Fuchs Tipp - Aktienverlusttopf - Wash-Sale-Regel
Zitat von Fuchs am 7. März 2026, 14:10 UhrWash-Sale-Regel:
In den USA gibt es die sogenannte Wash-Sale Rule. Sie ist gesetzlich geregelt (Steuerrecht des IRS) und besagt, dass man einen Verlust steuerlich nicht geltend machen darf, wenn man dieselbe oder eine sehr ähnliche Aktie innerhalb von 30 Tagen vor oder nach dem Verkauf wieder kauft.Deutschland:
In Deutschland gibt es keine solche Regel. Das bedeutet: Wenn eine Aktie im Minus steht, kann man sie verkaufen, den Verlust steuerlich realisieren und sie sofort wieder kaufen.Beispiel:
Angenommen, eine Aktie wie Microsoft liegt 20 % im Minus.
Dann könnte man:
die Aktie verkaufen → der Verlust wird im Aktienverlusttopf verbucht
die Aktie direkt wieder kaufen → man bleibt investiert
Der Vorteil: Der realisierte Verlust kann später mit Gewinnen aus Aktienverkäufen steuerlich verrechnet werden.
Wichtig:
Das funktioniert in Deutschland legal. Allerdings könnte §42 AO („Gestaltungsmissbrauch“) greifen, wenn eine Transaktion nur zum Steuerzweck und ohne wirtschaftliche Substanz erfolgt. Da Deutschland aber immer wieder Steuerschlupflöcher aufbaut (Cum-ex Skandal) ist das vielleicht sogar gewünscht?
Es handelt sich um ein theoretisches hypothetisches Szenario. Das ist keine Empfehlung!
Wash-Sale-Regel:
In den USA gibt es die sogenannte Wash-Sale Rule. Sie ist gesetzlich geregelt (Steuerrecht des IRS) und besagt, dass man einen Verlust steuerlich nicht geltend machen darf, wenn man dieselbe oder eine sehr ähnliche Aktie innerhalb von 30 Tagen vor oder nach dem Verkauf wieder kauft.
Deutschland:
In Deutschland gibt es keine solche Regel. Das bedeutet: Wenn eine Aktie im Minus steht, kann man sie verkaufen, den Verlust steuerlich realisieren und sie sofort wieder kaufen.
Beispiel:
Angenommen, eine Aktie wie Microsoft liegt 20 % im Minus.
Dann könnte man:
-
die Aktie verkaufen → der Verlust wird im Aktienverlusttopf verbucht
-
die Aktie direkt wieder kaufen → man bleibt investiert
Der Vorteil: Der realisierte Verlust kann später mit Gewinnen aus Aktienverkäufen steuerlich verrechnet werden.
Wichtig:
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Das funktioniert in Deutschland legal. Allerdings könnte §42 AO („Gestaltungsmissbrauch“) greifen, wenn eine Transaktion nur zum Steuerzweck und ohne wirtschaftliche Substanz erfolgt. Da Deutschland aber immer wieder Steuerschlupflöcher aufbaut (Cum-ex Skandal) ist das vielleicht sogar gewünscht?
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Es handelt sich um ein theoretisches hypothetisches Szenario. Das ist keine Empfehlung!
Zitat von Fuchs am 7. März 2026, 17:37 UhrErgänzung: Die Steuer wird dadurch natürlich nicht vermieden, sondern nur nach hinten verschoben. Angenommen, ich kaufe eine Aktie (z. B. Microsoft), sie fällt um 20 %, ich verkaufe sie und kaufe sie direkt wieder. Steigt sie anschließend um 40 %, wären diese 40 % später steuerpflichtiger Gewinn. Hätte ich die Aktie nicht zwischendurch verkauft, läge der Gewinn nur bei 20 %.
Der Effekt besteht also nicht darin, Steuern zu sparen, sondern, sie zeitlich zu verschieben. Das Geld, das man sonst sofort als Steuer zahlen müsste, bleibt in der Zwischenzeit investiert (bzw. wird neu investiert) und kann weiter Rendite erwirtschaften.
Annahme:
Portfolio: 100.000 €
Durchschnittliche Rendite: 8 % pro JahrEin Teil der Aktien fällt stark, sodass das Portfolio zwischenzeitlich 20 % im Minus ist.
Ich verkaufe diese Positionen, realisiere 20.000 € Verlust im Aktienverlusttopf und kaufe die Aktien direkt wieder zurück. Am Portfolio selbst ändert sich nichts. Später steigen andere Aktien im Portfolio insgesamt um 20 %. Wenn ich diese Gewinne realisiere, kann ich sie mit dem Verlusttopf verrechnen. Normalerweise müsste ich auf 20.000 € Gewinn etwa 26,375 % Abgeltungsteuer zahlen (5.275 €).
Wenn man nun annimmt, dass das Geld ebenfalls langfristig mit etwa 8 % Rendite pro Jahr arbeitet, ergibt sich über längere Zeit ein zusätzlicher Effekt.
Nach 20 Jahren werden aus den 5.275 € ungefähr 24.560 €. Der Vorteil entsteht ausschließlich dadurch, dass die Steuer, die sonst sofort gezahlt worden wären, für viele Jahre weiter investiert bleiben konnten. Nach Steuern bleibt dadurch ein zusätzlicher Vorteil von ungefähr 14.200 € - nur dadurch dass man ab und zu mal die selbe Aktie verkauft und direkt neu kauft. Hier führt die Steuerstundung nach 20 Jahren zu etwa 14.200 € mehr Vermögen, was ungefähr 3,8 % mehr Endvermögen entspricht. Die jährliche Rendite steigt dadurch von 8,0 % auf etwa 8,17 % p.a..
Ergänzung: Die Steuer wird dadurch natürlich nicht vermieden, sondern nur nach hinten verschoben. Angenommen, ich kaufe eine Aktie (z. B. Microsoft), sie fällt um 20 %, ich verkaufe sie und kaufe sie direkt wieder. Steigt sie anschließend um 40 %, wären diese 40 % später steuerpflichtiger Gewinn. Hätte ich die Aktie nicht zwischendurch verkauft, läge der Gewinn nur bei 20 %.
Der Effekt besteht also nicht darin, Steuern zu sparen, sondern, sie zeitlich zu verschieben. Das Geld, das man sonst sofort als Steuer zahlen müsste, bleibt in der Zwischenzeit investiert (bzw. wird neu investiert) und kann weiter Rendite erwirtschaften.
Annahme:
Portfolio: 100.000 €
Durchschnittliche Rendite: 8 % pro Jahr
Ein Teil der Aktien fällt stark, sodass das Portfolio zwischenzeitlich 20 % im Minus ist.
Ich verkaufe diese Positionen, realisiere 20.000 € Verlust im Aktienverlusttopf und kaufe die Aktien direkt wieder zurück. Am Portfolio selbst ändert sich nichts. Später steigen andere Aktien im Portfolio insgesamt um 20 %. Wenn ich diese Gewinne realisiere, kann ich sie mit dem Verlusttopf verrechnen. Normalerweise müsste ich auf 20.000 € Gewinn etwa 26,375 % Abgeltungsteuer zahlen (5.275 €).
Wenn man nun annimmt, dass das Geld ebenfalls langfristig mit etwa 8 % Rendite pro Jahr arbeitet, ergibt sich über längere Zeit ein zusätzlicher Effekt.
Nach 20 Jahren werden aus den 5.275 € ungefähr 24.560 €. Der Vorteil entsteht ausschließlich dadurch, dass die Steuer, die sonst sofort gezahlt worden wären, für viele Jahre weiter investiert bleiben konnten. Nach Steuern bleibt dadurch ein zusätzlicher Vorteil von ungefähr 14.200 € - nur dadurch dass man ab und zu mal die selbe Aktie verkauft und direkt neu kauft. Hier führt die Steuerstundung nach 20 Jahren zu etwa 14.200 € mehr Vermögen, was ungefähr 3,8 % mehr Endvermögen entspricht. Die jährliche Rendite steigt dadurch von 8,0 % auf etwa 8,17 % p.a..
Zitat von Fuchs am 7. März 2026, 19:07 UhrMan kann es auch noch weiter auf die Spitze treiben. Indem man sich ausrechnet, was der maximale Verlusttopf für das Jahr ist, damit die Steuer vollständig gestundet wird.
Wenn man den Effekt regelmäßig nutzen kann (z. B. zweimal pro Jahr), entsteht eine Art kontinuierliche Steuerstundung. In einem Modell mit 100.000 € Startkapital, 8 % Rendite und jährlich zwei Mal etwa 20% verrechenbaren Verlusten kann das über 20 Jahre zu etwa 100.000 € zusätzlichem Vermögen führen und die 8% Rendite um etwa 1% verbessert werden.
[spoiler title="Berechnung und Maximum"]
Der maximale Renditevorteil durch Tax-Loss-Harvesting ist ungefähr:
Steuersatz × RenditeFür Deutschland:
Steuersatz ≈ 26,375 %
Rendite ≈ 8 %0.26375×0.08≈0.021
2,1% zusätzliche Rendite als Maximum bei einer 8% Rendite.
3,16% zusätzliche Rendite als Maximum bei einer 12% Rendite (was ja in guten Jahren durchaus machbar ist).
[/spoiler]
Funktioniert aber natürlich nur, wenn man ein volatiles Portfolio hat und tatsächlich die Verluste (und auch Gewinne) realisieren kann. Zudem müssen natürlich Spread, Transaktionskosten und verschiedene Verlust- und Gewinntöpfe bei z.B. Aktien und ETFs bedacht werden.
Und der Staat bekommt beim endgültigen Verkauf die Steuer weiterhin. Durch den Zinseszinseffekt ist das Depot dann allerdings größer, sodass auch die absolute Steuerlast höher ist als ohne Steuerstundung. Daher bekommt der Staat am Ende mehr absolute Steuer als ohne Stundung und sieht hier vermutlich keinen Bedarf zu handeln. Dazu gibt es sogar eine Entscheidung vom Finanzgericht Baden-Württemberg:
Dazu kommt, dass zurzeit ein Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht läuft, da die Trennung der Gewinn-/und Verlusttöpfe als Verfassungswidrig angesehen wird. Daher könnte das Modell zukünftig noch viel attraktiver werden und Aktienverluste mit anderen Kapitalerträgen verrechnet werden (sogar rückwirkend bis 2009).
Man kann es auch noch weiter auf die Spitze treiben. Indem man sich ausrechnet, was der maximale Verlusttopf für das Jahr ist, damit die Steuer vollständig gestundet wird.
Wenn man den Effekt regelmäßig nutzen kann (z. B. zweimal pro Jahr), entsteht eine Art kontinuierliche Steuerstundung. In einem Modell mit 100.000 € Startkapital, 8 % Rendite und jährlich zwei Mal etwa 20% verrechenbaren Verlusten kann das über 20 Jahre zu etwa 100.000 € zusätzlichem Vermögen führen und die 8% Rendite um etwa 1% verbessert werden.
Der maximale Renditevorteil durch Tax-Loss-Harvesting ist ungefähr: Für Deutschland: 0.26375×0.08≈0.021 2,1% zusätzliche Rendite als Maximum bei einer 8% Rendite.
Steuersatz × Rendite
Steuersatz ≈ 26,375 %
Rendite ≈ 8 %
3,16% zusätzliche Rendite als Maximum bei einer 12% Rendite (was ja in guten Jahren durchaus machbar ist).
Funktioniert aber natürlich nur, wenn man ein volatiles Portfolio hat und tatsächlich die Verluste (und auch Gewinne) realisieren kann. Zudem müssen natürlich Spread, Transaktionskosten und verschiedene Verlust- und Gewinntöpfe bei z.B. Aktien und ETFs bedacht werden.
Und der Staat bekommt beim endgültigen Verkauf die Steuer weiterhin. Durch den Zinseszinseffekt ist das Depot dann allerdings größer, sodass auch die absolute Steuerlast höher ist als ohne Steuerstundung. Daher bekommt der Staat am Ende mehr absolute Steuer als ohne Stundung und sieht hier vermutlich keinen Bedarf zu handeln. Dazu gibt es sogar eine Entscheidung vom Finanzgericht Baden-Württemberg:
Dazu kommt, dass zurzeit ein Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht läuft, da die Trennung der Gewinn-/und Verlusttöpfe als Verfassungswidrig angesehen wird. Daher könnte das Modell zukünftig noch viel attraktiver werden und Aktienverluste mit anderen Kapitalerträgen verrechnet werden (sogar rückwirkend bis 2009).