refinanzierung, um die Anschlußfinanzierung in ausreichendem Umfang sicher zu stellen. Dies würde dazu führen, dass Grenke rückläufiges Geschäft hätte.

Wann würde es zu einer Katastrophe kommen?

Eine Katastrophe wäre die Tatsache, dass die Untersuchungen und die damit zusammenhängenden Voten zu einem negativen Ergebnis führen. In diesem Fall würde sich für Grenke das Crashszenario realisieren. Das dies eintritt, schätze ich mit einer geringen Wahrscheinlichkeit ein. Die Eintrittswahrscheinlichkeit liegt deutlich unter der Eintrittswahrscheinlichkeit für normale Unternehmen, wie sie beispielsweise an deutschen oder europäischen Börsen gelistet sind.

Warum schätze ich dieses Risiko geringer ein? Dies liegt daran, dass ich die Unternehmensführung von Grenke als integer einschätze. Sie achten in all ihren Handlungen darauf, sauber zu bleiben! Die wenigen Fehltritte von Angestellten, die ggf. jetzt entdeckt werden, werden eine von mir erwartete Bestätigung meiner Einschätzung durch KPMG und der BaFin null beeinflussen, weil sie unwesentlich sind. Täusche ich mich in diesem Punkt, habe ich mit Zitronen gehandelt.

Was mich tröstet, ich bin dann nicht allein:

 

Wie geht es weiter? Oder die drei Szenarien:

Das absolute worst case Szenario, dass ich mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von nahezu null sehe, ist, dass Grenke, weil sie doch Dreck am Stecken haben, nicht mehr aus dem Loch rauskommen. Das Geschäft wird entweder extrem leiden oder untergehen. Dies kann im Extremfall zu einem Kursverfall von 0 Euro führen.

Das realistische Szenario ist, dass Grenke in 1-3 Monaten die Gutachten mit positiven Voten in den Händen halten wird. Damit ist die Reputation bei den institutionellen Anlegern wiederhergestellt. Das Geschäft wird wie üblich weiterentwickelt. Corona ist im nächsten Jahr Geschichte. Mit den Subventionen, die weltweit fließen, wird das Geschäft von Grenke sich wieder normalisieren. Grenke kommt wieder zu ihrem normalen Wachstum zurück. Dies bedeutet auch Dividendenerhöhungen von 10 – 20 % p.a. Im Ergebnis wird Grenke die jetzige Dividendenrendite von 2,2 % bei einem Kurs von 36 Euro alle 5 Jahre verdoppeln (Durchschnittswachtum von 15 %). Dies gilt gleichermaßen für die Gewinne. Bezogen auf die Gewinne vor Corona sprechen wir hier über ein Kurs-Gewinn-Verhältnis bei den jetzigen Kursen von etwas über 10 bei einer Aktie, die noch jahrelang mit ca. 15 % p.a. wachsen kann. Die Börse wird dies in einem Zeitraum von 2-10 Jahren in den Kursen widerspiegeln. Die Kurse werden sich je nach Zeitraum verdoppeln, vervierfachen oder verzehnfachen.

Das Best Case Szenario ist ein Short squeeze. Viele Anleger, wie meine Person kaufen in einer Geschwindigkeit Grenke Aktien, dass die Shortseller ihre Positionen nicht mehr vollständig eindecken können, weil keiner mehr verkaufen möchte! Da die Shortseller aber auf jeden Fall die geliehenen Aktien wieder zu einem bestimmten Datum zurückgeben müssen, müssen sie sich unbedingt mit Aktien eindecken. Solange dies der Fall ist, werden diese Shortseller jeden Preis zahlen, den sie zahlen können, um die Aktien zurück zu kaufen. Dies treibt die Nachfrage (unabhängig vom Preis) und damit auch die Preise. Die Preise gehen dann in Regionen, die jenseits von Gut und Böse sind. Das ist z.B. bei VW geschehen, aber jetzt auch kürzlich bei Tesla. Dies kann dazu führen, dass die Preise zum heutigen Niveau sich verdreifachen, verfünffachen oder noch mehr steigen. Die Eintrittswahrscheinlichkeit für dieses Szenario sehe ich bei 10 % oder mehr.

Unabhängig davon, werde ich mit weiteren Kreditmitteln, die mir jetzt zur Verfügung stehen, weiter Grenke Aktien kaufen, wenn der Kurs in der Region um die 33 Euro bleibt (Stand 19.9.2020).

Der Krimi um Grenke ging heute (6.10.2020) in eine weitere Runde. Zuvor habe ich weiter Aktien gekauft.

Grenke hat im September noch diverse Pressekonferenzen gegeben und aus meiner Sicht alle Vorwürfe entweder sehr gut widerlegt oder in unwichtigen Punkten ausweichend beantwortet. (Für denjenigen, den es interessiert: Grenke geht in ein neues Land immer mit Franchisenehmern rein. Die Franchisenehmer bauen das Geschäft auf. Bestandteil des Franchisevertrages ist, dass Grenke nach der Aufbauphase mit einer festgelegten Formel die Unternehmen aufkaufen kann und dann diese als Tochtergesellschaften weiter hochzieht. Dieses Geschäftsmodell hat betriebswirtschaftlich viele Vorteile (wen es interessiert, bitte ich, mich anzurufen oder ich erkläre es für alle das nächste Mal, wenn genug nachfragen). Die Franchiseunternehmer wurden allerdings in der Startphase nicht von Grenke finanziert, sondern von einer Private equity Einheit, die mit dem Gründer Wolfgang Grenke Beziehungen hat. Diese Beziehungen waren so strukturiert worden, dass bilanzrechtlich, diese Einheit nicht bei Grenke zu bilanzieren war. Dies war die Grundlage für die Shortseller (teilweise widersprüchliche) schlimme Behauptungen in den Raum zu stellen: 1. Grenke hat zu teuer für diese Unternehmen gezahlt (mit anderen Worten, der Gründer hat sich auf Kosten von Grenke bereichert.). 2. So werden Verluste des Unternehmens in Firmenwerte umgewandelt und so als Vermögen in der Bilanz gezeigt. 3. Verbindlichkeiten und Verluste, die außerhalb des Unternehmens lagern wären eigentlich bei Grenke zu bilanzieren, da Grenke dafür am Ende auch bezahlt. Im Ergebnis führen 2. und 3. zu einem geschönten Bilanzbild bei Grenke.

Allerdings hat Grenke offenbar rechtlich alles korrekt abgewickelt. Mit einem Firmenwert von 100 Mio. Euro hat Grenke in 2019 einen DB 2 von über 100 Mio. Euro erzielt. Damit ist klar, dass der Firmenwert werthaltig ist. Damit ist auch klar, dass Grenke mit dieser Methode richtig Geld verdient. Weiterhin hat sich Grenke beraten lassen (ich kenne die beratenden Rechtsanwälte). Alle Geschäfte wurden wie zwischen fremden Dritten abgewickelt. Im Ergebnis: Wirtschaftlich alles in Ordnung. Moralisch bleibt ein kleines Fragezeichen. Selbst wenn ich mich in Bezug auf die Größe des Fragezeichens im Hinblick auf die Moral täuschen sollte, können die Effekte betriebswirtschaftlich vernachlässigt werden.)

Das reichte nicht! Alle Investoren warteten auf die angekündigten Gutachten der Wirtschaftsprüfer, die nunmehr beauftragt worden sind. (Mittlerweile gibt es mindestens 3 Wirtschaftsprüferfirmen, die beauftragt worden sind.) Die Kurse schwankten zwischen etwas unter 30 Euro bis knapp über 35 Euro pro Aktie.

Am 5.10.2020 hat Grenke veröffentlicht, dass KPMG, einer der prüfenden Wirtschaftsprüfungs-firmen, ein Zwischenergebnis zu vermelden hat: 100 % der Bankguthaben von Grenke sind vollumfänglich geprüft worden und bei über 98 % der Bankguthaben sind die Prüfungshandlungen beendet worden. Das Ergebnis alles Geld ist da. Verifiziert durch Saldenbestätigungen und weiteren Prüfungshandlungen. Bei den noch ausstehenden 2 % rechnet man mit Mitte Oktober die endgültigen Ergebnisse. Auch hier geht Grenke von einer vollumfänglichen Bestätigung aus.

Im Ergebnis zündete die nächste Kursrakete nach oben. Der Kurs stieg von ca. 30 Euro auf bis zu über 45 Euro innerhalb von 2 Tagen. Wieder eine Kurssteigerung von mehr als 50 %!

Die letzten Aktien habe ich nunmehr bei 40 Euro das Stück gekauft. Es bleibt nach wie vor, bei den oben beschriebenen Szenarien von mir.

Schauen wir mal.

Hier noch ein Nachklapp:

Ich habe im Blog zuvor, einen Investmentbrief zitiert, den ich an meine Familie schreibe. Anlaß ist der Fonds, in dem wir als Familie gemeinsam investiert sind. Die Performance des Fonds ist seit mehr als 10 Jahren eine Überrendite von mehr als 10 % p.a. über die Entwicklungs des DAX. Der Fondsmanager hat auch Grenke gekauft.

Die letzten Aktien von Grenke habe ich zu einem Kurs von deutlich unter 32 Euro gekauft.

Das Szenario des Short Squeeze sehe ich nicht mehr.

Ansonsten hat sich an meiner Sichtweise nichts geändert.

Schauen wir mal.

Erstmal vielen Dank für die ausführlichen Informationen.

Meiner Ansicht nach hat sich damit aber die Situation für mich nicht wirklich aufgeklärt.

Im Spektrum zwischen "Grenke ist eine weitere Wirecard" und "Grenke ist ein Top Wachstumsunternehmen" gibt es ja auch noch Abstufungen.

Ich stelle jetzt mal die These auf, nachdem was ich so gelesen habe, das Grenke wahrscheinlich kein neues Wirecard ist. Die Frage ist aber, ob es wirklich ein Top-Wachstumsunternehmen ist oder sich an dem einem oder anderen Punkt nicht doch ein Fünkchen Wahrheit findet. Und damit stellt sich dann auch (für mich) die Investitionsentscheidung.

Wir bleiben dran und beobachten das Geschehen!

Zitat von Privatier am 22. November 2020, 17:44 Uhr

Meiner Ansicht nach hat sich damit aber die Situation für mich nicht wirklich aufgeklärt.

Im Spektrum zwischen "Grenke ist eine weitere Wirecard" und "Grenke ist ein Top Wachstumsunternehmen" gibt es ja auch noch Abstufungen.

Ich stelle jetzt mal die These auf, nachdem was ich so gelesen habe, das Grenke wahrscheinlich kein neues Wirecard ist. Die Frage ist aber, ob es wirklich ein Top-Wachstumsunternehmen ist oder sich an dem einem oder anderen Punkt nicht doch ein Fünkchen Wahrheit findet. Und damit stellt sich dann auch (für mich) die Investitionsentscheidung.

Wir bleiben dran und beobachten das Geschehen!

Hallo Privatier,

Deine Ansicht kann ich gut nachvollziehen.

Du befindest Dich damit in sehr guter Gesellschaft:

Alle Aktienratingagenturen haben bis auf BHF Oddo ihre Ratings suspendiert, bis eine vollständige Klärung vorliegt. Insofern bin ich einer (der wenigen), die gegen den Strom schwimmen. Im Ergebnis hinterfrage ich bei größeren Kursabschwüngen nach unten immer wieder meine Position: Hat sich materiell etwas geändert, so dass ich zu einer anderen Einschätzung kommen muß?!

Wie gesagt: Schauen wir mal!

Schönes Restwochenende und

beste Grüße

André