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Der Gebert Indikator

Richtig - zum 1.1.21 den offiziellen Wert zum 30.11.20 mit dem offiziellen Wert zum 30.11.19 vergleichen:

“Liegt die von Eurostat festgestellte Inflationsrate für die Eurozone, – also der harmonisierte Verbraucherpreisindex – , unter jener vom gleichen Monat des Vorjahres, bedeutet dies einen Punkt. Ein Gleichstand der Inflation oder ein Inflationsanstieg im Zwölfmonatsvergleich werden hingegen mit null Punkten gewertet.
Zu beachten ist hierbei, dass die von Eurostat am Anfang des Monats veröffentlichten Werte nur als Schätzwert angegeben werden und erst 14 Tage später als amtlicher Wert gekennzeichnet sind. Daher geht der Teilindikator Inflation immer einem Monat später ein. (Die "vorzeitige" Nutzung des Schätzwertes führt nicht zum Erfolg.)“ (Quelle: Wikipedia)

Achte auf deine Gedanken! Sie sind der Anfang deiner Taten.

Gebert-Indikator für Februar 2021:

Leitzins (gesenkt): 1

Jahreszeit (Nov.-Apr.): 1

Inflation -0,3 (Vorjahr 1,3): 1

Dollar 0,8240 € (Vorjahr 0,9048 €): 0

Gesamt: 3 Punkte (Kaufen/Halten)

 

Gebert-Indikator für März 2021:

Leitzins (gesenkt): 1

Jahreszeit (Nov.-Apr.): 1

Inflation 0,9 (Vorjahr 1,4): 1

Dollar 0,8250 € (Vorjahr 0,9110 €): 0

Gesamt: 3 Punkte (Kaufen/Halten)

Aktuell gibt es keine wesentlichen Veränderungen. Die Inflation ist wieder deutlich gestiegen. Das hängt zum Einen mit den nun kontinuierlich steigenden Energiepreisen zusammen, zum Anderen gibt es hier seit Jahresbeginn einige Sondereffekte, die den Wert verzerren. Dazu gehört z.B. der Wegfall der Mehrwertsteuer-Senkung und die neue CO2-Abgabe. Dennoch ist die Entwicklung des Teil-Indikators Inflation in nächster Zeit sehr bedeutungsvoll. Sollte er weiter auf diesem Niveau bleiben, könnte dies bereits im Mai zu einem Verkauf-Signal führen. Spätestens im Juli wird es aber eng und ein Verkaufsignal sehr wahrscheinlich.

Beim Dollar sehe ich so gut wie keine Chancen, dass er in den nächsten Monaten nochmal auf 1 wechselt. Der Wert des Leitzins ist quasi schon zu einer festen Größe geworden und die Saison ist ebenfalls zyklisch fest definiert. Damit entscheidet also nur noch die Inflation über "Leben und Tod".

Eine Korrektur ist aber auch aus anderen Gründen wahrscheinlich. So zeigt z.B. die sogenannte Advance-Decline-Line im DAX seit etwa zwei Monaten einen fallenden Trend, während der Index sich seitwärts bis leicht steigend präsentiert. Auch wenn ich kein Freund der technischen Analyse bin, so ist das doch ein Alarmsignal, denn das aktuelle Kursniveau wird damit von immer weniger Werten getragen und nicht mehr von der breiten Masse der Titel. Die AD-Line ist ein einfacher Indikator, der als Zeitreihe die kumulierten täglichen Differenzen zwischen der Anzahl gestiegener und gefallener Aktien berechnet.

Allerdings vermute ich, dass die nächsten Wochen noch freundlich bleiben, denn März und April sind statistisch gesehen die stärksten Monate. Dies liegt auch daran, dass in den Monaten März und April im DAX der sogenannte Dividendenaufschlag aufgebaut wird. Dies sieht man deutlich, wenn man die langjährig gemittelten Kursverläufe des DAX-Performance und des DAX-Kurs-Index übereinander legt (s.Grafik - Quelle: http://gebertbrief.de).

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Vielen Dank für den Gebert Index und die wie immer sehr interessante Kommentierung dazu!

2 Anmerkungen:

Im Dax(Performanceindex) sind halt die Dividenden drin und im Kursindex nicht und da der Dax vielleicht eine Dividendenrendite von 3% aufweist, ist der Unterschied doch logisch,

außerdem zum Mehrwertsteuereffekt: Der kann ja im Jahresvergleich nicht nicht maßgeblich sein, da die Mehrwertsteuersenkung ja erst zum 1.7. stattfand

Gebert-Indikator für April 2021:

Leitzins (gesenkt): 1

Jahreszeit (Nov.-Apr.): 1

Inflation 0,9 (Vorjahr 1,2): 1

Dollar 0,8529 € (Vorjahr 0,9127 €): 0

Gesamt: 3 Punkte (Kaufen/Halten)

Wie zu erwarten war, bleibt es für April bei drei Punkten und damit bei einem Kauf-Signal. Allerdings kommen die dunklen Wolken sehr rasch näher. Wie es aussieht wird es wohl bereits im Mai ein Verkauf-Signal geben. Schuld ist die Inflation, die ist nämlich im April erneut gestiegen. Der Dollar wird das nicht kompensieren können, dazu ist die Differenz zum Vorjahr einfach zu groß und somit fallen im Mai dann gleich zwei Punkte weg. Da sich der DAX in den letzten Monaten stetig von einem Rekordhoch zum nächsten gehangelt hat, dürfte eine größere Korrektur auch nicht wirklich überraschen. Das heißt: das schöne Börsenwetter nochmal genießen! Vor den Feiertagen sind die Kurse statistisch gesehen meist positiv. Dann sollte man aber schon langsam das Depot wetterfest machen. Ich vermute, dass es bereits ab Mitte April ungemütlich werden könnte.

Wenn die These stimmt und die Fed die Geldschleusen weiter offen hält, dann glaube ich auch nach einem Gebert-Verkaufssignal, nur an einer kleinen Delle im übergeordneten Aufwärtstrend, zumal Herr Gebert selbst in einem Beitrag vom August 2019 ("Der Aktionär"), mit seiner Überschrift: "Das Null-Zins-Umfeld verändert die Börsenlandlandschaft", wohl damit auch andeuten wollte wohin die Reise geht.

Für mich stellt sich eine Frage: Wird die Fed untätig sein, wenn die Zinsen der US - Staatsanleihen weiter steigen und langsam zur Bedrohung der Aktienmärkte werden?

 

 

Es ist grundsätzlich schwierig derartige Prognosen abzugeben. Der Gebert-Indikator beschreibt erst einmal nur ein Risiko. Inwiefern das dann auch so eintritt, ist nicht sicher. Daher kann man den Indikator auch nicht für Short-Investitionen nutzen. In der Vergangenheit ist auch oftmals gar nichts passiert, während der Indikator ein Verkaufssignal angezeigt hat. Seine große Stärke liegt darin, dass er oft genug in Bärenmärkten nicht investiert war und damit seine Überrendite erzielt hat.

Was die FED macht, hat auf den deutschen/europäischen Aktienmarkt nur sehr indirekt Einfluss. Fakt ist jedoch: Bei steigenden amerikanischen Zinsen, steigt auch der Dollarkurs und das ist wiederum gut für den DAX, bzw. der Teil-Indikator "Dollar" schaltet dann wieder auf 1.

Was mir Kopfzerbrechen bereitet ist, was würde wohl sein, wenn nach 40 Jahren fallender Zinsen jetzt ein Paradigmenwechsel stattfindet, also die Zinsen immerzu steigen? Was würde passieren? Würden Staaten oder Firmen Probleme bekommen? Diese könnten sich ihr Geld auch anderweitig beschaffen, nämlich durch den Verkauf von Anleihen z.B. Als Anleger kauft man dann halt Anleihen statt Aktien.

Warum mal nicht in diese Richtung denken?

 

Aber wahrscheinlich ist erst nach einem großen Knall und einer nachfolgenden Währungsreform damit zu rechen!

Für gewöhnlich passiert genau das. Für die Anleger stehen Aktien und Anleihen in Konkurrenz. Steigen die Zinsen, werden Anleihen attraktiver und Aktien werden verkauft. Für Unternehmen und Staaten ist das ungünstig, denn dadurch werden Kredite teurer und die Unternehmer/Staaten überlegen sich zweimal, ob sie Investieren oder nicht. Deshalb bremsen steigende Zinsen auch die Wirtschaftstätigkeit. Sollte man nun einen Paradigmenwechsel durchführen und die Zinsen wieder steigen lassen, so passiert das, was bereits in den vergangenen Dekaden, in Form von Zyklen normal war. Aktien fallen dann wieder und Anleihen steigen. Als Anleger kann man natürlich dann umschichten, allerdings muss man hier die Ausfallrate berücksichtigen. Denn je höher der Zins, desto höher das Risiko. Für das Gebert-System macht es durchaus Sinn in den nicht-investierten Phasen (also bei Verkaufssignalen) auf festverzinsliche Anlageformen, wie Tagesgeld, Staatsanleihen und Festgeld überzugehen. Dadurch erzielt man noch bessere Ergebnisse. Aktuell ist das jedoch keine Alternative und man müsste sich für mickrige Zinsen ein unverhältnismäßig hohes Risiko ins Depot holen, in dem man z.B. Unternehmensanleihen kauft.

Aktuell sehe ich keine Anzeichen für einen Trendwechsel. Für einige Staaten in der Eurozone und insbesondere auch durch die Corona-Krise, wäre eine Zinserhöhung katastrophal und würde einige vermutlich massiv in Zahlungsschwierigkeiten bringen. Was wir dann hätte, dagegen wäre die Griechenland-Krise Anfang der 2010er nur ein kleines Scharmützel. Im Gegensatz zur FED hat die EZB zu lange mit Zinserhöhungen gewartet und nun kann sie nicht mehr. Wir sind von den niedrigen Zinsen abhängig, wie ein Drogensüchtiger von seinem Stoff. Eine Trendwende wird umso schmerzhafter, je länger man wartet.

Ich bin aus den von Ihnen genannten Gründen grundsätzlich der selben Meinung wie Sie, und glaube nicht das es zu einer nachhaltigen Zinserhöhung kommen wird. Nur stört mich eines, dass ausgerechnet die meisten Crash-Propheten die selbe Logik ständig verkünden. Nun, wahrscheinlich haben sie in dieser Frage recht und die Zinsen bleiben tatsächlich unten und werden sogar noch tiefer gehen. Mit einem vermutlichen Negativzins, auf lange Zeit, hätten die Staaten somit sogar die Möglichkeit sich allmählich zu entschulden, so wie es auch nach dem 2. Weltkrieg der Fall war.

Aus diesen Gründen halte ich eine Investition in Gold oder Goldminen Aktien langfristig für eine sinnvolle Investition.

Ansonsten werde ich weiterhin den Gebert-Indikator die Treue halten!

 

 

 

 

Zitat von Florian70 am 9. April 2021, 18:50 Uhr

..., was würde wohl sein, wenn nach 40 Jahren fallender Zinsen jetzt ein Paradigmenwechsel stattfindet, also die Zinsen immerzu steigen? Was würde passieren? Würden Staaten oder Firmen Probleme bekommen? Diese könnten sich ihr Geld auch anderweitig beschaffen, nämlich durch den Verkauf von Anleihen z.B. ...

auch wenn man bzw. staat sich durch die Ausgabe von Anleihen finanzieren kann:
steigen die Zinsen gibt das sehr hässliche Zahlen im Haushalt!

solange staat bei der Zentralbank was zu melden hat wird das also nicht passieren  😉

die Frage ist also allenfalls:
FÜR WEN steigen die Zinsen?
blöd für Otto Normalanleger, wenn die Lebensversicherung oder die Riesterreiterei wegen Nullzins nix abwirft, er aber GLEICHZEITIG wegen Ablauf der Zinsbindungsfrist eine Anschlußfinanzierung für seine Hypothek braucht - nach 15 Jahren mit 1 % Tilgung für 85 % der anfänglichen Fremdfinanzierung - und die Hypothekenzinsen während dieser 15 Jahre von angenehmen 1,5 % auf 10,5 % gestiegen sind  😉

Zitat von Florian70 am 9. April 2021, 18:50 Uhr

...  Als Anleger kauft man dann halt Anleihen statt Aktien.

nur als Volltrottel hält man WÄHREND eines Anstiegs der Zinsen (längerlaufende) Anleihen!

steigendes Zinsniveau heißt nämlich fallende Kurse bei den Anleihen!

Ich kann mir eigentlich auch nicht vorstellen, dass es plausible Gründe gäbe die zu einer nachhaltigen Zinssteigerungen führen sollten. Was ich mir aber gut vorstellen kann und auch erwarte ist, dass die Inflation steigen wird und in diesem Zusammenhang es auch zu einer moderaten Zinssteigerung kommt, diese aber deutlich unter der Inflationsrate liegen wird, sodass es zu einer allmählichen Vermögensvernichtung kommt, für alle diejenigen ihr Geld normal bei einer Bank parken. Solche Phasen von finanzieller Repression hat es in der Geschichte schon öfter gegeben.

Und dies ist auch der Grund, warum ich nicht von einer größeren Korrektur am Aktienmarkt ausgehe.

 

 

Zitat von Florian70 am 12. April 2021, 13:29 Uhr

... Was ich mir aber gut vorstellen kann und auch erwarte ist, dass die Inflation steigen wird und in diesem Zusammenhang es auch zu einer moderaten Zinssteigerung kommt, diese aber deutlich unter der Inflationsrate liegen wird, sodass es zu einer allmählichen Vermögensvernichtung kommt, für alle diejenigen ihr Geld normal bei einer Bank parken. Solche Phasen von finanzieller Repression hat es in der Geschichte schon öfter gegeben.

Und dies ist auch der Grund, warum ich nicht von einer größeren Korrektur am Aktienmarkt ausgehe.

Von gelegentlichen auch größeren KORREKTUREN am Aktienmarkt würde ich schon ausgehen!

nicht vorstellbar ist eher eine lange anhaltende Baisse ...

man unterscheide:
Eine „Korrektur“ ist eine zeitlich eng begrenzte Gegenbewegung der Kurse, beispielsweise kurzfristig fallende Kurse innerhalb einer übergeordneten Hausse  versus  einem Bärenmarkt (auch französisch Baisse), wenn die Kurse über einen längeren Zeitraum fallen

Zitat von exit-tbd am 12. April 2021, 10:09 Uhr
Zitat von Florian70 am 9. April 2021, 18:50 Uhr

..., was würde wohl sein, wenn nach 40 Jahren fallender Zinsen jetzt ein Paradigmenwechsel stattfindet, also die Zinsen immerzu steigen? Was würde passieren? Würden Staaten oder Firmen Probleme bekommen? Diese könnten sich ihr Geld auch anderweitig beschaffen, nämlich durch den Verkauf von Anleihen z.B. ...

auch wenn man bzw. staat sich durch die Ausgabe von Anleihen finanzieren kann:
steigen die Zinsen gibt das sehr hässliche Zahlen im Haushalt!

solange staat bei der Zentralbank was zu melden hat wird das also nicht passieren  😉

die Frage ist also allenfalls:
FÜR WEN steigen die Zinsen?
blöd für Otto Normalanleger, wenn die Lebensversicherung oder die Riesterreiterei wegen Nullzins nix abwirft, er aber GLEICHZEITIG wegen Ablauf der Zinsbindungsfrist eine Anschlußfinanzierung für seine Hypothek braucht - nach 15 Jahren mit 1 % Tilgung für 85 % der anfänglichen Fremdfinanzierung - und die Hypothekenzinsen während dieser 15 Jahre von angenehmen 1,5 % auf 10,5 % gestiegen sind  😉

Zitat von Florian70 am 9. April 2021, 18:50 Uhr

...  Als Anleger kauft man dann halt Anleihen statt Aktien.

nur als Volltrottel hält man WÄHREND eines Anstiegs der Zinsen (längerlaufende) Anleihen!

steigendes Zinsniveau heißt nämlich fallende Kurse bei den Anleihen!

 

Wenn die Inflation stärker steigt werden auch die Zentralbankzinsen steigen müssen, da der Staat sonst die Anleihen nicht mehr los wird, wer kauft Anleihen, die nach Inflation 5% minus abwerfen ....? Banken werden keine günstigen Kredite mehr vergeben, wenn sie nach Inflation Verlust machen bei Rückzahlung. Die Zentralbanken könnten alternativ die Anleihen aufkaufen und aus der Bilanz streichen aber das würde den Status einer Leitwährung unterminieren und letztendlich die Währung auch schwächen.

Steigende Zinsen in den USA bedeuten nicht unbedingt dass der Dollar stärker wird. Wenn die Zinsen aufgrund Inflation angehoben werden müssen, ist das eher ein Zeichen von Schwäche, das kann man z.b. in der Türkei oder in vielen anderen Staaten sehen, die ihre Währung permanent abwerten müssen und hohe Risikoaufschläge in Form von Zinsen zahlen müssen. Die USA haben zwar aktuell ein Wirtschaftswachstum jenseits von 5 %, man muss aber auch beachten dass die Geldmenge um 25% gestiegen ist und das Wachstum eher auf Nachholeffekten beruht.

Zitat von Silberberstreif am 14. April 2021, 1:20 Uhr

Wenn die Inflation stärker steigt werden auch die Zentralbankzinsen steigen müssen, da der Staat sonst die Anleihen nicht mehr los wird, wer kauft Anleihen, die nach Inflation 5% minus abwerfen ....?

  1. die Zentralbanken
    (deren Direktorien von den Staaten mit staats-/politikfreundlichen Frühstücksdirektoren besetzt werden)
  2. Lebensversicherungen/Riester-Anbieter/usw., die kraft Anlagestatuten XY % der ihnen anvertrauten Gelder in nominal risikofreien AAA-Anleihen deponieren
    (hier geht es ja NUR darum nominale Verluste sicher auszuschließen)
Zitat von Silberberstreif am 14. April 2021, 1:20 Uhr

Wenn die Inflation stärker steigt werden auch die Zentralbankzinsen steigen müssen, da der Staat sonst die Anleihen nicht mehr los wird, wer kauft Anleihen, die nach Inflation 5% minus abwerfen ....? Banken werden keine günstigen Kredite mehr vergeben, wenn sie nach Inflation Verlust machen bei Rückzahlung. Die Zentralbanken könnten alternativ die Anleihen aufkaufen und aus der Bilanz streichen aber das würde den Status einer Leitwährung unterminieren und letztendlich die Währung auch schwächen.

Nein. Das Gegenteil ist der Fall. Steigende Zinsen führen zu teureren Krediten und damit zu einer sinkenden Investitionsbereitschaft der Unternehmen. Das wiederum führt zur Verknappung der Waren und damit zur Verteuerung - sprich, steigender Inflation. Würde man die Zinsen nun anheben, käme das einem Brandbeschleuniger gleich. Die Inflation würde noch mehr steigen.

Negative Zinsen auf Staatsanleihen haben, bzw. hatten wir bereits. Selbstverständlich werden die gekauft. Das geschieht vielleicht nicht von privaten Kleinanlegern (die auf den Kapitalmärkten eh keine große Rolle spielen) jedoch von großen Staats- und Pensionsfonds. Die Erklärung hierfür ist einfach: Im Gegensatz zum privaten Kleinanleger geht es solchen "Mammut"-Fonds nicht vorrangig um die Rendite, sondern eher um den Kapitalerhalt. In einem Nullzins-Umfeld, sind negative Zinsen einfach eine Maßzahl für besonders hohe Sicherheit. Es versteht sich praktisch wie ein "Verwahrentgelt " oder eine "Versicherung" gegen Ausfall. Staatsanleihen mit besonders hoher Bonität, wie z.B. Deutschland, zahlen ihre Schulden immer zurück. Sicherer ist nur noch Bargeld im Bankschließfach (für das man auch eine Miete bezahlen muss). Daher werden Papiere mit negativen Zinsen sehr wohl gekauft. Die Währung schwächt das überhaupt nicht.

Steigende Zinsen in den USA bedeuten nicht unbedingt dass der Dollar stärker wird. Wenn die Zinsen aufgrund Inflation angehoben werden müssen, ist das eher ein Zeichen von Schwäche, das kann man z.b. in der Türkei oder in vielen anderen Staaten sehen, die ihre Währung permanent abwerten müssen und hohe Risikoaufschläge in Form von Zinsen zahlen müssen. Die USA haben zwar aktuell ein Wirtschaftswachstum jenseits von 5 %, man muss aber auch beachten dass die Geldmenge um 25% gestiegen ist und das Wachstum eher auf Nachholeffekten beruht.

Doch. Genau das bedeutet es. Denn mit steigenden Zinsen werden amerikanische Anleihen attraktiv. Ausländisches Geld wird angezogen, die Dollarnachfrage steigt, der Wechselkurs geht nach oben. Länder wie die Türkei und Russland müssen aufgrund der Kapitalflucht abwerten. Ganz anderer Grund. Um die Zusammenhänge der Inflation besser zu verstehen habe ich mal einen alten Zeitungsartikel aus 2016 zu dem Thema beigefügt.

Zit.: "Je größer die Geldmenge, desto kleiner die Inflation
Die Maßnahmen der Europäischen Zentralbank scheinen keine Wirkung zu zeigen. Immer mehr billiges Geld überflutet den Markt und die Zinsen sind bei null, doch die Zielinflationsrate von zwei Prozent bleibt weit entfernt. Börsenexperte Thomas Gebert erkärt warum die Maßnahmen keine Wirkung zeigen: Denn nicht die niedrigen Zinsen sind durch die geringe Inflation bedingt, sondern die nachgebende Teuerungsrate folgt den sinkenden Zinsen.

Durch die Verfügbarkeit von Geld und billigen Krediten können kurzfristig Fabriken hochgezogen und nachgefragte Güter in beliebiger Stückzahl produziert werden. So kann es gar nicht zu einer Verknappung des Warenangebots und dadurch zu steigenden Preisen kommen. Kapitalmangel führt zu steigenden Inflationsraten. Ein Unternehmen, das zum Beispiel im Jahr 1980 in den USA eine Erweiterung seiner Automobilproduktion plante, hätte bei einem Zinssatz von 19 Prozent damals, wenn es einen Kredit aufgenommen hätte, nach 20 Jahren inklusive Zins und Zinseszins das Dreißigfache zurückzahlen müssen. Die hohen Zinsen haben also Investitionen verhindert und damit für eine Verknappung des Warenangebots gesorgt, die steigende Preise nach sich zog. Diese Deutung, dass nicht Kapitalüberschuss, sondern Kapitalmangel zu einer steigenden Inflationsrate führt, könnte viele andere Befunde ebenfalls erklären. So verursachte die Kapitalvernichtung durch die große Pleitewelle während der Weltwirtschaftskrise 1932 einen Kapitalmangel, der deutlich steigende Teuerungsraten in den folgenden Jahren nach sich zog. Bis zum Jahr 1938 war die Inflationsrate wieder auf sechs Prozent geklettert. Die gigantische Kapitalvernichtung, die während des Zweiten Weltkrieges stattgefunden hat, sorgte für steigende Teuerungsraten bis weit in die 70er-Jahre hinein. Auch nach der Finanzkrise des Jahres 2008, in der viel Kapital verschwunden ist, stiegen die Inflationsraten deutlich an, in Europa auf über 3,5 Prozent in den USA auf über 4,5 Prozent. Länder, die unter Kapitalflucht leiden und in denen es daraufhin zu Kapitalmangel kommt, etwa Brasilien oder Russland, werden seit Jahren von zweistelligen Inflationsraten heimgesucht. Staaten dagegen, die aufgrund ihres  Handelsbilanzüberschusses Kapital anhäufen, wie Deutschland und Japan, registrieren verschwindend geringe Teuerungsraten. Ein Land wie die Schweiz, das wegen seiner Verschwiegenheit jahrzehntelang als der Kapitalmagnet schlechthin fungierte, registrierte sogar noch niedrigere Inflationsraten. Ein dauerhafter Anstieg der Inflationsrate ist nach dieser Interpretation erst wieder nach einer schweren Deflationskrise mit Kapitalvernichtung möglich. Diese Deutung würde auch die Bemühungen von EZB-Chef Mario Draghi in einem neuen Licht erscheinen lassen. Je mehr er mit niedrigen Zinsen und billigem Geld die Inflationsrate steigern will, desto mehr drückt er sie in Wahrheit."

Quelle: 20.05.2016 DER AKTIONÄR

Also, bei den Baukrediten z.B. ist schon jetzt eine deutlich Steigerung der Zinsen zu sehen. Beispiel (Bauzins.org): Von Februar 2021 bis jetzt von 0,75% auf 0,92%, bei einer Sollzinsbindung von 10 Jahren. Auch sonst ist zu beobachten, dass fast alle Preise merklich gestiegen sind. Nach diversen Preisvergleichen die ich in den letzten 12 Monaten gemacht habe, komme ich auf eine Preissteigerung von durchschnittlich 15%.

Sollte diese Entwicklung so weitergehen und es keine ausgleichende Lohnsteigerungen geben, könnte ich mir für die Zukunft eher eine Stagflation als eine Inflation gut vorstellen.

 

Bin jetzt sicher kein Experte für Zinsen und Inflation - die EZB begründet die Nullzinsen auf jeden Fall damit, dass die Inflation zu niedrig ist, die "normale" Maßnahme einer Notenbank gegen zu viel Inflation ist die Anhebung des Leitzinses, bei zu niedriger Inflation werden die Leitzinsen gesenkt. Wenn sich der Staat jetzt auf einmal auch nur zu 5% finanzieren müsste, könnte er bei weitem nicht so großzügig sein, wie bei Nullzinsen - gleiches gilt z. B. für Autofinanzierungen - Verbraucher können sich weniger teure Autos leisten. Auch wenn Baufinanzierungen (und Anschlussfinanzierungen) teurer werden, hat das Effekte - es würde weniger gebaut, Haushalte, die z. B. nach zehn Jahren deutlich höhere Zinsen für ihre Hypothek zahlen müssen, haben auch weniger Geld für andere Dinge zur Verfügung. Würde mal sagen: In der kurzen und mittleren Frist werden höhere Zinsen eher noch nicht dafür sorgen, dass Produktionskapazitäten wegfallen - Produktion kann halt nicht ausgebaut werden, Wettbewerber haben höhere Hürden, das hat sicher irgendwo einen gegenläufiger Effekt, der unmittelbare Effekt der gesunkenen Nachfrage sollte aber deutlich überwiegen.

Dass wir jetzt noch keine unerwünschte Inflation sahen, liegt wohl auch eher daran, dass das Geld nicht bei den Verbrauchern ankommt, als daran, dass Firmen sich günstig finanzieren können - letzteres trägt vielleicht auch dazu bei, genau wie die Globalisierung oder die Demographie einen Effekt haben. Es ist eine komplexe Angelegenheit, auch, wenn die EZB ihr Ziel einer höheren Inflation bis jetzt nicht damit erreichte, würde ich darin keinen Beweis dafür sehen, dass sie (und andere Notenbanken) grundsätzlich falschrum agiert. Die niedrigen Zinsen der letzten Jahre werden eher zu einer Inflation, denn zu einer Deflation führen.

 

Von Preissteigerungen habe ich - außer bei Benzin und Computerzeugs - noch nicht groß was bemerkt, die Mehrwertsteuer ist halt wieder auf vor-Corona-Niveau. FFP-Masken sind sogar viel billiger, als vor einem Jahr.