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Ein Hallo aus dem Oberbergischen

Hallo,

auch ich bin seit vielen Monaten eine stille Mitleserin hier und auch auf anderen Blogs und Seiten zum Thema FIRE und Minimalismus.

Angemeldet oder geschrieben habe ich bislang noch nicht, da wir eigentlich alles falsch gemacht haben, was man falsch machen kann...Und wenn man dann die tollen Erfolge hier liest, muss man sich erst einmal einen Ruck geben, um auch zu schreiben. Da wir das denkmalgeschützte Elternhaus unseres Mannes gerne "retten" wollten, haben wir einiges an Geld bei der versuchten Sanierung gelassen und mussten aufgrund schwerer Schäden doch Abreißen. Dann haben wir neu gebaut - eigentlich geplant für Familie und stattdessen sind wir aber auch im Club der DINKI-Paare.

Dummerweise sitzen wir nun auf 140m2 und ich habe den Minimalismus für mich entdeckt. Zu fragen, was genau man eigentlich braucht und auch Konsumwünsche zu hinterfragen, hat bei mir ein großes Umdenken in Kraft gesetzt. Hier auf dem Land ist es unmöglich, mit dem Bus zur Arbeit zu kommen. Wir haben also noch unsere Autos, meins ist allerdings 10 Jahre alt, hat Kratzer und Dellen und mittlerweile finde ich das sehr befreiend. Haut mir jemand die Autotür beim Einkaufen gegen meine Seitenwand, muss ich mich nicht aufregen (erst vor ein paar Monaten passiert). Im Haus ist es allerdings sehr übersichtlich geworden. Vom begehbaren Kleiderschrank sind zwei kleine IKEA-Schränke übrig geblieben, der Rest ist verschenkt, verkauft usw. Der Fernseher ist verschenkt worden, da er sowieso nicht genutzt wurde. Mit noch vorhandenen Dekoartikeln und Service/Geschirr für Weihnachten und sonstigen unnützigen Kram haben dann weitere Gegenstände unser Haus verlassen - zum Schluss gingen die Vitrinen, weil die leer auch irgendwie keinen Sinn haben. Es ist sehr überschaubar und mein Mann und ich leben auf der unteren Etage. Das Gästebad ist unser Hauptbad und das große Hauptbad sieht aus wie aus dem Katalog - es wird nämlich nie benutzt. Wir haben uns entschieden, unser Haus zu verkaufen, wenn wir einen angemessenen Preis erhalten. Wir schwanken noch zwischen kleiner Eigentumswohnung (mein Mann) und Miete (ich, habe den Kommer gelesen ;).  Ich kann nur jedem raten, ganz genau zu überlegen, wieviel Platz man braucht. Gerade auf dem Land wird alles unter 100m2 ganz argwöhnisch betrachtet. Wir hatten ursprünglich eine Familie geplant, aber das Leben lässt sich halt nicht planen. Ehrlich gesagt denke ich mittlerweile, dass man auch mit Familie keine teuren 140m2 Neubau benötigt. Wir würden es ganz anders machen und gucken, ob wir unsere Entscheidung noch zu einem guten Preis rückgängig machen können - was natürlich dafür sorgt, dass wir hier im Dorf für ordentlich Gesprächsstoff sorgen.

So tolle Sparraten wie ihr haben wir natürlich nicht und wir haben auch zu spät angefangen. Mein Mann ist 39, ich bin 32. Allerdings haben wir ein gutes Einkommen und haben trotz Hausabriss und parallel dazu Neubau schon jeden Monat 400 € in ein Depot sparen können (Dimensional Funds). Damals habe ich mir das Depot zusammen stellen noch nicht selber zugetraut und wir haben diese über einen Honorarberater einrichten lassen. Mein Mann hatte den Traum, noch zu studieren und das haben wir mit monatlich 300 € ebenfalls noch stemmen können, dieses Geld fließt jetzt auch in Depots. Ich habe zur Hälfte MSCI World/EU/EMG und zur Hälfte Einzelaktien, die per Sparplan bespart werden. Natürlich tilgen wir auch noch unser Haus mit einer hohen Tilgung. Momentan zähle ich das nicht zur Sparrate. Wäre das Haus verkauft, könnten wir höhere Beträge einbringen und kämen eventuell auf 50 % Sparrate. Momentan sind es leider "nur" 25 %,  auf die ich allerdings auch schon stolz bin.

Unser Ziel ist gar nicht die finanzielle komplette Freiheit (wir haben das Glück, dass wir unsere Jobs sehr gerne ausüben), aber die Möglichkeit, mit ca. 50 in Teilzeit weiterzuarbeiten. Ich freue mich auf den Austausch hier und auf weiterhin interessante Beiträge.

Hallo Kirschbaum :),

so schlecht klingt das doch alles gar nicht. Jeder geht seinen individuellen Weg, was Du in Deinem Beitrag beschreibst klingt sehr durchdacht.

Jeder hat wohl seine Entscheidungen im Leben getroffen und hinterher ist man schlauer; nur dass man eben nicht weiss wie es gewesen wäre, hätte man sich anders entschieden. Für eine Korrektur ist es nie zu spät, und ich glaube auch nicht, dass man zuviel korrigieren sollte; buy and hold gilt vielleicht für jede Entscheidung im Leben. Manchmal ist es besser, die Dinge durchzuziehen. Das Dorfgespräch hat im Zeitalter der sozialen Medien moderne Nachfolger gefunden, z.B. Facebook. Muss man wohl irgendwie mit umgehen, loswerden ist schwer 😉

 

 

Achte auf deine Gedanken! Sie sind der Anfang deiner Taten.

Hallo Ernst,

danke für deine Antwort. Wahrscheinlihc hast du recht und man ist hinterher immer schlauer, dass ist dann wohl die sogenannte Lebenserfahrung ;).

Wir versuchen buy und hold seit einigen Jahren im Depot zu fahren, es wird bespart und einmal im Jahr drauf geschaut, klappt ganz gut. Beim Haus ist es nur wirklich ärgerlich, da es für 2 Personen halt einfach keinen Nutzen bietet bzw. für uns halt nicht. Wir haben gelernt, dass wir eigentlich viel weniger brauchen und ich mich mit dem Überangebot an Platz auch nicht wirklich wohl fühle. Schauen wir mal, ob es mit dem Verkaufen klappt, dann würde ich mich schon auf eine kleine gemütliche Wohnung freuen und das Depot mit 50 % besparen :).

Deswegen finde ich den Austausch im Internet in diversen Blogs oder diesem Forum hier wirklich hilfreich. Ich habe angefangen zu überlegen, was genau wir eigentlich brauchen. Und irgendwann mit 50 in Teilzeit zu arbeiten und sich dann auch auf den Job freuen und ein großzügiges Sicherheitspolster zu haben, ist uns deutlich mehr wert, als das Statusauto, die Statusmarken usw. Das findet vielleicht bei uns auf dem Dorf keinen Anklang, aber umso besser, dass man hier ein paar Gleichgesinnte findet ;).

Hallo Cherrytree,

ich finde auch, dass Ihr vieles richtig gemacht habt und vor allem seid Ihr beide mit 32 und 39 echt noch jung und könnt noch richtig viel in Eurem Leben ändern!

Da könnte ich ja viel mehr kühmen, denn ich habe aus heutiger Sicht einige Fehler gemacht, das falsche studiert (dem Druck der Eltern gebäugt), einen für mich nicht so tollen Beruf ergriffen, materiellen Dingen hinterher gelaufen die mich nicht glücklich gemacht haben, mehrere Beziehungen gingen nach vielen Jahren in die Brüche, uvm...

Andererseits habe ich viel erlebt, habe 10 (!) Jahre studiert, dabei professionell Sport betrieben, war 7 Jahre Trainer im Nachwuchs, habe viele Länder wie Kanada, Skandinavien, Südamerika (teils auch bis zu 6-7 Wochen) bereist. Da waren auch viele schöne Erlebnisse und schöne Zeiten dabei, die ich nicht missen möchte.

Mit 54 habe ich dann entdeckt, dass ich so vieles nicht mehr brauche, mein Leben vereinfachen möchte, weniger arbeiten möchte. Minimalismus und Frugalismus führten da symbiotisch, fast zwangsläufig zusammen. Abschreckendes Beispiel sind für mich meine Eltern, die ein Haus haben, dass vom Keller bis zum Speicher voll ist und 95% nicht gebraucht wird. Mein Vater ist vor 1,5 Jahren gestorben und ich räume und entsorge bis heute und immer noch ist alles voll... fürchterlich. Meine Eltern sind halt Kriegsgeneration und ich nehme Ihnen das nicht übel. Aber so möchte ich niemals enden. Ich möchte jetzt in den nächsten 5 Jahren so viel wie möglich sparen und dann aufhören zu arbeiten (vielleicht noch was Kleines, Sinnvolles zu 450€). Dann ist meine Wohnung abbezahlt, aber mal sehen was die nächsten Jahre so bringen... 🙂

Wie Ernst schon angemerkt hat, so viel falsch gemacht habt Ihr garnicht! Jeder macht Fehler! Wichtig ist, dass man sie erkennt und noch wichtiger ist dass man aus ihnen lernt und etwas verändert! (das war das Wort zum Pfingstmontag 🙂 )

Viele Grüße aus dem Bergischen Land! 😉

Hallo an den Nachbarn ;),

 

ja, das mit den Eltern kommt mir bekannt vor. Meine Mutter sammelt viele Dekogegenstände und kann nicht verstehen, dass wir keine Deko für unterschiedliche Jahreszeiten haben - noch nicht mal einen Weihnachtsbaum. Aber jeder ist halt verschieden, ich hab nur den Eindruck, dass aufs Wesentliche reduzierte Räume mich eher beruhigen. Zum Glück haben wir keinen Keller und auf dem Speicher stehen zwei Koffer, so kann es gerne bleiben.

Dein Ziel ist ja quasi eine vorgezogene Frührente, ich drücke die Daumen, dass es klappt. Anders als Oli kann ich mir gar nicht vorstellen, komplett in Rente zu gehen, da ich meine Arbeit wirklich sehr gerne mache. Allerdings wäre ich glaube ich sehr glücklich über mehr Freizeit und eine 30 Stunden Woche mit hoher Sparrate wäre das absolute Optimum, um auch noch Freizeit zu haben. So viele Länder wie du habe ich noch nicht gesehen und bin froh, dass ich im Studium zwei Monate in Südafrika war, eine tolle Erinnerung. Wir sind auch am Überlegen, ob wir nicht, wenn wir unser Ziel in vielleicht 10 Jahren teilweise erreicht haben, immer mal einen Monat unbezahlten Urlaub an den normalen Urlaub pro Jahr dranhängen - ich würde gerne mal die Alpen überqueren. Sehr inspirierend ist hier Christof Herrmann mit seinem Blog einfachbewusst.de (weiß nicht, ob man hier verlinken darf). So etwas in der Art einmal pro Jahr als Mini-Auszeit wäre ein Teilziel, auf das es sich lohnt, hinzuarbeiten.