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Ist Frugalismus out?

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Zitat von Susy Sunshine am 30. Oktober 2025, 10:10 Uhr

Ich würde sagen, Internetforen sind generell nicht mehr so gefragt, wie noch vor paar Jahren. Die Leute sind eher bei Insta etc unterwegs.

Ich hoffe das kommt wieder, wenn die KI-Generatoren die asozialen Medien mit Spam überschütten. Irgendwo muss es einen echten Rückzugsort für Menschen geben

Zitat von Privatier am 27. Oktober 2025, 16:08 Uhr

Also mit 50 ist der benötigte Sicherheitspuffer deutlich höher als mit 60 und mein Kapital war deutlich niedriger. Als ich mit 47 unterschrieben habe, war es noch knapper. Die meisten trauen sich einfach nicht...

Du hast ja nach dem Einstieg auch eine Zeit des dauerhaften Megabooms an den Aktienmärkten (und bei Immobilien und beim Gold) erlebt, es ist für Dich also extrem gut gelaufen.

Wann der Frugalismus angesagt war und seine Hochzeit hatte lässt sich an den Auszeichnungen hier auf der Seite zum „Finanzblog Award“ bestimmen. 2019 + 2020.

Genau, das war die Zeit des Immobilien- und Aktienbooms vor Corona und vor der Zinswende und Inflation, Sky is the Limit. Seitdem sind die Erwartungen deutlich gedämpft worden. Wenn jetzt noch die Rente mit 63 abgeschafft wird - wovon ich ausgehe - wird das immer schwieriger ein paar Jahre früher aufzuhören bzw. ist früher dann mit 62 oder 63.

Wenn man den (a)sozialen Medien oder auch den normalen Medien Glauben schenkt, dann ist Deutschland am Ende, alles ist schlecht, jeder Missstand wird genüsslich breitgewalzt, jede Änderung ein Rückschritt, nur negativ. Eine völlige Verzerrung der Realität.

Auf Insta leben alle als digitale Nomaden auf Bali, in Thailand, Vietnam oder sonst wo und das Leben ist eine einzige Party. Geld kommt von alleine mit ein bisschen remote arbeite (was natürlich auch sicherer ist als jede Festanstellung) oder ist einfach so vorhanden. Krankheit gibt es nicht. Die vollkommene Welt. Eines haben sie alle gemeinsam, das Leben in Deutschland war schrecklich, 9-5 arbeiten der Horror, keine Zeit mehr für sich selbst und überhaupt ist Deutschland scheiße und man sollte so schnell wie möglich weg dort. Wer dort bleibt ist selbst schuld.

Frage mich, wie ich das geschafft habe in Zeiten von 40+ Stundenwochen und ohne Gleitzeit ein Leben zu führen 😉

Zitat von Muslime_Frugi am 30. Oktober 2025, 23:33 Uhr

Wann der Frugalismus angesagt war und seine Hochzeit hatte lässt sich an den Auszeichnungen hier auf der Seite zum „Finanzblog Award“ bestimmen. 2019 + 2020.

Die Hochzeit des Blogs war es sicherlich. Das hat aber denke ich weniger mit dem Interesse an Frugalismus, sondern mehr mit meiner persönlichen Lebenssituation und verfügbaren Zeit zu tun.

2017-2019 war ich aus England zurück, hatte keinen oder nur einen Teilzeitjob, einen kurzen Arbeitsweg und noch keine Kinder. Da hatte ich noch richtig Zeit, mehrmals im Jahr ausführlich recherchierte Blogartikel zu schreiben (u.a. die Serie über Entnahmestrategien) und jede Interviewanfrage anzunehmen. Das geht heute mit zwei Kindern nicht mehr.

2019 und 2020 waren auch die einzigen Jahre, wo ich mich überhaupt für den comdirect Finanzblog Award beworben habe.

@muslime_frugi Die Kurve bei Google Trends passt aber natürlich trotzdem zu deiner Einschätzung. Demnach lag der bisherige Peak beim Suchinteresse nach "frugalismus" etwa 2020.

 

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Für mich ist das weniger eine in- und out sache, sondern eine art lebenseinstellung

Jeder muss selbst sehen, was ihn zufrieden macht, bei mir ist es bescheiden zu leben, wenig zu konsumieren und gut zu investieren für mehr sicherheit und freiheit/Flexibilität langfristig, was ja de facto frugalismus ist.

Der harte Cut ab 40 war vermutlich von vornherein nicht ganz realistisch, das hat Oliver ja selbst erwähnt dass FIRE eher ein Spektrum ist

Vor zwei Jahren auf Bali hatte ich den starken Eindruck, dass die Digital Nomaden da nicht so dolle aufgestellt waren. Chai Latte im Internet Cafe direkt neben der Straße oder Hotel Terrasse am Reisfeld klingt cool.... das sah aber schon arg einsam aus, morgens, mittags, abends..., auch wenn da immer mehrere Leutchen in "ihrer Blase" da rumsaßen. Frage ist da eher: Verdienen die da richtig Kohle und können Rücklagen bilden am richtigen Ort oder kommen die da gerade so durch finanziell, und müssen dort so billig abhängen, weil deren Geschäftsmodell mehr nicht hergibt. Das wäre dann Präkariat im Scheinparadies.

@oliver

danke für die Statistik! Ich denke die Kurve war vor 2016/17 auch nicht auf null, es kannte nur fast niemand den Begriff.

Jedes neue Trendthema hat einen Peak und flacht dann wieder ab. Dennoch vermute ich geopolitische Krisen und sozialstaatliche Probleme als kausalen Zusammenhang.

Deine geringere Aktivität will ich nicht kritisieren oder werten. Es ist deine Zeit und nur eine Art Hobby.

Genauso wie dein Richtungswechsel hin zum Spektrum. Ich finde gerade die Veränderungen über einen längeren Zeitraum interessant!

Zitat von Oliver am 31. Oktober 2025, 8:28 Uhr
Zitat von Muslime_Frugi am 30. Oktober 2025, 23:33 Uhr

Wann der Frugalismus angesagt war und seine Hochzeit hatte lässt sich an den Auszeichnungen hier auf der Seite zum „Finanzblog Award“ bestimmen. 2019 + 2020.

Die Hochzeit des Blogs war es sicherlich. Das hat aber denke ich weniger mit dem Interesse an Frugalismus, sondern mehr mit meiner persönlichen Lebenssituation und verfügbaren Zeit zu tun.

2017-2019 war ich aus England zurück, hatte keinen oder nur einen Teilzeitjob, einen kurzen Arbeitsweg und noch keine Kinder. Da hatte ich noch richtig Zeit, mehrmals im Jahr ausführlich recherchierte Blogartikel zu schreiben (u.a. die Serie über Entnahmestrategien) und jede Interviewanfrage anzunehmen. Das geht heute mit zwei Kindern nicht mehr.

2019 und 2020 waren auch die einzigen Jahre, wo ich mich überhaupt für den comdirect Finanzblog Award beworben habe.

Wenn deine Kinder mal erwachsen sind, kannst du wieder mehr Blogs schreiben 😉

Zitat von Cepha am 30. Oktober 2025, 15:09 Uhr

Das Forum hier besteht darüber hinaus überwiegend nicht aus Frugalisten, sondern aus Millionären.

Ich dachte ein Frugalist strebt ein Vermögen an, von dem er leben kann? Ich sehe hier keinen Widerspruch.

Im Arbeitsumfeld möchte niemand auf etwas Verzichten, da wird nicht gespart. In Foren wie Reddit liest man von immer mehr Menschen, die eher Olivers Weg gehen und schon in jungen Jahren kürzer treten, unter anderem auch, weil das Ziel einer eigenen Immobilie sowieso unerreichbar sei. Die letzten Tage ging ein Video viral, in dem die 40 Stunden Woche von einem jungen Mann in Frage gestellt wurde, hier ein Bericht dazu. Darin ist auch das Instagram Video eingebettet.

https://www1.wdr.de/nachrichten/julian-kamps-arbeiten-nine-to-five-instagram-post-100.html

 

Vielleicht denken junge Erwachsene in den ersten Arbeitstagen so. Ich hatte 1984 eine Kollegin, wir beide 19, die sagte Ähnliches. Wenn ich heim komme, um 17 Uhr, ist der Tag vorbei. Das will ich nicht. Ich fand es damals weltfremd. Habe sie 10 Jahre später,  geschieden mit Kind, getroffen. Sie kämpfte gerade um mehr Arbeitsstunden in der Klinik. ....

Gestern mit einem Kumpel telefoniert, der in der Verwaltung arbeitet und so 2100€ netto hat. Kein High-Performer wie so viele hier. Jetzt hat er Ende November/Anfang Dezember frei. Im Gespräch ging es u.a. darum, warum er pauschal für eine Woche Teneriffa 1600€ zahlt. (Antwort: Wenn ich um 17 uhr heimkomme, habe ich keine Energie mehr mir da selbst was rauszusuchen. Gesundheitlich geht's ihm nicht so gut. Warum er nicht mehr Sport mache, sich nicht gesünder ernähre.... Wenn ich um 17 Uhr heim komme, geht nichts mehr.

Setzt euch doch mal in die Pendlerzüge in Richtung der Jobzentren morgens und abends. Abends sind die selben Leute sichtlich ausgelaugt.

 

Das ist natürlich erstmal eine Umstellung wenn man ins Berufsleben einsteigt, ich denke dass ging allen so. Letztlich hat der Tag aber 24 Stunden, wenn ich 8 Stunden arbeite, 8 Stunden schlafe habe ich immer noch 8 Stunden für andere Dinge. Wenn man die nur für das TV-Delirium, das Sofa-Yoga oder um sich sonst irgendwie berieseln zu lassen verwendet wird das nichts. Also die Zeit nutzen.

Zitat von Semi-Privatier am 2. November 2025, 22:31 Uhr

Letztlich hat der Tag aber 24 Stunden, wenn ich 8 Stunden arbeite, 8 Stunden schlafe habe ich immer noch 8 Stunden für andere Dinge. ...

Kommt halt drauf an:

- wieviel Zeit für das Pendeln drauf geht?

- ob man(n) wie "traditionell" üblich eine Hausfrau hat ... oder ob "andere Dinge" täglich eine oder mehrere Stunden Haushalt umfasst...

- wer sich für Kinder entscheidet (oder beim Verhüten versagt) hat für ca. 1 1/2 Jahrzehnte  eine zusätzliche zeitaufwändige "Nebenbeschäftigung" ...

Ja klar kann es immer hundert Gründe geben warum etwas nicht möglich ist. Hier ging es aber um den jungen Berufseinsteiger und der hat idR noch keine Kinder und eine Hausfrau, sofern es so etwas überhaupt noch gibt, wobei das auch schon wieder ein neuer Trend sein soll, Tradwifes. Alleine ist der Haushalt doch ruckzuck erledigt.

Ich habe nie einen Job angenommen bei dem ich lange hätte pendeln müssen, obwohl es gute Angebote gab. Für mich war das schon immer Verschwendung von Lebenszeit.

Zitat von Semi-Privatier am 3. November 2025, 14:12 Uhr

...

Ich habe nie einen Job angenommen bei dem ich lange hätte pendeln müssen, . . Für mich war das schon immer Verschwendung von Lebenszeit.

Bei mir war der Job 200 km vom bisherigen Wohn-/Studienort entfernt, so dass ich eh umziehen musste...

--> hatte mir dann gezielt eine WG-taugliche Wohnung im 10 Fahrradminuten-Umkreis um den Schreibtisch gesucht!

Zitat von Semi-Privatier am 2. November 2025, 22:31 Uhr

Das ist natürlich erstmal eine Umstellung wenn man ins Berufsleben einsteigt, ich denke dass ging allen so. Letztlich hat der Tag aber 24 Stunden, wenn ich 8 Stunden arbeite, 8 Stunden schlafe habe ich immer noch 8 Stunden für andere Dinge. Wenn man die nur für das TV-Delirium, das Sofa-Yoga oder um sich sonst irgendwie berieseln zu lassen verwendet wird das nichts. Also die Zeit nutzen.

Anekdotische Evidenz ist so ne Sache, aber mein Eindruck ist in der Tat, dass bei vielen Menschen in den dann verbleibenden acht Stunden nicht mehr ganz so viel geht. Das war von mir auch nicht unbedingt auf Berufseinsteiger bezogen.

Ja weil die ihren A nicht hochbekommen...

So sieht das aus.

In meinem ersten Berufsjahr vor dem Studium habe ich 2 Tage abends und am Wochenende eine Nachtschicht in der Tankstelle unseres Nachbarn gejobbt und mir davon meinen Alfa gekauft, den ich heute noch fahre. Den Wagen habe ich 2010-2012 nach Feierabend restauriert und bin an manchen Tagen um 6 Uhr morgens vor der Arbeit in die Werkstatt gefahren, habe 2 Stunden am Wagen gearbeitet und bin dann ins Büro gefahren. Weil mir das soviel Spaß gemacht hat, habe ich das danach mit 3 Motorrädern wiederholt, allerdings zu Hause nach Feierabend in der Tiefgarage.

4 Jahre lang habe ich zwei Dozententätigkeiten neben dem Hauptjob ausgeübt. Zum Sport bin ich natürlich trotzdem 3 mal die Woche gegangen. Hausbau war zwischendurch auch dabei. Aktuell absolviere ich 3 Vorlesungen neben dem Job und lerne eine Fremdsprache. Immer 40 bzw. 38 Stunden Woche.

Das geht alles, ist eine Frage der Organisation und Disziplin wie bei so vielem im Leben.

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