Bitte oder Registrieren, um Beiträge und Themen zu erstellen.

Finanzielles Ungleichgewicht in Partnerschaft

VorherigeSeite 4 von 11Nächste
Zitat von konsument am 21. Oktober 2024, 19:41 Uhr
Zitat von luxander am 21. Oktober 2024, 19:19 Uhr
Zitat von Laloba am 21. Oktober 2024, 16:57 Uhr

Echt? Aus meiner Sicht schimmert da ein antiquiertes Rollenbild durch. Der Mann als Alleinverdiener. Das mag ja für die beiden in Ordnung (gewesen) sein und ist vielleicht auch eine Generationenfrage. In Anbetracht der hohen Scheidungsquoten aber gewagt. Ich hätte größte Probleme damit ein solches Ungleichgewicht zu leben, unabhängig von der jeweiligen Rolle.

Sieht so aus, als wäre es ein Zitat von mir... war es aber nicht 😉

Es gibt verschiedene Faktoren wie man die Aufteilung bei gemeinsamen Kosten gestalten kann, z.B.:

  1. 50/50
  2. Anteilig zum Einkommen
  3. Anteilig zum Vermögen
  4. Anteilig zum potentiellen Humankapital (bspw. promovierter Akademiker geht lieber ins Bürgergeld)
  5. Unter Berücksichtigung zu erwartenden Erbschaften
  6. Unter Berücksichtigung einschränkenden Gegebenheiten (Krank, Migrationshintergrund, stinkfaul etc.)
  7. Berücksichtigung unbezahlte Care-Arbeit

Wichtig finde ich dies zu BEGINN der Beziehung zu klären. Bei gemeinsamer Einigung soll das jeder machen wie er will.

Nach einer gescheiterten Ehe ist mir wichtig, dass jeder für sich eigenständig existentiell in der Lage ist seinen oder vielmehr den gemeinsamen Lebensstandard zu leben. Deshalb wäre ein lala... Job oder im Bürgergeld abhängen usw. für mich ein No-Go von Beginn an.

Dass der finanziell stärkere mehr Kosten übernimmt bei Urlauben etc. ist für mich in Ordnung, ebenso den anderen bei vorzeitigen Ausstiegsplänen unter die Arme zu greifen, sofern dies finanziell machbar ist.

Finde spannend, was sich anscheinend einige von euch für riesige Gedanken darüber machen, was das für Konfliktpotenzial birgt.

In unserer Ehe ist das einfach gar kein Thema, "wessen" Vermögen wir gerade eigentlich aufbauen, wer irgendwelche Ausgaben zu stemmen hat, wer den Einkauf bezahlt, beim Tanken, usw. Es bezahlt hat derjenige, der die Karte schneller gezückt hat. Wir haben ausschliesslich aus dem Grund geheiratet das Leben gemeinsam verbringen zu wollen, entsprechend gibt es im Grunde gar keinen Individualbesitz mehr innerhalb der Beziehung. Das ist "unser Fernseher", "unsere Möbel", "unser Auto", "unser Depot", usw..

Wenn ich mir etwas Grösseres kaufen möchte, dann mache ich das und in dem jeweiligen Monat ist meine Sparrate dann halt geringer - bei meiner Frau das Gleiche. Aber darüber gibt es keine Diskussionen und auch keine Diskussionen in die Richtung: Du verdienst mehr als ich, also musst du jetzt mal bezahlen.

Völlig unvorstellbar. Finde es auch müssig. In einer normalen Börsenwoche schwankt das Depot häufig stärker, als unsere monatliche Sparrate ist.

Ihr habt aber meist viel mehr Lebenserfahrung als ich und es ist natürlich möglich, dass ich mir eines Tages denke "hättest du das mal lieber alles schriftlich geregelt".

In der aktuellen Situation ist es sehr entspannt und es gibt keinerlei Diskussionen über die Ausgaben im täglichen Leben.

mag ja auch nochmal was anderes sein wenn man verheiratet ist ,- wir sind es nicht und wollen das auch aktuell nicht ändern.

einmal kann man das so machen und bekommt man irgendwie korrigiert. Beim 2. Mal auch nicht existenzgefährdend aber merklich unangenehm.

Zitat von Sparschwein am 22. Oktober 2024, 13:47 Uhr

In unserer Ehe ist das einfach gar kein Thema, ... Wir haben ausschliesslich aus dem Grund geheiratet das Leben gemeinsam verbringen zu wollen, entsprechend gibt es im Grunde gar keinen Individualbesitz mehr innerhalb der Beziehung. ...

Das KANN aber Thema werden, wenn eine/r (oder beide) nach X Jahren das weitere Leben doch nicht mehr gemeinsam verbringen will/wollen ...

(Stichwort: Scheidung!)

Zitat von Sparschwein am 22. Oktober 2024, 13:47 Uhr

... Das ist ..., "unsere Möbel", "unser Auto", "unser Depot", ...

potentielles Problem - im Falle von Gutverdienern, wo die Grundbedürfnisse von der Hälfte oder einem Drittel der jeweiligen (guten) Einkommen bestritten werden:

Konsumgeile/r Partner/in kauft von dem übrigen Geld gerne eine schicke Wohnungseinrichtung, will einen 50 k€ SUV fahren, usw.

Frugale/r Partner/in kommt mit Secondhand-Möbeln aus zu Verschenken-Kleinanzeigen zurecht ... würde alle 2 Jahre einen frisch beTÜVten 500 bis 700 €-Gebrauchtwagen kaufen ...

Nach 10+ Jahren haben die Möbel und der SUV nur noch bescheidenen Restwert - das Depot vom nicht-verprassten Geld des/der  frugalen Partner/in steht hingegen bei mehrere 100 k€.

Und DANN kommt es zur Scheidung ...

Zitat von exitus2022 am 22. Oktober 2024, 14:48 Uhr

Konsumgeile/r Partner/in kauft von dem übrigen Geld gerne eine schicke Wohnungseinrichtung, will einen 50 k€ SUV fahren, usw.

...

Und DANN kommt es zur Scheidung ...

Ehe heißt doch Zugewinngemeinschaft dann wird natürlich 50/50 aufgeteilt egal wer wieviel verprasst hat. Wenn man das so nicht möchte sollte man entweder nicht heiraten oder sich nie scheiden lassen.

Zitat von Jan Veerman am 22. Oktober 2024, 14:53 Uhr

Ehe heißt doch Zugewinngemeinschaft dann wird natürlich 50/50 aufgeteilt egal wer wieviel verprasst hat. Wenn man das so nicht möchte sollte man entweder nicht heiraten oder sich nie scheiden lassen.

Ob frau das auch so sieht, wenn sie jahrelang sparsam gewirtschaftet hat - und dann feststellt, dass er "seine" Hälfte des gemeinsam erwirtschafteten Einnahmenüberschuß (also potentiellen "Zugewinns") im örtlichen Bordell verhurt hat?

Es gibt ja auch Gütertrennung, ein negatives Beispiel:  Er, Gutverdiener und ererbtem Vermögen (Immobilien) wünscht sich Gütertrennung,  Sie Hausfrau und Mutter der 3 Kinder.  Zum Renteneintritt Scheidung, Sie kriegt gerade mal die Hälfte der Rentenpunkte sonst nichts.  Auch heftig!

Ehe heißt doch Zugewinngemeinschaft dann wird natürlich 50/50 aufgeteilt egal wer wieviel verprasst hat. Wenn man das so nicht möchte sollte man entweder nicht heiraten oder sich nie scheiden lassen.

Oder eben, wie in meinem Fall geschehen, sich eine Partnerin suchen die ebenfalls nicht konsumorientiert lebt und mit der man einen gemeinsamen "Ausstieg" gestalten kann. Wenn das von den Grundideen nicht passt, dann besteht da immer hohes Konfliktpotenzial. Einer will noch arbeiten, unabhängig bleiben etc. und dann dümpelt man da alleine rum....auch nicht schön. Es ist und bleibt ein Abenteuer 😅

Wieso haben wir hier eigentlich so eine geringe Frauenquote unter den regelmäßigen Aktivisten?

Leider! "Wir" werden immer noch mit der Mär erzogen, heirate gut..... Ich kenne nur 3 Frauen, die sich um ihre Finanzen gut kümmern. Eine hat alleine eine Wohnung gekauft.... Eine andere, sagte mir stolz, ich habe eben, 58 Jahre, mit sparen begonnen. Ich... und was angelegt? Sie, nö, ich mache mir doch keinen Stress...... Teilweise gruselig.

Ich kann bestätigen, dass das Thema Geld unter den meisten Frauen, die ich kenne, nicht beliebt ist, vor allem nicht Altersvorsorge und Geldanlage.

Frauen kommen aus einer ganz anderen Richtung als Männer.

Bis 1958 hatte der Ehemann das gesetzlich verankerte Recht, das von seiner Frau in die Ehe eingebrachte Vermögen, die sich daraus ergebenden Zinsen und das Gehalt, das seine Frau verdiente, zu verwalten (sprich: darüber zu verfügen). Erst ab 1958 waren Frauen überhaupt berechtigt, ein eigenes Konto eröffnen und damit über ihr eigenes Geld zu entscheiden. (Was war all die Jahrhunderte davor los? Für Frauen wenig.)

Bis 1958 konnte ein Ehemann das Dienstverhältnis seiner Frau bei ihrem Arbeitgeber jederzeit kündigen (das muss man sich mal vorstellen...) – das heißt, er hatte es in der Hand, ob seine Frau arbeitete oder ggf. wo nicht.

Noch bis 1977 galt per Gesetz, dass eine Frau in der BRD nur dann berufstätig sein durfte, wenn das „mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar“ war. Btw: Aufgaben im Haushalt und in der Kindererziehung waren damit klar der Frau zugeordnet.

Diese Sozialisierung wurde über Generationen weiter gegeben und prägt selbst heute noch Frauen.

Ich selber wusste sehr früh, dass ich finanziell unabhängig sein wollte. Meine Mutter hatte keine andere Wahl, sie musste mit 14 in einen Haushalt (um die Herkunftsfamilie auch platzmäßig zu entlasten) und hat nach einem Jahr einen 6-köpfigen Haushalt mehr oder weniger alleine geschmissen. Als dann ihr Vater starb und meine Großmutter mit sechs minderjährigen Kindern alleine da stand, war an eine Ausbildung auch nicht mehr zu denken.

Im Bekanntenkreis ist einer Frau Folgendes passiert: Fast 25 Jahre lang war mit ihrer großen Liebe zusammen, aber nie geheiratet, keine Kinder. Sie hatten beide einen guten Job und wohnten in einem ansehnlichen Haus. Sie bezahlte alles rund um Lebensunterhalt und Urlaub, er steckte sein Geld vor allem ins Auto und zahlte die Hypothek für das Haus ab. Als ich das mal hörte, sagte ich zu meinem Partner, na hoffentlich steht sie auch im Grundbuch. Stand sie nicht (sie hatte das wohl mal angesprochen und er hat sie immer wieder vertröstet, ja, machen wir dann noch...). Der Mann hat sich irgendwann neu verliebt, sie musste ausziehen, stand ohne nennenswertes Vermögen da und ihm gehörte das fast abbezahlte Haus. Sie hat ihn vergebens um eine Ausgleichszahlung gebeten. Ein Recht darauf hatte sie ja nicht. Schließlich ging es ihr so schlecht, dass sie monatelang nicht arbeiten konnte und letztendlich ihren Job verloren hat.

 

Zitat von Laloba am 22. Oktober 2024, 1:03 Uhr
Zitat von konsument am 21. Oktober 2024, 19:41 Uhr
Zitat von luxander am 21. Oktober 2024, 19:19 Uhr
Zitat von Laloba am 21. Oktober 2024, 16:57 Uhr

Echt? Aus meiner Sicht schimmert da ein antiquiertes Rollenbild durch. Der Mann als Alleinverdiener. Das mag ja für die beiden in Ordnung (gewesen) sein und ist vielleicht auch eine Generationenfrage. In Anbetracht der hohen Scheidungsquoten aber gewagt. Ich hätte größte Probleme damit ein solches Ungleichgewicht zu leben, unabhängig von der jeweiligen Rolle.

Sieht so aus, als wäre es ein Zitat von mir... war es aber nicht 😉

Stimmt, macht so den Eindruck, ich lösche immer den ganzen Rattenschwanz der vielen Vorkommentare raus, wird sonst so unübersichtlich. Etwas zu wenig gelöscht.

Ich weiß das es nicht von Dir ist und finde Deine Einstellung gut 🙂

Schenken hat in meiner Wahrnehmung oft mit Statusgehabe zu tun.
Spätestens da merkt man, wer sich über seine Kaufkraft definiert.

Ich habe in der Familie erlebt, wie sich mit Geschenken völlig verhoben wird - und der Hobbypsychologe in mir sagt dass dabei das Glück des Beschenkten nicht immer im Vordergrund stand. Regelrechtes Wettschenken! Lass uns zusammenlegen, jeder gibt zu Tante Friedas Geschenk bitte 700€! Und nein, die Familie ist kein Old-Money-Adel, vielmehr ist die persönliche EK-Quote nicht so doll.

Will sagen Zugzwang beim Schenken ist kein Privileg für Wohlbetuchte.

Meine eigene Einstellung zu Geschenken hat sich über die Jahre sehr gewandelt. In der Vergangenheit habe ich sie auch als Zeichen von Liebe und Wertschätzung bewertet (sowohl beim Geben als beim Bekommen) - und das ist eben genau die Situation wo man über "Angemessenheit" oder "Gerechtigkeit" beim Schenken grübeln muss.

Geschenke sind toll, wenn sie vom Herzen kommen.
Geschenke sind keine Einkaufsliste zum Abhaken.
Geschenke sind kein Werkzeug um finanzielle Über-/Unterlegenheit zu demonstrieren
Geschenke sind kein Instrument um Zugzwang zu erzeugen.

Damit sind sie für mich gar kein Bestandteil der Challenge um das ungleiche Einkommen.

Aber auch dazu noch unser Lösungsweg:
Es kommt alles in einen Topf. Unser gemeinsamer Konsum passt zu dem was da drin ist und zu unseren Zielen.

 

Zitat von Laloba am 22. Oktober 2024, 18:40 Uhr

 

Bis 1958 hatte der Ehemann das gesetzlich verankerte Recht, das von seiner Frau in die Ehe eingebrachte Vermögen, die sich daraus ergebenden Zinsen und das Gehalt, das seine Frau verdiente, zu verwalten (sprich: darüber zu verfügen). Erst ab 1958 waren Frauen überhaupt berechtigt, ein eigenes Konto eröffnen und damit über ihr eigenes Geld zu entscheiden. (Was war all die Jahrhunderte davor los? Für Frauen wenig.)

Bis 1958 konnte ein Ehemann das Dienstverhältnis seiner Frau bei ihrem Arbeitgeber jederzeit kündigen (das muss man sich mal vorstellen...) – das heißt, er hatte es in der Hand, ob seine Frau arbeitete oder ggf. wo nicht.

Noch bis 1977 galt per Gesetz, dass eine Frau in der BRD nur dann berufstätig sein durfte, wenn das „mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar“ war. Btw: Aufgaben im Haushalt und in der Kindererziehung waren damit klar der Frau zugeordnet.

Diese Sozialisierung wurde über Generationen weiter gegeben und prägt selbst heute noch Frauen.

Das Ganze ist natürlich ein zweischneidiges Schwert - du beleuchtest aber nur eine Seite - bewusst?

Lass mich es einmal überspitzt aus der anderen Perspektive formulieren:

Seit einigen Jahrzehnten müssen Frauen auf einmal recht substanziell finanziell zum Familieneinkommen durch Lohnarbeit außerhalb des Haushalts beitragen, da es ansonsten für diese Gemeinschaft nicht mehr reicht. Eine Situation, die es vorher so noch nie gab.

Scheidungsraten sind so hoch wie nie. Geburtenraten sind so tief wie nie.

Ich finde es nicht richtig diese Entwicklungen einzig als positiv für Frauen im speziellen und für unsere Gesellschaft im Allgemeinen darzustellen.

Zitat von Sparschwein am 22. Oktober 2024, 20:08 Uhr
Zitat von Laloba am 22. Oktober 2024, 18:40 Uhr

 

Bis 1958 hatte der Ehemann das gesetzlich verankerte Recht, das von seiner Frau in die Ehe eingebrachte Vermögen, die sich daraus ergebenden Zinsen und das Gehalt, das seine Frau verdiente, zu verwalten (sprich: darüber zu verfügen). Erst ab 1958 waren Frauen überhaupt berechtigt, ein eigenes Konto eröffnen und damit über ihr eigenes Geld zu entscheiden. (Was war all die Jahrhunderte davor los? Für Frauen wenig.)

Bis 1958 konnte ein Ehemann das Dienstverhältnis seiner Frau bei ihrem Arbeitgeber jederzeit kündigen (das muss man sich mal vorstellen...) – das heißt, er hatte es in der Hand, ob seine Frau arbeitete oder ggf. wo nicht.

Noch bis 1977 galt per Gesetz, dass eine Frau in der BRD nur dann berufstätig sein durfte, wenn das „mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar“ war. Btw: Aufgaben im Haushalt und in der Kindererziehung waren damit klar der Frau zugeordnet.

Diese Sozialisierung wurde über Generationen weiter gegeben und prägt selbst heute noch Frauen.

Das Ganze ist natürlich ein zweischneidiges Schwert - du beleuchtest aber nur eine Seite - bewusst?

Lass mich es einmal überspitzt aus der anderen Perspektive formulieren:

Seit einigen Jahrzehnten müssen Frauen auf einmal recht substanziell finanziell zum Familieneinkommen durch Lohnarbeit außerhalb des Haushalts beitragen, da es ansonsten für diese Gemeinschaft nicht mehr reicht. Eine Situation, die es vorher so noch nie gab.

Scheidungsraten sind so hoch wie nie. Geburtenraten sind so tief wie nie.

Ich finde es nicht richtig diese Entwicklungen einzig als positiv für Frauen im speziellen und für unsere Gesellschaft im Allgemeinen darzustellen.

Ich habe beschrieben, wie die Bedingungen für Frauen bis über die Mitte des letzten Jahrhunderts waren. Die Gesetze, die es damals gab, haben die finanzielle Autonomie von Frauen untergraben und diese finanziell von Männern abhängig gemacht, wenn diese es wollten. Das ist Fakt, so war die Gesetzeslage. Und es ist definitiv positiv, dass es diese Gesetze nicht mehr gibt.

Denn: Frauen müssen die Wahl haben (muss man das im 21. Jahrhundert wirklich noch aussprechen?). Ich habe nichts gegen Frauen, die Kinder kriegen und zu Hause bleiben oder länger Elternzeit nehmen. Das sind freie Lebensentscheidungen. Es ist dann nur zu hoffen, dass es finanziell fair abläuft für beide Seiten.

Du sprichst einen ganz anderen Aspekt an. Dass Frauen vielleicht nicht die Wahl haben, weil sie zum Familieneinkommen beitragen müssen.

Da geht es doch vielmehr um die Frage von Einkommenshöhen, Inflation, Steuern, Sozialabgaben, Kindergeld etc.

Das ist ein weites Feld...

Btw: Ich stehe nicht als Projektionsfläche zur Verfügung, nur weil ich gesagt habe, dass ich immer schon wusste, dass ich finanziell unabhängig sein will. Das muss jede Frau selber wissen und auch jeder Mann. Ich kann mir grundsätzlich verschiedene Modelle vorstellen und habe auch schon verschiedene gelebt. Was möglich ist, hängt auch von den Persönlichkeiten ab, die zusammen treffen.

 

Zitat von Laloba am 22. Oktober 2024, 20:47 Uhr
Zitat von Sparschwein am 22. Oktober 2024, 20:08 Uhr
Zitat von Laloba am 22. Oktober 2024, 18:40 Uhr

 

Bis 1958 hatte der Ehemann das gesetzlich verankerte Recht, das von seiner Frau in die Ehe eingebrachte Vermögen, die sich daraus ergebenden Zinsen und das Gehalt, das seine Frau verdiente, zu verwalten (sprich: darüber zu verfügen). Erst ab 1958 waren Frauen überhaupt berechtigt, ein eigenes Konto eröffnen und damit über ihr eigenes Geld zu entscheiden. (Was war all die Jahrhunderte davor los? Für Frauen wenig.)

Bis 1958 konnte ein Ehemann das Dienstverhältnis seiner Frau bei ihrem Arbeitgeber jederzeit kündigen (das muss man sich mal vorstellen...) – das heißt, er hatte es in der Hand, ob seine Frau arbeitete oder ggf. wo nicht.

Noch bis 1977 galt per Gesetz, dass eine Frau in der BRD nur dann berufstätig sein durfte, wenn das „mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar“ war. Btw: Aufgaben im Haushalt und in der Kindererziehung waren damit klar der Frau zugeordnet.

Diese Sozialisierung wurde über Generationen weiter gegeben und prägt selbst heute noch Frauen.

Das Ganze ist natürlich ein zweischneidiges Schwert - du beleuchtest aber nur eine Seite - bewusst?

Lass mich es einmal überspitzt aus der anderen Perspektive formulieren:

Seit einigen Jahrzehnten müssen Frauen auf einmal recht substanziell finanziell zum Familieneinkommen durch Lohnarbeit außerhalb des Haushalts beitragen, da es ansonsten für diese Gemeinschaft nicht mehr reicht. Eine Situation, die es vorher so noch nie gab.

Scheidungsraten sind so hoch wie nie. Geburtenraten sind so tief wie nie.

Ich finde es nicht richtig diese Entwicklungen einzig als positiv für Frauen im speziellen und für unsere Gesellschaft im Allgemeinen darzustellen.

Ich habe beschrieben, wie die Bedingungen für Frauen bis über die Mitte des letzten Jahrhunderts waren. Die Gesetze, die es damals gab, haben die finanzielle Autonomie von Frauen untergraben und diese finanziell von Männern abhängig gemacht, wenn diese es wollten. Das ist Fakt, so war die Gesetzeslage. Und es ist definitiv positiv, dass es diese Gesetze nicht mehr gibt.

Dem habe ich nicht widersprochen. Ich habe lediglich die damit in Hand gehenden gesellschaftlichen Entwicklungen kritisiert.

Denn: Frauen müssen die Wahl haben (muss man das im 21. Jahrhundert wirklich noch aussprechen?). Ich habe nichts gegen Frauen, die Kinder kriegen und zu Hause bleiben oder länger Elternzeit nehmen. Das sind freie Lebensentscheidungen.

Otto Normals weibliches Pendant, nennen wir sie mal Lisa Normal, kann sich eben nicht frei entscheiden in 2024, da es in ganz ganz vielen Fällen einfach eine ökonomische Notwendigkeit gibt, dass beide Partner (nahezu) Vollzeit arbeiten müssen - ob sie wollen, oder nicht. Das ist das genaue Gegenteil von freier Entscheidung.

Es ist dann nur zu hoffen, dass es finanziell fair abläuft für beide Seiten.

Richtig, und in Standard-Ehen, mit Zugewinngemeinschaft, läuft es gesetzlich ja schon einmal fairer als wenn man einfach als Freund und Freundin in wilder Ehe zusammenlebt.

Du sprichst einen ganz anderen Aspekt an. Dass Frauen vielleicht nicht die Wahl haben, weil sie zum Familieneinkommen beitragen müssen.

Richtig.

Da geht es doch vielmehr um die Frage von Einkommenshöhen, Inflation, Steuern, Sozialabgaben, Kindergeld etc.

Das ist ein weites Feld...

Da geht es auch darum, dass Millionen von Menschen auf einen Schlag in den europäischen Arbeitsmarkt gekommen sind, die diesem so zuvor nicht zur Verfügung standen. Dies hat die Position des einzelnen Arbeitnehmers natürlich geschwächt.

Btw: Ich stehe nicht als Projektionsfläche zur Verfügung, nur weil ich gesagt habe, dass ich immer schon wusste, dass ich finanziell unabhängig sein will.

Aber deine Aussagen mit Anspruch der Allgemeingültigkeit kritisch hinterfragen darf ich noch?

Das muss jede Frau selber wissen und auch jeder Mann.

Richtig.

Ich kann mir grundsätzlich verschiedene Modelle vorstellen und habe auch schon verschiedene gelebt. Was möglich ist, hängt auch von den Persönlichkeiten ab, die zusammen treffen.

Auch richtig.

Viele Grüße

Spoiler
Zitat von Sparschwein am 22. Oktober 2024, 21:28 Uhr
Zitat von Laloba am 22. Oktober 2024, 20:47 Uhr
Zitat von Sparschwein am 22. Oktober 2024, 20:08 Uhr
Zitat von Laloba am 22. Oktober 2024, 18:40 Uhr

 

Bis 1958 hatte der Ehemann das gesetzlich verankerte Recht, das von seiner Frau in die Ehe eingebrachte Vermögen, die sich daraus ergebenden Zinsen und das Gehalt, das seine Frau verdiente, zu verwalten (sprich: darüber zu verfügen). Erst ab 1958 waren Frauen überhaupt berechtigt, ein eigenes Konto eröffnen und damit über ihr eigenes Geld zu entscheiden. (Was war all die Jahrhunderte davor los? Für Frauen wenig.)

Bis 1958 konnte ein Ehemann das Dienstverhältnis seiner Frau bei ihrem Arbeitgeber jederzeit kündigen (das muss man sich mal vorstellen...) – das heißt, er hatte es in der Hand, ob seine Frau arbeitete oder ggf. wo nicht.

Noch bis 1977 galt per Gesetz, dass eine Frau in der BRD nur dann berufstätig sein durfte, wenn das „mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar“ war. Btw: Aufgaben im Haushalt und in der Kindererziehung waren damit klar der Frau zugeordnet.

Diese Sozialisierung wurde über Generationen weiter gegeben und prägt selbst heute noch Frauen.

Das Ganze ist natürlich ein zweischneidiges Schwert - du beleuchtest aber nur eine Seite - bewusst?

Lass mich es einmal überspitzt aus der anderen Perspektive formulieren:

Seit einigen Jahrzehnten müssen Frauen auf einmal recht substanziell finanziell zum Familieneinkommen durch Lohnarbeit außerhalb des Haushalts beitragen, da es ansonsten für diese Gemeinschaft nicht mehr reicht. Eine Situation, die es vorher so noch nie gab.

Scheidungsraten sind so hoch wie nie. Geburtenraten sind so tief wie nie.

Ich finde es nicht richtig diese Entwicklungen einzig als positiv für Frauen im speziellen und für unsere Gesellschaft im Allgemeinen darzustellen.

Ich habe beschrieben, wie die Bedingungen für Frauen bis über die Mitte des letzten Jahrhunderts waren. Die Gesetze, die es damals gab, haben die finanzielle Autonomie von Frauen untergraben und diese finanziell von Männern abhängig gemacht, wenn diese es wollten. Das ist Fakt, so war die Gesetzeslage. Und es ist definitiv positiv, dass es diese Gesetze nicht mehr gibt.

Dem habe ich nicht widersprochen. Ich habe lediglich die damit in Hand gehenden gesellschaftlichen Entwicklungen kritisiert.

Denn: Frauen müssen die Wahl haben (muss man das im 21. Jahrhundert wirklich noch aussprechen?). Ich habe nichts gegen Frauen, die Kinder kriegen und zu Hause bleiben oder länger Elternzeit nehmen. Das sind freie Lebensentscheidungen.

Otto Normals weibliches Pendant, nennen wir sie mal Lisa Normal, kann sich eben nicht frei entscheiden in 2024, da es in ganz ganz vielen Fällen einfach eine ökonomische Notwendigkeit gibt, dass beide Partner (nahezu) Vollzeit arbeiten müssen - ob sie wollen, oder nicht. Das ist das genaue Gegenteil von freier Entscheidung.

Es ist dann nur zu hoffen, dass es finanziell fair abläuft für beide Seiten.

Richtig, und in Standard-Ehen, mit Zugewinngemeinschaft, läuft es gesetzlich ja schon einmal fairer als wenn man einfach als Freund und Freundin in wilder Ehe zusammenlebt.

Du sprichst einen ganz anderen Aspekt an. Dass Frauen vielleicht nicht die Wahl haben, weil sie zum Familieneinkommen beitragen müssen.

Richtig.

Da geht es doch vielmehr um die Frage von Einkommenshöhen, Inflation, Steuern, Sozialabgaben, Kindergeld etc.

Das ist ein weites Feld...

Da geht es auch darum, dass Millionen von Menschen auf einen Schlag in den europäischen Arbeitsmarkt gekommen sind, die diesem so zuvor nicht zur Verfügung standen. Dies hat die Position des einzelnen Arbeitnehmers natürlich geschwächt.

Btw: Ich stehe nicht als Projektionsfläche zur Verfügung, nur weil ich gesagt habe, dass ich immer schon wusste, dass ich finanziell unabhängig sein will.

Aber deine Aussagen mit Anspruch der Allgemeingültigkeit kritisch hinterfragen darf ich noch?

Das muss jede Frau selber wissen und auch jeder Mann.

Richtig.

Ich kann mir grundsätzlich verschiedene Modelle vorstellen und habe auch schon verschiedene gelebt. Was möglich ist, hängt auch von den Persönlichkeiten ab, die zusammen treffen.

Auch richtig.

Viele Grüße

Mach einfach unabhängig von mir einen Post zu deinem Anliegen auf. Das hat nichts mit dem zu tun, was ich gesagt habe.

Erläuter es nochmal und stelle es zur Diskussion.

 

 

Zitat von Sparschwein am 22. Oktober 2024, 20:08 Uhr
Zitat von Laloba am 22. Oktober 2024, 18:40 Uhr

...

Bis 1958 konnte ein Ehemann das Dienstverhältnis seiner Frau bei ihrem Arbeitgeber jederzeit kündigen

... aus der anderen Perspektive formulieren:

Seit einigen Jahrzehnten müssen Frauen auf einmal recht substanziell finanziell zum Familieneinkommen durch Lohnarbeit außerhalb des Haushalts beitragen, da es ansonsten für diese Gemeinschaft nicht mehr reicht. ...

WOFÜR reicht es nicht?

Ein 50er- bis 60er-Jahre-Durchschnittslebenstandard sollte auch heute von einem Mediangehalt zu finanzieren sein:

- kleine 3ZKB als Familienwohnung

- statt des Lloyd den billigsten aktuell (gebraucht) verfügbaren Kleinwagen

- Sommerfrische bei den Großeltern oder best case Camping (im Zelt) in Italien als Jahresurlaub

- des jüngere Kind trägt die Klamotten des älteren auf ...

@laloba du hast sehr schön beschrieben wie sich die finanzielle Verantwortung in Deutschland gesetzlich geändert hat.
In anderen Kulturen wie z.B. Japan habe ich mir sagen lassen das sich dort meist die Frau um die finanziellen Angelegenheiten wie Investitionen etc. kümmert. Zudem sind die Frauen dort sehr erfolgreich im investieren. Selbst wenn sie als Hausfrau zu Hause bleiben verdienen sie mehr Geld als ihr Mann da sie sehr klug investieren und sich gerne damit auseinandersetzten.
Eigentlich komisch warum das nicht hier zu uns rüber kommt.
Bei uns ist es gerade so das meine Frau 75% arbeitet und ich 0% mich dafür aber um den Haushalt und die Kinder kümmere und nebenher um die Finanzen. Ab März werde ich auch 50% arbeiten werde meine Zeiten aber so legen das ich immer zu Hause sein kann wenn die Kinder mal Krank sind bzw. wenn sie von der Schule kommen. Meiner Frau war das sehr wichtig und ich habe dem gerne zugestimmt. Meine Frau könnte bestimmt noch viel besser als ich investieren hat aber leider überhaupt kein Interesse an Zahlen.

VorherigeSeite 4 von 11Nächste