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Grüße aus dem goldenen Käfig

Ich wünsche einen guten Tag, ich bin hier um anregungen zu holen und vielleicht eine etwas andere Sichtweise einzubringen:

Ich bin gerne im "Hamsterrad"!

Aber erst einmal ein paar Fakten zu mir:

Ich bin Mitte 30, wohne in einer relativ teuren Stadt im Süden Deutschlands und bin jetzt seit 1 1/2 Jahren verheiratet. Mein MINT-Fach-Studium war für mich sehr entäuschend, zu viel Auswendig lernen und dementsprechend waren die Ergebnisse Bescheiden. Zusammen mit einem Bachelor Abschluss 2009 war die Lage nicht die Beste, und tatsächlich musste ich mich durch 6 Jobs arbeiten um jetzt im Gemütlichen goldenen Käfig mit Hamsterrad anzukommen.

Ich arbeite bei einem Großkonzern der nach IGM bezahlt und arbeite dort als Qualitätsmanager. Ein Job der meinen Protektionismus, meinen schwarzen Humor und die ausgeprägte Sturheit voll erfüllt.

Bin ich Frugalist? Jein.

Ich hänge zum Teil den Glauben an, dass billig Kaufen doppelt kaufen bedeutet und konsumiere meistens bewusst. Aber es kann eben schon sein dass ich eben 400€ für meine Winterstiefel ausgebe um sie über Jahre zu tragen. Mein erstes paar Hochwertige Schuhe ist inzwischen 19 Jahre alt.

Reparieren und erhalten sind meine Hobbys, wobei ich einige Dinge einfach dem Profi überlasse. Ich liebe mein Fahrrad sehr und erledige 95% aller Einkäufe/Fahrten damit, darum darf es eben einmal im Jahr zum Experten.

Ich bin Oliver sehr dankbar so offen über Geld zu reden, es ist im Alltag meistens doch eher schwierig.

Je nach Rechenmethode hatte ich 2019 eine Sparquote zwischen 36 (Kosten für die bewohnte Eigentumswohnung sind Konsum) und 65 (Eigentumswohnung ist eine Anlage)%. Für mich selbst sehe ich den Mittelweg: Tilgung ist sparen, Zinsen sind Konsum. Ergibt knapp über 60%. Damit bin ich für mich sehr zufrieden.

Ich bin offen für Fragen.

Hallo Cricetus!

Frugalismus heißt auch nicht unbedingt billig kaufen, sondern eher bewusst Geld ausgeben und unnötige Ausgaben vermeiden.. Ich selbst sehe das ähnlich wie du. Ich gebe auch lieber etwas mehr aus, wenn die Sachen dafür lange halten. Allerdings bin ich auch schon mit teuren Dingen auf die Nase gefallen. Habe vor ein paar Jahren Schuhe für 90,- EUR gekauft und da sind nach zwei Jahren die Sohlen kaputt gegangen 🙁 Die 20,- EUR Teile von Deichmann haben dagegen über 5 Jahre gehalten. Also teuer ist nicht immer automatisch gut. Man muss da genau hinschauen.

 

Hallo und Willkommen Cricetus, das klingt doch alles schön stimmig und symphatisch. Was wäre denn dein Plan, wenn du die finanzielle Freiheit deutlich vor dem regulären Renteneintrittsalter erreichst? Deine Beschreibung geht ja eher in die Richtung, dass du bis auf weiteres keine Pläne hast aufzuhören. Ich habe übrigens in einem großen Unternehmen viel mit Qualitätsmanagern zu tun und kann bestätigen, dass schwarzer Humor und insbesondere Sturheit da typische Charakterzüge sind, bei der Aufgabe wahrscheinlich auch ein Vorteil ist. 🙂

Zur Definition, was Konsum ist, oder allgemeiner, was Ausgaben sind und damit von der Sparrate abgehn, habe ich hier unterschiedliche Meinungen gelesen. Ich finde für mich persönlich folgende Sicht konsistent:

  • Ich sehe mein Vermögen als eine Ansammlung von Töpfen, z.B. jedes Konto, jeder Bausparvertrag oder Kredit ist ein in Geld geführter Topf, ETF-Fondanteile oder Immobilien sind nicht in Geld geführte Töpfe. Andere materielle Werte (Möbel, Whiskysammlung...) zähle ich nicht zum Vermögen.
  • Ich gehe der Einfachheit halber davon aus, dass ich alle Geschäfte zum bei Kaufzeitpunkt aktuellen Marktwert mache, also weder über den Tisch gezogen werde noch andere übervorteile.
  • Ausgaben sind Abflüsse aus den Vermögenstöpfen nach "außen".
  • Einnahmen sind Zuflüsse in meine Vermögenstöpfe von "außen".
  • Bei Umschichtungen innerhalb der Töpfe fließt in Summe genauso viel rein wie raus, die Aktion ist also weder Einnahme noch Ausgabe. Kaufe ich z.B. eine Immobilie mit 200.000€ Kaufpreis + 20.000€ Nebenkosten, und bezahle mit 50.000€ Eigenkapital + 170.000€ Kredit, dann habe ich 1. eine Ausgabe von 20.000€ (für die NK) und 2. eine vermögensneutrale Umschichtung: Ich reduziere meinen Topf "Girokonto" um 30.000€ und bekomme dafür zwei weitere Töpfe. Eine Immobilie mit Marktwert 200.000€ und ein Kreditkonto mit Saldo -170.000€.

Für die Abzahlung eines Kredits gilt damit: Zinsen sind Ausgaben, weil sie nach außen abfließen, Tilgung ist keine Ausgabe, sondern nur eine Umbuchung zwischen meinen Töpfen "Girokonto" und "Kreditkonto".

 

Zitat von TheWanderer am 8. Februar 2020, 19:25 Uhr

...🙂

Zur Definition, was Konsum ist, oder allgemeiner, was Ausgaben sind und damit von der Sparrate abgehn, habe ich hier unterschiedliche Meinungen gelesen. Ich finde für mich persönlich folgende Sicht konsistent:

  • Ich sehe mein Vermögen als eine Ansammlung von Töpfen, z.B. jedes Konto, jeder Bausparvertrag oder Kredit ist ein in Geld geführter Topf, ETF-Fondanteile oder Immobilien sind nicht in Geld geführte Töpfe. Andere materielle Werte (Möbel, Whiskysammlung...) zähle ich nicht zum Vermögen.

...

Das ist für mich stimmig mit einer weiteren Ergänzung: Das Eigenheim oder die eigene Wohnung ist für mich gleichzeitig ein Vermögenswert und auf der anderen Seite sehe ich es nicht als typisches Investment an sondern viel mehr die verlorenen Mehrrenditen in Vergleich bei Invest in normale Geldanlagen sind für mich "Konsum".

Zitat von Andre am 8. Februar 2020, 20:39 Uhr
Zitat von TheWanderer am 8. Februar 2020, 19:25 Uhr

...🙂

Zur Definition, was Konsum ist, oder allgemeiner, was Ausgaben sind und damit von der Sparrate abgehn, habe ich hier unterschiedliche Meinungen gelesen. Ich finde für mich persönlich folgende Sicht konsistent:

  • Ich sehe mein Vermögen als eine Ansammlung von Töpfen, z.B. jedes Konto, jeder Bausparvertrag oder Kredit ist ein in Geld geführter Topf, ETF-Fondanteile oder Immobilien sind nicht in Geld geführte Töpfe. Andere materielle Werte (Möbel, Whiskysammlung...) zähle ich nicht zum Vermögen.

...

Das ist für mich stimmig mit einer weiteren Ergänzung: Das Eigenheim oder die eigene Wohnung ist für mich gleichzeitig ein Vermögenswert und auf der anderen Seite sehe ich es nicht als typisches Investment an sondern viel mehr die verlorenen Mehrrenditen in Vergleich bei Invest in normale Geldanlagen sind für mich "Konsum".

Hallo Andre, da kann ich dir nicht ganz folgen. Ich wohne in der eigenen, abbezahlten Wohnung. Ich erwarte bei weiterhin regelmäßiger Instanthaltung eine langfristige Wertentwicklung in Höhe der Inflation. Zusätzlich rechne die Differenz zwischen den Kosten (pro Monat 190€ Hausgeld + durchschnittliche 60€ Instandhaltung Sondereigentum) und der Miete, die ich ohne Eigentum zahlen würde (ca 600€ kalt + NK), als Rendite. Also 4.200 € Rendite/Jahr nach Inflation. Die Wohnung habe ich 2011 für knapp 90.000€ gekauft, aktueller Marktwert ca 160.000€ (bin Beirat und ganz gut in der WEG vernetzt und bekomme immer mal wieder Verkaufspreise für identisch geschnittene Wohnungen im Block mit). Rechnen wir die Rendite auf Basis des heutigen Werts, komme ich auf 2,6% nach Inflation (und nach Steuern, es fallen ja nach aktueller Rechtslage weder für Wertsteigerung noch für gesparte Miete Steuern an).

Habe ich da soweit Denkfehler oder unzulässige Annahmen drin? Ernstgemeinte Frage, ich beschäftige mich ja auch erst seit kurzem intensiver mit solchen Renditerechnungen. 🙂

Das ganze ist etwas weniger als eine langfristige ETF-Anlage der Vergangenheit und hat auch ein anderes Risikoprofil. Ich finde die Anlage gut genug um sie als Renditeanlage zu bezeichnen. Meine Wohnung ist für uns zwei weder besonders groß noch luxuriös noch supertoll gelegen. Würden wir mieten, hätte die Mietwohnung auch keinen niedrigeren Standard. Wäre das anders, wäre ich bei dir, dass der zusätzliche Wohnkomfort als Konsum zu rechnen wäre.

@Cricetus bitte um Entschuldigung, deinen Beitrag hier für eigene Anliegen gekapert zu haben. 🙂

@Wanderer:

Du vergleichst Deine eigengenutzte Wohnung mit einem gleichwertigen Mietobjekt, Andre vergleicht mit einem gleichwertigen Aktieninvest. Beides ist sowohl legitim als auch diskutabel. Entscheidend ist hier, dass es konkrete Kauffälle/Kaufzeitpunkte in örtlich begrenzten Immo-Märkten gab, die nicht nur theoretisch (wie zB vollkommen logisch bei Kommer) gemittelt betrachtet werden können, sondern individuell - es kann also sein, dass jeder von Euch mit seinem Kauf die mathematisch korrekte Entscheidung getroffen hat, muss aber nicht. Vor allem hat keine Entscheidung einen logischen Einfluss auf die jeweils andere.

@TheWanderer:
Kein Problem, das Thema ist ja auch interessant.
Die Diskussion zwischen Immobilien besitzen oder nicht ist lang, vielleicht ein paar Fakten zu meiner Wohnung (Die ich sehr mag, darum etwas ausführlicher):

BJ 1979, 11 Parteien im Haus

EG + Garten (rieeesig… etwa 35m² J )

70 m², 2 Zimmer (Wohnküche und Schlafzimmer)

Tiefgaragenstellplatz

KP 200´000€ + NK (Mit Renovierung und Umzug in Summe 230´000€)

Bausubstanz ist sehr solide, die Anlage extrem gepflegt. Der Hausverwalter ist ein Ingenieur im Unruhezustand, der das Haus mit gebaut hat. Die Wohnung war 2017 als ich sie gekauft habe von innen hässlich wie die Nacht dunkel: Letzter Anstrich wahrscheinlich in den 80er Jahren, Original (!) Teppich von 79, der Garten verwildert. Aber: Das Bad, die Fenster und die Küche waren erneuert, Fassade und Heizung neu.

Meine Einschätzung war, dass ich etwa 8´000 € für Renovierungen  brauche um darin wohnen zu können.  Tatsächlich waren es am Ende  etwa 6´000 €. Weniger weil Streichen, Teppich entsorgen und Bodenbelag im Flur alleine erledigt werden konnten.

Eigenkapital waren  40´000 €, davon 30´000 von meiner Mutter geschenkt um mir eben eine Wohnung zu kaufen. Meine Eltern habenihren Wohlstand als Immobilienmakler erarbeitet, darum war die Wohnung gewissermaßen Teil der Familien Tradition.

Finanzierung läuft über 2 Kredite, Zinsbindung 10 Jahre (Gerade sind die Unterlagen nicht zur Hand, darum Zahlen aus dem Gedächtnis):

KFW Kredit  50´000 € , 1,4% Zins, 4% Jährliche Tilgung

BHW Kredit 140´000 € , 1,14% Zins, 6 % Jährliche Tilgung, 4% Sondertilgung möglich

Sind im Monat etwa  1´000 € Abschlag, 6´300€ Jährliche Sondertilgung möglich. Bisher (2018&2019) habe ich die Sondertilgung vorgenommen, 2020 steht die Entscheidung an.

Ist für mich eine Prognose auf die Aktienmärkte bis 2037, wo ist das Geld besser angelegt? Im Moment tendiere ich zum Aussetzen der Tilgung, aber das werde ich bis zum Urlaubsgeld entscheiden. Vom Bauchgefühl ist eben die Sondertilgung besser, weil man den geringeren Schuldenstand gleich realisiert.

Eine Mietwohnung wäre teurer geworden, einfach weil ich dann 3 ZKB gesucht hätte, einfach um auch ein Arbeitszimmer zu haben.

Würde ich die Wohnung wieder kaufen? Absolut ja!

Sie ist jetzt einfach unsere, mit Parkettböden, warmen Farben und ich repariere und pflege mehr als in einer Mietwohnung. Holzfenster lasieren ist harte Arbeit, aber wenn man damit fertig ist, ist man einfach stolz darauf das es jetzt besser aussieht als vorher. Oder neue Beleuchtung für die Küche oder Einbauregale im Flur.

Irgendwo habe ich gelesen dass der Kauf einer Immobilie eine Livestyle Entscheidung und kein vernünftiges Investment ist. Mit der Aussage kann ich leben: Ich bin kein  Homo oeconomicus.

Um noch auf die Frage mit der Finanziellen Freiheit einzugehen:

Lange, lange hin. Im Moment habe ich sehr viel Spaß an meiner Arbeit. Ich werde sehr wahrscheinlich 5-10 Jahre die Arbeitszeit reduzieren, einfach um meinen Teil zur Erziehung der Kinder bei zu tragen.

Ich scherze immer das ich Hausmann und Vater werde wenn ich genug habe. Bei einer Ärztin als Frau eine mögliche Option. Vielleicht habe ich auch deswegen ein gutes Gefühl bei meinem Job: Ich muss ihn nicht auf Biegen und Brechen durch halten.
Ich denke das ist ja eines der großen Ziele von vielen hier: Frei zu sein vom Gefühl etwas tun zu müssen.

Ich kann deine Gedanken zu deiner Wohnung gut nachvollziehn. Schön, dass du Unterstützung hast. Sowas fällt bei Immo / Aktien-ETF Vergleichen hinten runter,  oder hätte deine Mutter auch gesagt "Hier Junge, nimm die 30.000 € und mach dir mal nen schönes Welt-Portfolio"? 🙂 Und wenn sie dir ein positives Gefühl gibt, ist das eben auch viel Wert, auch wenn sich das nicht in EUR ausdrücken lässt.

Zum Thema Kredit tilgen vs. parallel anlegen hatte ich vor kurzem einen Thread gestartet: https://frugalisten.de/forum/topic/wertpapierinvest-mit-immobilienkredit-hebeln-steuerliche-aspekte/#postid-8349 Falls du ihn nicht schon gelesen hast, kannst du da sicher was rausziehn. Grundsätzlich hast du ja schon eine relativ hohe Tilgungsrate (ich nehme an, mit Aussetzen meinst du nur die Sondertilgung und nicht die reguläre - manche Kredite erlauben sowas ja). Ich würde mir die Alternativen grob mit Excel ausrechnen und dann einen schönen Stresstest machen. Was passiert,

  • wenn dein Einkommen plötzlich wegfällt?
  • wenn der Zins am Ende der Bindungsphase viel höher liegt?
  • wenn sich das Portfolio negativ entwickelt?
  • wenn die Immobilienpreise stark fallen, die Bank ihre Grundschuld neu bewertet und mehr nachfordert?
  • wenn die Ehe nicht hält?

Wenn dich nichts davon in existenzielle Probleme stürzt und du mit dem Konstrukt ruhig schlafen kannst, spricht nichts dagegen den Kredit noch ein wenig laufen zu lassen.

Zitat von Cricetus am 11. Februar 2020, 10:14 Uhr

Eine Mietwohnung wäre teurer geworden, einfach weil ich dann 3 ZKB gesucht hätte, einfach um auch ein Arbeitszimmer zu haben.

Der Vergleich hinkt natürlich. 😉 Wobei man sagen muss, dass die meisten Kaufentscheidungen dann eher Richtung größeres Eigenheim gehen und daher die meisten Vergleiche zwischen (ehenmaliger) Mietwohnung und Kaufeigentum nicht 1zu1 funktionieren.

Irgendwo habe ich gelesen dass der Kauf einer Immobilie eine Livestyle Entscheidung und kein vernünftiges Investment ist. Mit der Aussage kann ich leben: Ich bin kein  Homo oeconomicus.

Kommt drauf an. Einerseits hast Du Dich beim Kauf für die kleinere Variante und damit für den Verzicht auf das Büro entscheiden, damit handelst Du schon mal eindeutig gegen den Trend. Die allermeisten Leute entscheiden sich beim Kauf für das größere Objekt, s.o. Zudem hat Kommer nachgewiesen, dass der Mieter in den letzten Jahrzehnten meistens vorne war - mit Ausnahme des letzten Jahrzehnts nach der Finanzkrise, also zwischen ca. 2007 und 2017. Wenn der Trend anhält - und das ist aus meiner beruflichen Sicht nach wie vor so - kann sich Dein Kauf also auch rein ökonomisch immer noch gegenüber einer Miete als richtiger Griff erweisen. Auch weil Du überdurchschnittlich tilgst.

Dazu kommt eine andere Grundbedingung, die gern vergessen wird: Kommer unterstellt einen konsequent sparenden Mieter, der die Differenz zwischen Miete und höherer Eigenheimfinanzierung artig 30 Jahre lang in ETF's investiert. Tut der Mieter das nicht und gibt die Differenzsumme für (zusätzlichen) Konsum aus, hat er fast keine Chance, den Eigenheimbesitzer zu schlagen.

Das Life-Style-Argument geht also nur dann (knapp) für den Mieter aus, wenn der seinen Lifestyle auch im Griff hat. Real betrachtet sind die meisten Mieter eben nicht so diszipliniert und daher die Eigenheimbesitzer statistisch weiter vorn.

Die Excel Tabelle existiert schon, da kann ich hin und her spielen. Da mir bald mehr als 50% der Wohnung gehören, sehe ich das alles nicht kritisch, auch weil ich meine Arbeitskraft gut abgesichert habe. Aber es schreit eigentlich nach einer Entscheidungsmatrix, die könnte ich ja dann mal in dem Thread posten.

 

@mfz73

Der Vergleich hinkt nicht wenn man eben mein Bauchgefühl dazu nimmt: Ich will eine Finanzierung die nach auslaufen der Zinsbindung mit einer niedrigen Rest-Kredit stehen lässt. Dann will ich bei Arbeitsplatzverlust und weniger gut bezahlten Folgejob nicht in eine Durststrecke laufen.

Alles zusammen beschränkte eben die Summe an Kredit die ich bereit war aufzunehmen. Da war eben eine drei Zimmer Wohnung nicht drin.

Quasi durch das Sicherheitsbedürfnis erzwungene Sparsamkeit.

 

Zitat von Cricetus am 13. Februar 2020, 17:06 Uhr

@mfz73

Alles zusammen beschränkte eben die Summe an Kredit die ich bereit war aufzunehmen. Da war eben eine drei Zimmer Wohnung nicht drin.

Quasi durch das Sicherheitsbedürfnis erzwungene Sparsamkeit.

Schon verstanden, ist auch eine plausible Entscheidung, die Deinem persönlichen Sicherheitsbedürfnis entspricht.

Ich bin mir nicht recht sicher wo dieser Text hingehört, darum so ein etwas nachdenkliches "Corona" Update von mir.

 

Bei mir läuft die Arbeit wesentlich ruhiger ab: Einige der Lieferanten kündigen Verzögerungen an, da die Lieferketten aus Norditalien abgerissen sind. Schlecht für den Terminplan, gut für das Qualitätsmanagement, wir haben jetzt zusätzliche Luft für unsere Arbeit. Anfänglich haben einige Kollegen die absurdesten Verschwörungstheorien durch die Gänge gerufen, andere haben wirklich die Nerven verloren. Als meine Frau zum Verdachtsfall geworden ist, ging es mir tatsächlich näher als gedacht. Das  lange Wochenende in Unsicherheit war nicht angenehm hat aber einige Perspektiven zurecht gerückt. Und die Erleichterung der Entwarnung.

Dementsprechend ruhig blicke ich auf mein Depot.

Etwas mehr Sorgen habe ich natürlich um meine Frau und ihr Studium:

Ihr Studium geht auf das Ende zu und nachdem die Staatsexamen dieses Semester abgebrochen wurden, klärt sich dei Zukunft nur häppchenweise. Ihre Vorlesungen sind online, aber die Behandlungskurse und ihre Abschlussprüfungen hängen noch sehr in der Luft. Es gibt einen Plan, als Semestersprecherin ist sie sogar recht nah dran, aber es wird sicher sehr laut knirschen. Aber immerhin sieht es so aus als ob ihre Stelle in einer Forschungsgruppe ab Januar 2021 klappen könnte.

Ich habe wohl zu oft gefoppt das Ärzte für ihren Doktortitel nur ihren Namen korrekt schreiben müssen und Grundlagen Excel brauchen: Sie hat sich jetzt eine Vollzeitstelle mit Wissenschaftlichen Anspruch und echter Laborarbeit gesucht. Bin schon recht stolz auf meine kleine Streberin.

Ich lasse meine Sparpläne weiter laufen, aber ich bin sehr unsicher ob ich mein Geld nicht in Tagesgeld parken soll. Als Team wird in den nächsten Jahren die Großinvestition Praxis kommen.

Wie es global mit der Wirtschaft weiter geht, wird sich vermutlich in den nächsten Monaten zeigen. Eine Lokalisierung großer Industrien und ein hin zu einer weniger knappen Vorratshaltung werden Gewinne reduzieren, aber vermutlich auch etwas die Härte und den Stress in der Industrie. Ich bin optimistisch das es für die Menschen besser wird. Aber skeptisch für ein "Weiter so!" an den Börsen.

Eine andere Entscheidung habe ich auch für mich gefällt: Ich werde nicht in die private Krankenkasse wechseln. Zu penetrant war die Beraterin, zu groß die Unwägbarkeiten der nächsten Jahre. Wird es nur ein Kind oder mehr? Wie gut können Krankenkassen mit dem Geld wirtschaften, das sie zurück legen? Je nach Lebensplanung werden die Unterscheide nicht enorm ausfallen, gerade weil ich ein paar Risikofaktoren mitbringe. Darum einfach in der GKV bleiben und die Kinder erst einmal mit versichern.

Oh, nachdem ich zwei Wochen in der Wohnung gewerkelt habe: Ich möchte auf längere Sicht ein Haus haben. Mehr Raum fürs Heimwerken.

Mieses Wetter und keine akuten Vorhaben sorgen dafür das man sich mal um eine Bestandsaufnahme kümmern kann. Und feststellt das man einige Dinge bisher nie richtig bedacht hat.

Wie viel besitze ich? Wie ist die Verteilung? Und wie sollte Sie sein?

Aufgeschlüsselt in einer Tabelle habe ich jetzt etwas mehr Übersicht.

Anteil Wohnung Anteil Aktien Anteil P2P Anteil Renten
Ziel 30,00 % 40,00 % 5,00 % 20,00 %
Ist 34,42 % 20,36 % 0,84 % 44,38 %

Anteil Wohnung:

Die Wohnung ist die oben beschriebene Eigentumswohnung. Als fiktiven Wert nehme ich den Kaufpreis und nehme ein Wertzuwachs von 1 % p.A. an, effektiv ein Inflationsausgleich. Der Buchwert entspricht diesem Wert abzüglich 10% für Verkaufsnebenkosten, den Vorfälligkeitskosten der Kredite und dem Stand des Darlehens. Die Tilgung der Wohnung fließt hier ein, der Anteil nimmt also zu.

Anteil Aktien:
Der Wert meines Depots. Mittelfristig ist mein Ziel den Anteil auszubauen. Hier ist auch noch die meiste Arbeit nötig: Es fehlt das Verhältnis zwischen den ETF und den Einzelaktien. Hier liegen noch einige "Jugensünden". ("Daimler ist ein sicherer Hafen.")

Anteil P2P:

Bondora Go&Grow. Mein Zockergeld, quasi.

Anteil Renten:

Gesetzliche Rente, Basisrente und BAV. Wächst von alleine, das Verhältnis kann nur über höhere Sparraten in andere Kategorien erreicht werden.

Wobei ich hier am unsichersten bin: Kann ich wirklich das eingezahlte Vermögen bei der Rentenversicherung ansetzen oder sollte es mit einem Faktor belegt werden? Die Basisrente hängt mit meiner Berufsunfähigkeitsversicherung zusammen. Absicherung gegen ein bei mir releventes Risiko. Die BAV sind einfach 3% meines Einkommens die jedes Jahr verzinst angelegt werden.

 

Schöne Zahlen, was folgt daraus für mich:
Keine Sondertilgung für die Wohnung mehr, sondern Gehalt in Aktien anlegen. Und vor allem: Dort den Impuls durch eine Planung ersetzen.

 

 

Das du eine Bestandsaufnahme gemacht hast, ist schon mal gut. Das sollte man regelmässig machen. Ziel-Prozentsätze würde ich eher als Denksportaufgabe nehmen aber mich nicht sklavisch dran halten.

Zur Rentenversicherung und anderen Altersvorsorgen...Wie ich es mache:

Bei der gesetzlichen Rente gibt es ja jedes Jahr eine Auskunft, mit welcher Rente man ab wann rechnen kann. Die Rente nehme ich ohne Erhöhung und gehe dann davon aus, dass ab dem angegebenen Renteneintrittsalter bis 95 in dieser Höhe gezahlt wird. Das ganze zinse ich dann ab mit einem Zinssatz von 3,5%. Der Wert der hierbei rauskommt, wird in meine Vermögensaufstellung eingetragen.

@privatier

Habe ich nicht ganz verstanden:

Beispiel 200 Euro, 67-95 sind 28 Jahre

Ergibt also 12 x 200 x 28 €= 67200

Okay.

Davon ziehe ich 3,5 % für jedes Jahr zwischen jetzt und Rentenalter ab? Oder von der Endsumme?

Woher kommen die 3,5%?

Also ab dem Alter wo die in Rente gehst, hast du ja einen festen Zahlungsstrom, zB von Anfang 67 bis Ende 95 jeden Monat 1000.

Ergäbe 29 x 12 x 1000 = 348.000

Jetzt musst du für dich 2 Annahmen treffen:

  1. Um wieviel wird die Rente zukünftig erhöht
  2. Mit welchem Wert muß der zukünftige Zahlungsstrom abgezinst werden

Zu 1 wird natürlich behauptet, dass die Rente auch zukünftig angemessen erhöht wird. Glaube ich auf Grund der Demographie nicht, deshalb rechne ich mit keinen Erhöhungen.

Zu 2 bin ich auch eher konservativ. Auch wenn die aktuelle Inflation niedrig ist, rechne ich mit 3,5% Abzinsung.

Jetzt wird zunächst der zukünftige Zahlungsstrom (29 x 12 x 1000) mit 3,5% abgezinst. Das kannst du in Excel mit der Funktion BW durchführen.

Dann hast du den entsprechenden Barwert mit Renteneintrittsalter. Diesen musst du dann auf den heutigen Barwert abzinsen. In diesem Fall wieder mit den 3,5%. Das kannst du in Excel mit der Funktion NBW machen. Dann bekommst du den heutigen Barwert deiner künftigen Rentenzahlungen und kannst diesen in deine Vermögensaufstellung eintragen.

Jedenfalls mache ich das so. Man kann natürlich auch von anderen Annahmen ausgehen.